Putzen im Paradies

Alles, was man tut, erzeugt Karma. Jeder Gedanke, jedes Wort und jede Handlung, die an einer Seele vorüberziehen, hinterlassen dort ihre Bilder. Beim Karma Yoga, einem der vier klassischen Yogawege, übt sich der Yogi darin, selbstlos und nach einem höheren Willen zu handeln und zu dienen. Von anusch lehmann

Der Roh-Diamant meiner Persönlichkeit erhielt bereits durch verschiedene Gesellschaftssysteme seinen Schliff. Während meiner Kindheit in der DDR wurde tief in meinem Inneren der hohe Wert von Arbeit eingebrannt. In meiner Jugend nach der Wende lieferten neue, schillernde Möglichkeiten den Stoff für Zukunftsträume. Der Begriff „Arbeit“ fächerte sich in neue Berufsbilder auf und die Berufswahl sollte unbedingt identitätsstiftend sein. Der so genannten „Selbstverwirklichung“ zielstrebig auf den Fersen folgten mein Abitur, eine Ausbildung, ein Studium und diverse Weiterbildungen. Doch sobald ein Vorhaben erreicht war, ratterte mein forscher Geist auch schon zum nächsten Fernziel mit vermeintlicher Zufriedenheitsgarantie. Nun möchte ich aus diesem Kreislauf aussteigen. Dafür habe ich mir sechs Wochen freigenommen, die ich auf der Fin- ca Argayall verbringe, einem spirituellen Retreat- und Meditationscenter auf der kanarischen Aussteigerinsel La Gomera. Urlaub in der Hängematte? Keineswegs. Da mein Denkapparat ohnehin zur Rastlosigkeit verdammt ist und das Tätigsein gewissermaßen zu meiner Vata-Routine gehört, möchte ich Karma Yoga üben wie die täglichen Asanas. Die Entsagung Ich-hafter Zwecke und ein einfaches Leben sollen Raum schaffen für Erkenntnis und inneres Wachstum.

Arbeiten und Dienen
Aus meiner romantischen Vorstellung vom selbstlosen Dienen in relaxter Umgebung reißt mich der Wecker am ersten Arbeitstag bereits um sieben Uhr. OM steht auf dem Plan, was nicht heißt, dass ich die Morgenmeditation einleite. OM als Abkürzung für Outside-Morning bedeutet für mich, die Plaza der Finca für das Frühstück zu reinigen. Das vollwertige Biobuffet, zum Teil aus dem hauseigenen Garten, belohnt alsgleich und lässt mein Yogiherz höher schlagen. Nach nettem Small Talk am Frühstückstisch geht es direkt weiter mit dem Putzen der Toiletten. Für die kleinen Mülleimer in den Bädern werden biologisch abbaubare Abfalltüten verwendet. Diese weichen Gummibeutel kenne ich aus dem heimischen Biomarkt, wo ich mich schon des Öfteren fragte, wie schnell sich das Material wohl zersetzt. Die Antwort fällt mir beim Entleeren des ersten Toiletten- papier-Eimers direkt vor die Füße. Das braun gefleckte Dilemma ist der schlecht ausgebauten Insel-Kanalisation zu verdanken. Eine Kollegin versucht mich aufzumuntern, indem sie mir die Geschichte von einem großen Sturm erzählt, der den gesamten Garten mit Klopapier und dessen Anhaftungen schmückte. Ich streife mir die Gummihandschuhe über, um mit Abhyasa (Beharrlichkeit) und Vairagya (Leidenschaftslosigkeit) das Klopapier einzusammeln. Vairagya, das Nichtverhaftetsein, als große Tugend des Yogis kann eintreten, wenn man die Identifizierung mit der Rolle, in der man handelt, aufgeben kann. Wenn man also alle an die Situation gekoppelten Gefühle und Gedanken als etwas Vorübergehendes betrachtet, ohne sie mit dem wah- ren Selbst zu verwechseln.

Gerade ist die Gruppe für das Five Elements Dance & Yoga Retreat angekommen – eine tolle Gelegenheit für mich, Menschen auf ihrer spirituellen Reise zu unterstützen, ihnen freudvoll Bett und Bad herzurichten und dem Pfad des Karma Yoga zu folgen. Das größte Opfer, das ich bringe, ist die Entsagung selbstbestimmten Tätigseins: Was wann zu tun ist, sagt mir Chefin Clara. Die ehemalige Oberschwester einer Klinik für psychisch Kranke zeigt kein Verständnis für die Ölflecken auf den Laken der Thaimassage-Gruppe. Clara ist Outsideworkerin, das heißt, sie wohnt nicht in der Gemeinschaft. Sie finanziert ihr Leben mit dem 25-Stunden-Job auf der Finca.

Ich dagegen arbeite für Kost und Logis 33 Stunden wöchentlich und versuche nicht zu rechnen. Schnell entpuppt sich der vermeintliche Halbtags- als gefühlter Ganztagsjob. Ich habe nur anderthalb Tage pro Woche am Stück frei. Die Waschmaschinen laufen nur, wenn es der Generator auch tut und vor den Mahlzeiten muss immer gewischt werden. Derart zerstückelt sind sowohl meine Arbeits- als auch die Freizeit fest mit dem regelmäßigen Blick auf die Uhr sowie einem stets offenen Ohr für Fragen der Finca-Gäste verbunden. In den drei Stunden Siesta-Zeit am Nachmittag aale ich mich auf einem etwas versteckten Felsvorsprung, um dringend nötiges Vitamin D zu tanken.

Die abgelegene Finca-Bucht zwischen Vulkanfelsen und türkisblauem Atlantik entdeckten ursprünglich einmal Sannyasins für sich, Osho-Anhänger, die dem weltlichen Leben entsagen wollten. Mittlerweile zählt der direkt ans Meer grenzende Platz mit seinen hochgewachsenen Gummibäumen, hübschen Gartenhütten und türkisfarbenen Pools trotz beschwerlicher Anreise als Geheimtipp für naturliebende Individualtouristen. Als solcher kam auch ich vor einigen Jahren zum ersten Mal, um meine weiße Tapete gegen den Anblick der Verschmelzung von Meer und Horizont zu tauschen. „Das Yogasutra des Patanjali“ ließ sich mit weitem Blick fabelhaft studieren. Schnell hatte ich den Wunsch, an diesem magischen Ort einmal nicht nur zu Besuch zu sein.

Nun bin ich Teil der 20-köpfigen internationalen Finca-Crew, wasche Wäsche, hänge sie blinzelnd in die Sonne, um sie danach zu falten und wieder in die Zimmer zu bringen, die ich für die anreisenden Gäste herrichte. Langsam stellt sich eine Routine ein, die mir den Arbeitsalltag erleichtert. Doch die überschüssige Energie wandert ins Gehirn. Dort kämpft das kleine Ich mit seinem Ego. Der Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung wird lauter.

