Basics: Von den Wurzeln in die Weite

In dieser kompakten, kraftvollen Drehhaltung geht es um mehr als eine bewegliche Wirbelsäule und einen stabilen Oberkörper: Erst die Erdung nach unten und die Entfaltung nach oben ermöglichen ein tieferes Verständnis für die Drehung um die eigene Achse.

Von Nikki Costello

Marichyasana III //  Marichi = Name eines altindischen Weisen; Asana = Haltung

Drehhaltungen spielen eine wichtige Rolle in der Yogapraxis: Sie halten die Wirbelsäule beweglich, sie lockern und dehnen die Rückenmuskulatur insbesondere nach Vorwärts- und Rückbeugen und sie massieren die inneren Organe und unterstützen so eine gesunde Verdauung.

DetoxUm diese Vorzüge überhaupt nutzen zu können, braucht man die richtige Technik. Wie bei allen Drehhaltungen wendet man auch in Marichyasana III nicht einfach bloß den Oberkörper zur Seite. Statt dessen streckt man die Wirbelsäule in die Länge, während man sie um ihre eigene Achse windet. Dazu verwurzeln Sie die untere Körperhälfte im Boden und lassen die obere Hälfte in die entgegengesetzte Richtung wachsen. Erst dann – und nur dann – leiten Sie die Drehung ein. Das hat den Effekt, dass die Bauchmuskeln aktiviert und die Organe in der Körpermitte zusammengedrückt werden. Löst man diese intensive Kompression dann wieder auf, spürt man deutlich die Ausdehnung und vielleicht sogar einen regelrechten Energieschub.

Marichyasana III ist anspruchsvoller als andere Drehsitze, denn man dreht gegen das Hindernis des aufgestellten Beines. Dafür müssen Schultergürtel, Hüftgelenke und Beinrückseiten relativ geschmeidig sein. Recht schnell wird einem da klar, an welchen Stellen der Körper Widerstand leistet – und man kann genau dort sanft an der Dehnung und Mobilisierung arbeiten. Dazu dienen insbesondere die beiden Vorübungen. Bevor Sie mit dem Üben beginnen, sollten Sie sich klar machen, um was es bei einer Drehung geht. Stellen Sie sich vor, Sie wollten einen fest sitzenden Schraubverschluss an einem Marmeladenglas öffnen. Dazu müssen Sie das untere Ende des Glases mit einer Hand festhalten und einen gewissen Widerstand erzeugen, gegen den Sie mit der anderen Hand den Deckel drehen können. Ohne diese stabilisierende Bewegung der einen Hand würden Sie das Glas mit der anderen nur im Kreis drehen.

Angewandt auf Marichyasana III hieße das: Becken und Beine bilden die Basis, quasi den Boden des Marmeladenglases, den Sie kraftvoll nach unten verwurzeln. Von dort ausgehend richten Sie die Wirbelsäule auf und drehen den Deckel, sprich Rumpf und Schultergürtel. Dabei halten Sie Sitzknochen und Hüften stabil in ihrer geraden Ausrichtung und strecken die gesamte Wirbelsäule nach oben. So haben Ihre Wirbel mehr Platz für die Drehung und Ihr Zwerchfell kann trotz der Kompression im Bauch eine tiefe Atmung ermöglichen.

In den beiden Vorübungen helfen Ihnen die stützende Wand und verschiedene Hilfsmittel, sich diese Prinzipien einzuprägen und die nötige Mobilität aufzubauen. In der Variation im Stehen fällt es leichter, die Länge in der Wirbelsäule wahrzunehmen: Selbst bei weniger gedehnten Beinrückseiten oder einer nicht so mobilen Lendenwirbelsäule hat der Oberkörper hier genügend Raum für die Drehung. In der sitzenden Vorübung lernen Sie, die Brust zu weiten und die Drehung schrittweise von unten nach oben aufzubauen. Dabei hilft Ihnen die an die Wand gelegte Hand.

Achten Sie in allen drei Übungen darauf, die Bewegungen mit dem Atem zu koordinieren. Einatmend unterstreichen Sie die Aufrichtung der Wirbelsäule, ausatmend lösen Sie sich in die Drehung hinein. Je tiefer und langsamer Sie atmen, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie auch langsam und wirklich mit dem Körper und der ihm eigenen Intelligenz üben – anstatt mit der Willenskraft, die schnell an ein vorgestelltes Ziel gelangen will. Lassen Sie sich lieber leiten von den feinen Wahrnehmungen des Körpers und üben Sie mit geduldiger Hingabe an das, was jetzt für Sie richtig ist.

