Viel zu hören: Autobiographie eines Yogi

Sie ist ein absoluter Klassiker und steht bei jedem Yogi im Bücherregal: die „Autobiographie eines Yogi“. Seit knapp 70 Jahren schon bewegt die Lebensgeschichte von Paramahansa Yogananda viele spirituell denkende Menschen und erzählt von Wundern, die wir uns in unserer westlich-materialistischen Welt beinahe nicht mehr vorstellen können. Es ist eine Welt, in der Heilige, große Meister und Einsiedler ebenso existieren wie die Wissenschaft des Yoga. Oder um es mit George Harrison auszudrücken: „Wenn Leute ihre ‚Gehirn-Weichen’ neu stellen wollen, sage ich ihnen: ‚Lies dieses Buch, denn es dringt bis zum Kern aller Religionen vor.’“ Das Werk, das auf der Liste der 100 besten spirituellen Bücher des 20. Jahrhunderts steht, ist jetzt auch auf Deutsch als Hörbuch bei der Self-Realiziation Fellowship erschienen, gelesen von dem Schauspieler Robert Atzorn. Das Hörbuch umfasst 18 CDs, bietet 20 Stunden und deckt das komplette Buch ab. Es kostet ca. 48 Euro.

 

 

Weiße Kraftquelle – Milch aus ayurvedischer Sicht

Für Yogis, die eine tierleidfreie, vegane Lebensweise anstreben, ist Milch indiskutabel. Interessanterweise wird Milch jedoch im Ayurveda als besonders wertvoll angesehen. Annette Sand hat auf dem 2. Europäischen Ayurveda-Kongress in Bad Ems herausgefunden, warum das so ist, was es dabei zu beachten gibt und wieso immer mehr Menschen mit einer Laktose-Unverträglichkeit zu kämpfen haben.

Bevor ich mich hingesetzt habe, um Ihnen über das Thema Milch im Ayurveda zu berichten, habe ich mir eine Tasse Milch eingeschenkt. Aber nicht etwa einfach kalte Milch aus dem Kühlschrank, das ist ayurvedisch gesehen ein absolutes No-Go. Wie ich sie zubereitet habe? Nach den Anweisungen eines Ayurveda-Arztes. Wie genau, verrate ich Ihnen später.

Milch als Anti-Aging-Produkt
Während ich also an meiner Milch nippe, fällt mir der Werbespruch „Die Milch macht’s“ ein, der in den 1980er Jahren aufkam und den meisten noch gut in Erinnerung sein dürfte. Die Werbemacher blieben uns aber damals konkrete Informationen über die Vorzüge von Milch schuldig. Vielleicht war der Spruch auch deshalb so erfolgreich, weil jeder für sich selbst eine positive Wirkung hineinprojizieren konnte. Aber was macht sie nun wirklich, die Milch? Und ist Milch tatsächlich so gesundheitsförderlich, wo doch immer mehr Menschen unter Laktose-Intoleranz leiden und auf eine vegane Ernährung umstellen?
Das uralte Wissen des Ayurveda kann uns Antworten auf diese Fragen geben. In den überlieferten vedischen Schriften findet sich zunächst eine Aufzählung der Milcharten, die man zu sich nehmen kann, von der Kuh- über die Schafs-, Ziegen-, Büffel-, Pferde- und Kamelmilch bis hin zur Elefantenmilch mit den entsprechenden Eigenschaften dieser Milcharten.
Als besonders wertvoll gilt die Kuhmilch. Wir im Westen wissen vielleicht gerade noch, dass Milch reich an Proteinen, Kalzium und anderen Mineralstoffen, Vitaminen und Fetten ist. Die Eigenschaften, die in den ayurvedischen Texten aufgezählt werden, sind jedoch wesentlich beeindruckender und machen sie zu einem der reichhaltigsten Nahrungsmittel überhaupt. Neben Honig und Ghee (geklärte Butter) zählt Milch nämlich zu den drei natürlichen Rasayanas. Diese drei nehmen als reine Nahrungsmittel eine Sonderstellung unter den Rasayanas ein, besonders gesundheitsfördernde und stärkende Mittel, die normalerweise aus Kräuterkombinationen bestehen. Rasayanas sagt man eine verjüngende Wirkung nach. In diesem Sinne kann man Milch auch als Anti-Aging-Produkt bezeichnen.

„Das Gesündeste, was man zu sich nehmen kann.“
Die Liste der weiteren Vorteile von Milch ist lang. Hier die wichtigsten: Sie vitalisiert und gibt Energie, indem sie Prana, den Lebensatem bzw. die Lebensenergie, fördert. Ferner gilt Milch als entgiftend, appetit- und verdauungsanregend sowie regenerierend bei einem überstrapazierten Nervensystem. Sie ist erfrischend und nahrhaft. Sie fördert die Intelligenz, beugt Senilität vor und ist äußerst nützlich für die mentale Stabilität des Menschen. Milch beruhigt und ist von sattvischer Natur (Sattva bedeutet Reinheit). Sie ist gesund für alle Lebewesen. Auch bei Erkrankungen kann Milch laut ayurvedischer Überlieferung eingesetzt werden. Sie wird vor allem bei Fieber und Husten empfohlen, sowie bei Unterernährung, Erschöpfung, Vergiftungen, Koliken und Herzbeschwerden.
Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Ayurveda hatte ich die Gelegenheit, einen Vortrag über Milch von Dr. Kalyan Chakravarthy zu hören und ihn persönlich zu befragen. Er stammt aus einer angesehenen indischen Familie von Vaidyas (Ayurveda-Ärzten) und ist seit einigen Jahren an der Maharishi Ayurveda-Privatklinik in Bad Ems tätig. Er nannte Milch „das Gesündeste, was man zu sich nehmen kann“. Er erklärte, dass Milch aus ayurvedischer Sicht für alle drei Doshas (Vata, Pitta und Kapha) förderlich ist, aber besonders ausgleichend auf Vata und Pitta wirkt.

