Yoga für Hörgeschädigte

Während der Yogastunde die Augen zu schließen und sich nur noch von den Anweisungen des Lehrers leiten zu lassen, kann sehr entspannend sein. Aber was, wenn man schlecht oder nichts hört? Die selbst hörgeschädigte Yogalehrerin Betty Schätzchen weiß aus eigener Erfahrung, dass der Unterricht für Hörgeschädigte anders gestaltet werden muss…

Welche Vorteile hat die Yogapraxis für Hörgeschädigte?

Hörgeschädigte „hören“, indem sie von den Lippen lesen und sehr konzentriert akustische Reize aufnehmen. Aufgrund dieser Anstrengung sind sie oftmals körperlich und geistig erschöpft. Yoga und Meditation entlasten da die überbeanspruchten Sinne sehr gut. Viele Hörgeschädigte haben auch Gleichgewichtsprobleme. Für sie erstelle ich individuelle Programme, um das Gleichgewicht, d. h. die äußere und innere Balance, wiederherzustellen. Auch die, die ohne Vestibularapparat (Gleichgewichtsorgan im Innenohr) geboren wurden, schaffen es nach regelmäßiger Praxis, auf einem Bein zu stehen oder den Kopfstand zu üben.

Wie hast du als selbst hörgeschädigte Yogini den Yogaunterricht früher wahrgenommen?

Seit meiner ersten Begegnung mit Yoga im Jahr 2002 habe ich verschiedene Yogaschulen besucht und festgestellt, dass die Akustik in den meisten Räumen für Schwerhörige sehr ungünstig ist. Bestimmte Geräusche und Töne können nicht herausgefiltert werden. Wie viele Schwerhörige kann ich Lippenlesen; Yogalehrer gehen aber oft in einem großen Radius durch den Raum. Während der Meditation nehme ich mit geschlossenen Augen nur undefiniertes Stimmengemurmel wahr und kann im Zusammenhang mit der ungünstigen Raumakustik und dem fehlenden Lippenlesen nicht erkennen, ob der Lehrer nun Anweisungen gibt oder die Meditation vorbei ist. Bei der Asanapraxis habe ich meine Hörgeräte nicht im Ohr, da sie durch den Schweiß nass werden und darauf empfindlich reagieren. Meistens höre ich also gar nichts, sodass vieles durch Beobachtung und Intuition abläuft. Was ich im Unterricht nicht mitbekam, habe ich durch Selbststudium, Erfahrung und Einzelgespräche mit Yogalehrern nachgeholt.

Daraufhin hast du beschlossen, Yogaunterricht speziell für Hörgeschädigte anzubieten. Wie baust du den Unterricht auf?

Hörende können den Anweisungen des Lehrers akustisch folgen. Hörgeschädigte müssen meine Gebärden gut sehen können und sitzen im Halbkreis um mich herum. Wichtig ist auch, dass ich meinen Bewegungsradius klein und ruhig halte. Zudem nehme ich einzelne Schritte, Übungen und Techniken elementar auseinander. Nur wenn die „Einzelteile“ verstanden werden, können Hörgeschädigte diese zu einem Ganzen zusammensetzen. Bei der Meditation erkläre ich die erste Meditationstechnik und wecke alle nach der gemeinsamen Übung wieder auf. Dann erkläre ich die nächste Meditationstechnik. Wenn meine TeilnehmerInnen den Ablauf der Techniken verinnerlicht haben, wissen sie, dass sie bei der Berührung nicht die Augen öffnen müssen, sondern „automatisch“ zur nächsten Technik übergehen können. Im Vergleich zu Hörenden ist der Unterricht also kleinschrittiger aufgebaut und dauert am Anfang etwas länger. Wenn aber alle wichtigen Elemente verinnerlicht sind, wird der Ablauf auch fließender.

Durch Pratyahara, den Rückzug der Sinne, lernen wir, uns noch tiefer auf unser Inneres einzulassen. Wie ist es für dich, wenn du deine anderen Sinne bei der Praxis zurücknimmst?

Wenn ich meine Hörgeräte herausnehme, ist das für mich ein Ritual, ein Abschalten der Außenwelt. Ich betrete meine „individuelle Meditationskabine“ – ich höre nichts, sehe nichts, merke nichts. Von daher betrachte ich meine Hörschädigung nicht als Behinderung, sondern als eine Besonderheit und ein Geschenk.

