Yogawoman

Die Zukunft des Yoga ist weiblich

Bill Clintons berühmter Wahlslogan, mit dem er deutlich machen wollte, was der grundlegende Unterschied seiner Amtszeit im Vergleich zu der Zeit von Bush sen. Sein würde, lautete: It’s the economy, stupid. Stellt man heute die Frage, was Yoga in den vergangenen Jahren verändert hat, muss die Antwort eindeutig heißen: It’s the woman, stupid. Wenn man sich vor Augen hält, das Yoga einst nur Männern vorbehalten war und Frauen lange Zeit keinen Zugang zu den yogischen Lehren hatte, kommt folgender Fakt einer Revolution gleich: Heute sind 85 Prozent der Übenden und einige der bekanntesten Yoga-Gurus Frauen. Die Regisseure Kate Clere gehen in ihrem Dokumentarfilm „Yogawoman“ diesem Phänomen nach – und holen die augenblicklich wichtigsten Yogalehrerinnen und Gesundheitsfachfrauen vor die Kamera. Es sind diese Frauen, die Yoga in alle Bereiche des täglichen Lebens hineintragen, sei es zur Stärkung der eigenen Gesundheit, des Selbstbewusstseins oder der Gemeinschaft. Der Film identifiziert ein Dutzend Gebiete, von der Gesundheit und Krebsbehandlung über die Stärkung von jungen Mädchen und Teenagern im Jugendstrafvollzug, Schwangerschaft, Yoga für Ältere, bis hin zu gemeinnützigen Projekten, die auf den yogischen Grundsätzen basieren.  Yogalehrerrinnen wie Angela Farmer, Indra Mohan, Menaka Desikachar, Sharon Gannon, Patricia Walden oder die Yoga-Aktivistin Seane Corn sprechen darüber, wie Yoga in ihr Leben kam und es grundlegend veränderte. Die weibliche Seele ist mannigfaltig, ihre Weisheit tief, und jede dieser Frauen deckt mit ihrer Yogapraxis einen anderen Anspruch ab.

Fazit: Diese Doku ist ein inspirierender, sehenswerter und lehrreicher Film – nicht nur für Frauen!

Der Film deines Lebens

Spiel- meets Lehrfilm

Geistiges und spirituelles Wissen im Rahmen einer Spielfilmhandlung zu vermitteln – daran wagten sich schon so einige Filmemacher. Regisseur Sebastian Goder zeigt mit dem“ Film deines Lebens“ eine bewegende Geschichte voller Wissen über die „sieben Gesetze des Lebens“. Im Mai 2011 gewann er den Publikumspreis des Cosmic Cine Filmfestivals.

Ein Mann wacht im Krankenhaus auf und kann sich an nichts mehr erinnern, weswegen er „Blank“ genannt wird. Doch er hat direkten Zugang zu seiner inneren Stimme (dem höheren „Selbst“?) und weiß plötzlich alles über die Gesetze des Lebens. Im Lauf des Films begegnet er verschiedenen Personen, die im Gespräch mit ihm eine innere Wandlung durchleben. Sie erkennen alte Lebensmuster, die sie an Lebensfreude und Erfolg hindern. Blank, wunderbar verkörpert durch Patrick Fichte, vermittelt sein inneres Wissen allen, denen er begegnet – wie ein unbeholfenes Kind oder Außerirdischer, der sich allmählich in der Menschenwelt zurechtfindet. Der Zuschauer erkennt sich in vielen Themen – Mangel an Selbstvertrauen, Jobverlust oder Beziehungsprobleme – wieder. Leider wirken Blanks Weisheiten manchmal arg belehrend, wie aus einem Selbsthilfe-Ratgeber. Aber im Kino gab es viele Tränen, was zeigt, dass die Geschichte tief berührt.

Fazit: Ob die „sieben Lebensprinzipien“ tatsächlich die „Schlüssel des bewussten Lebens“ sind, sei dahingestellt, aber der Film inspiriert und regt an, tiefer über das eigene Leben nachzudenken.

