Angela Collins

Angela Collins is a Sydney born RYS Certified Yoga Teacher, living and teaching Yoga in Berlin.

She first was introduced to Yoga at age 16 working with an touring Theatre company in Sydney, then later at University she trained in Yoga once more, but it was not until the after the birth of her son that she decided to use Yoga as a path to healing.

Trained in Vinyasa Flow, Meditation and Advanced Forrest Yoga-  Angela also draws on her previous studies in Contemporary Dance, Butoh, Alexander Technique, Feldenkrais, Breathwork with Sound, and Body work to create dynamic classes accessible to everyone. She is constantly evolving her classes and ideas about what Yoga is and the potential that lies within the body and mind, meaning no two classes are the same!

Her classes focus on a holistic approach to healing-  to create strong yet flexible minds and bodies.

Angela’s classes have been described as:

Thought provoking, constantly evolving, an opportunity to transform,  a joy – and always a full body and mind experience

Tina (Christina Lobe)

Tina ist Mutter, Frau, Freundin, Mit-Gründerin und Besitzerin von yogatribe Berlin und unterrichtet nun seit  10 Jahren Anusara Yoga®. Sie ist zertifizierte Anusara Yoga® Lehrerin und registrierte Yogalehrerin eRYT-500 Yoga Alliance. Neben regulären Klassen und Workshops, unterrichtet sie Anusara® Immersions und Anusara Yoga® Teacher Trainings in Deutschland.
www.christinalobe.de

„Ich liebe es zu lernen, mich Selbst zu entdecken, zu wachsen und das Leben zu spühren. Nur wenn ich eine Ahnung davon habe, wer ich eigentlich bin und was mein innerster Kern, meine Quelle sein könnte, kann ich mit Freude in den Tag schreiten und neugierig und offen den Menschen begegnen. Yoga bietet mir genau diese Möglichkeiten; mein eigener Spiegel zu sein, hinter die Dinge zu blicken und immer mehr einzutauchen in die Ganzheit und Fülle des Lebens. Die Verbindung zu fühlen, zu verlieren, wieder neu zu finden ist das lebendige Pulsieren des Universums, das auch mich lebendig hält.“

Andreas Hollard: Rezept für Tofu-Muck nach Ananda-Art

Ayurveda, „das Wissen vom langen und gesunden Leben“, in die bayerische Heimat hinauszutragen und die Vereinbarkeit der uralten indischen Lehre mit der bayerischen Tradition zu demonstrieren – das ist das Anliegen des Ehepaars Hollard.

Zutaten (für 2 Personen):

  • 400 g Tofu
  • 2 Tomaten
  • 2 Frühlingszwiebeln
  • 1 Zucchini
  • 1/2 Knoblauchzehe
  • 2 TL frischen Ingwer
  • 200 ml Kokosmilch
  • 100 ml Sahne
  • 50 ml Wasser
  • 10 Bärlauchblätter (oder 1 EL Bärlauchpaste)
  • 1 TL Currymischung
  • 2 TL Senfkörner, schwarz
  • 1/2 TL Tamarindenpaste
  • 1 Chilischote
  • 2 El Ghee
  • 1 Prise Salz

Zubereitung:

Das Ghee in einem Topf erhitzen. Die Senfkörner hinzugeben und rösten, bis sie platzen, danach den Knoblauch und den Ingwer zufügen. Das Ganze kurz andünsten und alle anderen Gemüsesorten hinzufügen. Das Gemüse mit Wasser ablöschen, dann die Sahne und die Kokosmilch dazugeben. Nun mit Curry, Bärlauch, Tamarind, Chilischote und Salz würzen. Ca. zehn Minuten auf kleiner Flamme kochen lassen und danach den Tofu zufügen. Weitere zwei Minuten kochen lassen. Das Gericht nach eigenem Empfinden mit Liebe abschmecken und genießen.

Andreas’ Tipps für hitzige Gemüter: Gewürze reduzieren, mild würzen!


