Körperliche Nähe in Beziehungen durch Yoga?

Körperliche Nähe

Kann Yoga bei größerer körperliche Nähe helfen? Im Laufe unserer langjährigen Beziehung ist die Romantik eher einer pragmatisch-freundschaftlichen Haltung gewichen. Das wirkt sich auch auf den Sex au. Wie können wir das frisch halten? Antwort von Roswitha Aengenheyster.

Wie im Yoga gilt natürlich auch in (Liebes-)Beziehungen, dass das einzig Beständige der Wandel, die Transformation (Sanskrit: „Parinama“) ist. Der Verlust von Körperlichkeit und Sex kann unterschiedliche Ursachen haben. Diese muss jedes Paar selbst herausfinden. Darauf kann man keine pauschale Antwort geben. Aber es gibt eine Chance, wenn sich beide Partner nach wie vor lieben. Das heißt Bereitschaft haben daran zu arbeiten.

Dabei hilft Yoga natürlich. Im Yoga geht es um Körper, Atem und Geist. Die gezielte Verbindung von Atem und Bewegung schafft Achtsamkeit. Regelmäßiges Üben führt außerdem zu Selbst-Bewusstheit. Das optimiert unsere alltägliche Wahrnehmung, unser Verstehen und Handeln. Wir selbst werden offener und zugewandter. Diese Sensibilität hilft im Bett. Sie verbessert den Kontakt zum eigenen Körper und auch zum Körper des Partners. Eine schöne Idee ist, sich als Paar zu einem gemeinsamen Abend zu verabreden. An dem man sich gegenseitig massiert. So übt man Geben und Nehmen. Das kommt im Sex oft durcheinander. Im Tantra wird es bewusst getrennt.

Wie im Yoga auch. Beide Partner machen innerhalb der Beziehung einen Teil aus. Dieser Teil ist entweder aktiv oder passiv. Wir haben alle sowohl aktive als auch passive Seiten. Wir brauchen die Möglichkeit, diese im Wechsel zu leben. Das bringt uns in Richtung Ebenbürtigkeit und Harmonie.

Yoga ist Verbindung

Der Yoga ist ein Bemühen um das Selbstverständnis. Aber auch meiner Umwelt (Partner, Familie, Freunde, Kollegen). Und vor allem auch die Verbindung beider. Allerdings geht es hier nicht um intellektuelles Verstehen. Sondern um emotionales Verstehen. Das geht vom Herzen aus. Es braucht körperliches Verstehen. Aber Yoga wirkt nicht unmittelbar. Yoga ist ein Impuls auf das System. Die Wirkung ist ein individueller Prozess.

Dafür muss man eine gewisse Disziplin aufbringen. Genauso ist es mit einer Beziehung. Und dem Sexualleben eines Paares. Das Wort Arbeit klingt immer schrecklich. Aber ja, eine eine erfüllte Sexualität bedeuten Arbeit. Außerdem Üben in Gleichmut, Beharrlichkeit und Offenheit. Grundsätzlich sollte man nachsichtig sein. Mit sich und dem anderen. Sich bewusst machen, dass der andere ein großartiges Geschenk und ein Spiegel für einen selbst ist. Schaffen es beide, das Gefühl innerer Freiheit zu kultivieren? Dann stehen die Chancen für neue Lust gut. Und mehr in die körperliche Nähe kommen.


Roswitha Aengenheyster arbeitete schon im Kulturmanagement, Sponsoring und Marketing. Heute arbeitet sie als Yogalehrerin (BDY/EYU) und Coach in Berlin. Das entwickelt sie kontinuierlich durch Fortbildungen weiter. | Foto von Cole Keister von Pexels

Standhaft bleiben im Krieger I

Um stark, leicht und aufrecht im Krieger I zu stehen, hilft ein Aufbautraining für die Füße.

Unsere Vorfahren bewegten sich nicht auf glattem Asphalt – sie mussten unebenes Gelände durchqueren, über Felsen klettern und Steilhänge besteigen. Dafür brauchten sie Füße, die sich in alle möglichen Richtungen beugen, biegen und drehen ließen und gleichzeitig trotzdem Stabilität boten. Aufgrund dieser Anforderungen formte die Evolution die Füße entsprechend. Das „Design“ verbesserte sich von Generation zu Generation, bis es schließlich an uns weitergegeben wurde. Ihre Füße sind zu viel mehr fähig, als Sie bisher vielleicht realisiert haben.

Stehende Haltungen im Yoga fordern die Füße auf allen Ebenen, da sie – ausgerichtet in verschiedenen Winkeln – in jeder Position gleichzeitig das Körpergewicht tragen müssen. In jeder Haltung müssen die Füße auf eine bestimmte Weise platziert und gehalten werden – dazu braucht es auch ein spezifisches Zusammenspiel von Muskelkontraktion und -dehnung. Das macht die Stehhaltungen zu einem ‚Allround-Fußaufbau-System‘: Sie optimieren die Flexibilität, Stärke und Kontrolle beim Bewegen der Füße. Auf den Punkt gebracht: Stehende Haltungen trainieren die Füße, damit sie ihre Bestimmung erfüllen können.

Wenn die Fußknochen korrekt positioniert sind, formen sie Bögen, die das Körpergewicht effizient tragen. In Stehhaltungen ist es wichtig, die Wölbung im Fuß beizubehalten. Dadurch wird die gesunde Fußform unterstützt und ein stabiles Fundament für die Haltung geschaffen. Die Füße so auszurichten, dass sie das Körpergewicht auf drei Punkten verteilt tragen, ist der Schlüssel zur Aufrechterhaltung der Fußgewölbe. Die drei ausschlaggebenden Punkte, die es zu belasten gilt, sind: die Fersenmitte (Calcaneus), der Großzehenballen (distales Ende des ersten Metatarsal) und der Kleinzehenballen (distales Ende des fünften ­Metatarsal). In den meisten Haltungen sollte die Hälfte des Gewichtes auf die Ferse und die andere Hälfte gleichmäßig zwischen dem Groß- und Kleinzehenballen verteilt sein.

Virabhadrasana I (Krieger I) ist eine der herausfordernsten Haltungen für die Füße, vor allem für den hinteren Fuß. Wenn Sie ihn so weit eindrehen, wie es die Haltung erfordert (typischerweise 45 – 60 Grad nach vorne), ist es extrem schwierig, das Gewicht gleichmäßig auf diese drei Punkte zu verteilen. Man neigt dazu, am stärksten den Großzehenballen zu belasten, während der Kleinzehenballen nicht mehr gut geerdet ist, das Fußgewölbe sich senkt und die Ferse sich oftmals vom Boden hebt. Die Stellung in dieser Art zu üben fördert jedoch kaum den gesunden Aufbau der Füße und macht die ganze Haltung instabil, schwach und leblos.

Um die Ferse auf der Erde zu halten, drehen viele Übende den Fuß zu weniger als ein Drittel ein. Dadurch kann die restliche Ausrichtung der Krieger I-Haltung komplett durcheinander geraten: Wenn der hintere Fuß nicht weit genug nach vorne gedreht ist, dreht sich auch die Hüfte nicht ausreichend weit (da man sonst das Knie völlig verdrehen würde), um den Oberkörper und das Becken parallel zum vorderen Mattenrand auszurichten. Nur wenn sie es schaffen, den hinteren Fuß 45– 60 Grad einzudrehen und gleichzeitig die Ferse und die Außenkante des Fußes fest in die Erde zu pressen, wird die komplette Haltung mit Leben gefüllt. Ihr hinteres Bein wird lang und stabil und Ihr Becken wird sich viel freier drehen können. Ihr Brustkorb wird auf beiden Seiten gleichmäßig nach vorne zeigen. Sie werden Leichtigkeit, Offenheit und einen Auftrieb fühlen, die aus Ihrem starken Fundament resultieren. Die kraftvolle und gezielte Muskelaktivität Ihres Fußes stärkt das Schienbein, dehnt die Wade, hebt das Fußgewölbe und verfeinert Ihre Achtsamkeit.

