Alles im grünen Bereich

Klar können Sie Basilikum & Co auch im Supermarkt kaufen. Aber nichts bringt so viel Geschmack und Frische in die Küche wie selbst angebaute Kräuter! Das Beste: Es ist nicht schwer, ein guter Kräutergärtner zu werden.

Als ich 13 Jahre alt war, kam ich eines Nachmittags heim und bemerkte, dass der Wacholderbusch vor unserem Küchenfenster verschwunden war. An seiner Stelle stand ein großer Blumenkübel und davor meine Eltern, die gerade beratschlagten, wie man auf dem lehmigen Boden wohl am besten einen Kräutergarten anpflanzen könnte. Damals verstand ich nicht, warum sie sich partout den Stress antun wollten, extra ein Beet für frische Kräuter anzulegen – immerhin zogen wir damals schon erfolgreich unser eigenes Gemüse im Garten. Aber im Laufe der nächsten vier Jahre erzog mich meine Mutter zusehends zu einem wahrhaften Kräuterfan, indem sie mich beinahe täglich raus in den Garten schickte, um frische Kräuter holen – sei es für Pasta Primavera oder gegrillte Kartoffeln. Das ganze Jahr über lernte ich, wie frische Kräuter eigentlich simple Gerichte bereichern können: Im Frühjahr rupfte ich Kapuzinerkresse, um Salate aufzupeppen; im Sommer pflückte ich Thymian für Tomatentörtchen; im Sommer schnippelte ich Salbei für Butternuss-Risotto; und im Winter schnitt ich Rosmarin für Gemüseeintöpfe.

Mehr Geschmack, mehr Vitamine

Manche Leute sind der Ansicht, frische Kräuter wären nur was für die gehobene Küche, ein zusätzlicher, zeitaufwändiger Arbeitsschritt; vielleicht denken sie, alltägliche Hausmannskost mit frischen Kräutern aufzuwerten, sei nur Sterneköchen vorbehalten. Für mich jedoch stellen frische Kräuter, vor allem die, die ich selbst angebaut habe, die simpelste Methode dar, einem Gericht Geschmack und Charakter und zu verleihen. Und sie sind dabei mehr als Staffage: Die meisten Gartenkräuter enthalten wertvolle Vitamine in hoher Konzentration. Wenn Sie das nächste Mal Pesto selber machen, fügen Sie der Mischung aus Basilikum, Olivenöl und Pinienkernen einfach eine Tasse frische Petersilie hinzu – das entspricht in etwa dem Vitamin-C-Gehalt einer ganzen Orange, dem Eisengehalt von vier Tassen rohem Spinat und dem Vitamin-A-Gehalt einer Tasse frisch geschnittener roter Paprika. Aufgrund ihres natürlich niedrigen Natriumgehalts bei gleichzeitig hoher Würzkraft, können frische Kräuter auch dazu beitragen, die eigene Küche geschmacksintensiv zu gestalten, ohne auf Unmengen von Salz zurückgreifen zu müssen. Kartoffelpüree mit frisch gehacktem Schnittlauch schmeckt beispielsweise auch mit wenig Salz richtig lecker.
Heute pflanze ich in meinem kleinen Garten stets eine Vielfalt von Kräutern, unter anderem Basilikum, Dill, Rosmarin, Thymian, Kresse, Petersilie und Salbei. Wie ich meine Kräuter verwende, kommt ganz darauf an, was mir gerade einfällt, wenn ich beim Gemüseschneiden oder Nudelkochen aus dem Küchenfenster auf mein kleines Beet schaue. Eine Beobachtung, die ich in meinem eigenen Kräutergarten machen konnte: Pflanzen, die zur selben Zeit reif sind, passen erstaunlich oft geschmacklich gut zueinander – Tomaten und Basilikum beispielsweise oder Steinobst und Anis-Ysop.

Grüne Zauberkräfte

Auch wenn wir beim Thema „Kräuter“ mittlerweile sofort ans Kochen denken, haben Kräuter traditionell auch eine andere Funktion. „In der menschlichen Geschichte hatten Kräuter auch immer etwas Magisches“, erklärt Michael Castleman, Autor des Buches „The New Healing Herbs“. „In unserer modernen Welt haben Kräuter vor allem eine kulinarische Bedeutung und finden nur noch in der Küche statt. Aber in früheren Zeiten hatten sie eine viel weiterreichende Bedeutung.“ Jahrtausende lang wurden etwa Rosmarin, Lorbeer oder Dill als Parfüm, Konservierungsstoff oder als Bestandteil religiöser Rituale und Zeremonien genutzt. Die aromatischen Pflanzen schätzte man nicht nur wegen ihres Geschmacks und ihrer Bedeutung in der Ernährung, sondern auch für ihre anti-mikrobiellen und medizinischen Eigenschaften. „Unsere Vorfahren betrachteten Kräuter in etwa so wie wir heute ein iPhone: kleine, vielseitige Dinger, mit denen man alles Mögliche anstellen kann“, so Castleman. „Man hat sie so mannigfaltig eingesetzt, dass sie oft als Geschenk der Götter betrachtet wurden.“ Verantwortlich für all die Kräfte der Kräuter sind die darin enthaltenen ätherischen Öle, flüchtige Verbindungen, die nicht nur für Geschmack und Aroma der Pflanzen verantwortlich sind, sondern auch für deren medizinische Wirkung. Indem man die Kräuter kocht, trocknet oder einfriert, verlieren sie die Kraft dieser ätherischen Öle, weswegen man nach Möglichkeit auf frische (und auch frisch geschnittene) Kräuter zurückgreifen sollte.

Eine fast heilige Beziehung

Auch wenn Sie keinen Platz für einen richtigen Kräutergarten haben, müssen sie dennoch nicht auf frische Kräuter verzichten: Jeder kann sich in der eigenen Wohnung eine kleine Kräuteroase einrichten. Und auch draußen beim Spazierengehen kann man Kräuter finden – vorausgesetzt, man weiß, wo man zu suchen hat. Beobachten Sie, was in der Natur geschieht, und versuchen Sie, sich mit ihr in Einklang zu bringen! So kann das Anpflanzen und Ernten von Kräutern sogar zu einer Praxis der Aufmerksamkeit werden. Ich pflege eine fast heilige Beziehung zu Kräutern, die ich selbst angebaut und gehegt habe. Der Majoran-Busch, der letztes Jahr noch ein kleiner Setzling war, inspiriert mich zu einem neuen Lieblingsgericht für den Sommer: Risotto mit frischen Erbsen, Majoran und Käse. Wenn ich mich beeile, kann ich schnell rausflitzen und ein bisschen Majoran abschneiden, während der Reis drinnen köchelt, bis er die richtige Konsistenz hat. Das Risotto ruht, während ich den Majoran grob hacke, um ihn dann unterzurühren. Zum Essen setze ich mich auf meine Veranda und schmecke den süßen Majoran, der ein paar Minuten zuvor noch in meinem Garten stand. Das ist der Geschmack, der meine Mahlzeit zu etwas Besonderem macht.

