Senf-Champignons mit Paprika

Ergibt als Vorspeise 8 Portionen

Dieses Rezept erinnert an die spanische Küche. Ähnlich wie bei den Champignons, die Sie aus der Tapas-Bar kennen, werden die Pilze in Apfelwein gekocht, mit Senf aufgepeppt und schließlich mit eingelegter Paprika kombiniert. Für dieses Rezept empfehlen wir mild-scharfe Piquillo-Paprika aus dem Glas, sie können jedoch auch durch andere Sorten ersetzt werden. Als Tapas einfach auf Zahnstocher aufspießen und auf kleinen Tellern servieren.  

  • 3 EL Olivenöl
  • 800 g weiße oder braune Champignons,
    je nach Größe halbiert oder geviertelt
  • 4 Knoblauchzehen, klein gehackt
  • 120 ml Apfelwein (Apfelcidre)
  • 2 EL Senf
  • 1 Glas Piquillo-Paprika oder andere eingelegte,
    geröstete Paprika

Erhitzen Sie das Olivenöl in einer großen Pfanne bei mittlerer Hitze. Geben Sie die Champignons dazu und braten Sie sie 7 bis 10 Minuten sanft an, bis sie Wasser ziehen. Danach geben Sie den gehackten Knoblauch dazu und warten, bis das Wasser überwiegend verdunstet ist. Rühren Sie den Apfelwein und den Senf unter und lassen Sie die Pilze 5 bis 10 Minuten darin köcheln, bis sie weich sind und sich die Senfsauce verdickt hat. Wenn sie auf Raumtemperatur abgekühlt sind können Sie die Piquillo-Paprika dazugeben.

„Yoga funktioniert überall“

Das T-Shirt flattert im Nordseewind, ansonsten ist alles ruhig und stabil: Auf ihrer DVD „Beach Yoga“ bewegt sich die Hamburger Anusara-Lehrerin Anna Rech mit Leichtigkeit in Richtung Horizont.

Für dein Programm auf der DVD „Beach Yoga“ nutzt du die herrliche Weite des Nordseestrandes bei St. Peter-Ording. Wie soll das Ganze im Wohnzimmer funktionieren?

Das klappt wunderbar! Es ist natürlich großartig, wenn man die Möglichkeit hat, draußen in der Natur zu praktizieren, aber Yoga funktioniert überall. Ich habe meine Anleitungen bewusst einfach und präzise gehalten, so dass man nicht die ganze Zeit hinzusehen braucht. Und wenn man doch mal einen Blick auf den Bildschirm wirft, ist man – genauso wie ich während des Videodrehs – im eigenen Wohnzimmer von der Weite des Strandes inspiriert und fühlt sich innerlich gleich viel leichter und freier.

Inwiefern spielt es für dich persönlich eine Rolle, wo du Yoga praktizierst? Welche Möglichkeiten eröffnen sich, wenn wir draußen in der Natur üben?

Es ist schön und unterstützend, an einem ruhigen und geordneten Platz zu sein, aber es gibt für mich keine notwendige Voraussetzung für meine Praxis. Gerade wenn ich mich auf eine geführte Online-Stunde einlasse, benötige ich eigentlich nur ausreichend Platz für Matte und Laptop. In der Natur zu üben, erdet und erfrischt natürlich enorm. Dort ist es viel leichter, mit der inneren Natur, also unserer Essenz, verbunden zu sein. Wir gewinnen an Leichtigkeit und Erdung.

Auf der DVD beschäftigst du dich unter anderem mit der Harmonie zwischen Gegensätzen. Wie kann (dein) Yoga hier ansetzen?

Im Anusara Yoga hat die Intention, also die innere Einstellung, eine ganz große Bedeutung. So beginnen wir jede Praxis mit einer positiven Absicht, die den Stellungen einen besonderen Impuls von innen heraus schenkt. Im alltäglichen Leben geht es uns oft so, dass wir Mangel verspüren. Wir glauben, uns für das eine oder andere entscheiden zu müssen. Viel schöner und auch sinnvoller finde ich den Ansatz, die scheinbaren Gegensätze miteinander zu kombinieren.

Wenn ich mich zum Beispiel nach mehr Sicherheit sehne, muss ich meine Freiheit nicht zwangsläufig aufgeben. Und auch Ruhe und Kraft oder Struktur und Weite sind gegensätzliche Qualitäten, die gerade in ihrer Verbindung sehr harmonisierend wirken -können. Durch eine gesunde Balance können wir zurück in -unsere Mitte finden.

Als wohltuend empfinde ich, dass „Beach Yoga“ trotz der Location kein yogisches „Bikini-Workout“ anbietet, sondern Harmonie und Ausgleich in den Mittelpunkt stellt. Wie stehst du zur Körperbetonung im modernen Yoga? 

Der Zugang über den Körper ist für die meisten Menschen sehr viel leichter als sich ruhig hinzusetzen und zu meditieren, obwohl wir eigentlich alle noch viel mehr Pausen und Entspannung bräuchten. Um uns selbst wieder mehr zu spüren, ist es wichtig, -bewusst mit dem eigenen Körper zu sein. Dadurch können wir auch die Teile, die wir vielleicht nicht so sehr schätzen, annehmen und lieben lernen. Von daher ergibt das -körperbetonte Yoga als Einstieg absolut Sinn. Gleich-zeitig wird aber auch der Geist gestärkt und entspannt. Das entscheidende Bindeglied ist der Atem.

Auch die moderne Yogaszene ist ja nicht frei von körperlichen Idealvorstellungen … 

Das weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass wir durch die innere Ausrichtung auch im Außen viel bewegen und formen können. Du entscheidest, wie du dich fühlen möchtest! Nach und nach kann sich die positive Ausrichtung auch im physischen Körper manifestieren.

