DIY: Ein bewusster Jahreswechsel

Es war doch eben erst Sommer, wir lagen am See, tanzten im Freien und aßen Wassermelone. Und schon ist es wieder Zeit für Weihnachtsgebäck, Kerzenschein und Besinnlichkeit. Geht es Ihnen auch so, dass so furchtbar viel passiert und die Zeit einfach zu fliegen scheint? Dann ist es der Jahreswechsel auch für Sie wie geschaffen, um inne zu halten und sich der ganzen wunderbaren Erlebnisse im Jahr 2017 und auch der großen Veränderungen bewusst zu werden. Gleichzeitig können Sie so ganz konkret Ziele für das nächste Jahr formulieren und sich mit ihren Wünschen auseinandersetzen.

Sie brauchen:

  • 6 Seiten unbeschriebenes Papier
  • farbige Stifte
  • angenehme Atmosphäre, Tee, Blumen, Kerze, etc.
  • Zeit für sich

Rückschau wagen

Um das Jahr für sich mit einem guten Gefühl abzuschließen, planen Sie Zeit für sich ein und setzen sich mit Papier und Stift, bunten Farben und einem Lieblingstee an einen ruhigen Ort. Bringen Sie die Aufmerksamkeit auf Ihren Atem. Mit jedem Atemzug merken Sie, wie sie ruhiger werden und sich auch die Gedanken beruhigen.

Legen Sie drei leere Seiten Papier vor sich hin und beginnen Sie mit den Überschriften.

1. Freunde/Familie
2. Job/Karriere
3. Freizeit/Herzenswünsche

Schreiben oder malen Sie nun all das auf, was Ihnen in den Kopf kommt. Alles, was Sie im letzten Jahr im Bezug auf diese Themen erlebt haben. Was waren die Highlights? Was war evtl. auch schmerzhaft? Welche Empfindungen haben Sie, wenn Sie zurückblicken.

Wünsche formulieren, Ziele setzen

Vielleicht haben Sie bemerkt, dass bei der Rückschau auch Wünsche und Gedanken für die Zukunft aufblitzten. Der nächste Schritt Ihres persönlichen Neujahrsrituals beschäftigt sich mit dem Ausblick und Ihren Zielen. Nehmen Sie wieder drei unbeschriebene Seiten Papier und schreiben die 3 Kategorien als Überschrift auf. Jetzt geht es darum, zu formulieren, was Sie vom nächsten Jahr erwarten, was sie sich wünschen und was ganz klar, Ihre Ziele sind.

 

Die neue Weltordnung: von Schubladendenken und Toleranz

Kolumne: Die neue Weltordnung - von Schubladendenken und Toleranz

Haben Sie sich heute schon selbst gefunden? Sehen Sie klarer, leben Sie bewusster als früher? Fein. Klappt mit der Zeit immer besser, oder? Aber was ist mit dem Durcheinander um Sie herum?

Ich glaube an das Chaos. Ich glaube, dass Chaos entspannt und befreit, dass auch das Gegenteil stimmt und dass das das Paradoxon ist, das es anzunehmen gilt, wenn wir Revolutionen und nicht nur revolutionär sein wollen.

Vielleicht sind Sie schon mal über die kleine Geschichte vom Globus gestolpert, der auf die mitfühlende Frage „Wo tut’s denn weh?“ antwortet: „Überall. Einfach überall.“ Klimawandel, Hungerkatastrophen, Kriege, Unruhen, Rassismus, Sexismus und, und, und – tatsächlich kann einem ganz schwindlig werden angesichts all der Probleme, die unseren Planeten gerade plagen. Dazu kommen die Turbulenzen, die unsere privaten kleinen Welten erschüttern: Liebeskummer, kotzende Kleinkinder, zig unbeantwortete Mails … Puh. Kann da nicht mal einer Ordnung machen?

In meiner Wohnung stapeln sich Zeitschriften- und Klamottenberge, mein Zeitplan gerät gern mal durcheinander, ich mag es wild, aber die Sehnsucht nach Struktur und Klarheit kann ich nachvollziehen. Ist ja nur begrenzt Platz im Kopf. Also? Sortieren wir! Männer und Frauen. Alte und Junge. Arme und Reiche. Homos und Heteros. Ossis und Wessis. Linke und Rechte. Punks und Spießer. Polizei und Demonstranten. Yogis und Menschen, die die Sache mit der Achtsamkeit noch nicht so richtig verstanden haben.