Gesundheit von Körper und Geist

Auf den Spuren eines Spirituellen Meisters

Zugegeben, es ist nicht ganz einfach an dieses Buch zu kommen. Die deutsche Auflage von 2005 ist längst vergriffen. Für gebrauchte Exemplare muss man inzwischen weit mehr als 100 Euro hinblättern, englische Ausgaben sind deutlich günstiger. Tirumalai Krishnamacharya (1888-1989) war ein bescheidener, wissensdurstiger und zutiefst spiritueller Mensch. Nach intensiven Studien an diversen Universitäten lebte er am Fuß des Berges Kailash bei einem Heiligen, der ihn sieben Jahre lang in die Geheimnisse des Yoga einweihte. Am Ende der Lehrzeit bekam Krishnamacharya einen Auftrag: „Nimm dir eine Frau, ziehe Kinder groß und lehre Yoga“. Und das tat er. Der Einfluss des Mannes, der jahrhunderte alte Verbote wegfegte, indem er Yoga auch Frauen und unteren Schichten zugänglich machte, ist nicht hoch genug einzuschätzen. Er zeigte uns, was Yoga in der heutigen Welt voller Stress und Hektik bewirken kann. Außerdem haben wir ihm bekannte Lehrer wie K. Patthabi Jois zu verdanken. Dieses Buch entstand mehr aus dem Wunsch heraus, das Wissen und die Lehren des Vaters festzuhalten und einem größeren Kreis zugänglich zu machen, als aus dem Ehrgeiz, eine vollständige Biographie zu schreiben.

Fazit: Krishnamacharyas Sohn T.K.V. Desikachar gelingt es, seltene persönliche Anekdoten mit essenziellen Erkenntnissen über Yoga zu verknüpfen und eine absolut lesenswerte Lektüre zu schaffen.

Tipp der Woche: Kopfstand-Workshops

Viele Yogaschriften, alte wie neue, propagieren den Kopfstand und erläutern seinen tieferen Nutzen. Dazu gehören erhöhte Vitalität, mentale Klarheit, psychische Stabilität und innere Ruhe. Allerdings will Shirshasana richtig ausgeübt werden – sonst drohen Risiken und Nebenwirkungen.

Dass der Kopfstand vielen Yogis auch Kopfzerbrechen bereitet, ist eine Tatsache. Aus Angst vorm Umfallen oder frustrierenden Fehlschlägen meiden manche Yogis sogar Klassen, in denen der Kopfstand zum festen Bestandteil gehört. Bei einem Kopfstand-Workshop hingegen ist man unter sich und kann gezielt diesen Bedenken entgegenwirken.

Aber nicht nur seine Angst vor der Königs-Asana verliert man hier: Beim Üben von Shirshasana schleichen sich auch schnell potenziell gefährliche Fehler ein: Hohlkreuz, zu wenig Körperspannung oder Gewichtsverlagerung auf den Nacken – das Vermeiden solcher Fehler gehört ebenfalls zum Workshop-Programm. Und dank begrenzter Teilnehmeranzahl haben die Yogalehrer meist auch die Zeit, individuell Korrekturen an der Ausrichtung vorzunehmen.

Aus mentaler Sicht fördert der Kopfstand Mut, Konzentration, Willenskraft und Selbstbewusstsein. Und es bedarf auch nur ein bisschen Mut, sich für einen Kopfstand-Workshop anzumelden…

(Die Kopfstand-Workshops sind sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene geeignet. Jedoch sollte nur teilnehmen, wer eine regelmäßige Yogapraxis etabliert hat. Nach einer halbjährigen Yoga-Abstinenz raten wir Ihnen zu einem Wiedereinstieg mit den Basics.)