Der richtige Winkel
Um zu verstehen, wie Sie mit Ihrer hinteren Ferse im Krieger I arbeiten können, sind gewisse Anatomiekenntnisse von Vorteil. Damit Sie Ihr Gewicht gleichmäßig auf die drei wichtigen Punkte des Fußes verteilen können, muss Ihr hinterer Fuß eine Dorsalflexion (Bewegung des Sprunggelenkes in Richtung Fußrücken) und gleichzeitig eine Supination (Heben des inneren Fußrandes bei gleichzeitigem Senken des äußeren) leisten. Die Dorsalflexion drückt Ihre Ferse nach unten, während die Supination den Fußinnenrand hebt und den Außenrand nach unten bringt. Je weiter Sie Ihren Fuß nach innen drehen, desto tiefer geht die Dorsalflexion. So kann die Ferse am Boden bleiben, während das vordere Knie gebeugt ist. Die häufigste Ursache, welche die Dorsalflexion einschränkt, ist eine Verkürzung der hinteren Wadenmuskulatur, dem Musculus gastrocnemius (zweiköpfiger Wadenmuskel) und dem Musculus soleus (Schollenmuskel). Werden diese Muskeln auch nur etwas gedehnt, kann das die Ausführung dieser Haltung extrem verbessern. Der M. soleus wird bei jeder starken Dorsalflexion des Knöchels gedehnt, aber um den M. gastrocnemius zu dehnen, bedarf es nicht nur einer Dorsalflexion des Fußgelenkes, sondern einer gleichzeitigen Streckung des Knies. Der Krieger I erzeugt beide Aktivitäten im hinteren Bein. Somit ist er eine besonders gute Stellung, um den M. gastrocnemius zu verlängern.

Um diesen Muskel mit der Haltung zu erreichen, dreht man den hinteren Fuß 60 Grad bei gestrecktem Bein ein. Während Sie die Ferse am Boden halten, beugen Sie Ihr vorderes Knie, aber nur so weit, dass die Position des hinteren Fußes nicht beeinträchtigt wird. Bei manchen werden dabei die vorderen Knochen des Fußgelenkes zusammengedrückt, wodurch die Dorsalflexion gestoppt wird. Falls das bei Ihnen der Fall ist, können Sie dieses Problem eventuell vermeiden, indem Sie den Fuß etwas mehr nach außen drehen. Beachten Sie dabei, dass eine zu starke Außendrehung die restliche Ausrichtung der Haltung beeinträchtigen kann. Egal, ob die eingeschränkte Dorsalflexion durch zusammengepresste Fußgelenkknochen oder verkürzte Wadenmuskeln verursacht wird, gibt es eine weitere Option: Den hinteren Fuß weit eingedreht zu halten, die Ferse aber durch eine schräge Fläche wie beispielsweise einen Holz-oder Schaumstoffkeil zu unterstützen, damit das Fußgelenk sich nicht so weit nach vorne beugen muss.

Haben Sie den optimalen Winkel für Ihren hinteren Fuß gefunden, können Sie Ihre Aufmerksamkeit auf den Musculus tibialis anterior, den vorderen Schienbeinmuskel, lenken. Obwohl mehrere Muskeln zusammenarbeiten, um die Ferse zu senken, den Fußbogen anzuheben und die Außenkante des Fußes im Krieger I nach unten zu drücken, ist der M. tibialis anterior viel wichtiger als die anderen Muskeln, da er alle Bewegungen gleichzeitig und am stärksten ausführt. Der Krieger I ist für die Stärkung dieses Muskels perfekt geeignet. Doch viele wissen nicht, wie sie ihn effektiv aktivieren sollen. Das obere Ende des M. tibialis anterior setzt an der äußeren Vorderseite des Schienbeins und umliegenden Bindegewebes an. Das untere Ende bildet eine Sehne, welche die Vorderseite des Knöchels kreuzt und zum inneren Rand des Fußes läuft, bis zum höchsten Punkt des Fußgewölbes. Um den Muskel zu finden, platzieren Sie Ihre Fingerspitzen auf der Vorderseite Ihres Schienbeinknochens (Tibia) zwischen Knie und Knöchel, ungefähr ein Drittel vom Knie entfernt: Bewegen Sie von dort aus die Finger ein paar Zentimeter nach außen, drücken Sie zu und flexen Sie den Fuß. Nun können Sie spüren, wie sich der Muskel unter Ihren Fingerspitzen zusammenzieht.

Verdoppeln Sie den Spaß am Üben
Um diesen Muskel in Aktion zu spüren, üben Sie den Krieger I pro Seite zweimal. Das erste Mal behalten Sie eine „perfekte“ Fußausrichtung bei und beugen Ihr vorderes Bein nur so tief, dass Sie die Ausrichtung des hinteren Fußes nicht verändern müssen. Das stärkt den M. tibialis anterior und dehnt den M. gastrocnemius. Beim zweiten Mal beginnen Sie auf die gleiche Weise, gehen dann aber tiefer in die Haltung und erlauben dabei kleine Kompromisse bei der Ausrichtung des hinteren Fußes. Versuchen Sie dabei trotzdem kontinuierlich, weiter an der perfekten Ausrichtung zu arbeiten. Das trainiert Ihre Wade, das Schienbein und den Fuß auf etwas andere, aber dennoch gesunde Weise. Zusätzlich kann die Haltung alle anderen positiven Wirkungen entfalten: zum Beispiel die Stärkung des Oberschenkels im vorderen Bein.

Stellen Sie sich seitlich auf Ihre Yoga-Matte und platzieren Sie Ihre Füße ungefähr eineinhalb Meter auseinander. Bringen Sie die Hände an die Hüften. Heben Sie nun Ihre linke Ferse und drehen Sie sie nach außen, so dass der Fuß um ein Drittel nach innen zeigt. Drehen Sie den rechten Fuß 90 Grad nach außen, indem Sie zuerst die Ferse und dann den Fußballen heben. Jetzt heben Sie wieder die linke Ferse und drehen den Fuß um ein weiteres Drittel nach innen. Halten Sie beide Beine gestreckt. Falls Ihre hintere Ferse nicht am Boden bleibt, können Sie entweder den Abstand zwischen Ihren Füßen verkleinern oder die hintere Ferse durch eine Unterlage unterstützen. Schauen Sie zu Ihren Füßen und ziehen Sie eine imaginäre Linie von der Mittellinie Ihres rechten Fußes bis zum linken Fuß. Positionieren Sie Ihre Füße so, dass die Linie durch den höchsten Punkt des Fußgewölbes Ihres linken Fußes läuft. Sollten Sie dabei die Balance verlieren, versetzen Sie Ihren hinteren Fuß einfach um ein paar Zentimeter nach links.
Drücken Sie Ihre linke Ferse kräftig nach unten, bis Sie das ­Gefühl haben, dass das Gewicht gleichmäßig auf Ferse und Fußballen verteilt ist. Nun gleichen Sie das Gewicht zwischen innerer und äußerer Fußkante aus, indem Sie darauf achten, dass der Großzehenballen und der Kleinzehenballen in gleichem Maße belastet werden. Zum Schluss balancieren Sie das Gewicht auf der Ferse aus, so dass Innen- und Außenseite gleich stark in den Boden pressen.