Die Engstirnigkeit der Freidenker

Tja. Schubladendenken ist kein Alleinstellungsmerkmal reaktionärer Unsympathen, sondern auch in alternativen Szenen anzutreffen. Drei Beispiele:
Erstens: Einst wollte mir auf einer Party ein blauhaariger Nachwuchskünstler das Rot von den Lippen rubbeln: „Musst du dein Gesicht hinter Make-up verstecken?“ Farbe ist eben nicht gleich Farbe. Oder?
Zweitens: Bei einer Podiumsdiskussion bedauerte kürzlich ein Anwalt, der Anfang der 70er langhaarig und im Parka studiert hatte, dass heutzutage an der juristischen Fakultät wieder Anzug, Krawatte und Kostüm getragen werden, dazu Aktenköfferchen und brave Frisuren. Auf meine Frage, ob es nicht möglich sei, dass auch im Anzug ein cooler Typ stecke, blieb er mir die Antwort schuldig.
Drittens: Auf einer Veggie-Messe wollte vor einigen Jahren ein Mann wissen, ob ich Yoga praktiziere, was ich damals noch verneinen musste. Sein Kommentar? Das sähe man mir an, ich wirke nicht wirklich bei mir. Tatsächlich ging es mir an dem Tag subjektiv ziemlich gut.

Puh. Zwar bin ich selbst keine Freundin von Krawatten, ich halte Schminke keinesfalls für ein Muss, und tatsächlich fühle ich mich nach einer Yogastunde herrlich entspannt. Aber: Könnten wir vielleicht akzeptieren, dass der Weg, den wir für uns gefunden haben, nicht für jeden und jede der beste sein muss? Ist es vielleicht sogar ganz sinnvoll, auch mal woanders zu sein als „bei sich“? Möglicherweise beim Gegenüber? Ja, im Idealfall schließt sich das nicht aus, aber wer von uns ist schon ideal? Natürlich brauchen wir Selbstliebe, aber sie dient als Fundament, auf dem dann auch die Liebe wachsen kann, die es zu teilen gilt. Achtsamkeit ist eine feine Sache. Aber sie wird zur Einbahnstraße, wenn wir vor lauter Bewusstwerden unserer inneren Zustände die Welt um uns herum vergessen.

Gut sortierte Offenheit

Zudem lösen wir keine Probleme, indem wir sie einfach auf den Kopf stellen, zumindest nicht dauerhaft. Dann bleiben wir nämlich weiter im binären Denken gefangen und werden der Komplexität der Welt nicht gerecht. Toleranz bedeutet nicht, in der U-Bahn die Dragqueen anzulächeln und beim telefonierenden Anzugtypen „Bäh, was bist du für einer?“ zu denken. Niemand bekämpft Magerwahn, wenn er dünnen Ladys abspricht, „echte Frauen“ zu sein, und niemand ist besonders weltoffen, wenn er auf Reisen sein Deutschsein verleugnet, weil er sich für das Verhalten einiger Landsleute schämt.

Andererseits überfordern wir uns natürlich, wenn wir uns immerfort in jeden Menschen einfühlen und jeden partout auf Teufel komm raus mögen wollen. Das kann nicht funktionieren und darum haben grobe Sortierungen, die auf persönlichen Erfahrungswerten basieren, durchaus Sinn. Das Geheimnis ist meines Erachtens, niemals fertig zu werden mit dem Sortieren. Oder aber – und das ist mein kleiner Vorschlag zur Rettung der Welt: Ordnen Sie sie in Schubladen, aber lassen Sie diese halt einfach offen!


CARMEN SCHNITZER hat innerhalb des Schreibens dieses Textes öfter mal den Faden verloren, fand das aber angesichts der Thematik nur halb so schlimm wie sonst. Denn nicht immer geht es schnurgerade zum Ziel.

Sprossen: Vitamine von der Fensterbank

Frische Sprossen aus verschiedenen Hülsenfrüchten bereichern viele vegetarische Gerichte – und das nicht nur durch knackige Frische und pfeffrige Aromen, sondern auch mit Vitaminen, Eiweiß, Ballast- und Nährstoffen.