Wann fühlst du dich persönlich am intensivsten in deiner Mitte?

Ich bin aus Sicht des Ayurveda ein Vata-Konstitutionstyp, also mit viel Leichtigkeit ausgestattet. Deshalb ist für mich als Ausgleich Erdung superwichtig. Wenn ich in der Natur bin, überkommt mich eine tiefe Ruhe. Hier finde ich gut in meine Mitte zurück – ich fühle sie am intensivsten, wenn alles im Fluß ist. Dann, wenn ich eine gewisse Beständigkeit kultivieren kann, die aber noch genügend Freiraum für Spontaneität zulässt.


Für ihre DVD „Beach Yoga“ (WVG Medien, ca. 13 Euro) kooperierte Anna Rech mit „Yogaeasy – Online von den Besten lernen“, wo auch weitere Übungsprogramme mit ihr zu sehen sind.  www.yogaeasy.de

„Wir haben uns nicht alle lieb!“ – Interview Sascha Schmidt

Als Paarberater ist Sascha Schmidt von dem dänischen Familientherapeuten Jesper Juul inspiriert. Seine Yogapraxis, intensiviert durch eine Lehrerausbildung, gibt ihm dabei inneren Halt. Der sichere Weg zum eigenen (Beziehungs-)Glück – und dem seiner Klienten? YOGA JOURNAL hat nachgefragt.

Sascha, als Berater von Paaren und Familien in der Krise hast du es regelmäßig mit der Ernüchterung einer weit verbreiteten Glücksvorstellung zu tun. Es gibt ja kaum etwas, das mehr Erfüllung verheißt, als Beziehungen.

Genau da liegt der Haken. Glücksempfindung ist meiner Meinung nach etwas hoch Individuelles. Wann ist man glücklich? Mancher beim Joggen, der andere beim Anblick eines Sonnenuntergangs. Glück hat immer etwas mit mir selbst zu tun: als Empfänger einer Situation, als jemand, der etwas empfindet. Heikel wird es, wenn ich mein Glücksempfinden von etwas oder jemandem abhängig mache und meinem Partner vermittele: Du bist da, um mich glücklich zu machen.

Eine Rolle, die oft auch auf Kinder übertragen wird.

Da wird es noch sensibler. Der Partner kann abwehren und sagen: „Sorry, kümmere dich bitte erst mal um dich selbst.“ Das Dilemma der Kinder ist, dass sie auf Gedeih und Verderb mit ihren Eltern verbunden sind. Sie können keine neuen Eltern tindern, sie sind einfach da. Deswegen haben Eltern eine noch größeres Verantwortung, um sicherzustellen, dass die Kinder nicht dazu da sind, sie glücklich zu machen. Denn sie glauben uns sofort, dass dies ihre Aufgabe im Leben sei. Dann fangen sie an, sich zu verbiegen. Später merken sie, dass sie ihr eigenes Gefühl nicht wahrgenommen haben, sondern sich immer am Glücksbedürfnis ihrer wichtigen Bezugspersonen orientiert haben.

„Du machst mich so glücklich“: Woher kommt die Idealisierung der Liebe?

Früher heiratete man und lernte sich lieben, heute läuft es anders herum. In der Verliebtheitsphase dominiert die rosarote Brille, den Rest blenden wir aus. Alles, was schön ist, verbinden wir mit der Person, in die wir uns verliebt haben. Dann gibt es den ersten Stresstest: Ist Liebe da oder ist man in ein Bild verliebt? Strengt uns das Päckchen an, das der Partner mit sich trägt, oder nehmen wir die Person so, wie sie ist? Es ist, was es ist, sagt die Liebe … Natürlich haben wir ein Grundbedürfnis nach Glück, Zufriedenheit und dem Gefühl, wertvoll zu sein. Je weniger wir das als Kind eventuell von unseren Eltern vermittelt bekommen haben,  desto mehr hecheln wir später nach der Anerkennung anderer und überfrachten auch die Beziehungspartner.

Welche Möglichkeit hat man dann als Erwachsener, diesen möglicherweise entgangenen Selbstwert zu stärken?

Genau dieses „Selbstwertgefühl“ ist ein zentraler Begriff bei meinem Guru (obwohl er keiner sein will!), dem dänischen Familientherapeuten Jesper Juul. Er beschreibt großartig, wie jedes Kind für seine Bindungspersonen wertvoll sein will und manchmal bis zur Selbstauf­gabe kooperiert. „Ich liebe dich, auch wenn du nächtelang durchschreist, den Übertritt ins Gymnasium nicht schaffst oder keine Lust zum Yoga hast“: Diese hohe Kunst haben wir häufig verlernt. Wenn einer ausschert, kommt die Liebe auf den Prüfstand. Kinder nicht, die lieben uns bedingungslos. Ihnen bleibt ja auch nichts anderes übrig …

Also strengen sie sich an, die entsprechenden Erwartungen zu erfüllen.

Hier kommt das Selbstbewusstsein ins Spiel. Ich kann etwas, und ich weiß, dass ich es kann. So funktioniert ja auch unsere Gesellschaft, durch Leistung, Bewertung, Noten: Ich bin wertvoll, wenn … Natürlich ist Selbstbewusstsein wichtig, um das eigene Können einzuschätzen. Nur sollte man es nicht auf das Gefallen anderer ausrichten. Je mehr Kinder selbstverständliche Akzeptanz erfahren, sind sie als Erwachsene mit innerem Halt versehen und nicht abhängig von äußeren Signalen.

Welche Rolle kann Yoga hier spielen?