 

Viel zu hören: Autobiographie eines Yogi

Sie ist ein absoluter Klassiker und steht bei jedem Yogi im Bücherregal: die „Autobiographie eines Yogi“. Seit knapp 70 Jahren schon bewegt die Lebensgeschichte von Paramahansa Yogananda viele spirituell denkende Menschen und erzählt von Wundern, die wir uns in unserer westlich-materialistischen Welt beinahe nicht mehr vorstellen können. Es ist eine Welt, in der Heilige, große Meister und Einsiedler ebenso existieren wie die Wissenschaft des Yoga. Oder um es mit George Harrison auszudrücken: „Wenn Leute ihre ‚Gehirn-Weichen’ neu stellen wollen, sage ich ihnen: ‚Lies dieses Buch, denn es dringt bis zum Kern aller Religionen vor.’“ Das Werk, das auf der Liste der 100 besten spirituellen Bücher des 20. Jahrhunderts steht, ist jetzt auch auf Deutsch als Hörbuch bei der Self-Realiziation Fellowship erschienen, gelesen von dem Schauspieler Robert Atzorn. Das Hörbuch umfasst 18 CDs, bietet 20 Stunden und deckt das komplette Buch ab. Es kostet ca. 48 Euro.

 

 

Weiße Kraftquelle – Milch aus ayurvedischer Sicht

Für Yogis, die eine tierleidfreie, vegane Lebensweise anstreben, ist Milch indiskutabel. Interessanterweise wird Milch jedoch im Ayurveda als besonders wertvoll angesehen. Annette Sand hat auf dem 2. Europäischen Ayurveda-Kongress in Bad Ems herausgefunden, warum das so ist, was es dabei zu beachten gibt und wieso immer mehr Menschen mit einer Laktose-Unverträglichkeit zu kämpfen haben.

Bevor ich mich hingesetzt habe, um Ihnen über das Thema Milch im Ayurveda zu berichten, habe ich mir eine Tasse Milch eingeschenkt. Aber nicht etwa einfach kalte Milch aus dem Kühlschrank, das ist ayurvedisch gesehen ein absolutes No-Go. Wie ich sie zubereitet habe? Nach den Anweisungen eines Ayurveda-Arztes. Wie genau, verrate ich Ihnen später.

Milch als Anti-Aging-Produkt
Während ich also an meiner Milch nippe, fällt mir der Werbespruch „Die Milch macht’s“ ein, der in den 1980er Jahren aufkam und den meisten noch gut in Erinnerung sein dürfte. Die Werbemacher blieben uns aber damals konkrete Informationen über die Vorzüge von Milch schuldig. Vielleicht war der Spruch auch deshalb so erfolgreich, weil jeder für sich selbst eine positive Wirkung hineinprojizieren konnte. Aber was macht sie nun wirklich, die Milch? Und ist Milch tatsächlich so gesundheitsförderlich, wo doch immer mehr Menschen unter Laktose-Intoleranz leiden und auf eine vegane Ernährung umstellen?
Das uralte Wissen des Ayurveda kann uns Antworten auf diese Fragen geben. In den überlieferten vedischen Schriften findet sich zunächst eine Aufzählung der Milcharten, die man zu sich nehmen kann, von der Kuh- über die Schafs-, Ziegen-, Büffel-, Pferde- und Kamelmilch bis hin zur Elefantenmilch mit den entsprechenden Eigenschaften dieser Milcharten.
Als besonders wertvoll gilt die Kuhmilch. Wir im Westen wissen vielleicht gerade noch, dass Milch reich an Proteinen, Kalzium und anderen Mineralstoffen, Vitaminen und Fetten ist. Die Eigenschaften, die in den ayurvedischen Texten aufgezählt werden, sind jedoch wesentlich beeindruckender und machen sie zu einem der reichhaltigsten Nahrungsmittel überhaupt. Neben Honig und Ghee (geklärte Butter) zählt Milch nämlich zu den drei natürlichen Rasayanas. Diese drei nehmen als reine Nahrungsmittel eine Sonderstellung unter den Rasayanas ein, besonders gesundheitsfördernde und stärkende Mittel, die normalerweise aus Kräuterkombinationen bestehen. Rasayanas sagt man eine verjüngende Wirkung nach. In diesem Sinne kann man Milch auch als Anti-Aging-Produkt bezeichnen.