Intoleranz gegen verarbeitete Milch
Die Frage stellt sich nun, warum heutzutage so viele Menschen ein solch wertvolles Nahrungsmittel nicht vertragen. Hierzu nennt Dr. Chakravarthy als einen wesentlichen Grund die Verdauungsschwäche, an der durch unsere moderne Lebens- und Ernährungsweise immer mehr Menschen leiden. Er ist der Meinung, es sei besser, die Verdauung zu stärken, als völlig auf Milch und Milchprodukte zu verzichten. Darüber hinaus hält er die Milch, die wir heute im Supermarkt kaufen, bei weitem nicht mehr für so wertvoll wie jene, die in den alten Texten gemeint ist. Warum dem so ist? Zum einen, weil die Kühe, anstatt sich von saftigen, gesunden Wiesenkräutern zu ernähren, Futtermittel mit allerlei künstlichen Zusätzen, wie z.B. Steroiden, verabreicht bekommen. Und zum anderen, weil die Milch verschiedener Kühe heutzutage einfach gemischt und industriell verarbeitet wird. Die Homogenisierung der Milch ist aus ayurvedischer Sicht kein Segen, da sie dadurch nur schwerer verdaut werden kann. Die Milch sollte so naturbelassen wie möglich sein, am besten von einer einzigen Kuh frisch vom Bauernhof. Die meisten Menschen können das heute nicht realisieren, darum wird dazu geraten, sich nicht homogenisierte Frischmilch in Bioqualität zu besorgen. Im Supermarkt ist Frischmilch, von den meisten Verbrauchern unbemerkt, fast völlig von der sogenannten ESL-Milch (ESL steht für extended shelf life = länger im Ladenregal haltbar) abgelöst worden, die besonders lange haltbar ist und die nicht ganz so hoch erhitzt wird wie H-Milch. Der Vitalstoffverlust ist jedoch ähnlich hoch. Im Bioladen kann man noch zwischen Frischmilch, ESL-Milch und H-Milch wählen. ESL-Milch wird nicht als solche deklariert, man kann sie nur an der längeren Haltbarkeit erkennen.

Die Kombination ist entscheidend
Ayurveda-Experten haben noch weitere Tipps zum Milchverzehr parat. Da Milch so nahrhaft ist, sollte man sie nie zu den Mahlzeiten trinken. Milch ist geeignet als Zwischenmahlzeit oder als Mahlzeitersatz. Auch was man mit der Milch kombiniert, spielt eine Rolle. Es wird empfohlen, Milch nie zusammen mit Salz, Fisch und Fleisch zu trinken. Außerdem sollte man sie nie kalt trinken, sondern immer zumindest anwärmen. Noch leichter verdaulich wird sie, wenn sie abgekocht wird und ganz besonders leicht, wenn man sie drei- bis viermal aufkochen lässt. Bei Unverträglichkeit gibt Dr. Chakravarthy den Rat, die Milch mit Wasser zu verdünnen. Man kann mit viel Wasser und wenig Milch anfangen und die Milchmenge langsam steigern. So gewöhnt sich das Verdauungssystem langsam wieder an die Milch. Auch wer nicht an Laktose-Intoleranz leidet, jedoch eine empfindliche Verdauung hat, sollte die Milch mit etwas Wasser verdünnen. Noch besser vertragen wird Milch, wenn man Gewürze zugibt. Diese können auch den Mangel an frischen Wiesenkräutern im Futter ein wenig ausgleichen. Am besten kocht man die Milch gleich mit den Gewürzen zusammen. Geeignet dafür sind beispielsweise Zimt, Ingwer, Kardamom, Gelbwurz (Kurkuma) und Muskat. Wenn man Milch getrunken hat, soll man erst dann wieder etwas essen, wenn sich ein echtes Hungergefühl einstellt.
Die falsche Kombination von Lebensmitteln, die moderne Art der Ernährung mit unregelmäßigen Essenszeiten und hastig eingenommenen Zwischenmahlzeiten tragen dazu bei, dass die Verdauung geschwächt wird und viele Menschen Schwierigkeiten haben, Milch und Milchprodukte zu verdauen. Aus ayurvedischer Sicht ist übrigens verarbeitete Milch (als Käse, Quark u.ä.) noch schwerer verdaulich. Die einzige Art und Weise, wie man Joghurt zu sich nehmen soll, ist Lassi, also Joghurt mit Wasser und püriertem Obst.

Rezept für ayurvedisch -zubereitete Milch
Im Ayurveda sieht man nicht nur den reinen Nährwert von Nahrungsmitteln, sondern darüber hinaus auch die „Intelligenz“, die Information, die dadurch in die Körperzellen gelangt und so den Körper aufbaut. Diese Information ist bei Milch besonders wertvoll, deshalb legen Ayurveda-Ärzte so großen Wert darauf, den Körper selbst bei Unverträglichkeitserscheinungen wieder nach und nach an Milch zu gewöhnen. Wir können von der Jahrtausende alten Erfahrung mit Ernährung und Gesunderhaltung des Körpers im Ayurveda profitieren und wieder lernen, auf unseren Körper zu achten und uns natürlich und gesund zu ernähren. Ach ja: Ich wollte Ihnen ja noch verraten, wie ich meine Milch zubereitet habe – hier also mein Rezept: 1/3 Wasser und 2/3 Milch mit je einer Prise Gelbwurz und Zimt und ½ Teelöffel gemahlenem Kardamom aufkochen. Wenn Sie mögen, geben Sie noch einen Schuss Rosenwasser hinzu (köstlich!). Nach Belieben mit Rohrohrzucker süßen oder auf Körpertemperatur abkühlen lassen und erst dann etwas Honig unterrühren. Honig sollte nämlich nie über 40 Grad C erhitzt werden. Das ist nicht nur schlecht für die wertvollen Inhaltsstoffe, sondern es entstehen beim starken Erhitzen sogar Giftstoffe. Genießen Sie Ihre Milch-Mahlzeit!