Erste Zweifel
Das Schrubben der Liegestühle mit Blick aufs Meer erinnert mich an eine Art Strafarbeit – nicht unbedingt nötig, lediglich dienlich um die volle Zahl an Arbeitsstunden zu erreichen. Ständig die entspannten Gäste mit Buch und Hut vor der Linse zu haben, hilft mir nicht gerade weiter. Im Gegenteil: der vergleichende Geist neidet. Irgendwann platzt mein Schädel durch den Druck all der selbstmitleidigen Gedanken in tausend Tränen. Schnell greife ich zur Sonnenbrille: Sie tarnt diesen zutiefst persönlichen Prozess. Natürlich stellt mein Geist die gesamte karma-yogische Unternehmung sofort in Frage: Ist MEIN Bedürfnis nach Freiheit nicht auch das höchste Ziel des Yogis? ICH bin finanziell nicht abhängig von der Arbeit auf der Finca. Warum schmeiße ICH nicht alles hin und nehme mir MEINE Freiheit?

Weil dieses ICH und MEIN Ursache des Elends sind. Weil dies bedeuten würde, selbstsüchtig zu handeln und jeder selbstsüchtige Gedanke uns an etwas bindet und augenblicklich zum Sklaven macht.

Die Bettlektüre von Swami Vivekanda über Karma Yoga besänftigt mich wieder. Doch hinter dem idealisierten yogischen Selbstbild geht meine innere Qual weiter. Wie Fieber vergiftet das Philosophieren über Pflicht und Rechtschaffenheit meine Gedanken am nächsten Tag. Mein Geist lässt sich nur schwer auf Eimer und Lappen fokussieren. Stattdessen rebelliert er mit waghalsigen Assoziationen von Arbeit und Freiheit unter faschistischer Herrschaft. Mutet das Ziel des Karma Yogi, den Eigennutz zu überwinden, demnach nicht auch höchst naiv und gefährlich an? Könnte es nicht auch bedeuten, zum Erfüllungsgehilfen anderer zu werden? Wer tätig ist, ohne etwas dafür zu erwarten, kann immerhin nicht enttäuscht werden. Doch opfert man sich durch unermüdliches Tun für andere nicht auf?

Swami Vivekandanda macht den entscheidenden Unterschied im Pflichtbegriff. Pflicht, wie sie gewöhnlich aufgefasst wird, gehöre nicht zu den Begriffen einer höheren Lebenseinstellung. Stellt sich mir nur die Frage, ob es je einen Konsens über eine höhere Lebenseinstellung geben kann. Existiert auf der Finca eine kollektive Über- einkunft zum Pflichtbegriff? Fühle ich mich tatsächlich als gleichberechtigter Teil von etwas Größerem? In erster Linie ist es doch ein Gästebetrieb?

Die Vision der Crew ist ein alternatives, gleichberechtigtes, naturverbundenes und erfahrungsorientiertes Leben in der Gemeinschaft. Dabei hat jedes Crewmitglied, auch die Besitzer der Finca, offiziell die gleiche Anzahl an Arbeitsstunden. Die Gehälter liegen offen und im wöchentlichen Meeting wird jeder gehört. Es gibt gemeinsame Meditationen und einen regen Austausch beim Kochen. Traumhafte Bedingungen, um sich in der Gemeinschaft selbst zu erkennen. Für ein Einzelkind wie mich, das aus der urbanen Individualgesellschaft kommt, ist es jedoch auch im Paradies nicht immer leicht. Beziehungen brauchen wie überall Zeit, um in die Tiefe zu wachsen. Die schnelle und freundliche In- tegration der oft wechselnden Crewmitglieder ist für die Altansässigen Routine. Einige Neulinge sind dennoch über Nacht wieder abgehauen, erzählt mir die Chefin. Sie spürt, dass ich mich nicht ganz wohl fühle in meinem Job. Aber Abhauen käme für mich nicht in Frage.

Arjuna, der Held aus der Bhagavad Gita, wurde zum Feigling angesichts des mächtigen gegnerischen Heeres. Seine sich selbst vorgetäuschte Liebe verführte ihn, der Pflicht gegen König und Land nicht nachzukommen. Das war der Grund, warum ihn Sri Krishna einen Heuchler nannte: „Du sprichst wie ein Weiser, aber deine Taten verraten dich und zeigen dich als Feigling. Deshalb stehe auf und kämpfe!“ Sich seinem Dharma, dem Gesetz der Seele, nicht zu widersetzen, das ist der zentrale Gedanke der Gita.

Einsicht
Ob nun aus anerzogenem, selbst auferlegtem oder göttlichem Pflichtgefühl heraus, ich arrangiere mich weiterhin und gebe mir Mühe, die störenden Gedanken zu transformieren. Meine spärliche Freizeit nutze ich, um Ausflüge zum angrenzenden Ort Valle Gran Rey und zum Rainbow-Festival am Playa del Trigo zu machen. Neue Aussichten beflügeln meine Sehnsucht und am Ende der dritten Arbeitswoche erkenne ich, dass ich mich übernommen habe. Die Vorstellung, sechs Wochen lang zu putzen und nebenbei Zeit für Selbstreflektion und Erholung zu finden, war einfach utopisch. Die fast vollendete Lektüre von Swami Vivekananda bringt mich zudem an die entscheidende Stelle: „Nichtwiderstreben als das höchste Ideal offenbart die höchste Macht. Solange man aber dieses höchste Ideal nicht erreicht hat, ist es Pflicht und Gebot, sich dem Übel zu widersetzen. Möge der Mensch wirken und kämpfen und sich mit voller Kraft verteidigen. Dann erst wenn er in sich die Kraft zum Widerstand hat, wird Nichtwiderstreben zur Tugend.“

Entsagung vollzieht sich beim Karma-Yogi also langsam und allmählich. Sie führt über Kennenlernen und Freude an den Dingen zur Erfahrung und Erkenntnis des Wesens der Dinge, bis der Geist schließlich aller Dinge ledig und frei werden kann. Ich sehe plötzlich ein, dass konsequente Entsagung großer Geistigkeit und Willenskraft bedarf und dass es noch vieles zu erkunden und begreifen gibt, bevor meine Seele von ihren Sehnsüchten befreit werden kann. Als ich mir erlaube, aus dem selbst auferlegten Gefängnis und Gedankenkarussell auszusteigen, findet sich plötzlich ganz schnell ein für alle Seiten tragbarer Kompromiss. Die restlichen zwei Arbeitswochen teilen sich die Outsiteworkerinnen, die zusätzliche Arbeitsstunden gut gebrauchen können. In der letzten Gartenhütte, die ich für Neuankömmlinge herrichte, wurde Trinkgeld für mich hinterlegt. Nie habe ich mich über Anerkennung in Form von Geld so gefreut, denn ich fühle mich in meinem Handeln bestätigt. An diesem magischen Ort wurde mir klarer als sonst, dass ich selbst die Ursache meiner Verstimmungen und negativen Gedanken bin. Hier wurde ich mit meinen inner- sten Verstrickungen und Fehldeutungen konfrontiert. Auf dem Weg des Short-Term-Karma-Yogis durfte ich erkennen, wie stark ich von Ego, Lust und mit Freiheit verwechselter Unverbindlichkeit getrieben bin. Ich kann durchaus sagen, dass Sehnsucht und Selbstmitleid mir in den sechs Wochen die größten Lehrmeister waren und mir gezeigt haben, dass ich noch lange nicht am Ende meiner Reise des Bewusstseins bin, deren Ziel wahrhafte innere Freiheit ist.