Mehr Infos unter: ananda-essgenuss.de

Wann man ein Lehrer wird

Downsyndrom Yogalehrerin Lehrerin Yoga
Foto von Cliff Booth von Pexels

Reicht Yoga-Philosophie aus, um mit wirklichen Schwierigkeiten umzugehen? Im Yoga wird oft betont wird, dass ein „Guru“ wichtig ist. Aber was macht einen Menschen zum Lehrer?

Eigentlich ist die Sache mit der menschlichen Existenz ganz einfach. Wir sind nicht dieser Körper, heißt es in den Upanishaden. „Alles klar“, sagen wir uns, „dann ist es ja auch nicht schlimm, wenn wir sterben“. Solange das Ende unseres eigenen Aufenthaltes auf der Erde noch relativ abstrakt ist, hat der Tod wenig Schrecken für uns, und wir kommen mit der Lehre des Vedanta gut klar. Aber was ist, wenn jemand stirbt, der uns lieb ist? Wie viel Trost gibt uns die Philosophie dann noch?

Manchmal bekommen Worte eine besondere Kraft, wenn Sie in einem ungewohnten oder sogar falschen Zusammenhang stehen. In Asien kann man das erleben, wenn jemand gebrochenes Englisch benutzt. Ein Lama in einem tibetischen Kloster erzählte während meiner Ausbildung die Geschichte von Marpa, einem buddhistischen Lehrer aus dem 11. Jahrhundert, um die Diskrepanz zwischen Wissen und Gefühlen beim Thema Tod zu verdeutlichen. Marpas Sohn war schwer verwundet und lag im Sterben. Der gebildete Vater sang ihm letzte buddhistische Instruktionen vor, wie er sein Bewusstsein von seinem Körper befreien sollte, um eine neue Inkarnation anzunehmen. Dabei begann er sehr zu weinen.

Für ein Ehepaar aus dem Dorf schien das nicht mit seinen Lehren zusammenzupassen. Jahre vorher hatten sie ihr einziges Kind verloren. Damals hatte Marpa versucht, ihre Trauer zu erleichtern, indem er die Analogie des Traumes benutzte: „Wenn du nur träumtest, dass dein Liebstes von dir genommen wird, dann fühlst du im Traum auch Schmerz. Doch du würdest leiden an etwas, das in Wirklichkeit gar nicht geschehen wäre. Letztendlich ist auch deine jetzige Trauer um dein Kind nichts anderes als das. Sieh es als einen Traum, eine Illusion, und sei nicht traurig.“

Nun sagten ihm diese beiden: „Aber Lama, als unser einziges Kind starb, sagtest du, es sei nur eine Illusion gewesen. Jetzt, wo dein Sohn stirbt, sei auch du nicht traurig.“ Marpa blieb nichts, als zu antworten: „Es war mein eigener Sohn. Es war eine Super-Illusion.“ Das Wort „Super-Illusion“ klingt seltsam in diesem Zusammenhang. Vielleicht, weil die Übersetzung aus dem Tibetischen, die der Lama benutzte, nicht ganz passt. Aber es drückt die Gefühle aus, die den Vater überwältigt haben müssen.

Die Philosophie, dass alles, was wir auf der physischen Ebene erleben, eine Illusion ist, kann etwas Entspannendes haben. Wir können – wenn wir in leicht verdaulichen Portionen damit arbeiten – viele Schwierigkeiten aus einer anderen Perspektive sehen. Wenn aber das Leben mit seiner ganzen Wucht auf uns prallt und wir einen geliebten Menschen verlieren, dann ist der Perspektivenwechsel Traum/Realität nicht immer leicht. 

Marpa wuchs dadurch, dass er lernte, die Bedeutung seiner Lehren selbst zu fühlen. Erst dadurch, dass sich Mitgefühl in ihm entwickelte, erfüllte er sein Wissen mit Leben. Sein berühmtester Schüler wurde einige Jahre später Milarepa, ein mehrfacher Mörder. Nachdem er das Leid, das er anderen zugefügt hatte, erkannt und durch den liebevollen Beistand seines Lehrers auch selbst durchlebt hatte, wurde er zum größten Yogi Tibets. Dabei hatte Marpa es ihm nicht besonders einfach gemacht.