Drehen Sie nun, ohne dabei das Gleichgewicht des hinteren Fußes zu verändern, die linke Seite Ihres Beckens in Richtung rechter Fuß. Während dieser Bewegung müssen Sie die linke Ferse und die Außenkante des linken Fußes stärker in die Matte drücken und das Fußgewölbe anheben. Aktivieren Sie dazu bewusst den M. tibialis anterior, indem Sie die Mitte des inneren Fußrandes zum oberen äußeren Schienbein ziehen. Wenn sich Ihre Hüfte nun nicht mehr weiter drehen lässt, strecken Sie Ihr linkes Knie und beugen Sie langsam das rechte. Achten Sie strikt darauf, das Gewicht im linken Fuß gleichmäßig zu verteilen. Vermutlich wird sich der Schwerpunkt tendenziell zur inneren Ferse hin verlagern – lassen Sie dies nicht zu. Pressen Sie die äußere Ferse in den Boden und bringen Sie genauso viel Gewicht auf den Fußballen.

Sie werden eine weitere Tendenz feststellen: Das Gewicht verlagert sich auf den Großzehenballen. Um dem entgegen zu wirken, drücken Sie den Kleinzehenballen fest gegen die Matte. Fahren Sie damit fort, die linke Hüfte nach vorne zu drehen, während Sie das rechte Bein tiefer beugen. Sie werden dabei nicht sehr weit kommen, es sei denn, Sie haben sehr gut gedehnte Waden. Das ist in Ordnung, denn es geht darum, den hinteren Fuß so perfekt ausgerichtet zu halten wie nur möglich. Drehen Sie nun Ihren Oberkörper nach vorne und heben Sie den Brustkorb nach oben. Beobachten Sie, wie die Vorderseite Ihres linken Schienbeins (M. tibialis anterior) mehr und mehr kontrahiert und Ihre Wade (M. gastrocnemius) sich dehnt. Sind Sie an dem Punkt angelangt, an dem Sie Ihr Bein nicht weiter beugen können, ohne die Ausrichtung des hinteren Fußes zu verlieren, dann bleiben Sie für ein paar Atemzüge in der Stellung. Wiederholen Sie die Übung auf der anderen Seite.

Standhaftigkeit
Kommen Sie auf der ersten Seite noch einmal in die gleiche Haltung und versuchen Sie dabei eine kleine Variation: An dem Punkt, an dem Sie das vordere Bein nicht mehr tiefer beugen können, ohne den hinteren Fuß zu verändern, arbeiten Sie daran, das Gewicht auszubalancieren. Gehen Sie aber dennoch tiefer in die Haltung, auch wenn sich das Gewicht verlagert. Beugen Sie das vordere Bein so weit Sie können, während Sie die hintere Ferse und den Kleinzehenballen auf dem Boden halten. Wenn sich der hintere Fuß dadurch nach außen dreht, lassen Sie dies nach und nach zu, nur nicht weiter als 45 Grad. Wenn Sie Ihre Grenze erreicht haben, bringen Sie die hintere Hüfte wieder nach vorne und strecken Sie das hintere Knie noch stärker. Drücken Sie nun Ihre hintere Ferse in den Boden, um Ihren Brustkorb noch mehr nach vorne zu drehen und nach oben anzuheben. Strecken Sie die Arme hoch über Ihren Kopf, um Ihren gut geerdeten Krieger I zu vervollständigen.

Foto: Pixabay


Der zertifizierte Iyengar Yoga-Lehrer Roger Cole ­lebt in Del Mar, Kalifornien.

Yoga & PR: Wie Innen, so Aussen

Geschafft! Das eigene Yoga-Business ist eröffnet, die ersten Interessierten stehen bereits vor der Tür. Jetzt soll das neue Unternehmen bekannt werden, es soll einen guten Ruf und einen festen Kundenstamm bekommen. Die effektive Selbstdarstellung sollte allerdings nicht in Konflikt mit dem Prinzip von Brahmacharya (Mäßigung) stehen. Wie geht man dabei vor?

Anbieten statt Verkaufen – das ist das Credo von ­Stephanie P. Erkens, die als freie Medien- und PR-Beraterin in ­München tätig ist. Ihr Angebot richtet sie speziell an Yoga-Lehrer, wobei ihre Tipps jedem zugute kommen, der sein Business in der Yoga-Welt ansiedeln will.

Wenn Yoga-Lehrer zu ihr kommen, um sich hinsichtlich Öffentlichkeitsarbeit beraten zu lassen, legt sie großen Wert darauf, dass die innere Ausrichtung stimmt. Ganzheitliches Coaching beginnt bei ihr mit den Fragen „Was tut dir selbst bei deinem Yoga gut?“ und „Wie lautet die daraus resultierende Botschaft, die du anderen vermitteln möchtest?“. Sie geht davon aus, dass jeder Yoga-Lehrer seine individuelle Note besitzt und sich diese zuallererst selbst ­bewusst machen sollte. Bevor sie sich selbständig machen, ­empfiehlt sie Yoga-Lehrern, für sich herauszufinden, bei welcher Art von Yoga-Angebot und Kunden sie Resonanz spüren. Wo zieht es sie selbst hin, wo fühlen sie sich wohl? Das kann Yoga in Privaträumen sein, eine spezielle Zielgruppe wie Kinder oder Senioren oder nur ­Einzelunterricht anzubieten. Zusammen mit der Analyse, was das Besondere am eigenen Unterrichtsstil ausmacht, lässt sich daraus ein authentisches Image gestalten.

Der nächste Schritt ist, diese Besonderheit nach außen zu kommunizieren. Denn wenn die Botschaft des Senders stimmt, passt laut Erkens auch die Antwort. „Nur der Kunde, der sich angesprochen fühlt, wird reagieren. Und indem man nur die Menschen anzieht, die mit einem selbst resonieren, behält man sich als Selbständiger eine gewisse Freiheit.“ Gerade im Yoga geht es um die Kunst, ein Angebot zu liefern, ohne sich dabei zu verkaufen oder zu verbiegen. Dazu gehört auch, dass man seinen eigenen Maßstab für Erfolg entwickelt. Nur weil für den einen ein Studio, das mit Dutzenden von Teilnehmern aus allen Nähten platzt, erstrebenswert ist, muss das nicht für jeden so sein. Vielleicht sind es für manche weniger materielle Werte, sondern innere, auf die es wirklich ankommt. Ohne die eigene Existenzsicherung komplett aus den Augen zu verlieren, kann es dennoch wahren Erfolg bedeuten, für eine kleinere Gruppe von Schülern wirklich präsent gewesen zu sein und ihnen geholfen zu haben. Dass es prinzipiell genügend Schüler für jeden Lehrer gibt – davon ist Erkens absolut überzeugt. Sie warnt davor, sich mit anderen zu vergleichen oder in Konkurrenzdenken zu verfallen: „Man sollte sich immer wieder daran ­erinnern, dass alle Sterne leuchten. Wenn man sich ständig mit anderen vergleicht und glaubt, dass alle anderen erfolgreich sind, bloß man selbst nicht, wird es auch so sein. Wer aber total und authentisch bei der Sache ist und Perfektionismus vermeidet, für den gibt es genug Platz zum Leuchten.“ Und so kann auch die Kommunikation nach außen durchaus leise sein –Mundpropaganda statt großem Medienrummel.

