„Ich glaube nicht an Gurus“ – Patrick Beach im Interview

Patrick Beach

An einem kalten Februarwochenende war Patrick Beach zu Gast im Hot Yoga Studio in Berlin Friedrichshain. Patrick war mir bis dahin trotz seiner mittlerweile 348.000 Instagram Follower gänzlich unbekannt. Aber da wir vom Yoga Journal Germany ja ständig auf der Suche nach neuen Lehrern und Themen sind, fuhr ich den weiten Weg von München nach Berlin. Was ich dann während der zwei Tage erleben durfte, übertraf alles, was ich bisher in meiner fünfjährigen Praxis kennengelernt hatte. Patrick unterrichtete fordernd und gleichzeitig sehr feinfühlig. Er brachte jeden der Teilnehmer an seine Grenzen, ohne jedoch diese Grenzen zu überschreiten. Denn am Ende ging es ihm nur darum, uns alle eine ureigene „Body-Sensation“ erleben zu lassen.

Wenn ich Yogalehrer frage, wie sie Yoga für sich entdeckt haben, erzählen sie normalerweise eine lange Geschichte. Dass sie zum Beispiel nach einer schwierigen Trennung oder einer anderen sensiblen Lebensphase mit Yoga angefangen haben…

Nein, meine Geschichte lief überhaupt nicht so ab. Wenn ich ehrlich bin, war bei mir eigentlich alles ganz normal und einfach. Ich hatte kein schlimmes Erlebnis zu verarbeiten, sondern wollte etwas Neues ausprobieren. Mit etwa 20 Jahren habe ich in meiner Küche angefangen, Yoga zu üben. Meine Mutter hat damals viel praktiziert und mir ein paar Hüftöffner gezeigt, weil ich durch mein Basketballtraining total verkürzt und andauernd verspannt war.

Wie ging es dann weiter?

Erst habe ich zugegebenermaßen nicht viel mehr darin gesehen, als flexibler zu werden. Dann fing ich an, den ganzen Weg des Übens und Praktizierens immer mehr zu genießen. Ich habe damals zum Beispiel damit begonnen, Bücher über verschiedene Yogasysteme und -stile zu lesen und habe mich dann damit befasst, wie man einzelne Haltungen auf verschiedene Weise ausführen kann.

Hattest du dabei Lehrer an deiner Seite?

Nein, das habe ich alles erst allein ausprobiert, später dann auch in Yogastudios. Meine größte Inspiration waren eigentlich immer Menschen, die zum Beispiel den Handstand beherrschten. Darum habe ich die ganze Zeit auch einfach Umkehrhaltungen geübt – manchmal so intensiv, dass ich regelmäßig aus Yogastunden flog. Lehrer mochten mich nicht wirklich. Da war ich dann auch kurz davor, mit Yoga aufzuhören. Weil alles immer nach bestimmten …

… Regeln ablaufen musste?

Nein, nicht unbedingt Regeln. Ich glaube nicht an „Yoga-Regeln“. Aber es gab Lehrer, die ständig bestimmte Dogmen verfolgten. Das war ganz anders als das, was ich in den Büchern gelesen habe. Diese handelten von Einheit, Verbindung, Gemeinschaft, Bewusstsein, Verständnis und Achtsamkeit. Mir kam es so vor, als wenn diese Lehrer Yoga nicht wirklich gefühlt und gelebt haben. Wie gesagt spielte ich mit dem Gedanken, ganz aufzuhören – bis auf einmal Leute auf mich zu kamen und fragten, ob ich sie nicht unterrichten und ihnen verschiedene Haltungen beibringen könnte – sie fanden meinen Ansatz interessant!

Du hast also keine klassische Yogalehrer-Ausbildung bei einem Guru oder bekannten Lehrer absolviert?

Nein, habe ich nicht. Ich habe bei vielen Lehrern gelernt und geübt – manche kennt man, manche nicht – aber glaube nicht an Gurus. Genauso wenig wie ich an Dogmen und religiöse Liebe zur Yogapraxis glaube. Ich würde sagen, dass mich viele Menschen eher inspiriert und weniger etwas „gelehrt“ haben, wie man es im klassischen Sinne verstehen würde.

Spielst du eigentlich immer noch Basketball oder machst anderen Sport? Denn hier in Deutschland gibt es zurzeit den Trend, dass viele Sportler ihre Sportart mit Yoga verbinden. Die Deutsche Fußball Nationalmannschaft hat zum Beispiel sogar einen eigenen Yogalehrer.

Nein, regelmäßig übe ich neben Yoga nichts. Yoga ist die Hauptsache, das praktiziere ich ständig. Aber wenn ich es schaffe, dann mache ich auch noch andere Dinge, Basketball zum Beispiel oder Boxen. Manchmal gehe ich auch laufen. Ich liebe es, mich zu bewegen und sehe es als großes Geschenk.

Wie lange unterrichtest du schon Yoga?

Etwa 7 Jahre.

Deine Freundin, Carling Harps, ist ebenfalls Yogalehrerin, richtig?

Ja, außerdem Raw Food Köchin – insgesamt eine echte Macherin. Sie liebt es, sich zu bewegen und beschäftigt sich mit den unterschiedlichsten Themen rund um Gesundheit und Wohlbefinden.

Habt ihr in Sachen Yoga die gleiche Einstellung? Ist sie allem gegenüber ähnlich offen eingestellt wie du?

Ja, total. Wir haben beide bei sehr unterschiedlichen Leuten gelernt, viele zusätzliche Aus- und Fortbildungen gemacht, pränatales Yoga zum Beispiel. Wenn man unsere Erfahrungen und unser Wissen zusammennimmt, können wir den Leuten immer eine sehr umfassende Erfahrung bieten.