Tipps für Kräutergärtner

Das Tolle an Kräutern ist: Man braucht für sie keinen riesigen Garten. Im Gegenteil: man kann ihn auf ganz wenig Raum einrichten (im Notfall genügt sogar eine Fensterbank!), die meisten Kräuter können ohne Probleme zusammen an einem Platz angebaut werden, da sie unter denselben Bedingungen gedeihen.
Kräuter aus dem Mittelmeerraum (z.B. Thymian oder Oregano) fühlen sich in der prallen Sonne wohl. Die meisten anderen (z.B. Dill, Bärlauch oder Kresse) sind mit einem sonnigen bis halbschattigen Standort zufrieden. Ausnahmen: Waldmeister und Bärlauch gedeihen auch an Schattenplätzen.
Manche Kräuter – z.B. Salbei, Rosmarin oder Lavendel – gedeihen in trockener Erde. Für alle anderen ist es besser, sie regelmäßig zu gießen und darauf zu achten, dass die Erde nicht völlig austrocknet.
Wichtig: Schneiden Sie die Kräuter erst direkt vor ihrer Verarbeitung. Denn je länger sie vor dem Kochen liegen, desto mehr ätherische Öle und somit Geschmack verlieren sie.
Verwenden Sie Kräuter am bestean grob gehackt. So entfalten sie ihre Wirkung in einem Gericht am besten.

Atmen für eine bessere Welt

„Art of Living“, was ist das eigentlich für eine Organisation, die weltweit humanitäre Projekte unterstützt, Politiker, Wirtschaftsbosse und sogar die UN berät?

Die „Art of Living Foundation“, die Sri Sri Ravi Shankar 1981 ins Leben rief, ist heute eine weltweit agierende, gemeinnützige Organisation in über 150 Ländern. Die Stiftung hilft Opfern von Flutkatastrophen, beim Anschlag auf das World Trade Center in New York oder traumatisierten Kriegsopfern im Kosovo. In Indien unterstützt sie von Unicef anerkannte Schulen und ermöglicht Kindern eine kostenlose Ausbildung und Verpflegung. Das satzungsgemäße Ziel – „eine Gesellschaft frei von Stress und Gewalt“ – wird nicht nur in über 5000 humanitären Projekten, sondern auch auf politischer Ebene verfolgt. So gilt Sri Sri Ravi Shankar als ein gefragter Berater der Wirtschaftseliten, und die Stiftung selbst hat einen Sonderberaterstatus bei den Vereinten Nationen (UN).

Doppelter Ansatz
Das Besondere an der Organisation ist, dass nicht nur Notleidenden geholfen werden soll, sondern dass man versucht, Missstände an ihren Wurzeln zu beseitigen. Sprich: Für eine Welt in Frieden und Harmonie müssen Politiker, Manager und Unternehmer, eigentlich alle Menschen erst mal den Frieden in sich finden. Dabei kann die Stiftung helfen. Neben Seminaren für Kinder und Jugendliche, für Nachwuchsführungskräfte und gestresste Manager werden Kurse mit so verheißungsvollen Namen wie „Kunst der Stille“ angeboten. Bekannt wurden vor allem die Atemkurse, die auf einer speziellen, von Sri Sri Ravi Shankar entwickelten Technik beruhen und die bereits von etlichen Persönlichkeiten wie Helmut Schmidt, Reinhold Messner oder dem Dalai Lama besucht wurden. Wer die „Kunst des Atmens“ erlernen möchte, tut damit nicht nur sich selbst etwas Gutes, sondern unterstützt auf die Weise auch eines der sozialen Projekte der Stiftung. Diese werden nämlich mit den Erlösen aus den Kursen und mit Spenden finanziert.


Mehr über die Organisation in Deutschland, seinem Programm und den Kursorten finden Sie unter www.artofliving.de

Der Osten kann vom Westen lernen

Er ist weit mehr als ein Schriftgelehrter, Friedensbotschafter und Gründer einer riesigen Non-Profit-Organisation. Dieser Mann wird von mehreren Millionen Menschen als Guru, ja fast als ein Heiliger verehrt: Sri Sri Ravi Shankar. 

Fast lautlos betritt Sri Sri Ravi Shankar den Raum – und ich bin plötzlich allein mit ihm, dem Guru, dem spirituellen Popstar, der die Massen begeistern kann. Er ist kleiner als erwartet, hat dafür eine umso größere Ausstrahlung. Geräuschlos lässt er sich im Schneidersitz auf einem Sessel nieder und blättert in einer Ausgabe des Yoga Journals. „Sehr schön, sehr schön“, sagt er und lächelt mich sanft an.

Sie scheinen das zu verkörpern, wovon Sie oft sprechen –
Gewaltlosigkeit. Wie können wir die Welt von Gewalt befreien?
Sri Sri Ravi Shankar: Durch Yoga und Erziehung kommen wir dahin. Wahre Yogis werden nie Gewalt anwenden, denn die erste und wichtigste Regel ist Ahimsa, die Gewaltlosigkeit. Wenn wir Yoga verbreiten, werden die Menschen ruhiger und zentrierter werden. Plötzlich wird klar sein, wie wir verhandeln und Konflikte lösen können. Dann wird es weniger Kriege und Streitereien geben. Und selbst wenn Konflikte ausbrechen, werden wir besser damit umgehen können.

Sie meinen, eine tägliche Yogapraxis genügt, um die Welt zu verbessern?
Durch die Praxis, durch die Erziehung zur Aufmerksamkeit und die Erfahrung der Menschen, wie sie durch Pranayama, durch Atemübungen Stress vermindern können.
Ist das Ihre Empfehlung an die Politiker, die Sie besuchen? Fragen Sie: „Haben Sie heute schon Yoga gemacht, Mr President“?
Ja, denn ich sage, wir müssen die wahren menschlichen Werte in der Gesellschaft stärken. Die wurden zu lange nicht beachtet. Heute geben wir in Europa 180 Milliarden Euro für psychologische Behandlungen aller Art aus. Psychische Probleme sind die häufigsten Krankheiten heutzutage. Darum betone ich gern, dass Yoga nicht nur aus Asanas besteht. Durch Bhakti Yoga, Karma Yoga und Jnana Yoga können wir noch weiterkommen. Alles, was wir machen, ist eigentlich Jnana Yoga, wir wollen Wissen und Bildung vermitteln. Nur durch einen ganzheitlichen Yoga-Ansatz können wir Veränderungen erreichen.

Ist das eine Sache, die sich der Westen vom Osten abschauen sollte?
Nicht nur der Westen kann hier etwas lernen. Auch der Osten kann aus seiner eigenen Tradition lernen. Wie immer sind viele Menschen davon überzeugt, sie wüssten schon Bescheid, haben aber keine Ahnung. Hier müssen wir etwas ändern, wir müssen uns auf unser altes Wissen zurückbesinnen.

Stehen uns die neuen Technologien der modernen Welt dabei im Weg?
Technologie kann helfen, wir müssen sie nur richtig nutzen. Das Leben ist wie ein Baum. Die Wurzeln können alt sein, aber die Sprösslinge sind frisch. Wir müssen komplett werden. Ich kann nicht einfach sagen, ich will keine Technologie, ich beachte den wissenschaftlichen Fortschritt nicht. Das wäre nicht richtig. In der Bhagavad Gita sagt Krishna, die Seele des Menschen kann nur mit zwei Dingen befriedigt werden, mit dem wahren Wissen vom Selbst und der Wissenschaft. Erst wenn wir beides haben, ist die Seele zufrieden. Das kann der Osten vom Westen lernen.