In der Sprache der Guanchen, der Ureinwohner der Kanaren, bedeutet Argayall „Platz des Lichts“. Auf einer 1,4 Hektar großen Farm in einer abgeschiedenen und wilden Bucht leben und arbeiten die rund 25 festen Crewmitglieder. Mehr Infos unter www.argayall.com

Rishikesh: Auf der Suche nach Yoga

Rishikesh gilt als die „Yogahauptstadt der Welt“. Tatsächlich erschlägt einen auf den ersten Blick der Kommerz. Dann findet man sein Yoga – und wieder zu Hause möchte man eigentlich am liebsten sofort zurück.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich diese Bitte von einer Reiseteilnehmerin höre: „Kannst du bei der Agentur anrufen und einen früheren Rückflug für mich organisieren? Ich habe mir Rishikesh ganz anders vorgestellt“. Da wir erst vor zwei Tagen angekommen sind, versichere ich Simone, mich um die Umbuchung zu kümmern, bitte sie jedoch, noch bis zum Ende der Woche mit ihrer endgültigen Entscheidung zu warten. Selten sind die Erwartungen bei einer Indienreise so hoch wie vor der Ankunft in Rishikesh. Der Name der Stadt am Rande des Himalaya wird unter Yogis auf der ganzen Welt voller Andacht ausgesprochen. Es sei die Yogahauptstadt der Welt, heißt es.

Spirituell oder kommerziell?
Auf der spirituellen Landkarte erschien der Ort spätestens 1968, als die Beatles einige Wochen im Ashram von Maharishi Mahesh Yogi verbrachten, um Meditation zu erlernen. Die meisten Stücke des „White Album“ wurden dort geschrieben. Lennon distanzierte sich allerdings schnell wieder von Maharishi, als dieser plötzlich ziemlich weltliche Interessen an den Tag legte. Heute ist der Ashram verlassen. Gegen eine kleine „Spende“ für den Wachmann kann man die überwucherten Meditationshütten aber noch immer besichtigen. Geld oder Lust kommen hier (wie überall) so manchem Yogalehrer in die Quere. Das Schild im „Welcome Café“ in der Nähe der Ram-Jhula-Brücke ist eindeutig: „Please don’t marry our yoga teachers. They are in short supply”. Bitte heiraten Sie nicht unsere Yogalehrer – der Vorrat ist begrenzt. Beim ersten Spaziergang am Ufer des Ganges mag man das kaum glauben.

Die Anzahl der nebeneinander aufgereihten Yogaschulen ist größer als die der Schuhgeschäfte in der Leipziger Innenstadt. So zieht es sich durch den ganzen Ort: Überall sieht man Plakate und Werbung für „Yoga & Meditation Class“, „Chakra Therapy“ und „30 Day Yoga Teacher Course“. Es scheint nur wenige Leute zu geben, die nicht an diesem Boom mitverdienen wollen. Dabei ist es nicht einfach, einen Yogalehrer zu finden, der älter als 35 Jahre ist und schon länger als fünf Jahre unterrichtet.

Yogische Schatzsuche
Rishikeshs wirkliche Perlen liegen versteckt und suchen nicht nach Aufmerksamkeit – sie lassen sich finden. So wie das Mastram Baba Ashram. Die Höhle am Ganges, in deren Innerem ein einfacher Yogi aus den Bergen meditierte, kann nur tagsüber besucht werden. Ebenso die kleine Hütte, in der der Meister, dessen wirklichen Name niemand kannte, Satsang gab. Es ist plötzlich sehr still, wenn man in diesem kleinen Raum sitzt – was auch deshalb kaum verwunderlich ist, da der Yogi selbst zu Lebzeiten nicht viel sprach. Diese Stille nimmt man mit, wenn man weiter am Ufer entlangwandert. Einige hundert Meter weiter erblickt man auf der linken Seite wieder ein kleines Häuschen, an dessen Mauer ein freundliches Schild den Passanten auffordert: „Be good, do good“. Wir sind am Tapasya Kutir angekommen, der „Hütte des inneren Feuers“, in der Swami Sivananda in den 1920er-Jahren zur Meditation saß. Auch hier wird jede Minute, die man in dem kleinen Raum verbringt, mit einer Berührung der inneren Stille belohnt. 1936 gründete Sivananda die „Divine Life Society“ und seine Arbeit zur Verbreitung des Yoga machte Rishikesh erstmalig zu einem weltweit bekannten spirituellen Zentrum. Seine Botschaft war einfach: „Sei gut, tu’ Gutes.“ Die Divine Life Society versteht sich selbst als Kloster. Auch hier wird nicht mit Plakaten oder Flyern geworben. Gäste müssen sich lange im Voraus anmelden und können in der Regel nur für kurze Zeit bleiben. Ein Besuch der Morgenmeditation um fünf oder der anschließenden Puja um sechs Uhr früh bringt einen dem Zauber wieder etwas näher, der entlang des Ganges jeden Tag etwas stärker wird. Je mehr man in Rishikesh ankommt, desto mehr kommt man auch bei sich selbst an.

Große Meister
Neben Krishnamacharya und seinen Schülern war Sivananda im letzten Jahrhundert einer der bedeutendsten Vertreter des Hatha-Yoga. In der Divine Life Society wird für Männer und Frauen getrennt unterrichtet und von wechselnden Lehrern. Aber wer sind die heutigen „Stars“ des Hatha-Yoga in Rishikesh? Ich höre mich unter Ladenbesitzern und Einheimischen um und schließlich fällt ein Name: Rudra Dev. Er sei ein perfekter Meister, sagt Sri Karthikeyan von der Divine Life Society über ihn. Um Rudra zu finden, muss man sich bewegen. Sein „Yoga Study Center“ liegt klein und versteckt weit außerhalb der Stadt. Mit 20 Jahren war er Mönch in der Divine Life Society. Zu dieser Zeit begegnete er B. K. S. Iyengar und wurde einer seiner engsten Schüler. Er übernahm den Hatha-Yoga-Unterricht im Ashram. Allerdings wurde er schließlich darum gebeten, sich für den hauseigenen Stil zu entscheiden oder zu gehen. In der Halle, in der Rudra heute unterrichtet – er lebt noch immer als Mönch und das Center gehört ihm nicht selbst – hängen Bilder von Sivananda neben denen von Iyengar: Rudra kombiniert die Exaktheit der Asanas mit einer tiefen Liebe zu den spirituellen Lehren. Bis etwa zu seinem 50. Geburtstag war er in Rishikesh „gefürchtet“ für seine Strenge und seinen sehr fordernden Unterricht. Mit der Zeit wurde er mitfühlender und sanfter. Mittlerweile ist er 60 Jahre alt, was man ihm nicht ansieht. Im Anschluss an seinen morgendlichen Unterricht praktiziert er täglich mindestens drei Stunden selbst – und er ist immer noch begeistert davon, dass er jeden Tag Neues in den Asanas entdeckt.

Irgendwann ist man also auch im Überangebot von Rishikesh tatsächlich beim Yoga angekommen. In einem der vielen Center, der Ashrams oder bei einem der Menschen im Ort. Sie alle scheinen hier etwas ruhiger zu sein, als das sonst in Nordindien der Fall ist. Je länger man bleibt, desto berührender empfindet man die Natur rings um die Stadt, die Ausläufer des Himalaya und die ewig ruhige „Ganga“. Jeden Tag fasst man etwas mehr Vertrauen zu ihr, bis man schließlich selbst zum Baden hineinspringt. Simone, die umbuchen wollte, zieht ihren
Entschluss nach drei Tagen wieder zurück. Und es war vermutlich nicht das letzte Mal, dass sie die „Yogahauptstadt“ besucht hat.

