CD-Tipp: Love Within – Beyond

Geballte Frauenpower

„Geduld, Toleranz, Vergebung, Verständnis und bedingungslose Liebe sind menschliche Qualitäten, die wir alle teilen: Männer und Frauen, Gläubige und Ungläubige“, sagt Regula Curti. Die neue CD, die die Beyond-Gründerin Curti zusammen mit der tibetisch-buddhistischen Sängerin Dechen Shak-Dagsay, der indischen Musikerin Sawani Shende-Sathaye und Tina Turner aufgenommen hat, steht demnach voll und ganz im Zeichen dieser bedingungslosen Liebe und der Überwindung von Schranken in Herz und Hirn. Gebete christlicher, buddhistischer und hinduistischer Tradition verschmelzen zu einer Einheit; sprachliche Übergänge von Aramäisch zu Tibetisch, von Englisch zu Sanskrit oder von Latein zu Hindi wirken natürlich fließend. Am schönsten ist es, die Platte konzentriert und ohne Ablenkung zu hören, um sich ganz dem Gänsehaut-Gefühl hingeben zu können, das einen überkommt, wenn etwa Tina Turner mit ihrer unverwechselbaren Reibeisenstimme am Ende des ersten Tracks „Love within“ zu „Amazing Grace“ ansetzt.

Fazit: „When words fail, music speaks“ – vier großartige Künstlerinnen ehren die Vielfalt. Amen.


CD__Beyond_LW_DeluxeLove Within – Beyond // Von Regula Curti, Dechen Shak-Dagsay, Sawani Shende-Sathaye und Tina Turner // Panorama (Universal Music) // Download ca. 10 Euro, CD ca. 18 Euro

Ayurveda

Kerstin Rosenberg

Geschäftsführende Gesellschafterin sowie Fachbereichs- und Ausbildungsleiterin der REAA,
bekannte Spezialistin, Dozentin und Autorin für Ayurveda-Ernährung, Therapie und Psychologie.
Kerstin Rosenberg leitet gemeinsam mit ihrem Mann die Europäische Akademie für Ayurveda. Die international bekannte Spezialistin für Ayurveda und Ernährung bildet seit 1996 Menschen in Ayurveda-Ernährungs- und
-Gesundheitsberatung, -Psychologie und -Therapie in ganz Europa aus. Sie hat eine 20-jährige Ayurveda-Praxiserfahrung und steht täglich im Kontakt zu Patienten, Ausbildungsteilnehmern und Kurgästen. Als Buchautorin hat
sie mittlerweile sieben Ayurveda-Bücher publiziert, die zu den bekannten Werken der Ayurveda-Literatur zählen.

Martin Mittwede

Prof. Dr. Martin Mittwede, Indologe und Religionswissenschaftler, lehrt an der Universität Frankfurt/Main und habilitierte mit einem Forschungsprojekt zum Thema Ayurveda. Er verfügt über profundes Wissen in den vedischen Wissenschaften, hat ein ernährungsmedizinisches Curriculum entwickelt und besitzt langjährige Erfahrung in der ärztlichen Fortbildung, u.a. als Studienleiter für Ayurveda-Medizin an der Europäischen Akademie für Ayurveda.

Win Silvester

Win Silvester ist M.A. (Health Care Management) und Gesundheitstrainer, Ausbildungsleiter der European Fitness & Health Academy und Leiter eines Gesundheitszentrums in Bonn. Er absolvierte ein dreijähriges Studium der Ayurveda-Medizin, ergänzt durch Studienaufenthalte in Indien und auf Sri Lanka. Außerdem lehrt er die südindische Kampfkunst Kalaripayattu, in der Bewegung, Meditation und Massage zusammen kommen. Mit seiner langjährigen Ausbildungs- und Kursleiter-Erfahrung bereichert er die Ayurveda-Akademie als Übersetzer und Fachdozent.