„Wer innehält, erhält inneren Halt“: Das geht über viele Wege, Qi Gong, Achtsamkeitspraxis, Segeln, Kochen. Für mich ist Yoga eine wunderbare Lebensphilosophie und Methode, die uns hilft, den Blick nach innen zu richten und in Dialog mit Atem, Körper und Gedanken zu kommen. Das ergibt eine gute Basis für den Blick auf die Beziehung, weil ich plötzlich die Brille erkenne, durch die ich mein Gegenüber betrachte. Ich kann Muster erkennen, zum Beispiel das Bedürfnis nach ständiger Anerkennung durch den Partner. Kann ich sie aus mir selbst beziehen und den Partner damit  neu sehen, entlaste ich ihn enorm. Durch Yoga können wir an das rankommen, was eigentlich los ist.

Auch im Yoga gibt es romantische Tendenzen zur „großen Familie“, es gibt Stile und Veranstaltungen, die dies regelrecht zelebrieren. Wie sieht es da mit der Harmonie aus?

Da reagiere ich etwas aller­gisch. In meinen Augen ist Harmonie der Tod jeder Beziehung! Die Behauptung „Wir haben uns alle lieb“ hört man im yogischen Umfeld sehr oft. Zu „Peace“ gehört aber auch Krieg. Wir wünschen ihn uns nicht, aber er gehört dazu. Wir leben in einer dualen Welt, auch was Beziehungen betrifft. Wir haben uns keinesfalls alle lieb! Hinter den Kulissen der Yogawelt herrscht genauso wie woanders Konkurrenz und agieren Menschen gegeneinander. Das ist oft eine Ernüchterung, aber ganz normal. Niemand braucht einen Harmoniebrei, der nicht funktioniert.

Trotzdem scheint es diese Sehnsucht zu geben.

Das Verlangen nach Harmonie, Ruhe, Stille und Anerkennung kann aber auch aus Angst vor Konflikten resultieren. Meiner Meinung nach sind Konflikte jedoch das, was uns voranbringt. Nach meinen ersten Yogastunden reagierte ich oft aggressiv und sensibel auf Reize. Ich war verwirrt, denn es sollte doch inneren Frieden bewirken! Zunächst hat es aber etwas anderes freigelegt – zum Leidwesen meiner damaligen Ehefrau, der ich damals ziemlich missionarisch gegenübertrat.

Glück ist also nicht ungebrochen hell und harmonisch?

Viele Menschen fühlen sich nach einem Konflikt befreit, ein Gefühl, das ziemlich nah am Glück liegt. Es ist etwas ausgeprochen, ausgetragen. Im spirituell überlasteten Bereich wird das Unangenehme gerne weggewischt. Ich möchte aber nicht mit jedem meine Wohnung oder im Retreat das Zimmer teilen! Wir sind miteinander verbunden, aber jeder hat Grenzen. Auch Yogalehrer, die dies deutlich zeigen, sind mir sympathischer als ungebrochen sanfte, fast „heilige“ Wesen. Natürlich haben auch sie eine Rolle, die sie mit Verantwortung ausfüllen wollen und sollten, weil Menschen dazu neigen, Lehrern eher zu folgen, als auf sich selbst zu hören. Aber deutlich zu benennen, wie es um einen steht, damit der andere Klarheit hat: Das versteht auch Jesper Juul unter „Authentizität“.

Yoga ist also „Schauen, was los ist“.

Wie lange habe ich davon geträumt, den Lotussitz zu schaffen. Ich bin aber bald 50, es geht nicht – auch weil meine Hüfte nicht dafür gebaut ist! Da kann ich noch so viel YOGA JOURNAL lesen, ich schaffe es nicht. Für diese Erkenntnis brauchte ich sieben Jahre, weil ich zunächst dem Leistungsprinzip gefolgt bin. Dann habe ich gemerkt, dass Annehmen die Voraussetzung für das Loslassen ist: Mehr als der halbe Lotus ist in diesem Leben für mich nicht drin.

Da wären wir wieder beim Ideal, an dem sich auch Beziehungen abrackern.

Eine der wichtigsten Aussagen Jesper Juuls ist für mich: „Wenn es in deiner Beziehung gut, also konstruktiv läuft, lebe doch bitte einfach so weiter. Lies nichts dazu, lebe.“ Wenn es bei einem Mitglied des Systems jedoch destruktive Gefühle gibt, macht es Sinn, sie sich Impulse von außen zu suchen. Impulse, keinen Rat! „In drei Schritten zum Beziehungsglück“: Solche Formeln sind erfolgreich, aber bringen wenig. Wichtig ist Selbstreflexion und das, was Yoga bewirken kann: das Wahrnehmen und Formulieren der eigenen Grenzen, in der Asanapraxis erstmal die körperlichen. So ist das. Lasse ich es so oder möchte ich es ändern? Das ist sehr gut auf Beziehungen übertragbar: „Du nennst mich zwar seit 10 Jahren ,Hase‘, aber ich möchte das nicht mehr.“

Anmerkung aus dem Leben: Geht einer der Partner komplett im Yoga auf, kann es den anderen eifersüchtig machen. Kann die Begeisterung für die Praxis wie eine „Affäre“ wirken? 

Als Partner bemerkt man natürlich Veränderungen am Betriebssystem. Wenn man nicht transparent damit umgeht, entsteht schnell das Gefühl, nicht integriert zu sein – vor allem, wenn man nicht zumindest die Chance bekommt, sich dazu zu stellen, auch um eventuell zu sagen: „Das ist nichts für mich, aber ich freue mich, dass es dir guttut. Denn davon proftiere ich auch.“ Dann hat es Affärencharakter. Anders betrachtet: Wenn ich selbst das Gefühl habe, mein Partner brennt nicht dafür und kommentiert womöglich negativ, reagiere ich sensibel und erzähle weniger, weil es ja für mich selbst Neuland ist. Und entwickle mich bewusst in eine andere Richtung.

Ist es also nötig, mit dem Gegenüber Schritt zu halten?