Karma Yoga

Mond halten Frau Strand Sonnenuntergang Dämmerung
Foto von Ruvim von Pexels

Es gibt (nicht) viel zu tun

Dienen Sie, wem Sie wollen – aber dienen Sie! Karma Yoga ist einer der besten Wege zum Glücklichsein. Wenn man dabei nicht gegen sich selbst kämpft.

Als ich von der YOGA JOURNAL-Redaktion gefragt wurde, ob ich einen Text über Karma Yoga schreiben könne, war ich sofort Feuer und Flamme. Schließlich sollte es darin auch um Hanuman gehen, den Sohn des Windes. Mit seiner absoluten Hingabe an den Prinzen Rama hatte er mir immer imponiert. „Ich kenne nur zwei Dinge“, soll er einmal gesagt haben: „’Ra’ und ’ma’“. Man muss ihn einfach lieben, diesen starken Typen in Affengestalt. Als ich dann überlegte, welche Geschichte aus seinem Leben wohl am besten zu diesem Thema passt, fiel mir auf, dass Hanuman wenig mit dem zu tun hat, was heutzutage viele Lehrer als „Karma Yoga“ bezeichnen. Selbstloses Dienen, so heißt es, soll ein Weg zur Befreiung sein. Wenn ich mich derzeit allerdings in der Yogaszene umsehe, dann frage ich mich manchmal, ob die Chancen dabei immer so gut stehen.

Viele Lehrer bieten ihren Schülern an, ihr Ego durch freiwillige Mitarbeit in der Yogaschule abzubauen. Die Schüler dürfen die sanitären Einrichtungen putzen und können dafür umsonst in der Yogastunde mitmachen. Früher hätte man das „Tauschgeschäft“ genannt. Heute heißt es Karma Yoga. Im besten Fall fühlt sich der Schüler dabei doch wieder als etwas ganz Besonderes: Weil er vor den Augen der zahlenden Yogis zeigt, dass er (oder sie) sich nicht zu schade dafür ist, die Toiletten fremder Leute zu putzen. So viel Ego kann ja gar nicht mehr da sein! Gerade frische Yogis genießen es oft, sich im Sinne der Ideen großer Yogameister in die Arbeit zu stürzen; egal ob gerade Wochenende ist oder ein Feiertag. Wenn sie dann jemand aus ihrem Umfeld darauf hinweist, dass diese angebliche Aufgabe des Ego eher wirkt wie Selbstausbeutung, dann redet man sich ein, derjenige sei eben „noch nicht so weit“.

Mir stellt sich häufig die Frage: Warum gehen so viele Menschen im Namen der guten Sache über ihre eigenen Grenzen und oft gegen ihren eigenen Körper an? Ich glaube, dass „Karma Yoga“ manchmal einfach ein Etikett ist, das man über die eigenen inneren Antreiber klebt. Den Satz „Streng dich an!“ haben wir schon als Kind gehört. Wenn wir dem jetzt einen spirituellen Namen geben, sind wir aus dem Schneider – ohne dass wir tatsächlich etwas verändern mussten. Statt unser Ego abzubauen, wird es weiter fixiert. Es handelt sich um den verstecken Glauben: „Ich bin eigentlich nicht gut genug. Aber ich mache immerhin etwas für Gott. Also bin ich jemand!“ Es kann sich lohnen, vom starken Affen abzuschauen, aus welcher Haltung heraus er sich als Diener verstand. Hanuman hatte keinerlei Selbstzweifel. Er tat einfach das, was ihm richtig zu sein schien. Das ergab sich aus seiner tiefen Liebe zu Rama. Nachdem er Sita gerettet hatte, gab diese ihm ihre kostbarste Perlenkette. Hanuman nahm sie erfreut an und zerbiss dann jede einzelne Perle. Die Minister um ihn herum begannen ihn zu schelten, doch er entgegnete: „Lasst mich doch in sie hineinsehen. Wenn sie so wertvoll ist, muss Rama darin sein.“ „Nun übertreibt der Affe aber“, tönte es aus der Menge. Und weil er es nicht anders erklären konnte, öffnete Hanuman seine Brust. Dort, wo sein Herz war, konnten die Leute Rama und Sita sehen.

Man kann Karma Yoga nicht „machen“. Vielmehr werden die Dinge, die wir tun, zu Karma Yoga, wenn wir Gott (oder die Göttin) wirklich in unser Herz lassen. Man kann auf Kongressen beobachten, wie Yogis darüber diskutieren, ob und wie lange man beim Üben den Atem anhalten sollte. In Yogaforen werden Fragen gepostet, wie die, welche Meditationstechnik nun die „richtige“ sei. Wenn man wie Hanuman an die Sache herangeht, werden diese Details ein bisschen weniger wichtig. Mit der richtigen Haltung funktionieren alle Techniken gleich gut. Aus einer falschen Motivation heraus entsteht dagegen nie Karma Yoga, sondern eine Form der Selbstgeißelung. Sollte Ihnen also jemand Karma Yoga empfehlen, um an Ihrer Hingabe zu „arbeiten“, lautet mein Tipp: Vergessen Sie’s! Hingabe ist nichts, das man durch harte Arbeit oder kriegerische Akte entwickelt. Sie entsteht, indem man sich voller Freude vor etwas verneigt, das man als kostbar erkennt. Die Inder nennen es „full namaskar“, wenn sie sich im Tempel mit zusammengelegten Händen auf den Boden legen. „Dein Wille geschehe“ sagen wir in unseren Breitengeraden dazu. Das kommt – ganz einfach – von innen heraus. Man muss das Kind also nicht mit dem Bade ausschütten.

Karma Yoga ist in der Tat ein wunderbarer Weg. Wir können etwas von unserem Selbst vergessen, wenn wir lernen, unsere Kraft auch anderen zur Verfügung zu stellen. Es geht darum, den Mittelweg zwischen Trotz und Selbstaufgabe zu finden. Dann wird unser Herz weit – wie das von Hanuman. Wer dagegen von seinen Schülern Karma Yoga fordert und dabei nur „hilflose Helfer“ ausnutzt, hat nichts verstanden. Ein Lehrer, der seine Schüler wirklich für Karma Yoga begeistert, findet auch Freude darin, wenn er ab und zu selbst für sie das Bad sauber macht.

Mehr Info zum Autor Ralf Sturm finden Sie hier.

Nachgefragt bei ANNA RÖCKER

Warum muss man in Shavasana manchmal (scheinbar) grundlos weinen?

Man fühlt sich energiegeladen, ist gut gelaunt und besucht eine Yogastunde. Am Ende freut man sich auf die Tiefenentspannung, legt sich auf die Matte, entspannt – und plötzlich fließen die Tränen. Wie kommt es dazu? Die Therapeutin Anna E. Röcker liefert zwei Erklärungsansätze.