Jutta Krebs

Jutta Krebs, Pädagogin und Logopädin, ist seit über 15 Jahren tief mit Ayurveda verbunden und absolvierte ein mehrjähriges Studium zur Ayurveda-Therapeutin. Als Ausbildungsleiterin, Dozentin und Kurtherapeutin an der Europäischen Akademie für Ayurveda legt sie ihr besonderes Augenmerk auf die liebevolle Berührung von Körper und Seele in der ganzheitlichen Massage- und Schönheitstherapie nach ayurvedischer Tradition. Ihr großes
Wissen, ihre fröhliche Kraft und sensible Wahrnehmung verleihen ihrer Arbeit eine unvergleichliche Qualität.

Petra Eich-Mylo

Petra Eich-Mylo HP (medizinische Leitung Pancakarma, SvasthaMed und Burnout) zählt zu den erfahrenen Heilpraktikern und Spezialistinnen für Ayurveda-Medizin und Pflanzenheilkunde in Europa. Seit vielen Jahren arbeitet sie gemeinsam mit Prof. Gupta im Rahmen unserer Ayurveda-Pancakarma-Kuren und begleitet hier die Patienten auf ihrem intensiven Kurprozess zu ganzheitlicher Gesundheit und Heilung. In Zürich leitet sie ihre eigene Ayurveda-Praxis.

Mark Rosenberg – Vastu

Mark Rosenberg studiert und erforscht die indische Architektur und Bautradition seit über zehn Jahren und setzt seine herausragende Kompetenz erfolgreich als international tätiger Vastu-Shastra-Berater ein. Während zahlreicher Indienreisen analysierte Mark Rosenberg die Qualitäten der alten Baumeister. Er besuchte verschiedene Vastu-Lehrgänge bei renommierten Experten in Europa und in Indien (u. a. Dr. Dinesh Sharma, Markus Schmieke, Sashikala Ananth, Prabhat Poddar). Besonders geprägt haben ihn private Unterweisungen von Prof. Dr. Pandey (Banares H. University), A. R. Tarkhedkar und Riyaz Nadaf). Er absolvierte auch eine umfassende Feng-Shui-Ausbildung bei G. Eggers und Lehrgänge im Bereich Geomantie. Neben seiner Tätigkeit als Manager und Geschäftsführer eines der erfolgreichsten Ayurveda-Zentren Europas arbeitet er als Vastu- und Unternehmensberater, gestaltet Räume und hält Vorträge und Seminare über Vastu, Yoga und Persönlichkeitsentwicklung.

Bernd Rößler – Jyotisha

widmet sich seit 2004 den vedischen Lehren, mit Schwerpunkt Astrologie (Jyotisha). Nach einem einjährigen Online-Studium und Zertifizierung bei ACVA (American Council of Vedic Astrology), begann er von 2005 bis 2009 intensiv bei seinem Lehrer Hart de Fouw in San Francisco und Toronto zu studieren. In ihm fand er nach längerer Suche eine authentische Quelle für traditionelles indisches Wissen. Bis heute wird er in seiner Arbeit durch Hart deFouw inspiriert, begleitet und gefördert. Seit 2009 ist Bernd Rößler hauptberuflicher Astrologe in Detmold. Neben seiner regen astrologischen Beratungspraxis für Menschen und Unternehmen quer durch die Gesellschaft, hält er Vorträge und gibt Workshops und Seminare in diversen Städten im In- und Ausland.

Asana im Fokus: Bharadvajasana

Um die positiven Wirkungen von Bharadvajasana auszuschöpfen und vor allem um Knie- und Rückenprobleme zu vermeiden, ist es ausschlaggebend, dass man beide Beine und Füße korrekt ausrichten kann, bevor man die Drehung einleitet. Genau darauf zielen die beiden vorbereitenden Haltungen ab. Lassen Sie sich damit Zeit und unterstützen Sie sich großzügig mit Hilfsmitteln – nur so kann sich Ihr Körper die optimale Ausrichtung von Anfang an einprägen. Sollte die Haltung zu anspruchsvoll für Knie und Rücken sein, üben Sie mit einem ausgestreckten und einem angewinkelten Bein und gehen Sie sanft in den halben Drehsitz.

