Im Einklang mit Vernunft und Gefühl

Vernunft und Gefühl

Quer durch alle spirituellen Welterklärungsversuche finden sich ausgeklügelte Belohnungs- und Bestrafungssysteme. Rachsüchtige Götter, gutes und schlechtes Karma, verpatzte oder geglückte Wiedergeburten, ein jüngstes Gericht mit anschließendem Fegefeuer, der Hölle selbst oder ultimativ ewiges Leben im Paradies, Himmel oder Nirwana. Wie können wir da die Balance finden aus Vernunft und Gefühl?

All diese Systeme erheben den Anspruch, die Leute irgendwie zu gut zu machen. Oder zumindest zum Wohlverhalten zu bewegen, indem handfeste Vorteile versprochen werden. Im Grunde durch Bestechung. Wer nicht an Anreize dieser Art glaubt, hat das Problem, dass er die Forderung nach ethischem Verhalten anders begründen muss. Und was noch viel schwieriger ist. Man muss sich selbst und die anderen motivieren. Dazu, sich ethisch gut zu verhalten oder sich zu engagieren. Im Reich der egoistischen Nutzenmaximierer (homo oeconomicus) ist das kein banales Problem. Was bringt es mir für einen Vorteil, wenn ich mich für andere einsetze? Wenn ich teile oder auf etwas verzichte? Warum sollte ich das tun? Fragwürdig fürs Überleben.

Eigennutzen hinter dem Mitgefühl

Die Philosophie versucht, mit Vernunft für mehr Ethik zu werben. Konfuzius setzte bereits 550 v. Chr. auf die goldene Regel. Diese verwenden wir heute noch im Sprichwort. „Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu“. Läuft diese Formel wieder auf eine egoistische Nutzenidee hinaus? Oder kann sie einen haltbaren Deal auf Gegenseitigkeit, also soziales Handeln, begründen und durchsetzen? Was ist, wenn ich den anderen gar nicht brauche?

Schauen wir in verschiedene Philosophien. Der Buddhismus fordert universelles Mitgefühl. Bekannt unter dem Namen Metta. Ein uneingeschränktes und bedingungsloses Mitgefühl muss aber erst einmal entwickelt und dann auch durchgehalten werden. Die Menschheit müsste kollektiv meditieren.

Immanuel Kant entwickelte daraus den berühmten kategorischen Imperativ. „Handle so, dass die Maxime deines eigenen Willens stets zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.“ Kant war der Meinung, unmoralisches Verhalten mache schlicht unmündig und unfrei. Moral ist ein Gebot der Selbstachtung, von dem letztlich unsere Freiheit abhängt.

Dazu äußert sich auch Richard Rorty, ein zeitgenössischer amerikanischer Philosoph. Er lässt alle Hoffnung auf die Vernunft fahren. Er behauptet, einzig und allein rührselige Geschichten brächten uns Menschen dazu, Mitleid zu haben. Dazu braucht es nicht abstraktes Mitgefühl. Nur akutes Mitleid würde uns dazu bewegen, unser egoistisches Verhalten zu ändern und solidarisch zu handeln. Der Soziologe Jürgen Habermas gibt Rorty im Grunde Recht. Er ergänzt aber, dass die schwache Kraft der Vernunft stets der starken Kraft des gesetzten Rechts bedarf.

Wir sehen hier also mindestens vier Ansätze, die zu ethischem Verhalten führen könnten. Glaube, Vernunft, Gefühl oder Gesetz. Leider scheitern alle auf ihre Weise. Die Frage lautet also nach wie vor, wie eine freiwillige Motivation zu sozialer Verantwortung. Oder gar ein Engagement für Gerechtigkeit, erreicht und erhalten werden kann. Gibt es Konzepte, die über den engsten Freundeskreis hinaus wirksam sind? Die vielleicht sogar kommenden Generationen ein gutes Leben ermöglichen?

Mehr über Yogaphilosophie.

Feel each other!

Nun gibt es ja durchaus einige gelungene Aktivitäten, die zu einer besseren Welt beitragen. Die Sklavenbefreiung, diverse Bürgerrechtsbewegungen, Tierrechtsaktionen, der Kampf gegen die Apartheid oder die Durchsetzung von Frauenrechten. Um nur einige zu nennen. Aus yogischer Sicht weisen all diese Beispiele einige wesentliche Gemeinsamkeiten auf. Am Anfang stand immer die Ausweitung der eigenen Wahrnehmung auf die Situation und das Leid des Anderen, das „Sich-In-Andere-Hineinversetzen“. Es entstand eine Offenheit für Neues und Unerwartetes, die Bereitschaft zu lernen und zuzuhören. Das Interesse, sich zu entwickeln und sich selbst zu verändern. Die Kultivierung von Mitgefühl und persönlichem Mut, der Blick auf die Konsequenzen des eigenen, täglichen Verhaltens.

Stück für Stück verändert sich unsere Mentalität und unsere Art zu denken und zu fühlen. Daraus kann eine starke Handlungsmotivation erwachsen. Das ist sozusagen das kleine Einmaleins des Yoga. Doch es ist nur die halbe Miete. Nämlich die Antwort auf die Frage, weshalb wir handeln sollen.

Yoga zeigt den Weg.