Von Laura Hirch

 

Betty Schätzchen bietet international Workshops, Vorträge und Yogareisen an, gibt in Berlin Yoga-Einzelunterricht für Hörgeschädigte und produziert regelmäßig Informationsvideos in deutscher Gebärdensprache mit deutschem Untertitel, die kostenfrei auf dem YouTube-Kanal DeafYogaGermany zur Verfügung stehen. Mehr Infos unter www.yoga-massage.de.

Gut geölt ist halb gegessen

Die „Low fat“- und „No fat“-Hysterie ist im wahrsten Sinn des Wortes „gegessen“: Dank neuer medizinischer Erkenntnisse und einer riesigen Auswahl an hochwertigen Produkten liegen Pflanzenöle heute voll im Ernährungstrend.

Seit überall die Rede von „gutem Fett“ und gesunden Fettsäuren ist, löst das Wort „Öl“ keine Abwehrreflexe mehr aus. Eher besteht die Kunst inzwischen darin, angesichts der Vielzahl an Sorten und Preisklassen den Überblick zu behalten und richtig auszuwählen. Wenn Sie Ihren Salat mit Olivenöl in Nativ-extra-Qualität anmachen (der wichtigsten Zutat der viel gepriesenen mediterranen Küche), dann ist das schon ein guter Anfang. Aber es gibt noch viel mehr zu entdecken. „Eine Vielfalt an den richtigen Ölen ist die beste Art, sich mit gesunden Nährstoffen und Antioxidantien zu versorgen“, meint Jennifer Adler vom ernährungswissenschaftlichen Institut der Bastyr University in Kenmore, Washington.

Jüngere Forschungsergebnisse belegen, dass viele Speiseöle gesundheitsfördernde Eigenschaften besitzen. Sie unterstützen zum Beispiel die Herzgesundheit, die Hirnfunktion und die Aufnahme fettlöslicher Vitamine wie Vitamin D und K. Einige Ölsorten stecken auch voller Antioxidantien und stoppen so die freien Radikalen, die unsere Zellen angreifen. Andere hemmen wirksam Entzündungen im Körper.

Dazu muss man allerdings wissen, welche Öle sich gut zum Kochen eignen und welche durch das Erhitzen ihre gesundheitsfördernden Eigenschaften einbüßen. Olivenöl in Nativ-extra-Qualität, Hanföl, Sesamöl aus gerösteten Saaten und andere hitzeempfindliche Sorten haben einen niedrigen Rauchpunkt. Dieser in Grad Celsius angegebene Wert zeigt an, bei welcher Temperatur das Öl beginnt, zu rauchen und seine Molekularstruktur zu verändern. Ab diesem Punkt kann ein Öl potenziell gefährliche Stoffe freisetzen, die so genannten Transfettsäuren, die die LDL-Cholesterinwerte erhöhen und die Aktivität der freien Radikalen sogar erhöhen. Hitzeempfindliche Öle verwendet man daher eher für kalte Zubereitungen, bei denen sie obendrein ihre feinen Geschmacksnoten besonders gut entfalten können: Man träufelt sie über Suppen oder Salate, rührt sie in Hummus (Kichererbsenpüree) oder einen Dip aus weißen Bohnen, oder man setzt sie als aromatisches Finish für pfannengerührtes Gemüse ein. Generell gilt: Bei raffinierten Ölen liegt zwar der Rauchpunkt höher (meist um 200 Grad) und sie sind länger haltbar, durch die Behandlung haben sie aber auch sekundäre Pflanzenstoffe, Farbe und Aroma eingebüßt.

Auf den folgenden Seiten finden Sie einen Überblick über die gesündesten und leckersten Öle zum Kochen, zum Backen und für den kalten Genuss. Sie alle sind reich an einfach ungesättigten oder mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren. Das ist das wichtigste Merkmal der so genannten „guten“ Fette, die den gefährlichen LDL-Cholesterinspiegel senken und Entzündungen eindämmen können, was das Risiko von Herzgefäßerkrankungen und Schlaganfall mindert. Von stark verarbeiteten Pflanzenölen wie Mais- oder Sojaöl raten Ernährungsexperten in der Regel ab. Sie enthalten viele Omega-6-Fettsäuren und stehen im Verdacht, entzündungsfördernd zu sein.