Nein. Voraussetzung ist Transparenz, damit das Gegenüber andocken kann. Bis hin zu: „Ich freue mich für dich und habe sogar Angst, dass wir uns entfremden könnten.“ Auch das kann man in einer Beziehung auf Augenhöhe ja benennen.

Als Paartherapeut verordnest du deinen Klienten sicher keine Yogaübungen.

Wir dürfen eines nicht vergessen: Wir, die wir Yoga üben und leben, können unsere Umwelt damit auch sehr nerven. Wir wissen ja immer, wie alles zu sein hat, was „yogisch“ ist und was nicht. Es gibt aber ein weites Feld in der Welt, das mit Yoga nichts zu tun hat oder haben will, aber fast yogischer agiert als wir. Durch die individuelle Art zu leben.

Oh ja. Integrierst du deine Erfahrung mit Yoga trotzdem auch konkret in deiner Arbeit?

Sie prägt auf jeden Fall meine innere Haltung. Mir persönlich helfen Yoga und Achtsamkeitspraxis, in inneren Kontakt zu treten. Ein anderer sagt: Schön, ich fahre lieber Motorrad. Oder spiele Gitarre. Ich begegne vor allem Paaren in Not, da geht es nicht um die richtige Atmung, sondern die Frage, ob man sich trennt. Dafür versuche ich, die gegenwärtige Situ-ation zu ergründen und die Vergangenheit möglichst außen vor zu lassen: Dinge ohne Wollen einfach zu benennen und zu sehen. Dabei helfen mir die Yogaphilosophie sowie die Ethik des säkularen Buddhismus enorm. Es ist allerdings nicht der Grund, weshalb die Leute zu mir kommen. Ganz nach Jesper Juul liefere ich keine Methoden, sondern Beziehungsangebote. Die viel beschworene „Lösung“ ist erst mal unbekannt.

Wo ich Yoga zukünftig stärker integrieren will, ist im Programm „Eltern im Jetzt“, das ich speziell für Yogastudios entwickelt habe. Wir nutzen die dadurch gegebene Offenheit für Yoga für leichte Asanas und Pranayama. Mit dieser Vorbereitung reflektieren wir anschließend die Familienwerte Jesper Juuls.

Jesper Juul ist sicher und auch berechtigt der „Guru“ einer neuen Elterngeneration. Siehst du ihn auch als Yogi?

In seinen Ideen finde ich von Esoterik, Spiritualismus sowie der indischen Religion und Kultur befreite Essenzen. Tief beeindruckt bin ich von seiner Präsenz und der Ermunterung, die Dinge so zu sehen, wie sie sind. Zweifellos hat er sein Leben lang als echter Genussmensch nicht gesund gelebt. Jedoch wird Yoga als Vorstellung vom Leben und Glücksverheißung überfrachtet.

Wenn man Juul „yogisch“ interpretieren will, dann so: Die größte Yogapraxis ist das Familien- und Beziehungsleben. Wenn es hilft, dass jemand vormittags in einen Yogakurs geht, um nachmittags gelassener mit seinen Kindern umzugehen, wunderbar. Wenn sich eine Parallelwelt aus Workshops, Retreats und Yogaclique auftut und das Zuhause die „andere“ Welt wird, stehen die Dinge anders. Wenn der Funke überspringt, neigt man dazu, Yoga genauso überzustrapazieren wie beim Verliebtsein. Auch hier kommt unweigerlich die Phase des Realitätschecks und die Frage, wie viel Liebe ist noch da? Dann findet jeder einen Weg für sich.

Wie stehst du zum etwas sperrigen Begriff „Beziehungsarbeit“?

Hört sich auch für mich mühsam an. Ich will lieber ein Gespräch führen und mit meinen Klienten eine Beziehung aufbauen, in der Impulse gesetzt werden können. Ähnlich wie in einer Asana: Wir hören manchmal, dass es funktioniert, wenn du dich lange genug dehnst. Aber vielleicht ist es anatomisch gar nicht möglich. Dann können wir ohne konkretes Ziel dranbleiben und trotz des scheinbaren „Nichts passiert“ die kleinen Veränderungen wahrnehmen. Mit „Dranbleiben“ meine ich in diesem Fall Selbsterkenntnis: Was passiert in mir, was sind meine Anteile daran, dass die Beziehung manchmal schwierig ist? Was kann ICH ändern? Das kann entscheidende Weichen stellen.

Wann lohnt sich die Trennung?

Sie ist in meinen Beratungen immer eine Option. Das ermöglicht es, auch das Bleiben freier zu reflektieren. Wenn es ein No go ist, bleibt man eventuell nur zusammen, um die Trennung zu vermeiden. Wie immer eigentlich geht es hier um unterschiedliche Perspektiven.


Sascha Schmidt ist zwei-facher Vater, geschieden und neu verheiratet, Paarberater, Autor („Wieder Paar sein!“) und Family-lab-Seminarleiter nach Jesper Juul. Seine Ausbildung als Yogalehrer erhielt er an der Europäischen Akademie für Ayurveda in Birstein. Eine seiner größten Glückserinnerungen handelt von seiner Tochter, die sich während seiner Morgenmeditation auf seinen Schoß setzte und selbst ganz still wurde. Seit seine Kinder wissen, dass Schmidts Begeisterung für Yoga auch zur Trennung von ihrer Mutter beitrug, stehen sie der Praxis weitaus skeptischer gegenüber.

wieder-paar-sein.de

Medien-Tipp: The Light in the Dark

Es werde Licht! Mit seinem neuen Album zeigt sich der Münchner Musiker Philipp Stegmüller von seiner puristischen Seite. „The Light In The Dark“ ist ein Studio-Album im Live-Setup – ohne langes Nachbearbeiten einzelner Tonspuren und Songs. Das reduzierte technische Setting ist in der Musik hörbar: Jeder einzelne Track des Albums strahlt die Ehrlichkeit, Nähe und Wärme der handgemachten Musik aus. Aufgenommen in den Langton Studios verbinden sich die

Titel zu einer Reise durch verschiedene spirituelle Traditionen: von uralten Mantras über peruanische Wasserlieder bis zu englisch-deutschen New-Age-Songs. „Verbindend ist dabei die Vision, durch das gemeinsame Singen der Lieder immer wieder das Licht in der Dunkelheit zu entzünden“, sagt Philipp Stegmüller. Nach seiner phänomenalen Kinderyoga-CD -„Kiyomamu“ nun also ein neues Highlight, dessen Herzstück Stegmüllers eigene Version der Hanuman Chalisa ist – mit Gitarre und afrikanischer Harfe.

