Das G’sund & Natur Hotel DIE WASNERIN****S liegt im Steirischen Salzkammergut, der Mitte Österreichs. Im hauseigenen Yoga-Kompetenz-Zentrum werden täglich Yoga-Einheiten im Rahmen des Aktiv- & Freizeitprogramms geboten, darüber hinaus finden monatlich Workshops zu verschiedenen Themen statt. Hier können Gäste eine Auszeit im Einklang mit der Natur erleben.
Wer kennt das nicht: Durch Musik ausgelöstes Lachen oder Weinen? Das Einheitsgefühl mit völlig Fremden Beim „Olé, Olé“ im Stadion? Klänge und Emotionen sind spürbar verbunden – und genau so wirken Bija-Mantras.
Treffen Komponisten die „richtigen“ Töne, fühlen wir mit – ob wir wollen oder nicht. Sie spielen mit Tonhöhen, Klangfarben und Rhythmus und kreieren einen Klangteppich, auf dem wir in eine Gefühlswelt fliegen. Dabei reichen Töne völlig aus, Wörter sind nicht nötig. Im Yoga gibt es eine Mantra-Praxis, die mit gesungenen oder gesprochenen Lauten arbeitet, dabei aber wortlos ist: Bija-Mantras sind Klangsilben ohne wörtliche Bedeutung. Das wahrscheinlich bekannteste Bija-
Mantra kennt jeder: Om.
Am Anfang war der Klang
Alten indischen Schriften zufolge ist Om der Ur-Ton des Kosmos, das Echo des Urknalls. Alle grundlegenden Klangformen sind in ihm enthalten, so wie weißes Licht einen ganzen Regenbogen enthält. (Und das Symbol dieser Idee finden wir auf T-Shirts, als Kettenanhänger und Tattoos – wer hätte gedacht, dass wir uns mit philosophischer Physik schmücken?)
Weitere bekannte Bija-Mantras sind die den Chakras zugeordneten Laute: Lam, Vam, Ram, Yam, Ham. Als Zeichen in Devanagari-Schrift findet man sie in der Mitte der Lotos-Symbole zu den Chakras. Diese Lautsilben müsste man eigentlich mit einem Punkt auf dem ‚m’ wiedergeben, denn der Punkt ist nicht nur yogischer Nerdismus, sondern aussprachlich höchst relevant: Er bezeichnet unter anderem die Nasalierung des vorhergehenden Vokals. Das bedeutet, man zieht die Laute mit einem Schuss französischem Akzent in den Nasenraum hoch. So schwingt die Silbe in Kopfnähe und lädt das Bewusstsein zum Paartanz ein. Genau darin liegt der Sinn von Bija-Mantras: den Übenden in eine bestimmte energetische Schwingung zu versetzen.
Klang bringt in Schwingung
Schwingungen werden hörbar, wenn sie in der richtigen Frequenz auf unsere Ohren treffen, wenn die kleinen Hörknöchelchen mitschwingen und diese Signale im Gehirn verarbeitet werden. Aber wir nehmen Schwingungen auch anders wahr – über die Haut und über unsere eigene Schwingung. Ja, wir schwingen auch. Den Lehren der alten Yogameister zufolge vibriert das gesamte Universum mit allem, was darin existiert. Diese Vibrationen beeinflussen sich gegenseitig. Das kann man sich so vorstellen: Ein Stein, der in einen Teich geworfen wird, erzeugt eine kreisförmige Welle – ein visueller Klang. Bei einer Handvoll Kiesel entstehen mehrere solcher Klangwellen. Angenommen, ein Stein steht für einen Yogi. Je nachdem, wie er beschaffen ist, schwingt er. Um tiefe Einheitsgefühle zu erreichen, müsste der Plumps-Kreis vielleicht ein bisschen anders aussehen, nämlich genauso wie jener, der durch den Einheitsgefühl-Stein erzeugt wird. Wenn man jetzt die richtigen Kieselsteine zum Yogi-Stein wirft, verändern sich die Wellen zu Einheitswellen. Diese Kiesel sind die „bijas“.