  1. Drehung im Stehen an der Wand

Beide Beine sind aktiv. Das hilft Ihnen, Länge in die Wirbelsäule zu bringen

Marichyasana1

Aufbau

  • Stellen Sie einen Stuhl seitlich vor die Wand und sich selbst mit dem Gesicht zum Stuhl davor.
  • Beugen Sie das an der Wand stehende Bein, setzen Sie den Fuß auf die Sitzfläche des Stuhls und richten Sie das Knie über dem Fußgelenk aus.
  • Legen Sie die der Wand abgewandte Hand an die Außenseite des gebeugten Knies und die andere Hand auf Schulterhöhe an die Wand.

Verfeinerung

Aktivieren Sie das Standbein: Fußballen und Ferse sind fest gegen die Matte gedrückt, Fußgewölbe und Kniescheibe werden angehoben und der Oberschenkel zieht sich vom Knie aus nach oben Richtung Becken. Drücken Sie die am Knie liegende Hand gegen das Bein und halten Sie mit dem Bein dagegen. Dieser Druck hilft Ihnen, das Becken in seiner geraden Ausrichtung nach vorn zu stabilisieren und die Drehung vom unteren Ende der Wirbelsäule her einzuleiten. Dazu stützen Sie sich aktiv mit beiden Händen ab, strecken die Wirbelsäule lang und drehen mit einer Ausatmung Bauch, Brust und Schultern langsam und fein dosiert zur Wand hin.

Abschluss

Mit jeder Einatmung betonen Sie die Länge in der Wirbelsäule, mit jeder Ausatmung verfeinern und vertiefen Sie die Drehung. Vermeiden Sie es, sich aus der Kraft der Arme zu schnell und zu intensiv in die Drehung hineinzuhebeln. Stattdessen arbeiten Sie langsam und bewusst und achten darauf, Beine und Becken stabil zu halten.

2. Marichyasana III an der Wand

Die Wand unterstützt Sie beim Weiten der Brust

Marichyasana2

Aufbau

  • Setzen Sie sich auf eine oder mehrere gefaltete Decken mit einer knappen Armlänge Abstand vor eine Wand. Der Rücken zeigt zur Wand, die Beine sind gerade nach vorn ausgestreckt, das Becken ist aufgerichtet. Wenn Sie zur leichteren Aufrichtung des Beckens so hoch sitzen, dass die Knie in der Luft hängen, stützen Sie die linke Kniekehle etwas ab (zum Beispiel mit einem Paar aufgerollter Socken).
  • Beugen Sie das rechte Bein und stellen Sie den Fuß nahe der Sitzfläche, aber jenseits des Rands der gefalteten Decke auf.
  • Umfassen Sie das rechte Knie mit der linken Hand und richten Sie die Wirbelsäule auf. Mit einer Ausatmung legen Sie die rechte Hand auf Schulterhöhe an die Wand hinter sich. Dabei ist der Arm leicht gebeugt und Sie beginnen mit einer Position etwas vor dem Körper, die noch keine vollständige Drehung erzwingt.

Verfeinerung

Schieben Sie rechtes Knie und linke Hand gegeneinander und heben Sie die Brust. Gleichzeitig verwurzeln Sie beide Sitzknochen und das linke Bein aktiv am Boden und achten darauf, die gerade Ausrichtung des Beckens beizubehalten. Der rechte Fuß ist gebeugt, die Kniescheibe zeigt gerade nach oben. Nun beginnen Sie langsam, die linke Flanke nach vorn zum angestellten Bein hin zu bewegen. Auch hier nutzen Sie die an der Wand liegende rechte Hand als Stütze, aber nicht als Hebel. Auf beiden Sitzknochen lastet gleich viel Gewicht.