IN 3 SCHRITTEN ZU BHARADVAJASANA

1. ARDHA PADMASANA – HALBER LOTOS

Halber_Lotus-Yoga-Journal
Erarbeiten Sie sich langsam mehr Bewegungsspielraum im Hüftgelenk

Anleitung
Sie beginnen in Dandasana (Stabhaltung), also im Sitzen mit gerade nach vorn ausgestreckten Beinen. Wenn sich dabei der untere Rücken nach hinten rundet oder die Aufrichtung schwer fällt, dann legen Sie eine oder mehrere gefaltete Decken unter die Sitzknochen.Legen Sie das rechte Bein behutsam in den halben Lotos. Dazu beugen Sie das Knie und umfassen Fußgelenk und Schienbein mit beiden Händen. Dann ziehen Sie die Ferse des rechten Fußes mit der Kraft der Arme sanft in Richtung unterer linker Bauch.

Wenn möglich, legen Sie den Fuß so weit oben ab, dass die Ferse den Bauch berührt oder sogar eindrückt. Wenn das Knie diese Position nicht zulässt, dann vergrößern Sie den Abstand entsprechend oder legen den Fuß statt dessen so am Boden ab, dass die Sohle an der Innenseite des linken Oberschenkels liegt.

2. ARDHA VIRASANA

Asana_Yoga_Journal_Vorbereitung
Dehnen Sie bewusst den Oberschenkel des gebeugten Beines

Anleitung
Sie beginnen wieder aufrecht in Dandasana (Stabhaltung) sitzend. Die Sitzknochen sind nach unten verwurzelt, beide Beine gerade nach vorn gestreckt. Wenn sich dabei der untere Rücken nach hinten rundet oder die Aufrichtung schwer fällt, dann legen Sie eine oder mehrere gefaltete Decken unter die Sitzknochen. Beugen Sie das linke Knie und ziehen Sie den Fuß an die Außenseite der linken Hüfte, dabei liegt der Rist am Boden, die Zehen zeigen gerade nach hinten und werden aktiv nach unten geschoben. Wenn der Rumpf in dieser Haltung nach rechts kippt oder der Fuß auswärts dreht, dann legen Sie eine gefaltete Decke unter den rechten Sitzknochen, um diese Körperhälfte anzuheben. Halten Sie das rechte Bein gestreckt und ziehen Sie die Zehen zum Kopf. Die Knie­scheibe zeigt gerade nach oben, der Oberschenkel ist aktiviert.

Wichtig: Wenn die Haltung des angewinkelten Beines trotz erhöhter Sitzfläche Spannung im Knie erzeugt, dann lassen Sie diesen Teil der Übung weg und üben Sie später auch Bharadvajasana mit gestrecktem Bein.

3. BHARADVAJASANA

Asana_Bharadvajasana_Yoga_Journal

Varianten und Hilfsmittel ebnen den Weg für den klassischen Drehsitz:

Anleitung
Sie beginnen wieder in Dandasana. Winkeln Sie das linke Bein in Ardha Virasana nach hinten ab und legen Sie den Fuß dicht am Becken ab. Der Rist liegt am Boden, die Zehen zeigen gerade nach hinten. Verwurzeln Sie beide Sitzknochen gleichmäßig nach unten. Umfassen Sie das rechte Fußgelenk mit beiden Händen und führen Sie den Fuß behutsam auf den linken Oberschenkel in den halben Lotos. Fixieren Sie den rechten Fuß mit der linken Hand, während Sie sich nach rechts drehen und den rechten Arm hinter dem Körper herumführen, bis Sie mit der rechten Hand um die Innenkante des rechten Fußes greifen können. Ist das nicht möglich, dann schieben Sie den Handrücken statt dessen gegen Kreuzbein oder Hüfte.

VARIATION VON BHARADVAJASANA

Für alle, die den halben Lotos nicht ausführen können oder aufgrund von Beschwerden oder Verletzungen nicht sollen, gibt es eine einfachere Variation von Bharadvajsana.

