Bücher: Wenn heilige Kühe ins Gras beißen

Schluss mit scheinheilig „Lachen zu können und sich davon zu verabschieden, alles zu ernst zu nehmen, ist meiner bescheidenen Erfahrung nach die ultimative heilige Kuh, an der Sie auf jeden Fall festhalten sollten.“ Zu diesem Schluss kommt die Autorin Betsy Chasse, die durch ihren Dokumentarfilm „What the Bleep Do We (K)now?“ auch hierzulande schlagartig bekannt wurde, nachdem sie in ihrem jüngsten Buch einige ihrer eigenen heiligen Kühe sehr amüsant um die Ecke gebracht hat. Verlassen Sie sich gern auf Talismane? Glauben Sie an Astrologie und die Charaktereigenschaften, die Ihrem Sternzeichen und Aszendenten zugewiesen werden? Was bedeutet es für Sie, „spirituell“ zu sein? Was macht eine gute Beziehung aus? Wann waren Sie das letzte Mal so richtig glücklich? Muss man alles vergeben können? Wenn Fragen dieser Art Sie umtreiben, sollten Sie das Buch auf jeden Fall lesen! Scharfzüngig und selbstironisch gibt Chasse Denkanstöße, mit deren Hilfe man sich selbst ein gutes Stück näherkommen kann. Im abschließenden Kapitel „Ein bisschen Quatsch, den Sie von mir lernen können“ gibt es eine witzige Anleitung in sechs Schritten für das Spiel „Mein Leben ist ätzend“, bei dem einem das Lachen über sich selbst zwar manchmal im Halse stecken bleiben mag, man aber gleichzeitig einige seiner ureigensten Überzeugungen getrost über Bord werfen kann.

WennHeiligeKueheInsGrasBeißen_Betsy ChasseFazit:Lesen, lernen, leben – und das Lachen nicht vergessen!

„Wenn heilige Kühe ins Gras beißen – Spiritualität für Realisten“ von Betsy Chasse, L.E.O Verlag, ca. 19 Euro

Foto von Elina Sazonova von Pexels

Surfurlaub? Vorbereitung mit einer kleinen Yogapraxis

Surfurlaub

Du planst einen Surfurlaub? Mit dieser Mini-Practice kräftigst du im Vorfeld bestimmte Muskelpartien, die beim Surfen besonders beansprucht werden. Yoga für mehr Spaß in den Wellen.

Wärme dich für deinen Surfurlaub mit drei Runden Sonnengruß deiner Wahl auf. Beim vierten Mal kommst du vom Ausfallschritt aus in den Krieger II und hältst ihn einige Atemzüge lang (siehe unten).

Stark wie ein Krieger oder Surfer

1_Virabhadrasana _zwei_Krieger_2

Virabhadrasana  II (Krieger  II) kräftigt die Oberschenkel und fördert die Standhaftigkeit auf dem Brett. Der linke Fuß zeigt nach vorn, der rechte ist etwa um 45 Grad nach innen gedreht. Das vordere Knie ist gebeugt und steht über dem Fußgelenk. Die Oberschenkel rotieren nach außen. Der Oberkörper befindet sich mittig über den Beinen, die Körperseiten sind lang. Die Arme sind parallel zum Boden ausgestreckt und der Blick richtet sich über den linken Arm nach vorn. Wiederhole die Übung mit dem rechten Fuß vorne und komme anschließend in Tadasana (Berghaltung).

2_Parivrtta_Trikonasana

Parivrtta Trikonasana (Gedrehtes Dreieck) für einen Starken Oberkörper und eine flexible Wirbelsäule. Wichtig für Wendigkeit auf dem Brett. Komme aus Tadasana ins gedrehte Dreieck, indem du mit dem rechten Fuß einen großen Schritt zurück trittst und ihn wieder etwa 45 Grad nach innen drehst. Strecke die Arme seitlich aus und drehe mit einer Ausatmung den Oberkörper nach links. Dabei bleibt die Wirbelsäule lang gestreckt. Die rechte Hand liegt entweder am Boden oder auf einem Block, der linke Arm ist nach oben ausgestreckt. Übe anschließend die andere Seite.

3_Vrikshasana_Baum

Vrikshasana (Baum) Für Balance auf dem Brett und ein gutes Gespür für den Körper. Die rechte Fußsohle liegt dabei an der Innenseite des linken Oberschenkels und ist fest gegen den Oberschenkel gedrückt. Halte dein Becken gerade über dem linken Bein. Nun verlängerst du dein Steißbein nach unten und strecke Oberkörper und Arme nach oben. Dabei legst du die Hände in Anjali Mudra zusammen. Fixiere mit den Augen einen Punkt vor dir und atme tief und ruhig. Übe anschließend die andere Seite.

