Lena über Liebe, Hater und ihren Yogastil …

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Alles rosa Glamour? Lena fühlt sich von vielen Medienvertretern und Social-Media- Nutzern missverstanden, hat aber gelernt, damit umzugehen – auch dank Yoga.

Wenn sich etwas falsch anfühlt, dann lässt sie es – auch auf die Gefahr hin, andere zu enttäuschen, wie zuletzt durch ihre zweifach verschobene Tour. Authentizität ist ein wichtiger Wert für Lena, die ihren Nachnamen Meyer-Landrut als Künstlerin abgelegt hat. Ein Gespräch über Liebe, Hasskommentare und Silberketten …


Von „Wow, die finde ich toll!“ bis „Oje, diese Zicke“ ist alles dabei. Als ich in meinem Bekanntenkreis erzähle, dass ich Lena interviewen werde, lässt das kaum jemanden kalt. Auch auf der Startseite meines Mailanbieters vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine Nachricht zu Lenas Liebesleben, ihrer Figur oder schlicht ihrem letzten Instagram-Post erscheint. Ich stelle mir vor, wildfremde Menschen würden so (viel) über mich sprechen oder schreiben und mir wird ein bisschen schlecht. Wie soll man bei so viel Fremdmeinung zur eigenen Person man selbst bleiben? Unter anderem darüber möchte ich mit der 27-Jährigen reden. Ich wühle in einem Stapel aus Papieren und Zeitschriften nach den Fragen, die ich mir notiert hatte, als das Telefon klingelt und ich mit Lena verbunden werde …


Oje, wenn du das Chaos sehen könntest, in dem ich hier gerade sitze …

Bist du chaotisch? Ich auch total! Allerdings kommen dann manchmal Momente, in denen ich regelrecht ausflippe und plötzlich alles komplett aufräume und putze, bis ins kleinste Detail.

Auf solch einen Anfall warte ich seit Jahren … (lacht)

Dann bist du wohl ein Fall für Marie Kondo, die Aufräum-Expertin.

Eine Freundin hat mir schon vor Jahren ihr Buch „Magic Cleaning“ geschenkt. Gucken wir mal. Aber mal zur Tagesordnung – immerhin das bekomme ich hin: Der Titel deines neuen Albums lautet „Only Love, L“ …

… was zunächst mal einfach die Abschlussformel ist, die ich in meinen E-Mails benutze. (lacht) Im Album geht es um Liebe auf verschiedenen Ebenen, die partnerschaftliche, die platonische, die sexuelle usw. Und natürlich auch Selbstliebe, ein ganz wichtiges Thema.

Um die geht es indirekt in deiner Single „Thank You“. Im Song bedankst du dich sogar bei denen, die dich niedermachen – weil dich deine seelischen Narben auch stärker machen. Verstehe ich das richtig?

Ja, durchaus. Natürlich gehen Hasskommentare im Netz nicht spurlos an mir vorbei, aber ich versuche, ihnen mit Liebe zu begegnen und aus dem Negativen etwas Positives entstehen zu lassen. Das kann auch in anderen Lebensbereichen sinnvoll sein, denke ich.

Ein ehrgeiziger Ansatz. Wie gut gelingt dir das?

Mal besser, mal schlechter. Es ist ein Lernprozess, und ich bin sicher noch nicht am Ziel angekommen.

Glaubst du denn, dass alles im Leben aus einem bestimmten Sinn passiert oder geben wir den Dingen erst im Nachhinein einen?

Wahrscheinlich ist es eine Kombination aus beidem. Ich denke aber, man kann alles, was passiert, als Aufgabe sehen und genau beobachten, was das mit einem macht.

Gar nicht so leicht. Du wirst sicher häufig missverstanden, zum Beispiel von meinen Pressekollegen, oder?

Na klar, das ist an der Tagesordnung.(lacht) Irgendwelche seltsamen Meldungen über mich, die aber nichts mit mir zu tun haben, gibt es ständig. Damit muss ich leben. Ich versuche einfach, so authentisch wie möglich zu bleiben. Zu überlegen, ob ich Spaß an einer Sache habe und dahinterstehe, anstatt mich vom Feedback anderer zu abhängig zu machen.

Aber diese permanenten Bewertungen von außen, denen du als öffentliche Person ausgesetzt bist, stelle ich mir wahnsinnig anstrengend vor. Neben Presseartikeln gibt es ja auch noch die Kommentare auf Social-Media-Plattformen, die du bereits angesprochen hast … 

Ach, ich glaube, so viel anders als dir zum Beispiel geht es mir gar nicht. Jeder hat da sein Päckchen zu tragen und wird ständig beurteilt, ob nun von Arbeitskollegen, Familienmitgliedern oder Freunden. Entscheidender als die Masse der Rückmeldungen ist ja meist eher, wer sich äußert. 1000 anonyme Instagram-Kommentare sind besser wegzustecken als die Kritik eines einzelnen Menschen, der dir wirklich etwas bedeutet.