In deiner Stunde hier in Berlin hast du extra viele Core-Übungen eingebaut und nicht nur mich an meine Grenzen gebracht... Eine Frage zu diesen Asanas: In Deutschland fangen viele Leute mit Yoga an, weil sie Rückenprobleme haben. Ihre Ärzte sagen, dass sie sich auf das Core-Training konzentrieren sollen. Aber mir fällt immer wieder auf, dass viele Menschen den Fokus auf ihren Rücken legen und das Core-Training vernachlässigen. Konzentrierst du dich immer speziell auf diesen Bereich?

Nein, eigentlich nicht. Ich möchte Leuten die Möglichkeit geben, sich komplett frei und fließend zu bewegen und einzelne Haltungen sinnvoll zu verbinden. Dazu gehört unverzichtbar eine starke Körpermitte und ein Verständnis von Mula Bandha. Die gestrige Yogastunde drehte sich tatsächlich um Core-Übungen, weil ich zeigen wollte, wie man die Körpermitte wirk- und achtsam in den einzelnen Asanas einsetzen kann und sollte. Dieses Thema wird in der Tat nämlich ziemlich oft vergessen. Mir ist generell wichtig, wie man das beste aus den einzelnen Haltungen rausholen kann. Ich möchte, dass die Menschen nicht nur die Dehnungen spüren und dabei ins Schwitzen kommen. Ich möchte, dass sie die Zusammenhänge verstehen und dadurch achtsamer werden.

Wie stehst du zum Thema Spiritualität und Yoga? In Deutschland gibt es viele Männer, die Hemmungen davor haben, Yoga zu praktizieren, weil sie glauben, mit der damit im Zusammenhang stehenden Spiritualität nichts anfangen zu können. 

Als ich angefangen habe, Yoga zu praktizieren, habe ich mich überhaupt nicht darauf fokussiert. Inzwischen habe ich dieses Thema für mich so ausgelegt: Durch Yoga können wir mehr über uns und unsere Bedürfnisse erfahren, insgesamt achtsamer werden. Am Anfang sind unsere Beweggründe, die uns zum Yoga bringen, eher selbstsüchtig. Man beschäftigt sich viel mit sich selbst und versucht, Dinge über sich herauszufinden, die man vorher vielleicht noch nicht wusste. Mit der Zeit weiß man immer genauer, wer man ist, was die eigentliche Essenz des eigenen Ich ist, wenn man es so formulieren will. Man wird immer häufiger seinen eigenen Bedürfnissen folgen und lernt alles über Selbstliebe. Man geht liebevoller mit sich selber um und entwickelt große Empathie für sich selbst. Nun ist man dazu bereit, diesen liebevollen Umgang und diese Empathie auch den Mitmenschen entgegenzubringen.

Ich glaube, dass jeder Mensch die gleichen grundlegenden Bedürfnisse hat, egal woran er glaubt und woher er kommt: sich geborgen zu fühlen, geliebt und wertgeschätzt zu werden. Wir alle haben unterschiedliche Gründe, warum wir das wollen. Aber das sind die drei Dinge, die jeder Mensch will. Und wenn wir lernen, dass wir mit unseren Mitmenschen liebevoll und mitfühlend umgehen können, kommen wir auch unserem eigenen Glück ein bisschen näher.

Wie waren denn die Reaktionen, insbesondere aus deinem männlichen Umfeld, als du mit Yoga angefangen hast?

Nun ja, viele Menschen wissen immer noch nicht genau, was mit Yoga eigentlich gemeint ist. Manche meiner Freunde dachten ganz lange, dass ich Bikram Yoga unterrichte. Weil sie dachten, dass ausschließlich dieser in den USA lange sehr populäre Stil Yoga ist. Dank der Medien hat sich das alles aber geändert und die verschiedenen Yogastile haben sich in der Öffentlichkeit verbreitet. Dadurch fühlen sich jetzt auch mehr Menschen zum Yoga hingezogen.

Also folgst du hier auch deinem Prinzip der Freiheit, das zu tun, was einem gut tut und sich nicht von Außenstehenden beeinflussen zu lassen?

Dem Prinzip folge ich in allen Lebenslagen. Wie gesagt glaube ich nicht an Dogmen und Gurus. Ich glaube, dass es wichtig ist, eigene Rituale zu haben. Ich finde es komisch, jemandem blind zu folgen. Meiner Meinung nach sollte jeder alles dafür tun, um klare, bewusste Entscheidungen für sich selbst treffen zu können. Das hilft uns, ein besseres Leben nach unseren eigenen Bedürfnissen zu führen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen und eine nachhaltige Zukunft für alle zu schaffen.


Ich bedanke mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Nelli, Andrea und eben Patrick für diese schöne und intensive Erfahrung.

Franziska Weinmann

Buchtipp: Natürlich schön // Rezept

Früh am Morgen hüpfen viele von uns erst mal in die Dusche, verwenden Shampoo, Duschgel und Spülung. Dann geht‘s weiter mit Bodylotion, Waschgel, Feuchtigkeitscreme, Make Up, Lippenbalsam und Deo. Und schon bevor wir den ersten Schritt vor unsere Haustür setzen, haben wir uns und unsere Haut den unterschiedlichsten Giftstoffen und Chemikalien ausgesetzt. Eigentlich wissen wir ja, dass manche Produkte auf unseren Badezimmerregalen nicht gerade die gesündesten sind. Trotzdem greifen wir aus Bequemlichkeit, Gewohnheit oder Kostengründen immer wieder auf sie zurück.