Das „Wie?“ ist damit leider noch nicht geklärt. Wie Vernunft und Gefühl vereinen? Um gesellschaftlich wirksam zu sein, fehlt etwas, das nicht unbedingt in unseren Yogabüchern steht. Man muss gleichberechtigt diskutieren, sich vernetzen und informieren, Probleme intensiv studieren. Des Weiteren leidenschaftlich und fair für eine Sache streiten, sich dabei exponieren, Menschen rational überzeugen und Kompromisse aushandeln, Pluralismus und Demokratie verstehen. Außerdem offen sein für Kritik am eigenen Standpunkt, intelligent nachdenken, solidarisch sein und Verantwortung übernehmen.

Denkt man den Yogaweg konsequent zu Ende, könnte er eine gute Ausgangsposition schaffen. Durch die Sensibilisierung für Gewalt und Egoismus werden wir offen für Neues. Wir lernen auch die Möglichkeit, andere und anderes überhaupt zu „sehen“. Das wäre sozusagen das „Agenda Setting“, der Sprung über unsere Wahrnehmungsschwelle, das Abschütteln der eigenen Gleichgültigkeit, Faulheit und Feigheit. Danach muss (gemeinsam mit anderen) das rationale Nachdenken einsetzen, wie die Welt konkret besser werden kann. Das wäre in der Tat eine gelungene Verbindung von Vernunft und Gefühl. Oder wie B.K.S. Iyengar sagt: „Der Geist muss schwitzen wie der Körper“. Aus diesem Bündnis könnte gesellschaftlich engagiertes Handeln entstehen.


Michi Kern lebt und unterrichtet als Jivamukti-Yoga-Aktivist in München. Neben Yogastudios betreibt er diverse Clubs sowie Restaurants und studiert Philosophie.

Foto von Yan Krukov von Pexels // Pablo Garcia Saldana

Lernen von den Göttern: Gefährlich leben

Arizona gefährlich Frau Grand Canyon
Foto von Jarod Lovekamp von Pexels

Bedingungslose Hingabe ist der Schlüssel zur Verwirklichung des Selbst. So lehren nicht nur die Schriften des Yoga, sondern alle Mystiker. Leichter gesagt, als getan? Das einzige Problem ist das Kino im Kopf.

Von Ralf Sturm

Es zieht sich durch alle spirituellen Traditionen. Hat man einen Weg gewählt, soll man ihm folgen. Ohne immer wieder hin- und her zu überlegen. Die Idee ist, das „Ego“ aufzulösen, indem man alle Bedenken beiseite schiebt. Denn Zuneigung und Abneigung, Raga und Dvesha sind wechselhaft und Ich-Bezogen, sie trennen uns vom Gefühl der Einheit. Egal für was man sich entschieden hat, einen Lehrer, eine bestimmte spirituelle Praxis, ein Mantra: Man bleibt dabei und geht durch Zeiten des Zweifels hindurch. Durch dieses Loslassen entsteht Ruhe im Geist. Und selbst wenn wir (noch) nicht nach einem so hohen Ideal wie der Selbstverwirklichung streben – „Ruhe im Geist“ hört sich zunächst ganz gut an. Aber was tun, wenn der eingeschlagene Weg auf einmal nicht mehr passend erscheint?

Ich hatte mich entschieden, auf das Göttliche zu vertrauen, in der Form von Shiva. Shivas Name bedeutet übersetzt: „Der Gutmütige“. Es liegt in seiner Natur, seinen Verehrern jeden Wunsch zu erfüllen. Manchmal setzen wir auch uns selbst große Ziele. Für Shiva wurde das schwierig, als eines Tages ein gerissener Dämon vor ihm stand und ihn um folgende Gunst bat: Alles, was er berühre, möge sich in Stein verwandeln. Shiva gewährte das selbstverständlich ohne Zögern. Doch plötzlich sah er sich einer existentiellen Bedrohung gegenüber. Denn der Dämon wollte die Herrschaft über das Universum an sich reissen und holte aus, Shiva selbst in Stein zu verwandeln. Shiva blieb nichts übrig, als erstmal die Beine in die Hand zu nehmen.

Wenn man sich große Dinge vornimmt, kommt man irgendwann fast unweigerlich an einen Punkt, wo sich die Frage nach dem Sinn des Durchhaltens stellt. Je mehr wir nach Perfektion streben, auf umso gefährlicheres Terrain begeben wir uns. Dieses Frühjahr habe ich darin eine besondere Lektion erfahren dürfen. Ein Freund empfahl mir einen Masseur, der „so richtig tief reingeht, um Spannungen zu lösen“. Wir Spirituellen sind ja gerne bereit etwas zu leiden, wenn es denn Besserung verspricht. Also ertrug ich die Qualen durch diesen Muskelmenschen unter großen Schmerzen. „Nicht mit dem Körper identifizieren“, sagte ich mir. Nur um eine Woche später vom Arzt diagnostiziert zu bekommen, dass der Kerl mir zwei Rippen gebrochen hatte. War ich in meiner bedingungslosen Hingabe zu weit gegangen?

Es ist ein Spannungsfeld, das jeder Mensch für sich selbst auflösen muss. Deshalb hat diese Geschichte auch keine „Moral“. Der Vollständigkeit halber: Shiva kam ein Freund zu Hilfe. Vishnu nahm die Gestalt einer schönen Tänzerin an. Der Dämon vergass sein eigentliches Ziel, wurde durch seine eigene Begierde ausgetrickst und verwandelte sich am Ende selber in Stein. Die Götter haben eben Humor. Shiva blieb Shiva. Er setzte sich nicht schmollend hin, und sagte: „Ab heute mach ich alles anders“. Shiva setzt seinen Weg unbeirrbar fort. Im Absoluten gibt es keinen Grund für Zweifel.