Drehsitz_Asana_Yoga_Journal

Anleitung
Bei der Variation liegt der rechte Fuß am linken Oberschenkel und die Zehen sind so unter den Schenkel geschoben, dass die Ferse wenn möglich gegen Schambein oder Damm drückt. Das linke Bein liegt in der halben Heldenhaltung oder ist leicht schräg nach vorn gestreckt. Dann drehen Sie den Rumpf nach rechts und legen die linke Hand auf den rechten Oberschenkel. Den rechten Arm führen Sie hinter den Körper und versuchen, mit der Hand den linken Oberschenkel zu greifen. Ist das nicht möglich, dann stützen Sie die Hand hinter dem Körper auf dem Boden oder einem Block auf, um die Aufrichtung der Wirbelsäule zu unterstützen.


Bharadvajasana //
Bharadvaja = Name eines legendären indischen Weisen,  Asana = Haltung

Love the Guru, kill the Guru

Durch den YogaKosmos spukt der „Guru“ als Idee, als Wunsch und manchmal auch als leibhaftige Person. Dabei ist nicht klar, ob das Guru-Konzept integraler und wichtiger Teil des Yoga ist oder ohne Verluste auch einfach abgelegt werden kann.

Spirituelles Oberhaupt vs. eigene Wahrheit
Jiddu Krishnamurti, von seinen Anhängern zum spirituellen Wunderkind hochstilisiert, löste 1929 die theosophische Bewegung, bzw. den Sternorden, deren wiedergeborenes Oberhaupt er war, einfach auf. Seine Begründung: Wer einem anderen in spirituellen Fragen folgt, ist nicht mehr auf dem Weg seiner eigenen Wahrheit. Auch der aktuelle Dalai Lama kündigte kürzlich an, dass er auf eine weitere Wiedergeburt vermutlich verzichten wird, wodurch die Institution der geistigen Führung der tibetischen Buddhisten durch einen Lama nach Jahrhunderten einfach aufhören würde.

Erkenntnisse ohne Anhaftung
Um die Tragweite dieser Ereignisse beurteilen zu können, muss man sie auf unseren Kulturkreis übertragen. Im ersten Fall würde das bedeuten, dass der Papst die katholische Kirche auflöst und die Gläubigen mit der Mahnung entlässt, in Zukunft ihre eigene spirituelle Wahrheit zu suchen. Im zweiten Fall würde der Papst das Amt des Papstes ersatzlos streichen. Selbst nichtgläubige Menschen werden das als radikal empfinden.

Begleiter auf dem Weg zur Erleuchtung
Dagegen steht die Idee, dass es so etwas wie ein geistiges Oberhaupt oder eine spirituelle Führung berechtigterweise gibt. Im Yoga gibt es sogar das Ideal eines Gurus, der vom Einzelnen gefunden werden kann und der seinem Gegenüber persönlich auf dem Weg zur Erleuchtung hilft. An dieser Stelle vermischen sich in der westlichen Perspektive zwei Begriffe, nämlich der des Lehrers und der des Gurus.

Den Lehrer achten und loslassen
T. Krishamacharya hat als junger Mann zehn Jahre lang bei seinem Lehrer gelebt und ist bedingungslos dessen Anweisungen gefolgt, bis hin zu der Aufforderung, den Lehrer zu verlassen, eine Familie zu gründen und Yoga zu unterrichten. Dennoch hat er von diesem Lehrer nie als seinem Guru gesprochen. T. K. V. Desikachar wiederum hat 30 Jahre lang mit seinem Vater Krishnamacharya Yoga und alte Schriften studiert und auch er hat ihn nicht als seinen oder überhaupt einen Guru bezeichnet. Dabei gehen diese Lehrer-Schüler-Beziehungen weit über das bei uns übliche Maß hinaus: Die räumliche Enge, die Intensität und das zeitliche Ausmaß, ganz zu schweigen von der Unterordnung und dem Gehorsam des Schülers – all das ist etwas vollkommen anderes. Trotzdem befindet sich der Schüler hier irgendwie noch auf derselben menschlichen Ebene wie der Lehrer.