Diese Frage wird mir auch in meiner Praxis immer wieder gestellt. Meine Antwort beinhaltet zwei Aspekte: Zum Einen sind viele Menschen heute sehr unterschiedlichen Anforderungen ausgesetzt, die manchmal kaum noch zu bewältigen sind. Vor allem Frauen kämpfen häufig damit, Kinder und Beruf miteinander zu vereinbaren, sich um Angehörige kümmern und nebenbei den Alltag der Familie zu organisieren. Da bleibt kaum Zeit, sich um die eigenen seelischen Bedürfnisse zu kümmern, zu denen in erster Linie Ruhe und Zeit für sich selbst zählen. Die Seele mag bekanntlich keinen Druck und keine Daueranspannung. Sind Zeiten der Regeneration nicht mehr gewährleistet, kommt es unweigerlich zu Überlastungssymptomen auf körperlicher und psychischer Ebene. Die Yogastunden sind für viele wie kleine Oasen, in denen man sich wieder mit Energie aufladen kann. Während der
Tiefenentspannung (Shavasana) oder auch während einer Yoga-Nidra-Übung fallen oft schon nach wenigen Sekunden Spannung und Stress ab und es kommt unwillkürlich zu einem inneren Aufatmen, das sich nicht selten in Form von Tränen äußert. Die Tränen zeigen, dass innerlich wieder etwas in Fluss kommt und sich die Seele von Druck befreit.

Zum Anderen können Tränen auch darauf hinweisen, dass im Inneren schon länger ein Schmerz oder Problem schlummert, auf der bewussten Ebene aber nicht wahrgenommen wird. Dieses verdrängte Gefühl hat jetzt in der Tiefenentspannung die Chance, ins Bewusstsein zu gelangen und sich bemerkbar zu machen. Kommen Menschen mit diesem Thema zu mir in die Praxis, stellt sich meistens heraus, dass sie wohl ahnen, worum es sich handeln könnte, aber nicht den Mut haben, das Thema wirklich anzuschauen. In der Tiefenentspannung wird die Kontrolle, die unser Kopf üblicherweise ausübt, etwas schwächer. Der Verstand, der sonst unter anderem dafür zuständig ist, schmerzhafte Gefühle zu rationalisieren und auf der Verstandesebene eine Lösung zu finden, ist in diesen Momenten weniger präsent. Dafür ist das Gefühl stärker. Meistens sind diese Tränen dann ein wichtiger Hinweis, dass man sich mit einem dahinter liegenden Thema auseinandersetzen sollte.

Sie sollten sich also, wenn Ihnen während der Tiefenentspannung öfter die Tränen kommen, selbst fragen, ob es einfach ein Aufatmen der Seele ist, die endlich wahrgenommen wird, oder ein wichtiges Signal, sich mit einem tiefer liegenden Problem auseinanderzusetzen und sich gegebenenfalls therapeutische Hilfe zu holen.

Anna E. Röcker bietet in ihrer Münchner Praxis für Therapie und Inner Coaching unter anderem Yoga-Nidra-Seminare an. 

Wurzeln und Sprossen

Von der populären Wissenschaftlerin zur Aktivistin: Lange, bevor es gesellschaftlich hip wurde, engagierte sich die britische Forscherin und UN-Friedensbotschafterin Jane Goodall für den verantwortungsvollen Umgang mit der Natur. Der Kino-Dokumentarfilm „Jane’s Journey“ beleuchtet die innere Motivation der 80-jährigen Britin, die vor über 50 Jahren begann, in Tansania das Verhalten von Schimpansen zu erforschen und heute im Auftrag ihrer Bildungsinitiative „Roots & Shoots“ unermüdlich um die Welt reist.

Die Erkenntnis nennt sie heute „positiv schockierend“: Bald nach ihrer Ankunft im Gombe National Park/Tansania wurde Jane Goodall bewusst, wie sehr die Eigenschaften und Aktionen der Schimpansen denen der Menschen ähneln. Für die Wissenschaft waren ihre Thesen geradezu revolutionär – es war das Jahr 1960, und die 26-jährige Forscherin hatte noch nicht mal einen Studienabschluss. Ihr erster Beitrag für die Zeitschrift „Nature“ kam postwendend zurück, weil sie bei ihren beobachteten Affen von „er“ und „sie“, also von Individuen sprach. Als erste Wissenschaftlerin gab sie den Tieren in ihrem Forschungszentrum in Gombe keine Nummern, sondern Namen, wodurch viele konservative Kollegen ihre Objektivität bedroht sahen.

Aus dieser Haltung der Verbundenheit mit der Umwelt setzte Jane Goodall ihre Studien fort, promovierte 1965 in Cambridge und gründete 1977 das „Jane Goodall Institute For Wildlife Research, Education and Conservation“, eine mittlerweile globale Organisation. Ende der 80er Jahre gab sie ihre Forschungsarbeit auf, um sich ganz dem Umweltschutz zu widmen. Insbesondere ihr Programm „Roots & Shoots“ (dt. „Wurzeln und Sprossen“) gehört mit Aktivitäten in 120 Ländern zu den wichtigsten Jugendbildungsorganisationen weltweit. Die Frau hinter der globalen Vision und ihre Gründe, ihr Privatleben fast völlig aufzugeben und alle Energie radikal in den Dienst des Umweltschutzes zu stellen, zeigt der Dokumentarfilm “Jane’s Journey” des Münchner Filmemachers Lorenz Knauer. Der Film zeigt ihr Erfolgsgeheimnis, das sie in engen Kontakt mit Staatschefs und Prominenten wie Angelina Jolie gebracht hat: Ihr Ziel, weltweites Denken und Handeln nachhaltig zu verändern, führt über gegenseitigen Respekt – und das Herz, wie sie im Gespräch mit YOGA JOURNAL erklärt.

YOGA JOURNAL: Mrs. Goodall, mit Ihrer Arbeit für die Schimpansen im Gombe Nationalpark
in Tansania haben Sie als abenteuerlustige junge Frau für Aufsehen gesorgt und sind weltweit berühmt geworden. Welchen Stellenwert in Ihrer beeindruckenden Biografie geben Sie dieser Zeit heute?
JANE GOODALL: Sie hat meinen Lebenszweck bestimmt, mit Nachdruck auf die umfassende Verbindung von Menschen, Tieren, Pflanzen und der ganzen Erde hinzuweisen. Ihre Beweise, dass sich das Verhalten von Menschen und Schimpansen nicht gravierend unterscheidet, deckt sich mit der yogischen Idee von der tiefen Einheit aller Lebewesen. Allerdings nicht mit der wissenschaftlichen Vorstellung in den frühen 60er Jahren. 1960 und heute: Jane Goodall mit „ihren“ Schimpansen im Gombe Nationalpark, Tansania Die Art und Weise, wie meine damaligen Forschungsergebnisse vom damaligen akademischen Establishment aufgenommen wurden, hat mich entsetzt. Die westliche Wissenschaft hat den Menschen auf einen Sockel gestellt, bewusst eine Trennung vom Rest der Natur herbeigeführt und Tieren Bewusstsein, Gefühle und Seele abgesprochen. Noch heute kann ich mich darüber aufregen und warte auf den Beweis, dass Menschen überhaupt eine Seele haben Dennoch gibt es natürlich Unterschiede zwischen Menschen und Tieren. Ja, wir haben unseren Intellekt und eine ausgefeilte Sprache. Am wichtigsten ist aber der Unterschied, dass unser Verhalten einer Wahlfreiheit unterliegt. Das schafft eine immense Verantwortung, ändert aber nichts an der Tatsache, dass bespielsweise die Unterschiede zwischen der Menschen und Schimpansen-DNA bei nur etwa einem Prozent liegt. Menschen können von Schimpansen Bluttransfusionen bekommen. Wir sollten uns vor falscher Überlegenheit und Arroganz hüten.

