Frauenpower: Mit Yoga zur Führungsposition

Können Frauen mit einer gezielten Yogapraxis die notwendige Stärke für Führungspositionen aufbauen? YOGA JOURNAL-Autorin Ulrike Reiche geht der Frage nach und erklärt, warum die Integration weiblicher Potenziale in der Wirtschaft selbstverständlich sein sollte.

„Die Frauen, die ich kenne, wollen alles, aber eins auf keinen Fall: werden wie ein Mann!“ Diese Aussage von einer Vertriebsmanagerin macht deutlich, in welchem Spannungsfeld sich viele ambitionierte Frauen bewegen: Auf der einen Seite streben sie beruflichen Erfolg an und sind bereit, verantwortungsvolle Positionen zu übernehmen. Und auf der anderen Seite ringen sie damit, bei allem Engagement noch Frau zu bleiben und ihre weibliche Ausstrahlung zu behalten. Sie haben den Wunsch, ihr berufliches Potenzial voll auszuschöpfen – ohne ihre Vorstellungen von Weiblichkeit, Partnerschaft und Familie für den Job komplett aufzugeben.
Nur wenigen von ihnen gelingt das in einer Weise, die sie selbst, ihre Familien und ihre Arbeitgeber zufrieden stellen. Auch wenn derzeit in Wirtschaft und Politik die Frage der Frauenförderung und -quote breit diskutiert wird, und selbst wenn ausreichende Kinderbetreuung in ganz Deutschland sichergestellt wäre – an einem Punkt kommen Frauen nicht vorbei: Sie müssen sich entscheiden, wie sie ihr Berufs- und Privatleben gestalten wollen und ob sie tatsächlich bereit sind, in Führungspositionen hinein zu wachsen.

Zahlreiche Studien der letzten Jahre belegen, dass Unternehmen besonders erfolgreich sind, wenn das Management aus Männern und Frauen besteht. Eine verbesserte Geschäftsentwicklung zeichnet sich in der Regel dann ab, wenn der Frauenanteil unter den Führungskräften mindestens bei 30 bis 40 Prozent liegt. So titelte eine angesehene Wirtschaftszeitung angesichts der Bankenkrise: „Die Trümmerfrauen der Finanzbranche“ – und attestierte den weiblichen Finanzexperten mehr Risikobewusstsein und Besonnenheit als den männlichen Kollegen.

Dabei ist es nicht nur aus wirtschaftlichen und demografischen Gründen wichtig, dass Frauen mehr Verantwortung übernehmen. „Wenn mehr Frauen in Führungsetagen sitzen würden, dann wären alle gesünder: die Mitarbeiter, die Unternehmen und die Wirtschaft als Ganzes,“ findet eine Gesprächspartnerin in Führungsposition. Ihre Aussage weist darauf hin, dass die gleichberechtigte Partizipation von Frauen zu einem ganzheitlichen und nachhaltigen Wirtschafts- und Führungsstil beiträgt. An dieser Stelle ergibt sich die Schnittstelle zum Welt- und Menschenbild der Yogalehre: Nur dort, wo das weibliche und das männliche Prinzip miteinander auf natürliche Weise im Einklang agieren, kann Gesundheit, Frieden und Prosperität entstehen.

Berufstätigen Frauen ist oftmals deutlich bewusst, dass sie für Erfolg im Beruf nicht nur eine systematische Karriereplanung brauchen, sondern auch ein gesundes Selbstmanagement. Gerade Frauen, die Familie und Karriere in Einklang bringen wollen, benötigen eine kontinuierliche, gezielte Methode zum Stressabbau. Yoga kann helfen, die Dualität zwischen der körperlichen und geistigen Ebene zu überwinden und eine ausgewogene Balance zwischen den unterschiedlichen Energien herzustellen. Die Praxis hat nach yogischem Verständnis immer eine – beabsichtigte – mentale Wirkung. Auch wer Yoga eher als körperliche Methode betrachtet, wird diese Wirkungszusammenhänge nicht außer Acht lassen können. Regelmäßiges Üben fördert die Selbstwahrnehmung und Reflexionsfähigkeit.

So wie weibliche als auch männliche Interessen und Fähigkeiten für eine blühende Gesellschaft notwendig sind, so kann die einzelne Frau aus der Entwicklung ihrer weiblichen und männlichen Aspekte die Stärke gewinnen, die sie für ein erfülltes Privat- und Berufsleben braucht. Unabhängig vom Geschlecht existieren beide Prinzipien in jedem Menschen. Den meisten Menschen ist nicht bewusst, wann die weiblichen oder männlichen Aspekte in ihnen wirksam sind. Noch weniger realisieren sie, dass sie mit Hilfe einer gezielten Yogapraxis direkten Einfluss darauf nehmen können, die entgegensetzten Pole auszubalancieren und die jeweiligen Potenziale zu entfalten.