Dass es aber auch ganz anders gehen kann, beweist Dr. Christina Kraus in ihrem Buch „Natürlich schön – Naturkosmetik leicht gemacht“. Darin zeigt die Apothekerin, wie aus unserem „Chemieschränkchen“ eine Sammlung an natürlichen, gesunden Pflegeprodukten wird – ganz ohne Konservierungsstoffe, dafür aber mit viel Liebe selbst hergestellt. Zu Beginn klärt Dr. Christina Kraus über theoretische Grundlagen wie etwa den Aufbau der Haut, die häufigsten Hauttypen und ihre speziellen Bedürfnisse sowie mögliche Gefahren durch Kosmetik aus dem Labor auf. Anschließend werden die wichtigsten Zutaten und die richtigen Utensilien für die eigene Naturkosmetik-Manufaktur vorgestellt.

Und dann geht‘s auch schon an die Herstellung verschiedenster Produkte: Von Körperölen und Bodylotions über Peelings, Badepralinen, Deos, Bartölen und Gesichtsmasken bis hin zu Trockenshampoos, Haarkuren und Lippenstiften ist alles dabei, was das Naturkosmetik-Herz begehrt. Praktisch: Vegane Rezepte, die übrigens den Großteil ausmachen, sind klar gekennzeichnet.

Wer bereits ein paar Kosmetika hergestellt hat, findet im hinteren Teil des Buches Anregungen für das „Spa zu Hause“. Darin zeigt die Apothekerin, wie Sie verschiedene Naturkosmetikprodukte kombinieren können, um für ein paar Minuten oder ein paar Stunden (je nach Wunsch) ein entspannendes Wellness-Erlebnis im eigenen Badezimmer zu zaubern. Diese Anleitungen reichen vom Pflegeritual für Männer bis hin zu geeigneten Spa-Anwendungen im Sommer oder Winter.

Wer seine neu entdeckte Leidenschaft für Naturkosmetik mit seiner Familie und seinen Freunden teilen möchte, dem schlägt Dr. Christina Kraus ganz unterschiedliche Geschenkideen vor. Wie wär‘s mit einem kleinen Reise-Set für den Urlaub der besten Freundin? Oder ein Körbchen mit Baby-Pflegeprodukten für den kleinen Neffen? Für jede Gelegenheit findet sich die passende Idee.

Natürlich schön - Naturkosmetik leicht gemacht
© EMF/Christina Kraus

Fazit // Die schönen Bilder und die übersichtlichen Rezepte machen Lust auf‘s Ausprobieren. „Vanilla Kiss“ Lippenpflege, „Good Night“ Lavendel-Handbalsam, „White Chocolate Bliss“ Badepralinen … schon allein die Namen lassen uns die Düfte in die Nase steigen. Besonders praktisch sind die Anwendungshinweise und Vorschläge für verschiedene Abwandlungen der Rezepte.


„Natürlich schön – Naturkosmetik leicht gemacht“ von Dr. Christina Kraus ist im EMF Verlag erschienen und kostet 22,99 €.



Rezept: Sunny Bunny (vegan)

Dieses herrliche Karottenöl verleiht der Haut einen frischen, belebten Teint und einen „Glow“ – wie von der Sonne geküsst! Dank seines hohen Gehalts an Carotin und Lykopen eignet es sich hervorragend als entspannendes Körperöl nach einem Tag in der Sonne. Durch das Trocknen der Karotten wird das goldgelbe Öl länger haltbar.

Sunny Bunny Körperöl
© EMF/Christina Kraus

Geeignet für
alle Hauttypen, auch entzündliche oder sonnengeschädigte Haut

Zutaten für drei Flaschen mit je 100 ml
2 mittelgroße Biokarotten
300 ml Sonnenblumenöl

Zubereitungszeit
7 Stunden
+ 12 Stunden Ruhezeit

Haltbarkeit
6–9 Monate

Zubereitung
Bürsten und waschen Sie die Karotten gründlich und trocknen Sie sie gut ab. Mit einem Spargelschäler schneiden Sie die Karotten längs in dünne Streifen. Legen Sie die Streifen auf einen mit Backpapier belegten Backofenrost. Den Backofen auf maximal 50 °C stellen, das Blech einschieben und die Möhrenstreifen etwa 3 Stunden trocknen lassen. Die Ofentür dabei einen Spalt geöffnet lassen.

Erwärmen Sie das Öl dann langsam in einem Topf und geben Sie die angetrockneten Karottenstreifen dazu, lassen Sie die Mischung zugedeckt bei schwacher Hitze etwa 3 Stunden köcheln. Nehmen Sie den Topf vom Herd und lassen Sie das Öl unter Umrühren abkühlen. Sieben Sie die Karotten mit einem feinen Metallsieb ab.

Lassen Sie die Mischung zugedeckt über Nacht stehen und filtrieren Sie das Öl zum Schluss durch einen Papierteefilter. Füllen Sie das Öl in die Flaschen ab.

Anwendung
Verwenden Sie das goldgelbe Öl pur als Anti-Aging-Serum, pflegendes Körperöl oder After-Sun Pflege. Es eignet sich auch hervorragend als Zutat in Cremes und Lotions.

Achtung: Die Farbe kann auf weiße Kleidung und Bettlaken abfärben!

// Rezept aus „Natürlich schön – Naturkosmetik leicht gemacht“ (EMF Verlag) //

Dies.Das.Asanas. – Der betende Storch

Auch dieses Mal stelle ich wieder eine neue, fetzige Haltung vor, die man nicht in den traditionellen Yogabüchern findet. Diese hier hatte bisher noch nicht einmal einen Namen. Ich hab einen gefunden: der betende Storch.