Wenn man sich mit dem Auftritt in der Öffentlichkeit beschäftigt, sollte man sich darüber im Klaren sein, was und wen man mit seiner PR erreichen will. Sinnvoll ist es, erst einmal im näheren Umfeld zu beginnen. „Je nach Größe des Studios ist es oft der einfachste und zunächst auch günstigste Weg, im nächsten Umkreis, bei Freunden, Lehrern und all denjenigen, die auch vorher schon auf dem Yoga-Weg dabei waren, anzusetzen. Außerdem sollte man alle einbeziehen, die sich für Yoga interessieren könnten, beispielsweise Ärzte, Heilpraktiker, Körpertherapeuten. Es schadet auch nichts, die Nachbarn, den Bäcker von gegenüber und die Mitarbeiter im Lieblingscafé zu informieren. Der beste Start für das Business ist, es mit Freude überall bekannt zu machen, mit anderen darüber zu sprechen, andere zum Yoga zu motivieren, Visitenkarten und Flyer zu hinterlassen.“ Auch Gutscheine für eine Stunde zum Kennenlernen kommen gut an. Prüfen, was zu einem passt – das beruht schließlich auf Gegenseitigkeit.

Dass Werbung nicht immer teuer sein muss, ist unter PR-Fachleuten kein Geheimnis. Es ist immer einen Versuch wert, Zeitungs- oder Zeitschriftenredaktionen zu kontaktieren. Erkens empfiehlt, von sich aus auf ein geeignetes Medium in der unmittelbaren Umgebung zuzugehen, zum Beispiel auf einen Stadt- oder Kulturanzeiger, der über die Aktivitäten im Umkreis berichtet. „Es braucht Mut, etwas zu geben und zu teilen. Wenn man bereit ist, den Lokalredakteur zur Yoga-Stunde einzuladen, ist die Chance nicht gering, dass daraus ein Artikel entsteht.“

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Stephanie P. Erkens berät und begleitet als freie ­Medien- und PR-Beraterin Selbständige in Fragen PR- und ­Öffentlichkeitsarbeit.

Höllbachhof: Alternatives Wohnen

Weniger ist mehr: Diese Devise zieht sich in der Lebensgemeinschaft Höllbachhof bei Regensburg durch jeden Aspekt des täglichen Lebens – eine Alternative zur Konsumgesellschaft.

Die Erkenntnis kam über Nacht: „Ich muss hier raus.“ Raus aus einem konsumorientierten, materialistischen Stadtleben, das keine Verbindung zur Natur, geschweige denn ein umweltverträgliches Dasein ermöglicht. Die erfolgreiche Seminarleiterin und Lebensberaterin Vivian Dittmar beschloss, ihre 120 Quadratmeter große Eigentumswohnung in der Münchner Innenstadt zu verkaufen und ihre florierende Praxis – kurz: ihr etabliertes Leben – aufzugeben, um den Wunsch nach Einfachheit, Ursprünglichkeit, einem Leben in mehr Verbundenheit mit der Natur und anderen ­Menschen konsequent zu verfolgen.

Der Großteil der Einrichtung und andere Besitztümer fanden über eBay ein neues Zuhause. Sie selbst bezog mit ihrem kleinen Sohn eine Hütte im Wald, ohne fließendes Warmwasser, die weniger als ein Viertel des vorherigen Wohnraumes bot und mit Holz beheizt wurde. Von außen betrachtet eine drastische Umstellung, aber die 31-Jährige empfand die vermeintliche Einschränkung und die Aufgabe des gewohnten Komforts als sehr bereichernd. Bereits in ihrer Kindheit in einem balinesischen Dorf hatte sie Naturverbundenheit, Gemeinschaft und Spititualität sehr positiv erlebt. Gemeinsam mit gleichgesinnten Freunden machte sie sich auf die Suche nach einem Ort, wo sie die Vision des nachhaltigen Miteinanderlebens umsetzen und damit erfahrbar machen konnte.

Etwa ein Jahr, nachdem sie der Stadt den Rücken gekehrt hatte, war der gewünschte Ort gefunden: Der Höllbachhof, ein abgelegenes Gehöft 30 Kilometer östlich von Regensburg. „Als ich das Angebot im Internet entdeckte, wusste ich gleich: Das ist es“, erinnert sich Vivian Dittmar. Innerhalb eines halben Jahres wurde die Finanzierung der Übernahme gestemmt. Zusammen mit ihren Weggefährtinnen Chiara Greber und Puria Kästele gründete sie die Stiftung Höllbachhof. Mitte vergangenen Jahres bezogen sie mit ihren Familien den über 400 Jahre alten Hof, der von der Vorbesitzerin bereits als ­Seminarzentrum genutzt und ökologisch bewirtschaftet worden war.

Hier, in relativer Abgeschiedenheit, und direkt angrenzend an das Naturschutzgebiet „Hölle“, lassen sie seither ihre Vision Schritt für Schritt Wirklichkeit werden: Es geht darum, einerseits eine Forschungs- und Bildungstätte für nachhaltiges Leben, und zugleich einen Ort, an dem dies unmittelbar erfahrbar und lebbar ist, zu schaffen. „Unser wichtigstes Anliegen ist es, eine Kultur der Nachhaltigkeit entstehen zu lassen“, sagt Puria Kästele. Hierbei spielt die praktische Umsetzung der Prinzipien der Permakultur eine herausragende Rolle. Der Begriff steht für „Permanent Agriculture“ und für eine Wirtschaftsweise, die nicht mehr Energie verbraucht, als erzeugt oder erneuert werden kann. Zentral ist das Bewusstsein über Produktionskreisläufe sowie die Einsicht, dass langfristig nur ein Leben von den Zinsen und nicht auf Kredit möglich ist.

Diese nachhaltige Lebensweise, die etwa vom Österreicher Sepp Holzer seit mehreren Jahrzehnten überaus erfolgreich angewendet wird, basiert auf fünf Direktiven: „Beginne bei dir selbst“, „Gehe sorgsam mit deinem Lebensraum um“, „Teile deinen Besitz und dein Wissen“, „Verteile die Ressourcen so, dass jeder genug hat“, „Reduziere Wachstum“. Die ethischen Prinzipien lauten kurz und knapp: „Trage Sorge für die Erde und die Menschen und teile gerecht.“ Praktische Umsetzung findet dies beispielsweise durch Ablehnung gewisser Konsumentscheidungen, die Verringerung des Verbrauchs von Ressourcen, Wiederverwendung, Reparatur statt Ersetzen von Dingen und Recycling. Essenziell ist auch die Berücksichtigung natürlicher Kreisläufe. Kein System kann langfristig ertragreich sein, ohne dass ihm etwas zurückgegeben wird.

Einer der ersten Schritte zur konkreten Umsetzung war die deutliche Reduzierung der Bäder, um den Wasserverbrauch zu reduzieren. Auch von Wasserspül- auf Komposttoiletten umzustellen, ist angestrebt. Eine biologische Pflanzenkläranlage existiert bereits. Diese ermöglicht die Reinigung von Abwasser auf ökologisch vorbildliche Art. Selbstredend kommen auf dem Hof ausschließlich biologisch abbaubare Körperpflegeprodukte, Wasch-, Spül-, und Reinigungsmittel zum Einsatz. Die Ölzentralheizung soll mittelfristig von Solarsystemen oder Holz- beziehungsweise Pellet-Zentralheizung zur Wärmegewinnung abgelöst werden. Energiesparende Technologien sollen den Stromverbrauch drosseln. Statt Neuanschaffungen versuchen die Bewohner, Second Hand den Vorzug zu geben. Beim Lebensmitteleinkauf wird die Wahl verpackungsarmer Ware großgeschrieben, dennoch anfallender Müll wird konsequent getrennt und dem Recyclingkreislauf zugeführt. Alle verrottbaren Abfälle werden verkompostiert, um so die Grundlage für neues Wachstum zu schaffen. Im Herbst 2009 fand auf dem Hof der deutschlandweit erste Permakultur-Design-Ausbildungskurs nach den international anerkannten Richtlinien des australischen „Permaculture Institute“ statt. Hier holten sich die Bewohner zahlreiche Anregungen bezüglich der nachhaltigen Bewirtschaftung des etwa drei Hektar umfassenden Grundes.