Bija heißt Keim und bezeichnet das energetische Potenzial, das ein solcher Klang beinhaltet – ähnlich wie ein Pflanzenkeim das Potenzial der Pflanze in sich trägt. Die Keimsilben der Chakras beispielweise entsprechen der Schwingung des jeweiligen Energiekreises und regen es durch Singen der Lautsilbe an. Wie alle Mantras müssen auch Bijas durch einen initiierten Lehrer aufgeladen werden, damit sie ihre volle Wirkung entfalten können. Auch Wissen über Sanskrit ist nötig, um die Bijas richtig zu verstehen. Es ist ein Thema, das immer feinere Töne anschlägt, je mehr man sich ihm nähert.
Man hört nur mit dem Herzen gut
Mit Bija-Mantras kann der Yogi seine Energien reinigen und seine Schwingung modifizieren. Aber wozu? Er schwingt sich in verschiedene Aspekte ein, bis er eins wird mit dem essenziellen Ur-Klang, aus dem alles entstanden ist und der alles verbindet. So eingetunt, beginnt der Yogi auch die Schwingungen des Universums wahrzunehmen: Die hörbare Frequenz erhöht sich, bis man den „unangeschlagenen“ Klang (Anahata) wahrnimmt. Es ist der Klang der Stille, sagen die Yogis. Der Klang des Herzens. Und nur mit ihm hört man wirklich gut.
Der Yoga-Boom treibt bizarre Blüten: aufwendigste Yoga-Fashion, Matten für über 100 Euro, sinnlose Accessoires und superteure Retreats. Doch selbst ohne diese Ausreißer muss man sich fragen, wie das viele Geld und Yoga zusammenpassen?
Der freundliche Münchener Hausbesitzer hatte sich letzten Sommer seinen persönlichen Yogalehrer kurzerhand aus dem Urlaub mitgebracht. Für ganze vier Wochen hatte er den Inder, der angeblich mehrere Studios in Dubai besitzt, zu sich „eingeladen“. Nun wollte er, dass wir uns kennenlernen und am besten gleich gemeinsam in einem seiner Häuser eine Schule eröffnen. Meinem Vorschlag, zuerst gemeinsam zu üben, konnten beide wegen wichtiger Termine nicht folgen. Ich habe sie nicht wiedergesehen. Aber bevor die beiden zurück in das Maserati-Cabriolet stiegen, gab es noch eine Visitenkarte – darauf der Name des Inders und allen Ernstes die Bezeichnung: „Chief Guru„.
Wahrscheinlich hilft da nur Humor …
Auch sonst erzählt mir jeden zweiten Tag jemand, der ein bisschen zu viel Geld hat, dass er jetzt ganz viel Yoga macht oder gleich machen wird, schon viel weniger Fleisch isst (außer heute), meist keinen Pelz mehr trägt, kaum noch mit seinen drei Autos fährt und überhaupt seinen Lebensstil gerade ändert. Die ganze Idee hierzu kommt aus der letzten Ayurveda-Kur in der Karibik. Und daher will man nun auch unbedingt ein Retreat im Himalaja oder Costa Rica planen, um noch tiefer in die Praxis einzutauchen und sich selbst besser kennenzulernen. „Weißt du da vielleicht etwas Passendes für mich?“, lautet dann die drängende Frage. Meine Antwort, doch einfach ins nächste Studio in normale Yogaklassen zu gehen, stößt bisweilen auf ungläubiges bis entsetztes Schweigen: Ich? Normal? In einer Gruppe im Studio? Parkplatz? Mit der U-Bahn fahren? Damit hat sich die Sache meist bis zum nächsten Urlaub erledigt.
Yoga besteht aus drei, vier einfachen Ideen. Die Wirbelsäule aufrichten, den richtigen Abstand der inneren Organe zueinander wieder herstellen, dem Atem Raum verschaffen und ihn mit der Bewegung zusammenbringen. Nun mag es sein, dass auch das tolle „Gravity Yoga“ auf den Malediven, von dem mir kürzlich berichtet wurde, all diese Aspekte vorbildlich berücksichtigt, doch ein entscheidender Punkt fehlt dabei. Die Einfachheit, das Natürliche, das Selbstverständliche der Praxis. Und dazu die Erkenntnis, dass man ein normaler Mensch ist, der sich ganz simpel in Bescheidenheit, Zufriedenheit und Dankbarkeit üben sollte.