4_Bhujangasana_Kobra

Bhujangasana (Kobra) kräftigt für deinen Surfurlauf den unteren Rücken. Wichtig für den Take-Off und das Paddeln. Lege dich dafür mit ausgestreckten Beinen auf dem Bauch und setze die Hände unter den Schultern auf dem Boden auf. Die Ellbogen sind eng am Oberkörper. Presse jetzt die Fußrücken, die Oberschenkelvorderseiten und das Schambein gegen den Boden und hebe mit einer Einatmung deinen Oberkörper. Dabei kommst du nur so weit nach oben, wie es dir die kraftvolle Verbindung zwischen Schambein und Beinen ermöglicht.

5_Navasana_Boot

Navasana (Boot) stärkt die Bauchmuskulatur. Außerdem wichtig für schnellen Take-Off und Körperspannung auf dem Brett. Setze dich mit ausgestreckten Beinen hin und schiebe deine Hände etwas hinter den Hüften in den Boden, die Finger zeigen dabei Richtung Füße. Lehne dich mit geradem Rücken etwas nach hinten und stütze dich mit den Armen. Atme aus, beuge die Beine und hebe die Unterschenkel parallel zum Boden. Dann streckst du die Beine so weit wie möglich. Die Arme streckst du nach vorne, dabei hältst du das Boot mit Hilfe der Bauch- und Rückenkraft. So bekommst du eine starke Mitte.

AUSKLANG: Entspanne dich ein paar Minuten lang in Balasana (Kindeshaltung). Dabei vertiefst und verlangsamst du deine Atemzüge und ziehst dich, so gut es geht, mit allen Sinnen nach innen zurück. Danach ruhst du einige Minuten lang in Savasana (Totenstellung).


Yoga für den Surfurlaub – Fotoquelle: Laura Hirch; Model: Tino Vasudeva Scanzoni

Montags-Mantra: Freut euch – es lohnt sich!

„Wir müssen lernen, uns mehr zu freuen. Dieser Reichtum ist die Essenz der Großzügigkeit und des Gefühls der Fähigkeit, mit der Welt zurechtzukommen, ohne ins Elend zu versinken.” – Chögyam Trungpa

Sind Sie ein Asana-Experte?

Die Yoga-Community wächst und entwickelt sich ständig weiter. Eines ist sicher: Innerhalb dieser großen Gemeinschaft und mitten unter unseren Lesern gibt es richtig viele wunderbare Yogalehrerinnen und Yogalehrer.

Wir sind neugierig auf Ihre Arbeit, auf Ihre Ansätze und Ideen – und wir möchten diesen Schatz an Inspiration, Begeisterung und Wissen heben und in unserem Yoga-Magazin mit allen Lesern teilen. Wenn Sie von sich glauben, dass auch Sie einen Artikel schreiben können wie die der Asana-Experten vom YOGA JOURNAL – oder dass Sie vielleicht noch viel bessere Ideen haben –, dann verfassen Sie selbst eine Übungsanleitung. Die überzeugendsten Texte werden von uns professionell fotografiert und im Heft veröffentlicht, natürlich mit einer kurzen Vorstellung unserer neuen Autoren.

Das ist Ihre Chance! Wir freuen uns auf neue Gesichter im Heft und viele tolle Übungsanleitungen!

 

So können Sie teilnehmen: Schreiben Sie an redaktion@yogajournal.de und schicken Sie uns:

❤ eine kurze Beschreibung zu Ihnen selbst, Ihrer Yogalehrerausbildung und -tätigkeit

❤ einen einführenden Text zu einer bestimmten, von Ihnen gewählten Asana, von der Sie meinen, dass sie für die Mehrzahl unserer Leser interessant und machbar ist.

❤ präzise, gut verständliche Übungsanleitungen zu dieser Asana und zu zwei bis drei vorbereitenden Haltungen.

❤ Der Umfang des gesamten Textes sollte etwa bei 10.000 bis 12.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) liegen. Fotos sind nicht nötig – das übernehmen wir für Sie.

Verlosung: INJU Balance – Natural Cell Tonic

Wir verlosen drei Flaschen „Inju Balance“, das die Zellen vor oxidativem Stress schützt und eine normale Funktion des Immunsystems unterstützt. Informationen zur Teilnahme am Gewinnspiel erhalten Sie unten.