„Das, was Kinder heute in der Schule lernen, ist nicht unbedingt das, was sie später benötigen. Wenn sie erwachsen sind, werden die Lebensumstände sich deutlich von den heutigen unterscheiden“, glaubt Vivian Dittmar, selbst Mutter zweier Söhne. Permakultur auch und gerade für Kinder zugänglich zu machen, ist eines ihrer größten Anliegen. In geplanten Tagesprojekten für Schulklassen sollen Kinder im Rahmen von Permakulturprojekten die Möglichkeit bekommen, spielerisch natürliche Zusammenhänge zu erfassen. Im Rahmen der Pflege partizipatorischer Künste wie Theater und Musik kann Erfüllung im gemeinsamen Schaffen gefunden werden, statt im erlernten Konsum materieller Dinge.

„Konsum ist eine Sucht“, sagt Vivian. Der Höllbachhof soll ein Ort sein, an dem jeder eingeladen ist, zu erfahren, was ihn wirklich nährt. „Ich lebe heute äußerlich auf kleinem Raum, mein innerer Raum hat sich jedoch deutlich vergrößert, seit ich mich materiell reduziert habe“, sagt Vivian. „Erst das persönliche Erleben offenbart die Lebensfreude und den Reichtum, die Permakultur und nachhaltige Lebensweise umfassen. Hier am Höllbachhof können wir und jeder, der Lust dazu hat, unmittelbar erfahren, dass die besten Dinge im Leben nicht käuflich sind.“

Als Seminarteilnehmer, Gast oder Volontär kann man dieses Leben ausprobieren. „Wir wünschen uns, dass der Höllbachhof für viele Menschen ein zweites Zuhause wird. Ein Ort, an dem alternative Werte, Handlungsweisen und Formen des Miteinanders spielerisch erprobt werden können – ohne dass man das gewohnte Lebensmodell aufgeben muss“, so die Initiatorinnen des Projekts. Mittelfristig soll der Hof zwischen 20 und 30 Personen aller Altersstufen ein permanentes Zuhause bieten.


Weitere Informationen und Veranstaltungstermine finden sich unter www.hoellbachhof.de

Yoga hilft bei Asthma

„Die meisten Pranayama-Übungen sind für Asthmatiker nicht das Richtige“

Der Atem rasselt, der Kranke japst nach Luft: Asthma bronchiale ist eine chronische Entzündung der Atemwege. Kurzatmigkeit, Husten und Erstickungsanfälle können die Folge sein, die körperliche Leistungsfähigkeit ist meist eingeschränkt. Ungefähr fünf bis zehn Prozent der Deutschen leiden an Asthma. Yoga kann gegen diese Krankheit helfen: der indische Yoga-Lehrer und Arzt Ganesh Mohan erklärt, welche Yoga-Übungen besonders für Asthmatiker geeignet sind.

Ganesh Mohan spricht ruhig, freundlich und zugewandt: „Asthmatiker müssen vor allem das Atmen üben. Der Atem ist absolut grundlegend für unsere Gesundheit! Ruhige, freie Atem-Praxis: Das ist vielleicht nicht so aufregend wie manche anstrengende Yoga-Positionen, aber langfristig nutzt es dem Körper mehr.“ Also vor allem Pranayama, die Yoga-Atem­übungen? „Nein, die meisten Pranayama-Übungen sind für Asthmatiker nicht das Richtige.“ Natürlich nütze Ujjayi, das Atmen mit leicht verengter Stimmritze, das ein sanfte Rauschen in der Kehle erklingen lässt und dem Übenden ein Feedback gibt. „Aber sich hinzusetzen und einfach nur das Atmen zu üben, ist für viele Menschen erst einmal eine zu große Herausforderung“. Sein Rat: bewusstes Atmen bei sanften Bewegungen.

„Asthmatiker müssen vor allem lernen, auszuatmen“ erklärt Mohan. Das klingt zunächst verwirrend, denn bei einem Anfall schnappen Asthmatiker schließlich deutlich nach Luft – sie haben also das Gefühl, nicht einatmen zu können.  Nur wenn man ausatmen kann, kann man auch einatmen. Während eines Anfalls hat ein Asthmatiker nicht zu wenig, sondern zu viel Luft in der Lunge. Diese Sichtweise vertreten auch Schulmediziner. Aber viele Ärzte wissen nicht, welche körperlichen Übungen das ­Ausatmen besonders unterstützen können.

„Ich empfehle Asthmatikern vor allem Vorbeugen und Umkehrpositionen“, sagt Ganesh Mohan. „In Adho Mukha Svanasana drücken die Organe auf das Zwerchfell und erleichtern die Ausatmung“, erklärt Mohan. Er empfiehlt diese Haltung auch, um Bandhas zu lernen. Umkehrpositionen wie Kopfstand oder Handstand sind natürlich für viele Menschen zu schwierig. Stattdessen schlägt Mohan einen „halben Schulterstand“ vor, mit diagonal gehaltenen statt mit ausgestreckten Beinen, die noch dazu leicht gebeugt sein könne (Viparita Karani). „Diese Übung ist den meisten Menschen problemlos möglich. Man kann nicht wirklich gut einatmen und verlängert so automatisch das Ausatmen.“

In der Yoga-Therapie geht es um den Menschen als Ganzes: Atemübungen und körperliche Bewegung machen nur einen Teil der Behandlung aus. Hinzu kommen psychologische Betreuung sowie Tipps zur Ernährung und zur Veränderung des Lebensstils im Allgemeinen. Asthmatikern empfiehlt Ganesh Mohan, trockene und kalte Luft zu meiden und vor allem Stress abzubauen. Auf schweres und fettes Essen sollten sie ebenso verzichten wie auf eisgekühlte Getränke.

„Bloß keine körperliche Anstrengung!“ Das hat man früher Asthmatikern gesagt – aus Angst vor Anfällen. Längst hat die Medizin dazugelernt und weiß: Bewegung stärkt die Lunge. Sport beugt Asthma-Attacken vor! Es gibt sogar Hochleistungssportler, die Asthma haben. Normalerweise empfehlen Ärzte ein leichtes Ausdauertraining. Wie auch Yoga helfen kann, Asthma zu lindern, ist vor kurzem wissenschaftlich untersucht worden. Beim American College of Sports Medicine in Seattle haben Ärzte die Wirkung von Yoga auf Asthmatiker getestet: 20 Teilnehmer im Alter von 20 bis 65 Jahren haben dafür regelmäßig zweimal wöchentlich Yoga-Stunden genommen und noch dazu ein einmal pro Woche eine halbe Stunde zuhause geübt. Schon nach zweieinhalb Monaten fühlten sich die meisten deutlich gesünder.


Die Journalistin und Yoga-Lehrerin Claudia Wiese führt mit ihrem Mann Michael Wiese in Leverkusen das Studio Yogaya.

Befreiung durch Handschrift

Die Handschrift der Freiheit

In Deutschland ist der amerikanische Zen-Mönch Edward Espe Brown durch sein Buch „Das Lächeln der Radieschen“ und als Protagonist in Doris Dörries Dokumentarfilm „How To Cook Your Life“ bekannt geworden. Neben dem Kochen widmet er sich aktuell einer weiteren Alltagspraxis und deren bewusster Ausführung: Was kann sich einstellen, wenn man die eigene Handschrift ändert? Nichts weniger als persönliche Freiheit, sagt Edward Espe Brown im YOGA JOURNAL-Interview.