Utthita Hasta Padangushthasana – schwieriger Name? Dabei klingt diese Asana in Sanskrit noch lange nicht so kompliziert wie im Deutschen. Übersetzt heißt sie nämlich „Ausgestreckte-Hand-greift-große-Zehe-Position“. Da es hier auch noch um eine Variante geht, bei der das gegriffene Bein zur Seite gestreckt wird und man sich nach vorne beugt, wäre der Name kaum auszusprechen, geschweige denn zu merken. Deswegen taufe ich sie jetzt der Einfachheit halber: betender Storch. Diese Balance-Übung macht richtig viel Spaß, wenn man zentriert ist. Mir gefällt vor allem das Spiel mit den rechten Winkeln, die entstehen, wenn man sich gestreckt ausrichtet. Die Asana kräftigt Beine, Po, Rumpf und Fußgelenke, dehnt die Rückseiten der Beine und verbessert die Fähigkeit, auf einem Bein im Raum zu balancieren.

Muss ich das können?
Nicht unbedingt. Aber falls Utthita Hasta Padangushthasana mit oder ohne Gurt stabil ist, können Sie sich spielerisch an diese Herausforderung wagen.

Was muss ich dafür tun?
Grundvoraussetzungen sind Dandasana (Stabhaltung), also das aufrechte Sitzen mit nach vorn ausgestreckten Beinen, und Upavishtha Konasana (Grätsche im Sitzen) in der Variante ohne Vorwärtsbeuge.

Ist das gefährlich?
Nein. Im „Fall des Fallens“ lässt man einfach den Fuß, bzw. Gurt los und landet auf beiden Füßen. Kontraindikationen: Verletzungen des Fußgelenks oder des unteren Rückens.

Schritt für Schritt

1 Sie starten in Tadasana (Berghaltung). Heben Sie das linke Knie zur Brust. Sobald Sie stabil stehen, beugen Sie sich leicht nach vorn und greifen mit der linken Hand innen am Oberschenkel vorbei den großen Zeh, die Fußaußenkante oder (wenn Sie einen Gurt benutzen) beide Gurtenden.

2 Richten Sie sich wieder auf, strecken Sie das Standbein und schieben Sie die Schädeldecke aus der Körpermitte heraus Richtung Zimmerdecke.

3 Mit der nächsten Einatmung betonen Sie nochmals diese Aufrichtung, mit der Ausatmung strecken Sie langsam das linke Bein zur linken Seite.

4 Lassen Sie den Blick langsam Richtung Boden wandern und beugen Sie sich gleichzeitig mit gestrecktem Rücken nach vorne. Die rechte Hand können Sie in einem halben Anjali-Mudra vor’s Herz legen oder zur Stabilisierung an die rechte Hüfte.

5 Jetzt beginnt das Spiel mit der Balance: Erlauben Sie Mini-Bewegungen im rechten Fuß und denken Sie daran, dass Balance bedeutet, Bewegungen zuzulassen und auszugleichen, und nicht, dass man sich ein Standbein aus Beton wünscht.

6 Halten Sie den betenden Storch möglichst fünf Atemzüge lang. Beim Aufrichten mit einer Einatmung können Sie das Standbein leicht beugen. Dann strecken Sie das linke Bein nach vorne und lassen den Fuß los. Nachdem Sie die Beine etwas gelockert haben, wiederholen Sie das Ganze auf der anderen Seite.

Einsteiger-Variante:
Manchmal darf es etwas mehr Unterstützung sein. In diesem Fall können Sie den gehobenen Fuß auf einer Tischkante ablegen und sich mit den Händen an einer Stuhllehne festhalten.


Foto: Richard Pilnick

Montags-Mantra: Verändere deine Sicht auf die Dinge…

… und die Dinge, die du siehst, verändern sich.

Probleme anderer lassen sich grundsätzlich leichter lösen als die eigenen. Wir betrachten die Situation aus dem Blickwinkel des Beraters und können, dank des emotionalen Abstands, Vor- und Nachteile abwägen und die Situation logisch beurteilen. Stecken wir selbst in der Klemme, löst sich diese Gabe plötzlich in Luft auf. Man grübelt hin und her, schreibt endlos lange Pro- und Kontra-Listen und schließt den Lösungsfindungsprozess letztendlich mit dem Fazit „hoffnungslos“ ab.

Doch aus dem Weltall betrachtet – aus einer anderen Perspektive – spielt das Problem gar keine so große Rolle. Wechseln wir den Standpunkt, öffnet sich ein neuer Blickwinkel und wirft ein anderes Licht auf eine Sache, die vorher so düster aussah. Das heißt nicht, dass wir uns für jede Problemfindung auf den Mond schießen lassen müssen (auch wenn sich dieser Ausweg ab und an ganz gut anhört). Manchmal hilft es schon, etwas Abstand zu gewinnen und die Sichtweise zu wechseln – selbst wenn es bedeutet, dass wir einen Schritt zurück gehen müssen. Es ist wie beim Schreiben: Sitzt man lange an einem Text, übersieht man leicht grundlegende Tippfehler. Legt man die Arbeit für eine Zeit lang zur Seite und gewinnt Abstand, schmunzelt man beim nächsten Durchlesen über eigene Pannen.

So ist es auch im Leben: Oft stehen wir blind vor einer Situation ohne zu merken, dass wir der Lösung im Weg sind. Aus Angst zu scheitern oder die Sache aus den Augen zu verlieren, verharren wir an einer Stelle, anstatt sie von einer anderen Blickrichtung zu betrachten.

Wenn wir das nächste mal also an einem Konflikt verzweifeln, einfach mal kurz die Yogamatte ausrollen, in den Kopfstand gehen und schauen, welche Türen die neue Perspektive öffnet.

„Wenn Du Deine Sicht auf die Dinge veränderst, verändern sich die Dinge, die Du siehst.“

– Dr. Wayne Dyer

Nanu Nano! Sonnenschutzmittel im ÖKO-TEST

Seit Nanopartikel in Form mineralischer UV-Filter in die Kritik gerieten, sind viele Verbraucher verunsichert. Sind chemische Sonnenschutzmittel nun doch die bessere Wahl? Marieke Jörg, Redakteurin bei ÖKO-TEST, weiß Bescheid.