Hingabe und echtes Berührt-werden
Ganz anders beim Guru. Hier ist aber unter Umständen ein erleuchtetes Wesen gemeint, das seinen „Schülern“ oder eben Anhängern schon ganz schön weit entrückt ist, wenn nicht gar grundsätzlich unerreichbar. Krishna Das schildert diese Art von Beziehung sehr überzeugend und berührend in dem Dokumentarfilm „One Track Heart“. Die Begegnung mit dem Guru wird hier als ein spontanes und bedingungsloses Sich-Verlieben erklärt. Das macht die Sache natürlich intellektuell schwer angreifbar. Es bleibt dann nur folgende Beobachtung: Wo der eine sich begeistert hingibt, fühlt der nächste sich noch nicht einmal angesprochen geschweige denn tiefer berührt. Doch das ändert nichts an der „Tatsache“ des Guru-Phänomens und des „Sich-Verliebens“ an sich.

Wie leuchtend sind Vorbilder?
Gurus gelten aber nicht nur als spirituelle Weltlehrer, sondern meist auch als ethisch/moralische Autoritäten, die Erlösungen verschiedenster Art versprechen. Im besten Fall ist der Guru also ein leuchtendes Vorbild an moralischer Integrität und mit besonderen Kräften ausgestattet. Ob überhaupt (und wenn ja wovon) man erlöst werden möchte, muss der einzelne entscheiden. Ob wir jemandem besondere Kräfte zuschreiben, ist ebenfalls Sache von persönlichen Überzeugungen. Gegen moralische Vorbilder gibt es jedoch einen gewichtigen philosophischen Einspruch: Immanuel Kant sagt, im Sittlichen könne Nachahmung überhaupt nicht stattfinden. Jeder muss sich also selbst prüfen und kann nicht schlicht einem fremden Vorbild folgen, soll sein Verhalten als sittlich reif gelten. Damit wären wir wieder bei Jiddu Krishnamurti, der sein eigenes Gurutum abgelehnt hat.

Kritische Inspiration statt Gefolgschaft
Allerdings geht es nicht unbedingt um blinde Gefolgschaft. Es gibt einen Mittelweg: Interessante und inspirierende Menschen, von denen wir lernen können, denen wir nicht alles glauben müssen, die uns aber durch ihr Leben oder Verhalten dazu anregen, darüber nachzudenken, welches Leben wir führen möchten. Diese Entscheidung kann uns in der Tat kein Guru abnehmen.


Foto: aus dem Film „Der atmende Gott“ ; Verleih: MFA+ Filmdistribution

Ken Duken im Interview über Yoga und falschen Ehrgeiz

Ken, im Vorfeld unseres Gesprächs hast du betont, dass du Yoga gegenüber „eher kritisch“ eingestellt bist. Wir freuen uns, dass wir dieses Interview trotzdem führen können.

Gerne. Mir war wichtig klarzustellen, dass ich nicht zur Verfügung stehe, um mich als Super-Yogi zu outen und mit irgendwelchen Weisheiten um mich zu werfen. In dieser Hinsicht bin ich immer noch vom Beginn des Yoga-Booms traumatisiert.

Klingelte da eine Art Esoterik-Alarm?
Das ist immer noch mein Problem bei der Sache. Vor etwa acht Jahren rannten plötzlich alle meine Bekannten und Freunde in Yogastunden, wo sie in Gruppen zusammensaßen und „Om“ sangen. Das war nicht meins, es ist mir nicht individuell genug. Dabei kenne ich einige Körperübungen aus dem Yoga sehr gut. Ich treibe privat und für meinen Beruf sehr intensiv Sport, darunter Laufen, Martial Arts und das Yoga-verwandte Calisthenics, ein Workout, in dem man vor allem mit dem eigenen Körpergewicht arbeitet.