Neueren Studien zufolge sollen die Ballaststoffe aus Bohnensprossen den LDL-Cholesterinspiegel senken helfen und so das Risiko von Herzerkrankungen reduzieren. Genau wie Nüsse, Saaten und Getreide enthalten Hülsenfrüchte allerdings auch Phytinsäure. Sie bindet Mineralien, die der Keimling zum Wachstum braucht. Nachteil für den Menschen: Dieser Stoff erschwert die Verdauung und kann die Aufnahme von Mineralien einschränken. Erst beim Keimen werden Enzyme gebildet, die Phytinsäure abgebaut und die Verdauung gefördert. Zugleich erhöht sich dabei der Gehalt an wertvollen Antioxidantien wie Phenolen und Flavonoiden.

Sprossen ziehen in 4 Schritten

1 . Kaufen Sie getrocknete Hülsenfrüchte im Bioladen. Geeignet sind etwa Linsen, Adzuki-Bohnen, Mungbohnen und Kichererbsen. Aber auch verschiedene Getreidesorten und Saaten kann man nach dieser Methode keimen lassen. Verlesen Sie Ihr Keimgut sorgfältig (Sie kennen das von Aschenputtel) und spülen Sie es gründlich unter fließendem Wasser.

2.  Geben Sie die Hülsenfrüchte in ein Keimglas mit aufschraubbarem Sieb, füllen Sie das Glas mit kaltem Wasser auf und weichen Sie sie über Nacht ein. Die verwendete Menge variiert je nach Keimgut und Größe des Glases.

3.  Gießen Sie das Einweichwasser ab, spülen Sie das Keimgut im Glas zweimal mit frischem Wasser und stellen Sie den Behälter auf die Seite an einen sonnigen Platz. Spülen und Abgießen wiederholen Sie mindestens dreimal täglich, bis die Sprossen gut 1 Zentimeter lang sind. Je nach Sorte dauert drei bis fünf Tage.

4.  Spülen Sie die Sprossen nochmals gründlich. Dann lassen Sie sie abtropfen und breiten sie auf Küchenpapier aus, um möglichst viel Feuchtigkeit aufzunehmen. In einem trockenen, luftdicht verschlossenen Behälter kann man sie im Kühlschrank etwa sieben Tage aufbewahren.


Foto: unsplash.com

Sibylle Schöppel

Tipps für Yoga mit Kindern und Jugendlichen

In diesem Workshop vermittelt dir die Kinderyoga-Expertin Sibylle Schöppel, wie du Yoga für Kinder und Teens freudvoll erlebbar machst! Sprüche, Reime, Spiele, Musikeinsatz und eigens entwickeltes Lern- und Spielmaterial für Kita und Schule ermöglichen dir einen leichten Einstieg in deine eigene Yoga-Praxis mit Kindern. Außerdem bekommst viele yogische Tipps aus Sibylles über 15-jähriger Erfahrung.

Web: www.kinderyogaexpertin.at
Facebook: https://www.facebook.com/SchoeppelSibylle/

 


Sibylle Schöppel auf der YOGA WORLD 2018 in München:
Freitag, 19. Januar // 15:30 – 16:15 Uhr // Familien Yoga // Ganesha Yogaspace



 

Lust auf Linsen – Wie passt Dal und Yoga zusammen?

Was den Italienern ihre Pasta, ist den Indern ihr Dal. Hier erfahren Sie, warum der wärmende, sättigende Eintopf in seinen vielen Varianten auch unter Yogis so beliebt ist.

Ich erinnere mich noch gut an den besonderen Geruch des Ashrams, in dem ich Anfang zwanzig lebte. Bald fand ich heraus, dass er sich zu gleichen Teilen aus Räucherstäbchen, der göttlichen Präsenz und Dal zusammensetzte – dem würzigen, suppenartigen Eintopf aus Hülsenfrüchten, der weit über die Grenzen Indiens hinaus beliebt ist. Der dem Ashram-Leben geschuldete Verzicht auf Knoblauch und Zwiebeln (sie stehen bei strengen Yogis im Verdacht, Agni, das „innere Feuer“ auf ungewünschte Art anzuregen) tat dem Geschmack keinerlei Abbruch: Nichts konnte mich am Ende eines langen Nachmittags voller Asanas und Karma-Dienst glücklicher machen, als meinen Löffel in den duftenden, würzigen Brei zu tauchen – eine cremige Symphonie aus weich gekochten Split-Linsen, Kurkuma, Kreuzkümmel, Koriander und Ingwer, serviert auf einem Bett aus dampfendem Basmatireis. Und genau so, wie ich mich nach meiner ersten Yogastunde genährt, zufrieden und ein bisschen angefixt gefühlt hatte, empfand ich auch den Genuss des Dal: Es war das befriedigende Gefühl, mir etwas richtig Gutes zu tun.