„Das Gesündeste, was man zu sich nehmen kann.“
Die Liste der weiteren Vorteile von Milch ist lang. Hier die wichtigsten: Sie vitalisiert und gibt Energie, indem sie Prana, den Lebensatem bzw. die Lebensenergie, fördert. Ferner gilt Milch als entgiftend, appetit- und verdauungsanregend sowie regenerierend bei einem überstrapazierten Nervensystem. Sie ist erfrischend und nahrhaft. Sie fördert die Intelligenz, beugt Senilität vor und ist äußerst nützlich für die mentale Stabilität des Menschen. Milch beruhigt und ist von sattvischer Natur (Sattva bedeutet Reinheit). Sie ist gesund für alle Lebewesen. Auch bei Erkrankungen kann Milch laut ayurvedischer Überlieferung eingesetzt werden. Sie wird vor allem bei Fieber und Husten empfohlen, sowie bei Unterernährung, Erschöpfung, Vergiftungen, Koliken und Herzbeschwerden.
Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Ayurveda hatte ich die Gelegenheit, einen Vortrag über Milch von Dr. Kalyan Chakravarthy zu hören und ihn persönlich zu befragen. Er stammt aus einer angesehenen indischen Familie von Vaidyas (Ayurveda-Ärzten) und ist seit einigen Jahren an der Maharishi Ayurveda-Privatklinik in Bad Ems tätig. Er nannte Milch „das Gesündeste, was man zu sich nehmen kann“. Er erklärte, dass Milch aus ayurvedischer Sicht für alle drei Doshas (Vata, Pitta und Kapha) förderlich ist, aber besonders ausgleichend auf Vata und Pitta wirkt.

Intoleranz gegen verarbeitete Milch
Die Frage stellt sich nun, warum heutzutage so viele Menschen ein solch wertvolles Nahrungsmittel nicht vertragen. Hierzu nennt Dr. Chakravarthy als einen wesentlichen Grund die Verdauungsschwäche, an der durch unsere moderne Lebens- und Ernährungsweise immer mehr Menschen leiden. Er ist der Meinung, es sei besser, die Verdauung zu stärken, als völlig auf Milch und Milchprodukte zu verzichten. Darüber hinaus hält er die Milch, die wir heute im Supermarkt kaufen, bei weitem nicht mehr für so wertvoll wie jene, die in den alten Texten gemeint ist. Warum dem so ist? Zum einen, weil die Kühe, anstatt sich von saftigen, gesunden Wiesenkräutern zu ernähren, Futtermittel mit allerlei künstlichen Zusätzen, wie z.B. Steroiden, verabreicht bekommen. Und zum anderen, weil die Milch verschiedener Kühe heutzutage einfach gemischt und industriell verarbeitet wird. Die Homogenisierung der Milch ist aus ayurvedischer Sicht kein Segen, da sie dadurch nur schwerer verdaut werden kann. Die Milch sollte so naturbelassen wie möglich sein, am besten von einer einzigen Kuh frisch vom Bauernhof. Die meisten Menschen können das heute nicht realisieren, darum wird dazu geraten, sich nicht homogenisierte Frischmilch in Bioqualität zu besorgen. Im Supermarkt ist Frischmilch, von den meisten Verbrauchern unbemerkt, fast völlig von der sogenannten ESL-Milch (ESL steht für extended shelf life = länger im Ladenregal haltbar) abgelöst worden, die besonders lange haltbar ist und die nicht ganz so hoch erhitzt wird wie H-Milch. Der Vitalstoffverlust ist jedoch ähnlich hoch. Im Bioladen kann man noch zwischen Frischmilch, ESL-Milch und H-Milch wählen. ESL-Milch wird nicht als solche deklariert, man kann sie nur an der längeren Haltbarkeit erkennen.