Seit Jahren empfiehlt Öko-Test Sonnenschutzmittel mit mineralischen statt chemischen UV-Filtern. Welche Vorteile bietet der mineralische Lichtschutz? Gibt es Nachteile?

Manche chemischen UV-Filtersubstanzen wie Octocrylene, Homosalate oder Ethylhexyl Methoxycinnamate stehen im Verdacht, wie ein Hormon zu wirken. Bei mineralischen Filtern wie Titandioxid oder Zinkoxid ist das nicht der Fall. Sie bilden ihre Schutzwirkung nicht wie chemische Filter nach dem Einziehen unter der Hautoberfläche aus, sondern wirken wie kleine Spiegel, die die UV-Strahlung auf der Haut reflektieren.
Der Nachteil mineralischer Filter ist, dass sie schwerer zu verteilen sind und oft einen weißen Film auf der Haut hinterlassen. Außerdem wird zur Ummantelung von Titandioxidpartikeln häufig Aluminium eingesetzt, dessen Aufnahme über die Haut noch nicht abschließend erforscht ist. Aluminium steht im Verdacht, beispielsweise das Nervensystem und die Fruchtbarkeit zu schädigen.

Ist dieser Weißeffekt irgendwie zu vermeiden oder unbedingt notwendig für den Sonnenschutz?

Leider lässt sich dieser Effekt nach derzeitigem Stand nur schwer vermeiden, wenn ausschließlich mineralische UV-Filter verwendet werden. Durch den Einsatz von Nanopartikeln kann er jedoch etwas abgemildert werden.

Gerade Nanopartikel stehen aber in der Kritik. Was genau verbirgt sich dahinter und worauf sollte man diesbezüglich achten?

Nanopartikel sind Kleinstteilchen mit einer Größe von 1 bis 100 Nanometern. Werden Substanzen in Nanoform eingesetzt, verbessern sich häufig ihre Materialeigenschaften. Sonnenschutzmittel mit mineralischen Filtersubstanzen in Nanogröße lassen sich besser verteilen und haben einen abgemilderten Weiß-Effekt. Das Beratergremium der Europäischen Union (SCCS) warnt allerdings, dass Titandioxid-Nanopartikel schwere Lungenschäden verursachen können, wenn sie in die tieferen Atemwege gelangen. Um das Risiko des Einatmens zu verringern, sollte man auf Sonnensprays mit Nanopartikeln verzichten und stattdessen lieber Cremes oder Lotionen benutzen. Sind Nanoteilchen enthalten, muss das seit Juli 2013 in den Inhaltsstoffen gekennzeichnet sein.

Worauf sollte man beim Kauf einer Sonnencreme unbedingt achten?

Wichtig ist, dass möglichst keine bedenklichen UV-Filter und andere umstrittene Substanzen wie Paraffine, Silikone oder halogenorganische Verbindungen enthalten sind. Wer auf Nummer sicher gehen will, greift zu zertifizierter Naturkosmetik, denn darin sind diese ohnehin verboten. Auch entzündungshemmende Substanzen wie Panthenol, Bisabolol, Ectoin oder Aloe Vera sollte das Produkt möglichst nicht enthalten. Diese können eine Rötung der Haut verhindern und ein Sonnenbrand wird möglicherweise zu spät bemerkt.


Im Juni 2015 hat ÖKO-TEST einen Test zum Thema Kindersonnenschutzmittel veröffentlicht.
www.oekotest.de

Brombeer-Grapefruit-Granita

© Erin Kunkel

In diesem leichten Eisdessert verbinden sich fruchtig-nährstoffreiche Grapefruitstückchen und Brombeeren mit einem Hauch frischer Minze.

➳ 7 Portionen // vegan

Zutaten

  • 1 kleinere Bio-Grapefruit
  • 3 Tassen Brombeeren
  • ½ Tasse Rohrohrzucker
  • 3–4 EL frisch gehackte Minze
  • einige Minzeblättchen zum Garnieren

Zubereitung

1 Schrubben Sie die Grapefruit gründlich, bevor Sie mit einem Zestenreißer feine Streifen (Zesten) aus der Schale ziehen. Dann schälen Sie die Grapefruit mit einem scharfen Messer und schneiden das Fruchtfleisch in Würfel.

2 Geben Sie Grapefruit-Würfel und Brombeeren mit 1 Tasse Wasser in einen Hochleistungsmixer und pürieren Sie das Ganze zu einer glatten Masse. Streichen Sie die Masse mit einem Holzlöffel durch ein Sieb. Dabei fangen Sie Saft und zarten Brei auf.

3 Rühren Sie die Zesten, Zucker, Minze und 1 Prise Salz unter das Fruchtmus und gießen Sie es in eine etwa 20 x 30 Zentimeter große Backform. Stellen Sie die Form ins Gefrierfach. Nach etwa 30 Minuten ziehen Sie mit einer Gabel durch die halbgefrorene Masse und geben sie zurück ins Eisfach. Diesen Vorgang wiederholen Sie noch drei bis vier Mal, bis die Masse locker und körnig gefroren ist.

4 Zum Servieren verteilen Sie die Granita auf sieben Martinigläser oder Dessertschalen und garnieren sie mit frischer Minze.


Foto: Erin Kunkel

Kindhaltung ist Champions League – Interview mit Gil Ofarim

Gerade tanzt sich Gil Ofarim in der RTL-Show „Let’s Dance“ die Seele aus dem Leib. Aber auch in Sachen Erdung ist er mittlerweile Experte. Denn sein Gespräch mit YOGA JOURNAL beginnt mit einem echten Bekenntnis: „Durch Yoga habe ich mich noch nie besser gefühlt.“

Gil, welche Rolle spielt Yoga in deinem Leben?