Hilfreich ist ein speziell zusammengestelltes Übungsprogramm, das einerseits die Leistungskraft erhält, aber auch genügend Raum für Entspannung gibt. Damit ist es möglich, das weibliche Potenzial auszuschöpfen und die männlichen Anteile zu entfalten – je nachdem, was die jeweilige Lebens- oder Arbeitssituation erfordert.

Yogi Bhajan, der Meister einer speziellen Form des Kundalini Yoga, wandte sich in zahlreichen Vorträgen gezielt an Frauen. Immer wieder betonte er, dass die künftige Entwicklung der Welt maßgeblich von einem authentischen, unabhängigen und würdevollen Verhalten der Frauen abhängt. Aus diesem Grund entwickelte er Übungsfolgen und Meditationen, die sowohl die physische als auch die mentale Stärke von Frauen fördern. Seine wesentlichen Aussagen und Empfehlungen zielen darauf ab, Frauen zu ermöglichen – auch als Mutter – verantwortungsvolle Positionen in der Gesellschaft zu übernehmen: Eine Frau, die genauso produktiv und erfolgreich wie ein Mann agieren möchte, braucht ein intensives körperliches Training. Dann ist es möglich, ihre tendenziell nach innen gerichtete weibliche Energie aufzubauen und in der äußeren Welt zu entfalten. Aus diesem Grunde leitete Yogi Bhajan spezielle Übungsreihen für Frauen an, die systematisch alle Körperbereiche ansprechen und die weiblichen und männlichen Aspekte in Balance bringen.

Aktive und engagierte Frauen haben oftmals Probleme, sich zu entspannen. Dabei fällt es einer entspannten Frau leichter, intuitiv zu handeln und sich mit ihrer inneren Stimme zu verbinden. Von dieser Verbindung halten sie nur ihre Ängste ab. Wenn sie diese jedoch bewusst wahrnimmt und sie beherrschen lernt, ist es möglich, zu vertrauen und Vertrauen zu verkörpern.
Unter Anspannung wird der innere Erfahrungsraum dagegen kleiner. Yogi Bhajan empfahl Frauen, zweimal täglich mindestens für jeweils elf Minuten eine Tiefenentspannung in ihren Alltag zu integrieren.

Wenn eine Frau erfolgreich sein möchte, kann sie mit Hilfe einer intensiven Yogapraxis nachhaltig Lebenskraft aufbauen, um die Verbindung zu ihrem Selbst aufrecht zu erhalten. Ziel ist, weibliche Stärke und innere Unabhängigkeit aufzubauen. Außerdem stärkt sie damit ihre Fähigkeit, klare Entscheidungen zu treffen und fokussiert zu handeln. Eine bewusste Frau trägt alles Glück in sich. Hat sie ein starkes Selbstwertgefühl, manifestiert sich diese äußere Wahrnehmung von selbst. Wenn eine Frau sich jedoch nicht erlaubt, ihre weibliche Seite zu zeigen, wird sie nur schwer in Kontakt mit ihrer weiblichen Energie treten und sich nicht gänzlich entfalten können.

Im ganzheitlichen und spirituellen Sinne des Yoga geht es darum, dem derzeit dominierenden männlichen Prinzip das weibliche Gegengewicht zur Seite zu stellen und Balance zu erreichen. Für die einzelne Frau bedeutet das, sowohl ihre persönlichen – innerlichen – als auch beruflichen – nach außen gerichteten – Ziele gleichermaßen erfolgreich zu verwirklichen. Durch die Präsenz und Partizipation beider Geschlechter in Wirtschaft und Gesellschaft erhalten ausgewogene und nachhaltige Lebensprinzipien eine realistische Chance. Vor diesem Hintergrund ist die derzeit diskutierte Einführung einer Frauenquote in der Wirtschaft nicht nur zu begrüßen, sondern von entscheidender Bedeutung für eine hoffnungsvolle Zukunft.

Symbolik

Das weibliche Prinzip

Das männliche Prinzip

Archetypen

Shakti

Shiva

Mantren

Ma

ra

Planetarische Energie

Erde

Sonne

Element

Wasser

Feuer

Ausrichtung

nach innen gerichtet: Integration

nach außen gerichtet: Expansion

Bewegung

empfangen und zulassen

abgeben

Aktion

passiv, abwartend

aktiv, handelnd

Körper

linke Körperhälfte

rechte Körperhälfte

Denkweise

kreativ – vernetztes Denken

rational – linear

 


Ulrike Reiche ist Coach für Führungsfrauen, Kundalini-Yogalehrerin und -Ausbilderin. Die Autorin von „YIU Yoga im Unternehmen – Gesundheit ohne Stress“ (Fischer Verlag) bietet seit zehn Jahren spezielle Yogaprogramme für Berufstätige an.

Yoga der Hingabe: Flying Bodywork

Loslassen, sich getragen fühlen, oben und unten vergessen – und dabei tiefe
Hingabe und Vertrauen empfinden. Die Flying-Bodywork-Übungssequenz zeigt
ihnen, wie sie Ihren Partner in die Luft und sicher zurück auf den Boden bringen.