Die Kombination ist entscheidend
Ayurveda-Experten haben noch weitere Tipps zum Milchverzehr parat. Da Milch so nahrhaft ist, sollte man sie nie zu den Mahlzeiten trinken. Milch ist geeignet als Zwischenmahlzeit oder als Mahlzeitersatz. Auch was man mit der Milch kombiniert, spielt eine Rolle. Es wird empfohlen, Milch nie zusammen mit Salz, Fisch und Fleisch zu trinken. Außerdem sollte man sie nie kalt trinken, sondern immer zumindest anwärmen. Noch leichter verdaulich wird sie, wenn sie abgekocht wird und ganz besonders leicht, wenn man sie drei- bis viermal aufkochen lässt. Bei Unverträglichkeit gibt Dr. Chakravarthy den Rat, die Milch mit Wasser zu verdünnen. Man kann mit viel Wasser und wenig Milch anfangen und die Milchmenge langsam steigern. So gewöhnt sich das Verdauungssystem langsam wieder an die Milch. Auch wer nicht an Laktose-Intoleranz leidet, jedoch eine empfindliche Verdauung hat, sollte die Milch mit etwas Wasser verdünnen. Noch besser vertragen wird Milch, wenn man Gewürze zugibt. Diese können auch den Mangel an frischen Wiesenkräutern im Futter ein wenig ausgleichen. Am besten kocht man die Milch gleich mit den Gewürzen zusammen. Geeignet dafür sind beispielsweise Zimt, Ingwer, Kardamom, Gelbwurz (Kurkuma) und Muskat. Wenn man Milch getrunken hat, soll man erst dann wieder etwas essen, wenn sich ein echtes Hungergefühl einstellt.
Die falsche Kombination von Lebensmitteln, die moderne Art der Ernährung mit unregelmäßigen Essenszeiten und hastig eingenommenen Zwischenmahlzeiten tragen dazu bei, dass die Verdauung geschwächt wird und viele Menschen Schwierigkeiten haben, Milch und Milchprodukte zu verdauen. Aus ayurvedischer Sicht ist übrigens verarbeitete Milch (als Käse, Quark u.ä.) noch schwerer verdaulich. Die einzige Art und Weise, wie man Joghurt zu sich nehmen soll, ist Lassi, also Joghurt mit Wasser und püriertem Obst.

Rezept für ayurvedisch -zubereitete Milch
Im Ayurveda sieht man nicht nur den reinen Nährwert von Nahrungsmitteln, sondern darüber hinaus auch die „Intelligenz“, die Information, die dadurch in die Körperzellen gelangt und so den Körper aufbaut. Diese Information ist bei Milch besonders wertvoll, deshalb legen Ayurveda-Ärzte so großen Wert darauf, den Körper selbst bei Unverträglichkeitserscheinungen wieder nach und nach an Milch zu gewöhnen. Wir können von der Jahrtausende alten Erfahrung mit Ernährung und Gesunderhaltung des Körpers im Ayurveda profitieren und wieder lernen, auf unseren Körper zu achten und uns natürlich und gesund zu ernähren. Ach ja: Ich wollte Ihnen ja noch verraten, wie ich meine Milch zubereitet habe – hier also mein Rezept: 1/3 Wasser und 2/3 Milch mit je einer Prise Gelbwurz und Zimt und ½ Teelöffel gemahlenem Kardamom aufkochen. Wenn Sie mögen, geben Sie noch einen Schuss Rosenwasser hinzu (köstlich!). Nach Belieben mit Rohrohrzucker süßen oder auf Körpertemperatur abkühlen lassen und erst dann etwas Honig unterrühren. Honig sollte nämlich nie über 40 Grad C erhitzt werden. Das ist nicht nur schlecht für die wertvollen Inhaltsstoffe, sondern es entstehen beim starken Erhitzen sogar Giftstoffe. Genießen Sie Ihre Milch-Mahlzeit!