Der Erfinder der Bionade hat sich einen neuen Zaubertrank ausgedacht: Eine geheime Rezeptur mit biologisch-dynamischen Inhaltsstoffen und Propolis (Bienenharz) aus dem Regenwald soll Zellerneuerung und Immunsystem ankurbeln. Dazu gibt es drei verschiedene Rezepte von Inju: „Balance“, „Focus“ und „Sport“, die am besten in einer 21-Tage-Kur kombiniert werden. Doch auch schon ein einziger „Sport“-Shot ist in der Lage, eine Erkältung im Keim zu ersticken. Schluck für Schluck der Gesundheit entgegen!

Wir verlosen 3 Flaschen „Inju Balance“.
Wir verlosen 3 Flaschen „Inju Balance“.

 


Schreiben Sie uns bis zum 15.6.2015 eine E-Mail mit dem Betreff „Inju Balance“ und Ihrer Anschrift an verlosung@yogajournal.de. Viel Glück!

Fotoquelle: inju.com

Tages-Mantra: Haben Sie Mut …

„Haben Sie den Mut, sich ins Leben zu stürzen, Risiken einzugehen, Rückschläge einzustecken, in dem Wissen, dass Sie dem Spiel der Gegensätze ausgesetzt sein werden, also Erfolg und Scheitern, Glück und Unglück, Lob und Tadel.“ – Arnaud Desjardins

CD-Tipp: Joyful Songs from the Heart

AUS FREUDE AM HÖREN
Für sein Debütalbum „Joyful Songs from the Heart“ bekommt Matthias Roth, ein ausgebildeter Yogalehrer der Sivananda- Tradition, von zahlreichen namhaften Gaststars Unterstützung. Da wäre zum einen der kalifornische Kirtan-Sänger Dave Stringer, dessen Stimme bereits in Filmen wie „Matrix Revolutions“ oder dem Videospiel „Myst“ zu hören war. Oder das junge Ausnahmetalent Janin Devi, eine nordrheinwestfälische Bhakti Yogini, die zuletzt mit ihrer im vergangenen Dezember erschienenen CD „Jay Ma“ begeisterte. Zu guter Letzt findet sich noch die New Yorker Musikerin Spring Groove unter Roths Musikgästen. Im italienischen Yoga Journal wurde Spring Groove zur „Voice of Yoga” gekürt. Gemeinsam schaffen die yogabegeisterten Songwriter einen von sanften Akustik-Instrumenten getragenen musikalischen Hochgenuss. Auch für seine Texte hat sich der Schweizer Singer-Songwriter Roth etwas Besonderes einfallen lassen: Gekonnt mischt er englische Songtexte mit traditionellen Mantras. Das Ergebnis ist ein rundum gelungenes, harmonisches Musikerlebnis.

FAZIT: Der bereits mit seiner Band „Shanti“ in Erscheinung getretene Roth rundet sein gelungenes Solo-Debüt mit Auftritten prominenter Gastmusiker ab.

CD_JOY_Matthias Roth

„Joyful Songs from the Heart“ von Matthias Roth (Mr Production, ca. 20 Euro).

Faszinierendes Netzwerk: Unter der Haut

In der Wissenschaft hat man sich über Jahrzehnte nicht sonderlich für Faszien interessiert, aber das ändert sich derzeit grundlegend. Dazu beigetragen hat maßgeblich der Faszienforscher Dr. Robert Schleip, der an der Universität Ulm das „Fascia Research Project“ leitet.

Faszien sind überall in unserem Körper und dennoch sind sie den meisten weitgehend unbekannt. Faszien geben uns Halt und Form und bilden ein gigantisches Netzwerk. Dabei handelt es sich um Schichten, Hüllen und Stränge aus faserigem Bindegewebe, die alle miteinander verbunden sind. Sie umhüllen einzelne Muskelfasern genauso wie die ganzen Muskeln, Organe, Blutgefäße und Nerven. Die Gesundheit und die Spannungsverhältnisse in diesem Netzwerk sind entscheidend dafür, wie geschmeidig unsere Muskeln arbeiten, wie Knochen, Wirbel und auch Organe positioniert sind, wie unsere Gelenke belastet werden. Mit anderen Worten: Ohne Faszien geht gar nichts!