Ken Duken im Gespräch mit dem Yoga Journal
Ken Duken im Gespräch mit dem Yoga Journal

Besonders für den Kinofilm „Northmen – A Viking Saga“ hast du extrem trainiert.

Um die wuchtige Energie dieses Wikingers glaubhaft verkörpern zu können, durchlief ich intensive Drills mit Maximalkraft, darunter simple, aber sehr effektive Sequenzen mit einer Minute schnellem Seilspringen, 60 Kilo Gewichtheben und anschließend zehn ausgehängten, weit gegriffenen Klimmzügen. Klingt nach nicht viel, ist aber heftig. Ich musste 16 Kilo draufbekommen, auch durch gefühlte 6000 Kalorien am Tag. Alle zwei Stunden essen, vor allem Kalorien, die keinen Spaß machen. Alles sehr ziel­orientiert, aber die Beweglichkeit leidet extrem. Ich kam in Vorbeugen nicht mal mehr zu den Knien.

Im Yoga kann geübt werden, das zielorientierte Denken aufzulösen.
Natürlich habe ich längst begriffen, dass meine Vorurteile gegenüber Yoga nicht immer berechtigt sind. Meine Frau übt Yoga, und wenn ich ihr eine lang trainierte Haltung aus den Calisthenics vorführe, klappt das bei ihr aufgrund ihrer Yogapraxis meistens sofort. Ich habe nichts gegen Yoga, sondern die moderne Ausführung. Ähnlich wie bei den Religionen sehe ich auch hier eine schöne Überlieferung mit sehr interessanten Schriften. Nur: Das Bodenpersonal passt nicht. Ich beobachte, dass die Leute regelrecht fanatisch werden, missionieren und sich dabei Scheuklappen aufsetzen. Für mich ist Yoga vor allem eine altindische Heilkunst, die sogar völlig unsportlichen Menschen mehr Kraft und Beweglichkeit ermöglicht.

Siehst du Yoga eher als Privatsache?
Jedenfalls nicht als Wettbewerb. Ich mag Mannschaftssport wie Fußball, aber keinen Gruppensport, in dem nicht auf den individuellen Körperbau eingegangen wird. Mein Personal Trainer Daniel Bohn, der Yoga praktiziert, gibt mir dynamische Dehnsequenzen, zum Beispiel einen schönen Ablauf von der sitzenden Vorwärtsbeuge in den halben Schulterstand und Pflug, dann wieder zurück. Die Beweglichkeit der Rückenmuskulatur trainieren wir über den Faszienroller. Dabei und auch im restlichen Training überwacht er immer meinen Atem und weist mich, wenn ich eine bestimmte Grenze erreicht habe, auf mein verzerrtes Gesicht hin. Das sehe ich übrigens bei vielen Yogis – dabei soll es doch um Entspannung gehen!

(…)

Interessant ist die Schnittmenge aus allem. Yoga scheint mir ideal für Entspannung und Ruhe, dennoch sehe ich all diese Leute, die mit ihren Matten unter dem Arm hektisch von Stunde zu Stunde rennen. Dort verkrampfen sie Schultern, Halswirbel und Unterkiefer, um sich noch tiefer in eine Haltung zu pressen – und ich würde sie am liebsten fragen, wofür sie das alles überhaupt machen? Wahrscheinlich wollen sie etwas „erreichen“. Ich mache es ja auch oft falsch, denke, „jetzt musst du doch“ und merke dann: „Der Hals!“. Ja, es ist spannend, was Yoga mit einem macht. So. Morgen fange ich ernsthaft mit Yoga an. War ein Scherz!