 

Dieser Artikel erschien in der Printausgabe YOGA JOURNAL  05/2011

In Europa zu Gast bei Freunden

Yoga ist Verbindung. Mit sich selbst, mit der Umwelt und dem Höheren. Besonders schön ist es, wenn man sich mit anderen Yoga-Interessierten verbinden kann. Darauf basiert auch die Idee der European Yogi Nomads,  die Anfang des Jahres während eines Anusara Retreats in Costa Rica geboren wurde: Bekannte Lehrer reisen in ausgewählte europäische Städte und bringen ihre Schüler mit. Diese haben so die Möglichkeit, andere Städte zu entdecken, neue Menschen kennen zu lernen und auch noch an einem kostengünstigen Workshop teilzunehmen. Und die einheimischen Yogis können sich über yogische Luft und Ideen aus anderen Ländern freuen. Die Unterkünfte werden nach dem Prinzip des Couchsurfings vergeben; und wer einen Schlafplatz für einen auswärtigen Yogi anbietet, dem ist beim nächsten Stopp der Yogi-Nomads eine Übernachtungsmöglichkeit garantiert.

Der Startschuss für die europäischen Yoga-Nomaden fiel das Wochenende vom 14. bis 16. Oktober 2011 in Berlin, im Yogaraum beim Schlesischen Tor statt. Mit Workshops von und mit Lehrern aus Paris, Goeteborg, Istanbul, Kopenhagen und Berlin. Die European Yogi Nomads werden künftig alle drei bis vier Monate in verschiedenen Städten Halt machen.

Mehr Infos bei Jana Toepfer unter: jana@jnanaprojects.com

Den richtigen Surflehrer finden

Meditation Strand Surfen Frau
Foto von Andrea Piacquadio von Pexels

Mit nur vier Worten beschreibt Patanjali zu Beginn seiner Yoga Sutras das Wesen des Yoga. Unsere Aufgabe besteht darin herauszufinden, was er damit eigentlich meint.

Wenn man mich fragt, ob ich einen Guru habe, antworte ich meistens: Mindestens zwei. In traditionellen Yoga-Schulen disqualifiziert mich so eine Antwort sofort. Denn den alten Schriften nach ist Befreiung nur durch die Gnade EINES erleuchteten Meisters zu erlangen. Man sollte nicht zwischen verschiedenen Lehrern hin- und herspringen. Ich stimme dieser Meinung eigentlich zu. Zumindest was den Aspekt der Gnade angeht. Es lohnt sich darüber nachzudenken, ob man sich Freiheit erarbeiten und erkämpfen muss – oder ob sie ein Zustand ist, den man einfach erkennt, wie eine Art Geschenk.

Es kann hilfreich sein, von vielen verschiedenen Lehrern zu lernen. So kommt man schließlich zu seiner eigenen Erkenntnis. Die Auseinandersetzung mit einem alten, vielzitierten Text wie dem Yoga Sutra macht das deutlich. Patanjali hat seine Erklärung des Yogaweges in 195 knappen Sätzen zusammengefasst, die jeder Lehrer ein klein wenig anders übersetzt. Jede Sutra ist nur ein „Leitfaden“, der aufgrund der zahlreichen Bedeutungen eines Sanskritwortes stets auch einer Interpretation bedarf. Anhand der Worte, die ein Lehrer wählt, um das Wesen des Yoga zu erklären, kann man erkennen, wo er selber steht, und ob man diesem Weg folgen möchte.

Die vier wohl berühmtesten Worte im Yoga lauten:

Yogash citta vrtti nirodhah. (YS I,2)

Das Wort citta wird oft mit „Geist“ übersetzt, vrtti entspricht in etwa dem Prinzip der Bewegung oder Wellen. Interessant wird es bei dem, was nirodhah bedeutet. Wie kommt denn die Stille in den Geist? Oder: Wie lernt man auf den Wellen zu surfen?

Eine der ersten Übersetzungen, die mir auf meinem Weg begegnete, war der Kommentar von Swami Vishnudevananda, einem Schüler Swami Sivanandas. Er interpretierte die vier Worte auf sehr aktive Weise:

Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Gedanken im Geist.

Ich habe das ehrlich gesagt nicht lange versucht. Denn ich war nicht sehr erfolgreich darin, meine Gedanken zu beruhigen. Und ich musste ja auch dabei scheitern, einen Zustand der Ruhe auf aktive Weise herstellen zu wollen, da gerade dieser Wille in sich schon wieder eine Welle im Geist bedeutet. Glücklicherweise hatte ich schnell eine Lehrerin gefunden, die mich beiseite nahm und sagte: „Es ist okay, erstmal einfach nur auf dem Kissen zu sitzen.“ Da sie ebenfalls eine Schülerin von Vishnu-devananda war, konnte ich dem alten Inder seine etwas rabiate Übersetzung verzeihen. Den aktiven Teil kann ich heute darin sehen, dass ich mich entscheide, mir überhaupt Zeit für die Meditation zu nehmen. Diese Entscheidung allein ist bereits etwas, das mich dem Zustand, den ich mir so sehr wünsche, näher bringt.

Irgendwann fiel mir dann ein Buch mit dem einfachen Titel „Die Wurzeln des Yoga“ in die Hände. Der Autor dieses Buches war so bescheiden, dass die Umschlagseite nicht einmal seinen Namen trägt. Man kann bei ihm lesen:

Yoga ist jener innere Zustand, in dem die seelisch-geistigen Vorgänge zur Ruhe kommen.

In diesen Worten habe ich mich aufgehoben gefühlt. Deshpande (den Namen findet man dann doch kurz im Vorwort notiert) legt in seinem Kommentar viel Wert auf den Aspekt der Freiheit. Damit meint er nicht die Möglichkeit zu tun, was immer man möchte, sondern die Freiheit „nicht zu wählen“. Man sitzt und schaut einfach nur darauf, was geschieht, ohne einzugreifen und bestimmte Gedankenwellen abzulehnen. Das schließt auch mit ein, dass man nicht wiederum andere geistige Zustände begrüßt. Ich bin immer wieder peinlich berührt, wenn mir Leute erzählen, was für „tolle Meditationserfahrungen“ sie hatten.