Heute weiß ich, dass die heilende und nährende Wirkung von Dal nicht nur dem Zauber des Ashrams (und meinem Mangel an Zucker und Sex) zu verdanken war: Dal ist seit jeher ein klassisches Yogi-Gericht, denn es gehört zu den so genannten sattvischen Nahrungsmitteln. Genau wie Ghee (geklärte Butter), Kräutertee, Honig oder frisches Gemüse gilt auch Dal als „rein“ und soll Sattva, also Harmonie, Frieden und Gleichgewicht, fördern. Den Hintergrund erklärt Kantha Shelke, Ernährungswissenschaftlerin und Yogini aus Chicago: „Die Yogaphilosophie meidet das Übermaß und spricht sich für Mitahara, eine maßvolle Ernährungsweise, aus.“ Das günstige, nährstoffreiche Dal passt wunderbar in dieses Konzept. Shelke schwärmt: „Die geballten Nährstoffe des Dal und die aromatischen Gewürze nähren sowohl den Körper als auch die Sinne.“ In anderen Worten: das perfekte Gericht für Menschen, die Körper und Leben ins Gleichgewicht bringen möchten – also das perfekte Gericht für Yogis.

Ein Hoch auf Hülsenfrüchte

Ähnlich wie Yoga ist Dal in Indien allgegenwärtig. Kein Wunder: Der Hauptbestandteil (verschiedene Arten von Hülsenfrüchten, meistens Linsen) ist günstig, vegetarisch und dennoch proteinreich und dabei ganz einfach zuzubereiten. Ein Grundnahrungsmittel für Arm und Reich, Alt und Jung. Die erste feste Nahrung indischer Babys besteht in der Regel aus einem wässrigen Mungbohnen-Dal ohne Gewürze. Laut Ayurveda, der alten indischen Heilkunst und Schwesterwissenschaft des Yoga, eignet sich Dal für alle drei Doshas (Konstitutionstypen) und wird sogar als Medizin eingesetzt: Man behandelt Bauchschmerzen oder grippale Infekte zumindest teilweise mit Dal.

Yogis nutzen Kitchari, ein würziges Dal aus Linsen, Reis und Ghee, während spezieller Fastenkuren oder um das Fasten zu brechen. Jede Region und jede Familie kennt unzählige verschiedene Dal-Gerichte. Auch wenn dabei immer dieselben vier bis fünf Sorten von Hülsenfrüchten zum Einsatz kommen, sorgt das variantenreiche Tarka, die scharfe Mischung aus Gewürzen und Öl, für Abwechslung. In Südindien findet man zum Beispiel Sambar, ein Dal aus gelben Linsen (Toor Dal, eigentlich geschälte, gespaltete Straucherbsen) oder Kichererbsen (Chana Dal) mit Gemüse. Ein südindisches Tarka enthält in der Regel Senfsamen und Curryblätter. Weiter im Norden, etwa im Punjab, besteht das typische Tarka aus Kreuzkümmel, Zwiebeln, Ingwer, Knoblauch und etwas Garam Masala – eine wärmende Mischung für kühleres Klima. An der tropischen Küste im kokosnussreichen Kerala wird Dal auch mal mit Kokosmilch zubereitet.

Dal selber kochen

An der Wahl der Hülsenfrüchte kann man nicht nur die regionale Herkunft festmachen, sie bestimmt auch Zubereitung und Nährstoffgehalt: Je naturbelassener die Hülsenfrucht, desto länger die Kochzeit und höher der Nährwert. Und auch wenn Dal im Sanskrit „teilen“ oder „aufspalten“ bedeutet, werden manche Hülsenfrüchte doch im Ganzen gekocht. Die lachsfarbenen roten Split- Linsen (Masoor Dal) zum Beispiel zerfallen nach etwa 12 Minuten zu Brei. Es gibt sie aber auch im Ganzen und ungeschält. Dann sind sie braun und brauchen mehr als 45 Minuten, um gar zu werden.