YOGA JOURNAL: Edward Espe Brown, in „How To Cook Your Life“ ­haben Sie die Zubereitung einer Mahlzeit als spirituellen Akt des Respekts vor sich selbst, den Lebensmitteln und den Gästen vorgestellt. Im kommenden Sommer bieten Sie in Deutschland und Österreich wieder Koch-Retreats an, in München aber auch einen Workshop mit dem Titel „Befreiung durch Handschrift.“ Was hat es damit auf sich?
EDWARD ESPE BROWN: Ich habe 1995 als Form der Meditation begonnen, meine Handschrift zu ändern. Unsere Hände sind ein Ausdruck für die Kreativität des Körpers, sei es beim Kochen, Malen, Schnitzen oder Schreiben mit Stift auf Papier. Der bewusste Einsatz dieses Werkzeugs hat einiges dazu beigetragen, mich aus eingefahrenen Mustern zu befreien.

Seit 1965 praktizieren Sie Zen- und Vipassana-Meditation, üben Yoga und Qi Gong, haben Erfahrung in Akupunktur und Homöopathie und geben Seminare zu vegetarischer Ernährung. Welche eingefahrenen Muster meinen Sie?
Das alles tue ich seit über 40 Jahren und bin dabei durchaus frustanfällig. Ich interessiere mich für viele Dinge und überlege immer, wie ich meine Erfahrungswelt weiter anreichern kann. Ich habe zwar eine Ausbildung zum Zen-Lehrer gemacht, aber vor kurzem, mit 65 Jahren, habe ich mir gedacht: Es wäre schön, Zen-Lehrer zu sein. Allmählich fühle ich mich bereit und merke, dass die Menschen anders als früher auf mich reagieren – und ich auf sie.

Ist das Üben von Handschrift ein Teil des Zen-Systems?
Meine aktuelle Art des Übens, die von meiner Lehrerin ­Vimala Rodgers inspiriert ist, ist kein Bestandteil des Zen, obwohl in Japan und China die Kalligraphie schon immer eine Rolle im Leben und der spirituellen Praxis gespielt hat. In der Art, wie wir Worte zu Papier bringen, äußern sich ­generell unsere Strategien, das Selbst zutage zu fördern oder zu schützen. Den Ausdruck hierfür zu ändern, kann das ganze Leben beeinflussen. Ohne die Schreibpraxis hätte ich nicht in „How To Cook Your Life“ auftreten können. Aber damals hatte ich bereits in größeren Buchstaben geschrieben – ich war bereit, gesehen zu werden.

Kann man sich beim Üben konkrete Ziele setzen?
Erleuchtung ist nicht garantiert und Erwartungen eher kontraproduktiv. Ich ermutige die Schüler, herauszufinden, was sie an der Praxis anzieht. Das ist interessanter als die ­Vorstellung von dem, was wir erreichen können. Das eignet sich höchstens als anfängliche Motivation. Ich habe eine ­Weile Improvisationstheater gespielt. Dort gab es ­ironischerweise recht verbindliche Regeln, die auf jede Übung ­anwendbar sind: Sei präsent, plane nicht, starte von dort, wo du bist, mache Fehler, akzeptiere jedes Angebot und passe es an die Situation an.

Das Schreiben lernen wir als Schulkinder, in einem Alter, in dem man meistens noch nicht bewusst über seinen Unterricht reflektiert. Parallel existiert ein großer Wissensdurst.
Je nach Persönlichkeit versuchen wir zu diesem Zeitpunkt auf bestmögliche Weise das umzusetzen, was uns die Autoritäten vorschreiben. Was wir später daraus machen, formt unseren Charakter weiter. Alle regelmäßigen Übungen, seien es Meditation, Yoga, Qi Gong oder eben Handschrift ändern unser Sein und damit unser Leben. Wer wir sind, reflektiert sich in unseren vielen Aktivitäten. Wenn wir diese ändern, wirkt es auf unser Selbst. Die Prinzipien des Zen-Kochens, vor allem die absolute Vermeidung von Verschwendung, haben mein ganzes Denken beeinflusst.

Was bedeutet es, dass Handschrift eine physische Praxis ist?
In unserer Kultur ist es mittlerweile fast verpönt, mit den Händen zu arbeiten. Intellektuelle Tätigkeiten sind viel anerkannter. Vielleicht haben Chirurgen oder Künstler noch ein gutes Image, aber Brot zu backen befindet sich Lichtjahre von dieser Wertschätzung. Ich glaube, dass die Handschrift in ihrer physischen Form eine große Nähe zu Yoga hat. Ich stelle mir gerne vor, dass wir in uns kleinere Körper tragen, die noch nicht erwachsen sind, jüngere Versionen von uns. Im Yoga sprechen wir manchmal davon, uns neu in den Körper einzufinden, neues Bewusstsein in den Körper zu bringen. Ich übe gelegentlich mit Erich Schiffman, mir gefällt sein von Iyengar inspiriertes „Freedom Yoga“. Darin entdecken wir alle Körperteile neu, bringen Aufmerksamkeit bis in die Kniescheiben und Fingerknöchel, schieben unsere „kleineren“ in die „großen“ Hände, den inneren in den äußeren Körper. Kaum jemand studiert die Details so genau wie die Iyengar-Yogis. Erich Schiffman sagt immer: Wenn du diese Methoden einmal kennst – wie kannst du dann beim Alten bleiben? Warum nicht alles von Herzen nach innen strömen lassen? Dann formen die Hände die unglaublichsten Mudras. Meine Schreibpraxis wäre ohne Iyengar Yoga nicht die gleiche. So kann mein Bewusstsein in jede Fingerspitze gelangen – und darüber hinaus.

Welche Bedeutung hat der kreative Aspekt der Handschrift?
Die Hände machen einen sehr großen Teil unserer Eigenschaft als Menschen aus. Mit ihnen als Werkzeug haben wir unsere komplette Kultur geschaffen. 35 Prozent unserer motorischen Neuronen laufen in die Hände. Wenn wir mit ihnen also Neues lernen, beeinflusst dies unser gesamtes System. In San Francisco habe ich viel mit der Yoga-Lehrerin Judith Lasater geübt. Sie betont immer: „Mache“ die Übung nicht, sondern empfange sie, lass die Erfahrung zu. Das ist sehr kreativ, denn es wirkt befreiend. Kontrollieren wir uns zu sehr, grenzen wir uns über die Maßen ein. Insgesamt geht es ja beim Schreiben, Yoga und im Leben darum, den Raum zu nutzen, den wir zur Verfügung haben. Wie füllen wir die unbeschriebene Seite, wie ändern wir den Verlauf der Zeilen?

Gibt es zwischen Zen und Yoga eine natürliche Verbindung?Edward Brown
Im Zen heißt es oft: „Gerade sitzen.“ Davon machen wir uns eine Vorstellung und befehlen dem Körper die Ausführung. Stattdessen sollten wir Bewusstsein üben. Wer weiß besser, wie die Hüften sich ausrichten sollten? Der Geist – oder vielleicht die Hüften? Unser Denken sollte die Hüften darin unterstützen, ihre wahre „Hüftigkeit“ („Hipness“!) zu finden. In einer Mischung aus Stabilität und Leichtigkeit kann schließlich Energie fließen. Benutze deine Intelligenz, um deinen eigenen Weg zu finden. Wenn du du bist, ist Zen Zen. Trotzdem wollen wir oft mehr Zen als wir selbst sein. Letztendlich ist es bei jeder Praxis das Gleiche: Je mehr wir durch die Übung erfahren, desto mehr können wir alles im ­Leben als Übung annehmen.