Die Kolumne hätte hier schon zu Ende sein können, wenn mir nicht ein Kollege vor wenigen Tagen ein Buch von I.K. Taimni in die Hand gedrückt hätte, mit den Worten: „Wenn Du über Patanjali schreibst, dann ist das hier die Referenz.“ Ich schlug die zweite Sutra auf und wusste beim ersten Lesen der Übersetzung nicht, ob ich lachen oder weinen sollte:

Yoga ist die Unterdrückung der Modifikationen der Psyche.

Auch wenn Taimni einer der führenden Sanskrit-Gelehrten war, kann ich mir nicht vorstellen, dass mehr als drei Leserbriefe kommen, die sagen: „Genau das ist für mich Yoga.“ Ein genaueres Hinschauen kann einen aber auch mit dieser Übersetzung versöhnen. In seinem Kommentar gebraucht er nämlich auch das Wort „Zurückhaltung“ als mögliche Übersetzung. Das klingt wieder mehr nach Freiheit. Ich habe schließlich T. K. V. Desikachar aus dem Regal geholt, dessen Patanjali-Übersetzung gleich mit „Über Freiheit und Meditation“ betitelt ist. Er bemüht sich gar nicht erst um eine wörtliche Übersetzung, sondern versucht uns zu zeigen, was man sich tatsächlich erarbeiten kann (womit wir beinahe wieder bei der ersten Variante sind):

Yoga ist die Fähigkeit, sich ausschließlich auf einen Gegenstand, eine Frage oder einen anderen Inhalt auszurichten und in dieser Ausrichtung ohne Ablenkung zu verweilen.

Es bleibt also am Ende für uns selbst immer noch das Rätsel zu lösen, wie viel wir im Yoga aktiv erreichen können, und was wir einfach geschehen lassen. Mir hat es gut getan, mir den Weg der Meditation von verschiedenen Seiten anzuschauen, um sicher zu werden, dass es am Ende immer auf das Eine hinaus läuft. Jeder Surflehrer hat ein paar andere Tricks aus seiner persönlichen Erfahrung, die er mit uns teilen kann. Man kann von jedem etwas lernen.

Ralf Sturm lebt und arbeitet im Yoga Vidya-Seminarhaus in Bad Meinberg.


Interview mit Patrick Broome

„Die Gedanken machen unglücklich – nicht das Leben selbst“

2009 erkrankte Patrick Broome an einer chronischen Leukämie, die ihn vorübergehend „in seinen Grundfesten erschütterte“. Ist eine Krankheit ein Hindernis für die spirituelle Entwicklung? Wir sprachen mit dem bekannten Jivamukti Yogalehrer über die Bedeutung von Gesundheit, über Psychotherapien und über das, was wirklich im Leben zählt.

YOGA JOURNAL: Patrick, vor zwei Jahren erhieltest du die Nachricht, dass du Krebs hast.Unglücklicherweise genau an dem Tag, an dem dein Sohn zur Welt kam. Kam die Diagnose völlig überraschend – oder hatte sie sich vorher angekündigt?