Achten Sie beim Einkauf auf das Verfallsdatum und kaufen Sie nur Mengen, die Sie innerhalb der entsprechenden Zeit auch problemlos aufbrauchen können. Für die Lagerung empfiehlt sich ein kühler, dunkler Platz, möglichst nicht in unmittelbarer Nähe des Herds. Denken Sie daran, die Flaschen nach dem Gebrauch wieder gut zu verschließen, damit möglichst wenig Luft hineingelangt.

Von Matthew Kadey

Fotos: Erin Kunkel; Food Styling: Erin Quon

 

REZEPTE

Pfannengerührter Spargel mit Tofu

(als Hauptspeise für 2 Personen, als Beilage für 4)

Zutaten:

Sesamöl (kalt gepresst zum Pfannenrühren, aus gerösteten Saaten als Finish)

250 g fester Tofu, in Stifte geschnitten

3 Knoblauchzehen, fein gehackt

2,5 cm frischer Ingwer, geschält und gerieben

3 kleine rote Chilis, gehackt (nach Belieben)

1⁄2 Bund dünner grüner Spargel, geputzt und schräg in Stücke geschnitten

geriebene Schale und Saft von 1 Bio-Limette

feinkörniges Meersalz

Zubereitung:

1. Bei mittlerer Temperatur etwas kalt gepresstes Sesamöl in einem Wok oder einer großen beschichteten Pfanne erhitzen. Wenn das Öl heißt ist, aber noch nicht raucht, den Tofu dazugeben. In einigen Minuten goldbraun anbraten, dann aus der Pfanne nehmen.

2. Wieder etwas Öl in den Wok geben und erhitzen. Knoblauch, Ingwer, Chili und Spargelstücke darin 1 bis 2 Minuten lang pfannenrühren. Anschließend den Tofu wieder dazugeben und alles mit Limettenschale und -saft vermengen. Unter ständigem Rühren nochmals 1 Minute garen.

3. Den Wok vom Herd ziehen. 1 bis 2 Teelöffel Sesamöl aus gerösteten Saaten darüber träufeln und mit Salz abschmecken.

 

Italienischer Olivenöl-Zitronen-Kuchen

für eine 23 Zentimeter große, runde Kuchenform

Zutaten:

1 1⁄3 Tassen Mehl

1 1⁄2 Teelöffel Backpulver

1⁄2 Teelöffel Salz

3 große Eier mit Raumtemperatur

1 Tasse Zucker

1⁄3 Tasse Olivenöl

1 Teelöffel Vanilleextrakt

2 Esslöffel frisch gepresster Zitronensaft

1 Teelöffel geriebene Zitronenschale

Puderzucker

Zubereitung:

1. Ein Gitter auf mittlerer Höhe in den Backofen schieben und den Ofen auf 175 °C vorheizen. Eine 23 cm große, runde Springform mit etwas Öl einfetten.

2. Mehl, Backpulver und Salz in eine Schüssel sieben.

3. Die Eier in einer extra Teigschüssel aufschlagen und mit dem Rührgerät etwa 3 Minuten lang schlagen, bis die Eiermasse dick und hellgelb ist. Bei laufendem Rührgerät zuerst den Zucker und dann das Öl langsam und stetig dazurieseln bzw. -rinnen lassen, bis alles zu einer homogenen Masse verquirlt ist. Die Geschmackszutaten (Vanille, Zitronensaft und -schale) unterrühren.

4. Das Mehl in drei Partien mit einem Gummispatel locker unter die Masse heben, dabei möglichst wenig rühren. Die fertige Kuchenmasse in die vorbereitete Form gießen.

5. Etwa 35–40 Minuten backen, bis der Kuchen goldbraun ist und elastisch zurückschwingt, wenn man ihn in der Mitte eindrückt. Auf einem Kuchengitter 10 Minuten auskühlen lassen, dann mit einem kleinen Messer zwischen Kuchen und Form entlangfahren, um den Kuchen von der Form zu lösen, bevor der Rand der Springform abgenommen wird. Auf eine Kuchenplatte heben und mit Puderzucker bestäuben.