Je nach Kultur nimmt Handschrift verschiedene Formen an. Gilt beim Üben das Gleiche für lateinische Buchstaben, ­Sanskrit oder chinesische Schriftzeichen?
Die unterschiedlichen Formen bergen unterschiedliche Energien. Wenn man eine bestimmte Form praktiziert und sich dabei von alten Verhaltensweisen entfernt, kann man sich auch von seinem alten Selbst lösen. Das Zen-Prinzip lautet: Praktiziere die Form, um dich von deinem Ego zu lösen. Wenn das geschehen ist, kannst du die Form entweder beibehalten oder dich etwas anderem widmen. Ein anderer Sinn von Form ist die Chance, unsere Ausdrucksmöglichkeiten zu vervielfältigen.

Inwieweit kann Handschrift Aufschluss über die Persönlichkeit der Schreibenden geben?
Die populären Graphologie-Handbücher typisieren und bewerten eher oberflächlich. Mein Lehrer Shunryu Suzuki Roshi sagte: In der Meditation, wenn alle die gleiche Haltung einnehmen, kann ich sehen, wer der Einzelne ist. Das gilt für alle Aktivitäten. Schriftübungen sind eine hervorragende Praxis, um sich von alten Mustern weg zu bewegen. Ich habe die letzten zwei Jahre sehr ernsthaft geübt. An einem bestimmten Punkt hat sich mein Stift regelrecht verselbständigt.

Tatsächlich sind Sie nach über 40 Jahren immer noch ­überrascht von einer spirituellen Praxis…
Auf welche Weise können wir wir selbst sein? Das ist und bleibt die interessante Frage. Dabei kann ich immer noch von Erfahrungen oder Wechseln der Empfindungen überwältigt werden. Aus Lampen­fieber kann kreative Energie werden, genauso kann aus Verkrampftheit plötzliche Leichtigkeit oder Ruhe ­entstehen. Und natürlich eine ganze Reihe von ­Gefühlen, die man niemals vorher gekannt hat…

 Fotos: Eric Brown

Entwicklungshilfe in Laos: Den Reis wachsen hören

In Laos läuft das gesamte Leben um einiges gemächlicher als selbst im angrenzenden Thailand. Das bemerken nicht nur Individualisten, Naturliebhaber und kulturell interessierte Touristen, die die manchmal beschwerlichen Wege nach und durch Laos einschlagen. Für die wirtschaftliche und touristische Entwicklung des Landes engagieren sich viele Staaten. Ein deutscher Entwicklungshelfer hat sich in Laos‘ Norden dieser Aufgabe gestellt, für die ihm vor allem Humor und regelmäßige Meditation Kraft geben: „Hier ist es wichtig, Ruhe zu entwickeln, um die Ruhe auszuhalten zu können.“

„Die Vietnamesen pflanzen den Reis, die ­Kambodschaner schauen ihm beim Wachsen zu, und die ­Laoten lauschen, wie er wächst“: So beschrieben in der Kolonialzeit die Franzosen ihre Eindrücke des früheren Indochina. Im politischen und wirtschaftlichen Weltgeschehen spielt Laos eine untergeordnete Rolle, aber unter Reisebegeisterten ist das kleine Land zwischen Thailand, Myanmar, Vietnam, ­Kambodscha und China der Geheimtipp in Südostasien. Spektakuläre Natur, verwunschene buddhistische Klöster und die legendäre Gelassenheit der Menschen haben in den letzten Jahren eine wachsende Zahl von Menschen einen Urlaub fern der ausgetretenen Traveller-Pfade verbringen lassen.

Im Gegensatz zum Nachbarland Thailand ist Laos noch keine Yoga-Destination, obwohl eine Australierin in der Hauptstadt Vientiane das erste Yoga-Studio des Landes eröffnet hat und die Tempelstadt Luang Prabang alljährlicher Schauplatz für den vierwöchigen „Thai Massage Circus“ ist. Die ersten Hotels bieten Wochenend-Retreats an, aber die Yogis des Westens halten nur allmählich Einzug in Laos. Daneben hat sich das Land eine umfassende eigene Spiritualität bewahrt. Die tiefe religiöse Hingabe der Laoten zeigt sich dem Besucher in Gestalt der buddhistischen Tempel, ­Ritualen wie dem morgendlichen Almosengang Tak Bat und dem ­allgegenwärtigen leuchtenden Orange der Mönchsroben.

Die gelebte Spiritualität beeindruckt besonders angesichts der wechselhaften Geschichte: Im Laufe der Jahrhunderte war das ursprüngliche „Reich der Millionen Elefanten“ („Lan Xang“) Invasionen aus Thailand, Burma, Vietnam und China ausgesetzt, wurde im 19. Jahrhundert von den Franzosen kolonialisiert und versank im Vietnamkrieg unter schweren Bombenangriffen. Da der wichtige Versorgungsweg „Ho-Chi-Minh-Pfad“ durch Laos führte, fielen von 1964 bis 1973 mehr US-Bomben auf das Land als im Zweiten Weltkrieg auf Deutschland und Japan zusammen. Die Entsorgung der Blindgänger ist bis heute eine der größten logistischen und sozialen Herausforderungen. Seit 1975 hat Laos eine kommunistische Regierung: Buddhistische Geisteshaltung trifft auf sozialistische Verwaltung. Das ist nicht der einzige Gegensatz, der das Leben oder einen Besuch in Laos spannend macht. Das Erhabene trifft oftmals auf das Skurrile, der Gongschlag in einem uralten Tempel steht in akustischem Wettstreit mit der benachbarten Karaoke-Bar, und eine traditionelle Lao-Massage kann man durchaus eingewickelt in einen Sarong mit Superman-Motiv erleben.

Gelassenheit und Humor sind überlebenswichtig. Nach 21 Monaten Einsatz für den Deutschen Entwicklungsdienst (DED) ist dies auch das Fazit von Stefan Auth. Der 38-Jährige aus dem hessischen Mühlheim ist kein Charity-Idealist, sondern sieht seine Tätigkeit pragmatisch. Auth arbeitet als touristischer Berater für die Provinz Phongsali und trägt dazu bei, die Region im äußersten Norden des Landes für Besucher zu erschließen und ihr damit eine dringend benötigte Einnahmequelle zu ermöglichen. Für Stefan Auth ist klar, dass nur ein ökologisch orientierter, „sanfter“ Tourismus sinnvoll ist: „Abgesehen von der Nachhaltigkeit würde alles andere auch der laotischen Mentalität widersprechen.“ Als erfahrener Reisefotograf und als Tourguide für Wikinger Reisen in Asien und Afrika hat Auth erlebt, wie behutsamer Tourismus positiv auf die Entwicklung einer Region wirkt. Parallel inspiriert er die Reisenden, ihren Horizont zu erweitern. Den Begriff „Entwicklungshilfe“ findet Auth veraltet und bevorzugt ­„Entwicklungszuammenarbeit“: „‚Hilfe‘ impliziert immer auch ‚Opfer‘. Das ist eine fast neokoloniale Haltung.“ Obwohl die Menschen in Phongsali in sehr einfachen Verhältnissen leben, empfindet Auth sie nicht als „arm“. „Sie selbst würden das auch nicht tun. Würde und Selbstachtung sind Voraussetzung für das Leben in der Hütte.“

Um sein Gefühl für die neue Kultur zu schärfen und Klarheit für sein Projekt zu gewinnen, hat sich der begeisterte Bergsteiger und Mountainbiker in Laos erstmals auf eine ruhigere Form der Verbindung mit der Umwelt eingelassen: Als Teil seiner Einweisung durch den DED begann er im buddhistischen Waldkloster Wat Nakoun Noi, 21 Kilometer von Vientiane entfernt, eine Meditationspraxis. Dort kann sich jeder Gast – auch aus dem Westen – zu jeder Zeit gegen eine Spende für eine gewisse Zeit ins Klosterleben integrieren. Das ist in den Klöstern von Laos durchaus üblich, einem Land, in dem fast jeder Mann als Bestandteil seines Lebens zeitweise Mönch wird. Einen Aufenthalt im Kloster kann man beliebig oft wiederholen; zudem fungiert es auch als Sozialstation für ältere und hilfsbedürftige Menschen. Die einzige Bedingung ist, sich vorbehaltlos auf den Tagesablauf einzulassen: 3.30 Uhr Wecken, 3.45 gesungene Gebete, 4.15 bis 5.00 Meditation, 6.30 Almosengang, bei der die Bevölkerung Reis spendet, 7.30 Frühstück, 11.30 die letzte Mahlzeit des Tages, 14 Uhr sitzende und gehende Vipassana-Meditation, 21 Uhr Bettruhe. Dazwischen können sich die Gäste für die Klostergemeinschaft engagieren. Stefan Auth erteilte den Mönchen Englischunterricht.