Abschluss

Mit jeder Einatmung richten Sie die Wirbelsäule auf. Mit jeder Ausatmung beobachten und vertiefen Sie die Drehung von der Basis der Wirbelsäule aus nach oben hin. Dabei bleiben Becken und Beine gut nach unten verwurzelt und ausgerichtet. Die Brust weitet sich, die Schlüsselbeine breiten sich zu den Seiten aus und die Rückenmuskeln arbeiten aktiv, während Sie die Drehung mehr und mehr verfeinern. Nacken und Gesicht bleiben mittig über der Brust. Nach 1 bis 3 Minuten lösen Sie die Drehung ebenso langsam und behutsam wieder auf und nehmen einen tiefen Atemzug im Sitzen mit gestreckten Beinen, bevor Sie die Drehung nach links üben.

Elemente der Praxis
3. Marichyasana III

Bauch und angestelltes Bein werden nach und nach dichter zueinander bewegt

Marichyasana3

Aufbau 

  • Setzen Sie sich in Dandasana (Stabhaltung) mit ausgestreckten Beinen und aufgerichtetem Becken. Wenn das Becken dazu neigt, nach hinten zu kippen, setzen Sie sich erhöht auf eine Decke (siehe Schritt 2).
  • Beugen Sie das rechte Bein, stellen Sie den rechten Fuß dicht an den rechten Sitzknochen und verwurzeln Sie Becken und Beine fest am Boden.
  • Richten Sie den Oberkörper auf und legen Sie den linken Ellenbogen behutsam an die Außenseite des rechten Knies. Wenn diese Armhaltung wie ein Hebel wirkt, der Sie in eine zu intensive Drehung zieht, legen Sie den Arm stattdessen um das Knie herum. In beiden Fällen schieben Sie linken Arm und rechtes Bein stabilisierend gegeneinander.
  • Setzen Sie die rechte Hand hinter dem Becken auf dem Boden oder auf einem Block auf.

Verfeinerung

Bei entsprechender Beweglichkeit arbeiten Sie nun daran, die Innenseite des rechten Oberschenkels und den Bauch nach und nach dichter zu-einander hin zu bewegen. Dabei wandert der linke Arm am Knie entlang nach vorn, bis die Außenseite des Knies an der Achsel liegt. Gleichzeitig bewegen Sie die linke Hälfte des Rückens nach innen und drehen den Bauch von links nach rechts. Einatmend schieben Sie die stützende hintere Hand deutlich gegen die Matte und heben den Rumpf. Die Sitzfläche bleibt tief geerdet, das Becken gerade ausgerichtet. Die Schultern sind nach hinten und unten gerollt, der Nacken ist möglichst weich. Bei Spannungen drehen Sie den Kopf behutsam nach rechts und links, um eine möglichst gelöste Haltung zu finden.

Abschluss

Wenn die Drehung sehr kompakt geworden ist, können Sie die Aus-atmung durch ein aktives Zusammenziehen der Bauchmuskeln akzentuieren. Mit jeder Einatmung ziehen Sie die Oberkörpervorderseite vom Schambein bis zum Brustbein in die Länge, ausatmend schmiegen Sie sich behutsam tiefer in die Drehung hinein. Dabei dreht zuerst der Bauch und erst dann allmählich die Brust und der Schultergürtel. Erst ganz zum Schluss wenden Sie vielleicht auch den Kopf behutsam nach rechts. Bleiben Sie fünf bis acht tiefe, gleichmäßige Atemzüge lang in der Haltung. Dann lösen Sie sie langsam und achtsam wieder auf und wechseln die Seiten.


Nikki Costello ist zertifizierte Iyengar-Yogalehrerin und lebt in New York City.

Fotos: David Martinez // Yoga Journal 41 Ausgabe 05/2015

 