Das richtige Öl

Zum Kochen: Avocado, Raps, Kokos, Traubenkern, Reiskleie, Sesam (nicht aus gerösteten Saaten)

Zum Backen: Avocado, Raps, Kokos, Olive nativ extra, Traubenkern, Reiskleie

Zum Verfeinern und für Salate: Avocado, Olive nativ extra, Hanf, Sesam (aus gerösteten Saaten)

Kaltgepresstes Öl ist ein Öl, das ohne jegliche Wärmezufuhr rein unter Druck und Reibung in Ölmühlen aus Ölsaat oder Ölfrüchten von Ölpflanzen gewonnen wird. So bleiben alle Inhaltsstoffe und Vitamine erhalten. Diese machen den eigentlichen Geschmack und Geruch des Öles aus, weshalb das kalt gepresste Öl in der Regel von höherer Qualität zeugt. Nach dem Pressen wird das kaltgepresste Öl gefiltert.

Natives Öl ist naturbelassenes kaltgepresstes Öl. Das heißt Öl, dass ohne weitere Wärmezufuhr, rein unter Druck und Reibung in einer Ölmühle gepresst wird. Naturbelassen bedeutet hierbei, dass weder der Rohstoff (die Ölsaat oder Ölfrucht) durch Röstung noch das gewonnene Öl durch Raffination oder Dämpfung behandelt wird. Bei dieser Herstellung bleiben alle Inhaltstoffe und Vitamine erhalten welche den typischen Geruch und Geschmack des nativen Öles ausmachen.

Raffiniertes Öl ist Öl, das bei einer Temperatur von mehr als 100 Grad gepresst werden. Hierbei gehen wertvolle Inhaltsstoffe verloren, so dass dieses Öl meist geschmacklos und farbloser ist. Vorteil von raffiniertem Öl ist hingegen die längere Haltbarkeit.

Der Rauchpunkt bezeichnet die genaue Temperatur bei der das Öl beim Erhitzen Rauch erzeugt. Die Höhe des Rauchpunktes eines Öles hängt von dem Anteil an freien Fettsäuren sowie anderen flüchtigen Substanzen im Öl ab. Je höher der Rauchpunkt, desto besser ist das Öl zum Braten und Frittieren geeignet. Olivenöl besitzt den höchsten Rauchpunkt aller Ölsorten. Öle mit geringem Rauchpunkt sollten nicht erwärmt werden.

 

Mehr Wissenswertes unter www.öl-kontor.de

 

Geschmackvoll vegan

Für Erfolgs-Rezepte gibt es derzeit eine verpflichtende Inszenierung: Abgeblättertes Mauerwerk, zerkratzter Holztisch und der Koch als moderner Hippie, dessen Rezepte seine insgesamt bewusste Haltung zum Leben widerspiegeln. Wichtige Zutaten sind ebenfalls die liebevolle Hingabe an die Rohstoffe und den Kochprozess sowie die ausdrückliche Empfehlung, die Rezepte kreativ abzuwandeln. Improvisation statt Meisterschaft. Obwohl er trotz 26 Jahren Kocherfahrung erst jetzt ein Buch veröffentlicht, ist Surdham Göb ein Pionier in diesem Bereich. Der in München lebende Kochprofi hat den bio-veganen Ernährungsstil mitgeprägt und lebt und vermittelt ihn mit vollster Überzeugung. So trägt „Meine vegane Küche“ die Handschrift eines Genießers, der ethische Verantwortung in Experimentierfreude übersetzt und seine Weltoffenheit direkt in hinreißende Gerichte mit mediterranen, asiatischen und europäischen Einflüssen lenkt – da ist die coole Aufmachung nur ein Appetizer.

FAZIT: Wundervoll fotografierte vegane Rezepte und das motivierende Gefühl, dass sie machbar sind: Die wirksamste Weltverbesserung geht nach wie vor über die Sinne.

„Meine vegane Küche“ von Surdham Göb (AT Verlag, ca. 20 Euro).

Instrumentale Traumwelten

Kali – das ist der Ehrfurcht einflößende Name der hinduistischen Göttin des Todes und der Zerstörung. Dennoch gilt die furchterregende Vernichterin als Mutterfigur, als Beschützerin der Menschen und wird mit Shakti, der weiblichen Urkraft des Universums, in Verbindung gebracht. Dieser so facettenreichen Gottheit widmen Petros & Friends ein nicht weniger facettenreiches Hörerlebnis. Petros Haffenrichter unterrichtet in München Jivamukti Yoga und ist für seine weltweiten Kirtans und Yoga-Retreats mit prominenten Musikern bekannt. Kein Wunder also, dass sich der sympathische Halbkreter abseits der Matte mit großer Energie der Musik widmet. Nach dem hervorragenden Debütalbum „Embrace“ und dessen Nachfolger „Narayana“, die auf perfekte Weise traditionelle indische Mantren mit experimentierfreudiger Weltmusik vereinten, legen Petros und seine Freunde Jahn Kahlert (Percussion), Erhard Dengl (Hackbrett und Tabla) und Götz Grünberg (Saxophon) mit „Kali“ ihr erstes gemeinsames Instrumentalalbum vor. Natürlich weiß Petros um die Wichtigkeit der Musik im Leben der Yogis und lädt ein zum Eintauchen in faszinierende Klangwelten.