PATRICK BROOME: Die endgültige Diagnose erhielt ich am 6. August 2009, als ich zwischen zwei Wehen meiner Frau kurz aus dem Kreißsaal gegangen bin, um meinen Arzt zurückzurufen. Der Verdacht wurde aber bereits vor zwölf Jahren geäußert. Da wurde mir ein Lymphknoten entfernt, in dem ein paar Krebszellen gefunden wurden. Schon seit zehn, 15 Jahren waren meine Lymphknoten angeschwollen. Ich wurde immer schwächer und müder und bekam immer mehr Allergien. Im Nachhinein weiß man, dass das alles bereits Vorboten der Krankheit waren. Eine chronische Leukämie trägt man jahrelang mit sich herum, ohne dass sie ausbricht. In der nächsten Stufe werden die Begleiterscheinungen immer stärker. Dann muss man handeln.
Du hast dich einer Chemotherapie unterzogen…
Ja. Ein Arzt hat zu mir gesagt, eine Chemotherapie wirkt wie ein Tsunami. Der spült einmal durch den Körper durch und alles, was im Weg ist, wird platt gemacht. Diese Chemotherapie tötet wunderbar die Krebszellen ab. Die Krankheit ist nun verschwunden, die Ursache jedoch noch nicht behoben. Die versuche ich jetzt in intensiver Zusammenarbeit mit einem Homöopathen und einem Psychotherapeuten zu finden. Ich glaube, ich bin auf einem ganz guten Weg dahin.
Ist eine Krankheit ein Hindernis auf dem Weg zur spirituellen Erleuchtung?
Patanjali nennt in den Yoga Sutren eine Reihe von Hindernissen, die sogenannten Antarayas. Trägheit gehört dazu, auch Faulheit, kein Vertrauen und eben auch Krankheiten. Weil sie die Konzentration von dem Konzentrationsobjekt wegziehen und nur auf den Körper richten. Aber nicht jede Krankheit muss ein Hindernis werden…
Warum nicht?
Wenn ich mir die Biographien großer Yogis anschaue, sehe ich, dass viele sehr krank waren, sogar ziemlich bösartige Krankheiten hatten. Und dennoch waren etliche von ihnen schon sehr weit auf ihrem Weg. Es ist immer eine Frage der Identifikation. Ich kann sagen: Ich bin der Krebs, die Tuberkulose oder die Malaria. Oder ich kann sagen, ich bin ein Organismus, der ganz passabel funktioniert, nur einem Teil von mir geht es gerade nicht so gut. Dann hat die Krankheit nicht mehr so einen Allmachtsgriff auf mich. Aber wenn sie neu ist, vereinnahmt sie erstmal jeden. Die Aufgabe besteht darin, die Krankheit zu kontrollieren. Und das mache ich jetzt. Aber ich weiß auch, dass diese Krankheit nicht nur ein Hindernis war, sondern auch ein ganz, ganz großer Lehrer.
Was hast du durch die Krankheit gelernt?
Ich bin wesentlich geduldiger und ruhiger geworden. Früher wollte ich lieber allein sein, heute genieße ich es, am Leben teilzuhaben. Die Hauptlektion habe ich während der Chemotherapie gelernt. Das ist eine Behandlung, die dich mehrfach im Jahr komplett auseinandernimmt, geradezu zerstört. Und dann findet eine Art Wiedergeburt statt, deine Kräfte erholen sich wieder und du merkst, dass etwas Neues entsteht – bis zur nächsten Behandlung. Da geht alles wieder von vorne los. Dieses Vertrauen in den Zyklus aus Werden, Wachsen und Vergehen war mir die wichtigste Lehre. Guru brahma, guru vishnu, guru devo maheshvara. Es gibt nichts, was die Erfahrungen des Lebens so gut beschreibt wie dieses Mantra.
In der Zeit, als die Leukämie ausgebrochen ist, kam bei dir einiges zusammen. Du hattest Schulden, dich von deinen Geschäftspartnern getrennt, solltest bald Vater werden… Glaubst du, all diese Umstände waren auch verantwortlich dafür, dass du krank wurdest?
Bestimmt war der Organismus insgesamt geschwächt, so dass er vielleicht die Krankheit, die er vorher noch kontrollieren konnte, plötzlich nicht mehr im Griff hatte. Vielleicht war er auch einfach nur erschöpft, unabhängig von dem, was zu jener Zeit alles los war. Ich befand mich an einem Punkt, an dem ich Dinge ändern wollte. Und die Krankheit hat meinen Mut, dies auch tatsächlich zu tun, bestärkt. Ich habe mir gesagt, wenn ich nun schon nicht mehr lange zu leben habe, dann will ich wenigstens so leben, wie ich es mir vorstelle. Dann möchte ich mich nicht mehr mit Geschäftspartnern streiten oder Yogacenter am Leben erhalten, die eigentlich tot sind, wie in Berlin. Dann will ich mich auf wichtigere Dinge konzentrieren. Auf meine Freiheit. Und auf meine Familie.
Hast du in deinem Leben etwas durch die Krankheit geändert?
Am Anfang fand ich das alles total ungerecht: Warum werde ausgerechnet ich jetzt krank? Ich lebe von klein auf vegetarisch, habe nie viel Alkohol getrunken oder viel Drogen genommen. Ich habe schon immer gesund gelebt, viel Kampfsport gemacht, später Yoga. Darum konnte ich gar nicht so viel ändern. Ich konnte ja nicht mit Yoga anfangen, mit Entspannung, mit Meditation oder bewusster Ernährung… Das war ja alles schon immer Bestandteil meines Lebens.
Hat sich deine Yogapraxis verändert?
Körperlich ja. Ich kann keine Power-Vinyasa-Stunden mehr mitmachen. Dafür fehlt mir einfach die Kraft. Meine eigene Praxis ist wesentlich ruhiger geworden. Außerdem meditiere ich nach wie vor regelmäßig. Meditation ist immer gut.
Warst du enttäuscht, dass Yoga dir nicht mehr bieten konnte?
Nein, ich habe Yoga schon immer als Instrument verstanden, um den Geist zu beruhigen, nicht so sehr um den Körper zu heilen. Darum habe ich auch nicht erwartet, dass es eine Wunderasana gibt, die den Krebs verschwinden lässt. Es ist unseriös, wenn Leute das behaupten. Aber ich war froh, dass es Yoga gab, sonst wäre ich vielleicht in jener Zeit durchgedreht.
Hast du eine Antwort für dich gefunden, warum dir all das passiert ist?
Ich kann es nicht sicher sagen. Mir fällt nur auf, dass viele meiner Krankheiten Reaktionen auf die Umwelt waren, die mein Körper als bedrohlich erachtete. Heuschnupfen, Allergie, Leukämie, Asthma… Vielleicht hängen diese Krankheiten damit zusammen, dass ich mich von anderen abschotten wollte. Ich weiß es nicht.
Manche Leute sagen „Hauptsache gesund“. Ist Gesundheit wirklich das Wichtigste im Leben?
Wenn jemand glücklich ist, weil er gesund ist, dann freue ich mich für ihn. Aber ich halte es für eine unglaubliche Arroganz eines Gesunden allen Kranken gegenüber, wenn er behauptet, dass man nur glücklich sein kann, wenn man gesund ist. Ich kenne so viele Menschen mit enormsten körperlichen Beeinträchtigungen aller Art, und teilweise leben sie glücklicher und bewusster als die sogenannten Gesunden, die ich in meinem Leben getroffen habe. Hauptsache gesund – das klingt für mich wie eine platte Oma-Weisheit. Sie enthält eine gewisse Wahrheit, aber man sollte sie auch hinterfragen. Ich denke, Gesundheit kann schon einen Teil ausmachen, um glücklich zu sein, aber es ist keine Bedingung.
Was macht deiner Meinung nach glücklich?
Es ist gar nicht das Ziel, glücklich zu sein, sondern zufrieden mit dem, was man hat. Mit dem Körper, den man hat, den Gedanken, die man hat, den Ängsten, die man hat… Glück heißt für mich, mit sich und der Welt im Reinen zu sein. Eine wirkliche Zufriedenheit und Frieden mit dem, was ist – das ist Satchidananda, die Glückseligkeit, von der die alten Yogaschriften sprechen.
Bestimmt kommt häufiger mal jemand in einer Lebenskrise zu dir und fragt dich nach Rat. Was sagst du ihm?
Das kommt tatsächlich immer wieder vor. Ich empfehle ihm, die Verantwortung für sein Leben wieder zu übernehmen und vor allem eine Psychotherapie zu beginnen, um zu sehen, welche Gedanken einen da unglücklich machen. Es sind immer die Gedanken, die einen unglücklich machen, nicht das Leben selbst.
Ergänzt eine Psychotherapie die Yogapraxis besonders gut?
Für mich ist jede spirituelle Entwicklung ohne Psychotherapie ein Schuss in den Ofen. Sonst lässt du die ganzen Schatten, die du mitbringst, den ganzen Müll auf deiner Yogamatte raus und wühlst dich darin – aber Yoga hilft dir hier auch nicht weiter. Ich kenne Leute, die seit 40, 50 Jahren Yoga machen, aber nicht bereit sind, sich ihren Schatten zu stellen. Und es ändert sich gar nichts bei denen.
Kann man sich nicht auch selbst mit seinen Schatten, seinen Prägungen auseinandersetzen?
Du kriegst sie im Yoga um die Ohren gehauen, aber du brauchst einen Profi, um dich darüber auszutauschen.
Und sogar du brauchst einen Profi, obwohl du selbst promovierter Psychologe bist?
Natürlich. Der Zahnarzt kann sich auch nicht selbst seinen Backenzahn behandeln. Jeder Psychologe braucht auch einen Spiegel. Das muss kein Therapeut sein. Es kann auch ein weiser Ratgeber sein. Die Gurus früher waren nichts anderes als Psychotherapeuten, die lange mit dir gelebt und sich intensiv mit dir auseinandergesetzt haben. Das gibt es bei uns nicht. Du gehst jetzt anderthalb Stunden ins Yogacenter, setzt dort dein bestes Gesicht auf, gehst raus und trittst den nächsten Hund um die Ecke, weil du die Energie, die in dir hochgekommen ist, irgendwie verarbeiten musst. Allein kommst du schwer aus dem Sumpf raus. Wenn du jedoch einen Partner hast, mit dem du dich austauschen kannst, kann sich das enorm auf deine spirituelle Entwicklung auswirken. Es muss kein Psychotherapeut sein. Es kann jeder sein, der ein bisschen was davon versteht, wie der Mensch funktioniert. Es gibt großartige spirituelle Meister in der katholischen und evangelischen Kirche, die dich begleiten können. Seelsorger heißen sie so schön.
Man sagt ja auch, dass ein starker Glaube helfen kann, Krankheiten zu überwinden.
Meine 80-jährige Tante hat nur zweimal in ihrem Leben einen Arzt besucht. Sonst hat sie immer, wenn sie krank oder traurig war oder nicht wusste, wie es weitergehen soll, ihre Bibel aufgeschlagen und dort eine Antwort gefunden. Ein gefestigter Glaube schenkt einem Gelassenheit. Dann kannst du Schmerzen erdulden, ohne auszuflippen und Gott und die Welt und andere dafür verantwortlich zu machen. Wenn du den Glauben hast, dass es eine gewisse Ordnung in der Natur gibt, dann akzeptierst du die Dinge leichter. Es nützt ja nichts, wenn man hadert, dass man nicht den superbeweglichen Körper fürs Yoga bekommen hat. Es geht immer darum, mit dem zu arbeiten, was da ist. Und wenn der Körper krank ist, ist er eben krank. Ich kann nicht sagen, dass mein Glaube mich geheilt hat, aber er hat mich durch viele Krankheiten, die ich hatte, getragen. Jetzt bin ich hier, und es geht mir eigentlich ziemlich gut.

