Pranayama im Yogasutra: Die Bedeutung der Atemübungen

Welche Bedeutung haben die Atemübungen für den Yoga-Unterricht? Patanjalis Yogasutra kann uns eine direkte Hilfe in unserer Yogapraxis sein. Denn Patanjali erläutert in seinem Yogasutra die Definition und den Inhalt von Pranayama (YS 2.49), also Atemübungen. Er beschreibt die Aspekte, die zum Erreichen des Zieles notwendig sind (YS 2.50 und 2.51), und die zu erwartenden Ergebnisse (YS 2.52 und 2.53).

Wenn der Geist zur Ruhe kommt

Pranayama ist das vierte Glied von Patanjalis Ashtanga Yoga. Im Sutra verweist er auf die Wirkungen, die sich durch Atemübungen erzielen lassen. Sie dienen dazu, einen Zustand zu erreichen, der im zweiten Sutra des ersten Kapitels als „citta vrtti nirodhah“ bezeichnet wird: Das Stillwerden der Aktivitäten des Mentalen. Citta bedeutet wörtlich „das Gewordene; das, was sich eingeprägt hat, was angelegt ist“ und beinhaltet Gedanken, Konzepte, Werte, Erfahrungen und Emotionen. Je mehr Bewegung, vrttis, desto trüber ist die Linse und desto starrer ist unser Blick auf die Welt. Das Stillwerden der vrttis (vrtti nirodhah) verbessert unsere Fähigkeit, Dinge in und um uns herum mit einem klaren Geist besser und umfassender zu verstehen. Erst wenn alle Prägungen des Egos überwunden sind und Stille einkehrt, ist die Wahrnehmung nicht mehr getrübt. Dann können wir unsere wahre Natur erkennen.

Nicht gut für uns: Unregelmäßige Atemmuster

Wenn unser Geist unruhig ist, drückt sich das in unserem Fühlen, Körper und Atem aus: „Leiden, Gemütsstörung, Körperschwäche, unnatürliches Ein- und Ausatmen sind die Begleiterscheinungen eines zerstreuten Geistes“ (YS 1.31, nach Deshpande/Bäumer). Ein solches Atemmuster – eine unregelmäßige, oberflächliche, kurze und unbewusste Atemqualität – nennt Patanjali „svasa-prasvasa“.

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Ruhiger Atem, ruhiger Geist

Der Atem ist also Ausdruck für die Unruhe unseres Geistes. Im Alltag ist unser Atem in der Regel unbewusst, unregelmäßig und rau. Damit der Atem lang, regelmäßig und fein, (dirgha und suksma) werden kann (YS, 2.50), muss zuerst das negative Atemmuster (YS 2.49) durchbrochen werden. Wie der Weg zu einem langen und feinen Atem aussieht, zeigt Patanjali in YS 2.50: Zuerst soll das Ausatmen bewusst vollzogen und dann verfeinert werden. Wenn der Ausatemzug lang ist, kann mit dem Verändern des Einatemzuges begonnen werden. Sind Aus- und Einatemzug gleichermaßen regelmäßig und fein, kann der Atemrückhalt geübt werden, während der Geist sich auf einen gewählten Konzentrationspunkt ausrichtet (beispielsweise den Ton in der Kehle bei der Ujjayῑ-Atmung oder die Bewegung im Bauchraum). Wird der Atem ruhig, beruhigt sich der Geist. Die Ausrichtung des Geistes schließlich öffnet das Tor zur Meditation und ermöglicht die Erfahrung von Samadhi.

