Da kaum etwas Praktisches über die Vayus überliefert ist, verfolgen die wenigen Yogalehrer, die damit arbeiten, etwas verschiedene Ansätze. Als Autorin des derzeit einzigen Buches über die Vayus hat die israelische Yogalehrerin Orit Sen-Gupta Pionierarbeit geleistet. Was sie dabei entdeckte und warum die Vayus auch Ihre Praxis bereichern können, lesen Sie hier.
„Für das Subtile empfindsam zu werden, bildet das Herz der gesamten Yogapraxis. Die Vayus spielen für dieses Bemühen eine entscheidende Rolle.“
Wie bist du auf die Vayus aufmerksam geworden?
Zunächst sind sie mir immer wieder in den klassischen Texten begegnet: etwa in den Upanishaden, der Bhagavadgita und den wichtigen Hatha-Yogatexten. Es wird zwar nie wirklich erklärt, worum es dabei geht, oder was zu tun ist, sie werden nur benannt und manchmal lokalisiert, aber sie tauchen immer an sehr wichtigen Textstellen auf. Das hat mich neugierig gemacht.
Sind die Bezeichnungen und Zuordnungen der Vayus in den alten Texten überhaupt einheitlich?
In den frühen Upanishaden noch nicht. Dort werden zunächst nur zwei Vayus genannt: Prana und Apana, später sind es drei und irgendwann fünf: Prana, Apana, Samana, Udana, Vyana, wobei die Zuordnung zu Körperstellen in den älteren Texten nicht immer einheitlich ist. Das ändert sich in den Hatha-Yogaschriften. Dort sind zehn Vayus aufgelistet, die genannten fünf inneren und zusätzlich fünf äußere. Die inneren werden über ihren Ort im Körper beschrieben, die äußeren hauptsächlich über ihre Funktionen, etwa das Sehen, Gähnen oder Niesen.
Wenn die traditionellen Yogatexte die Vayus immer wieder aufgreifen, warum findet sich dann kaum eine Spur davon in unserer modernen Yogapraxis?
Es wurde lange Zeit einfach nicht unterrichtet. Vielleicht war es so etwas wie ein verlorenes Geheimnis: Die klassischen Autoren erklärten die Praxis entweder nicht, weil sie sie für allgemein bekannt hielten, oder sie hatten die Absicht, sie geheim zu halten. Irgendwann waren die Vayus dann fast vergessen. Aber es gab Spuren des Geheimnisses in den Texten – und diese Spuren führten zu ihrer Wiederentdeckung und zu einem erneuerten Interesse an den Vayus.
Da die Texte nichts über die Praxis verrieten, musste die Wiederentdeckung über das Nachforschen im eigenen Körper geschehen …
… und weil Vayu Wind bedeutet und sie ganz offensichtlich eng mit dem Atem verknüpft sind, begann ich damit, den Atem in die in den Texten beschriebene Region von Prana Vayu zu lenken. Ich stellte fest, dass sich dabei die Ausatmung in einem bestimmten Punkt vorne am Zwerchfell zu verdichten begann. Danach dehnte sich in der Einatmung der oberhalb von diesem „Zugangspunkt“ gelegene Brustraum – der eigentliche Sitz von Prana Vayu – aus und fühlte sich völlig anders an. Ich spürte, das war für mich der Beginn von etwas Neuem, nach einer langen Zeit des Verstehen-Wollens und Nicht-Verstehens. Mit der Zeit begann sich in jeder der Vayu-Regionen etwas zu zeigen: wie eine zurückgehaltene Vitalität, die aufblüht, sobald man einen Zugang dazu schafft.
Wie hat diese Entdeckung deine Asana-Praxis verändert?
Die Praxis der inneren Vayus – vor allem Prana, Samana und Udana, wo man nach meinem Verständnis von der Vorderseite zur Rückseite hin ausatmen – hat eine ganz feine Veränderung in der Körperausrichtung bewirkt. Interessanterweise war diese Veränderung viel verständlicher und nachhaltiger als der Versuch, die Haltung vom Skelett her zu korrigieren. Das habe ich nicht nur bei mir selbst festgestellt, sondern vor allem auch bei den Menschen in meinem Unterricht: Eine verbale Korrektur wie „Richte deinen Nacken auf“ ist nach 10 Minuten meistens vergessen, während das Ausatmen von vorne nach hinten zu bestimmten Punkten ein viel besseres Gefühl dafür schafft, was gutes Alignment überhaupt heißt. Ich nenne das: pranisches Alignment. Mit etwas Übung beginnt es sich anzufühlen wie eine Luftsäule im Inneren, wir fühlen uns sehr gerade, lang und gehalten.
„Warum die Vayus in Vergessenheit geraten sind, ist ein Rätsel. Nach meiner Erfahrung schmieden sie eine lebendige Verbindung zwischen dem physischen und dem energetischen Körper.“
In welchem Verhältnis stehen die Vayus zu den Chakras? Die Körperstellen sind ja großteils die selben …
Ich sehe es so: So wie man im Bezug auf die Erde von „Kraftorten“ spricht, scheint es auch im Körper Stellen zu geben, die besonders kraftvoll, oder sagen wir interessant sind. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf sie richten, beginnen wir bestimmte Dinge wahrzunehmen: Sie führen zu verschiedenen Erfahrungen und bekommen dann einen Namen. Wenn man also ein Vayu anspricht, indem man an diese Stelle ausatmet und dann bewusst den physischen Körper und die veränderte Einatmung spürt, dann ist die Praxis genau das: atmen und spüren. Konzentriert man sich auf denselben Punkt, visualisiert dabei aber das entsprechende Chakra und sagt vielleicht auch noch ein Mantra, dann wird man vielleicht eine Chakra-Erfahrung machen. Es sind verschiedene Aspekte oder Schattierungen von Aufmerksamkeit und innerer Ausrichtung, aber die Stellen, mit denen man arbeitet, sind immer dieselben. Auch in anderen Kulturkreisen kennt man sie: In einem Text der jüdischen Kabbalah ist zum Beispiel von dem „Herzensgrübchen“ die Rede – und dieses Grübchen am Zwerchfell ist absolut identisch mit dem Zugang zu Prana Vayu.