Flying Bodywork ist eine einzigartige Form von Körperarbeit in der Luft. Es ist ein Ritual des Loslassens, das den Empfänger in einen Zustand tiefer Entspannung versetzt und ihm ein völlig neues Körpergefühl vermitteln kann. Die Praxis ruht auf vier Säulen: Achtsamkeit, Klarheit, Spüren und Hingabe. Diese vier Qualitäten, verbunden mit der Kraft der Berührung und der heilsamen Wirkung der Schwerkraft, befähigen uns, Blockaden auf körperlicher, energetischer, emotionaler und geistiger Ebene zu lösen.

Wozu fliegen?

Umkehrhaltungen im Yoga haben viele positive Wirkungen, allerdings bergen Asanas wie Kopfstand, Schulterstand oder Pflug bei nicht korrekter Ausführung gerade für Anfänger Verletzungsrisiken für die Halswirbelsäule. Mit Flying Bodywork kann man auf sichere Weise die heilsame Wirkung der Schwerkraft erfahren: Durch das Gewicht des Kopfes wird die Wirbelsäule gestreckt. Die Wirbelbogengelenke werden sanft geöffnet und dadurch die Bandscheiben zwischen den einzelnen Wirbelkörpern entlastet.

In der Luft getragen zu werden,  schenkt dem Empfänger ein völlig neues Körpergefühl. Menschen, die vorher ein negativ geprägtes Verhältnis zu ihrem Körper hatten, sind häufig überrascht, wozu ihr Körper in der Lage ist. Gefühle von Freude, Leichtigkeit und neuem Selbstvertrauen können entstehen. Auch unbewusste Ängste, emotionale Blockaden oder die Folgen früherer Verletzungen können sich im Zuge einer Behandlung lösen.

Die Grundlagen
Kontraindikationen abklären

In einigen Fällen (z. B. Schwangerschaft, Menstruation, Netzhauterkrankungen oder Bandscheibenvorfall) muss man von Flying Bodywork absehen. Versichern Sie sich im Vorgespräch, dass keine dieser Kontraindikationen vorliegt.

Spotting

Für das sichere Erlernen von Flying Bodywork ist eine Hilfestellung (Spotting) unerlässlich. Dabei sorgt eine dritte Person, der Spotter, dafür, dass der Empfänger auf den Füßen des Gebenden bleibt und anschließend auf sichere Art und Weise zum Boden zurückkehrt. Wenn der Empfänger zu fallen droht, kann der Spotter eingreifen und ihn an der Hüfte festhalten, ansonsten berührt er den Empfänger nicht.

Grundposition für das Spotting ist die „tiefe Pferdestellung“, eine breitbeinige, stabile Hocke. Der tiefe Schwerpunkt ermöglicht es, schnell und flexibel zu reagieren. Die aufgerichtete Wirbelsäule schützt den Spotter davor, sich beim Eingreifen selbst zu verletzen.

Körpermechanik

Die Beine des Gebenden befinden sich in der Grundhaltung im 90-Grad-Winkel zum Boden und sind durchgestreckt. So nutzt man die Statik des menschlichen Körpers: Das Gewicht ruht auf den Knochen und der Einsatz von Muskelkraft ist nicht nötig. Sollten die Beinrückseiten nicht ausreichend gedehnt sein, um die Beine in einen 90-Grad-Winkel zu bringen, kann auch eine gefaltete Decke oder ein Kissen unter das Becken gelegt werden, um es dem Gebenden einfacher zu machen.

Feedback einholen

Bitten Sie Ihren Partner, Ihnen jegliche Art von Unwohlsein mitzuteilen. Am Anfang können die Hand- oder Fuß-Positionen ungenau sein, dadurch kann ein Druckgefühl entstehen. Aus Höflichkeit wird manchmal notwendiges Feedback zurückgehalten. Dabei kann ein offenes Wort schnell Abhilfe schaffen.

Sich selbst entspannen

Last but not least – entspannen Sie sich als Gebender. Je mehr Freude Sie haben und je entspannter Sie sich fühlen, desto angenehmer wird es Ihr Empfänger haben. Wenn Sie sich umgekehrt zu sehr anstrengen, kann auch Ihr Partner nur schwer loslassen.

FlyingBodywork1 Einstieg

Platzieren Sie Ihre Füße unterhalb des Beckens auf den Oberschenkeln des Empfängers. Die Hüftknochen werden dabei nicht berührt. Der Empfänger legt seine Hände auf Ihre Knie und Sie stützen dessen Schultern mit den Händen.

 

 

Flying_Bodywork22 Rückenlöser

Wenn das Becken des Empfängers senkrecht über Ihrem Becken steht, strecken Sie Ihre Beine und bringen den Empfänger in die Position des Rückenlösers. Arme und Beine hängen passiv nach unten.

 

 

Wirkung: 

Diese Position streckt die gesamte Wirbelsäule – insbesondere im Bereich der Lenden- und Halswirbelsäule. Die tief liegende Rückenmuskulatur wird entlastet.