Die tägliche Meditation hat Auth auch in seinem Einsatzort Phongsali beibehalten. Sie hilft ihm, mit den teilweise harten Lebensbedingungen zurechtzukommen – von der unregelmäßigen Strom- und Wasserversorgung über anfängliche Kommunikationsprobleme bis zur laotischen Einstellung zu Arbeit und Leistung, die der deutschen Mentalität komplett entgegen läuft. Eine vollkommen neue Gegenwart und intensives Eintauchen in eine andere Kultur: „In einer fremden Umgebung mit ständig neuen Eindrücken hilft mir die Meditation, zu erkennen, wer und wie ich wirklich bin. Dadurch kann ich das ‚Woanderssein‘ bewusster und mich selbst als Teil des Ganzen sehen.“ Der praktische Nutzen: „Ich kann mich besser auf das konzentrieren, was unmittelbar ansteht.“ Denn als Erstes ­musste der überzeugte Planer einsehen, dass man in Laos weniger konzipiert als (re)agiert. „Im Westen lernt man aus der Vergangenheit und plant für die Zukunft oder versucht es zumindest. In Laos zählt der Moment, und jeder Tag beginnt bei null“ – charmant für den Touristen und spirituellen Aspiranten, zuweilen schwierig für jemanden, der Resultate erzielen möchte. Und so beabsichtigt Auth in seiner Arbeit immer weniger konkrete Ergebnisse, sondern möchte „Steine ins Rollen bringen“. Die Menschen in seinem Umfeld bildet er durch Erfahrung, nicht Belehrung aus. Auths Kollegen in der Tourismusinformation Phongsali waren beispielsweise selbst noch nie in einem anderen Land. Deshalb organisierte er eine Exkursion über die nahe Grenze nach Vietnam und ließ die Mitarbeiter sich dort zwei Tage selbständig durchschlagen, damit sie ein Gefühl für das „Fremdsein“ der Touristen entwickeln konnten.

Seine Hauptaufgabe ist, die Bewohner und die Provinzbehörde Phongsalis für die Bedürfnisse westlicher Besucher zu sensibilisieren. Warum wandert man freiwillig kilometerlange Strecken, wenn man nicht muss? Sind Alleinreisende bedauernswert einsame Menschen? Warum möchte man in einer Hütte schlafen, wenn man sich ein gutes Hotel leisten kann? Warum will im Lokal jeder getrennt bestellen und bezahlen? Und vor allem: Warum kein Fleisch? Seinen Kollegen all dies zu vermitteln, empfindet Auth immer noch als „interessante Selbstreflexion“.
Bei einer Tätigkeit wie der Entwicklungszusammenarbeit, die grundsätzlich dem „Off The Mat“-Gedanken vieler Yogis nahe steht, prallen mindestens zwei Einstellungen aufeinander: Der Mensch aus dem Westen sucht eine Alternative zu seinem konsumgeprägten Leben in der Wohlstandsgesellschaft, während sich die „Empfänger“ im Entwicklungsland durch seinen Einsatz weniger die innere Erfüllung, sondern Verbesserung ihrer materiellen Situation erwarten. „So wichtig die Religion im Leben der Menschen ist, so wenig hätten sie auch gegen Dinge wie Autos, Computer, Fernseher und ein großes Haus“, so Auth. Deshalb wundert er sich über gelegentliche Beschwerden von Touristen, dass das Leben im nordlaotischen Bergdorf keinesfalls mehr „ursprünglich“ sei – man habe Motorradspuren und in einer Hütte sogar ein Radio entdeckt. „Trotz eines anderen Humors, eines anderen Lebensstils und einem anderen Umgang miteinander finde ich es wichtig, dass sich alle Menschen auf Augenhöhe begegnen“, sagt der 1,94 Meter große Auth. „Dafür lohnt es sich, die Perspektive zu wechseln.“ Ob er ein Idealist sei? Landestypisch antwortet er mit einem Sprichwort. „Het Bun Dai Bun“: „Wer Gutes tut, erhält Gutes als Geschenk.“


Tee und Tradition in Phongsali
„Laos Top End“: Diesen Werbeslogan hat Stefan Auth für seinen Einsatzort Phongsali (6.000 Einwohner, 1430 Meter hoch gelegen) im äußersten Norden von Laos gefunden. Die Anreise von der Hauptstadt Vientiane oder dem Tourismuszentrum Luang Prabang ist in den vergangenen Jahren etwas einfacher geworden. Der Reisende steckt nicht mehr tagelang fest, wenn der Wasserstand des Flusses Nam Ou zu hoch ist und keine Boote fahren. Er muss auch nicht mehr zwei Tage lang auf einem ungefederten Bussitz über Staubpisten holpern. Der Transport nach Phongsali ist zwar immer noch abenteuerlich, aber Teilstrecken lassen sich mittlerweile per Flugzeug oder auf ge-teerten Straßen zurücklegen. Wenn man es einmal geschafft hat, steht fest, dass man sich an einem ganz besonderen Ort befindet und tatsächlich Neuland betritt. Bisher gibt es nur drei einfache Hotels. Die wenigen Restaurants haben weder Schilder noch Speisekarten, jedoch köstliches, vom benachbarten Yunnan in Südchina inspiriertes Essen.

Attraktionen hat Phongsali reichlich zu bieten, unter anderem Verkostungen seines einzigartig würzigen Tees. Auf seit alters her ökologisch bewirtschafteten Tee-Gärten mit 400 Jahre alten und sechs Meter hohen Teebäumen ernten Frauen der Phunoy-Minderheit per Hand die Teeblätter. Sie werden als grüner Tee und ebenso als gesunder Pu-Erh-Tee verarbeitet und teils in Eigenregie auf dem Markt verkauft. Äußerliche Verwendung finden die Teeblätter im Aufguss der traditionellen Kräutersauna – einer simplen, auf Stelzen stehenden Holzhütte mit einem Loch im Boden, durch das der von einem Feuer angefachte Dampf eingeleitet wird. Mittlerweile führen einige organisierte Trekkingtouren durch den Urwald und über Reisfelder in die Dörfer der Bergbevölkerung. Rund 28 traditionell lebende Bergvölker, darunter die prächtig gekleideten Akha, wohnen rund um Phongsali. Die meisten von ihnen sprechen ihre eigenen Sprachen, die mit dem Laotischen nichts gemein haben. Dort zu Gast bei einer Familie zu sein, inklusive -Verkostung des hausgebrauten Reisschnapses, ist eine in vieler -Hinsicht unvergessliche Erfahrung…

Fotos: Michaela Derrer

Bernd Rößler

Bernd Rößler

Beratungen, Workshops, Seminare & Ausbildungen in Vedischer Astrologie (Jyotisha) und indischem Handlesen (Hasta Samudrika).
Jahrtausendealtes Wissen für moderne Lebensplanung.
Die Chance tatsächlich vorausschauend zu planen liegt im Wissen dessen was sich ergibt und daher auch gestalten lässt.

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