Unser Leiden beginnt hingegen oft, wenn wir auf der relativen Ebene zweifeln. Unsere Praxis scheint nirgendwohin zu führen, also wechseln wir das Yogastudio. Die Meditation bleibt immer noch unruhig – ein neues Mantra muss her. Ich selbst hatte mein Gottvertrauen nach der Diagnose für ein paar Tage verloren und lief mit schlechter Laune durchs Haus. Wenn sich der Verstand einmischt und sagt: „Es muss auf meine Weise geschehen“, sind wir aber im Clinch mit der Realität. Irgendwann merkte ich das und begann die Schmerzen als Einladung zur Auszeit zu akzeptieren. In der Zwangspause konte ich reflektieren, dass ich selbst oft ganz schön hart mit mir umgegangen war. Jetzt fühle ich mich ruhiger als vorher. Das soll nicht heissen, dass ich jedem empfehle, sich die Knochen brechen zu lassen. Aber es kann überraschend sein, was sich entwickelt, wenn man geduldig bleibt. Auch wenn die äußeren Umstände mal wieder nach Veränderung zu schreien scheinen. Manchmal merken wir dass es hilft Vertrauen zu haben, weil uns bereits eine größere Kraft führt, als wir oft selbst erkennen können. Hingabe ist ein großes Wagnis. Aber Sie entspannt viel mehr, als immer alles kontrollieren zu wollen.


Ralf Sturm

 

 

Nachhaltigkeit – Was heißt das eigentlich?

Um wirklich umweltfreundlich zu sein, muss man viel mehr tun als nur Müll zu recyclen oder im Bioladen Fair-Trade-Produkte zu kaufen. Tatsächlich bedeutet dies, sich mit der lebendigen Qualität aller Dinge um uns herum zu verbinden. Schließlich leben wir in der Umwelt und sie um uns. Man  muss sich fragen: Wo endet unser Körper eigentlich und wo beginnt die Natur? Wo endet unser Atem und wo beginnt die Luft? Wo ist die Grenze zwischen dem Wasser im eigenen Körper und jenem in Meeren und Flüssen?

Die Menschen vieler spirituellen Kulturen haben einen Sinn dafür, dass alle Dinge eine lebendige Essenz besitzen, dass sie mehr als nur Objekte sind. Wir im Westen genießen bei einem Spaziergang zwar die schönen Bäume, betrachten sie jedoch mehr von außen, als mit ihnen in Verbindung zu treten. Man kann seinen Blick für die Natur jedoch weiten: In meiner Kindheit lernte ich einen Sanskrit-Vers, den ich gleich nach dem Aufwachen sagte: „Oh Ozean-umhüllte, Berg-gekrönte göttliche Mutter, oh weibliche Gemahlin des himmlischen Gottes. Bitte vergib mir, dass ich mit meinen Füßen auf dir laufe.“

Beispiele für einen ehrfürchtigen Umgang mit der Natur findet man noch heute in Indien. Wer hier ein Haus bauen will, zeigt zunächst seine Ehrerbietung an die Erde, indem er ein spezielles Ritual vollführt. Erst nach der Bhumi Puja, bei der er um die Vergebung und Erlaubnis bittet, das Haus auf dem Rücken der Erde bauen zu dürfen, darf er den ersten Spatenstich tun. Bei einem anderen Brauch in den ländlichen Gegenden Indiens beten die Menschen zu den Baumgeistern und wünschen sich etwas von ihnen. Als Zeichen binden sie einen Faden um den Stamm. Ist der Wunsch erfüllt, kehrt der Bittsteller zurück, nimmt das Band ab und bringt eine Opfergabe dar. Auch in anderen Kulturkreisen ist die Verbindung zur Natur noch immer selbstverständlich.

Früher war die Idee, dass alle Dinge einen lebendigen Geist haben, auch in Europa eine anerkannte und praktizierte Weisheit. Ob Griechen, Römer, Kelten oder Druiden – alle fühlten es. Dann passierte etwas, dass den Sinn der Menschen dafür beinahe abschaltete. Dank dem modernen Luxus der Industrialisierung verhält sich die westliche Gesellschaft inzwischen sehr ablehnend gegenüber animistischen Glaubensvorstellungen, in denen man die Natur verehrt. Als in diesen Kulturen nur der Fluss statt das Göttliche in ihm verehrt würde! Dabei sehen sie das Göttliche in allem – im Fluss, in den Bäumen, in den Bergen. Sie sind eins mit der Natur.

Wir hören viel über nachhaltige Entwicklung, um die Natur zu erhalten. Ich glaube nicht daran. Woran ich aber glaube, ist Ehrerbietung. Ich glaube daran, die Natur nicht nur zu erhalten, weil man sie sich jetzt oder in einem Jahrhundert zunutze machen will. Nicht aufgrund geplanter Ausbeutung, sondern um ihres eigenen Wertes willen. Weil sie heilig ist. Wer durch den Wald spaziert und sich gegen einen Baum lehnt, nimmt an der allumfassenden Energie des Lebens teil. Diesen Baum zu fällen, hieße also, einen Teil von uns selbst abzuschneiden. Wenn man die Einheit aller Lebewesen spüren kann, wird deutlich spübar: Wir alle sind göttlich. Man kann es erfahren, wenn man am inneren Fluss sitzt, den stillen Wassern des eigenen Atems. Durch Meditation wird der Geist beginnen, sich zuerst selbst zu sehen – und schließlich den universellen Geist.


