Moderner Klassiker: Yoga der Befreiung

Plötzlich ist es da: das Jivamukti Buch auf Deutsch. Seit Jahren werde ich jede Woche danach gefragt: Wann kommt eine Übersetzung, wann wird das Buch auch auf Deutsch erscheinen?

Meine beiden englischen Ausgaben sind derart zerlesen und bearbeitet, dass die Seiten in Packen aus der Leimbindung geplatzt sind – das ganze ist wirklich ein Praxisbuch, will gelesen und wieder gelesen werden. So auch in der neuen deutschen Ausgabe: Vor allem die Fotostrecken, die ganze Jivamukti Stunden im Verlauf abbilden, wird man vor sich hinlegen, das Buch dabei weit aufbiegen und damit üben wollen. Das vorliegende Buch macht das mit, das Softcover verzeiht die Strapazen, das große Format ist ideal, auch um ausführlich an die Ränder des Textes eigene Notizen zu schreiben. Das Buch macht alles richtig. Einer der Schwerpunkte der Methode ist nämlich die Leidenschaft für die Praxis, tapah – brennen. Und ganz Jivamukti: die gleiche Leidenschaft für die äußeren wie für die inneren Praktiken. Nehmen Sie es als Unterlage für ihren Meditationssitz, machen Sie Kopfstand darauf, alles ist erlaubt. Hauptsache, es wird mit dem Buch intensiv gearbeitet.

Die alten Schriften zur Yoga Philosophie sind die Grundlage für Sharon Gannon und David Life, um Meditation, Musik, Gewaltlosigkeit und Hingabe in ihre moderne Yoga Schule einzuschreiben. Daraus und aus der Tradition ihrer Lehrer entwickeln sie das Wesen der Jivamukti Praxis als fließendes, herausforderndes Üben. Die damit verbundene innere Einstellung will auch etwas mit dem Zustand der Welt und unserer Beziehung zu ihr zu tun haben. Durch die Lektüre wird der enorme Einfluss der Jivamukti Methode auf den Yoga im Westen insgesamt und viele andere Schulen noch deutlicher. Die entschiedene yogische Einstellung zum Vegetarismus und anderen wichtigen ethischen Fragen wird wieder kontrovers aufgefasst werden. Doch gerade dieser Ansatz ist charakteristisch für Yoga und die Herausforderung – von der Matte in die Welt.

Natürlich ist das auf Deutsch jetzt leichter zugänglich für uns. Natürlich liest sich trotzdem ein amerikanische ‚Sequencing Postures‘ etwas besser als das deutsche ‚ineinanderfließende Haltungen‘. Es geht aber um den Inhalt. Und da zeigt sich, dass uns mit der umfassenden Auffassung des Yoga durch die Jivamukti Gründer eines der besten Yoga Bücher überhaupt in die Hände gelegt wurde.

Fast zehn Jahre nach der amerikanischen Originalausgabe sind die Inhalte klar, präsent und aktuell. Daran ändert auch das offenbar unvermeidliche Vorwort von Sting nichts.

Yoga als Zustand, in dem alle Teile zusammenpassen: Mit Jivamukti lernen wir kein Entweder Oder, sondern die Integration des Yoga in unser Leben. Mit Körper und Seele, Gedanken und Gefühlen, mit Sinnlichem und Spirituellem, täglicher Praxis und normaler Arbeit, Yoga und gesellschaftlichem Engagement, mit großem Spass und ernstem tiefen Interesse. That’s the real thing!

Michi Kern

„Yoga der Befreiung – Das Praxisbuch des Jivamukti Yoga“ von David Life und Sharon Gannon (Via Nova, 29,80 Euro)

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