Hinweis:

Durch die Fußposition findet eine sanfte Kompression auf die Oberschenkel des Empfängers statt. Deshalb ist es wichtig, die Füße weich zu lassen. Zudem sollte man nicht allzu lange (maximal 10 Minuten) in dieser Position bleiben.

 

Bild43 Schmetterling

Von hier aus legen Sie Ihre Fingerkuppen auf den Schulterspitzen des Empfängers. Dann strecken Sie die Arme und stützen den Brustkorb von unten. Ihre Handballen ruhen dabei unter den Schlüsselbeinen auf dem Ansatz des Brustmuskels. Bitten Sie den Empfänger, die Füße zusammenzulegen und die Knie nach außen zu beugen.

 

Wirkung:

* sanfte Öffnung der Hüften nach außen

* löst Blockaden im Iliosakralgelenk (ISG).

 

Bild54 Gedrehter Schmetterling

Beugen Sie während einer Ausatmung des Empfängers den einen Arm langsam und bringen Sie den Partner dadurch in eine sanfte Drehung. Strecken Sie beim Einatmen wieder beide Arme aus und wechseln Sie während einer Ausatmung die Seite. Wiederholen Sie die Übung zwei bis drei Mal pro Seite.

 

Wirkung:

* Mobilisation der Brustwirbelsäule

* Schulteröffnung

* Dehnung von Rücken (Latissimus) und schräger Bauchmuskulatur

 

Bild65 Voller Rückenstretcher

Greifen Sie mit beiden Händen die Handgelenke des Empfängers und führen Sie dessen Arme über seinen Kopf. Atmen Sie gemeinsam ein. Beim Ausatmen geben Sie Zug auf die Handgelenke und schieben die Beine von Ihrem eigenen Körper weg, so dass die Wirbelsäule des Empfänger gestreckt wird. Mit einer Einatmung des Empfängers lösen Sie die Position wieder.

Wirkung:

* Streckung der Wirbelsäule

* Dehnung von Armen und Schultern

 

Bildschirmfoto 2015-05-26 um 17.02.006 Ausstieg

Bringen Sie den Empfänger zurück in die Grundposition, den Rückenlöser (Bild 2), wobei Ihre Hände miteinander verbunden bleiben. Bitten Sie den Empfänger, in die eigenen Hände zu drücken, während Sie gleichzeitig Ihre Arme strecken. Beugen Sie Ihre Knie und setzen Sie den Empfänger langsam auf dem Boden ab.

 

Bildschirmfoto 2015-05-26 um 17.02.597 Ausklang

Im Anschluss an das Fliegen bitten Sie den Empfänger, die Stellung des Kindes einzunehmen, um zum Ausgleich die erdende Wirkung dieser Haltung zu genießen. Das Gefühl der Erdung können Sie noch verstärken, indem Sie Ihr Körpergewicht durch beide Hände auf das Kreuzbein (die dreieckige Knochenplatte am Ende der Wirbelsäule) sinken lassen. Danach lassen Sie den Empfänger einen Moment lang nachspüren.

 


portraitAutor Tobias Frank wurde 2007 zum ersten zertifizierten AcroYoga-Lehrer in Deutschland und entwickelte mit Flying Bodywork seinen eigenen Stil des entspannten Fliegens. Flying Bodywork kann man im Rahmen von Workshops und Ausbildungen bei ihm lernen. Mehr Informationen und Termine auf www.flyingbodywork.de.

Montags-Mantra: Wellen des Lebens

„Du kannst die Wellen nicht anhalten, aber du kannst lernen zu surfen.“ – Joseph Goldstein

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen einen wunderbaren Start in die neue Woche und einen guten Flow für bevorstehende Wellen.

Rezept-Tipp: Hummus aus dicken Bohnen

Zutaten (für circa 2 Tassen)

 

gut 1 kg frische dicke Bohnen (Saubohnen, Favabohnen)
¼ Tasse Olivenöl
Saft von 1 Zitrone
3 TL gehackte Minzblättchen
Meersalz
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Zubereitung

  1. Lösen Sie die Samen aus den Schoten, blanchieren Sie sie 1 Minute lang in kochendem Wasser und schrecken Sie sie mit kaltem Wasser ab. Nach dem Abkühlen drücken Sie die Bohnen aus den Häutchen heraus.
  2. Bringen Sie in einem großen Topf leicht gesalzenes Wasser zum Kochen. Kochen Sie die Bohnen darin in etwa 5 Minuten weich. Gießen Sie sie ab, dabei fangen Sie ½ Tasse Sud auf.
  3. Pürieren Sie die Bohnen mit dem Rührstab oder im Mixer. Nach und nach mixen Sie Olivenöl, Zitronensaft und so viel von dem Sud dazu, dass ein dick-breiiges Mus entsteht.
  4. Mischen Sie Minze, Salz und Pfeffer unter und schmecken Sie den Dipp ab. Anschließend servieren Sie ihn möglichst frisch. Im Kühlschrank ist er einen Tag haltbar.