Robert, warum wurden Faszien so lange nicht beachtet – in der Wissenschaft und der Medizin?
Einerseits weil Faszien in den Anatomiekursen der Mediziner nicht sonderlich ästhetisch aussehen – anders als beim lebendigen Körper, bei dem Faszien wunderschön aussehen. Und dann ist es so, dass der männliche Verstand immer etwas zerlegen will, in zählbare Einheiten, um es dann zu verstehen. Und das kann man mit den Faszien nicht machen. Das hat man bei den Muskeln geschafft, sie in zählbare Einheiten zu zerlegen und ihnen dann Namen zu geben. Das hat man mit dem Skelett geschafft. Mit den Faszien scheitert man bei diesem Versuch sofort. Denn dabei kommt man nur zu dem Ergebnis, dass es sich um ein einziges zusammenhängendes Gewebe handelt – alles hängt mit allem zusammen. Bei den komplementärmedizinischen Therapeuten sind die Faszien ja schon lange bekannt, aber das war nahezu gänzlich außerhalb der akademischen Forschung. Diese Brücke ist jetzt geschlagen.

Wie kam es dann dazu, dass die Faszien aus ihrem Schattendasein hervorgetreten sind?
Heute hat man Möglichkeiten und Denkmodelle, eine Ganzheit präzise zu beschreiben, ohne sie in Einzelteile zerlegen zu müssen. Mit digitalen Methoden ist eine dreidimensionale Modellierung möglich. Außerdem kann man Fasziengewebe heute quantifiziert messen. Für das Skelett hatte man schon lange die Röntgenstrahlen, für die Muskeln das EMG, aber für die Faszien gab es nichts Geeignetes. Man konnte lediglich auf subjektive Empfindungen zurückgreifen: Wenn ich mich hier dehne, zieht es bei mir dort, bei einem anderen aber woanders. Und man hatte den subjektiven palpatorischen Befund der Osteopathen und Rolfer. Aber beides ist nicht befriedigend, weil viel Subjektives und möglicherweise Vorerwartungen mit hineinspielen.
Erst seit sechs bis zehn Jahren gibt es Ultraschall in Zehntel-Millimetern und eine solch feine Auflösung braucht man für Faszien. Wenn die Rückenfaszie verdickt ist bei Menschen, die chronischen Rückenschmerz haben, konnte man das früher nicht feststellen. Die Rückenfaszie selbst ist nur 1 bis 1,5 Millimeter dick. Wenn sie um 25 Prozent verdickt ist, ist das zwar funktionell bedeutsam, man konnte es früher aber nicht sehen – jetzt geht das.

Du warst auch einer der Initiatoren des ersten Internationalen Faszienkongresses in Harvard 2007, wo erstmals Wissenschaftler und Therapeuten interdisziplinär ihre Erkenntnisse austauschten. Mittlerweile gab es bereits den dritten Kongress.
Ja, der Faszienkongress an der Harvard Medical School 2007 war ein Paukenschlag. Er hat viel bewegt zusammen mit einem ausführlichen und positiven Artikel darüber, der kurz danach im renommierten Journal „Science“ erschien. Das beides hat die Tür geöffnet. Gute Teamarbeit, die richtige Idee zur richtigen Zeit – und eine gute Portion Glück! Jetzt sind wir sozusagen „parkettreif“ geworden in der wissenschaftlichen Forschung. Wenn man jetzt an einer renommierten Tür anklopft mit dem Thema Faszien, dann hören die Leute zu. Das war vorher nicht der Fall.

Was macht die Faszien zu einem solch faszinierenden Gewebe in unserem Körper?
Die Tatsache, dass es sich um ein ganzkörperweites System handelt, das alles mit allem verbindet. Speziell für Methoden, die mit Dehnung und Körperwahrnehmung arbeiten, eignet es sich wunderbar als Zielorgan. Wenn man die Wade oder die Plantarfaszie dehnt, wirkt sich das auf den Rücken und auf die Hüftgelenksbeugung aus. Das kann man mit den langen myofaszialen Ketten wunderbar erklären und bezüglich individueller Abweichungen jetzt detailliert untersuchen. Von der Biomechanik her hat sich mehr und mehr die Erkenntnis durchgesetzt: Wie beweglich ich bin, hängt gar nicht so sehr von den Muskelfasern ab und auch nicht ausschließlich von den Gelenkkapseln, sondern vor allem vom Fasziennetzwerk. Das ist für die beweglichkeitsorientierten Therapiemethoden sowie für Yoga natürlich hochspannend. Und das Fasziennetzwerk wird hauptsächlich durch Dehnung sowie Scherkräfte trainiert und stimuliert, weniger durch Kompression.