Philosophie können wir uns aus Büchern und Schriften besorgen. Unser Leben verändert sich aber erst, wenn wir sie integrieren. Das geht am besten, wenn wir in schwierigen Zeiten jemanden an unserer Seite haben, der unsere Schmerzen kennt. Dann wird der „Guru“ wirklich zu jemandem, der die Dunkelheit beseitigt. Weil er auch wenn es uns nicht gut geht, oder wir uns nicht von unserer strahlenden Seite zeigen das Licht in uns sieht; weil er seinen eigenen Schatten kennt. Wir brauchen Wissen und Gefühl. In schwierigen Zeiten ist es gut, wenn wir einen Menschen kennen, der uns einfach in den Arm nehmen kann, oder in dessen Präsenz wir Ruhe finden. 

Lehrer zu sein ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Schrecken Sie trotzdem nicht davor zurück, selber einmal ein Licht für andere sein zu wollen. Es ist immer noch einer der schönsten Berufe, die man sich vorstellen kann.


Ralf Sturm lebt und arbeitet im Yoga Vidya Seminarhaus in Bad Meinberg.

Ein Ashram in Westfalen

Während Großstädte stetig wachsen, verlieren Kleinstädte an Bevölkerung. In der Kurstadt Bad Meinberg im Teutoburger Wald hat sich eine Initiative das Ziel gesetzt, mit dem Label »Yogastadt« Sinnsuchende aus den Großstädten anzuziehen.

Allee heißt die Einkaufsstraße in der Innenstadt von Bad Meinberg. Sie führt zentral in den Kurpark auf das Heiligtum der Stadt zu, einen kleinen Brunnentempel. Die Zeichen einer einst florierenden, stolzen Bäderstadt mit vielen Gästen sind noch gut zu erkennen. Das Staatsbad mit 4.600 Einwohnern liegt beschaulich am Rande des Teutoburger Waldes in der Stadt Horn-Bad Meinberg. Seit 1767 Kurort, erlebte Bad Meinberg sein letztes Hoch 1992 mit 38.000 Kurgästen. Dann kam die Strukturreform im Gesundheitswesen und mit ihr eine Verringerung der Gästezahlen um 70 Prozent. Jetzt ist Downsizing angesagt. Die Not ist spürbar: die Einwohnerzahl ist rückläufig, die Bevölkerung überaltert, die Infrastruktur löst sich mehr und mehr auf. Mindestens drei umgenutzte Apotheken, dazu Hotels, Cafés und Läden stehen leer. Das ehemalige Kino ist mittlerweile abgerissen.

Christoph Harrach ist begeistert: »Das gute Wasser, die reine Luft, zudem die Stille, Langsamkeit und Dunkelheit in der Nacht – das sind hohe ökologische Werte, die es in der Großstadt nicht gibt.« Der Trendforscher ist Mitinitiator und treibende Kraft einer Initiative, die sich dafür einsetzt, Bad Meinberg zu einer »Yogastadt« zu entwickeln. Dafür ist der Gründer von KarmaKonsum, einem Portal für »gesunde und nachhaltige Lebensstile«, und Vorreiter der LOHAS (»Lifestyles of Health and Sustainability«) im vergangenen Jahr mit seiner Familie von der Frankfurter Innenstadt in die ostwestfälisch-lippische Provinz gezogen. Der Umzug war für ihn selbstverständlich: »Bad Meinberg bietet uns ein sehr schönes Wohnumfeld. Wir haben hier eine hohe Lebensqualität und sind eingebunden in eine aktive Wertegemeinschaft.« Von einer Kurstadt zur Yogastadt – kann das gut gehen?