Welche Unterschiede gibt es noch zwischen Osten und Westen?
Diese Einteilung in Ost und West kommt aus dem letzten Jahrhundert. Ich sehe hier keine großen Unterschiede mehr. Nehmen Sie Italien und Deutschland. Hier bestehen große Unterschiede, obwohl beides westliche Länder sind. Dasselbe sehen wir in Indien, wenn wir etwa Kerala und Panjab vergleichen. Somit hat jede Region ihre Besonderheiten. Und trotzdem ist jeder Teil verbunden mit etwas Universellem, das alles verbindet. Und Yoga verbindet uns mit allem.

Darum unterrichten Sie auch Yoga…
Genau. Wir nennen den Stil, den wir unterrichten, Sri Sri Yoga. Wer die alten Schriften liest, weiß, dass Yoga ja nicht nur körperlicher Natur ist. Doch in den meisten Yogastunden stehen die Asanas im Vordergrund. Bei unseren Art of Living-Kursen ist es anders, wir stellen Pranayama, die Atemschulung, in den Vordergrund. Und Meditation.

Welche tägliche Praxis empfehlen Sie?
Zehn Minuten Pranayama – und dann 20 Minuten Meditation.

Ist das auch Ihre eigene Praxis?
Jeden Tag zwischen 19 und 21 Uhr meditiere ich, singe Bhajans und halte einen Satsang, egal wo ich bin. Für mich ist das die wichtigste Zeit des Tages. Alle anderen Aktivitäten sind einfach Beilagen.


Wer ist Sri Sri Ravi Shankar?

Als Sohn einer angesehenen Kaufmannsfamilie wurde Ravi Shankar am 13. Mai 1956 in der südindischen Großstadt Bangalore geboren. Bereits als Vierjähriger, so wird berichtet, konnte er Verse aus der Bhagavad Gita zitieren. Mit acht Jahren studierte er klassische vedische Literatur. Mit 17 schloss er dann eine Ausbildung in modernen Naturwissenschaften ab. In den 70er Jahren war Ravi Shankar Schüler von Maharishi Mahesh Yogi und wurde Lehrer für Transzendentale Meditation.

Favorit für den Friedensnobelpreis
Schon früh entwickelte er seine Vision von einer stress- und gewaltfreien Welt und fand zahlreiche Anhänger und Helfer, die ihn dabei unterstützen. 1981 mündeten seine Aktivitäten in der Gründung einer gemeinnützigen, konfessionsübergreifenden Stiftung, der „Art of Living Foundation“. In Indien gehört Ravi Shankar inzwischen zu den fünf einflussreichsten Menschen, erklärte das US-Magazin „Forbes“ 2009. Außerdem wird er seit einigen Jahren als Geheimfavorit für den Friedensnobelpreis gehandelt. Sein Terminkalender ist randvoll. Unermüdlich reist er rund um den Globus und hält auf zahlreichen Großereignissen Reden über seine Idee von einer Welt ohne Stress und Gewalt. So sprach er zum Beispiel schon vor dem Europaparlament, wurde mehrfach als Redner zum Weltwirtschaftsforum eingeladen und war einer der Mitbegründer des Internationalen Führungskräfte Symposium zu Ethik in der Wirtschaft, welches 2010 in Brüssel erstmals stattfand. Als Schlüssel für ein besseres Miteinander empfiehlt Sri Sri Ravi Shankar Spiritualität, Yoga, Meditation – und eine speziell entwickelte Atemtechnik namens Sudarshan Kriya.

Ayurveda: Wo sitzt das unwandelbare Selbst?

Wer bin ich? Woher komme ich? Und wohin gehe ich? Dr. Ulrich Bauhofer, einer der führenden Ayurveda-Spezialisten Europas, versucht Antworten auf die wichtigsten Fragen des Lebens zu finden…

Als Arzt ist meine Domäne die Gesundheit. Welche sonst, fragen Sie vielleicht. Und doch ist es für einen Mediziner nichts Selbstverständliches, sich mit Gesundheit zu befassen. Ärzte beschäftigt nämlich nur das Pathologische, die Krankheit. Über Gesundheit wissen sie eigentlich fast gar nichts – zumindest von ihrer Ausbildung her. Nun bin ich kein gewöhnlicher, sondern ein ayurvedischer Arzt, und im Ayurveda steht Gesundheit an erster Stelle. Ayurveda ist die älteste Medizin der Menschheit und bedeutet „das Wissen vom Leben“.

Das Delphi-Prinzip

Gnothi se authon – Erkenne Dich Selbst, steht am Apollo-Heiligtum in Delphi geschrieben. Dies interessiert Philosophen, aber doch keine Mediziner – so könnte man denken. Irrtum. Für den ayurvedischen Arzt ist dieser Satz von großer Bedeutung. Er besitzt nämlich einen vitalen medizinischen Hintersinn.

„Wer bin ich?“ Diese Frage stellt sich unser Organismus fortwährend und nur deshalb überlebt er. Wie sonst könnte er Fremdes erkennen, das ihn bedroht? Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten oder entartete Zellen, die ihn jeden Moment attackieren oder in ihm entstehen. Der Körper verfügt über komplexe Regulationsmechanismen, die sein Selbst verteidigen. Die entscheidende Rolle spielt dabei sein Immunsystem. Jede Sekunde erzeugt es 1,5 Millionen weiße Blutkörperchen, 100.000 Lymphozyten und einige Billionen Abwehrmoleküle oder Antikörper, um sich gegen all das zu wehren, was die Integrität seines Selbst gefährdet.

Nur weil sich unser Körper jeden Augenblick fragt: „Wer bin ich?“, hält er sich am Leben. Die Natur hat ihm diese Frage als eine Überlebensstrategie eingepflanzt. Und wenn ihm die Antwort darauf nicht mehr einfällt, wenn er sie vergessen hat, dann steht es schlecht um sein Weiterbestehen.

Das Sanskrit-Wort „Swasthya“ – Gesundheit oder wörtlich „im Selbst ruhen“ –erklärt, wie der Körper sich immer wieder auf sich selbst zurückbesinnt, sich fortwährend an seine genetische Identität erinnert, um sich zu erhalten. Selbsterkenntnis hat also offensichtlich etwas mit Gesundheit zu tun – zumindest auf der körperlichen Ebene.

Das Unternehmen Mensch

Gesundheit beschränkt sich nicht auf den Körper allein, sie hat nicht nur nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation auch eine geistige und seelische Dimension. Trotzdem verstehen wir uns selbst zunächst als unseren Körper, wir identifizieren uns mit ihm und definieren uns über ihn. Fälschlicherweise…

Wenn wir aber unser Selbst in den abstrakten Sphären des Geistes und der Seele verstehen wollen, das nicht-materielle, nicht-physische Selbst – das Selbst, das wir nicht mit Hilfe der Molekularbiologie beschreiben können, dann hilft uns ein klareres Verständnis des Körpers zunächst weiter. Wir empfinden ihn als ein statisches Gebilde. Doch das ist eine Sinnestäuschung. Der Körper besteht aus 100.000 Milliarden Zellen, 15.000 mal mehr als Menschen auf der Erde leben. Aus einer einzigen dieser Zellen hat sich der Organismus innerhalb von neun Monaten herausdifferenziert. Schritt für Schritt, mit perfekter Präzision ist Glied für Glied, Organ für Organ gewachsen. Zum Beispiel verfügt unser Nervensystem am Ende seiner Entwicklung über tausend Milliarden hochspezialisierter Zellen, sogenannter Neuronen. In den Streitkräften unseres Immunsystems kämpfen über 100 Milliarden Lymphozyten sowie 100 Trillionen Antikörper. Ein wahres Kunstwerk. Geschaffen vom Leben.