Fazit // Ob als entspannender Hintergrund oder ganz bewusst – diese Musik kann uns durch den ganzen Tag begleiten.


The Light in the Dark
Von Malikarjuna Philipp Stegmüller
www.malikarjuna.com
Preis // ca. 10 Euro

Interview: Curse

Freiheit und Methode

Im Zenith seiner Karriere schmeißt ein erfolgreicher Rapper alles hin. Was ihm fehlte? „Glück“, sagt Michael Kurth alias Curse. Was meint er damit? Der Buddhist, Coach und Lehrer für tibetisches Yoga im Gespräch.

Curse, in deinem Buch „Stell dir vor, du wachst auf“ beschreibst du Methoden, mit denen du mehr Präsenz und Klarheit in dein Leben gebracht hast. Normalerweise steht der Einsatz fester Formeln dem Verständnis von Kunst und Kreativität entgegen.

Und meine Probleme entstanden dann, wenn genau das passierte. Wenn ich das Gefühl hatte, mich in krassen Gegensätzen zu befinden: „Ich kann das eine nicht machen, weil das andere anliegt. Ich kann nicht gelöst sein, weil mich Strukturen unter Druck setzen. Ich gerate ins Driften, weil ich keinen Halt habe.“ Meine Erfahrung mit Meditation, Yoga und Achtsamkeitspraxis haben mir geholfen, unter anderem diese Trennung aufzuheben.

Also kann man auch in der Anspannung Entspannung leben?

Warum nicht? Samsara, es geht ja immer weiter. Die Vorstellung, dass alles immer funktioniert, wenn ich nur die drei richtigen Dinge beachte, ist ja eine Illusion. Mit meiner persönlichen Mischung aus Elementen des systemischen Coaching und Bewusstseinsübungen habe ich gelernt, mir  bestimmte Impulse zu setzen. Das wurde zur regelmäßigen Praxis. Und selbst wenn es damit mal nicht so klappen sollte, habe ich eine bewährte Grundlage, zu der ich jederzeit zurückkehren kann. Ich möchte von keiner Methode abhängig sein. Die Praxis gibt mir zwar Struktur, aber ihre Methoden helfen mir vor allem, wenn die Struktur mal wegbricht. Mit einer solchen Situation gehe ich mittlerweile tatsächlich viel entspannter um als früher.

Siehst du darin auch einen Schlüssel zum Glück? Falls ja, zu welchem?

Ob ich heute glücklicher bin als vor zehn Jahren? Ja, eindeutig. Dennoch kann ich es nicht hieb- und stichfest definieren. Ein Buddhist würde sagen, dass ein solcher Schlüssel in der Erleuchtung liegt, aber er würde nicht von „Glück“ sprechen, eher davon, die wahre Natur des Geistes zu erkennen. „Glück“ ist sicher ein überstrapaziertes Wort. In meinem Leben habe ich es früh mit meinem Traum gleichgesetzt, Musik zu machen, damit und davon zu leben. Seit ich zehn, elf Jahre alt war, wollte ich immer Rapper werden. Das verstand ich unter Ankommen und Zufriedensein. Darüber hinaus hatte ich immer den Wunsch nach einem ausgeglichenen Zustand, einem gesunden, erfüllten Leben. Aber obwohl ich als Künstler Erfolg hatte, stellte er sich nicht ein.

Das „Schneller, Weiter, Höher“ funktionierte nicht.

Was ich nicht verstanden habe. Ich versuchte, die Antwort im Äußeren zu finden, arbeitete noch mehr, plante größere Konzerte und wollte höher in die Charts. Ich setzte auf Leistung und wollte messbare Ergebnisse. Meine innere Programmierung lautete: Sei stark, sei perfekt. Je mehr ich ihr folgte, desto unglücklicher wurde ich.

Würdest du von einem Burnout sprechen?

Ähnlich wie in der Diskussion um Depression will ich hier keine Schublade aufziehen, aber auf jeden Fall gab es das Hamsterrad-Gefühl. Ich schien immer mehr zu investieren, um immer weniger zu erreichen. Selbstkritik, Selbstzweifel und Einsamkeitsgefühle waren an der Tagesordnung. Gleichzeitig funktionierte ich bestens. Nur weil ich ein ziemlicher Durchhaltemensch bin, hat es mich nicht zerrissen. Stattdessen kam das Gefühl, dass ich, wenn es so weitergeht, als Mensch endgültig an einen Punkt kommen würde, an dem ich nicht mehr weiter kann. Es musste sich also grundsätzlich etwas ändern, nur wusste ich nicht, was.

Du hast dann erst mal eine Pause von der Musik eingelegt. Warum musstest du dich von diesem Teil deiner selbst trennen?

Ich war der Meinung, differenzieren zu müssen. Im Studio zu sein, Songs zu schreiben und auf der Bühne zu stehen, war nie das Problem. Schwierigkeiten machten mir das Darstellen, Verkaufen, mich in die Öffentlichkeit zu bringen. Davon brauchte ich eine Pause, nicht von der Musik an sich: Ich habe in der Zeit sogar ein Rockprojekt angefangen, aus reinem Spaß.