Im Westen lernt man, Linsen bissfest zu kochen, in Indien bevorzugt man dagegen eine breiartige Konsistenz – also weg mit der Vorstellung vom Linsensalat und eher orientieren an Haferbrei. Um einen simplen Linsenbrei in ein unvergessliches Geschmackserlebnis zu verwandeln, sollten Sie sich beim Kochen vor allem auf das Tarka konzentrieren. Doch Vorsicht: Zu lang angebraten, verwandelt sich die köstlichste Gewürzmischung in bittere, verkohlte Reste; zu kurz angebraten können sich die Aromen nicht ausreichend entfalten. Damit das Tarka optimal gelingt, gilt folgende Faustregel: Die Tarka-Zubereitung dauert insgesamt maximal 2 bis 3 Minuten. Sobald das Öl oder Ghee heiß ist, geben Sie die ungemahlenen Gewürze wie Koriander- und Kreuzkümmelsamen in der angegebenen Reihenfolge hinein und warten, bis sie anfangen zu knistern. Nach 30 bis 40 Sekunden bei mittlerer oder starker Hitze, wenn die Gewürze rötlich-braun werden und duften, fügen Sie Zwiebeln, Ingwer und/oder Knoblauch hinzu. Ganz zum Schluss kommen die Gewürze in Pulverform in die Pfanne, die schnell anbrennen.

Anupy Singlas Familie, bei der es jeden Abend irgendeine Form von Dal gibt, beschwert sich manchmal: „Schon wieder Linsen?!“ Aber das variantenreiche Aufeinandertreffen von Linsen und Tarka hat geschmacklich etwas so Magisches, dass die Familie immer wieder einlenkt, sobald das Essen beginnt. „Das faszinierende Zusammenspiel der Aromen macht einfach süchtig.“ Mit diesen vier einfachen Rezepten von Anupy Singla dampfen schon bald auch in Ihrer Küche Schalen mit köstlichem Dal.

Massage oder Kollision – Richtiges Üben

Was macht das Üben gesund? Und was ist schädlich? In diesem Artikel vertieft unser Anatomie-Experte Ronald Steiner die Thematik von Zug und Druck in der Bewegung.

Sich zu bewegen ist gesund – das weiß heute jeder. Muskeln und Bindegewebe brauchen das Wechselspiel aus Spannung und Druck, um elastisch und gesund zu bleiben. Begibt man sich beispielsweise in eine Vorwärtsbeuge, so entsteht auf der Rückseite des Körpers Zug. An der Vorderseite wird das Gewebe hingegen zusammengedrückt (Abbildung 1). Bei diesem Wechselspiel wirkt der Druck wie eine sanfte Massage und hilft, Muskeln und die umhüllenden Faszien gesund zu erhalten. Ganz ähnlich gilt dieses Prinzip für fast alle Bewegungsmuster im Yoga.

Abb1

Warum Yogahaltungen gesund sind

Am besten erschließt sich das Zusammenspiel von Zug und Druck beim achtsamen eigenen Üben. Am Beispiel einer Vorwärtsbeuge können Sie sehr gut beobachten, ob Bereiche Ihres Körpers einen sanften Druck erfahren und welche Bereiche das sind. Vielleicht drücken die Rippen oder der Bauch auf die Oberschenkel? In beiden Fällen können Sie ruhig atmen und die wohltuende Massage genießen. Dabei wird Flüssigkeit aus dem Gewebe heraustransportiert und neue Nährstoffe können anschließend einströmen. Zusätzlich fördert die Massage die Durchblutung der Muskulatur und verbessert die Regeneration. Wenn Sie möchten, gehen Sie nach und nach tiefer in die Position hinein.
Manchmal können Sie sich durch eine kleine Veränderung der Haltung auch mehr Bewegungsspielraum schaffen. Wenn beispielsweise der Druck zwischen Bauch und Oberschenkel unangenehm intensiv ist, dann können Sie die Beine ein wenig auseinanderrücken. In jedem Fall hilft es in der Vorwärtsbeuge, die Muskeln an der Rückseite des Körpers etwas zu aktivieren. Über einen Reflex, die so genannte Reziproke Hemmung, entspannt dann die Muskulatur an der Vorderseite ihres Körpers. Sie wird weicher und kann dem Druck leichter nachgeben. Dadurch wird die Massage intensiviert (Abbildung 2):