von Silvia Schaub

Home practice: Schrittweise zur eigenen Praxis

Sommerpause

Die Wärme genießen, spielerisch und mit Leichtigkeit praktizieren – diese lockere, fließende Sommersequenz können Sie auch im Garten oder am Strand üben.

Einstimmung

Stehen Sie in der Berghaltung (Tadasana) mit vor dem Herzen aneinander gelegten Handflächen (Anjali Mudra). Vertrauen Sie darauf, dass sich alles genau so entwickelt, wie es soll. Dann lösen Sie die Hände und öffnen sich für die Bewegung. Verbinden Sie sich mit Ihrem Atem und üben Sie fünf Durchgänge des Sonnengrußes (Surya Namaskar).

Ausklang

Legen Sie in Rückenlage die Beine in die gebundene Winkelhaltung (Supta Baddha Konasana). Eine Hand liegt oberhalb des Nabels, die andere auf dem Herzen. Nehmen Sie den Vorsatz, sich körperlich und geistig Raum zu geben, tief in sich auf. Spüren Sie, dass keine Widerstände mehr da sind und Sie sich öffnen können. Nach zwei vbis drei Minuten strecken Sie die Beine aus und kommen zur Endentspannung in Shavasana.

„Summertime, and the livin’ is easy…“ Der berühmte Gershwin-Song bringt die Stimmung auf den Punkt: Yoga im Sommer soll sich frei und leicht anfühlen. Genau diese Frische hat die Vinyasa-Lehrerin Kathryn Budig in ihrer Sequenz eingefangen. Egal ob Sie die Übungen mitnehmen zu einer Ferienwoche am Strand oder als kleine Auszeit in den Alltag einbauen: Sie öffnen Körper und Geist, kräftigen die Muskeln und bereiten Sie auf das Strandleben vor.

Asana-Praxis hilft Raum zu schaffen – im Körper genauso wie in Gedanken und Überzeugungen. Sich öffnen, loslassen und in allen Lebensbereichen zu mehr Freiheit finden, dazu ermutigt auch diese Sequenz. Die Rückwärtsbeugen, rumpfkräftigenden Übungen und Hüftöffner unterstützen die innere Öffnung und bauen Kraft und Selbstvertrauen auf. Beides können Sie dann in den beiden abschließenden seitlichen Bretthaltungen (Vasishthasana) mit großer Geste zum Ausdruck bringen. Dennoch soll es sich leicht und spielerisch anfühlen. Hauptsache, Sie versteifen sich nicht auf Perfektion: Es ist nicht so wichtig, ob das obere Bein ganz gestreckt ist. Konzentrieren Sie sich lieber darauf, den unteren Fuß fest im Boden zu verwurzeln und beobachten Sie, wie viel leichter es dann fällt, den Rest des Körpers anzuheben und zu entfalten. Dabei muss man allerdings bereit sein, sich auch in seiner Verletzlichkeit zu zeigen: „Seien Sie drauf gefasst umzukippen und probieren Sie es gleich nochmal“, rät Kathryn Budig. „Haben Sie einfach Spaß, statt allzu ehrgeizigen Zielen nachzueifern!“ Anders gesagt: Holen Sie die Leichtigkeit des Sommers in Ihre Yoga-Praxis!

