Essen für eine bessere Welt

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Ein Buch des bekannten Autors, Arztes und Psychotherapeuten Rüdiger Dahlke trägt den vielversprechenden Titel „Peace Food“. Im YOGA JOURNAL- Interview erklärt er, weshalb die Gesellschaft endlich umdenken und auf eine vegane Ernährungsweise umsteigen sollte: Um die Welt und uns selbst friedlicher zu machen. 

YOGA JOURNAL: Herr Dahlke, der Untertitel Ihres neuen Buches “Peace Food” lautet: „Wie der Verzicht auf Fleisch und Milch Körper und Seele heilt“. Wie sind Sie zu der Überzeugung gekommen, dass Fleisch- und Milchkonsum Menschen krank macht?
RÜDIGER DAHLKE:  Zum einen durch mein persönliches Empfinden, das mich seit mehr als 40 Jahren gerne auf Fleisch verzichten lässt. Seither fühle ich mich viel besser – seelisch und körperlich. Zuvor aß ich als Leistungssportler sogar – den damals üblichen Anweisungen entsprechend – viel Fleisch. Für mich war es eine Erleichterung, als ich Fleisch wegließ. Seit ich abgestillt wurde, habe ich keine Milch mehr getrunken und auch nach Eiern war mir nie. Mein Körper war diesbezüglich bereits weiter als mein Geist, der auf die Medizinpropaganda von der gesunden Milch und dem wichtigen Tierprotein hereinfiel. Des Weiteren bemerkte ich als Arzt schon früh, wie sehr ich Allergikern und unter ihnen besonders Kindern helfen konnte, indem ich zum Verzicht auf Milchprodukte riet. Und was das Fleisch angeht: Nach einer Exkursion in den Schlachthof während meines Studiums lebte ich mit dem Gefühl, dass mit so viel Leid verbundene Nahrung uns niemals wirklich gut tun kann.

Deshalb haben Sie „Peace Food“ geschrieben?
Entscheidend dafür, dass ich es schließlich wagte, „Peace Food“ zu schreiben, waren die modernen Studien mit großen Teilnehmerzahlen: eine von Colin Campbell und Caldwyn Esselstyn, renommierten Schulmedizinern aus den USA, und eine von Professor Leitzmann aus Gießen: Beide weisen eindeutig und in dramatischen Zahlen auf die Gefahren von Tierprotein hin. Hier sind in doppelter Hinsicht harte Fakten auf den Tisch gekommen, die mich als Arzt verpflichten, den Patienten reinen Wein einzuschenken: Laut dieser Studien sind Fleisch und Milchprodukte gefährliche Auslöser für Herzprobleme, Krebs und viele andere Krankheitsbilder von Allergien bis hin zu Osteoporose. Tatsächlich wird gezeigt, dass Milchprodukte genau jene Osteoporose fördern, die sie angeblich verhindern sollen. Wie brisant die Lage ist, zeigt die Tatsache, dass man aufgrund der erwähnten Studien eigentlich alle Tierproteine als Kanzerogene bezeichnen müsste.

Und dann ist da noch die seelische Komponente: Das Leid der Tiere ist auch unser Leid…
Wenn wir Fleisch essen, essen wir auch die Angst der Schlachttiere mit: Bei der heute üblichen, entsetzlichen Massenschlachtung geben Tiere vor ihrem unvorstellbar grausamen Tod Angst- und Stresshormone in ihr Blut und Fleisch ab. In meiner ärztlichen Praxis musste ich miterleben, wie wir durch das Verschwinden der Hof- und Einzelschlachtung und durch den zunehmenden Fleischkonsum Panikattacken geradezu heraufbeschworen. Vor gut 30 Jahren, zur Zeit meines Examens, waren sie noch gar kein Thema.