Valeria Lortz

Valeria war schon immer von der Schönheit von harmonischen Bewegungen fasziniert. So lebte sie Ihre Freude daran schon von Kindesbeinen an beim klassischen Ballett aus.
Da Valeria als Halbinderin Zeit ihres Lebens immer wieder mit Yoga in Berührung kam, fand sie nach der Geburt ihrer Tochter den Weg ins Vinyasa-Yoga-Studio Vishnu´s Vibes in Düsseldorf. Zunächst war ihr Interesse an Yoga hauptsächlich an die physischen Aspekte geknüpft, nach der Schwangerschaft wieder etwas für den Körper zu tun. Schnell entdeckte sie die parallelen zum Tanz. Denn Yoga und Tanz haben einige Gemeinsamkeiten: Man taucht ein und wird eins mit der Bewegung. Das absolute Verschmelzen im Moment des Hier und Jetzt, wodurch ein Gefühl von Freiheit und Stärke entsteht.
So wuchs das Interesse an der Wirkung von Yoga und der damit verbundenen Philosophie, die so viele parallelen zu ihrer Lebenseinstellung aufweisen. Sie entdeckte Yoga als eine Kunst, die subtil, menschlich und sehr intelligent den Körper trainiert, die Emotionen harmonisiert und den Geist erweckt. Dieses Wissen zu erlernen um es weiterzugeben schien ihr sehr wertvoll. Daher war es nur konsequent, dass sie Anfang 2010 die Yogalehrausbildung bei Vishnu´s Vibes machte, um ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen und weiterzugeben.
Valerias Yogastunden sind geprägt von einem dynamisch-kraftvollen Stil, der von Harmonie und Freude begleitet wird. Der Stundenaufbau verbindet meist die Asanas sinnvoll zu einem Thema, um über Atem und Bewegung eins mit dem Geist zu werden. Dabei legt sie besonders viel Wert auf korrekte und gesunde Körperhaltungen und Bewegungsausrichtungen.

Kontrolle, Balance und Vereinigung: Sequenzierung

Bewusste Sequenzierung durch Energielenkung hat im Universal Yoga das Ziel der vollkommenen Ausbalancierung auf allen Ebenen. Im YOGA JOURNAL-Interview beschreiben die Lehrer Andrey Lappa und Henning Scheel Ziele und Wege dieser kreativen Methode.

Interview: Eva Maria Moog

YOGA JOURNAL: Andrey, dein Name steht in Verbindung mit “Universal Yoga (UY)”. Was ist UY? Ein neuer Stil oder eher eine spezifische Methode?

Andrey Lappa: UY versteht sich selbst als Wissenschaft von Yoga und sucht nach Gesetzmässigkeiten, die stilübergreifend Gültigkeit haben. Um etwa eine Balance von Körper, Energie (Prana) und Bewustsein (Citta) zu erreichen, ist ein stimmiges Verhältnis von Asana, Pranayama und Meditation erforderlich. Yogapraktiken werden nach ihrer Wirkung auf die Körperschichten (Koshas) eingeteilt und im Klassenaufbau so ausgewählt, dass sie in einem ausgeglichenen Verhältnis zueinander stehen. Auch eine Balance innerhalb jeder einzelnen Körperschicht ist Ziel der Praxis, zum Beispiel durch eine gleichmäßige Beanspruchung aller Muskeln und Gelenke.

Was wird den Übenden dadurch ermöglicht?

Andrey Lappa: UY gibt dem Praktizierenden die Möglichkeit einer ausbalancierten Praxis, ohne Benachteiligung von Körperbereichen, die zu wichtigen Energiezonen gehören. Diese Herangehensweise führt zu einer bewusstsen Entwicklung neuer Asanas, Pranayamas oder anderer Praktiken. Die Methode ist ein Kreativwerkzeug.

Henning Scheel: Im Yoga ist die Verwurzelung in der Tradition wichtig. Die kritische Hinterfragung, warum wir genau eine Übung so an dieser Stelle ausführen, kann aber zu einer Weiterentwicklung führen. Yoga ist ein sich Bewusstmachen von Selbstverständlichkeiten und Überlieferungen. UY ist ein gutes Beispiel für das Lernen aus der Tradition und die Anwendung von Aspekten des neuzeitigen Geistes, wie zum Beispiel Vernunft oder kritische Hinterfragung. Yoga selbst steht in der Evolution des Bewusstseins.

In deinem Teacher Training hast du ein ein allgemeines System für das Bilden von Übungssequenzen entwickelt. Du nennst es “Conscious Sequencing”. Was sind die Prinzipien?

Andrey Lappa: Durch die Anordnung der Asanas können wir gezielt die Energie im Körper lenken. Wenn wir beispielsweise in einer Klasse die Energie von unten nach oben bewegen, von den Beinen hinauf zum Kopf, ist dies ein ”Upward Flow”. Erst werden alle Asanas für die Peripherie praktiziert, also Fussgelenke, Knie, Hüften. Dann folgen die Handgelenke, Ellenbogen und Schultern, anschließend das Zentrum, erst untere Wirbelsäule, mittlere Wirbelsäule und Halswirbelsäule.