Ohne Rast verändert sich diese unüberschaubare biologische Gesellschaft. Etwa sieben Millionen Zellen produziert der Körper jede einzelne Sekunde neu, am Tag etwa 600 Milliarden. Noch flüchtiger sind die 10 hoch 28 Atome, aus denen unsere Zellen gemacht sind. Sie kommen und gehen und schaffen unser Fleisch und Blut immer wieder neu: fast alle 24 Stunden eine neue Bauchspeicheldrüse, alle drei Tage eine neue Magen-Darm-Schleimhaut, alle sechs Wochen eine neue Leber, jeden Monat eine neue Haut, alle paar Monate ein brandneues Skelettsystem. In jeder Sekunde führt der Körper etwa 10 hoch 25 chemische Operationen durch – eine 1 mit 25 Nullen. 98 Prozent der Atome, die unseren Körper bilden, werden jedes Jahr ersetzt. Alle vier Jahre haben wir aus atomarer Sicht einen völlig neuen Körper.

Lautlos und ohne Anstrengung wird dieser fesselnde Biotanz auf der Bühne des menschlichen Organismus aufgeführt, und wenn wir ihn voll andächtiger Bewunderung betrachten, fragen wir uns, wer ihn dirigiert. Welche Instanz steuert all diese Prozesse?

Wo ist die Schaltzentrale?

Ein Biologe würde uns schnell Antwort liefern: Es ist die DNA, die alles regelt. Unser genetisches Selbst ist die Kommandozentrale unserer Zellen und verbirgt sich tief in deren innersten Kern. Nun ist die DNA aber auch ein Stück Materie, aufgerollt in einer sogenannten Superhelix, zusammengesetzt aus einer Unzahl von Atomen. Forschungen haben jedoch belegt, dass auch die Atome der DNA ununterbrochen ausgetauscht werden. Unsere Erbsubstanz erneuert sich also im Hinblick auf ihre atomare Zusammensetzung alle paar Wochen.

Welcher Schluss ergibt sich daraus? Wenn sich die Materie der DNA dauernd ändert, kann sie nicht der Dirigent aller Wandlung in unserem Körper sein, denn was als oberste Instanz Veränderung kontrolliert, sollte selbst gleich bleiben. Wenn unsere innerste Schaltzentrale nicht das materielle Substrat unseres genetischen Selbst ist, dann könnte es trotzdem die Intelligenz oder das Wissen sein, das die Materie verkörpert. Dieses Wissen ändert sich nämlich nicht. Hier entgleitet uns das Konkrete und Fassbare. Wissen ist abstrakt, das Produkt von Geist oder von Bewusstsein. Wir haben es hier mit der Intelligenz der Natur zu tun.

Ist das Selbst der Geist?

Der Körper ist also aus Geist gemacht; hier stoßen wir auf ein zweites Identifikationsmerkmal unseres Selbst. Neben unserem Körper definieren wir uns über unseren Geist – oder genauer: über die Inhalte unseres Geistes. Über unsere Meinungen und Überzeugungen, über unsere Empfindungen und Gefühle, über unsere Werte – und Glaubenssysteme – also das, was wir unsere Persönlichkeit und unseren Charakter nennen. Doch auch hier stellen wir fest, dass sich diese Eigenschaften im Laufe der Zeit wandeln. Sie haben nichts Dauerhaftes. Die Inhalte unseres Bewusstseins verändern sich ständig, das Bewusstsein selbst allerdings bleibt stets dasselbe, immer gleich.

Halten wir fest: Wir verstehen uns selbst als unseren Körper und die Inhalte unseres Geistes. Dadurch unterscheiden wir uns von anderen. Dadurch empfinden wir uns als Individuen. Trotzdem müssen wir erkennen, dass unser Körper sich jeden Augenblick verändert und sich auch unsere Persönlichkeit fortwährend entwickelt. Wir sind also noch mehr als unser Körper und die Inhalte unseres Geistes. Unser unwandelbares Selbst lebt jenseits davon. Aber wo? Das Abstrakte ist die Domäne des Bewusstseins, und darum müssen wir es dort suchen. Wir haben es intellektuell abgeleitet, doch bleibt solch ein Verständnis des Selbst ohne praktischen Wert. Wir müssen es erfahren. Erkenne Dich selbst bedeutet: Erfahre Dein Selbst! Selbst-Erkenntnis ist an Selbst-Erfahrung gebunden.

Wie erfahre ich mein Selbst?

In der vedischen Wissenstradition sticht als eine Schwesterdisziplin des Ayurveda Yoga hervor. Yoga ist ein System, das sich mit der Erkenntnis und der direkten Erfahrung des Selbst im Bewusstsein des Menschen befasst. In den Jahrtausende alten Texten des Yoga wird das Selbst mit Hilfe eines einprägsamen Sinnbilds erklärt. In dieser Allegorie werden wir Menschen mit Wellen im Ozean verglichen. Jeder Mensch hat seine individuellen Charakteristika, so wie eine Welle ihre Besonderheiten besitzt: ihre Größe, ihre Gestalt, ihre Geschwindigkeit, ihre Richtung. Darüber definiert sie sich, grenzt sich von anderen Wellen ab, erhebt sich möglicherweise über sie, verfällt der Gefahr von Arroganz oder Dünkel. Wenn die Welle jedoch über sich nachdenkt, kommt sie zu der Erkenntnis, dass ihre individuellen Eigenschaften veränderlich und vergänglich sind. Tief in ihrem Inneren aber verbirgt sich etwas Konstantes, das, woraus sie gemacht ist, was sie dauerhaft durchdringt, was sie immer war, ist und bleiben wird: das Meer. Das unveränderliche Selbst der Welle ist das Meer. Ernst Jünger beschrieb dieses Verhältnis so:

„Ein Becher Wasser, ins Meer gegossen: es bleibt Form ohne Inhalt, Inhalt ohne Form. Ein Augenblick des Schmerzes, des Heimwehs, begleitet den Verlust. Dem folgt die große Vermählung mit dem Meere: Heimat nun überall.“

Um solch einer intellektuellen Erkenntnis Leben einzuhauchen, bedarf es – wie schon betont – der Erfahrung. In der dritten Strophe seines großen Gedichtes „Das Vermächtnis“ skizziert Goethe den Weg zur direkten Erfahrung des Selbst:

„Sofort nun wende Dich nach innen:
Das Zentrum findest Du da drinnen,
Woran kein Edler zweifeln mag.
Wirst keine Regel da vermissen:
Denn das selbständige Gewissen
Ist Sonne Deinem Sittentag.“

Ganz in Anlehnung an eine geistige Technologie aus dem Yoga-System, der Methode des Dhyana, beschreibt Goethe den Weg in die innere Welt, in deren Zentrum wir unser Selbst finden. In den alten Yoga-Texten heißt es, dass in der Erfahrung des Selbst durch den Vorgang des Meditierens die Basis für ein erfolgreiches und dynamisches Tun besteht. Denn dort, wie Goethe sagt, wo alle Regeln und Gesetze des Lebens sich sammeln, von wo die Natur regiert, in der unendlichen Weite und Stille des Selbst, schöpft der Geist seine kreative Kraft. Von dort trägt er sie in den Bereich des täglichen Lebens hinaus.