Atemwahrnehmung für viele Änfänger nicht besonders attraktiv

Patanjali schreibt in YS 2.49, dass man erst dann (tasmin sati) mit Pranayama beginnen soll, wenn man die Asanas in der beschriebenen Weise ausführen kann. Das bedeutet, dass uns die Asana nicht von der Ausrichtung auf den Atem ablenken darf. Der Körper soll nicht nur nicht stören, sondern auch die Voraussetzung bieten, damit wir uns über längere Zeit der Atemregulierung zuwenden können. In der Unterrichtspraxis mache ich immer wieder die Erfahrung, dass die Atemübungen eine bereits verfeinerte Wahrnehmung erfordern, damit kleinste Unterschiede in der Qualität des Atems überhaupt gespürt werden. Anders als bei den Körperhaltungen ist die Atemwahrnehmung alleine für viele Änfänger nicht besonders attraktiv. Deshalb halte ich die Erfahrungen über den Körper durch eine dynamische und statische Asana-Praxis für einen sinnvollen und wichtigen Schritt: Sie schaffen die Bereitschaft, sich auf die subtile Erfahrung des eigenen Atems einzulassen.

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Atem nimmt Einfluss auf vegetative Prozesse im Körper

Heute weiß man, dass das Atemzentrum eine wichtige Schaltstelle vegetativer Regulationen ist, die sowohl neurale als auch hormonelle Prozesse umfassen. Der Atemrhythmus ist sehr eng mit der Aktivität des Sympathikus und des Parasympathikus verbunden. Deshalb ist der Atem ein sehr wirksames Mittel, um auf vegetative Prozesse im Körper Einfluss zu nehmen: Der Geist wird gesammelt, ausgerichtet und beruhigt (geleert); die Wahrnehmung wird verfeinert; physische und psycho-mentale Blockaden können sich lösen; die Energie kommt in Fluss; die Widerstandsfähigkeit und Belastbarkeit werden erhöht; das Wohlbefinden im Allgemeinen wird verbessert.


Autorin Lucia Nirmala Schmidt ist Yogalehrerin BDY/EYU, Atemtherapeutin, Beraterin für Psychosomatische Medizin (nach Dr. Ruediger Dahlke) und Buchautorin. Sie leitet weltweit Seminare, Workshops und Retreats und unterrichtet an ihrem Ausbildungsinstitut BodyMindSpirit in Zürich.

Amerikanische Popovers

Ergibt 24 Stück

Popovers sind die amerikanische Version des britischen Yorkshire Pudding. Die kleinen Käsebällchen mit geschmolzenem Cheddar und einem Hauch Schärfe sind heiß oder kalt ein Genuss. Ein idealer Snack, der Ihre Küche nach einem ausgedehnten Herbstspaziergang zum Duften bringt.

  • 1 TL Butter oder Margarine
  • 3 große Eier
  • 300 ml lauwarme Milch
  • 150 g Mehl
  • ½ TL Salz
  • 1 Prise schwarzer Pfeffer
  • 1 Prise Cayennepfeffer
  • 170 g geriebener Cheddar-Käse
  • 50 g frischer, geschnittener Schnittlauch
  • optional etwas Paprikagewürz zum Bestäuben

Heizen Sie den Ofen etwa 30 Minuten lang auf maxi-male Temperatur vor. Um sicherzugehen, dass die Bällchen schön aufgehen, sollten die Eier Raumtemperatur haben und die Milch etwas vorgewärmt sein. Bestreichen Sie ein Muffin-Backblech mit 24 kleinen Mulden mit etwas Butter oder Margarine. Schlagen Sie die Eier mit einem Rührgerät oder dem Schneebesen schaumig. Rühren Sie nun die lauwarme Milch unter und geben Sie erst Mehl, Salz und Pfeffer dazu, anschließend den Käse und den Schnittlauch.

Verteilen Sie den Teig bis knapp unter den Rand in die einzelnen Mulden der Muffinform. Platzieren Sie das Blech auf einem Rost im unteren Drittel des Ofens und backen Sie die Bällchen etwa 15 Minuten lang bei 230 Grad. Danach reduzieren Sie die Temperatur auf 175 Grad und lassen die Popovers noch einmal 5 bis 10 Minuten backen, bis sie goldbraun sind.