Die umgekehrte Reihenfolge entspricht einem “Downward Flow”. Energielenkung von aussen nach innen nennen wir “Centrepetal Stars”, von innen nach aussen “Centrefugal Stars”. Neben der Energielenkung können wir im Sequencing aber auch andere Parameter mit Wirkung auf das Bewußtsein wie zum Beispiel den Rythmus oder die räumliche Ausrichtung ändern. Eine Berücksichtigung aller bekannten Parameter führt zur Mandala-Methode.

Was ist darunter zu verstehen?

Andrey Lappa: Im Mandala Yoga wird die gesamte Sequenz in vier Mini-Sets unterteilt, in denen der Praktizierende seine Position im Raum gemäß der Himmelsrichtungen ändert. Das erste Mini-Set wird in Richtung Osten ausgeführt, das zweite Richtung Süden, das dritte Westen und schließlich das vierte Norden. In der Spiegelung wiederholen sich diese vier Sets in entgegengesetzter Richtung. Wir verwenden  Asanas, Vinyasas, Pranayamas, Mantras und Visualisation, um alle Koshas auszubalancieren.

Henning Scheel: Jeder Schritt im Grossen wie im Kleinen hat eine bewusste Absicht und entspricht den universalen Regeln. Jede Aktion hat ihren Platz wie die Steinchen in einem Mosaik. Yoga ist Kontrolle, Balance und Vereinigung – eine Perfektion, die wir als Schönheit erfahren.

Andrey, in deinen Sequenzen arbeitest du insbesondere mit der rechten/linken Körperhälfte und der rechten/linken Gehirnhälfte. Worin besteht die Absicht dieser Technik?

Andrey Lappa: Eine zentrale Absicht der Yogapraxis ist es, einen nachhaltigen Zustand der Balance im Körper, der Energiestruktur und im Bewusstsein des Praktizierenden herzustellen. Die Kunst des UY besteht in einem tiefen Verständnis davon, wie mit den rechten und linken Körperteilen in bestimmter Anordnung sowie mit asymmetrischen Übungen gearbeitet werden muss, um den balancierten Zustand am Ende der Praxis zu erreichen.

sequencing2

Es ist bekannt, dass einige eurer Schüler Kundalini-Erweckungen erlebt haben. Warum findet die Arbeit mit Kundalini in den meisten populären Yogastilen keine Erwähnung?

Andrey Lappa: Kundalini ist die Energie der Transformation, die zeigt, ob wirkliche Veränderungen im Bewusstsein stattfinden. Eine Antwort für die populären Yogastile zu geben ist schwer für mich, auch, wieso sie nicht Kundalini Methoden nutzen. In Indien setzen die meisten Yogaschulen diese Methoden ein.

Henning Scheel: Ashtanga Yoga und Iyengar Yoga sind jeweils ein Experiment  des 20. Jahrhunderts, durch Focus auf die Sequenzen und die Asanas allein den Geist zur Ruhe kommen zu lassen. Aus meiner Sicht wird das Wissen über die Kundalini und damit wichtiger Zwischenschritte übersprungen. Die Folgestile haben an dieser inneren Struktur nichts geändert. Im Prozess des Aufstiegs der Kundalini-Energie werden tiefsitzende Muster im Alltagsleben gelöst. Meiner Erfahrung nach ist die Beachtung dieser Energie gerade bei einem westlichen Lebensstil besonders wertvoll für eine ständige Verbindung zum Göttlichen. Mit der Erfahrung der Kundalini Energie entsteht Gewissheit.

Wie unterstützt VyanaYama die Erweckung der Kundalini?

Andrey Lappa: VyanaYama ist eine Methode der Energiekontrolle, Energieakkumulation und zur Reinigung der Nadis. Damit fördert sie die Entwicklung notwendiger Voraussetzungen zur Kundalinierweckung. Die Vyanayma Methode ist der Pranayama Methode sehr ähnlich, nur dass eine andere Energie –  Vyana Vayu – genutzt wird. Für die Kundalinierweckung sind die Reinigung der Energiekanäle, Energieakkumulation sowie das Ausbalancieren von Energie absolut erforderlich.