FAZIT: Mit ihrem ersten Instrumental-Album entführen Petros & Friends den Hörer in traumhaft sanfte Klang-Landschaften!

„KALI“ von Petros & Friends (Petros Haffenrichter, ca. 20€).

Putzen mit Power

„Detox“ in Verbindung mit Yoga – darauf reagieren schon seit Jahren Großstadtyogis, Flow-Anhänger, Gesundheits-, Ernährungsbewusste und Frühlingsputzer gleichermaßen begeistert. Sie alle dürften beim Anblick der neuen „Detox Power Yoga“-DVD von Andrea „Qbi“ Kubasch yogischen Frühlingsantrieb entwickeln. Die sympathische Hamburger Yogalehrerin steht hierzulande für den Power Yoga-Stil – wer also ein zügiges, forderndes und schweißtreibendes Übungsprogramm erwartet, wird nicht enttäuscht. Im klaren, modernen Ambiente demonstriert Qbi zu stimmungsvoller Lounge-Musik vier Sequenzen („Detox Cleanse“, „Detox Core“, „Detox Flow“ und „Detox Shine“), die einzeln als 4-Tage-Programm oder hintereinander als zusammenhängende Yogastunde geübt werden können. Dabei sorgen dynamische Sonnengrüße und kraftvolle Stehhaltungen für neuen Schwung, Balance-und Umkehrhaltungen wirken ausgleichend, zahlreiche Twists und Übungen für den Bauch sollen den Reinigungsprozess entfachen. Entspannend und beruhigend: Nach getaner Arbeit darf man sich in der Abschluss-Sequenz von einer äußerst angenehmen Yoga Nidra- Stimme in den „yogischen Schlaf“ wiegen lassen.

FAZIT: Gewohnt gekonnt und mit sprühener Lebendigkeit führt Qbi durch eine runde Power Yoga-Stunde, die den müden Winter endgültig aus dem Körper treibt!

„Detox Power Yoga mit Andrea Kubasch“ (Gaiam, ca. 18 Euro)

Die Würde der Kreatur

Lernen von den Menschen

In keiner der großen Weltreligionen spielen Tiere oder die übrige belebte Natur eine wesentliche Rolle. Es ist nicht bekannt, dass sich je ein Papst oder ein anderer Religionsführer als Vegetarier oder gar als Veganer geoutet hätte. Keiner der Herren scheint ein irgendwie geartetes persönliches oder wenigstens theologisches Verhältnis zu Tieren oder Pflanzen besessen zu haben. (Der Dalai Lama ist die rühmliche Ausnahme.)

Vor dem Hintergrund des christlichen Schöpfungsglaubens ist das eigentlich überraschend – schließlich gelten Tiere hier als Mitgeschöpfe. Doch das fatale Bibel-Diktum „Macht Euch die Erde Untertan“ hat die Christen offenbar nicht nur um jedes Mitgefühl, sondern auch um den Verstand gebracht. Das Abendland plündert den Planeten seit Jahrhunderten besonders effektiv und quält und verachtet dabei alle andersartigen Lebewesen. Der zuständige Gott sagt dazu: „Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich. Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Land.“

Das religiöse Denken ist also eine rein anthropozentrische Angelegenheit: Es dreht sich ausschließlich um den Menschen und dessen Nutzen. Weiter reicht weder die Phantasie noch die Empathie. Die unbelebte Umwelt, die Natur als Ganzes, das Universum oder ähnliche Kleinigkeiten, von denen wir leben und abhängig sind, brauchen wir an entscheidender Stelle in den heiligen Schriften nicht zu suchen – davon steht höchstens etwas im Kleingedruckten.