In „Jane’s Journey“ bildet dieser Abschnitt Ihrer Biografie nur die Einleitung, der Fokus liegt eindeutig auf ihren heutigen Aktivitäten mit dem Jane Goodall Institute und der Organisation „Roots & Shoots“.
In meiner Biografie hat sich eine logische Kette ergeben: Um Affen zu retten, muss man den Wald retten. Um den Wald zu retten, muss man sich um die Menschen kümmern. Über die Jahre ist mein Ansatz immer ganzheitlicher geworden. Letztlich habe ich die wissenschaftliche Arbeit aufgegeben,um als Aktivistin tätig zu sein. In meinem „zweiten Leben“, wie ich es nenne, habe ich den geschützten akademischen Raum verlassen und gehe hinaus in die Welt. Es geht ganz einfach um die Zukunft unseres Planeten.

Woher nehmen Sie Ihre Energie, an über 300 Tagen im Jahr für Ihre Projekte unterwegs zu sein?
Die gleiche Energie hätte ich als 30-Jährige nicht gehabt. Wenn man älter wird, hat man schlicht und ergreifend weniger Zeit. Das lässt mich manchmal fast verzweifeln. Ich will meine verbleibende Lebenszeit mit etwas Wertvollem füllen. An Ruhestand denke ich nicht einmal: Den kann ich erst antreten, wenn die Welt gerettet ist. (lacht leise)

Unterstützen Sie Ihre Vision mit einer bestimmten spirituellen Praxis?
Ich habe meine individuelle Form von Meditation, die ich komplett aus der Kraft der Natur beziehe. Wenn ich allein durch den Wald gehe, gibt mir allein dieser Ort spirituelle Energie. Und obwohl ich eigentlich keine religiöse Person bin, erinnere ich mich oft eine Weisheit meiner Großmutter, die mit einem Geistlichen verheiratet war: „Jeder Tag schenkt dir die Kraft, durch den Tag zu gehen. Morgen ist ein neuer Tag, und die Nacht dazwischen gehört dir allein.“

In der Yoga-Community gibt es das intensive Bestreben, den individuellen Effekt der Praxis in die Tat umzusetzen: „Off The Mat Into The World“ ist der Name einer bekannten Initiative, die Yogis mit Wunsch nach gesellschaftlichem Engagement unterstützt. Was raten Sie Menschen, die sich für die Umwelt engagieren wollen, aber durch ihren Idealismus nicht ausbrennen wollen?
Um Menschen zu aktivieren, sollte man nicht den Intellekt, sondern Emotionen ansprechen, Erfahrung erzeugen. Wenn ich vor internationalen Versammlungen wie den United Nations spreche, komme ich oft nach zahllosen Powerpoint-Präsentation von Wissenschaftlern und Managern an die Reihe. Ich hingegen erzähle eher von meinen persönlichen Begegnungen mit Kindern im „Roots & Shoots“-Programm, die mir Fragen stellen wie: „Warum steht es so schlecht um unsere Erde?“ oder „Warum ist sie so zerstört worden?“

Geht es vor allem um Authentizität?
Ich verfahre nach dem Eskimo-Prinzip: Bring das Eis um die Dinge zum Schmelzen. Ich möchte die Herzen der Menschen öffnen, erzählen, was sie konkret tun können, informieren und keinen Pessimismus verbreiten. Ich möchte sie anregen, sich über die kleinen Entscheidungen des Alltags klar zu werden: Woher kommen die Produkte, die wir kaufen, was hat ihre Produktion bewirkt, wie gehe ich mit meinen Mitmenschen um… Das Stärken der eigenen Verantwortung. Nur aus verändertem Bewusstsein kommt echter Wandel. Wir alle haben riesigen Einfluss auf unseren Planeten und damit positive Macht. Viele Menschen kommen nach einem Vortrag auf mich zu und sagen mir: Ich bin ja viel wichtiger, als ich jemals gedacht habe. Im Westen entsteht Aktivismus eindeutig vor einem Hintergrund des Wohlstands.

Sie fördern das Engagement aber auch in den sogenannten Entwicklungsländern. Wo liegen hier kulturelle Unterschiede?
Im Westen entsteht der Wunsch zu helfen oft aus einer Grundmotivation von Schuld: Ich besitze so viel, und diese Menschen so wenig… Wenn man weniger wohlhabende Menschen über mögliches Engagement aufklärt, muss man sich intensiv und sensibel mit ihren Lebensumständen auseinandersetzen.

Welche Rolle spielt Vegetarismus in ihrem Leben?
Eine sehr wichtige. Ich selbst bin seit Jahrzehnten Vegetarierin, aber erst, als ich Peter Singers Buch „Animal Liberation: Die Befreiung der Tiere“ gelesen habe, wurde mir die globale Auswirkung maßlosen Fleischkonsums bewusst. Fleisch auf dem Teller repräsentiert Angst, Schmerz, Tod – und unglaubliche Klimabelastung.

Wie fließt diese Haltung in Ihre Projekte ein? Ich erinnere mich an eine Szene aus „Jane’s Journey“, in der Ihr „Chicken Project“ in Tansania vorgestellt wird.
Dieses Projekt hat zum Ziel, die ausufernde Wilderei in den Urwäldern einzudämmen. Frisches Gemüse ist dort Mangelware, deshalb versorgen wir die Bevölkerung für Ihre Ernährung mit freilaufend gezüchteten, gesunden Hühnern.

Ein Widerspruch?
Ich stelle mich nicht vor diese Menschen und befehle Ihnen, ab sofort Vegetarier zu werden. Man muss realistisch bleiben und einen Weg der kleinen Schritte einschlagen. Alles andere wäre engstirnig. Wenn wir uns fragen, was wir für andere tun können, sollten wir bei uns selbst anfangen. Auf keinen Fall wütend werden und nicht mit dem Finger auf andere zeigen. Aus dem Herzen handeln. Alles andere funktioniert nicht.

 

Meditation – Über die Grundtechnik hinaus

Sobald Sie mit Ihrer Grundtechnik vertraut sind, stehen Ihnen viele kontemplative Techniken zur Verfügung, die jeder Meditierende kennen sollte.

Jede richtet sich an eine unserer grundlegenden Unausgeglichenheiten. Genauso, wie Sie einige Zeit mit Ihrer Grundtechnik arbeiten, um zu sehen, ob sie „passt“, sollten Sie jede dieser Kontemplationen je einen Monat lang mehrmals pro Woche üben, bis sie sich Ihnen öffnet. Je erfahrener Sie bei der Erforschung Ihrer inneren Landschaft werden, desto besser werden Sie wissen, welche dieser Techniken Ihnen in der jeweiligen Situation hilft; welche Sie aus einer Sackgasse herausholt, Ihr Herz öffnet oder Ihnen dabei hilft, sich wieder „ganz“ zu fühlen. Hier stellen wir Ihnen einige dieser Techniken vor.