Nehmen Sie die Bällchen sofort aus der Form, um zu vermeiden, dass sie darin hängen bleiben. Wer sie etwas würzig haben möchte, kann sie nun mit Paprika bestäuben.

Dies.Das.Asanas: Das Rad neu erfinden

„Leben ist Brücken schlagen über Ströme, die vergehen.“ Dieses Zitat von Gottfried Benn inspiriert unsere Kolumnistin Jelena Lieberberg täglich neu, flexibel und kreativ zu sein – im Alltag wie im Yoga!

Rückbeugen dehnen unsere Körpervorderseite, die der Zukunft zugewandt ist – damit wir offen und frohen Mutes durch das Leben gehen können. Unser moderner -Lebensstil, der sich viel im nach vorne gebeugten Sitzen abspielt, sorgt dafür, dass sich die Vorderseite verkürzt. Dadurch leben wir kaum noch auf Augenhöhe, sondern blicken ständig nach unten – zum Beispiel auf den Bildschirm oder das Smartphone. Ein gutes Maß an gemäßigten Rückbeugen hilft dabei, diesem Effekt entgegen zu wirken. Das „erhöhte Rad“ ist zwar nicht gerade eine gemäßigte Asana, aber einfacher als es aussieht. Durch die Erhöhung der Beine – das kann auch mit Hilfe eines Sofas sein – ist es möglich, die Dehnung leichter dorthin zu lenken, wo sie ankommen soll: Zum Beispiel im Bereich der Brustwirbelsäule und der Schultern. 

Macht das Spaß?

Ja! Gerade für besonders feste Schultern oder Wirbelsäulen bietet das erhöhte Üben einen guten Einstieg auf dem Weg zum vollständigen Rad, Urdhva Dhanurasana I.

Muss ich das können?

Nein! Wie bei allen Varianten und Modifikationen heißt die Devise: Alles kann, nichts muss. Falls die Erhöhung der Beine sich nicht gut anfühlt, können Sie stattdessen die Hände auf ein Podest setzen.

Was muss ich dafür tun?

Um sich für diese Haltung aufzuwärmen, eignen sich Sonnengrüße. Zudem sollten Sie- -die Oberschenkelvorderseiten und Leisten dehnen und vorbereitende Rückbeugen -wie Shalabhasana oder Dhanurasana üben.

Schritt für Schritt

1. Beginnen Sie in Rückenlage mit den Füßen auf dem Sofa, dem Bett oder zwei Klötzen.

2. Setzen Sie die Hände neben die Ohren, wie für das Rad. Die Ellenbogen zeigen dabei nach oben. Achten Sie darauf, bei langen Haaren vorher einen Zopf zu binden.

3. Drücken Sie sich nun, mit den Ellenbogen nah am Kopf, vom Boden ab. Sie können zunächst mit sehr wenig Gewicht die Kopfkrone aufsetzen, um sich dann vollständig nach oben zu drücken.

4. Lassen Sie den Kopf locker und versuchen Sie nun, die Arme komplett zu strecken und die Achselhöhlen Richtung Nasenspitze zu schieben.

5. Bleiben Sie 5 bis 10 Atemzüge lang in der Haltung und wiederholen Sie diese Variante nach Belieben.


Fragen oder Anregungen? Dann schauen Sie bei Jelena auf www.facebook.com/kickassyoga oder bei  www.instagram.com/kickassyoga vorbei.

Richtig in den Handstand – von Anfang an

Nicht nur für Yoga-Neulinge ist der Handstand eine große Herausforderung. Unsere Gastautorin Andrea Ferretti hat sich für YOGA JOURNAL der Asana ausführlich gewidmet. Der Trick dabei: Viel üben und konsequent auf die stützende Wand verzichten! Die Praxis-Reihe „In 7 Schritten zum Handstand“ finden Sie ab 15. September auf unserer Website.