Wollen wir weniger – oder immer mehr?
Der Schriftsteller Rainald Goetz sagt, Geld gäbe schlicht einen einzigen Befehl. Den nach MEHR. Yoga aber sagt: WENIGER, langsamer, behutsamer. Und diese Diskrepanz ist es, die das Leben mit viel Geld und die Idee des Yoga auseinanderklaffen lässt. Die Gefahr, dass die Yogapraxis für reiche Menschen oberflächlich bleibt, ist groß. Extra zum Yogaüben auf die Malediven zu fliegen, ist bestenfalls lächerlich – wenn nicht mehr.
Geld unterstreicht wie in der Werbung den Narzissmus: „Unterm Strich zähl’ ich!“ Yoga dagegen fragt: Was kann ich für andere tun? Das Bemühen, langweiligen und gelangweilten Geld-Gästen in jedem Luxus-Spa dieser Welt neuerdings Yoga nahebringen zu wollen, ist insofern manchmal rührend – und manchmal obszön. Die Meditation über Gewaltlosigkeit scheitert sowieso spätestens beim Mittagessen, wenn wieder Fleisch und Fisch vom Feinsten auf dem Teller landen.
Es gibt ein schönes Buch von Pier Paolo Pasolini aus dem Jahr 1962, das in einer von Andreas Altmann erweiterten Neuauflage erschienen ist: „Indien“ (Corso Verlag). Darin vergleicht Altmann das heutige Indien mit dem, das Pasolini vor über 50 Jahren vorgefunden hat. Und während sich Pasolini angesichts der verheerenden Armut fragt, wie man denn so leben kann, stellt Altmann lakonisch fest, dass es uns trotz unseres unfassbaren Reichtums nicht gelingen mag, glücklich zu sein. „Wir wollen wissen, wie ein Mensch, sprich ein Inder, so glücklich sein kann. Wie geht das? Mit nichts, fast nichts. Während uns kein Glück – sagen wir, nur wenig Glück – gelingt. Dabei sind wir beladen mit Wohlstandsgerümpel wie nie zuvor. Wir haben so viel und doch: Um kein Gramm wird unser Herz leichter, strahlender. Und sie haben so wenig und so viel Leichtigkeit.“
Der Autor Michi Kern lebt und unterrichtet als Jivamukti-Yoga-Aktivist in München. Neben Yogastudios betreibt er diverse Clubs sowie Restaurants und studiert Philosophie. | Foto von Elina Fairytale von Pexels
Das Mantra „So ham ham sa“ hat seinen Ursprung im Rig-Veda, einem der frühesten Weisheitstexte Indiens. Die Bedeutung: In bin das Absolute. Das Absolute bin ich. Jede und Jeder ist ein Teil eines Größeren und dennoch ein großes Ganzes für sich. Das Mantra spendet Hoffnung und Zuversicht. Denn jeder Einzelne ist wichtig und wirkt nicht nur für sich, sondern hat auch für das Gesamte eine große Verantwortung.
Wir möchten Dich heute dazu einladen, die Woche mit diesem Gedanken zu beginnen. Das Mantra kann auch mit einer Atemübung kombiniert werden. Bei der Einatmung mache Dir bewusst „Ich bin das Absolute“, bei der Ausatmung „das Absolute bin ich“. Wandere dabei mit der Aufmerksamkeit von außen nach innen und von innen nach außen. Nach und nach kommt mit der vertieften Atmung das Gefühl einer Verbindung auf. Alles ist eins.
Wir wünschen eine wundervolle Woche mit viel Verbundenheit!
Hierzu passt ein viel gehörtes und oft genanntes Zitat von Rumi, das sehr bildlich verdeutlicht, was es bedeutet, sich im Großen und Ganzen zu erkennen:
“ You are not a drop in the ocean, you are the entire ocean in a drop“
Dass es im Yoga (und im Leben) eigentlich immer um die einfachen Dinge geht, um die Verbundenheit, den Atem, das Spüren, und dass es letztlich nur sehr wenig braucht, um tiefe Erfahrungen und Veränderungen zu erleben: Man kann es nicht oft genug betonen.