1 Virasana (Heldensitz)

Beginnen Sie im Vierfüßlerstand und setzen Sie sich von dort aus bequem zurück zwischen die Füße. Sollten Knie oder Fußgelenke in dieser Haltung schmerzen, legen Sie einen oder zwei Klötze unter das Gesäß. Drücken Sie die kleinen Zehen sanft in die Matte, schieben Sie das Steißbein nach unten und heben Sie die Beckenkämme etwas an, gleichzeitig ziehen Sie die Rippenbögen leicht nach innen. Das Brustbein ist angehoben, die Schultern sind nach hinten gerollt. Im Heldensitz angekommen üben Sie Ujjayi Pranayama (die siegreiche Atmung).

2 Nach unten schauender Hund auf einem Bein, Variante

Vom Heldensitz kommen Sie zurück in den Vierfüßler und von dort in den Hund (Adho Mukha Shvanasana). Heben Sie das rechte Bein und öffnen Sie die rechte Hüfte zur Seite. Dann beugen Sie das gehobene Bein und ziehen den Fuß sanft in Richtung linke Pobacke. Wichtig: Die Schultern bleiben dabei auf einer Höhe und die Schulterblätter sind zurück gerollt. Nach acht tiefen Ujjayi-Atemzügen senken Sie das Bein und wechseln Sie die Seiten. Anschließend kommen Sie zurück in den Hund.

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3 Bretthaltung mit Kopf zum Knie

Aus dem Hund bewegen Sie die Schultern nach vorne bis über die Handgelenke und ziehen Sie das rechte Knie an die Brust. Bringen Sie dabei die Hüften auf die gleiche Höhe wie die Schultern und machen Sie den oberen Rücken rund. Das linke Bein schiebt kraftvoll nach hinten. Die Schulterblätter wandern nach außen, so dass der Rücken noch runder wird. Ziehen Sie den rechten Oberschenkel noch etwas enger an den Brustkorb heran und die rechte Ferse zum Gesäß und versuchen Sie, Ihr Kinn zum Knie zu bringen. Nach fünf bis acht Atemzügen strecken Sie das rechte Bein nach hinten, kommen Sie zurück in den Hund und wechseln Sie dann die Seiten.

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4 Gleichgewichtshaltung aus dem Vierfüßler

Kommen Sie aus dem Hund in den Vierfüßlerstand. Strecken Sie den rechten Arm nach vorne und das linke Bein nach hinten. Ziehen Sie dabei die Rippen leicht nach innen und schieben sich kraftvoll durch die Fingerspitzen nach vorne und durch die Zehen zurück. Spüren Sie diese Energiebahn durch Ihren Körper? Dann beugen Sie das linke Bein, drehen den rechten Arm nach hinten und greifen damit den linken Fuß. Drücken Sie das linke Schienbein nach hinten und heben Sie den Fuß. Nach acht Atemzügen kommen Sie zurück in den Vierfüßlerstand und üben die andere Seite.

5 Utthan Pristhasana (Eidechse)

Gehen Sie aus dem Vierfüßler heraus in den Hund. Von dort aus schwingen Sie den rechten Fuß nach vorne undBildschirmfoto 2013-12-09 um 17.51.13 Kopie setzen ihn neben die Außenseite der rechten Hand. Dann senken Sie die Unterarme auf den Boden oder auf Klötze ab. Dabei strebt das Brustbein nach vorne, die Schulterblätter sind zurückgerollt und das rechte Knie bleibt dicht bei der Schulter. Nehmen Sie sich zehn bis zwanzig Atemzüge lang Zeit. Dann strecken Sie die Arme wieder und kommen Sie zurück in den Hund. Bevor Sie die Seiten wechseln, bauen Sie ein Vinyasa (einen dynamischen Wechsel aus nach unten und nach oben schauendem Hund) ein.

6 Anjaneyasana (Tiefer Ausfallschritt), Variante

Der rechte Fuß schwingt aus dem Hund nach vorne zwischen die Hände und das linke Knie sinkt zu Boden. Das vordere Knie befindet sich genau über dem Fußgelenk. Dann legen Sie die rechte Hand auf den rechten Oberschenkel und greifen mit der linken Hand den linken Fuß. Richten Sie die linke Seite des Brustkorbes gerade nach vorne aus und heben Sie die vorderen Beckenkämme etwas an, um Spannung im unteren Rücken abzubauen. Mit angehobener Brust bleiben Sie acht Atemzüge lang in der Haltung, dann wechseln Sie nach einem Vinyasa die Seiten.

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7 Urdhva Mukha Shvanasana (nach oben schauender Hund)

Aus dem nach unten schauenden Hund gleiten Sie in den nach oben schauenden. Beugen Sie die Arme ein wenig, halten Sie die Unterarme aber gerade in der Mittelinie. Nun ziehen Sie den Rumpf zwischen den Armen nach oben und stellen sich vor, Ihre Nieren würden sich ausbreiten und nach oben bewegen. Die Kniescheiben sind angezogen und die Zehen fest in den Boden gedrückt. Dann strecken Sie die Arme wieder, bleiben noch zwei Atemzüge lang in der Haltung und legen Sie sich auf den Bauch.

 

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8 Dhanurasana (Bogen)

Beugen Sie in der Bauchlage beide Beine und greifen Sie nach den Füßen oder Fesseln. Öffnen Sie die Brust und drücken Sie die Schienbeine kräftig nach hinten. Stellen Sie sich vor, Sie wollten die Füße so weit nach hinten drücken, bis sie oberhalb der Knie sind. Kopf und Brust sind angehoben, die Schultern aber aktiv gesenkt. Nach acht tiefen Atemzügen kommen Sie zurück in den Hund.

 

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9 Vasishthasana (seitliche Bretthaltung)

Aus dem Hund gehen Sie in die Bretthaltung. Stellen Sie die Füße eng nebeneinander und setzen Sie die rechte Hand mittig auf. Dann rollen Sie sich auf die Außenkante des rechten Fußes. Das Steißbein schiebt in Richtung Fersen und der ganze Körper wird in die Seitenlage gekippt, so dass die Beckenkämme übereinander stehen. Strecken Sie den linken Arm weit nach oben aus. Das rechte Schulterblatt ziehen sanft am Rücken entlang nach unten. Bleiben Sie fünf Atemzüge lang in der Haltung, bevor Sie über die Bretthaltung die Seiten wechseln.