Vor Jahren bei einem Fotoshooting für das amerikanische YOGA JOURNAL beobachtete ich die Yogalehrerin Alexandria Crow beim Aufwärmen. Nach einigen klassischen Sonnengrüßen und Hüftöffnern ging sie plötzlich in den Handstand – und eine gefühlte Ewigkeit lang hielt sie mühelos und sicher die perfekte Balance. Dieser Handstand war das komplette Gegenteil meiner kläglichen Versuche, bei denen ich nur darauf wartete, à la Charlie Chaplin auf den Allerwertesten zu plumpsen. Auf meine Frage, wie sie die Asana so spielend meistere, erklärte Alexandria Crow, sie habe früh angefangen zu üben. Als ehemalige Turnerin hat sie den Handstand von Kindesbeinen an praktiziert. Doch worin unterscheidet sich das Handstand-Training auf der Turnmatte von dem auf der Yogamatte? Ganz einfach: Man übt ihn von Anfang an ohne Wand.

Natürlich bietet die Wand ein naheliegendes Hilfsmittel, um den Handstand gefahrlos zu lernen. Wenn man sich aber mit den Fersen immer wieder an der Wand abstützt, speichert die Körperwahrnehmung diese Ausrichtung als senkrecht ab, obwohl man – wer hätte es gedacht – eben nicht wirklich vertikal steht. „Eine Wand eignet sich wunderbar, um zu lernen, wie man sich kraft der Beine und Schultern in den vollen Handstand schwingt“, erläutert Alexandria Crow. „Aber leider braucht man etwas mehr Schwung, um in diese leichte Schräglage zu kommen.“ Die Wand kann diesen übermäßigen Elan zwar abfangen, doch im freien Raum fällt man mit diesem Plus an Schwung unkontrolliert vornüber. Die Folge: Es ist sehr schwer, den an der Wand gelernten Handstand in den freien Raum zu übertragen: Erstens hält man schräg für senkrecht, zweitens holt man zu viel Schwung und drittens erzeugt die fehlende Stütze Angst.

So geht der Handstand ohne Wand

Deswegen gehen Turner anders vor: Um vom ersten Versuch an ein Gefühl für die senkrechte Achse zu bekommen, lernen sie den Handstand mithilfe eines Partners im freien Raum. Dazu heben sie die Beine langsam und ohne Schwung über den Kopf, während sie kontrolliert Spannung in der Körpermitte, den Schultern und Oberschenkeln halten. Eben die Körperspannung, die man bei der Yogapraxis anstrebt.

Aber auch wenn Sie den Handstand jahrelang anders geübt und längst eine falsches Gefühl für die Senkrechte eingespeichert haben, gibt es eine Lösung: Alexandria Crow hat anhand ihrer Turn- und Yogaerfahrung exklusiv für das YOGA JOURNAL eine Übungssequenz entwickelt, die Körper und Geist die korrekte vertikale Ausrichtung vermittelt. Gleichzeitig stärkt sie gezielt jene Körperbereiche, die für den freien Handstand unerlässlich sind. Ganz wichtig dabei: viel üben. „Es ist wie Laufen lernen“, meint Alexandria Crow. „Kleinkinder sind anfangs wacklig, doch sie üben das Balancieren auf den Füßen unermüdlich, jeden Tag. Den Handstand lernt man auch nicht über Nacht, doch sobald man die korrekte senkrechte Ausrichtung verinnerlicht hat, ist es wie Radfahren: Es ist für immer im Muskelgedächtnis gespeichert.“ Auf dem Weg dorthin werden Sie Kraft und Selbstbewusstsein gewinnen. Mit anderen Worten: Weniger Charlie Chaplin, mehr Alexandria Crow.


Andrea Ferretti Andrea Ferretti, ehemalige Redakteurin für das amerikanische YOGA JOURNAL, lebt und schreibt in San Francisco. Alexandria Crow (Asana-Fotos und Sequenz) unterrichtet Ashtanga und Vinyasa in Santa Monica und bei Workshops weltweit.