Mark Whitwell predigt diese Einfachheit konsequent und seit vielen Jahren – und das inmitten einer sich oftmals an Sensationen selbst überbietenden Yogawelt. Das und seine lebenskluge Sicht auf den Menschen hat ihm eine große Fan-Gemeinde nicht nur in Amerika, sondern auch hier bei uns eingetragen. Ob man nun Sex eine so wichtige Rolle zusprechen möchte, wie Whitwell es tut, und wie sich das mit dem Keuschheitsgebot der traditionellen Texte vereinbaren lässt, sei mal dahingestellt.
Was viele deutsche Leser aber sicher irritieren dürfte, ist die (typisch amerikanische?) Art, die Leser mit Glücksverheißungen zu bombardieren. Bei Whitwell ist schon der Titel ein Versprechen: Anhand einiger wirklich simpler, in Verbindung mit dem Atem ausgeführter Bewegungen soll der Leser aber nicht nur eine innige Verbindung zu sich selbst aufbauen und zu „mehr Liebe, Sex und Intimität“ finden, Whitwell verspricht nichts weniger als die Erfüllung „Ihrer kühnsten Träume“, ein „7-Minuten-Wunder“ also.
Na dann: Tief einatmen, Arme heben. Ausatmen, Arme senken – und bitte nicht in Selbstzweifel verfallen, wenn Sie sich nach 40 Tagen vielleicht noch nicht am Ziel Ihrer Träume sehen.
Das 7-Minuten-Versprechen, Einfache Yoga-Meditation für mehr Liebe, Sex und Intimität, Mark Whitwell, Knaur Menssana, Preis: ca. 10 Euro
Wie funktioniert das in Beziehungen leben zwischen Mann und Frau? Ralf Sturm erklärt die universellen Archetypen mit der Ramayana. Einer der ältesten Epen der Welt.So können wir alle von den Göttern lernen.
Wie viele Männer können ihre Frau in ihrem ganzen Wesen sehen? Zu oft beschränkt man(n) sich auf seine Meinung, wie die Dinge zu sein haben. Wenn man als Mann über starke Frauen schreibt, begibt man sich zwangsweise auf dünnes Eis. Weil wir Männer die Weiblichkeit eben nur aus unserer Perspektive sehen können. Allzu schnell beziehen wir uns auf unseren Verstand, um zu beurteilen, was eine Frau erlebt. Dann fällt es uns leicht, ein Urteil abzugeben. Mit dem wir unser Gegenüber allerdings manchmal dramatisch verpassen. Später sind wir schockiert und traurig darüber, wie viel Lebendigkeit wir versäumt haben. In unserer Sicherheit, Recht gehabt zu haben. Funktioniert so in Beziehungen leben?
Die Ramayana – älteste Geschichte Asiens
Wenn ich Nachrichten aus Indien höre, kann ich die Art und Weise, wie dort mit Frauen umgegangen wird, oft kaum aushalten. Lange habe ich mich deshalb gesträubt, meinen Reiseteilnehmern das Ende der Ramayana zu erzählen. Einer der ältesten Geschichten Asiens, in der von den Abenteuern des Prinzen Rama und seiner Gemahlin Sita berichtet wird. Rama ist Vishnu, der vom Himmel auf die Erde gekommen war, um Recht und Ordnung wieder herzustellen, die durch den bösen Dämon Ravana bedroht waren. Dieser raubte ihm im Laufe der Geschichte sogar seine geliebte Sita.
Verbannung statt Happy End?
Nach langer Suche und einer furchtbaren Schlacht zwischen den Armeen Ramas und Ravanas konnte Sita befreit werden. Nun hätte die Geschichte eigentlich mit Happy End abgeschlossen sein können. Stattdessen kam es zu einem interessanten Twist. Die Bewohner von Ramas Königreich begannen, an der Ehrbarkeit von Sita zu zweifeln. Schließlich war sie lange in der Gefangenschaft Ravanas gewesen und es hätte ja sein können, dass der Dämon sie unsittlich berührt hat. Damit wäre auch Ramas Ehre befleckt. Für uns hört sich das absurd an, aber die Geschichte ist ein paar tausend Jahre alt, und das Weltbild war damals sehr archaisch. Folgerichtig entschied sich Rama – da seine Aufgabe ja war, das „Recht“ durchzusetzen – dem Willen seiner Untertanen zu folgen und Sita in die Verbannung zu senden. Obwohl sie ihre Unschuld sogar durch einen Gang durchs Feuer unter Beweis gestellt hatte.