Der Verdacht bestätigt sich

Durch Zufall verbringe ich ein Wochenende zur Erholung in Bad Meinberg. In einem Kurhotel habe ich eine ayurvedische Massage gebucht. Eine freundliche Mittfünfzigerin erzählt mir von einem Yoga-Seminarhaus ganz in der Nähe. Es sei sehr groß, erzählt sie, vielleicht das größte Europas. Nur etwa einen Kilometer entfernt. Einige Bürger von Bad Meinberg fänden schon, dass es dort »etwas speziell« zuginge. Nein, nein, sie selbst überhaupt nicht. Nach zehn Minuten Fußmarsch stehe ich schließlich selbst vor dem Haus Yoga Vidya. Ein riesiger, abgetreppter 80er-Jahre-Bau, selbstbewusst am Rand der Stadt platziert. Ein Gebäude der Angstarchitektur, oder aus dem Bausünden-Quartett. An der gestreiften Waschbeton-Klinker-Fassade mit Betonblumenkästen ist ein Mandala mit dem Namen des Hauses angebracht, das ein bisschen aussieht wie selbstgemalt. Eine witzige Geste angesichts der monströs-massiven Architektur.

In der Lobby vibriert die Luft. Es herrscht eine geschäftige Atmosphäre. An der Rezeption stehen vorwiegend Frauen mit Kindern, Rollkoffern und Stoffbeuteln in einer Schlange. Eine untersetzte Schwäbin fragt nach den Hausregeln. Unter einer gemalten Szene aus der Baghavad Gita, einer der zentralen Schriften des Hinduismus, laden ausgedehnte Sofas zum Entspannen ein. Die zwei jungen Frauen in Sindbadhosen sehen merkwürdig klein darauf aus. Ein junger Mann mit Dreadlocks und Bart erinnert mich an Siddharta. Ständig kommen neue, bequem angezogene Menschen in die Lobby, unterhalten sich leise in verschiedenen Sprachen und wählen ihren Weg in einen der langen Flure zu den Seminarräumen. Und immer wieder leuchtet es in signalgelb, der Logofarbe von Yoga Vidya, von Taschen, T-Shirts und Wänden. Ein Blick in einen vollbesetzten Yogasaal bestätigt meinen Verdacht: Dies ist kein Yoga-Seminarhaus.

yogasaal Yoga vidya Karin HartmannHier geht es nicht um Gymnastik und darum, sich in Wohlfühl-Atmosphäre gegen Geld zu entspannen. Dies ist ein Ashram. Ein Haus mit einem eigenen Takt, mit einem schlagenden Herzen. Belebt von einer Gemeinschaft, die entlang eines wiederkehrenden Tagesablaufs gemeinsam ein spirituelles Leben führt, in das sich der Aspirant einordnen muss. Dieses riesige Haus hat mehr mit einem Kloster gemeinsam als mit einem Wochenend-Escape. Wären wir in Rishikesh, würde sich niemand wundern. Aber wir sind in Westfalen-Lippe, Land des Herrmanns, im einzigen Staatsbad von Nordrhein-Westfalen.

Im Haupthaus, Chakrapyramide genannt, ist jedem Geschoss ein Energiezentrum, genannt Chakra, zugeordnet. Im alten Schwimmbad prallen die ehemalige Kurnutzung und der Alltag im Ashram aufeinander. Wo früher die Bäderkur stattfand, stehen heute an gekachelten Wänden Regale über Regale, mit Meditationskissen befüllt. Darüber hängen Bilder einiger spiritueller Führer, darunter Swami Sivananda und Jesus. Hier, im größten Saal des Hauses, findet auch jeden Samstag der Satsang statt, die heilige Messe der Yogis. Gemeinsame Meditation, Gesang und Geschichten, abgeschlossen durch einen Imbiss, stärken die Gemeinschaft und bieten Gelegenheit zum Austausch.