ABB2

 

Das Hüftgelenk in der Vorbeuge ist dabei nur ein Beispiel. Das Prinzip der Gewebsmassage durch Druck funktioniert bei vielen Übungen und in ganz verschiedenen Körperbereichen. Bei den verschiedenen Varianten des Drehsitzes beispielsweise drückt der Oberschenkel oder ein Fuß gegen den Bauch. Auch hier kann die Vorstellung helfen, sich aus der Position „herauszudrücken.“ Dazu aktivieren Sie Beinrückseiten und Rücken und entspannen im Gegenzug Bauch und Oberschenkelvorderseiten. So kann die massierte Muskulatur lockerlassen und mehr Raum ermöglichen.ABB2

Kollisionen vermeiden und Gelenke gesund erhalten

Beim genauen Hinspüren in den verschiedenen Yogahaltungen nehmen Sie aber nicht immer nur massierenden Druck oder dehnenden Zug wahr. Ganz wichtig ist es, diese wohltuenden Empfindungen davon zu unterscheiden, wenn es irgendwo im Körper beginnt zu „klemmen“ und Knochen auf Knochen trifft. Am Beispiel der Vorwärtsbeuge und der Hüftgelenke würde das typischerweise an der Innenseite des Hüftgelenks passieren. Hier kann der Oberschenkelhals hart mit dem Pfannenrand in Kollision kommen. Wir Ärzte nennen diesen Zustand ein „inneres Impingement“. Hier sollten Sie unbedingt die Bewegung zurücknehmen. Der Pfannenrand wird von einer filigranen Gelenklippe umhüllt. Beim wiederholten Einklemmen kann sich diese entzünden, spröde werden und schließlich einreißen. Die Folge sind nicht nur Schmerzen am Hüftgelenk, sondern auch eine ernstzunehmende Schädigung des Gelenks. Man wird dabei auch nicht beweglicher, ganz im Gegenteil: Durch die Entzündung und Gelenkschädigung verdickt sich der Pfannenrand. Die Beweglichkeit wird immer weiter eingeschränkt und die Kollision tritt schon früher in der Bewegung auf. Ein Teufelskreis also.
Am besten Sie lassen es gar nicht so weit kommen. Sobald es irgendwo im Körper „klemmt“ und Knochen auf Knochen trifft, sollten Sie drei wichtige Punkte beachten:

1. Lösen Sie sich ein wenig aus der Position heraus.

2. Bewegen Sie sich so, dass Sie das Hindernis der Kollision gewissermaßen umgehen.

3. Zentrieren Sie den Gelenkkopf im Gelenk. In der Vorwärtsbeuge und bezogen auf das Hüftgelenk können Sie das erreichen, indem Sie den Oberschenkelkopf bewusst nach hinten ziehen. Ein Gefühl, als wollten Sie Ihr Bein verkürzen (Abbildung 3).

Abb3

 

Auch hier ist das Hüftgelenk nur ein Beispiel. Ein inneres Impingement, also eine schädigende Kollision am Gelenk-rand, ist bei nahezu jedem Gelenk möglich. Daher gilt ganz allgemein: Eine Aktivierung der tiefsten Muskulatur an der Außenseite der Bewegung holt das Gelenk aus der Kollision heraus und zentriert den Gelenkkopf besser in seiner Gelenkpfanne.
Wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit einmal dafür geschärft haben, wird dieses Prinzip der Ausrichtung in den verschiedensten Yogahaltungen mit der Zeit ganz selbstverständlich werden. Kollisionen von Knochen, bzw. ein inneres Impingement, werden kaum auftreten und Sie können mit vollem Bewusstsein in der Yogapraxis eine wohltuende Massage des ganzen Körpers genießen.

Viel Freude beim Üben!


Dr. Ronald Steiner ist Arzt für Sportmedizin und zählt zu den bekanntesten Praktikern des Ashtanga Yoga. Sein Unterricht baut eine Brücke zwischen angewandter Anatomie und lebendiger Philosophie, präziser Technik und praktischer Erfahrung. Mit viel Präzision und Praxisnähe unterrichtet er bei Aus- und Weiterbildungen Anatomie, Alignment und Yogatherapie.