Was mir in den 90 Minuten einer Yogastunde passiert, kann ich nicht beschreiben – ich liebe es einfach. Für alle, die diese Erfahrung nicht kennen, hört es sich vielleicht bescheuert an, aber da gibt es regelmäßig diesen Klick im Kopf, diese Momente von Erkenntnis. „Sag mal, was hast du denn geraucht?“ fragen mich dann manche. Aber das ist es nicht. Durch Yoga bin ich naturstoned. Naturhappy.

Würdest du für uns einen neuen Erklärungsversuch starten? Was genau könnte da klicken?

Ich kann es nicht anders erklären, als dass ich, wie jeder andere wohl auch, mein Leben lang auf der Suche war und immer noch bin – nach innerem Glück, Bestätigung, dem Sinn des Lebens und vielem mehr. Als Kleinkind habe ich schon Musik gemacht, meinen Vater Abi Ofarim begleitet, mit 14 mein erstes Album aufgenommen und die nächsten Jahre hauptsächlich auf der Bühne und im Flugzeug verbracht. Teenie-Star zu sein macht einsam. Dazu wollte ich altersentsprechend gut aussehen, immer fit sein und die Mädels mit Muskeln beeindrucken. Was für ein Blödsinn! Durch das exzessive Krafttraining habe ich mir den Rücken und die Schulter kaputt gemacht, durch das Joggen die Knie. Ich neige zu viel Adrenalin und Selbstüberschätzung: Als Rocker will ich in meiner Show Energie rüberbringen, springe über die Bühne und klettere die Traversen hoch. Im Yoga habe ich mir durch zuviel Enthusiasmus die Beinrückseite gezerrt und spätestens dann gelernt, meine Kraft einzuteilen.

Wie bist du zum Yoga gekommen?

Oswin Ottl, mit dem ich meine Band „Acht“ gegründet habe, hat mir eines Tages seinen guten Freund Petros Kontos vorgestellt, heute Bassist bei „Acht“. Konti ist ein wilder, lauter Kerl und feierfreudiger Gastronom. Dazu ist er superfit und sehr gelassen. Als ich ihn nach dem Grund fragte, antwortete er einfach nur „Yoga“. Er und seine Frau Martina, eine meiner wichtigsten Lehrerinnen, sind der Grund, warum ich heute happy bin. In ihrem Haus am Chiemsee hatte ich meine erste Yogastunde, an deren Ende ich mich heute noch erinnere: Am Ende der Session standen beide zu wunderbar friedlicher Musik im Kopfstand, durch die Fenster sah man die Berge, in der Ecke den Buddha, und auf einmal hat sich für mich alles verdichtet.

Feiernde, wilde Männer können also auch ernsthafte Yogis sein?

Na klar (lacht). In meinem Studio, dem Munich Moksha Yogaloft in Schwabing, hat sich dann auch ein Kreis für mich geschlossen: In den Räumen war früher unser Lieblings-Gitarrenladen. Dort üben einige Männer, man kennt sich, grüßt sich und trinkt unter Umständen danach ein Bier miteinander. Es regiert der gesunde Mittelweg, wo auch ich mich angekommen fühle.

Dein Stil, das Jivamukti Yoga, ist dafür bekannt, viele Kreative anzuziehen.

Ja, wir sind alle gaga. Ich schätze an der Methode, dass es ein flexibler Weg ist, auf dem dir nichts aufgedrückt wird. Ich habe schon immer ein wenig mit Yoga geflirtet, aber ein paar abschreckende Beispiele erlebt. An Sting, dessen Musik ich sehr klar und auf den Punkt gebracht finde, habe ich mir ein Beispiel genommen und sehe Yoga nicht als Sport, sondern Lebenseinstellung, als Atemtechnik mit Bewegung. Und weil es als Nebeneffekt offenbar eine Superfigur gibt, dachte ich, das muss ich probieren.

Hat sich seither spürbar etwas verändert?

Ich bin an einem Punkt, an dem es mir echt gut geht. Das alles habe ich durch Yoga noch mehr zu schätzen gelernt. Ob ich jemals 90 Minuten in konstanter Meditation verbringen werde, weiß ich nicht. Ich bin schon stolz, wenn ich 10 Sekunden im Moment bleiben kann und nur meinen Atem und den Fluss meines Blutes spüre. Ich sehe mich immer noch nicht als Hippie, den der Sonnenaufgang zum Weinen bringt, aber mein Ziel ist es, bewusst zu leben. Auch auf Tour, beim Feiern und aktuell beim Tanzen, denn ich glaube, dass alles miteinander zu tun hat.

Was hält dein Vater Abi Ofarim von deiner Yoga-Begeisterung? Er ist ja ein Kind der Jahrzehnte, in denen Bewusstseinserforschung großes Thema war…

… oh ja, und zwar auf mehreren Ebenen. Erst hat er mich gewarnt und war besorgt, dass ich einem falschen Guru anheim falle und bald nur noch Bäume umarme. Dann hat er allerdings erzählt, dass sie früher auch meditiert und Yoga geübt hätten, gerne im Musikstudio und mit Untersützung gewisser Substanzen.

Eine verlockende Zeit?

Sicher eine coole Zeit, diese Generation hat viel für uns erreicht. So manche Party hätte ich gerne mitgefeiert: Mein Vater war mit den Beatles und Jimi Hendrix unterwegs, wurde von der Queen geehrt, und alle waren – Stichwort „freie Liebe“ – noch mehr auf der Suche als heute. Dennoch bin ich froh, heute zu leben. Noch stolzer als auf die Karriere und die Musik meines Vaters bin ich übrigens auf das Projekt, das er in München aufgebaut hat: Den Verein „Kinder von Gestern“, ein „Jugendzentrum für Senioren“, das hilft, Alterseinsamkeit und -armut vorzubeugen.