 

Tipp: Dicke Bohne haben eine relativ kurze Saison, aber leckere, nahrhafte Dipps kann man aus jeglichen frischen oder getrockneten Bohnensorten zubereiten. Versuchen Sie zum Beispiel einmal Pintobohnen mit Kreuzkümmel, weiße Bohnen mit Thymian oder schwarze Bohnen mit Jalapeno-Chilis.


Rezept von Lauren Ladoceour. Die Autorin lebt als Journalistin und Buchautorin in San Francisco.

Verdächtig glücklich

Wunderlich ist die folgende Geschichte aus zwei Gründen: sie spielt nicht in der tiefsten katholischen Provinz, etwa in Oberammergau, und auch nicht zur Zeit der Hexenverbrennung. Sondern in Berlin Kreuzberg im Jahr 2014.

Es klingelt, zwei Polizeibeamte stehen vor der Tür:  „Guten Tag, wir wollten nach dem Rechten sehen“, sagt der eine höflich. „Ein Nachbar hat bei uns gemeldet, hier wäre eine Sekte aktiv.“ Polizisten in diesem Teil der Stadt, am Rande des Görlitzer Parks, fallen nicht immer durch Höflichkeit auf. Nichtsdestotrotz lacht der türöffnende Yogalehrer unerschrocken und bittet die beiden Uniformierten herein. Sie finden brennende Kerzen, Räucherstäbchen, hören Gesänge und blicken in glückliche Gesichter – viele leichtbekleidete Frauen schauen gar gelöst und undeutsch drein. Bei dem Anblick sind die beiden Herren nicht ganz sicher, ob hier nicht Drogen oder Verblendung oder gar beides im Spiel sein könnten. „Verdächtig glücklich“, murmelt der eine. Dank des geistesgegenwärtigen Yogalehrers verstehen sie aber schnell: Dies ist ein erfolgreiches Kreuzberger Yogastudio, keine Sekte. Grinsen ist normal. Ist das Missverständnis des Nachbarn am Ende gar kein Missverständnis?

Hören wir dazu eine Stimme aus Püchersreuth in der Oberpfalz. Hier scheint es Spezialisten zum Thema Yoga zu geben. Pfarrer Manfred Wundlechner beschreibt im Mai diesen Jahres im Pfarrbrief seiner Gemeinde, worum es beim Yoga geht: „Yoga wird heute vielfach sehr harmlos dargestellt. Der Einstieg wird einem sehr leicht gemacht.“ Er warnt ausdrücklich vor den Folgen von Yoga. Schließlich gehe es hierbei „um die Annahme einer anderen Religion“. Ach so, Yoga ist eine Religion. Das ist allerdings eine Neuheit und deswegen machte der Pfarrer mit seinem Pfarrbrief auch Schlagzeilen. Er war wohl der erste, der sich traute, das zu sagen. Vermutlich hat er einfach gut beobachtet. Die Ausschließlichkeit mit der manch Leggings tragende Yogini ihr neues Hobby betreibt, lässt einen unweigerlich an Religion denken. Getoppt wird der Bekehrungsfaktor noch vom Typ angehende Yogalehrerin, die gerade vegan geworden ist. Da kann man sich entspannter mit einem Wachturm haltenden Zeugen Jehovas in der Fußgängerzone unterhalten.

Lieber Herr Pfarrer, ja, die Kirchenaustritte, sind seit langem auf einem konstant hohen Niveau (mehr als 200 000 pro Jahr). Aber: Nicht jeder Abtrünnige fängt sofort mit Yoga an. Bei manchen dauert es wohl länger. Das dürfte Sie beruhigen.

Die Grundstruktur von Yoga ist jenseits jeder Konfession. Das ist sicher eine Einladung für viele. Man kann aber die Erfahrung in jede Religion einbringen, wenn man möchte. Die Yogatradition ist ungefähr 4000 Jahre alt (da war Jesus noch nicht mal im unbefleckten Empfängniskanal). Anders als beim Christentum gibt es bei den Yogis keine Päpste oder Kardinäle, die Dogmen aufstellen. So haben Ihre Vorgänger beispielsweise, auf dem fünften Konzil (Konstantinopel, 553 n. Chr.), mal eben die Reinkarnation abgeschafft. Nicht alles, was Sie heute glauben, ist also gottgegeben.

Der Dalai Lama sagte neulich in Hamburg: „Religion ist Privatsache, aber Ethik betrifft alle. Wir müssen einen Weg finden, auch ohne Religion Werte wie Mitgefühl, Vergebung und Liebe zu erlernen.“ Der Buddhismus missioniert nicht. Man darf seine Lehren nur weitergeben, wenn ein Schüler ausdrücklich darum bittet. Diese buddhistische Haltung sollten wir uns vielleicht alle aneignen und lieber aufklären als bekehren. Lieber teilen als trennen. Weniger predigen, mehr motivieren. Die Dinge selbst, sagt Goethe, sind die Lehre. Also: Lasst uns einfach alle verdächtig glücklich sein!