Eines deiner ersten viel beachteten Forschungsergebnisse war, dass Faszien die Fähigkeit besitzen, sich unabhängig von Muskeln zu verspannen und zu lösen. Kannst du die neueren wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammenfassen?
Erst in den letzten Jahren hat man erkannt, dass die Faszien auch ein Sinnesorgan sind. Dazu gehört die Eigenschaft, dass sie selbst Schmerz auslösen können – vermutlich viele Arten von Weichteil-Schmerzen. Ganz besonders interessant ist das zum Beispiel bei lumbalen Rückenschmerzen. Ein Großteil kommt hier nicht von den Bandscheiben, sondern höchstwahrscheinlich von den Faszien. Die Lendenfaszie ist sehr dicht mit freien Nervenendungen besiedelt, die auch Schmerz signalisieren können; zudem zeigt sie bei Rückenschmerzpatienten zahlreiche Zeichen von Einrissen, Narben und Entzündungsprozessen.
Faszien sind das wichtigste Organ für Propriozeption, das heißt die Wahrnehmung der eigenen Körperhaltung und Bewegung, die Körper-Innenwahrnehmung. Sogar in den oberflächennahen Faszien-Membranen gibt es eine dichtere Besiedelung mit pro-priozeptiven Nerven als in Muskelspindeln und Gelenkkapseln. Bezogen auf Yoga bedeutet das: Die Feinwahrnehmung des eigenen Körpers wird vor allem durch diese Rezeptoren gewährleistet, und zwar bei Gleit- und Scherbewegungen von Faszienschichten in Relation zueinander.

Inwieweit wirkt sich Yoga aus der Sicht des Wissenschaftlers positiv auf die Faszien aus?
Förderlich ist es vor allem, wenn es ein mit Achtsamkeit verbundenes Yoga ist und die Betonung nicht auf der leistungsorientierten Sportlichkeit liegt wie zum Beispiel bei einigen Formen des Ashtanga Yoga. Wenn also das achtsame Spüren ein wesentlicher Wert ist, dann ist Yoga eine geniale Methode, um die in den Faszien angesiedelte Propriozeption weiter zu verfeinern. Und da hat die neue Forschung ergeben, dass sich über das Rückenmark die Propriozeption und die Schmerzempfindsamkeit gegenseitig hemmen. Also: Wenn jemand myofasziale Schmerzen hat, geht seine Körperwahrnehmung leider in den Keller. Wenn umgekehrt die Körperwahrnehmung gesteigert wird, hat der Schmerz keine Möglichkeit mehr. Aus dieser Dynamik heraus hat man jetzt einen wunderbaren therapeutischen Ansatz, um zu sagen: Schmerz, geh weg, indem man dem Rückenmark mehr Propriozeption gibt. Und wenn man weiß, dass die Faszien die Hauptquelle für Propriozeption sind, kann man das wunderbar machen – das ist wie eine Medizin.

Du hast einmal gesagt: Gesunde Faszien sind fest und elastisch zugleich, biegsam wie Bambus und reißfest wie ein Zugseil aus Seide. Was kann ich dafür tun, dass meine Faszien so gesund bleiben?
Wir haben jetzt sogar Messinstrumente an der Uni Ulm, um die Weichheit der Faszien und ihre Elastizität zu messen. Aufgrund dieser Forschungen hat sich angedeutet, dass eine langsame „Faszienpflege“ à la Yoga zum Neubau der Faszien führt. Von ihrer Struktur her sind jugendliche Faszien eher scherengitterartig angeordnet. Gleichzeitig sind die einzelnen Kollagenfasern gewellt und dadurch federnder und verletzungsfreier. Bei älteren Leuten dagegen und natürlich auch bei jugendlichen Stubenhockern ist das Gewebe mulitidirektional verfilzt und hat seine Wellung verloren. Wenn jemand dann aber wieder gesunde Faszienpflege betreibt, bildet sich das kollagene Gewebe neu, die Kollagenfasern erneuern sich mit der Zeit, so dass das Fasziennetz insgesamt elastischer, belastbarer und nicht mehr so verletzungsanfällig ist. Die Halbwertszeit liegt etwa bei einem Jahr. Mit einem jugendlich-erneuerten Fasziennetzwerk kann man dann von einer Leiter springen und dabei reißt die Achillessehne weniger leicht als in dem vormals spröden und verfilzten Zustand.
Bei ganz langsamen Dehnungen wie im Yoga wird vorübergehend aus dem Fasziengewebe – wie aus einem Schwamm – Flüssigkeit herauspresst. So kann neue, frische Flüssigkeit aus dem Blutplasma der kleinen Kapillaren ins Gewebe aufgenommen werden. Das ist wie eine Dehydration und eine Rehydration. Erst vor kurzem hat man festgestellt, dass hier eine besonders langsame Flüssigkeitsverschiebung beim Abbau von überschüssigem Kollagen nachhelfen kann. Kollagen in einem harten, verklebten Bindegewebe wird in den nachfolgenden Stunden abgebaut und das Gewebe wird dadurch weicher. //

Foto: www.fascialnet.com