Ein Star, der auf der Erde gelandet ist, statt abzuheben: Diese Gefahr gibt es ja auch bei Yogalehrern, die von Schülern regelrecht auf ein Podest gestellt werden.

Auf der Bühne ist die Gefahr abzuheben sicher groß. Zum Glück bin ich es gewohnt, ebenerdig mit meinen Yogalehrern zu üben. Aber auch ohne Podest ähneln manche Stunden durchaus einem Backstreet Boys-Konzert, in dem die Mädchen dahinschmelzen. Ich persönlich sehe sie nie als erhaben an, sondern erlebe Menschen, die diesen Weg schon ein paar Sommer länger gehen und ihn jetzt teilen.

Projektion und Ehrgeiz: Übertragen wir diese Dinge nicht allzu oft auch auf die Yogapraxis?

Beim Kopfstand dachte ich lange: „Oh je, das ist Akrobatik, das habe ich ja noch nie gemacht…“ und habe mich ziemlich unter Druck gesetzt, ihn zu schaffen. Jetzt kann ich ihn, aber weiß, dass es gar nicht sein muss. Im Yoga bist du eher der Profi und der Chef, wenn du deine Grenzen kennst. Die, die sagen können: „Ich mache eine Pause und gehe in die Kindhaltung“ – das sind meine Heroes.

Das kann man nicht laut genug sagen. Viele verbinden es jedoch mit Aufgeben.

Auf keinen Fall. Kindhaltung ist nicht Aufgeben, sondern Champions League, genau wie Shavasana: Nicht denken, nicht bewegen, nur sein, atmen und sich von der Außenwelt nicht ablenken lassen. Beim Hund kommen irgendwann einmal die Fersen auf den Boden, der Krieger wird auch schöner, aber wirklich ruhiges Shavasana ist Kunst.

Übst du auch zuhause?

Eher nicht, denn auch der Weg zum Yogastudio ist für mich Praxis. Ich liebe die Gruppenenergie mit Singen und Shavasana und vor allem das Gefühl, offener und größer nach Hause zu gehen.

Könntest du dir vorstellen, als Musiker Kirtans zu leiten?

Noch nicht, aber ich mag das Singen in der Yogastunde. Als professioneller Sänger habe ich es mir allerdings etwas schwer gemacht, kannte die Melodien und die Wörter nicht und habe am Schluss nur abgelesen. Ich wollte es richtig machen statt einfach nur machen… Für die Zukunft kann ich mir eine Jam Session mit Kirtan-Künstlern schon vorstellen.

Hat die Praxis Einfluss auf deine Kreativität?

Auf jeden Fall, allein dadurch, dass ich besser schlafe und das Gefühl habe, besser im Fluss zu sein. Durch Yoga bin ich einfach nicht mehr so im Außen, sondern bei mir, mit mir und erfahre vieles von mir. Das will ich immer weiter verfeinern und nicht einbrechen lassen.

Nun passiert Kunst zu einem wichtigen Teil im Außen, denn normalerweise soll sie ja andere erreichen. Wie hältst du dies mit deiner eigenen Authentizität in Balance?

Alles, was ich heute produziere, kommt direkt von mir. Die Haltung, anderen um jeden Preis gefallen zu wollen, habe ich schon vor Jahren abgelegt. Ich will die Leute nicht zwingen, mich zu lieben, indem ich nur das mache, was sie vermeintlich verlangen.

Gründet dies auf deinen Erfahrungen als Teenie-Star?

Das lief nach dem Motto „So ist es, das machst du jetzt“, und ich konnte zwei bis drei Jahre voll dazu stehen. Dann habe ich mich weiter entwickelt, menschlich und musikalisch, und wollte nicht mehr der Waschlappen sein, den die Musikindustrie gnadenlos auswringt. Das war ein langer Prozess, hin und wieder auch ein Kampf. Heute will ich vor allem ausdrücken, wer ich bin und was ich will.

Und begleitest auch deine zwei Kinder auf ihrem Weg.

Eine wunderbare Wahnsinnsaufgabe. Ein Kind zeigt dir, wo’s langgeht und vor allem, wo du stehst. Bevor ich Vater wurde, wusste ich nichts von dieser bedingungslose Liebe, die heute mein Leben dominiert. Ich erinnere mich gut an ein Erlebnis kurz vor der Geburt meines Sohnes: Meine Frau und ich waren bei einer Untersuchung – ein hochemotionales Erlebnis, auch für einen Rocker. Da machte der Kleine im Bauch eine perfekte Vorwärtsbeuge und die Ärztin, die nichts von meiner Yogapraxis wusste, sagte: „Oh, ein kleiner Yogi.“ Da kamen mir endgültig die Tränen: Mein ungeborener Sohn sagte mir durch die Blume, dass ich auf dem richtigen Weg bin…


Gil Ofarim, Sohn des Sängers Abi Ofarim, der in den 1960er Jahren als Teil des Duos Esther & Abi Ofarim erfolgreich war, startete 1997 seine musikalische Karriere, erreichte als Teenie-Star Chartsplatzierungen („Round’n’Round“) und verkaufte weltweit rund fünf Millionen Alben.

Heute ist er Schauspieler, Mitglied der Rockband „Acht“ und mit Tanzpartnerin Ekaterina Leonova Finalist bei „Let’s Dance“.

Lass die Sonne rein!