 

Dieser Artikel erschien in der Printausgabe YOGA JOURNAL  05/2011

In Europa zu Gast bei Freunden

Yoga ist Verbindung. Mit sich selbst, mit der Umwelt und dem Höheren. Besonders schön ist es, wenn man sich mit anderen Yoga-Interessierten verbinden kann. Darauf basiert auch die Idee der European Yogi Nomads,  die Anfang des Jahres während eines Anusara Retreats in Costa Rica geboren wurde: Bekannte Lehrer reisen in ausgewählte europäische Städte und bringen ihre Schüler mit. Diese haben so die Möglichkeit, andere Städte zu entdecken, neue Menschen kennen zu lernen und auch noch an einem kostengünstigen Workshop teilzunehmen. Und die einheimischen Yogis können sich über yogische Luft und Ideen aus anderen Ländern freuen. Die Unterkünfte werden nach dem Prinzip des Couchsurfings vergeben; und wer einen Schlafplatz für einen auswärtigen Yogi anbietet, dem ist beim nächsten Stopp der Yogi-Nomads eine Übernachtungsmöglichkeit garantiert.

Der Startschuss für die europäischen Yoga-Nomaden fiel das Wochenende vom 14. bis 16. Oktober 2011 in Berlin, im Yogaraum beim Schlesischen Tor statt. Mit Workshops von und mit Lehrern aus Paris, Goeteborg, Istanbul, Kopenhagen und Berlin. Die European Yogi Nomads werden künftig alle drei bis vier Monate in verschiedenen Städten Halt machen.

Mehr Infos bei Jana Toepfer unter: jana@jnanaprojects.com

Den richtigen Surflehrer finden

Meditation Strand Surfen Frau
Foto von Andrea Piacquadio von Pexels

Mit nur vier Worten beschreibt Patanjali zu Beginn seiner Yoga Sutras das Wesen des Yoga. Unsere Aufgabe besteht darin herauszufinden, was er damit eigentlich meint.

Wenn man mich fragt, ob ich einen Guru habe, antworte ich meistens: Mindestens zwei. In traditionellen Yoga-Schulen disqualifiziert mich so eine Antwort sofort. Denn den alten Schriften nach ist Befreiung nur durch die Gnade EINES erleuchteten Meisters zu erlangen. Man sollte nicht zwischen verschiedenen Lehrern hin- und herspringen. Ich stimme dieser Meinung eigentlich zu. Zumindest was den Aspekt der Gnade angeht. Es lohnt sich darüber nachzudenken, ob man sich Freiheit erarbeiten und erkämpfen muss – oder ob sie ein Zustand ist, den man einfach erkennt, wie eine Art Geschenk.

Es kann hilfreich sein, von vielen verschiedenen Lehrern zu lernen. So kommt man schließlich zu seiner eigenen Erkenntnis. Die Auseinandersetzung mit einem alten, vielzitierten Text wie dem Yoga Sutra macht das deutlich. Patanjali hat seine Erklärung des Yogaweges in 195 knappen Sätzen zusammengefasst, die jeder Lehrer ein klein wenig anders übersetzt. Jede Sutra ist nur ein „Leitfaden“, der aufgrund der zahlreichen Bedeutungen eines Sanskritwortes stets auch einer Interpretation bedarf. Anhand der Worte, die ein Lehrer wählt, um das Wesen des Yoga zu erklären, kann man erkennen, wo er selber steht, und ob man diesem Weg folgen möchte.

Die vier wohl berühmtesten Worte im Yoga lauten:

Yogash citta vrtti nirodhah. (YS I,2)

Das Wort citta wird oft mit „Geist“ übersetzt, vrtti entspricht in etwa dem Prinzip der Bewegung oder Wellen. Interessant wird es bei dem, was nirodhah bedeutet. Wie kommt denn die Stille in den Geist? Oder: Wie lernt man auf den Wellen zu surfen?

Eine der ersten Übersetzungen, die mir auf meinem Weg begegnete, war der Kommentar von Swami Vishnudevananda, einem Schüler Swami Sivanandas. Er interpretierte die vier Worte auf sehr aktive Weise:

Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Gedanken im Geist.