Trotzdem hast du dir letztes Jahr mal eine Social-Media-Pause verordnet.

Ja, und das war wichtig. So habe ich erst mal gemerkt, wie abhängig ich teilweise vom Handy war. Ich war dadurch ständig abgelenkt, zerstreut, konnte mich auf nichts mehr richtig konzentrieren. Da tat diese Offline-Zeit sehr gut. Ich konnte den Fokus wieder auf mich und meine Musik richten.

Apropos – hilft dir Yoga beim Fokussieren?

Sehr! Es hilft mir abzuschalten und verbessert den Zugang zu mir selbst.

Praktizierst du allein oder im Studio?

Allein, das lässt sich besser mit meinem Job vereinbaren, ich bin ja viel unterwegs.

Oje, das wäre nix für mich. Ich brauche da immer jemanden, der mich anleitet.

Dafür gibt’s YouTube. (lacht) Ich liebe den Kanal „Yoga with Adriene“. Die Frau ist mir sehr sympathisch und es gibt für jede Situation das passende Video, sei es nun eine kleine Morgenmeditation, eine Session zur Stressreduktion oder eine, die dir Energie gibt.

Klingt, als seist du nicht unbedingt auf einen Yogastil festgelegt?

Nein, tatsächlich nicht. Es kommt darauf an, was ich gerade brauche. Manchmal geht es darum runterzukommen, mich wieder mehr „connected“ zu fühlen und an anderen Tagen will ich mich viel bewegen und ins Schwitzen kommen.

Seit wann praktizierst du?

Vor zwei, drei Jahren hatte mich eine Freundin mal probehalber mit in ein Stu- dio genommen, seitdem habe ich immer mal wieder was gemacht. Richtig regelmäßig dabei bin ich seit etwa eineinhalb Jahren.

Oben hast du schon kurz Meditation angesprochen – du meditierst also auch?

Ja, ich habe da eine App namens Headspace, dort gibt es geleitete Meditationen, die ich ganz gerne mag, auch weil sie nicht so abgehoben spirituell wirken wie manche anderen, sondern relativ rational. Das kommt mir entgegen.

Auch Pranayama dürfte dir als Sängerin etwas geben. Gibt es spezielle Atemtechniken, mit denen du dich auf die Bühne vorbereitest?

Wir haben sogar ein gemeinsames Band-Ritual. Kurz vor einem Auftritt treffen wir uns immer alle für ein gemeinsames Vocal-Warm-up. Dabei entsteht eine schöne Gruppendynamik, man fühlt sich mit allen verbunden, das ist dann auch später auf der Bühne noch spürbar.

Klingt gut! Solche Momente bringen sicher etwas Ruhe in den stressigen Touralltag. Wobei Alltag da wahrscheinlich das falsche Wort ist.

Sozusagen. Jeder Tag ist anders.


Wie klappt es da mit deiner Ernährung? So weit ich weiß bist du, ähnlich wie ich, vegan-bemüht vegetarisch, oder?

Vegan-bemüht, das trifft es tatsächlich ganz gut. (lacht) Ich bin grundsätzlich absolut pro-vegan, aber es wäre gelogen, würde ich behaupten, dass ich mich komplett pflanzlich ernähre. Das ist unterwegs einfach schwierig, vielleicht bin ich da auch zu bequem. Dann gibt es etwas Vegetarisches. Ich versuche durchaus, achtsam mit meiner Umwelt umzugehen, zum Beispiel auch bei meinen Merchandising-Produkten auf faire Produktion zu achten. Ganz verliebt bin ich in meine auf Bali produzierten Herzketten aus recyceltem Silber! Aber natürlich bin ich weit davon entfernt, perfekt zu sein und mache Fehler.

Wer tut das nicht? Vielen Dank für das Gespräch, Lena.

Danke dir. Vielleicht können wir es bei Gelegenheit ja mal fortsetzen …


Jean-Marc TurmesCARMEN SCHNITZER hatte seit 1986 keinen „Eurovision Song Contest“ verpasst – ausgerechnet 2010 aber, im Jahr von Lenas Sieg, heiratete am betreffenden Tag ein guter Freund. Kurz nach Mitternacht stürmte ein aufgedrehter Hochzeitsgast panisch auf Carmen zu: „Der DJ hat ,Satellite‘ nicht dabei! Hast du es auf deinem iPod?“ Sie hatte. Und es wurde getanzt.

FOTOS: HENDRIK SCHNEIDER/ UNIVERSAL MUSIC

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