Im Yoga spielt der Aspekt der Gewaltlosigkeit eine große Rolle – viele Yogis verzichten schon allein deshalb auf tierische Produkte. Können Sie uns Ihre Gedanken zu „Peace Food“ näher erläutern?
Das sehe ich genauso wie die Yogis. Nur habe ich erlebt, dass der wunderschöne Gedanke an Ahimsa moderne westliche Menschen zu wenig bewegt und kaum vom Fleischessen abhält. Selbst das Wissen um die Hungerkatastrophen, die unser Fleischkonsum in Entwicklungsländern hervorruft, reicht für die meisten leider nicht. Wir verfüttern ja große Kohlenhydrat-Mengen aus Hungerländern an Schlachttiere, um kleine Mengen Tierprotein für uns selbst zu bekommen. Auch ökologische Gründe zählen bei vielen egomanen Mitgliedern der Wohlstandsgesellschaften nicht. All diese Gründe habe ich natürlich in „Peace Food“ aufgeführt. Besonders aber bin ich auf die medizinischen Studien eingegangen, die belegen, wie sehr wir uns mit Tierprotein selbst schaden. Als Tierfreund und spiritueller Mensch bin ich der selben Meinung wie viele große Stimmen: Frieden im Inneren und im Außen werden wir erst finden, wenn wir die mit Tierproteinverzehr in Zusammenhang stehenden Grausamkeiten beenden.

Lange Zeit war die vegane Lebensweise eher in der Öko-Eso-Ecke ange- siedelt. In den letzten Jahren gewinnt sie jedoch mehr und mehr – auch prominente – Anhänger. Könnte und sollte Veganismus bald schon Einzug in den Mainstream finden?
Das hoffe ich sehr, dafür hab ich „Peace Food“ geschrieben und daran arbeite ich. Und alles spricht dafür. „Peace Food“ hat in den ersten drei Monaten bereits drei Auflagen erreicht und die ersten 20 000 waren sehr rasch verteilt. Und das ganz ohne Hilfe der großen Mainstream-Medien, die sich – aus welchen Gründen auch immer – bisher nicht für dieses notwendige Buch interessiert haben. Aber auch da besteht Hoffnung, vor allem weil „veganes Leben“ in den USA bereits ein breiter Trend ist, für den von Bill Clinton bis Paul McCartney viele Leute stehen. Und da wir bisher fast jeden US-Trend nachgemacht haben, sehe ich der Entwicklung in diese Richtung hoffnungsvoll entgegen.

(Bildquelle: Pixabay)


Bildschirmfoto 2014-07-07 um 14.30.25Ahimsa beim Essen
Das Thema ist nicht neu. Spätestens seit Jonathan Safran Foer in „Tiere essen“ und Karen Duve in „Anständig essen“ die vegetarische und vegane Lebensweise propagierten, werden die grausamen Praktiken der Nutztierhaltung in einer breiteren Öffentlichkeit diskutiert. Sicher ist es kein Zufall, dass nun mit Rüdiger Dahlke, der bereits zahl- reiche Ernährungs- und Gesundheitsratgeber veröffentlichte, ein weiterer bekannter Autor das einstige Nischenthema beleuchtet. Wie man es von ihm gewohnt ist, geht er auch in seinem neuen Buch detailliert auf die engen Zusammenhänge von Ernährung, Körper und Seele ein: Anhand jüngster Studien bringt Dahlke moderne Zivilisationskrankheiten direkt mit Fleischkonsum in Verbindung und macht nachdrücklich darauf aufmerksam, wie viel Leid man mit dem Konsum von Fleisch, Milch und Eiern billigend in Kauf und zu sich nimmt. Diesem Leid ist ein eigenes Kapitel gewidmet – sehr anschaulich rückt es ins Leserbewusstsein, dass so viel Qual bei der Produktion unserer Nahrung nicht ohne Folgen für unsere körperliche und seelische Verfassung bleiben kann. Wahres „Peace Food“ – für uns, die Tiere und die Umwelt – kann konsequenterweise nur vegan sein, so die Botschaft.

FAZIT // Für Kenner der Thematik wenig Neues – aber eine gute Zusammenfassung wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie ein gelungenes Plädoyer für die vegane Lebensweise.

„PeaceFood–Wie derVerzicht auf Fleisch und Milch Körper und Seele heilt. Mit 30 veganen Genussrezepten von Dorothea Neumayr“ von Ruediger Dahlke (GU, ca. 20 Euro)