Wurde – verzeih das Wortspiel – der Curse zum Fluch?

Aber hallo! Ich habe dann angefangen, für andere Künstler zu schreiben, und hatte sogar einige Top-Ten-Hits. Ich habe Kunst gemacht, musste sie aber nicht verkörpern, was ich sehr genoss. Für mich als Curse habe ich Klarheit geschafft, alle Verträge auslaufen lassen und in meinem Umfeld für Verwunderung gesorgt. Privat habe ich meine langjährige Beziehung beendet. Schließlich habe ich mit einem systemischen Coach gearbeitet, der mich noch weiter hinter die Kulissen geführt hat, mit der einfachen Frage „Worum geht es hier?“ Irgendwann stand ich nur noch vor mir selbst. Und auf dieser Reise, sehr genau hinzuschauen, habe ich Meditation entdeckt.

Was waren die wichtigsten Stationen dieser Reise?

Ich habe einige Systeme ausprobiert und habe meine wichtigsten Anker im Buddhismus, Osho-Kontext und dem tibetischem Kum-Nye-Yoga gefunden, das ich heute auch unterrichte. Extrem wichtig für mich war und ist auch das „Path of Love“-Programm. Mit meinem Buch und meinem Podcast will ich aber niemanden mit krassen Meditationserfahrungen, extremen Konzepten und den speziellen Instruktionen meiner Lamas überladen. Letztlich empfinde ich das als Privatsache. Mir geht es darum, die Basics zu zeigen, die für mich gewirkt haben, aus denen wiederum andere sich ihr eigenes System basteln können.

Womit wir wieder bei Formeln wären: Ist deine im Buch beschriebene „OOOO+X“-Methode ein Baukasten für bewusstes Leben?

Darin konzentriere ich einfach meine Erfahrungen, die eigentlich gar nicht spektakulär, sondern realistisch gelebt sind. Das erste O steht für „offener Raum“, das zweite O für das portugiesische Wort „Obrigado“ – Dankbarkeit als Praxis und Ressource –, das dritte O für OM, also Meditation, das vierte O für das japanische „Ocha“ – Bewusstheit in alltäglichen Dingen – und das X für „Exercise“, also Bewegung. Für all das müssen wir nicht in den Himalaya ziehen, wir können aber jeden Tag einen kleinen, wichtigen Schritt gehen.

Das widerspricht eindeutig dem Leistungsprinzip, das absurderweise auch häufig auf spirituelle Systeme übertragen wird.

Buddha hat sich nicht vor 3000 Jahren unter den Baum gesetzt, damit Manager heute effizienter an ihren Tabellen arbeiten können. In meinen Workshops und Ausbildungen habe ich oft eine Atmosphäre des  „Let’s master this!“ gespürt. Für mich zählt inzwischen die Ausrichtung nach innen. „Relax. It’s gonna be fine.“ Aus der Entspannung entstehen die besten Ideen, der beste Zugang zu sich selbst. Da ich auch Coachings im Business-Kontext leite, höre ich Menschen oft sagen: „Ich habe 15 Minuten, gib mir drei Tools für mehr Ruhe und Klarheit.“ Ich antworte dann so: „Das erste Tool ist mehr Zeit, dann entspanne dich und atme ganz tief ein.“ Unser Problem ist oft nicht die fehlende Methode für ein besseres Leben, sondern die unbestimmte Vorstellung, es sollte „besser“ sein. Das gilt auch für den Körper. Wir sollten ihn nicht als optimierungsbedürftig, sondern als Tor zur Freude empfinden. Als offenes Tor, ohne Gatekeeper.

Braucht es für diese Erkenntnisse ein gewisses Alter? Muss man schon eine Weile gelebt haben, um überhaupt das Verlangen danach zu entwickeln?

Ich habe Literaturwissenschaft und Soziologie studiert, und auch in meiner Musik sind diese Themen seit meinem ersten Album präsent: Wer bin ich, wer sind die anderen, Selbst- und Außenwahrnehmung. Das hat sich in den letzten 20 Jahren nicht maßgeblich verändert. Anders als früher beschäftige ich mich aber nicht mehr nur intellektuell damit, sondern brauche die Erfahrung.  Die Auseinandersetzung damit ist ins Tun gegangen. Ich kann zehn Meditationsbücher lesen oder mich zehn Minuten still hinsetzen. Dann entsteht eine zusätzliche Dimension.

Wie beeinflusst es dich, dass du seit neun Jahren in einer Familie lebst?

Genau deswegen sehe ich zu, dass ich mich um meinen Scheiß kümmere. Ich bin froh, dass ich intensiv an mir selbst arbeiten konnte, bevor meine Frau und ihr damals vierjähriger Sohn in mein Leben traten. Gerade der Kontakt mit ihm motiviert mich, auch meine Schattenseiten zu konfrontieren und offen mit ihnen umzugehen. Und apropos Struktur: Das Familienleben bringt mir mehr Routine als jede Meditation. Wenn mein damals kleiner Sohn morgens in seinem Spiderman-Frottee-Schlafanzug vor mir stand, war sonnenklar, welche Abläufe jetzt starten. Das tat mir gut. Denn das Künstlerleben ist in den seltensten Fällen routiniert.