Von Festhalten und Loslassen
Sie verließ das Land erhobenen Hauptes, und brachte jenseits der Grenze Ramas Kinder zur Welt. Die Zwillinge Luv und Kush. Was muss in ihrem Herzen vorgegangen sein? Davon erzählt die Ramayana nicht. Sie berichtet lediglich, dass Rama eine vergoldete Statue von Sita anfertigen ließ, um seine Liebe zu ihr zu zeigen. Männer möchten Frauen eben gerne „festhalten“. Jahrelang lebten sie getrennt voneinander und die Kinder wuchsen heran. Eines Tages veranstaltete Rama ein Ritual, während dessen ein Pferd freigelassen wurde. Das lief über die Grenze des Landes zu den beiden Söhnen, die es Ramas Soldaten nicht mehr herausgeben wollten. Rama musste wieder in den Kampf. Nur stand er diesmal seinen eigenen Kindern gegenüber. Dass die Söhne seine Soldaten besiegten, sahen die Bewohner des Königreiches als Zeichen, und Rama bat nun auch Sita zurückzukommen, wenn sie noch einmal ihre Reinheit unter Beweis stellen würde.
Kraft der Lebendigkeit in Beziehungen leben
Sita hatte auf so einen Unfug keine Lust mehr. Sie rief die Mutter Erde an und sprach: „Wenn ich ehrbar war, dann möge ich dorthin zurückkehren, wo ich herkomme!“ Im selben Moment öffnete sich die Erde unter ihr und nahm sie mit sich. Rama blieb alleine zurück. Denn so wie er eine Inkarnation des Gottes Shiva war, so war auch Sita niemand anderes als Lakshmi. Die Kraft der Fruchtbarkeit, die Kraft der Erde. Und Lakshmi lässt sich nicht zähmen. Sie tat es vor 50 000 Jahren nicht und das ist heute auch noch so. Sita war nicht – wie es manchmal scheint – die wehrlose Jungfrau in Not. Als Frau trug sie alle Kraft der Lebendigkeit und der Natur in sich. Kinder gebären und großziehen war ein Job, den selbst Rama nicht fertig brachte. Klar, dass sie sich da nicht alles gefallen ließ.
Was den anderen bewegt
In gewisser Weise triumphiert Sita also am Ende. Und doch macht uns das nicht froh. Hätte sich Rama nicht viel früher ein Herz nehmen und mit alten Traditionen und Vorstellungen brechen können? Was er damals nicht geschafft hat, können wir vielleicht heute wagen. Wenn wir beginnen, uns dafür zu interessieren, wer unsere Frauen wirklich sind. Was in ihnen vorgeht, welche Freude und welcher Schmerz sie bewegt. Im Yoga passiert das schon. Das Gesicht des Yoga hat sich in den vergangenen vierzig Jahren bereits verändert. Dabei hat Yoga nicht von den Lehrern, sondern von den Lehrerinnen gelernt, die dem alten männlichen Konzentrationsweg eine feminine Komponente geschenkt haben. Nicht nur die Sonne, auch der Mond wird heute gegrüßt. Vielleicht können auch wir Männer durch Ramas Fehler lernen, den Mond, die sanfte Seite in unserer Partnerin, wieder mehr zu sehen und uns davor zu verneigen. So können wir in Beziehungen leben.
Ralf Sturm hat zusammen mit Katharina Middendorf bei GU das Buch „Götter-Yoga“ veröffentlicht. Mehr Informationen unter www.ralfsturm.de
Maya Fiennes galt lange Zeit als prominentes Aushängeschild des Kundalini Yoga. Inzwischen geht sie bewusst auch eigene Wege. Wir sprachen mit der international bekannten Yogalehrerin.
Worin liegt aus deiner Sicht der größte Schatz, den Kundalini Yoga zu bieten hat? Kundalini schenkt den Übenden eine Öffnung und ein Verständnis ihrer eigenen Energie. Man erfährt, wie die Energie durch einen hindurchfließt, um ein gesünderes, glücklicheres Leben zu ermöglichen, das die Magie an jedem einzelnen Tag auf den Plan ruft.