Gudrun Pawelke kam über den Buddhismus zum Yoga, weil ihr neben der Meditation die körperliche Aktivität fehlte. Die Yogalehrerin lebt in Berlin und gibt Workshops zu Yogaspezialthemen, Achtsamkeitstrainings und Stressmanagemant-Coachings.

Foto: www.pexels.com

Jeder kann Yogalehrer sein – Mark Stephens

Bergspitze Baum Asana Yogaworld

Mark Stephens Buch „Teaching Yoga“ ist inzwischen zum Standardwerk für jeden Yogalehrer avanciert. Sein Buch „Yoga-Workouts gestalten“ zielt auf die Planung von Yogastunden und -sequenzen ab.

Der Yogalehrer-Boom

Einer deiner Workshops läuft unter dem Titel „Lerne Yoga unterrichten“. Denkst du denn, dass jeder Yoga unterrichten kann?

Ich bin überzeugt, dass es jeder lernen kann. Um wirklich gut zu werden, braucht es Jahre der Praxis und des Studiums, in denen man viel über funktionale Anatomie, Biomechanik und philosophische Aspekte lernt. Man muss sowohl in das traditionelle Wissen als auch in die zeitgenössischen Quellen eintauchen, um den Unterricht besser zu gestalten.

Wie findest du es, dass so viele Yogaübende irgendwann selbst lehren möchten?

Ich finde es großartig, dass so viele Menschen Yoga unterrichten wollen! Mit über sieben Milliarden Erdenbürgern brauchen wir auch mehr Lehrer. Viel wichtiger aber ist, dass wir bessere Lehrer bekommen, die ihre Arbeit ernst nehmen. Sie sollten sich verpflichten, Yoga auf höchstem Niveau zu unterrichten. Ich bin jeden Tag dankbar dafür, lehren zu dürfen. Meine Leidenschaft für das Unterrichten basiert direkt auf der Erfahrung meiner eigenen Praxis. Es ist wie mit allem: Je mehr wir lernen, desto stärker merken wir, wie wenig wir wissen. Das ist ein Prozess, sowohl aus der Perspektive des Lehrers als auch des Schülers.

Sequenzieren als essentiell

Es dauert doch bestimmt Jahre, bis man die Kunst des Sequenzierens richtig beherrscht. Schwer vorstellbar, dass man das in einem Workshop erlernen kann …

Je erfahrener man in seiner eigenen Praxis ist, desto mehr versteht man davon. Dennoch reicht Erfahrung nicht aus, um all die Fertigkeiten zu entwickeln, die dafür nötig sind. Es gibt mindestens genau so viele erfahrene Lehrer, die leider über Jahre  falsch unterrichten, weil sie es selbst so gelernt haben, wie es neue Lehrer gibt, die sehr gute Einsichten haben. In Workshops, die gut organisiert sind und Raum für Experimente bieten, kann man allerdings schon in kurzer Zeit viel lernen.

Und was macht gutes Sequenzieren aus?

Einige meiner besten Yogastunden entstehen spontan, wenn ich intuitiv Sequenzen erstelle. Dieser Ansatz ist jedoch besser bei der persönlichen Praxis aufgehoben. Dann gibt es Stile wie Ashtanga Vinyasa oder Bikram, bei denen es für jeden die gleiche Asana-Praxis gibt. Das ist problematisch, wenn verschiedene Bedürfnisse der Schüler aufeinander treffen. Die Kunst des Stundenaufbaus liegt darin, die Praxis leichter zugänglich zu gestalten. Die Wissenschaft dabei ist ein Verständnis vom Zusammenspiel der verschiedenen Asanas. Im Gegensatz zum „zufälligen Aneinanderreihen“ einzelner Haltungen gestalten wir Stunden, die auf den Köper abgestimmt sind. Die Asanas bauen aufeinander auf und machen die Praxis dadurch ganzheitlicher. Es ist wichtig zu wissen, was uns jede einzelne Asana bringt und welcher Weg dorthin für uns am sinnvollsten ist. Die Kunst des Sequenzierens ermöglicht Lehrern einen kreativen Spielraum.

Eigenschaften eines wirklich guten Yogalehrers

Was macht einen guten Lehrer aus?

Ein guter Yogalehrer hört seinen Schülern zu und ehrt sie. Ein Yogalehrer im Inneren lernt von ihnen und führt sie mit Intelligenz, Respekt und Sanftmut. Des Weiteren fördert ein kompetenter Lehrer das Wissen und lebt seine Lebensaufgabe Dharma.

Du betonst die Wichtigkeit einer nachhaltigen Praxis. Wie wird meine Praxis nachhaltig?