Selbst die Idee von der „Bewahrung der Schöpfung“ kommt über die menschliche Ebene nicht hinaus. So sagt Prof. Dr. Rainer Anselm im Jahr 2013 mit großer Naivität, Bewahrung der Schöpfung bedeute, mit daran zu arbeiten, dass es allen Menschen auf der Welt gut gehe. Natürlich soll es allen Menschen gut gehen, aber den Rest der Schöpfung dabei zu vergessen, ist ein wenig unmodern.

Das war schon einmal anders: Aristoteles sprach von einer „scala naturae”, der Mensch als Teil der Natur, als höheres Tier. Dieses Denken herrschte bis ins Mittelalter vor. Dann plötzlich trat der Mensch aus der Natur heraus, begriff sich als Sonderfall und gegenüber der Natur mit unerschöpflichen Rechten ausgestattet. Ein in dieser Hinsicht vollkommen irrer René Descartes erklärte Tiere zu seelenlosen Maschinen. Aus der Macht, die der Mensch hat, wurde das Recht, andere Wesen wie leblose Dinge zu benutzen.

Damit war das Schicksal der Tiere in der Neuzeit besiegelt. Die Ausbeutung und industrielle Vernichtung von tierischem Leben begann gigantische Ausmaße anzunehmen. Schade, denn mit ein wenig Nachdenken hätte aus der Macht auch Verantwortung werden können. Leider scheint es jedoch schier unmöglich zu sein, uns Christenmenschen etwas von unserer Verantwortung für Wesen zu vermitteln, die schwächer sind als wir, und gegenüber der Natur, von der wir leben.

In diesem Kontext kann man dennoch von den Menschen lernen – und zwar, wenn man sich ein Beispiel an den Schweizern nimmt: Die haben nämlich seit 1992 die Würde der Kreatur in ihrer Verfassung verankert. Zum Glück, denn dieses Verständnis von Würde bezieht sich auf die gesamte menschen-unabhänigige Natur, also auch auf Pflanzen. Kein anthropozentrisches Denken also, sondern ein pathozentrisches und biozentrisches, das sich endlich um viel mehr als um uns dreht!

Der deutsche Philosoph Robert Spaemann spricht von der „Pflicht“ des Menschen, sich die Folgen seines Handelns genau anzusehen und sich mit den Konsequenzen zu konfrontieren. Yogis und Menschen, die von sich behaupten, in spirituellen Zusammenhängen zu leben, bleibt ohnehin nicht viel anderes übrig, als sich in einer kosmozentrischen Wahrnehmung zu üben. Aufmerksamkeit, Sensibilität und Neugier schließen im Prinzip das ganze Universum ein, zumindest aber unsere ganze Welt.

Das bedarf einiger Übung, aber wenigstens bis zum nächsten Tier sollte die Vorstellungskraft schon reichen – und zwar bis zum nächsten Tier auf dem Teller vor uns. Oder bis zur Kuhmilch im Kaffee, die da gar nichts zu suchen hat. Weshalb, das sollte man allerdings nicht die Götter fragen.

Von Michi Kern

Leserfoto-Kalender 2014

Yoga begleitet und inspiriert Menschen in allen Lebenslagen – diese Erkenntnis illustrieren auch die vielen tollen Bilder, die Sie uns immer wieder schicken.

2014 wollen wir mit den schönsten Leserfotos, die wir erhalten, einen exklusiven YOGA JOURNAL-Jahreskalender für unsere Leserinnen und Leser gestalten. Sie möchten dabei sein? Dann senden Sie uns Ihr Lieblingsbild mit dem Betreff „Leserfoto-Kalendar“ an redaktion@yogajournal.de.

Vielen Dank für die zahlreichen Zusendungen. Die Aktion ist leider vorbei und der Kalender ab dem 19. Dezember 2014 im Handel oder unter nachbestellungen@yogajournal.de zu bekommen.

 

 

Interview // Patricia Thielemann

Das pralle Leben

Vom Intellekt zum Erlebnis: Im YOGA JOURNAL-Interview spricht Deutschlands bekannteste Pre- und Postnatal Yoga-Expertin Patricia Thielemann über die Herausforderung, die Frauen durch Geburt und Schwangerschaft erleben, wie Yoga sie dabei unterstützen kann – und was ihre Lehrer/innen dabei beachten sollten.

YOGA JOURNAL: Patricia, Schwangerschaft und Geburt eines Kindes sind für die meisten Frauen nicht nur eine persönliche Erfahrung, sondern eine Phase der umfassenden Neu-Positionierung.