Henning Scheel: Der Atem ist ein Schlüssel zur Erfahrung von höheren Bewusstseinszuständen. Vyanayama ist eine handfeste Praktik zur Erfahrung der Energie im Körper. Eine yogische Ernährung und das Abschöpfen der sexuellen Energie durch Mudras komplettieren die energetische Ebene. An der Yoga Shala Berlin unterrichten wir im Matsyodara Yoga Schritt für Schritt Techniken zur Energielenkung und zum vollen Erleben des Pranakörpers. Wenn Apana Vayu durch den mittleren Kanal aufsteigt, verschwinden die emotionalen Schwankungen (Citta Vrttis). Das führt schließlich zur Vereinigung von Sakti und Siva.

 


Titelbild via unsplash.com // Aral Tasher

Andrey Lappa stammt aus Kiew/Ukraine und unterrichtet seit 1987 Yoga. Er studierte mit zahlreichen rennomierten Yogapersönlichkeiten und entwickelte schließlich sein eigenes System. Er lebte in der Mongolei und in China, reiste durch zahlreiche Bergregionen der Ex-Sowietunion und  studierte an spirituellen Orten in asiatischen Ländern. Seit Jahren verbringt er regelmäßig Studienzeiten in Nepal. Weltweit bildet er Yogalehrer nach dem Universal Yoga System aus.

Henning Scheel ist Gründer und Leiter der Yoga Shala Berlin und hat unter anderem die Yogalehrer-Ausbildung bei Andrey Lappa durchlaufen. Heute unterrichtet er Matsyodara an der Yoga Shala, einen Vinyasastil, in dem die universalen Regeln des bewussten Sequenzing Anwendung finden. Er entwickelte und leitet die Yogalehrerausbildung an der Yoga Shala Berlin. Eine neue 200 Stunden-Ausbildung beginnt im April 2011 im Shala Retreat Italien/Piemont.

 

Birgit Damisch

Gründerin und Studioleitung vom Yogaloft Düsseldorf.
Ausbilderin Vinyasa Yoga

Im Laufe der Jahre haben mich verschiedene Yoga Ausbildungen und Unterrichtsstile geprägt. Ich möchte mich und die Art wie ich unterrichte nicht durch nur eine Yogarichtung reduzieren lassen, denn aus allem was ich gelernt habe nehme ich mir das Beste für meinen Weg mit, daraus habe ich meinen ganz eigenen Yogastil entwickelt.
Ich lehre nur das, was ich selbst erfahren habe und möchte so Yoga möglichst vielen Menschen authentisch weiter geben. Sich immer wieder neu entdecken, Yoga in all seinen Dimensionen zu erleben und die Erfahrung mit in den Alltag nehmen macht uns einfach zu glücklicheren Menschen.
Meine Stunden vermitteln Achtsamkeit und Bewusstsein aber auch eine Menge Fröhlichkeit und Freude. Mir geht es vor allem auch darum den Geist zu stärken und die Verbindung zwischen Körper, Geist und Seele aufzuzeigen.

Das Fundament meines Unterrichts bilden Ausbildungen in verschiedenen Yogatraditionen: Dynamisches Vinyasa Yoga, erdendes Sivananda Yoga, musikalisches Jivamukti Yoga, forderndes Ashtanga Yoga, öffnendes Anusara Yoga, präzisem Iyenger Yoga und Hormon Yoga. Zertifiziert nach BYV, IYV, EYA, Yoga Aliiance.

Yoga ist für mich weder Sport noch esoterische Therapie, sondern eine umfassende und nachhaltige Auseinandersetzung mit sich selbst und der Welt. Ein besseres Körpergefühl und ein ruhiger Geist schaffen es schnell, Abstand zum täglichen Stress zu gewinnen, das möchte ich jedem mit geben. Und mit Abstand lassen sich plötzlich ganz neue Perspektiven und Chancen erkennen.
Welcome to happiness. Enjoy your stay.

 

Webseite: www.yogaloft-dus.de

Birgit Damisch auf Facebook.

Sabine Steffen

Experimental Essentials
mit Sabine Steffen / Gründerin von Vishnus Vibes Düsseldorf
Wie wir das Bewusstsein für unseren Energiekörper stärken? Mit YOGA. In all seinen Facetten. Kontemporär. Energievoll. Herzerwärmend. Dabei werden wir uns durch alle Chakras arbeiten und uns alle Tools des Yoga zu nutze machen.