Der Autor und Meditationslehrer Swami Veda Bharati war Schüler von Swami Rama im Himalaya und leitet heute zwei Ashrams im nordindischen Rishikesh.

Angela Jung

Was verstehen wir genau unter Ayurveda?

Bioenergien-Körperenergien–Doshas: Vata-Pitta-Kapha in Einklang zu bringen, Körperfunktionen, Organsysteme, Wechselspiele im Körper und Geist und zwischen Körper und Geist zu veranschaulichen und in den Zusammenhang zu bringen.

Es geht darum, was im Körper passiert. Ein ganzheitliches Medizinsystem, das immer Multimodal arbeitet. Es kommen immer verschiedene Therapieelemente zusammen zum Einsatz und alle diese Ebenen der menschlichen Existenz werden immer gleichzeitig auch therapiert und angesprochen. Das ist letztendlich die Essenz des Ayurvedas.

Wo und wie kann Ayurveda hier im Westen unser Behandlungsspektrum erweitern? Dies stellt Angela Jung mit ihrer 19-jährigen Berufserfahrung in ihrem Ayurveda-Ausbildungs-Programm als Dozentin für ein modernes zeitgemäßes Ausbildungskonzept vor. Dabei zeigt sie sich natürlich, aufmerksam und interessiert am Gefühl und Puls der Zeit.

Basics: Von den Wurzeln in die Weite

In dieser kompakten, kraftvollen Drehhaltung geht es um mehr als eine bewegliche Wirbelsäule und einen stabilen Oberkörper: Erst die Erdung nach unten und die Entfaltung nach oben ermöglichen ein tieferes Verständnis für die Drehung um die eigene Achse.

Von Nikki Costello

Marichyasana III //  Marichi = Name eines altindischen Weisen; Asana = Haltung

Drehhaltungen spielen eine wichtige Rolle in der Yogapraxis: Sie halten die Wirbelsäule beweglich, sie lockern und dehnen die Rückenmuskulatur insbesondere nach Vorwärts- und Rückbeugen und sie massieren die inneren Organe und unterstützen so eine gesunde Verdauung.

DetoxUm diese Vorzüge überhaupt nutzen zu können, braucht man die richtige Technik. Wie bei allen Drehhaltungen wendet man auch in Marichyasana III nicht einfach bloß den Oberkörper zur Seite. Statt dessen streckt man die Wirbelsäule in die Länge, während man sie um ihre eigene Achse windet. Dazu verwurzeln Sie die untere Körperhälfte im Boden und lassen die obere Hälfte in die entgegengesetzte Richtung wachsen. Erst dann – und nur dann – leiten Sie die Drehung ein. Das hat den Effekt, dass die Bauchmuskeln aktiviert und die Organe in der Körpermitte zusammengedrückt werden. Löst man diese intensive Kompression dann wieder auf, spürt man deutlich die Ausdehnung und vielleicht sogar einen regelrechten Energieschub.

Marichyasana III ist anspruchsvoller als andere Drehsitze, denn man dreht gegen das Hindernis des aufgestellten Beines. Dafür müssen Schultergürtel, Hüftgelenke und Beinrückseiten relativ geschmeidig sein. Recht schnell wird einem da klar, an welchen Stellen der Körper Widerstand leistet – und man kann genau dort sanft an der Dehnung und Mobilisierung arbeiten. Dazu dienen insbesondere die beiden Vorübungen. Bevor Sie mit dem Üben beginnen, sollten Sie sich klar machen, um was es bei einer Drehung geht. Stellen Sie sich vor, Sie wollten einen fest sitzenden Schraubverschluss an einem Marmeladenglas öffnen. Dazu müssen Sie das untere Ende des Glases mit einer Hand festhalten und einen gewissen Widerstand erzeugen, gegen den Sie mit der anderen Hand den Deckel drehen können. Ohne diese stabilisierende Bewegung der einen Hand würden Sie das Glas mit der anderen nur im Kreis drehen.

Angewandt auf Marichyasana III hieße das: Becken und Beine bilden die Basis, quasi den Boden des Marmeladenglases, den Sie kraftvoll nach unten verwurzeln. Von dort ausgehend richten Sie die Wirbelsäule auf und drehen den Deckel, sprich Rumpf und Schultergürtel. Dabei halten Sie Sitzknochen und Hüften stabil in ihrer geraden Ausrichtung und strecken die gesamte Wirbelsäule nach oben. So haben Ihre Wirbel mehr Platz für die Drehung und Ihr Zwerchfell kann trotz der Kompression im Bauch eine tiefe Atmung ermöglichen.

In den beiden Vorübungen helfen Ihnen die stützende Wand und verschiedene Hilfsmittel, sich diese Prinzipien einzuprägen und die nötige Mobilität aufzubauen. In der Variation im Stehen fällt es leichter, die Länge in der Wirbelsäule wahrzunehmen: Selbst bei weniger gedehnten Beinrückseiten oder einer nicht so mobilen Lendenwirbelsäule hat der Oberkörper hier genügend Raum für die Drehung. In der sitzenden Vorübung lernen Sie, die Brust zu weiten und die Drehung schrittweise von unten nach oben aufzubauen. Dabei hilft Ihnen die an die Wand gelegte Hand.

