Der Mannschafts-Guru

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Als Yogalehrer der Fussball Nationalmannschaft hat Patrick Broome Pionierarbeit geleistet. Er kann mittlerweile auf fast zehn Jahre Zusammenarbeit mit dem Team zurückblicken. Auch zur WM in Brasilien reist der Jivamukti-Lehrer mit.

YOGA JOURNAL: Wie hat sich aus deiner Sicht das Image von Yoga in der Fußballwelt gewandelt, seit du die Nationalmannschaft 2005 das erste Mal unterrichtet hast?
PATRICK BROOME: Ich denke, dass sich das öffentliche Interesse für Yoga in den letzten zehn Jahren erheblich gesteigert hat. Es ist Alltag, Lifestyle, Mainstream – natürlich mit all seinen Schattenseiten. Nachdem einige Medien anfangs noch versuchten, sich über die Kombination Yoga und Fußball lustig zu machen – man erinnere sich nur an die unsägliche Diskussion über die Buddha-Statuen auf der Terrasse des FC Bayern – fingen gleichzeitig einige Qualitätsmagazine an, sich seriös mit den Vorzügen des Yoga im Leistungssport, in der Gesundheitsvorsorge und für die allgemeine Lebensqualität auseinanderzusetzen.

Broome KopieSpielt Yoga im Trainingsplan heute noch die gleiche Rolle oder ist es ausgebaut worden? Hast du bei der Gestaltung der Einheiten völlig freie Hand?
Yoga ist jetzt seit acht Jahren fester Bestandteil im Trainingsplan der Deutschen Fußballnationalmannschaft. Anfangs auch zwischen den Turnieren, seit etwa vier Jahren offiziell nur noch während Europa- und Weltmeisterschaften. Für einige Spieler ist Yoga allerdings in ihren Vereinen und auch privat mittlerweile ein- bis zweimal wöchentlich selbstverständlich. In meiner Arbeit stehe ich immer in direkter Absprache mit den Physiotherapeuten und Fitnesstrainern sowie dem Team-Psychologen. In der Gestaltung der Yogaeinheiten habe ich alle wünschenswerten Freiheiten, da sich mit Spielern, Trainern und Team in den letzten acht Jahren natürlich ein enges gegenseitiges Vertrauensverhältnis aufbauen konnte.

„Fußball ist eine der letzten Bastionen, in der ein traditionelles Männerbild gelebt wird“, sagt Oliver Bierhoff. Was beobachtest du hierzu?
Oliver hat sicherlich Recht. Im Fußball werden auch heute noch die klassischen „männlichen Tugenden“ wie Tapferkeit, Zähigkeit und körperliche Ausdauer, eine gewisse Aggressivität sowie Mut und Durchsetzungskraft eingefordert. Physis, Kampf und Ichbezogenheit dominieren. Das hat sich trotz der oftmals zitierten Verflachung der Hierarchien und dem eher partizipatorischen Führungsstil unter Jogi Löw auch meiner Einschätzung nach nicht entscheidend verändert.

Die meisten Nationalspieler sind sehr jung und ständig von vielen Beratern umgeben. Nutzen sie deinen Unterricht auch als willkommenen Raum zur Selbstreflektion?
Im Idealfall finden die Spieler in meinem Unterricht Ruhe und Gelegenheit zur Innenschau. Ich versuche, ihnen einen sicheren Erfahrungsraum zu öffnen, in dem sie „unter die Oberfläche“ tauchen können und sich, anders als sonst, ohne Wettbewerb, Beobachtung und vor allem ohne Bewertung von außen spüren und erleben können.

„Die Harmonie im Team ist größer als in manchem Ashram“, sagtest du zur EM 2012 im Yoga Journal . Kann man mit Harmonie einen WM-Titel holen?
Aktuell wird häufig vor einer Verweichlichung, gar Feminisierung des Fußball gewarnt. Gefordert wird eine Rückbesinnung auf das bereits genannte „männliche“ Spiel mit Distanzschüssen, direkten Freistößen, Flanken sowie Kopfballtoren mit wuchtigen, egomanen Stürmern in einem temporeichen, intensiven Spiel. Harmonie, übersetzt „(Zusammen)fügung“, ist die Vereinigung von Entgegengesetztem zu einem Ganzen. Harmonische Gesamtheit besteht dann, wenn ihren Einzelteilen noch ein Sinn, eine Wertbezogenheit anzumerken ist. Laut Wikipedia handelt es sich auch um einen „Gleichklang der Gedanken und Gefühle“. Geht es bei einer Weltmeisterschaft nicht genau darum? Um ein Einschwören auf ein gemeinsames Ziel, eine Überwindung der Egozentrik und die Unterordnung der eigenen Bedürfnisse und Wünsche auf ein größeres gemeinsames Ziel hin? Ich persönlich bin der Meinung, dass nur ein harmonisches Gefüge wirklich zu Großem fähig ist.

Fotoquelle: Pixelio.de
Patrick Broome leitet eine Yogaschule in München und unterrichtet weltweit Workshops, Ausbildungen und Retreats.