Dive Deep!

Yoga und Klettern: Zum Gipfel der Erleuchtung

Klettern Yogaworld

Wer kennt sie noch: die Haudegen in Kniebundhosen und Tweed-Sakko? Ausgerüstet mit einem Hanfseil und ein paar Schlaghaken. Oder die Flower-Power Pilger, die sich im Räucherstäbchendunst indischer Ashrams zur Erleuchtung verrenkten? Yoga und Klettern passt eigentlich ziemlich gut zusammen. Probiere auch unbedingt unseren Yoga für Kletterer

Gemeinsame Überwindung der Klischees

Alte Klischees, an deren Schwelle zur Überwindung der Klettersport ebenso wie Yoga inzwischen stehen. Was früher wenige Aussteiger waren, sind heute breitenwirksame Bewegungen. Unter Kletterern ist Tweed zum Tweet geworden, die Ausrüstung hat hoch technische Sphären erlangt und in der Trinkpause gibt es nun Bio-Limonaden. Und Yoga hat es bis in die Manager-Etagen großer Konzerne geschafft. Die Kleidung ist hipp anstatt Hippie-Vibes. Schließlich muss man auch nicht mehr nach Indien reisen, denn Yogaschulen sprießen überall wie Pilze aus dem Boden.

Sowohl Kletter- als auch Yoga- Community haben sich aus der Nische heraus zum Trend entwickelt. Vielleicht hat diese Ähnlichkeit dazu geführt, dass sich inzwischen Menschen sich für eine Kombination aus beiden Bewegungsformen interessieren. Darüber hinaus Yoga und Klettern haben erstaunlich viele Gemeinsamkeiten, allen voran natürlich das Körpergefühl und die Beweglichkeit.

Ähnliche körperliche Schulung

Klettern erfordert gute Körperspannung und Dehnbarkeit der Muskulatur. Asanas wie der herabschauender Hund (Adho Mukha Svanasana) oder die Standwaage sind dafür geeignet, denn durch die intensive Streckung verleihen sie dem Körper Länge und Gleichgewicht. Zudem entspannen Rückbeugen wie der Held (Virabhadrasana) und die Kobra (Bhunjangasana) die beim Klettern starken beanspruchte Schultermuskulatur. Andersherum kann für Yogaübende das Klettern durch die ganzheitliche Muskelbeanspruchung eine wunderbare Körpererfahrung sein.

Auch auf mentaler Ebene liegen Yoga und Klettern nah beieinander. Konzentration und geistige Klarheit erleichtern sowohl die innere Einkehr bei einfachen Meditationsübungen, als auch beim Klettern in schwindelerregenden Höhen. Durch Regulierung und Vertiefung des Atems kehrt innere Ruhe nicht nur in den Muskeln, sondern auch im Geist ein. Dann kann Klettern zur Meditation werden und uns im Moment befreien. Frei von ablenkenden Gedanken, neues Selbstvertrauen und die Intensität der Situation spüren.

Kommerzielle Verbindungen von Yoga und Klettern

Die kletternden Yogis und yogischen Kletterer dieser Welt werden immer mehr. Werbeaushänge in Kletterhallen berichten von hauseigenen „Yogakursen für Kletterer“. Berghütten dienen als Orte für Retreats. Es gibt auch kombinierte Yoga- und Kletterurlaube mit Sonne, Strand und Fels. Geschätzt dürfte es in Deutschland bisher mehrere zehntausend Menschen geben, die regelmäßig sowohl Yoga praktizieren, als auch klettern. Die Zahl derer, die diese Kombination ausprobiert oder zumindest Interesse daran hat, ist vermutlich noch um ein Vielfaches höher.