Mit seinen genreuntypisch poetischen Texten gilt der in Berlin lebende Curse als einer der Wegbereiter des deutschen Rap und hat seit 1996 sieben Alben veröffentlicht. Besondere Bekanntheit erlangte er vor allem durch den mit Silbermond aufgenommenen Song „Bis zum Schluss“ (2008), der bis heute sein erfolgreichster Titel ist. Außerhalb der Musikszene gibt er Workshops zu den Themen Meditation und Work-Life-Balance, dazu produziert er den Podcast „Meditation, Coaching & Life“ und gehört zum Line-up der Wanderlust Festivals 2018. Sein Buch „Stell dir vor, du wachst auf“ ist bei Rowohlt erschienen. 

www.curse.de

Quick Tips: Wende dich an dein Herz

Eine einfache kleine Übung, um uns im Alltag immer wieder mit unserer sattvischen Kraft zu verbinden, nennen wir das „Wartespiel“. Anstatt, wie es unserem von Rajas geprägten Wesen entspricht, in jede Redepause hinein gleich etwas zu sagen, drängen wir diesen Impuls zurück und lauschen erst einmal auf die Energie um uns herum. Aus diesem Lauschen heraus steigen dann häufig viel natürlichere und kraftvollere Worte in uns auf. Das Sanskrit-Wort für diese Praxis heißt „Pratyahara“: Rückzug der Sinne. Es ist die Fähigkeit, seine Aufmerksamkeit nach innen zu wenden und sich in seiner Mitte zu fokussieren. Am liebsten üben wir Pratyahara, indem wir die Aufmerksamkeit auf unser Herzzentrum richten. Wir tun das immer dann, wenn wir merken, dass ein Mensch, eine emotionale Reaktion oder ein starker Impuls uns in eine bestimmte Richtung zieht.

Natürlich gibt es dafür noch eine Reihe anderer Techniken: Man kann sich auf seinen Atem einstimmen, die Füße oder Sitzfläche bewusst mit dem Boden verbinden oder sich einen Moment lang die Verbundenheit aller Wesen und Dinge bewusst machen. All das dient dazu, sich aus der vollständigen Verwicklung im Drama des Augenblicks zu lösen. Stattdessen verbindet man sich mit einer offenen Präsenz und findet Zugang zur seiner tiefsten Quelle der Kraft.

Dr. Ronald Steiner: Dreh- und Angelpunkt

Das Hüftgelenk sorgt nicht nur für einen aufrechten Gang, es spielt auch in vielen Yogahaltungen eine zentrale Rolle. Diese Yogatherapie-Strecke soll Ihnen dabei helfen, die Gesundheit dieses wichtigen Gelenks zu erhalten.

Das Hüftgelenk kann man durchaus als Dreh- und Angelpunkt des Körpers bezeichnen: Es bewegt das Bein bei stabilem Rumpf (zum Beispiel beim Gehen) und den Rumpf bei stabilen Beinen (beim Bücken oder Drehen). Auch bei vielen Asanas spielt der Bewegungsraum des Hüftgelenks eine entscheidende Rolle.

Das Hüftgelenk – Voraussetzung für eine aufrechte Fortbewegung

Das Hüftgelenk verbindet Becken und Oberschenkelknochen, dadurch ermöglicht es uns einen aufrechten Gang. Um stabil zu sein, ist der Gelenkkopf zu mehr als der Hälfte von der Gelenkpfanne umhüllt – das -Gelenk ist somit knöchern geführt. Zusätzlich ziehen 23 -Muskeln- (3 Extensoren, 4 Flexoren, 5 Adduktoren, 5 Abduktoren, 6 kleine Außenrotatoren) von allen Seiten in diversen Richtungen über das Hüftgelenk. Kaum ein anderes Gelenk besitzt eine derart stark ausgebildete muskuläre Ummantelung. Diese muskuläre -Hülle hilft, das gesamte Bewegungsspektrum des Kugelgelenks zu nutzen – also den Oberschenkel in alle Richtungen zu bewegen. Arbeiten diese Muskeln harmonisch zusammen, halten sie den Oberschenkelkopf in jeder denkbaren Stellung schwebend in der Mitte seiner Gelenkpfanne. Ist dies nicht der Fall, entstehen schnell spürbare Probleme, die erhebliche Einschränkungen in der Bewegung mit sich bringen können.

Risiken für das Hüftgelenk

Ist das Muskel-Gleichgewicht gestört, kann es beispielsweise zu folgenden Phänomenen und Symptomen kommen:

Sprung-Phänomen

Sobald ein einseitiges Bewegungsspektrum die einen Muskeln verkürzt und die anderen abschwächt, ist die Balance gestört. Als Zeichen dieser Dysbalance springen dann Muskel-Faszienzüge bei Bewegung übereinander. Typisch ist dabei ein Springen seitlich im Bereich des M. Tensor Fasciae Latae (Seit-faszienspanner), die sogenannte „Läufer-Hüfte“. Nicht ganz so häufig, aber ebenfalls charakteristisch, ist ein Umschlagen in der Leistengegend: Dort springen die Stränge des M. Iliacus (Darmbeinmuskel) und des M. Psoas Major (großer Lendenmuskel) übereinander und führen zur sogenannten „Tänzer-Hüfte“.

Impingement-Syndrom

Als Ursache der knöchernen Führung und durch die Nähe der beiden Gelenkpartner kommen oft Klemm-Phänomene (Impingement-Syndrom) vor. Ursache ist nicht immer ein zu breiter Hals (CAM) oder eine zu enge Pfannenöffnung (Pincer), sondern häufig der Oberschenkelkopf, der unharmonisch in seiner Pfanne rollt. Erst wenn er wiederholt anstößt, wächst der Knochen und zeigt das typische Bild eines zu breiten Oberschenkelhalses (CAM) oder verdickten Pfannenrands (Pincer). Diese ungünstige Kollision lässt sich jedoch mit gezielten Übungsfolgen vermindern: Sind die Muskeln rings um das Gelenk in einem harmonischen Gleichgewicht, halten sie den Gelenkkopf in der Bewegung stets optimal zentriert.