Wenn wir Yoga so praktizieren, wie es für uns angemessen ist, ist es nachhaltig. Wenn wir einen Anschlag aufs Ego verüben, uns nach innen wenden und den Atem wichtiger nehmen als die Asana, ist unsere Intention mit unserer Kondition im Einklang. Kannst du dir vorstellen, bis ans Ende deines Lebens Yoga zu üben? Wenn ja, dann weißt du, dass deine Praxis nachhaltig ist.


Mark Stephens hat bereits mehrere internationale Bestseller über den Yogaunterricht geschrieben. Sein neuestes Lehrbuch über Yogatherapie mit dem Schwerpunkt “Schlaf” erschien 2019 im Riva-Verlag. Er lebt in Kalifornien und unterrichtet weltweit, häufig in Deutschland, Österreich und der Schweiz. markstephensyoga.com

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Bücher: Wenn heilige Kühe ins Gras beißen

Schluss mit scheinheilig „Lachen zu können und sich davon zu verabschieden, alles zu ernst zu nehmen, ist meiner bescheidenen Erfahrung nach die ultimative heilige Kuh, an der Sie auf jeden Fall festhalten sollten.“ Zu diesem Schluss kommt die Autorin Betsy Chasse, die durch ihren Dokumentarfilm „What the Bleep Do We (K)now?“ auch hierzulande schlagartig bekannt wurde, nachdem sie in ihrem jüngsten Buch einige ihrer eigenen heiligen Kühe sehr amüsant um die Ecke gebracht hat. Verlassen Sie sich gern auf Talismane? Glauben Sie an Astrologie und die Charaktereigenschaften, die Ihrem Sternzeichen und Aszendenten zugewiesen werden? Was bedeutet es für Sie, „spirituell“ zu sein? Was macht eine gute Beziehung aus? Wann waren Sie das letzte Mal so richtig glücklich? Muss man alles vergeben können? Wenn Fragen dieser Art Sie umtreiben, sollten Sie das Buch auf jeden Fall lesen! Scharfzüngig und selbstironisch gibt Chasse Denkanstöße, mit deren Hilfe man sich selbst ein gutes Stück näherkommen kann. Im abschließenden Kapitel „Ein bisschen Quatsch, den Sie von mir lernen können“ gibt es eine witzige Anleitung in sechs Schritten für das Spiel „Mein Leben ist ätzend“, bei dem einem das Lachen über sich selbst zwar manchmal im Halse stecken bleiben mag, man aber gleichzeitig einige seiner ureigensten Überzeugungen getrost über Bord werfen kann.

WennHeiligeKueheInsGrasBeißen_Betsy ChasseFazit:Lesen, lernen, leben – und das Lachen nicht vergessen!

„Wenn heilige Kühe ins Gras beißen – Spiritualität für Realisten“ von Betsy Chasse, L.E.O Verlag, ca. 19 Euro

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Rolfing: Ganzheitliche Körperarbeit mit den Faszien

Seit jeher stehen beim Rolfing die Faszien im Mittelpunkt. Ziel ist es, Verklebungen und Verspannungen im Gewebe zu lösen, dem Körper zu mehr Beweglichkeit zu verhelfen und ihn von innen aufzurichten. Zudem wird die Körper-Innenwahrnehmung, die so genannte Propriozeption, verfeinert.

Entwickelt wurde diese Therapie von Dr. Ida P. Rolf in den 1940er-Jahren in den USA. Neben der Osteopathie hatte dabei auch Yoga großen Einfluss, die Philosophie des Yoga prägte gewissermaßen die Grundlagen der Methode. Schon in den 1920er-Jahren praktizierte Ida Rolf als junge Frau in New York Hatha Yoga. Für diese Zeit war das sehr außergewöhnlich. Sie nahm Unterricht bei Pierre Bernard, einer ziemlich schillernden Figur, später unterrichtete sie auch selbst. Yoga entsprach ihrem ganzheitlichen Denken und ihrer Überzeugung, dass über den Körper auch die geistige Entwicklung des Menschen gefördert werden kann. Ida Rolf hatte als eine der ersten Frauen ihren Doktortitel in Biochemie und Physiologie erworben und erforschte die Faszien auch als Wissenschaftlerin. Ihre Kenntnisse über Faszien kombinierte sie mit ihren Kenntnissen der Osteopathie und des Yoga, um daraus ihre Methode der Strukturellen Integration zu entwickeln – die schon bald „Rolfing“ genannt wurde.