Heute sind Yoga und Klettern also leichter zugänglich, besser in den Alltag integrierbar und für den Lebensstil von deutlich mehr Menschen passend. Klar ist Klettern nicht gleich Klettern und Yoga nicht gleich Yoga. Darum lohnt es sich, Yoga und Klettern jeweils in den unterschiedlichen Nuancen zu erleben und damit die ideale Verbindung aus beidem für den eigenen Weg zum Gipfel der Erleuchtung zu finden. Checke hier den Style Giude für die wichtigsten Yogarichtungen.


kletternyogaAndreas Pfanzelt ist Vini-Yogalehrer in Bonn. Sein Anliegen ist es, Yoga alltagsnah zu gestalten und an die Voraussetzungen der Übenden anzupassen. Andreas ist Gründer von HOW IS THE COW, dem Reiseveranstalter für Genussreisen mit Themenbezug zum Yoga, Klettern und Kulinarik. Weitere Infos zum Thema Yoga und Klettern unter: www.howisthecow.de

Titelbild via unsplash.com // Samantha Sophia

Akasha Susanne Hermanns

Akasha Susanne Hermanns, ist Yogalehrerin und Heilpraktikerin. Ihre eigene Yoga- und Meditationspraxis begann sie im Alter von 16 Jahren. Seit 2009 unterrichtet sie Hatha-Yoga, Meditation und Ayurveda in Kursen, Seminaren und Einzelbegleitungen. Sie hat mehrjährige Erfahrung in der Leitung von Management-Workshops und Coachings mit den Schwerpunkten Selbstmanagement, Führung und Motivation und begleitet als Ausbildungsleiterin die Ausbildungen zum Yogalehrer 200h und 500 h sowie Yoga-Ayurveda-Therapie an der Europäischen Akademie für Ayurveda.


Akasha Hermanns auf der Yoga World in München:

Freitag, 20.01.2017 // 15:30 – 16:15 Uhr // Yoga-Ayurveda-Therapie für den Bewegungsapparat // Ganesha Yoga

Guten Morgen, liebe Sorgen

Manchmal fängt der Tag schon so richtig blöd an und man hat keine Ahnung, wieso eigentlich. Wenn Sie leicht versucht sind, die Schuld bei sich oder anderen zu suchen, dann sollten Sie wissen: Möglicherweise liegt es allein an den Sternen.

Schon beim Frühstück ist die Laune im Keller. Schwung will gar nicht erst aufkommen, zu allem Überfluss noch am heißen Yogi-Tee den Mund verbrannt und allein die Vorstellung des bevorstehenden Arbeitstags führt zu mittleren Aggressionen. Schon mal etwas in dieser Art erlebt? Gute Chancen, dass es ein Tag war, an dem zusammen mit der Sonne gerade Mars und Mond am östlichen Horizont aufgingen. Der Sonne zu nahe gilt Mars als verbrannt und geschwächt. Der Mond in Begleitung der Sonne ist ein Neumond, er glänzt durch Abwesenheit und gilt ebenfalls als schwach. Wenn jetzt noch zusätzlich Mars oder Mond auch im Geburtshoroskop eines Menschen extrem platziert sind, dann reicht das dafür aus, dass die Motivation (Mars) im Keller steckt, die Laune (Mond) herausgefordert ist und ein heißes (Mars) Getränk (Mond) die Lippen (Mond) verbrennt (Mars). Provokationen (Mars) können in diesem Fall schnell mal Aggressionen (Mars) und emotionale Entgleisungen (Mond) zur Folge haben.

Unser Geburtshoroskop ist die Momentaufnahme des Tierkreises zum Zeitpunkt unserer Geburt. In Bezug zu diesem persönlichen Horoskop steht die tägliche Dynamik der Planeten. Da jeder Mensch ein ganz individuelles Horoskop hat, wird das beschriebene Morgenspektakel nur von denen erlebt, die im Geburtshoroskop die entsprechenden „Anlagen“ mitbringen (schwacher Mond und schwacher Mars). So richtig konfliktreich wird die morgendliche Situation, wenn die Lebensgefährtin bzw. der Lebensgefährte im eigenen Geburtshoroskop mit einem prachtvollen Mond und einem starkem Mars ausgestattet ist. Denn daraus ergeben sich dann am selben Morgen große Ambitionen und Tatendrang (Mars), um voller Leidenschaft (Mars und Mond) neue Pläne zu schmieden (Mars) und am besten gleich das gesamte Leben neu zu strukturieren (Sonne). Die klaren Vorstellungen (Mond) davon, wie sich die Laune des Gegenübers beleben könnte, treffen – wen erstaunt’s – auf wenig Gegenliebe.


Von Bernd Rößler

www.bernd-roessler.com

Titelbild via unsplash.com // Benjamin Combs