Ein Mensch, der aus seinem Selbst heraus denkt und handelt, transportiert die grenzenlose Freude, die in seinem Inneren lebt, hinaus in seinen Alltag. Er ist wie die Welle, die ihr Selbst kennt und weiß: Ich bin das Meer. So können wir einen anderen Goetheschen Satz in seiner tiefen Bedeutung erfassen. Er lautet: „Die beste Freude ist das Wohnen in sich selbst.“ Bedingungslose, spontane Lebensfreude, die aus der Erfahrung des Selbst erwächst, ist Ausdruck von Gesundheit, auf Sanskrit „Swasthya“ – von„Swa“: das Selbst, und „sthya“: ruhen. Gesundheit bedeutet, in sich selbst Ruhe gefunden zu haben.

Swasthya und Ayurveda als die Kunst, Balance zu halten

Ein gesunder Mensch ist im Gleichgewicht. Seine Körperfunktionen schwingen in Harmonie. Da Geist und Körper eigentlich ein und dasselbe ist – nur die zwei Seiten derselben Medaille – erzeugt die Balance in der Physiologie die Erfahrung des unwandelbaren stillen Selbst in unserem Geist. Und wenn die direkte Erfahrung des Selbst in unserem Bewusstsein aufblüht – das, was im Yoga der Samadhi-Zustand genannt wird -, rückt sie die Systeme und Funktionen des Organismus automatisch ins Lot.

Ayurveda als das „Wissen vom Leben“ befasst sich mit all den unterschiedlichen Facetten des menschlichen Daseins und damit, welche Wirkung sie auf unsere Gesundheit ausüben. Wie diese Einflüsse uns im Selbst verankern oder sie von uns weg in eine Krankheit treiben können. Ayurveda kümmert sich daher um den gesunden ebenso wie um den kranken Menschen – immer auf ganzheitliche und individuelle Art. Das Spektrum ayurvedischer Behandlungsverfahren ist weit: zu ihm gehören Ernährung, Entgiftung, natürliche Heilmittel, Tages- und Jahreszeitenroutine, verjüngende und vitalisierende Maßnahmen, Aroma-, Klang- und Vitalpunkttherapie, Stressmanagement und vieles mehr.

Als Ziel verfolgen all diese Maßnahmen, die stets aufeinander abgestimmt sind, das Körper-Geist-Seele System in der Balance zu halten. Denn ein Mensch im Gleichgewicht ist nicht nur gesund, er ist auch glücklich. Darin gipfelt die ayurvedische Definition von Swasthya – Gesundheit: Der ist wahrhaft gesund, dessen Sinne, dessen Geist und dessen Bewusstsein in einem dauerhaften Zustand des Glücks verweilen.

Das Delphi-Prinzip „Gnothi se authon – Erkenne dich selbst!“ war Ausgangspunkt unserer Gedankenkette. Wir wissen nun um seine Bedeutung in Bezug auf unsere Gesundheit. Und in Bezug auf unser Lebensglück.


Dr. med. Ulrich Bauhofer ist Arzt, Bestsellerautor und Lehrer für Transzendentale Meditation. Vor über 30 Jahren begann er als erster westlicher Mediziner, die ayurvedische Heilkunde in Indien von den vedischen Ärzten zu lernen. Dr. Bauhofer konzipierte und leitete über zehn Jahre die größte Ayurveda-Klinik Europas in Traben Trarbach. Derzeit hat er eine ayurvedische Praxis in München, berät Unternehmen und Führungskräfte zu Gesundheits- und Stressmanagement, hält international Vorträge und Seminare. Er ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Ayurveda. Mehr unter www.drbauhofer.de

Yoga & Laufen: Besser durchstarten

Laufen und Yoga passen prima zusammen. Denn eine gute Haltung, die richtige Technik, einen langen Atem – das alles braucht man nicht nur auf der Yogamatte, sondern auch beim Joggen und bei Wettrennen. YJ-Reporterin Claudia Wiese hat die Tipps fürs Laufen und für das Dehnen danach ausprobiert.

Bei schönstem Sonnenschein trabe ich den Parkweg entlang. Frühling, die Welt ist grün und duftet: Ich fühle mich wie ein Zirkuspferd, das zum ersten Mal auf die Weide darf, ich könnte wiehern vor Glück. Was auch an meiner neuen Lauftechnik liegt: sehr aufrecht und mit leichter Spannung im Bauch, die Knie angehoben bei jedem Schritt, die Arme eng am Körper, fast als wollte ich mir selber Kinnhaken verpassen. Das ist für mich völlig ungewohnt und hat etwas Pony-ähnliches, finde ich. Bisher bin ich einfach immer so dahin gelaufen, rennen kann schließlich jeder, oder? Um Verletzungen vorzubeugen und mehr Ausdauer zu entwickeln, ist aber die richtige Ausrichtung beim Laufen von großer Bedeutung, erklärt Trainerin Daggi Meiss: „Bei der idealen Technik bildet der Rumpf das Zentrum. Anfänger laufen oft mit zu weit nach vorne geneigtem Oberkörper und machen zu große Schritte.“ Sie dagegen empfiehlt die Kreuzkoordination: Arme und Beine bewegen sich im Kreuzgang zueinander, um den Körper möglichst stabil zu halten.

Weniger Verletzungen, mehr Stabilität

Die Schritte richten sich nach dem „Vokuhila-Prinzip“: vorne kurz und hinten lang. Ich versuche also, die Schritte kurz vor meinem Körperschwerpunkt aufzusetzen und dafür hinter dem Körper mit guter Hüftstreckung den Schritt möglichst lang zu ziehen. Neu ist mir auch die „Mittelfußtechnik“: den ganzen Fuß soll ich aufsetzen, nicht etwa von der Ferse aus abrollen, wie ich das irgendwo mal gehört hatte. „Wenn die Ferse als erstes auf dem Boden landet, fehlt der natürliche Stoßdämpfer, erklärt Daggi Meiss, Diplomsportwissenschaftlerin und Fitnesstrainerin in einem Sportzentrum des TSV Bayer Leverkusen. In ihrer Freizeit trainiert sie für den „Ironman“: den Extrem-Triathlon aus knapp vier Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und anschließendem Marathonlauf, also rund 42 Kilometer. Noch dazu ist Daggi Meiss Yogalehrerin. Wie das zusammenpasst? „Yoga stabilisiert und dehnt meinen Körper und wirkt sich positiv auf meine Haltung beim Laufen aus“, erklärt sie. „So kann ich Verletzungen vorbeugen und Dysbalancen ausgleichen. Aber auch mental hilft Yoga mir beim Laufen weiter. Ich bin bei großer körperlicher Anspannung inzwischen viel gelassener und kann mich besser regenerieren.“ Aus ihren Erfahrungen als Ausdauersportlerin und ihren Erkenntnissen als Yogalehrerin hat Daggi Meiss einen Workshop konzipiert, in dem sie Hobbyläufern Tipps gibt für die Turnschuh-Technik und für das Barfußtraining auf der Yogamatte. Dessen erster Teil besteht aus einem Lauftraining, der zweite findet im Yogastudio statt.