Johanna Schuhbauer

Triyoga® nach Kali Ray

Atmung , Bewegung und Mudras verbinden sich auf harmonische Weise zu einem Tanz aus Leichtigkeit, Kraft und Flexibilität. Durch die langsamen , mit der Atmung ausgeführten Flows entsteht immer mehr ein Zustand von „Meditation in der Bewegung“ durch die der Übende Ruhe und Energie im harmonischen Ausgleich erleben kann. Ist der Körper durch die Flows genügend aufgewärmt und in der Ausrichtung vorbereitet werden die Asanas gehalten.
Während einer Triyoga Einheit wird besonderer Wert auf die meditative und ruhige Atmosphäre im Raum gelegt, die jedoch individuell viel Freiraum lässt. Die Flows können öfters wiederholt werden , die Asanas individuell angepasst oder einfach nur in einer Ruheposition ausgeruht werden. Auf diese Weise können Übende mit ganz unterschiedlicher Vorerfahrung zusammen im Flow bleiben .

Johanna Schuhbauer auf der Yoga World 2020 in München:

Samstag, 18. Januar // 17:15 – 18:00 Uhr // Triyoga® Flow // Ganesha Yogaspace


Der Wunsch nach Freiheit

Origami Kranich Papier Freiheit
Foto von fotografierende von Pexels

Wunschlosigkeit ist laut Patanjali eine der Voraussetzungen für Erfolg im Yoga. Warum scheinen unsere Wünsche und Bedürfnisse dann manchmal eher größer zu werden, nachdem wir mit der Praxis begonnen haben?

Wann haben Sie das letzte Mal innerlich die Fäuste zum Himmel gereckt und genervt gerufen: „Oh nein, nicht schon wieder!“ oder „Irgendwann muss doch mal Schluss sein…“? Noch gar nicht so lange her? Das ist ein gutes Zeichen; möglicherweise sind Sie schon auf dem richtigen Weg! Manchmal wundern sich Yogis, dass sich – auch wenn die Lebensqualität durch Yoga allgemein zunimmt – bestimmte Dinge nicht ändern, oder sogar schlimmer zu werden scheinen. „Ich habe früher nie so viel Schokolade gegessen“ ist nur ein kleines harmloses Beispiel dafür. Es gibt Yogalehrer, die ganz andere Substanzen zu sich nehmen und auch ich habe meine persönlichen Muster, um mich vor meinen Gefühlen zurückzuziehen. Die gute Nachricht ist: Langfristig wird uns die Flucht nicht gelingen. Wenn wir tief in uns wirklich den Wunsch nach Befreiung haben, wird das Leben auch dafür sorgen, dass wir ausreichend Gelegenheit bekommen, diese zu erfahren. Auch wenn das heißt, dass wir dazu liebgewordene Dinge loslassen müssen.

Obwohl Krishna in den alten Geschichten aus Indien meist für die reine und ungezügelte Lebensfreude steht, gibt es eine Begebenheit, bei der sich sein Segen auf sehr eigenartige Weise zeigte: Am Ende eines ausgedehnten Spaziergangs mit Arjuna kamen sie eines Abends etwas hungrig in einem kleinen Dorf an. Im Haus eines reichen Händlers wurde gerade ein großes Fest gefeiert und so fragte Krishna nach etwas zu essen für sich und seinen Freund. „Verschwindet, arbeitsscheues Gesindel!“, war die einzige Antwort. „Ist nicht vielleicht ein kleiner Bissen übrig?“, fragte Krishna nochmals; aber schon flogen die ersten Steine. Sie erkannten, dass es besser war, schnell zu verschwinden. Sie liefen ein kurzes Stück und Krishna rief: „Möge sich der Reichtum dieses Mannes verzehnfachen! Möge er statt zehntausend hunderttausend Goldstücke sein Eigen nennen!“ Arjuna wunderte sich. Sie gingen einige Meter weiter und kamen zum Haus eines armen Mannes. Die Tür öffnete sich und die beiden wurden herzlich hereingebeten. Als Arjuna sich umsah, erkannte er, dass der Mann nur eine einzige Kuh besaß, deren Milch er nutzte, um Käse zu machen. „Könnten wir vielleicht etwas zu essen bekommen?“, fragte Krishna höflich. Der Mann gab ihnen alles, was er an Käse hatte. „Wunderbar!“, freute sich der schwarze Gott. Arjuna war es sehr peinlich, dass sein Freund wirklich alles aufaß, was der arme Mann besaß. „Ist denn auch noch etwas zu trinken da, guter Freund?“, fragte Krishna nun. Arjuna sah, dass der Mann zur Vorratskammer ging, wo er die Milch aufbewahrte, die er am nächsten Tag verarbeiten wollte. Er zögerte kurz, gab Krishna dann aber alles, was er hatte. Arjuna wäre vor Scham am liebsten im Boden versunken, weil sein Freund die ganzen Vorräte des armen Mannes verzehrte und sich dann nur mit einem kurzen „Leben Sie wohl, guter Herr!“ verabschiedete. Nach nur wenigen Schritten rief Krishna plötzlich laut aus: „Möge die Kuh dieses Mannes heute Nacht sterben.“ Jetzt reichte es Arjuna. „Du bist mein Freund gewesen! Ich verstehe nicht, wie du so herzlos sein kannst.“