Patricia Thielemann: Durch Schwangerschaft und Geburt kommt nicht nur ein Kind zur Welt, sondern auch eine Frau als neue Mutter. Dass die damit verbundenen persönlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen nicht leicht zu vereinbaren sind, ist auch meine Erfahrung. Ich habe mein erstes Kind mit 38 Jahren bekommen. Davor war mein Plan: Ich lasse mich darauf ein, und wenn das Universum das will, werde ich meinen Weg finden. Trotzdem hatte ich zunächst durchaus Angst vor dem Neubeginn.

Wie kann Yoga hierbei unterstützen?

Yoga kann es Frauen erleichtern, bewusst in ihre neue Rolle als Mutter hinein zu wachsen und die vermeintlichen Gegensätze zwischen persönlichen Bedürfnissen und den Anforderungen der Gesellschaft auszugleichen. Die Praxis hilft, diesem – vor allem im Nachhinein – relativ kurzen Zeitabschnitt die angemessene Aufmerksamkeit zu geben. Oft ist es ja so, dass das Herausfinden der Schwangerschaft ein großes Ereignis ist, danach aber eher als Nebensache mitläuft. Wir alle sind eben organisatorisch voll ausgelastet.

Schafft Yoga also einen realistischen Zugang zur neuen Lebensphase?

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Eigentlich ist es merkwürdig: Bei anderen gravierenden Einschnitten in unser Leben wie Tod oder materieller Verlust halten wir inne und bewerten vieles neu. In der Schwangerschaft wollen wir uns oft beweisen, dass sich trotzdem nicht viel verändern muss. Auch unser Umfeld trägt dazu bei: Es wird anerkannt, wenn sich der Körper nicht allzu sehr verändert und man weiterhin in Beruf und sozialem Leben alles gibt. Yoga hilft auf jeden Fall, den Übergang zu begleiten und dem heranwachsenden Leben auch im übertragenen Sinn Raum zu geben. Wenn man alles wie gewohnt weiterlaufen lässt, kann einem später alles ins Gesicht schlagen. Egal, wie sehr man Alltag und Körper in Schach halten möchte – letztlich gewinnt immer die Natur.

Wie hat sich Yoga in deinen beiden Schwangerschaften bewährt?

In der ersten Schwangerschaft hat sich Yoga für mich insofern als heilsam erwiesen, als dass sich einige Dinge, die mich vorher sehr gestresst haben – Karriere, perfektes Aussehen und trotzdem vor allem durch Intelligenz und Leistung wahrgenommen zu werden – relativiert haben. Beim zweiten Kind war die Praxis vor allem dafür da, diesem Baby seinen eigenen Raum zu geben. Sich den Anforderungen von Schwangerschaft und Geburt zu stellen, auch dem Leben danach, bedeutet vor allem, praktisch werden zu müssen. Der Anspruch, vor allem nach außen wirken zu müssen und Anerkennung zu finden, hat sich  abgeschliffen.

Hattest du diesen Anspruch auch in der Yogapraxis?

Im Yoga gibt es durchaus die Gefahr, dass Selbststudium und Selbstsuche doch wieder einem Leistungsprinzip unterworfen werden. Man geht dann nicht objektiv vor, sondern meint, dass man nur „sein“ dürfe, wenn man seine Triebe und sonderbaren Facetten ausmerzt oder in Form bringt. Schwangerschaft und Ankunft meines ersten Kindes haben dem eine pragmatische Komponente geben und mir als eher komplizierte Frau gut getan. Es ist vergeblich, an einem alten Selbstbild festzuhalten zu wollen. Sie haben mich auf den Teppich gebracht, ohne dass ich meine Träume verloren hätte, und mich in einen Zustand des Seins gebracht, keiner bloßen Idee von mir.

Interview: Christina Raftery

Mehr lesen Sie im Sonderheft Yoga & Familie.

INFO: Patricia Thielemann, zweifache Mutter und Gründerin der Spirit Yoga-Studios, hat sich besonders im Pre- und Postnatal Yoga einen Namen gemacht, zu dem sie zwei DVDs, mehrere CDs und zuletzt das Buch „Yoga in der Schwangerschaft“ veröffentlicht hat und das sie auch als Fortbildung für Yogalehrer/innen und Hebammen anbietet. Termine und weitere Informationen gibt es unter www.spirityoga.de