// Seit fast zwanzig Jahren ist Ken Duken international im Kino, Fernsehen und auf der Bühne zu sehen. Der gebürtige Heidelberger drehte unter anderem mit den Regisseuren Dominik Graf („Polizeiruf 110“), Til Schweiger („Zweiohrküken“), Uli Edel („Das Adlon“), Marco Kreuzpaintner („Coming In“) und Quentin Tarantino („Inglourious Basterds“).Für seine Arbeit wurde er unter anderem mit dem Grimme-Preis und dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet.//


 

Fotoquelle: Stefanie Kissner https://www.stefaniekissner.com

Montags-Mantra: Der Wunderblick

Wie wundervoll: Heute könnt ihr einmal einen anderen Blick auf die Dinge üben. So als würdet ihr sie zum ersten Mal sehen. Atmet bewusst und öffnet Eure Augen. Betrachtet aufmerksam, wo ihr euch befindet, was und wer euch umgibt. Das Leben ist ein WUNDER, fangt JETZT an es zu be-wundern! Diese drei Zitate geben wir euch für einen wundervollen Start in die Woche mit:

„Das Wunderbarste, das ewige Phänomen ist das eigene Dasein.“ – Novalis

„Es gibt zur zwei Arten zu leben. Entweder so als wäre nichts ein Wunder oder so als wäre alles ein Wunder.“ – Albert Einstein

„Nicht müde werden, sondern dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hinhalten.“ – Hilde Domin

Buch-Tipp: Roadtrip mit Guru

HIGHWAY TO HEAVEN?

38-jähriger, intelligenter Fernsehjournalist trifft auf charismatischen Guru … und schmeißt für ihn sein altes Leben hin. Er folgt ihm in seinen Ashram nach Indien und tourt später als sein Chauffeur durch die Welt. Timm Kruse erzählt unerschrocken ehrlich von seinen persönlichen Erfahrungen mit Sri „What”: Auf der (endlosen) Suche nach Erleuchtung übt er Inner Yoga („Nehmt die Haltung einer Giraffe ein!“), hört die üblichen Satsang-Weisheiten („Die ganze Welt ist bereits erleuchtet. Wir müssen nicht auf etwas warten, das es längst gibt.“), leistet fleißig Seva (Dienst an der Gemeinschaft) und versucht, mit jedem Atemzug seinem Guru (dem Erhabenen, dem Gottgesandten) zu gefallen. Bald schon gehört er zum „Inner Circle“ des indischen Messias und glaubt an dessen „unfassbare“ Fähigkeiten. Mehr und mehr entfernt er sich von seiner Familie. Der Leser schaut zu und begreift das wachsende innere Dilemma, während Kruse durch Höhen und Tiefen des Anhängerdaseins geht und schließlich doch zurück zu sich selbst findet. Denn wie könnte es anders sein: Im Lauf der Story und umgeben von bedingungslos Untergebenen beginnt das heilige Image von Sri What ordentlich zu bröckeln …

Fazit: Erzählt in teils witzigem, teils sarkastischem, stets (selbst-)kritischem Ton kommt diese autobiografische Geschichte ganz ohne Schuldzuweisungen aus – einfach genial!


Roadtrip mit Guru // von Timm Kruse // Eden Books // ca. 13 Euro

Warum Hingabe ein wichtiger Aspekt deiner Praxis sein sollte

Das Sanskrit-Wort für eine hingebungsvolle Praxis ist Abhyasa. Es beschreibt den Akt, sich ernsthaft und regelmäßig über einen längeren Zeitraum anzustrengen, um ein Ziel zu erreichen. Dies beinhaltet beim Yoga Disziplin, ist aber auch eine Bewegung hin zur Mühelosigkeit. „Praxis“ bedeutet, bewusst im gegenwärtigen Moment zu bleiben. Diese Bewusstheit verliert man schnell, wenn man zu sehr danach strebt, eine bestimm­te Haltung zu perfektionieren. Mühelosigkeit entsteht, wenn wir das Ergbnis unserer Praxis loslassen. Klar, Sie müssen daran arbeiten dranzubleiben und das ist nicht so leicht. Aber wenn Sie es schaffen und Ihren Fokus mehr auf die Praxis als auf das Ergebnis richten, stellt sich nach und nach Mühelosigkeit ein.


Fotocredit: Stefanie Kissner