Guter Ausgleich für Ausdauersportler

Soll man denn überhaupt im Anschluss ans Laufen Yoga üben? „ Wenn man eine leichte Joggingrunde gedreht hat, ist Yoga anschließend super. Nach einem wirklich langen, anstrengenden Training ist Yoga jedoch nicht ratsam, und auch kein anderes Kraft- und Dehnungstraining“, rät sie. „Die Gefahr, dass Mikrofasern in den Muskeln reißen und so Entzündungen entstehen, ist zu groß. Ein lockeres Austraben ist besser. Früher haben Sportwissenschaftler auch zum Dehnen vor dem Laufen geraten, das wird heute nicht mehr empfohlen.“ Grundsätzlich gilt: Yoga ist ein hervorragender Ausgleich für alle Ausdauersportler! Dazu muss man nicht gleich im Anschluss ans Laufen auf die Matte, sondern ein paar Mal pro Woche die yoga-typischen Dehn- und Kräftigungsübungen machen. Denn durch Radfahren oder Laufen zum Beispiel verkürzen sich die Muskeln am Gesäß und an den Beinrückseiten. Außerdem verhindert man einen Rundrücken, der zu Schmerzen führen kann. Yogaübungen wie der „Herabschauende Hund“ strecken diese Muskeln. Balanceübungen wie der„Baum“ kräftigen zudem die Wadenmuskulatur, die so besser Stöße abdämpfen kann. Sinnvoll sind auch die Kriegerpositionen, die die Hüfte dehnen und natürlich alle Yoga-Übungen, bei denen der Rumpf gekräftigt wird, wie „Vasishtasana“ und das „Brett / schiefe Ebene“. Die Fußmuskeln werden zum Beispiel im Fersensitz gedehnt und gekräftigt.

Pranayama beim Laufen?

Und was ist mit der Atmung? Soll die ähnlich wie beim Yoga kontrolliert an die Bewegung angepasst werden? Daggi Meiss widerspricht: “Beim Laufen kann man zwar, wenn man will, einen individuellen Atemrhythmus finden, der Atem darf aber auch einfach frei fließen. Durch den Mund zu atmen, ist absolut okay, man bekommt so mehr Sauerstoff. Wer viel Yoga übt, wird allerdings auch merken, dass er auch beim Laufen freier und tiefer atmen kann.“ Die Faustregel lautet: Man sollte nur so schnell laufen, dass man sich dabei auch noch unterhalten könnte.

Seitdem ich mich jedenfalls beim Joggen aufrechter halte und mehr mit Bauchspannung arbeite, verspüre ich so einen angenehmen Vorwärtsdrang. Sogar, wenn es bergauf geht. Und mir gefällt, dass ich eigentlich dasselbe mache wie beim Yoga: Schultern locker, Rücken in der natürlichen Aufrichtung, Rumpfmuskeln stark, Beckenboden und Bauchmuskeln leicht anspannen, ein Buddha-Lächeln im Gesicht. Gleich im Anschluss ans Joggen übe ich draußen den Baum, den Hund, und ein paar andere Asanas. Mit Blick in den blauen Himmel. Wunderbar.

Zurück zu den Wurzeln: Ausbildung zur Ashtanga-Lehrerin

Julia Schmelter reiste vor einiger Zeit nach Indien. Doch nicht, um dort entspannt Urlaub zu machen. Sondern um sich zur Asthanga-Lehrerin ausbilden zu lassen. Dabei lernte sie das „wahre“ Asthanga-Yoga kennen – und das hatte nichts mit dem zu tun, was sie in Deutschland darüber gelernt hatte…

Es gibt kein zurück mehr. Ich habe gebucht. Indien. Vier Wochen Ashtanga Yoga Teacher Training. Was mich dort erwartet? Keine Ahnung. Nach langer Recherche habe ich mich für eine kleine Schule außerhalb Mysores, dem Herzen des Ashtanga Yogas, entschieden. Jetzt bin ich um 1500 Euro ärmer und ziemlich nervös, was mich dort erwarten wird.

2. Januar
Nach einem langen Flug und einer schrecklichen Busfahrt sitze ich in einer typisch indischen Riksha auf dem Weg zu meiner Yoga-Schule. Langsam werde ich richtig aufgeregt. Wir halten vor einem großen Haus, sofort kommt ein Inder raus und begrüßt mich herzlich. Es ist Jaykumar, mein Lehrer. Er sieht nicht unbedingt wie ein typischer Yogalehrer aus. Klein, mit rundlichem Bauch, erinnert mich eher an einen Universitäts-Professor. Tatsächlich hat er auch an der Uni von Mysore gelehrt, außerdem für die Indische Botschaft in Moskau gearbeitet. Sein Haus ist groß, unten die Yogahalle, darüber wohnt er und im zweiten Stock die Schüler. Ich beziehe also den zweiten Stock – und wundere mich, wo wohl die anderen Schüler sind. Wie es aussieht, bin ich die Einzige. Einzeltraining? Das kann ja was werden!

3. Januar
Mein erster Morgen, der Wecker klingelt um fünf Uhr. Es ist dunkel und kalt. Ich bereue zutiefst, dass ich den Kurs gebucht habe. Hilft ja nichts. Ich ziehe mich an und gehe in die Yogahalle. Dort wird mir schnell klar: Ich bin doch nicht allein. Zwei indische Jungs aus dem Dorf machen mit mir die Ausbildung. Wir sind also zu dritt, ich die Einzige aus dem Westen, noch dazu eine Frau. Meine enge Leggings hatte ich an diesem Tag zum ersten und zum letzten Mal an!
Seit ungefähr einem Jahr bin ich Fan des westlichen Ashtanga-Stils. Diese Art von Power Yoga hat mir sofort gefallen, ich begann, immer regelmäßiger Kurse zu besuchen. Etwas Ähnliches erwartete ich in Indien. Mir war klar, dass wir auch viel atmen, singen und meditieren werden – doch wie viel es tatsächlich sein würde, konnte ich ja nicht ahnen!
Zuerst werde ich die Atemwelt (Pranayama) eingeführt, dann in die Meditation. Ziemlich schwer, nicht einzuschlafen um diese Uhrzeit, ohne Kaffee… Als wir mit Atmen und Meditieren fertig sind, geht es weiter mit Sonnengrüßen. Irgendwie funktioniert das hier etwas anders. Langsamer und nicht so strikt. Um acht ist die erste Klasse vorbei und das Einzige, was ich will ist: einen starken Kaffee.

4. Januar
Heute auf dem Programm: Ein Einzelgespräch mit meinem Lehrer. Er möchte mich kennen lernen. Sein erster Kommentar ist: „Wir müssen zunächst das westliche Ashtanga aus dir raus kriegen. Wir lehren hier das ursprüngliche Ashtanga, traditionell nach Patanjali.“ Soso. Ich habe keine Ahnung, wer das ist.