Montags-Mantra: Vertraue dem Leben

Manchmal durchleben wir Zeiten, die unnötig erscheinen und machen Begegnungen, die uns im Leben eher zurück werfen als weiter bringen. Oft sieht man solche Momente als Zeitverschwendung und stempelt das Leben als unfair ab. Doch niemand hat uns versprochen, dass es uns im Leben immer nur gut geht. Fehltritte und Niederschläge formen uns genauso wie Erfolge. Alles was geschieht, pflastert unseren Lebensweg und lehrt uns ein kleines bisschen mehr über uns selbst. Steve Jobs sagte in einer seiner bekanntesten Reden: „Man sieht keine Verbindung zwischen den einzelnen Punkten im Leben, wenn man nach vorn schaut. Man kann sie nur verbinden, wenn man zurückblickt.“ Man muss sich also einfach darauf verlassen, dass diese einzelnen Punkte sich in der Zukunft irgendwie verbinden werden. Allein das Vertrauen, dass das Leben es gut mit uns meint, sorgt für mehr Mut, Freude und Gelassenheit.

„daran zu glauben, dass am Ende sich die Punkte verbinden werden, gibt Dir die Zuversicht, Deinem Herzen zu folgen.“

-Steve Jobs

Interview mit Kathryn Budig

Gut beleuchtet

Selbstakzeptanz ist Kathryn Budigs großes Thema: Die Yogalehrerin und Buchautorin über Körpergefühl, ästhetische Wahrheit und die Balance zwischen Innen und Außen.

Kathryn, inwiefern war dein Weg als Yogalehrerin auch ein Weg zu dir selbst?

Der Anfang einer Karriere als Yogalehrerin besteht meist daraus, einen anderen Lehrer nachzuahmen. Daher war ich im ersten Jahr sicherlich eine kleine Maty Ezraty… In dieser Zeit bemerkte ich meine Vorliebe für Armbalancen und fing an, sie  verstärkt zu unterrichten. Danach wollte ich alle anspruchsvollen Asanas lernen – das ist mir heute nicht mehr so wichtig.  Zwar mag ich die schwierigeren Haltungen immer noch, da es fast magisch ist, wenn man sie meistert. Viel wichtiger finde ich aber, einer individuell wahren Zielsetzung zu folgen. Mein Motto lautet heute „aiming true“. Das heißt, deine Talente herauszufinden, Ängste loszulassen und dem nachzugehen, für das dein Herz schlägt – unabhängig davon, wie es andere bewerten.


Auf deinem Instagram-Account hast du einmal ein Bild gepostet, auf dem deutlich deine Cellulite- zu sehen ist. Wolltest du deine Schüler und Follower damit ermutigen, sich selbst so zu -zeigen, wie sie wirklich sind?

Die Bilder sind damals am Strand entstanden, und ich mag sie wegen des guten Lichts – und da sieht man eben auch die Cellulite. In den Medien wird so etwas oft retuschiert und das vermittelt den Eindruck, dass wir vollständig glatte Körper haben müssten. Die Reaktion meines Mannes war nur: „Wer sagt überhaupt, dass Cellulite nicht attraktiv ist?“ Recht hat er. Gerade die sozialen Medien sind voll mit Bildern von lächelnden, hübschen Menschen, und schnell denken wir, dass sie ein perfektes Leben führen. Meiner Meinung nach ist das fatal – ein großer Nachteil der sozialen Medien. Daher versuche ich, meine Bilder so realistisch wie möglich zu gestalten.

Vor einigen Jahren warst du in einer Werbekampagne nackt zu sehen, was einigen Wirbel verursachte. Wie stehst du heute dazu?