Yoga im Freien _ Foto_Matthew Kane_unsplash
Yoga im Freien

Sommer, Sonne, Wind im Haar: Endlich können wir die Yogamatte auch wieder draußen ausrollen! Aus gegebenem Anlass wirft unsere Kolumnistin Sybille Schlegel ein helles Licht auf die Tradition des Sonne-Anbetens im Yoga.

Meine Mutter hat diese Angewohnheit: Immer, wenn wir in der Stadt unterwegs sind und aus einer schattigen Straße auf einen sonnigen Platz treten, stoppt sie plötzlich, hält ihr Gesicht in die Sonne und sagt: „Sei mal still!“ Als ich klein war, fragte ich mich immer, warum sie das macht. Die Sonne beschien sie ja schließlich unabhängig von meinem oftmals ungebremsten Redefluss. Heute weiß ich: Instant-Meditation. Oder Surya Namaskara. Und das heißt im buchstäblichen Sinn: „der Sonne Verehrung erweisen“. Meditation auf das Licht erhellt und erfreut den Geist, sagt auch Meister Patanjali in Yogasutra 1.36: „… (man richte den Geist auf) das Leuchten, welches weg vom Leiden führt.“ Wie das funktioniert, spüren wir bei jedem Wetter-Hoch, wenn sich die Wolken lichten und die innere Freude aufsteigt wie 99 Luftballons. Probleme jeglicher Art sehen dann aus dieser Happy-Birds-Perspektive winzig und überwindbar aus.

Yogis tanken Solarenergie

In der Sonne tanken wir Energie und strotzen vor Kraft. Tatsächlich kommt mit jedem Sonnenstrahl elektromagnetische Energie auf die Erde. Und zwar in Mitteleuropa im Hochsommer so um die 700 Watt pro Quadratmeter. Was der Leistung von ungefähr 1,5 Thermomixern entspricht. Diese Energie war für die alten Yogis göttlich – die Shakti der Sonne, Savitri. Im Savitri Gayatri Mantra wird sie (noch heute) verehrt:

„Om – Erde, Himmel und Götterhimmel,

wir meditieren auf die Quelle, die alles bewegt.

So möge diese höchste Freude,

welche das Licht des Göttlichen ist,

unsere Gedanken inspirieren.“*

Auch in einer ursprünglichen Variante des Sonnengrußes Surya Namaskara wird der Solarenergie gebethaft gedacht: In jeder Pose hält man im Kumbhaka (Atempause) inne und rezitiert im Geiste Mantras: Es gibt vedische (die eigentlich nur Brahmanen vorbehalten sind), Bijas (die Keimsilben der Energieform) und die sogenannten Laukika-Mantras – die weltlichen, die alle singen dürfen. Eines der Laukika-Mantras ist „Om Namah Suryaya“. Surya ist der vedische Sonnengott, der nach alter Vorstellung jeden Tag von Ost nach West in einem Wagen über den Himmel fährt. Mit jeder Asana wird mit einem neuen Vers einem anderen Aspekt der Sonne gedacht: dem Licht, dem Nährenden, dem Aufgehenden, dem Vergehenden, dem Wärmenden, dem Bewegenden. (In dieser andächtig-ruhigen Variante des Sonnengrußes wird einem übrigens noch wärmer als im hastig durchgeturnten …)

Surya oder das Loch im Himmel

Als die göttliche Dreifaltigkeit Brahma-Vishnu-Shiva die spirituelle Bilderwelt Indiens bestimmte, gab es noch eine andere Erklärung für die Sonne: Man stellte sich die Welt in drei Schichten vor: Die Erde war eine Scheibe und das Himmelszelt trennte sie vom feurigen Götterhimmel. Natürlich wurde die Erde (mal wieder) von einem Dämon bedroht. Und (wie immer) erschien daraufhin Vishnu, der James Bond unter den Göttern, als Retter. Diesmal wiegte er den Dämon Bali in Sicherheit, indem er als harmloser Zwerg auftrat. Er bat bescheiden um Platz für seine Feuerstelle. Kaum wurde ihm das gewährt, da lief Mini-007 im Namen ihrer Majestät (in diesem Fall des Götterkönigs Indra) mit drei Schritten um die ganze Welt herum, um die Besitzverhältnisse ein für alle Mal klarzumachen. Dabei bohrte er mit seinem großen Zeh ein Loch in das Himmelszelt, sodass der aus Feuer bestehende Götterhimmel dahinter sichtbar wurde. Dass wir die Sonne am Himmel sehen, ist also quasi ein Kollateralschaden.

Sonne und Mond: Ha und Tha

Reinhard Gammenthaler beschreibt in seinem Buch „Kundalini Yoga Parampara“ echte Yogis als Sonnenanbeter und ein andächtiges Sonnenbad als Teil der yogischen Praxis: „Durch die Hingabe an das göttlichste unter den Gestirnen erwacht das Bewusstsein für die Schönheit und Mystik des gesamten Planetariums. Shiva, der Mond, wird nur sichtbar, wenn er von den Strahlen der Sonne, der Shakti, beleuchtet wird. Ohne sie würde alles im Dunkel der Formlosigkeit verschwinden. Nur sie vermag allen Dingen in diesem Universum Gestalt und Leben zu verleihen.“ Ob es das ist, was meine Mutter im Sinn hat? Wahrscheinlich intuitiv: ein natural born Yogi. Jetzt aber raus mit Ihnen. Und eincremen nicht vergessen!

Autorenfoto Sybille Schlegel Sybille Schlegel leitet ihre Hatha Vinyasa Parampara Yogaschule in Mainz und unterrichtet Workshops sowie Teacher Trainings in verschiedenen Städten Deutschlands. Mit viel Sonne im Herzen engagiert sie sich dafür, das alte Yogawissen und die Tradition lebendig zu halten. www.hathavinyasa.de


Foto: Matthew Kane/ www.unsplash.com

*Übersetzung der Autorin