Achten Sie in allen drei Übungen darauf, die Bewegungen mit dem Atem zu koordinieren. Einatmend unterstreichen Sie die Aufrichtung der Wirbelsäule, ausatmend lösen Sie sich in die Drehung hinein. Je tiefer und langsamer Sie atmen, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie auch langsam und wirklich mit dem Körper und der ihm eigenen Intelligenz üben – anstatt mit der Willenskraft, die schnell an ein vorgestelltes Ziel gelangen will. Lassen Sie sich lieber leiten von den feinen Wahrnehmungen des Körpers und üben Sie mit geduldiger Hingabe an das, was jetzt für Sie richtig ist.

  1. Drehung im Stehen an der Wand

Beide Beine sind aktiv. Das hilft Ihnen, Länge in die Wirbelsäule zu bringen

Marichyasana1

Aufbau

  • Stellen Sie einen Stuhl seitlich vor die Wand und sich selbst mit dem Gesicht zum Stuhl davor.
  • Beugen Sie das an der Wand stehende Bein, setzen Sie den Fuß auf die Sitzfläche des Stuhls und richten Sie das Knie über dem Fußgelenk aus.
  • Legen Sie die der Wand abgewandte Hand an die Außenseite des gebeugten Knies und die andere Hand auf Schulterhöhe an die Wand.

Verfeinerung

Aktivieren Sie das Standbein: Fußballen und Ferse sind fest gegen die Matte gedrückt, Fußgewölbe und Kniescheibe werden angehoben und der Oberschenkel zieht sich vom Knie aus nach oben Richtung Becken. Drücken Sie die am Knie liegende Hand gegen das Bein und halten Sie mit dem Bein dagegen. Dieser Druck hilft Ihnen, das Becken in seiner geraden Ausrichtung nach vorn zu stabilisieren und die Drehung vom unteren Ende der Wirbelsäule her einzuleiten. Dazu stützen Sie sich aktiv mit beiden Händen ab, strecken die Wirbelsäule lang und drehen mit einer Ausatmung Bauch, Brust und Schultern langsam und fein dosiert zur Wand hin.

Abschluss

Mit jeder Einatmung betonen Sie die Länge in der Wirbelsäule, mit jeder Ausatmung verfeinern und vertiefen Sie die Drehung. Vermeiden Sie es, sich aus der Kraft der Arme zu schnell und zu intensiv in die Drehung hineinzuhebeln. Stattdessen arbeiten Sie langsam und bewusst und achten darauf, Beine und Becken stabil zu halten.

2. Marichyasana III an der Wand

Die Wand unterstützt Sie beim Weiten der Brust

Marichyasana2

Aufbau

  • Setzen Sie sich auf eine oder mehrere gefaltete Decken mit einer knappen Armlänge Abstand vor eine Wand. Der Rücken zeigt zur Wand, die Beine sind gerade nach vorn ausgestreckt, das Becken ist aufgerichtet. Wenn Sie zur leichteren Aufrichtung des Beckens so hoch sitzen, dass die Knie in der Luft hängen, stützen Sie die linke Kniekehle etwas ab (zum Beispiel mit einem Paar aufgerollter Socken).
  • Beugen Sie das rechte Bein und stellen Sie den Fuß nahe der Sitzfläche, aber jenseits des Rands der gefalteten Decke auf.
  • Umfassen Sie das rechte Knie mit der linken Hand und richten Sie die Wirbelsäule auf. Mit einer Ausatmung legen Sie die rechte Hand auf Schulterhöhe an die Wand hinter sich. Dabei ist der Arm leicht gebeugt und Sie beginnen mit einer Position etwas vor dem Körper, die noch keine vollständige Drehung erzwingt.

Verfeinerung

Schieben Sie rechtes Knie und linke Hand gegeneinander und heben Sie die Brust. Gleichzeitig verwurzeln Sie beide Sitzknochen und das linke Bein aktiv am Boden und achten darauf, die gerade Ausrichtung des Beckens beizubehalten. Der rechte Fuß ist gebeugt, die Kniescheibe zeigt gerade nach oben. Nun beginnen Sie langsam, die linke Flanke nach vorn zum angestellten Bein hin zu bewegen. Auch hier nutzen Sie die an der Wand liegende rechte Hand als Stütze, aber nicht als Hebel. Auf beiden Sitzknochen lastet gleich viel Gewicht.

Abschluss

Mit jeder Einatmung richten Sie die Wirbelsäule auf. Mit jeder Ausatmung beobachten und vertiefen Sie die Drehung von der Basis der Wirbelsäule aus nach oben hin. Dabei bleiben Becken und Beine gut nach unten verwurzelt und ausgerichtet. Die Brust weitet sich, die Schlüsselbeine breiten sich zu den Seiten aus und die Rückenmuskeln arbeiten aktiv, während Sie die Drehung mehr und mehr verfeinern. Nacken und Gesicht bleiben mittig über der Brust. Nach 1 bis 3 Minuten lösen Sie die Drehung ebenso langsam und behutsam wieder auf und nehmen einen tiefen Atemzug im Sitzen mit gestreckten Beinen, bevor Sie die Drehung nach links üben.