Es war schon eine Herausforderung zu akzeptieren, wie sich mein Körper von dem einer 25-Jährigen zu dem einer 32-Jährigen verändert hat – aber das ist nun mal die natürliche Entwicklung im Leben. Ich kann noch immer alle Asanas ausführen – egal, ob ich nun 5 Kilo mehr oder weniger wiege. Ich konzentriere mich darauf, wie ich mich fühle und welche Resultate ich erziele. Ich bin heute von sehr viel Liebe umgeben – das war mit 25 nicht so. Wenn ich mich wegen körperlicher Veränderungen mit Komplexen quäle, verliere ich mein Ziel aus den Augen.

Du interessierst dich sehr für Ernährung, sprichst in Blog-Artikeln oder auch in den sozialen Medien aber auch darüber, nicht immer über jeden -Bissen nachzudenken. Diese Einstellung gefällt uns!

Essen nährt und gibt uns die nötige Energie. Es ist erschreckend, wie viele Menschen auf extreme Diät gehen und Nährstoffe wie Öl oder Fette ganz aus ihrer Ernährung verbannen, um ihren Körper zu verändern. Stattdessen sollten wir uns mehr darauf konzentrieren, wie wir uns fühlen, anstatt nur auf das Äußere zu achten. Ich selbst habe extreme Reinigungskuren probiert, war währenddessen überhaupt nicht glücklich und habe meine sozialen Kontakte vernachlässigt. Natürlich bin ich keine Fürsprecherin ungesunden Essens, aber wir sollten uns nicht automatisch vor einem Stück Kuchen fürchten.

Glaubst du, dass diese negative Einstellung und der Zwang, sich einer bestimmten Ästhetik anpassen zu wollen, in der Yogawelt verstärkt vorkommen?

Ja, in der Fitnesswelt generell, und sicher auch im Yoga. Es gibt die ästhetische Vorstellung eines typischen „Yogakörpers“: schlank, kraftvoll und geschmeidig. Ich zeige meine Kurven, so wie sie sind, weshalb ich häufig als mutig bezeichnet werde. Man sollte jedoch bei der Wortwahl vorsichtig sein: Mutig ist es, in den Krieg zu ziehen, nicht wenn man seine Kurven zeigt.


Eine besondere Erfahrung machte Kathryn Budig während eines Retreats in Mexiko. Eine Teilnehmerin litt an einer Essstörung und saß mit ihr am Pool. Als Budig spaßig erwähnte, dass sie den Schnitt ihres Bikinis liebe, da er ihren Bauch verdecke, blickte die Schülerin sie erstaunt an und sagte: „Sprich nie wieder so über deinen Körper, du hast eine tolle Figur.“ „Da realisierte ich betroffen, dass eine negative Einstellung zu mir selbst auch andere zu solch abwertenden Kommentaren befähigt“, so die Autorin von „Aim True“ (William Morrow, ca. 18 Euro).

Quick Tips: 5 Übungen gegen Stress

Heute haben wir fünf einfache Lieblingsübungen für Sie, die Ihnen dabei helfen, Stress schnell abzubauen:

  1. Herumrollen
    „Den meisten Menschen tut es gut, einfach nur auf dem Boden herumzurollen“, weiß die Bewegungstherapeutin Amy Matthews. „Erregte Menschen beruhigen sich und eher träge, ängstliche bekommen das Gefühl, ihren Herausforderungen gewachsen zu sein.“ Sie schlägt so genannte Kreuzrollen vor: Sie beginnen in Rückenlage mit längs vom Kopf abgelegten Armen. Dann strecken Sie das rechte Bein schräg über den Körper nach links, bis sein Gewicht Sie nach links zieht und auf den Bauch rollen lässt. Von dort strecken Sie den linken Arm hinter dem Körper nach rechts, bis er Sie nach rechts und zurück auf den Rücken zieht. Dann wiederholen Sie die Bewegungen mit linkem Bein und rechtem Arm und beginnen wieder von vorn.
  2. Die Brust weiten
    Bereits nach 5 Minuten können Rückbeugen wie Katze-Kuh, Kobra oder Sphinx gegen Stress helfen – vor allem wenn Sie bewusst dabei atmen. „Schon nach sehr kurzer Zeit verlagern solche Übungen den Schwerpunkt vom Sympathicus auf den Parasympathicus“, erklärt Amy Weintraub, die ein Buch über Yoga bei Depressionen geschrieben hat.
  3. Die Ausatmung vertiefen
    Wissenschaftliche Studien haben erwiesen, dass sich das Nervensystem beruhigt, wenn die Ausatmung länger ist als die Einatmung. Versuchen Sie es im Verhältnis 1 : 2. Wenn Sie also beim Einatmen auf 4 zählen, dann dehnen Sie die Ausatmung auf 8 Zähler aus. Zur Unterstützung gibt es sogar eine iPhone-App namens „Breathing Zone“. Das Gute daran: niemand im Raum braucht zu wissen, was Sie gerade tun.
  4. „OM“ chanten
    Indische Wissenschaftler wollten es genauer wissen: Sie haben Menschen an ein MrT- Gerät angeschlossen und die Auswirkungen des Chantens im Gehirn gemessen. Das Ergebnis: „Om“-Klänge konnten die Stresszentren nicht nur deutlich stärker deaktivieren als Stille, sie waren auch wirksamer als andere Klänge wie „Ssssss“. Also dann: „ommen“ Sie sich zur Ruhe!
  5. Die „schönen Drei“ üben
    • Balasana (Stellung des Kindes)
    • Supta Baddha Konasana (gebundene Winkelhaltung in Rückenlage) und
    • Viparita Karani (mit den Beinen an der Wand)

Diese drei Eckpfeiler des regenerativen Yoga sind großartig, um schnell zur Ruhe zu kommen – insbesondere wenn Sie es sich mit Kissen, Polstern und anderen Hilfsmitteln so bequem wie möglich machen.

Die Kraft der Liebe: Was passiert, wenn du bleibst

Kraft der liebe - Herz
Foto: Joto/ Photocase.de

Bist du bereit, in deinem Gegenüber sein ganzes Potenzial zu sehen? Oder denkst du dir immer wieder, du bräuchtest vielleicht doch jemand anderen an deiner Seite? Unser Kolumnist Ralf Sturm fragt: Was kann passieren, wenn wir an die Liebe glauben und uns wirklich entscheiden, zu bleiben? 

Es ist zur Zeit überall zu lesen, dass eine ganze Generation „beziehungsunfähig“ geworden sei. Ich glaube das nicht. Uns Menschen ist das Potenzial zu lieben in die Wiege gelegt. Leider unterbrechen wir den Weg oft, bevor wir dort ankommen, wo wir gemeinsam hin wollen. Wenn wir aber immer nur den Zustand der Verliebtheit genießen wollen und irgendwann doch meinen, der Partner sei nicht mehr gut genug, könnte es dann doch sein, dass uns etwas fehlt?

Die Liebe von Bhavaji zu Vishnus

Es gab einen Wanderer namens Bhavaji, der ein ­großer Verehrer Vishnus war. In Tirumalai ging er jeden Tag mehrmals in den Tempel und verbrachte dort ­Stunden, entzückt, das mit einer schönen Diamantenkette ­geschmückte Bildnis Vishnus anzusehen. Den Rest des Tages lebte er in einer kleinen Hütte nahe des Tempels. Nach einiger Zeit reagierten die Tempelwachen argwöhnisch auf den immer wiederkehrenden Mann und ­verdächtigten ihn, etwas stehlen zu wollen. Sie verboten ihm den Zutritt zum Tempel. Bhavaji weinte in seiner Hütte und rief: „Herr, wie gerne würde ich Dich sehen. Ich möchte so gerne mit Dir zusammen sein.“ Um sich die Zeit zu vertreiben, nahm er ein Würfelspiel, und obwohl er allein war, tat er so, als ob er mit Vishnu spielen würde.