 

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10 Vasishthasana, Variante

Ausgangspunkt ist Vasishthasana auf dem rechten Arm. Drehen Sie das obere Bein auswärts, so dass die Zehen nach oben zeigen. Beugen Sie das Bein, greifen Sie an den großen Zeh und strecken Sie das Bein nach oben. Gleichzeitig drücken Sie die Sohle des rechten Fußes nach unten. Je fester Sie den unteren großen Zeh und die untere Hand in den Boden schieben, desto besser können Sie das Becken anheben. Bleiben Sie mit geweitetem Brustkorb drei bis fünf Atemzüge lang in der Haltung. Dann entspannen Sie sich in Balasana (Stellung des Kindes), bevor Sie die Seiten wechseln.

Text: Diane Anderson; Sequenz von Kathryn Budig

Den ganzen Artikel lesen Sie in unserer Juli/August-Ausgabe 2011.

Lachyoga

Nachbarn haben es manchmal schon nicht leicht, heute Kundalini-Geräusche, morgen Lachyoga-Beschallung. Was sie sich wohl denken, kann man nur erahnen. Das Schöne ist, dass es einem nach 65 Minuten Lachyoga wirklich völlig egal ist. Die Übungs-DVD von Gabriela Leppelt-Remmel hinterlässt ein wohlig ausgeglichenes Gefühl in Bauch und Kopf, so dass man den Untertitel nicht nur versteht, sondern richtiggehend spürt: Lachyoga schenkt Lebensfreude. Für die Übungen hat die Lachyoga-Lehrerin einige Schüler an die Außenalster in Hamburg bestellt (man mag sich die Gesichter der anderen Spaziergänger vorstellen). In der Gruppe werden anschaulich 33 Übungen vorgestellt. Vom Begrüßungslachen und Dschibberisch sprechen führt Leppelt-Remmel über klassische Dehnübungen zu ihren vier abgewandelten Atemübungen. Dafür sitzt sie völlig unprätentiös auf einer kleinen Decke, während im Hintergrund gerade eine Ente ins Wasser watschelt. Der Aufbau ist gut, die Menüführung durch die DVD ebenso. Verbessert werden könnte die Tonqualität. Vom raschelnden Polokragen bis hin zum anfahrenden Auto hört man alles im Hintergrund. Beachten sollte man unbedingt, dass im Gegensatz zu den meisten Home Yoga-DVDs viele Übungen für mindestens zwei Yogi/nis, eher sogar für mehrere, ausgelegt sind. Mit einem Gegenüber kann man einfach besser frech kichernd wie in Übung 31 über sich selber lachen.

Fazit: Die DVD ist insgesamt ebenso sympathisch wie die Lehrerin, mitsamt ihrer Versprecher und ihrem ansteckenden Lachen.

Jennifer Bligh / (Originalfoto des ersten Lachclubs in Mumbai vom Februar 1996)

Lachyoga schenkt Lebensfreude“ von Gabriela Leppelt-Remmel (Via Nova Verlag, ca. 15 Euro)

Titelthema Glück – Dorka Gryllus über künstlerische Freiheit

Die Schauspielerin Dorka Gryllus („Soul Kitchen“, „Schicksalsjahre“) wuchs in Budapest, Ungarn, auf. Dort besuchte sie die Schauspielschule und arbeitete als Film- und Theaterschauspielerin. Ende der 90er Jahre entschied sie sich aus beruflichen und persönlichen Gründen nach Deutschland zu ziehen, wo sie bereits einen Film gedreht hatte. Welche Rolle Freiheit und Heimat für das Lebensglück der 38-jährigen spielen, erzählt sie hier…

„In der Kunst ist Freiheit das Allerwichtigste. Ich wurde in Ungarn geboren – ein Land, wo man zu Zeiten des Kommunismus nicht immer sagen durfte, was man denkt. Für einen Künstler ist es schrecklich, wenn seine Möglichkeiten beschränkt sind. Meine Mutter ist Regisseurin. Sie macht bis heute jeden Morgen eine halbe Stunde Yoga – zum einen, weil es ihrem Rücken gut tut und ihre chronischen Schmerzen dadurch komplett verschwunden sind. Zum anderen half und hilft Yoga ihr aber auch, sich eine innere Freiheit und Unabhängigkeit zu bewahren. Auch ich praktiziere Yoga seit ich acht Jahre alt bin. Nicht regelmäßig – in meinem Leben gibt es eigentlich keine Regelmäßigkeiten, denn ich bin viel mit meiner Band rotfront unterwegs oder drehe -, aber es tut mir und meiner Seele einfach gut.

Es gibt auch heute noch einige Dinge in Ungarn, mit denen ich nicht einverstanden bin. Heute hat man allerdings – im Gegensatz zu früher – die Freiheit, dagegen zu protestieren. Ungarn ist ein kleines Land und man hat vor allem in der Filmbranche dort nicht so viele Möglichkeiten. Das liegt daran, dass die Sprache nicht so verbreitet ist wie etwa die deutsche. Es werden zwar tolle Sachen produziert, aber eben nicht besonders viel. Vor ein paar Jahren hatte ich eine schwierige Zeit. Da ich schon einen Film in Deutschland gedreht und deutsch gelernt hatte, ging ich nach Berlin. Inzwischen liebe ich die Stadt. Dort leben Menschen aus allen Ecken der Welt. Es ist eine freundliche, freie Stadt, die sehr offen ist für andere Kulturen. Trotzdem bleibt Ungarn immer meine Heimat. Ich fahre oft dorthin, auch weil meine Familie dort lebt. Wenn dort etwas schief geht, berührt mich das viel mehr, als wenn in Deutschland etwas schief geht. Eine Mutter kann man sich nicht aussuchen, eine Frau schon. Ungarn ist meine Mutter, Deutschland meine Frau. Ich habe in Berlin meine Freiheit und kann meine Kunst ausleben. Das macht mich glücklich.“

(Protokoll: Simone Schreyer, Foto: Anita Pocsik)