Stimmt es, dass du ausgehend von Kundalini Yoga nach Yogi Bhajan mehr und mehr deinen eigenen Stil entwickelst? Ja, ich habe einen eigenen Stil entwickelt, bei dem ich Musik verwende, um die Erfahrung zu verstärken. Als ausgebildete Musikerin und Yogalehrerin verstehe ich ganz gut, wie man mithilfe einer Kombination von Klang und Yoga energetische Blockaden im Körper lösen kann.
Worauf kommt es dir dabei vor allem an? Ich liebe es, wenn ich direkte Ergebnisse sehe und Menschen helfen kann, sich besser zu fühlen. So begann ich nachzuforschen und meine eigenen Fähigkeiten in Verbindung mit den Werkzeugen von Yoga, Qigong und Klang einzusetzen. Aus dieser Kombination entstand „Mayas Yoga for Real Life“.
So lautet auch der Titel deines Buches. Wie sieht denn eine sinnvolle Verbindung zwischen Yogapraxis und „wahrem Leben“ aus? Ich habe das Buch „Yoga for Real Life“ vor allem geschrieben, um Menschen bei ihren ganz alltäglichen Herausforderungen zu helfen. Das Problem ist ja oft: Kleinigkeiten, die einen irritieren, werden irgendwann zu riesigen Hindernissen, wenn man sich ihnen nicht stellt. Ich zeige, wie man diesen Momenten von Angst, Panik und Sorge, die wir alle kennen, mithilfe eines „Quick-Fix“ begegnen kann, um die Probleme gering zu halten.
Und was hast du weiter vor? Ich entwickle mein Yogakonzept ständig weiter und setze immer wieder neue Ideen um. Erst kürzlich habe ich ein Verfahren entwickelt, um das Wohlbefinden meiner Schüler evaluieren zu können. Demnächst wird es dann eine App mit einem 14-Tage-Selbstheilungsprogramm geben. Der Hintergrund dafür ist: Ich arbeite jetzt schon so viele Jahre mit Menschen, dass ich gelernt habe, die Kluft zu erkennen, die sich häufig zwischen den spirituellen, mentalen, körperlichen und emotionalen Ebenen auftut. Mir geht es darum, meinen Schülern zu helfen, diese verschiedenen Elemente wieder miteinander zu verbinden und eine Harmonie herzustellen.
Unterrichtest du überhaupt noch die von Yogi Bhajan gelehrten Sequenzen? Ja, das tue ich.
Bevor du Yogalehrerin wurdest, warst du Konzertpianistin. Könnte man sagen, dass das Unterrichten einer Sequenz von Yogi Bhajan so ist, wie wenn du das Klavierkonzert eines berühmten Komponisten aufführst, während du mit „Mayas Yoga“ deine eigene Melodie spielst? Das ist eine schöne Art, es zu beschreiben – genauso fühlt es sich an. Ich sage oft, dass ich nicht nur Musik komponiere, sondern auch Yogastunden.
Heute wollen wir euch mit einem Mantra in die Woche begleiten, das dabei helfen kann, euch bewusst von geistiger und körperlicher Anspannungen zu lösen.
„Die Dinge loszulassen bedeutet nicht, sie loszuwerden. Sie loslassen bedeutet, dass man sie sein lässt.“ Jack Kornfield
Am besten stimmt ihr euch auf das Mantra ein, indem ihr einen aufrechten Sitz einnehmt. Das kann auf dem Stuhl oder auf dem Meditationskissen passieren. Werdet euch der Atmung bewusst und nehmt wahr, wie der Atem ein- und ausfließt. Bei jeder Ausatmung könnt ihr bewusst daran denken, Negatives, Verbrauchtes und Altes loszulassen. Bei jeder Einatmung stimmt ihr euch darauf ein, Neues, Frisches und Energie aufzunehmen. So nutzt ihr den Atem als eine Anleitung dafür, Schritt für Schritt – Atemzug für Atemzug – in die Stille zu kommen. Genau wie der Atem kommt und geht, kommen und gehen auch die Gedanken.