„Dass du bei mir bist, genügt“

Als es Abend wurde, schlief er ein. Doch in der Nacht wurde er geweckt: „Bhavaji, ich bin es, Vishnu. Komm, spiel mit mir!“ Tatsächlich saß der von ihm verehrte Gott in seiner Hütte und lud ihn ein, gemeinsam mit ihm ­Würfel zu spielen. Bhavaji jubelte vor Freude, und als er sogar ein Spiel gewann und Vishnu ihm anbot, ihm ­einen Wunsch zu erfüllen, da sagte er nur: „Herr, ich habe ­keine Wünsche mehr. Dass Du bei mir bist ist schon alles, was ich will.“ Vishnu freute sich und als er sich verabschiedete, versprach er, am nächsten Tag ­wiederzukommen. So ging es viele Tage. Immer wieder besuchte Vishnu seinen treuen Anhänger. Eines Nachmittags, als er ­gegangen war, fand Bhavaji auf dem Würfelbrett die schöne Diamantenkette aus dem Tempel. „Mein Herr wird sie wohl vergessen haben“, dachte er sich.

Ehrliche Hingabe wird belohnt

Als ­Minuten später die Tempelwachen bei ihm klopften, erzählte er ihnen seine Geschichte, doch statt ihm zu glauben, ­verdächtigte man ihn nur umso mehr des Diebstahls. Bhavaji war aber nicht bereit, sich schuldig zu bekennen. Der König sagte: „Uns ist Gott nie erschienen. Und du sagst, dir zeigt er sich? Für diese Anmaßung wirst du morgen früh sterben. Es sei denn, es gelingt dir mit seiner Hilfe, in der Nacht den Berg Zuckerrohr aufzuessen, den du in deine Zelle bekommst.“ Damit wurde er ins Gefängnis geworfen. Nur wenige Stunden später hörten die Wachen lautes Trompeten und das Bersten der ­Türen. Das Letzte, was sie sahen, war, dass ein Elefant alles aufgegessen hatte und aus den Resten von ­Bhavajis Zelle fortrannte. Nun glaubte selbst der König, dass Bhavajis Hingabe ehrlich gewesen und Vishnu selbst – in Form des Elefanten – zu seiner Hilfe gekommen war.

Die Liebe als Geschenk

Bhavaji hatte Vishnu das größte Geschenk gemacht, das er geben konnte: seine Liebe. Und Vishnu – den er nur in Form einer schönen Statue im Tempel kennengelernt hatte – hatte für ihn alle Formen angenommen, die er sich wünschte und die er brauchte. Wie oft suchen wir Menschen nach etwas in bestimmten Formen? Und wie oft sind wir überzeugt, wir bräuchten das, wonach wir uns sehnen, auf eine ganz bestimmte Weise, auf „unsere“ Weise? Wie oft sind wir überzeugt, nicht das zu bekommen, was wir brauchen, und machen uns auf die Suche nach etwas oder jemand anderem?

Die Kraft der Liebe macht uns beziehungsfähig

Genau so ging es Bhajavis Mitmenschen: Sie gingen mal in diesen Tempel und mal in jenen, mal mit etwas mehr Hingabe, mal mit etwas weniger. Sie blieben argwöhnisch – und ihr Leben veränderte sich nicht wesentlich. Bhavaji hatte sich für etwas anderes entschieden. Er sah in Vishnu alles, was er wollte, und bekam dadurch immer wieder das, was er brauchte. Die Liebe kam sogar mit der Kraft eines Elefanten zu ihm zurück. Auch wir ­können – nicht immer, aber doch in viel mehr Fällen, als wir glauben – wirklich die Kraft der Liebe erfahren, die unsere ganze Sicht auf unser Gegenüber verändern kann. Dann erfahren wir uns selbst als viel beziehungsfähiger, als wir dachten.