Liebe-und-Güte-Meditation (metta)
Bei der Metta-Meditation bewegen Sie sich durch mehrere Stufen eines Wunsches, mit dem Sie sich selbst, einem geliebten Menschen, einer unbekannten Person, einem Feind und der ganzen Welt Glück, Gesundheit und Freiheit wünschen.

Nehmen-und-Geben-Meditation (tonglen)
Bei der Tonglen-Meditation atmen Sie ein bedrückendes Gefühl oder irgendeine Art von Leid ein, dann atmen Sie Glück, Frieden und Heilung aus – an sich selbst, an eine Person, die Sie kennen, an eine Gruppe von Menschen irgendwo auf der Welt und letztendlich an alle Wesen gerichtet. Eine Wirkung dieser Technik ist die Feststellung, dass Ihre Emotionen nicht nur persönlich sind. Sie werden spüren, dass jedes Gefühl oder physische Leid universell ist, und Sie werden anfangen, mehr Nähe, Mitgefühl und Verbundenheit mit anderen Wesen zu empfinden.

Erdende Meditation
Bei dieser Art der Meditation verwurzeln Sie zum Beispiel die Füße im Boden, als ob Saugnäpfe darunter befestigt wären, oder Sie stellen sich ein Energieband vor, das Ihren unteren Rücken mit dem Zentrum der Erde verbindet. Erdende Techniken gibt es in vielen Traditionen, darunter auch welche, die aus der Kampfkunst stammen, wie beim Tai Chi und Qi Gong.

Chakra-Meditation
Eine wirkungsvolle Chakra-Meditation verbindet Sie mit den Energiezentren, die sich vom unteren Ende der Wirbelsäule bis zur Krone des Kopfes erstrecken. Stellen Sie sich vor, dass die Energie in Form von Licht durch die Mitte Ihres Körpers nach oben strömt und alle sieben Chakren bis zur Krone des Kopfes verbindet. Wenn die Energie die Krone des Kopfes erreicht hat, stellen Sie sich vor, dass ein Wasserfall aus Licht sich aus Ihrem Kopf über Ihren Körper ergießt.

Es gibt (nicht) viel zu sagen

Sagen Sie, was Sie wollen – aber werden Sie sich Ihrer Sprache bewusst! Damit der Sinn der Worte wieder mit Inhalt gefüllt wird.

Jede Szene hat ihren eigenen, ganz speziellen Stallgeruch: Wir erkennen einander am Benehmen, am Aussehen, an unseren Gewohnheiten, an der Weltsicht… und natürlich an der Sprache. Aus der jeweiligen gemeinsamen Ausdrucksweise wird schnell ein typischer Jargon, ein Sprachstil oder philosophisch gesprochen, ein Sprachspiel.

So gibt es einen „Sound“ der Yogaszene genauso wie es eine psychologische oder eine pastorale Rhetorik gibt, die man sofort erkennt. Diese Sprachspiele sind aber nicht nur charakteristisch für die jeweilige Szene, sie stecken auch die Grenzen unserer Welt ab und schränken uns ein, weil sie uns in gewisser Weise auf ein bestimmtes Denken festlegen. Die Pointe dabei ist jedoch, dass uns genau diese Festlegung und Einschränkung größtenteils nicht bewusst wird – wir gehen in unserer Sprache auf, wir sind in ihr sozialisiert, wir reflektieren nicht ständig darüber, ob die Worte, die wir benutzen, passen, oder ob wir sie immer verstehen. Die Bedeutung bestimmter Begriffe scheint dabei im Laufe der Zeit an Gewicht zu verlieren; durch den inflationären und oft unüberlegten Gebrauch können manche Worte im schlimmsten Fall sogar inhaltsleer werden. Wenn es um Yoga geht, würde ich Worte wie „Loslassen“, „Hingabe“ oder auch „Karma“ zu dieser Kategorie zählen wollen – vor allem, wenn Sätze wie zum Beispiel „Lass einfach los“, „Gib dich hin“ oder „Das ist dein Karma“ phrasenhaft bis betulich daherkommen. Weiß man wirklich, was damit gemeint ist? Es besteht die Gefahr, dass es von hier aus flugs Richtung esoterisches Kauderwelsch geht – wir kennen es aus floskelhafter Erbauungsliteratur oder bekommen es zu hören, wenn der Yogalehrer mal wieder „predigt“. Im besten Fall erzeugt dieses Geschwurbel einen warmen Nachklang, der uns irgendwie umsorgt und uns in unserem Weltbild bestätigt. Verständlicher werden die Dinge durch das ewige Wiederholen verstiegener und aufgeladener Begriffe allerdings nicht: Es fehlt nicht nur das Neue, Originelle und Überraschende, sondern meist auch ein Erkenntnisfortschritt.

Der deutsche Philosoph Ludwig Wittgenstein (1889–1951) meint dagegen: Alles was gesagt werden kann, kann klar gesagt werden. Das heißt im Umkehrschluss: Die übertriebene Verklausulierung der Sprache (der „Eso-Talk“) zeigt deutlich, dass der Gedanke dahinter nicht klar ist. Eine „Fachsprache“ wie die des Yoga muss übersetzbar bleiben in die allgemein verständliche Umgangssprache. Wollten wir jemandem den Begriff „Hingabe“ erklären, müssten wir das in umgangssprachlichen Ausdrücken tun, sonst werden wir nicht verstanden. Ist das nicht (mehr) möglich, befindet sich der Sprecher auf dem Holzweg – oder auf einem Terrain, über das nichts gesagt werden kann. Wittgenstein sagt ganz grundsätzlich, dass es die Aufgabe der Philosophie sei, philosophische Sätze zu klären und nicht weitere (unverständliche) philosophische Sätze zu produzieren. Die von Wittgenstein maßgeblich beeinflusste „ordinary language philosophy“, eine Philosophie, die sich der Alltagssprache bedient, fragt: Wie werden Wörter tatsächlich in der Umgangssprache verwendet? Erst und nur dadurch verstehen wir ihre Bedeutung. Die Probe für die Verständlichkeit von Sprache liefert die Formel: „Einen Satz zu verstehen, heißt zu wissen, was der Fall ist, wenn er wahr ist.“ Aber kennen wir überhaupt eine Methode, mit der wir überprüfen können, ob das Gesagte wahr ist? Wenn etwa gesagt wird, „Draußen regnet es“, dann weiß ich genau, was zu tun ist: Ich schaue aus dem Fenster oder trete kurz vor die Tür. Bei einer Bemerkung wie: „Das ist dein Karma“ dagegen weiß ich ganz und gar nicht, was ich tun könnte, um das zu überprüfen. Dafür fehlt mir der Durchblick. Wittgenstein fordert daher: „Denk nicht, sondern schau“. Aus dieser Forderung ergeben sich folgende Frage: Woher weiß ich etwas? Was bedeutet das Gesagte genau? Gibt es eine Methode, es zu überprüfen?