Schließlich haben wir alle dieselbe Art von Körper …
Genau das meine ich! Die Vayus sind schon da, bevor Theorien über die Erfahrungen mit ihnen entstehen. Es reicht das Spüren der Stelle mit dem Atem – schon das scheint einen sehr tiefgreifenden
Effekt zu haben.
Die traditionellen Texte haben dabei sicher eine eher spirituelle als eine rein körperliche Erfahrung im Sinn?
Das stimmt. Dennoch war ich sehr verblüfft, als ich in der Taittiriya Upanishad auf den folgenden Satz stieß: „Ehre sei dir, oh Vayu. Dich alleine will ich preisen als das sichtbare Brahman.“ Für mich macht das deutlich: Es geht um viel mehr als um die Verbindung zwischen Materie und Geist, die der Atem herstellen kann – sogar das Absolute, Brahman, das so subtil ist, dass es Sinnen und Verstand eigentlich völlig unzugänglich ist, wird für den Menschen konkret wahrnehmbar, wenn er sich öffnet für die Energie von Vayu, dem vedischen Wind- und Luftgott. Denn diese Energie ist körperlich spürbar, sie manifestiert sich in den Vayus. Es scheint also, als seien diese „Lebenswinde“ auf eine sehr besondere Weise verbunden mit den göttlichen Aspekten unserer selbst.
Orit Sen-Gupta unterrichtet Yoga seit über 30 Jahren. Sie war Schülerin von BKS Iyengar und Pattabhi Jois und arbeitete eng mit Dona Holleman zusammen. Daneben hat sie sich eingehend mit den Quellentexten des Yoga befasst und einen Universitätsabschluss in Sanskrit und Indischer Philosophie erworben. Dies und das Üben aus der Verbindung nach innen bilden die Grundlage des von ihr begründeten Vijnana-Yoga.
vijnanayoga.com
vijnanayoga.de
Buchtipp Orit Sen-Gupta: Das Geheimnis der Vayus – Die Yoga-Praxis der Vayus in Asana & Pranayama, J. Kamphausen/tao.de, ca. 16 €







Alexander: Ich habe Yoga in Zeiten extremer mentaler Instabilität für mich entdeckt und mich dann -intensiv, ja exzessiv damit beschäftigt. Sobald es mir aber wieder besser ging, habe ich die Praxis -vernachlässigt und mich wieder in der „normalen“ Welt häuslich eingerichtet. Seit diese Zuflucht in die materielle Oberflächlichkeit für uns nicht mehr so einladend bequem bereit steht, ist das yogische Bewusstsein viel gegenwärtiger in meinem Leben. Wenn wir irgendwo genug Platz haben, üben wir gemeinsam den physischen Part, in erster Linie Kundalini Kriyas. Seit 7 Jahren hat sich auch die Meditationspraxis immer mehr als fester Bestandteil meines Alltags etabliert. Nach Experimenten, die darauf abzielten, andere Bewusstseinszustände zu erreichen, weiß ich inzwischen, dass ich viel -weiter- komme, wenn ich erstmal überhaupt nichts will, sondern stattdessen lerne, einfach nur zu sein. Aufgrund einer Knieprothese ist die sogenannte „Easy Pose“, also der Schneidersitz, für mich nicht mehr so easy und der Lotos leider -völlig außer Frage. Also sitze ich aufrecht auf einem Stuhl, am liebsten mit Lehne.
Begonnen hat alles
Für die Zubereitung der Gurken: Verquirlen Sie den frischen Limettensaft mit dem Kokosnuss-Nektar, Essig und Salz in einer Schüssel. Danach geben Sie die Gurkenscheiben dazu, vermengen noch einmal alles und stellen die Schüssel zur Seite. Nun füllen Sie die Zutaten für das Dressing in einen Schüttelbecher und mixen alles gut durch. Richten Sie die kleinen Tofuwürfel auf einer schönen Platte an, beträufeln Sie jeden einzelnen mit einem Esslöffel Dressing und streuen Sie danach die Frühlingszwiebeln darüber. Sieben Sie die eingelegten Gurken aus der Marinade heraus, lassen Sie sie gut abtropfen und geben Sie etwa einen Esslöffel auf jedes Tofuhäppchen. Zum Schluss streuen Sie noch Sesam über das Gericht
Die gebürtige Australierin Tess Masters lebt heute im sonnigen Kalifornien. Sie ist Foodbloggerin (www.theblendergirl.com), Köchin, Autorin und Schauspielerin. Am liebsten verbringt sie Zeit in der Natur und kauft beim lokalen Bauernmarkt saisonale Zutaten ein, um frische Mahlzeiten zuzubereiten.