Was Rolfing und Yoga gemeinsam haben

Rolfing und Yoga passen gut zusammen und ergänzen sich. Diese Erfahrung habe ich vor Jahren selbst gemacht. Ich wurde nicht nur flexibler, ich fühlte mich aufrechter, größer und leichter zugleich. Mein Körper wurde immer durchlässiger. In den verschiedenen Yoga-Asanas werden lange Faszienketten gedehnt. Bei Adho Mukha Shvanasana zum Beispiel die Kette von der Fußsohle über die rückwärtige Beinmuskulatur zum Gesäß über den Rücken bis hinauf über den Schädel. Im Vergleich zu Yoga ist es mit Rolfing allerdings viel präziser möglich, entlang dieser langen Faszienketten Verklebungen im Gewebe gezielt zu lösen, Länge zu schaffen sowie mehr Beweglichkeit. Dazu ein Bild: Stellt man sich vor, einen Kaugummi lang zu ziehen, so dehnt man mit Yoga vielleicht nur die dünnen Stellen immer weiter, während man an die dicken, verfilzten Stellen gar nicht herankommt. Im Yoga geht es stark um Auf- und Ausrichtung. Auch das ist eine Schnittmenge mit dem Rolfing, wobei das Augenmerk beim Rolfing darauf gerichtet ist, Raum zu schaffen und mehr Beweglichkeit zu ermöglichen, damit sich der Körper in Ruhe und Bewegung optimaler in Bezug zur Schwerkraft organisieren kann. Nur so können wir Spannungen auf Dauer loslassen.

Rolfing geht tief unter die Haut

Mit Massage ist Rolfing nicht vergleichbar. Rolfing geht viel tiefer „unter die Haut“ als eine Massage. Rolfer arbeiten mit tieferen Schichten: Mit dem dreidimensionalen Netzwerk an Fasern, Hüllen und Strängen, das den ganzen Körper durchzieht. Als Rolferin habe ich bei der Arbeit immer ein 3D-Bild vor Augen, ich spüre Spannungen auf und folge diesen quasi durch den Körper. Tiefe, strukturelle Behandlung des Bindegewebes, Gelenkmobilisation und achtsame Berührung werden kombiniert, um „alte“ Muster aufzulösen. Über die Rezeptoren in den Faszien wird dabei auch die Wahrnehmung für den betreffenden Körperteil geweckt und das Rückenmark erhält einen neuen, mit Körperachtsamkeit verbundenen Sinneseindruck. Dies ist eine Voraussetzung dafür, weniger vorteilhafte Muster zu erkennen und sich dauerhaft für eine gelöstere Haltung und Bewegung zu öffnen. Die neuere Faszienforschung liefert überzeugende Erklärungen, warum Rolfing und auch die Osteopathie so wirksam sind.

Verklebungen in den Faszien – das Leben prägt unseren Körper und unsere Haltung

Unser Körper ist Spiegel unseres Lebens – unserer Gewohnheiten, Erlebnisse und Stimmungen. Im Lauf der Jahre verliert das Bindegewebe bei den meisten Menschen an Elastizität. Es verfilzt, Verklebungen bilden sich. Wir fühlen uns steifer und weniger beweglich, und irgendwann kommen Schmerzen dazu. Die Gründe dafür sind vielfältig. Verfilzungen können sich innerhalb weniger Wochen entwickeln, wenn etwa nach einem Knochenbruch der Arm einen Monat lang ruhig gestellt wird. Oder wenn wir jeden Tag in der gleichen Haltung am Computer sitzen, stundenlang. Auch unsere Stimmungslage wirkt sich auf den Körper aus: Haben wir über einen längeren Zeitraum Kummer, wird sich unser Blick vermutlich häufig zu Boden richten, wir können nicht mehr so frei atmen, der Brustkorb wird enger, die Schultern kommen nach vorne. Mit der Zeit werden die Faszien immer starrer und unelastischer – ein Teufelskreis.

Faszientherapie hat faszinierende Nebenwirkungen

Vordergründig arbeiten Rolfer ganz bodenständig mit dem greifbaren und berührbaren Körper. Und doch verändert sich während der Rolfing-Sitzungen mehr als der Körper und seine Struktur: Eine freiere Atmung in alle Richtungen gibt eine neue Option, sich der Welt zu öffnen. Das Empfinden von innerer Aufrichtung, mehr Stabilität und Bodenkontakt machen selbstbewusster und gelassener. Oft spüren die Klienten, dass sie ganz allgemein mehr Energie haben und sich nicht mehr so schnell aus dem Gleichgewicht bringen lassen. Der persönliche Horizont kann sich ändern sowie die Sicht auf andere Menschen und die Dinge. Vielleicht ist es Zeit für eine Veränderung im Leben. „Option“ ist ein Schlüsselwort im Rolfing-Prozess. Jede Körperhaltung hat ihre Geschichte, und deshalb hat sie auch einen Sinn und Zweck. Manchmal brauchen wir den Rückzug, dann werden wir das alte Muster vielleicht wieder „besuchen“. Doch alles hat seine Zeit und die Frage ist: Bin ich bereit, Veränderungen zuzulassen und mich für neue Möglichkeiten zu öffnen? Rolfing gibt diese Optionen, und meist nehmen die Klienten sie gerne an. Dann ist es ein nachhaltiger Prozess, der sowohl für den Klienten als auch für den Rolfer immer wieder faszinierend zu beobachten ist.


Die Autorin Susanne Noll ist Journalistin und zertifizierte Rolferin mit eigener Praxis in München. Infos auf: www.rolfing-susannenoll.de