All das trifft genau die Auffassung von Yoga als einer praktischen Lebensphilosophie, die auf Erfahrung gründet, auf sie aufbaut und setzt. Der wilden Spekulation setzt Yoga das Ausprobieren, das bewusste Hinschauen, die konkrete Erfahrung entgegen: Wie geht es in der Welt zu? Für all das, was wir nicht sehen oder fühlen und auch nicht beschreiben können, empfiehlt Wittgenstein am Ende seiner berühmten Abhandlung „Tractatus Logico- Philosophicus“: Worüber man nicht reden kann, darüber muss man schweigen. Oder in anderen Worten, auf unser yogisches Sprachspiel bezogen: Statt nur über Spiritualität zu reden, sollten wir vielleicht lieber einmal wieder still werden, uns hinsetzen und meditieren.

Interview: Johannes Gutmann

„Den kann man nicht kopieren. Den kann man nur kapieren.“ Das schreibt der österreichische Journalist und Autor Peter Gnaiger in dem kürzlich erschienenen Buch „Gut geht anders“ über den Gründer und Chef des Sonnentor-Kräuterhandels Johannes Gutmann. Dieser hat in den letzten Jahren unter dem Logo der lachenden Sonne seine Bio-Qualitätsprodukte aus dem Waldviertel zu einem internationalen Exportschlager gemacht. Dabei ist er erstaunlich bodenständig geblieben. Wie macht er das nur?

YOGA JOURNAL: Herr Gutmann, in was für einer Zeit leben wir eigentlich?
JOHANNES GUTMANN: Wir leben in einer sehr spannenden Zeit voller Krisen, Sorgen, Hektik, Globalisierung, Geldgier und kurzsichtigen Handlungen. Gerade in solchen Zeiten ist es besonders wichtig, andere Wege einzuschlagen. Man muss von den ins Leere führenden Systemen Abstand zu nehmen, um die eigene Mitte und einen Ausgleich zu finden.

Sie forcieren mit all Ihrem Tun alternative Lebens- und Arbeitsformen. Müssen Sie das System ignorieren, um Ihre Ziele zu erreichen?
Nein, wir sind ja trotzdem alle Teil der Systeme. Wir sind aber nicht abhängig von den uns umgebenden Systemen, weil wir schon immer nach Unabhängigkeit und Freiheit und Freude gestrebt und gelebt und agiert haben.

Ihre rund 170 Mitarbeiter bei Sonnentor sind durchschnittlich nur sechs Tage pro Jahr krank, Ihre Qualitäten im Bereich der Personalführung werden überall über den grünen Klee gelobt. Was machen Sie richtig?
Wir machen es immer so, wie wir es auch selbst gerne hätten. Wenn wir Wertschätzung erfahren wollen, dann müssen wir zuerst Wertschätzung vorleben und geben. „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg’ auch keinem anderen zu“ – das wurde mir schon als Kind gesagt und vorgelebt. Dieser Grundsatz ist uns sehr wichtig und danach versuchen wir uns immer auszurichten.

Sie planen in Sprögnitz gerade ein Bio-Gasthaus, das den Projektnamen „Sonnentor-Akademie“ trägt. Und einen Ü60-Bauernhof haben Sie ebenfalls angedacht. Was kann man sich jeweils darunter vorstellen?
Die Sonnentor-Akademie beruht auf drei Säulen: Die erste Säule ist die der „Verpflegung“: Das gute Essen wird täglich ausschließlich aus der Region Waldviertel kommen. Damit werden die mittlerweile 40 000 Gäste versorgt, die Sonnentor jährlich besuchen kommen. Unsere Besucher wollen hier unsere Geschichte und unsere Grundsätze erfahren und spüren: gelebte Philosophie, leben und leben lassen, Wertschätzung. Die zweite Säule bildet das „Wissen“: Wir werden Kurse und Schulungen für Mitarbeiter, Franchisepartner, Partnerläden und alle Sonnentor-Fans anbieten, die den Bezug zu fruchtbarem Grund und Boden wiederfinden wollen, die sich wieder erden und mehr über Zusammenhänge des täglichen guten Lebens lernen wollen. Dies wollen wir mit unseren regionalen Bio-Bauern und unseren internationalen Bio-Anbauprojekten und Partnern realisieren. Die „Zukunft“ wird die dritte tragende Säule in der Akademie sein: Wir planen einen Sonnentor-Kindergarten für die Kleinen unserer MitarbeiterInnen, die von Kindheit an Zusammenhänge verstehen sollen. Und sie dürfen dort lernen, dass alles seine Grenzen hat und braucht. WIR für UNS! Der Ü60-Bauernhof soll das Kinderreich mit der Weisheit der älteren Bäuerinnen und Bauern zusammenführen. Viele betagte Menschen werden nicht mehr gebraucht und aufs Abstellgleis gestellt. Wir von Sonnentor vergeben zum Beispiel sehr viele Handverpackungs- und Etikettierungsarbeiten an solche helfenden Hände. Die Menschen sind glücklich, gebraucht zu werden und Anteil am Erfolg zu haben. Gebrauchtwerden im Sinne der Wertschätzung der Lebensweisheit und der Menschlichkeit – und nicht im Sinne der Akkordarbeit.

Was bedeutet gelebte Nachhaltigkeit für Sie?
Mit allen Ressourcen, die uns täglich zur Verfügung stehen, sorgsam umzugehen. Mir ist es wichtig, zu erkennen, was ich nicht brauche.

Wer oder was ist heute Ihre „emotionale Tankstelle”?
Meine Familie mit meiner kleinsten Tochter Lea und meiner lieben Frau Edith, sowie die vielen Bestätigungen und dankbaren Reaktionen unserer Fans und Kooperationspartner, die wir täglich bekommen.

Wie kam es zu dem Buchprojekt „Gut geht anders“ mit Peter Gnaiger?
Sonnentor begeistert nun schon seit 25 Jahren mit Bio-Kräutern und Bio-Gewürzen. Wir haben daher beschlossen, unseren anderen Weg des Erfolges und der Kooperationen mit der „normalen Wirtschaft“ und deren Krisen zu vergleichen. Der Ecowin-Verlag war sofort bereit, diese Idee mit dem Journalisten Peter Gnaiger und uns umzusetzen.

Im Buch sagen Sie zu Peter Gnaiger „Wir müssen Kreisläufe werden, keine Zahnräder.“ Was meinen Sie damit?
Zahnräder funktionieren nur so lange, wie es im vorgesehenen Ablauf rund läuft, so lange nichts bricht. Kreisläufe sind und bleiben flexibel. Sie müssen immer angepasst werden, sind ständig Veränderungen unterworfen. Sonnentor agiert als Teil des Kreislaufes und wartet nicht aufs Reagieren eines Zahnrades, das nur funktioniert.

Begrüßen Sie die Entwicklung, dass Bio heute mehr „Lifestyle“ versprüht als noch vor wenigen Jahren?
„Biologie“ heißt übersetzt „Lebenslehre“. Das ist unsere Lebensbasis, so wie der Mensch ein Teil der Natur ist. Bio ist mittlerweile ein Trend geworden. Grundsätzlich bin ich froh, dass sich immer mehr Menschen danach richten. Es geht mir aber weniger um die Kontrolle als vielmehr um das Vertrauen in das gute Leben, das jedem zugänglich sein soll. Da muss jetzt nicht unbedingt „Bio“ drauf stehen. Es gibt viele Wege, die ein glückliches Leben ermöglichen.