7. Januar
Yogaphilosophie. Jetzt erfahre ich also ein wenig mehr über Patanjali. Er war der Erfinder des Ashtanga Yogas. Ashtanga Yoga bedeutet, nach dem achtgliedrigen Pfad zu leben. In Sanskrit heißt „ashta“ acht und „tanga“ Teile, erklärt mir Jaykumar und zählt alle acht Stufen von der Moral bis hin zum Superbewusstsein auf. Ich bin verwirrt. Was für ein Ashtanga habe ich denn die ganze Zeit gemacht? Jaykumar lächelt. Die Frage scheint er schon häufiger gehört zu haben. Bei seinem Ashtanga wird bei den Asanas größten Wert auf eine langsame, bewusste Atmung gelegt. „Der Atem entscheidet darüber, wie lange du lebst. Sieh dir die Schildkröte an“, sagt mein Lehrer. „Die lebt über 200 Jahre, weil sie so langsam atmet.“ Aha. Das westliche Ashtanga orientiert sich dagegen stark an Pattabhi Jois, der gesagt hat: Die Leute wollen keine Theorie, sondern Power. Also entwickelte er dynamisch-anspruchsvollen Ashtanga Vinyasa Flow-Stil, der mir eigentlich bisher ganz gut gefallen hat. Jaykumar meint jedoch, dass diese Art leider nichts mehr mit dem ursprünglichen Ashtanga zu tun hat. Im westlichen Ashtanga hetzt man von Asana zu Asana, springt in den Sonnengrüßen und kommt komplett außer Atem – das sei vollkommen kontraproduktiv.

8. Januar
Mir tut alles weh. Mein rechtes Bein lässt sich kaum noch bewegen. Der permanente Schneidersitz während der Vorträge ist nichts für mich. Herrje, wie machen die Inder das bloß? Die können Stunden auf dem Boden rumsitzen, ohne Probleme. Nichtsdestotrotz quäle ich mich aus dem Bett und gehe in die Yogahalle…

9. Januar
Sonntag, endlich ein Tag frei!

15. Januar
Das Chanten der Mantren ist immer noch komisch für mich, ich habe so etwas noch nie vorher gemacht. Ich muss mich richtig konzentrieren, die Sanskrit-Worte mitzusingen (das ist schon kompliziert genug) und gleichzeitig zu verstehen (echt schwierig). Das Meditieren fällt mir auch nicht gerade leicht. Schließlich komme ich direkt aus dem Chaos der westlichen Welt, mein Kopf ist voller Gedanken, Zweifel, Hoffnungen etc. Das Bein tut übrigens immer noch weh.

23. Januar
Cleaning day. Heißt: Wir bekommen eine kleine Gießkanne in die Hand gedrückt, in der warmes Salzwasser ist. Das soll durch das eine Nasenloch rein und durch das andere wieder raus. Soll den Nasengang reinigen. Seltsame Angelegenheit. Danach gibt mir Jaykumar einen Mini-Schlauch, den ich durch die Nase einfädeln und durch den Mund wieder rausziehen soll. Wie bitte?! Er macht es mir vor, röchelt und hustet wie wild. Ich weigere mich. Doch Jaykumar drängt mich, es zu versuchen. Es geht nicht, ich huste wie verrückt und habe ein hochrotes Gesicht. Ich gebe auf. Es geht weiter: Magenreinigung! Ich trinke fünf Gläser warmes Salzwasser und kotze es wieder raus. Ich bin vollkommen erschöpft. Keine Ahnung, ob sich das nun gut anfühlt oder nicht. Zumindest ist mein Bauch von innen gereinigt. Na prima.

25. Januar
Es wird einfacher. Mein Körper und mein Geist gewöhnen sich langsam an das straffe Programm.

29. Januar
Au weia… Mein erster Unterricht! Ich soll die normale Yogaklasse meines Lehrers übernehmen. 90 Minuten, 15 Leute, alles Inder, die seit Jahren Yoga machen. Ich bin fürchterlich aufgeregt. Jaykumat beobachtet mich mit strengem Blick. Die letzten zwei Tage habe ich ein Programm zusammengestellt mit Meditation, Pranayama, Mantras und Asanas. Zuerst muss ich vor der gesamten Klasse ein Mantra chanten und – alle 15 chanten mir nach. Cooles Gefühl! Meine Aufregung legt sich mit jeder Minute mehr. Die Asanas habe ich mir zur Sicherheit auf einen Spickzettel geschrieben, da ich mir nicht alle Bezeichnungen merken kann. Klappt ganz gut. Mein Lehrer ist halbwegs zufrieden.

31. Januar
Der Kurs geht seinem Ende zu. Zum Abschluss fragt mich Jaykumar das Gelernte ab. Ich bin selbst überrascht, was ich in der kurzen Zeit alles gelernt habe.

02. Februar
Abreisetag. Mein Körper ist in Hochform, so fit war ich noch nie! Und erst recht nicht so ruhig und frei im Kopf. Was für ein Gefühl! All die Anstrengung waren es echt wert. Am Ende bekomme ich mein offizielles Zertifikat. Ich habe es wirklich geschafft und bin jetzt Yogalehrerin für traditionelles Ashtanga Yoga! Die vier Wochen werde ich nie vergessen. Danke, Jaykumar!

Wer die Wahl hat…

Edelsteine Hand gemischt bunt
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Jnana Yoga ist das „Yoga der Erkenntnis“. Was ist genau zu erkennen – und was bedeutet es für unsere Entscheidungen? Würde sich Krishna im 21. Jahrhundert vegan ernähren?

Philosophie verwirrt manchmal zunächst mehr, als sie uns im Alltag dient. Das scheint beim ersten Lesen der Bhagavad Gita auch nicht anders. Denn nachdem Krishna bereits Karma Yoga und Bhakti Yoga als die jeweils besten Wege zur Selbstverwirklichung bezeichnet hat, beginnt er auch noch Jnana Yoga, den „Weg der Erkenntnis“, als die höchste Disziplin zu preisen:

Ich will dir jetzt dasjenige Wissen vollständig mitteilen, nach dessen Erkenntnis nichts Weiteres mehr zu erkennen übrig ist. (Bhagavad Gita, VII.2.)

Und er spricht zu seinem Schüler, und damit zu allen Lesern:

Ich bin der Ursprung von allem; aus mir entwickelt sich die ganze Schöpfung. (X.8.)

Ich habe mich oft gefragt, was es mir persönlich hilft, dass alles, was ich in meiner Welt erlebe, aus dem Göttlichen heraus kommt. In Zeiten von großen Belastungen fällt es mir leider manchmal schwer mich, daran zu erinnern, dass alles nur ein Konzept des Verstandes ist. Es geht mir wie den meisten Menschen. Wir nehmen die Welt der Erscheinungen sehr persönlich, und vergessen die Wahrheit, die uns eigentlich beruhigen könnte. Eine lange Zeit unseres Lebens haben wir nicht besonders wach verbracht, sondern nur die Oberfläche des kosmischen Spiels betrachtet. Dabei haben wir das Wunderbarste zunächst verpasst, denn:

Ich bin verborgen durch meinen Schleier der Maya, und die irregeführten Menschen der Welt kennen mich nicht, den Anfangslosen, den Ewigen. (VII.25.)