Arthrose

Da auf das Hüftgelenk starke Kräfte wirken, ist die Belastung auf den Gelenkknorpel vergleichsweise hoch. Schon geringe anatomische Unterschiede, wie beispielsweise eine kleinere knöcherne Ummantelung des Oberschenkelkopfes, können den Druck weiter -verstärken. Wenn die Muskulatur aus der Balance gerät, wird die Belastung schnell einseitig. Über Jahre kann der Knorpel so Schaden nehmen – eine Arthrose entsteht. Kein Wunder also, dass das Hüftgelenk, noch vor dem Kniegelenk, am häufigsten von Arthrose betroffen ist: Etwa 5% der über 60-jährigen leiden darunter.


Dr. Ronald Steiner ist Arzt für Sportmedizin und zählt zu den bekanntesten Praktikern des Ashtanga Yoga. Die von ihm begründete AYInnovation®-Methode baut eine Brücke zwischen der Tradition und progressiver Wissenschaft, zwischen präziser Technik und praktischer Erfahrung.

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In 4 Schritten zum Yoga-Crunch

In den letzten Jahren ist der in der Fitness-Szene so beliebte Crunch (zu deutsch: Bauchpresse) etwas in Verruf geraten. Und es stimmt, dass hier einseitig die Bauchmuskeln beansprucht werden, wo doch ein umfassendes Rumpfmuskel-Training auch die an der Rückseite liegenden Muskeln einbeziehen sollte. Genau darum ist im Yoga die Bretthaltung so beliebt: Dort wird der gesamte Rumpf aktiviert. In diesem Artikel geht es natürlich nicht darum, einseitig Sixpacks zu züchten, sondern viel eher darum zu lernen, wie man die vordere Rumpfmuskulatur gezielt einsetzen kann – denn das ist vor allem in Rückbeugen unglaublich wichtig. Die Idee: Wenn man im Yoga-Crunch geübt hat, vor allem die queren Bauchmuskeln und den Psoas bewusst in der Vorwärtsbeuge zu aktivieren, kann man das auch in der entgegengesetzten Richtung nutzen, also in Rückbeugen. So wird man in der Lage sein, die Brust aktiv zu heben, anstatt im unteren Rücken einzuknicken.

Die vier Schritte, die wir hier vorstellen, beruhen auf dem so genannten „Carpenter-Crunch“, den meine Lehrerin Annie Carpenter, die Erfinderin von Smart Flow Yoga, entwickelt hat. Sie bewirken eine fein dosierte Verkürzung der Körpervorderseite (anatomisch: spinale Flexion). Das hilft Ihnen, die Übungen der auf den kommenden Seiten gezeigten Sequenz sicherer und müheloser auszuführen – insbesondere- die Rückbeugen (spinale Extension). Bevor Sie mit der Sequenz beginnen, sollten Sie die vier Schritte des Crunchs etwa 10 Mal wiederholen.

  1. Neutrale Wirbelsäulenposition

Stellen Sie in Rückenlage die Füße etwa hüftbreit flach auf den Boden. Mit einer Einatmung führen Sie die Arme in die Senkrechte. Ausatmend schieben Sie die hinteren Rippenbögen fester gegen die -Unterlage. Nehmen Sie die neutrale Position der Wirbelsäule wahr und halten Sie die Rippen tief am Boden verankert, wenn Sie nun die Fingerspitzen hinter die Ohren legen.

2. Brust heben

In dieser Position rollen Sie sich mit einer Ausatmung etwas nach oben, dabei rundet sich der Rumpf von den Schultern bis zum Steißbein und die Schulterblätter lösen sich vom Boden. Gleichzeitig schieben Sie den Nabel Richtung Boden und ziehen die untersten Rippen an der Körpervorderseite zum Schambein hin. Dieses Runden erzeugt die spinale Flexion.

3. Beine heben

Behalten Sie diese Ausrichtung genau bei, wenn Sie nun mit einer Einatmung die Beine etwa in einen 45-Grad-Winkel über dem -Boden ausstrecken. (Wenn Sie die Beine dichter über dem Boden halten, wird die Übung schwieriger.) Aktivieren Sie die Beine, heben Sie die Kniescheiben und strecken Sie sich durch die Fußballen nach oben. Wenn sich das im unteren Rücken unangenehm anfühlt, dann beugen Sie die Beine oder strecken sie nur abwechselnd.

4. Intensivieren

Mit einer Ausatmung setzen Sie die Füße wieder am Boden auf. Ganz zum Ende der Ausatmung runden Sie den Rücken noch etwas stärker, heben die Brust noch ein bisschen höher und schieben den unteren Rücken gegen die Unterlage. Dann beginnen Sie wieder mit Schritt 1.


Anatomie: Mittenmanagement

Um diese Rumpfmuskeln geht es:

Rectus Abdominis

Die geraden Bauchmuskeln verlaufen an der Körpervorderseite von der Mitte des Brustkorbs bis zum Schambein und bilden die berühmten Sixpacks.

Obliquus

Die schrägen Bauchmuskeln ziehen sich diagonal über die Flanken und vereinen sich an der „Mittelnaht“ (Linea Alba) mit den Rectus Abdominis.

Transversus Abdominis

Die quer verlaufenden Bauchmuskeln liegen unter den schrägen Bauchmuskeln. Sie verlaufen zwischen Rippen und Becken waagerecht über den Bauch und halten ihn wie ein Korsett zusammen.

Iliopsoas

Der große Lendenmuskel (Psoas Major) verläuft von den Lendenwirbeln durch das Becken zur Innen-seite der Oberschenkel. Gemeinsam mit dem Darmbeinmuskel (Iliacus), der vom Becken ausgehend ebenfalls bis zu den Oberschenkeln reicht,
bildet er den Iliopsoas.

Quadratus Lumborum

Der quadratische Lendenmuskel gehört zu den tiefsten Rumpfmuskeln. Er liegt zwischen den untersten Rippen und dem Becken und spielt eine entscheidende Rolle für eine gute Haltung.