Elemente der Praxis
3. Marichyasana III

Bauch und angestelltes Bein werden nach und nach dichter zueinander bewegt

Marichyasana3

Aufbau 

  • Setzen Sie sich in Dandasana (Stabhaltung) mit ausgestreckten Beinen und aufgerichtetem Becken. Wenn das Becken dazu neigt, nach hinten zu kippen, setzen Sie sich erhöht auf eine Decke (siehe Schritt 2).
  • Beugen Sie das rechte Bein, stellen Sie den rechten Fuß dicht an den rechten Sitzknochen und verwurzeln Sie Becken und Beine fest am Boden.
  • Richten Sie den Oberkörper auf und legen Sie den linken Ellenbogen behutsam an die Außenseite des rechten Knies. Wenn diese Armhaltung wie ein Hebel wirkt, der Sie in eine zu intensive Drehung zieht, legen Sie den Arm stattdessen um das Knie herum. In beiden Fällen schieben Sie linken Arm und rechtes Bein stabilisierend gegeneinander.
  • Setzen Sie die rechte Hand hinter dem Becken auf dem Boden oder auf einem Block auf.

Verfeinerung

Bei entsprechender Beweglichkeit arbeiten Sie nun daran, die Innenseite des rechten Oberschenkels und den Bauch nach und nach dichter zu-einander hin zu bewegen. Dabei wandert der linke Arm am Knie entlang nach vorn, bis die Außenseite des Knies an der Achsel liegt. Gleichzeitig bewegen Sie die linke Hälfte des Rückens nach innen und drehen den Bauch von links nach rechts. Einatmend schieben Sie die stützende hintere Hand deutlich gegen die Matte und heben den Rumpf. Die Sitzfläche bleibt tief geerdet, das Becken gerade ausgerichtet. Die Schultern sind nach hinten und unten gerollt, der Nacken ist möglichst weich. Bei Spannungen drehen Sie den Kopf behutsam nach rechts und links, um eine möglichst gelöste Haltung zu finden.

Abschluss

Wenn die Drehung sehr kompakt geworden ist, können Sie die Aus-atmung durch ein aktives Zusammenziehen der Bauchmuskeln akzentuieren. Mit jeder Einatmung ziehen Sie die Oberkörpervorderseite vom Schambein bis zum Brustbein in die Länge, ausatmend schmiegen Sie sich behutsam tiefer in die Drehung hinein. Dabei dreht zuerst der Bauch und erst dann allmählich die Brust und der Schultergürtel. Erst ganz zum Schluss wenden Sie vielleicht auch den Kopf behutsam nach rechts. Bleiben Sie fünf bis acht tiefe, gleichmäßige Atemzüge lang in der Haltung. Dann lösen Sie sie langsam und achtsam wieder auf und wechseln die Seiten.


Nikki Costello ist zertifizierte Iyengar-Yogalehrerin und lebt in New York City.

Fotos: David Martinez // Yoga Journal 41 Ausgabe 05/2015

 

Valeria Lortz

Valeria war schon immer von der Schönheit von harmonischen Bewegungen fasziniert. So lebte sie Ihre Freude daran schon von Kindesbeinen an beim klassischen Ballett aus.
Da Valeria als Halbinderin Zeit ihres Lebens immer wieder mit Yoga in Berührung kam, fand sie nach der Geburt ihrer Tochter den Weg ins Vinyasa-Yoga-Studio Vishnu´s Vibes in Düsseldorf. Zunächst war ihr Interesse an Yoga hauptsächlich an die physischen Aspekte geknüpft, nach der Schwangerschaft wieder etwas für den Körper zu tun. Schnell entdeckte sie die parallelen zum Tanz. Denn Yoga und Tanz haben einige Gemeinsamkeiten: Man taucht ein und wird eins mit der Bewegung. Das absolute Verschmelzen im Moment des Hier und Jetzt, wodurch ein Gefühl von Freiheit und Stärke entsteht.
So wuchs das Interesse an der Wirkung von Yoga und der damit verbundenen Philosophie, die so viele parallelen zu ihrer Lebenseinstellung aufweisen. Sie entdeckte Yoga als eine Kunst, die subtil, menschlich und sehr intelligent den Körper trainiert, die Emotionen harmonisiert und den Geist erweckt. Dieses Wissen zu erlernen um es weiterzugeben schien ihr sehr wertvoll. Daher war es nur konsequent, dass sie Anfang 2010 die Yogalehrausbildung bei Vishnu´s Vibes machte, um ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen und weiterzugeben.
Valerias Yogastunden sind geprägt von einem dynamisch-kraftvollen Stil, der von Harmonie und Freude begleitet wird. Der Stundenaufbau verbindet meist die Asanas sinnvoll zu einem Thema, um über Atem und Bewegung eins mit dem Geist zu werden. Dabei legt sie besonders viel Wert auf korrekte und gesunde Körperhaltungen und Bewegungsausrichtungen.

Kontrolle, Balance und Vereinigung: Sequenzierung

Bewusste Sequenzierung durch Energielenkung hat im Universal Yoga das Ziel der vollkommenen Ausbalancierung auf allen Ebenen. Im YOGA JOURNAL-Interview beschreiben die Lehrer Andrey Lappa und Henning Scheel Ziele und Wege dieser kreativen Methode.

Interview: Eva Maria Moog

YOGA JOURNAL: Andrey, dein Name steht in Verbindung mit “Universal Yoga (UY)”. Was ist UY? Ein neuer Stil oder eher eine spezifische Methode?