Ich habe das ehrlich gesagt nicht lange versucht. Denn ich war nicht sehr erfolgreich darin, meine Gedanken zu beruhigen. Und ich musste ja auch dabei scheitern, einen Zustand der Ruhe auf aktive Weise herstellen zu wollen, da gerade dieser Wille in sich schon wieder eine Welle im Geist bedeutet. Glücklicherweise hatte ich schnell eine Lehrerin gefunden, die mich beiseite nahm und sagte: „Es ist okay, erstmal einfach nur auf dem Kissen zu sitzen.“ Da sie ebenfalls eine Schülerin von Vishnu-devananda war, konnte ich dem alten Inder seine etwas rabiate Übersetzung verzeihen. Den aktiven Teil kann ich heute darin sehen, dass ich mich entscheide, mir überhaupt Zeit für die Meditation zu nehmen. Diese Entscheidung allein ist bereits etwas, das mich dem Zustand, den ich mir so sehr wünsche, näher bringt.

Irgendwann fiel mir dann ein Buch mit dem einfachen Titel „Die Wurzeln des Yoga“ in die Hände. Der Autor dieses Buches war so bescheiden, dass die Umschlagseite nicht einmal seinen Namen trägt. Man kann bei ihm lesen:

Yoga ist jener innere Zustand, in dem die seelisch-geistigen Vorgänge zur Ruhe kommen.

In diesen Worten habe ich mich aufgehoben gefühlt. Deshpande (den Namen findet man dann doch kurz im Vorwort notiert) legt in seinem Kommentar viel Wert auf den Aspekt der Freiheit. Damit meint er nicht die Möglichkeit zu tun, was immer man möchte, sondern die Freiheit „nicht zu wählen“. Man sitzt und schaut einfach nur darauf, was geschieht, ohne einzugreifen und bestimmte Gedankenwellen abzulehnen. Das schließt auch mit ein, dass man nicht wiederum andere geistige Zustände begrüßt. Ich bin immer wieder peinlich berührt, wenn mir Leute erzählen, was für „tolle Meditationserfahrungen“ sie hatten.

Die Kolumne hätte hier schon zu Ende sein können, wenn mir nicht ein Kollege vor wenigen Tagen ein Buch von I.K. Taimni in die Hand gedrückt hätte, mit den Worten: „Wenn Du über Patanjali schreibst, dann ist das hier die Referenz.“ Ich schlug die zweite Sutra auf und wusste beim ersten Lesen der Übersetzung nicht, ob ich lachen oder weinen sollte:

Yoga ist die Unterdrückung der Modifikationen der Psyche.

Auch wenn Taimni einer der führenden Sanskrit-Gelehrten war, kann ich mir nicht vorstellen, dass mehr als drei Leserbriefe kommen, die sagen: „Genau das ist für mich Yoga.“ Ein genaueres Hinschauen kann einen aber auch mit dieser Übersetzung versöhnen. In seinem Kommentar gebraucht er nämlich auch das Wort „Zurückhaltung“ als mögliche Übersetzung. Das klingt wieder mehr nach Freiheit. Ich habe schließlich T. K. V. Desikachar aus dem Regal geholt, dessen Patanjali-Übersetzung gleich mit „Über Freiheit und Meditation“ betitelt ist. Er bemüht sich gar nicht erst um eine wörtliche Übersetzung, sondern versucht uns zu zeigen, was man sich tatsächlich erarbeiten kann (womit wir beinahe wieder bei der ersten Variante sind):

Yoga ist die Fähigkeit, sich ausschließlich auf einen Gegenstand, eine Frage oder einen anderen Inhalt auszurichten und in dieser Ausrichtung ohne Ablenkung zu verweilen.

Es bleibt also am Ende für uns selbst immer noch das Rätsel zu lösen, wie viel wir im Yoga aktiv erreichen können, und was wir einfach geschehen lassen. Mir hat es gut getan, mir den Weg der Meditation von verschiedenen Seiten anzuschauen, um sicher zu werden, dass es am Ende immer auf das Eine hinaus läuft. Jeder Surflehrer hat ein paar andere Tricks aus seiner persönlichen Erfahrung, die er mit uns teilen kann. Man kann von jedem etwas lernen.

Ralf Sturm lebt und arbeitet im Yoga Vidya-Seminarhaus in Bad Meinberg.