Wann ist bei Ihnen das letzte Mal etwas zu Bruch gegangen, an dem Sie sehr gehangen haben? Waren Sie in der Lage, das als Segen zu sehen? Rings um uns herum sehen wir Menschen, die „Bestellungen beim Universum“ aufgeben und prompt bekommen, was sie wollen – wie der reiche Händler in der Geschichte, der eigentlich gar nichts Ehrbares getan hat. Warum funktioniert das bei anderen und nicht bei uns? Nun, wie schon gesagt: Vielleicht sind Sie näher „dran“, als Sie denken. Je mehr wir uns der Praxis des Yoga widmen, desto größer wird in der Regel der Wunsch nach Freiheit. Und bei der Verwirklichung dieser Wünsche hilft uns unser (inneres) Universum. Krishna erklärte seinem Freund: „Der reiche Mann wünschte sich so sehr Gold und Geld. Solange das sein größter Wunsch ist, schenke ich es ihm, bis er endlich von selbst merkt, dass er es eigentlich gar nicht braucht. Der arme Kerl mit der Kuh wünschte sich nichts sehnlicher, als zu mir zu kommen. Aber er hatte noch Angst, seinen letzten Besitz zu verlieren. Also tat ich ihm den Gefallen, ihn darum zu erleichtern.“ Was wie ein Fluch aussah, war tatsächlich ein Segen. Aber bevor Sie jetzt all Ihr Hab und Gut weggeben und ins Kloster gehen: „Loslassen“ heißt nicht „abschneiden“. Die wenigsten Menschen kommen in den Himmel, nur weil sie ihren Besitz verschenken oder sagen: „Ich hab es so oft mit einer Beziehung versucht, das ist einfach nichts mehr für mich.“ Ich halte es für ein sehr verkürztes Verständnis von „Gott“, wenn man denkt, man würde in irgendeiner Weise durch Verzicht erlöst. Vielmehr scheint es mir so zu sein, dass wir uns wirklich damit auseinandersetzen müssen, was in unserer Seele vorgeht, wenn wir bemerken, dass uns etwas „fehlt“. Weder ist „Entsagung“ durch das Abschneiden der Wünsche eine Lösung, noch ihnen immer wieder aufs Neue nachzugeben. In diese Falle tappen gerade Yogis leicht. „Ich muss jetzt auch mal etwas für mich tun“, oder „Ich muss gut für mich selbst sorgen“. Und schwupp! ist die nächste Tafel Schokolade aufgerissen oder ein anderes altes, wohlbekanntes Muster reaktiviert …

Was uns wirklich Frieden bringt, ist: tiefer zu schauen, woher diese Wünsche eigentlich kommen. Dadurch dringen wir zu den Anteilen von uns selbst vor, die uns manchmal schon früh verloren gegangen sind und die tatsächlich große Wünsche nach Zuwendung haben. Diesen Teilen unserer Seele zuliebe können wir mit destruktiven Verhaltensmustern aufhören. „Loslassen“ allein ist kein Ticket zur Erleuchtung. Wenn wir aber die Gründe erkennen, warum wir bestimmte Situationen immer wieder erleben, uns den dahinter verborgenen Gefühlen stellen und diese aushalten, wird es leichter, den Erlebnissen mit einem neuen, reifen Verhalten zu begegnen. Dann können wir wirklich „loslassen“. Dann sind wir im Himmel.