Andrey Lappa: UY versteht sich selbst als Wissenschaft von Yoga und sucht nach Gesetzmässigkeiten, die stilübergreifend Gültigkeit haben. Um etwa eine Balance von Körper, Energie (Prana) und Bewustsein (Citta) zu erreichen, ist ein stimmiges Verhältnis von Asana, Pranayama und Meditation erforderlich. Yogapraktiken werden nach ihrer Wirkung auf die Körperschichten (Koshas) eingeteilt und im Klassenaufbau so ausgewählt, dass sie in einem ausgeglichenen Verhältnis zueinander stehen. Auch eine Balance innerhalb jeder einzelnen Körperschicht ist Ziel der Praxis, zum Beispiel durch eine gleichmäßige Beanspruchung aller Muskeln und Gelenke.

Was wird den Übenden dadurch ermöglicht?

Andrey Lappa: UY gibt dem Praktizierenden die Möglichkeit einer ausbalancierten Praxis, ohne Benachteiligung von Körperbereichen, die zu wichtigen Energiezonen gehören. Diese Herangehensweise führt zu einer bewusstsen Entwicklung neuer Asanas, Pranayamas oder anderer Praktiken. Die Methode ist ein Kreativwerkzeug.

Henning Scheel: Im Yoga ist die Verwurzelung in der Tradition wichtig. Die kritische Hinterfragung, warum wir genau eine Übung so an dieser Stelle ausführen, kann aber zu einer Weiterentwicklung führen. Yoga ist ein sich Bewusstmachen von Selbstverständlichkeiten und Überlieferungen. UY ist ein gutes Beispiel für das Lernen aus der Tradition und die Anwendung von Aspekten des neuzeitigen Geistes, wie zum Beispiel Vernunft oder kritische Hinterfragung. Yoga selbst steht in der Evolution des Bewusstseins.

In deinem Teacher Training hast du ein ein allgemeines System für das Bilden von Übungssequenzen entwickelt. Du nennst es “Conscious Sequencing”. Was sind die Prinzipien?

Andrey Lappa: Durch die Anordnung der Asanas können wir gezielt die Energie im Körper lenken. Wenn wir beispielsweise in einer Klasse die Energie von unten nach oben bewegen, von den Beinen hinauf zum Kopf, ist dies ein ”Upward Flow”. Erst werden alle Asanas für die Peripherie praktiziert, also Fussgelenke, Knie, Hüften. Dann folgen die Handgelenke, Ellenbogen und Schultern, anschließend das Zentrum, erst untere Wirbelsäule, mittlere Wirbelsäule und Halswirbelsäule.

Die umgekehrte Reihenfolge entspricht einem “Downward Flow”. Energielenkung von aussen nach innen nennen wir “Centrepetal Stars”, von innen nach aussen “Centrefugal Stars”. Neben der Energielenkung können wir im Sequencing aber auch andere Parameter mit Wirkung auf das Bewußtsein wie zum Beispiel den Rythmus oder die räumliche Ausrichtung ändern. Eine Berücksichtigung aller bekannten Parameter führt zur Mandala-Methode.

Was ist darunter zu verstehen?

Andrey Lappa: Im Mandala Yoga wird die gesamte Sequenz in vier Mini-Sets unterteilt, in denen der Praktizierende seine Position im Raum gemäß der Himmelsrichtungen ändert. Das erste Mini-Set wird in Richtung Osten ausgeführt, das zweite Richtung Süden, das dritte Westen und schließlich das vierte Norden. In der Spiegelung wiederholen sich diese vier Sets in entgegengesetzter Richtung. Wir verwenden  Asanas, Vinyasas, Pranayamas, Mantras und Visualisation, um alle Koshas auszubalancieren.

Henning Scheel: Jeder Schritt im Grossen wie im Kleinen hat eine bewusste Absicht und entspricht den universalen Regeln. Jede Aktion hat ihren Platz wie die Steinchen in einem Mosaik. Yoga ist Kontrolle, Balance und Vereinigung – eine Perfektion, die wir als Schönheit erfahren.

Andrey, in deinen Sequenzen arbeitest du insbesondere mit der rechten/linken Körperhälfte und der rechten/linken Gehirnhälfte. Worin besteht die Absicht dieser Technik?

Andrey Lappa: Eine zentrale Absicht der Yogapraxis ist es, einen nachhaltigen Zustand der Balance im Körper, der Energiestruktur und im Bewusstsein des Praktizierenden herzustellen. Die Kunst des UY besteht in einem tiefen Verständnis davon, wie mit den rechten und linken Körperteilen in bestimmter Anordnung sowie mit asymmetrischen Übungen gearbeitet werden muss, um den balancierten Zustand am Ende der Praxis zu erreichen.

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Es ist bekannt, dass einige eurer Schüler Kundalini-Erweckungen erlebt haben. Warum findet die Arbeit mit Kundalini in den meisten populären Yogastilen keine Erwähnung?

Andrey Lappa: Kundalini ist die Energie der Transformation, die zeigt, ob wirkliche Veränderungen im Bewusstsein stattfinden. Eine Antwort für die populären Yogastile zu geben ist schwer für mich, auch, wieso sie nicht Kundalini Methoden nutzen. In Indien setzen die meisten Yogaschulen diese Methoden ein.