Es gibt demnach etwas, auf das wir uns verlassen können. Eine Kraft, die nicht aufhört. Ein Licht so hell wie tausend Sonnen. Aber wie entfernen wir diesen Schleier, der die ganze Sache so kompliziert macht?

Obwohl alles, was existiert, göttlichen Ursprungs ist, können wir auf der materiellen Ebene immer noch unterschiedliche Qualitäten erkennen. Im Yoga spricht man von den drei Eigenschaften: Sattva – „das reine Seiende“, Rajas – „das leidenschaftlich Bewegte“ und Tamas – „das schwere Dunkle“. Und jetzt wird es kurz paradox. Obwohl wir im Yoga früher oder später den Weg einer nicht-dualen Sicht der Welt beschreiten wollen, obwohl wir keine Unterscheidung in Gut und Böse treffen wollen, hilft es uns zum Zustand der Einheit zu gelangen, wenn wir möglichst oft die unterschiedlichen Qualitäten anerkennen. Je weniger wir uns selbst etwas vormachen und uns mit falsch angewandtem philosophischen Halbwissen einreden: „Es ist eh’ alles Yoga!“, desto leichter wird es langfristig – durch die Kraft der Gewohnheit – gute Entscheidungen für uns zu treffen. Das stärkt unsere Wurzeln auf der Erde und hilft uns, den Himmel zu erreichen.

Yoga ist also zunächst nicht einfach Laissez-faire. Je mehr wir besonnen wählen, wie wir unser Leben gestalten, desto mehr nähern wir uns der Möglichkeit, auch ohne weitere Hilfsmittel in den Zustand der Wonne zu gelangen. Die Bhagavad Gita beschreibt, wie wir vielen Tätigkeiten in unserem Alltag eine Qualität geben können, mit der wir den Grund für unsere Existenz besser verstehen können. Da Krishna nebenbei ein Liebhaber guter Ernährung ist, gibt er sogar auf diesem praktischen Gebiet ein paar Tipps:

Speisen, die Leben, Reinheit, Stärke, Gesundheit, Freude und Heiterkeit steigern, die schmackhaft, wohlriechend, kräftig und angenehm sind, schmecken dem reinen Menschen. (XVII.8.)

Bei den Vorbereitungen zu diesem Text musste ich ein paar Mal über das Thema Nahrung nachdenken. In den alten Kommentaren zur Bhagavad Gita wurden stets mehrere Milchprodukte als besonders sattvig empfohlen. Ich erinnere mich an einen Urlaub im Himalaya, wo wir auch einer fröhlichen Kuh vor der Haustür begegneten. Der möglicherweise zweitausendfünfhundert Jahre alte Text hatte vielleicht ein ähnliches Bild von der Gewinnung von Milch. Bei der heutzutage vorherrschenden Massentierhaltung wäre Krishna aber möglicherweise ein Advokat veganer Ernährung geworden. Wir können uns unsere eigene Auswahl der physischen und seelischen Nahrung, die wir uns gönnen – und der wir uns aussetzen – selber betrachten und unterscheiden, was uns langfristig wirklich stärkt.

Bei all der Weisheit gilt letztendlich immer wieder: Gott hat mit uns keine Eile. Wir bestimmen selbst, wie lange wir manche Illusionen aufrecht erhalten wollen. Jeder auf seine eigene Art und Weise, in seinem eigenen Rhythmus. Denn mit diesem großzügigen und zutiefst entspannenden Satz kommt das achtzehnte und letzte Kapitel der Bhagavad Gita zum Ende:

So ist dir von mir die Weisheit mitgeteilt worden, die geheimer ist, als das Geheimnis selbst. Nachdem Du all dies überlegt hast, handle, wie es dein Wunsch ist. (XVIII.63.)

Wir haben alle schon den ersten Schritt getan. Ein Freund von mir hat es einmal so ausgedrückt: „Diese zwei Quadratmeter Matte haben mein Leben verändert“. Wer einmal auf den Geschmack von Freiheit gekommen ist, beschenkt sich in der Regel immer mehr mit Entscheidungen, die ihm gut tun. Und:

Selbst der, der lediglich den Wunsch hat, Yoga zu lernen, geht über das Wort hinaus …und erreicht, sich bemühend, das höchste Ziel. (VI.44/45.)

Das sind gute Aussichten. Schon die Sehnsucht nach Befreiung hilft uns auf dem Weg der Erkenntnis. Es ist schon ein Schritt in die Freiheit, allein dieses Heft in der Hand zu halten. Noch besser ist es natürlich, sich nach dem Lesen dieser Ausgabe auf die Yogamatte oder aufs Meditationskissen zu begeben. Und dann guten Appetit, was immer Sie anschließend zur Mahlzeit wählen.


RALF STURM leitet mit Katharina Middendorf die Yogalehrer-Ausbildung zum „Teacher of Stillness“. Gemeinsam führen sie eine Praxis für Yogatherapie und Paarberatung in Berlin.

DVD-Tipp: Im Kopfstand zum Glück?

17„Ein Yogalehrer muss Eier in der Hose haben – auch die Frauen“, lautet Patricia Thielemanns Message gleich zu Beginn des Teacher Trainings. Was die Spirit-Yogastudio-Besitzerin damit  meint, werden die Yogalehrer in spe im Laufe ihrer bevorstehenden Ausbildung sehr genau erfahren. Regisseurin Irene Graef begleitete das Teacher Training zwei Jahre lang und nähert sich den Protagonisten sensibel und unaufdringlich. Ihr Anliegen: zu zeigen, wie Yoga Menschen verändert. Den Fokus richtet sie dafür auf typische Berliner Großstadtyogis: unseren Journalisten-Kollegen Till Schröder (yogaservice.de), die Musikerin Alina Gabriel, Theaterautorin Deborah Schottenstein und den Pädagogen Nikolas Kröger. Dabei beobachtet sie die Protagonisten – die unterschiedlicher nicht sein könnten – nicht nur im Yogastudio (inklusive knallharter Kritik- und Feedbacksituationen), sondern auch in ihrem beruflichen Alltag und privat unterwegs in Kreuzberg. Die größte Herausforderung für die vier ist die nötige Auseinandersetzung mit sich selbst. Fehler, Schwächen Widersprüche gilt es zu erkennen und zu akzeptieren. „Ein Yogalehrer braucht viel Mitte und eine enorme Transparenz, um die Bedürfnisse der Schüler erfühlen zu können. Das funktioniert nur, wenn ihr an eurer Person arbeitet”, gibt Thielemann mit auf den Weg. Ein harter Prozess voller Emotionen, der die Dokumentation umso authentischer und greifbar macht.

Mit „Im Kopfstand zum Glück” liefert die Regisseurin Irene Graef eine wichtige Momentaufnahme der urbanen, deutschen Yogacommunity. Wer plant, demnächst eine Ausbildung zu beginnen, weiß nach dieser Doku sehr genau, was alles auf ihn zukommt. Ein Film wie dieser war längst überfällig!

Erhältlich auf DVD, ca.12 Euro.