Henning Scheel: Ashtanga Yoga und Iyengar Yoga sind jeweils ein Experiment  des 20. Jahrhunderts, durch Focus auf die Sequenzen und die Asanas allein den Geist zur Ruhe kommen zu lassen. Aus meiner Sicht wird das Wissen über die Kundalini und damit wichtiger Zwischenschritte übersprungen. Die Folgestile haben an dieser inneren Struktur nichts geändert. Im Prozess des Aufstiegs der Kundalini-Energie werden tiefsitzende Muster im Alltagsleben gelöst. Meiner Erfahrung nach ist die Beachtung dieser Energie gerade bei einem westlichen Lebensstil besonders wertvoll für eine ständige Verbindung zum Göttlichen. Mit der Erfahrung der Kundalini Energie entsteht Gewissheit.

Wie unterstützt VyanaYama die Erweckung der Kundalini?

Andrey Lappa: VyanaYama ist eine Methode der Energiekontrolle, Energieakkumulation und zur Reinigung der Nadis. Damit fördert sie die Entwicklung notwendiger Voraussetzungen zur Kundalinierweckung. Die Vyanayma Methode ist der Pranayama Methode sehr ähnlich, nur dass eine andere Energie –  Vyana Vayu – genutzt wird. Für die Kundalinierweckung sind die Reinigung der Energiekanäle, Energieakkumulation sowie das Ausbalancieren von Energie absolut erforderlich.

Henning Scheel: Der Atem ist ein Schlüssel zur Erfahrung von höheren Bewusstseinszuständen. Vyanayama ist eine handfeste Praktik zur Erfahrung der Energie im Körper. Eine yogische Ernährung und das Abschöpfen der sexuellen Energie durch Mudras komplettieren die energetische Ebene. An der Yoga Shala Berlin unterrichten wir im Matsyodara Yoga Schritt für Schritt Techniken zur Energielenkung und zum vollen Erleben des Pranakörpers. Wenn Apana Vayu durch den mittleren Kanal aufsteigt, verschwinden die emotionalen Schwankungen (Citta Vrttis). Das führt schließlich zur Vereinigung von Sakti und Siva.

 


Titelbild via unsplash.com // Aral Tasher

Andrey Lappa stammt aus Kiew/Ukraine und unterrichtet seit 1987 Yoga. Er studierte mit zahlreichen rennomierten Yogapersönlichkeiten und entwickelte schließlich sein eigenes System. Er lebte in der Mongolei und in China, reiste durch zahlreiche Bergregionen der Ex-Sowietunion und  studierte an spirituellen Orten in asiatischen Ländern. Seit Jahren verbringt er regelmäßig Studienzeiten in Nepal. Weltweit bildet er Yogalehrer nach dem Universal Yoga System aus.

Henning Scheel ist Gründer und Leiter der Yoga Shala Berlin und hat unter anderem die Yogalehrer-Ausbildung bei Andrey Lappa durchlaufen. Heute unterrichtet er Matsyodara an der Yoga Shala, einen Vinyasastil, in dem die universalen Regeln des bewussten Sequenzing Anwendung finden. Er entwickelte und leitet die Yogalehrerausbildung an der Yoga Shala Berlin. Eine neue 200 Stunden-Ausbildung beginnt im April 2011 im Shala Retreat Italien/Piemont.

 

Birgit Damisch

Gründerin und Studioleitung vom Yogaloft Düsseldorf.
Ausbilderin Vinyasa Yoga

Im Laufe der Jahre haben mich verschiedene Yoga Ausbildungen und Unterrichtsstile geprägt. Ich möchte mich und die Art wie ich unterrichte nicht durch nur eine Yogarichtung reduzieren lassen, denn aus allem was ich gelernt habe nehme ich mir das Beste für meinen Weg mit, daraus habe ich meinen ganz eigenen Yogastil entwickelt.
Ich lehre nur das, was ich selbst erfahren habe und möchte so Yoga möglichst vielen Menschen authentisch weiter geben. Sich immer wieder neu entdecken, Yoga in all seinen Dimensionen zu erleben und die Erfahrung mit in den Alltag nehmen macht uns einfach zu glücklicheren Menschen.
Meine Stunden vermitteln Achtsamkeit und Bewusstsein aber auch eine Menge Fröhlichkeit und Freude. Mir geht es vor allem auch darum den Geist zu stärken und die Verbindung zwischen Körper, Geist und Seele aufzuzeigen.

Das Fundament meines Unterrichts bilden Ausbildungen in verschiedenen Yogatraditionen: Dynamisches Vinyasa Yoga, erdendes Sivananda Yoga, musikalisches Jivamukti Yoga, forderndes Ashtanga Yoga, öffnendes Anusara Yoga, präzisem Iyenger Yoga und Hormon Yoga. Zertifiziert nach BYV, IYV, EYA, Yoga Aliiance.

Yoga ist für mich weder Sport noch esoterische Therapie, sondern eine umfassende und nachhaltige Auseinandersetzung mit sich selbst und der Welt. Ein besseres Körpergefühl und ein ruhiger Geist schaffen es schnell, Abstand zum täglichen Stress zu gewinnen, das möchte ich jedem mit geben. Und mit Abstand lassen sich plötzlich ganz neue Perspektiven und Chancen erkennen.
Welcome to happiness. Enjoy your stay.

 

Webseite: www.yogaloft-dus.de

Birgit Damisch auf Facebook.