»Hier war einfach alles perfekt«, erklärt Sukadev Volker Bretz, der Gründer von Yoga Vidya, warum die Wahl für das Yoga-Zentrum auf Bad Meinberg fiel. »Die Lage des Hauses am Rand der Stadt, die Tatsache, dass Bad Meinberg eine Kurstadt ist und uns die Bevölkerung und alle Beteiligten sehr willkommen geheißen haben. Wo sonst kann man einfach in ein Restaurant gehen und sagen ›Ich hätte gerne eine Pizza ohne Käse und ein heißes Wasser‹ und der Kellner bringt das einfach, ohne mit der Wimper zu zucken?«  Bretz hat hier innerhalb von zehn Jahren das größte Yoga-Seminarhaus außerhalb Indiens aufgebaut. Bereits 1992 erkannte er seinen Auftrag, Yoga einem breiteren Publikum zu vermitteln und sah drei große Seminarhäuser für 1000 Gäste bildlich vor sich. Mit dem Erwerb der drei Kurkliniken in Bad Meinberg ist diese Vision Realität geworden. Der gebürtige Rheinland-Pfälzer vereint in sich eine tiefe Spiritualität mit einem ausgeprägten betriebswirtschaftlichen Talent. Als Spross einer Unternehmerfamilie machte er bereits mit 17 Abitur und schloss mit zwanzig Jahren sein BWL-Studium ab. Doch dann widmete er sein Leben gänzlich dem Yoga und kam über die Jahre mit vielen Yogameistern zusammen, darunter auch sein spiritueller Lehrer Swami Vishnudevananda. Mit ihm lebte er einige Jahre in verschiedenen Teilen der Welt in Ashrams und anderen Gemeinschaften zusammen.

Zumba-Detmold und Bodyjump-Lemgo?

Roseklinik, Parkklinik, Waldklinik – nun Chakrapyramide, Kailash, Haus Shanti. Wie reagiert die Bevölkerung auf das Ufo Yoga Vidya, das erst vor zehn Jahren in der Stadt landete und nun das Profil der Stadt prägen will? Nach einer Umfrage der Lippischen Landeszeitung zum Namenszusatz Yogastadt halten 66,6 % diesen für reine Geld- und Zeitverschwendung. »Wie lächerlich! Yoga hin oder her, das ist eine Sportart wie jede andere auch. Demnächst gibt es dann noch Zumba-Detmold und Bodyjump-Lemgo, oder wie?!« empört sich etwa Leser Heiko auf der Webseite der Lippischen Landeszeitung.

Im Rathaus treffe ich mich mit dem Beigeordneten Matthias Engel. Auf seinem Schreibtisch liegt ›Peace Food‹, der missionarische Veganismus-Klassiker des esoterischen Arztes und Psychotherapeuten Rüdiger Dahlke. Mit dem Bürgermeister, der selbst seit 20 Jahren Vegetarier ist, tausche er gern mal solche interessanten Bücher aus, erklärt Engel. Aha. Mich interessiert vor allem die Reaktion der Bevölkerung auf die Yogabewegung. Heikos Kommentar lässt mir keine Ruhe.

Aber es fällt kein abfälliges Wort, kein Kleinstadtmuff ist spürbar, stattdessen der Stolz eines Stadtbeamten aus dem Bergischen, der eine feurige Rede zum Glauben an seine Stadt hält und dabei Christoph Harrach bei seinem indischen Namen Ramdas nennt; der als Christ Yoga als ein Mittel zum friedlichen Zusammenleben verteidigt: »Wir wollen die Grundlage dafür schaffen, dass alle hier zufrieden leben können. Und zwar so, wie es ihre Lebensauffassung ihnen sagt. Wenn mein Nachbar Yoga machen möchte, egal in welcher Spielart, dann mache ich das möglich. Meine eigene Lebensfreude entspringt daraus, dass sich mein Nachbar so entwickeln kann, wie er möchte.« Wow. Wo kann ich diese Droge kaufen? Oder ist das etwa doch das gute Wasser und die gute Luft?
Auch im Gespräch mit Einheimischen und Neubürgern, Ladenbesitzern und dem Leiter des Stadtmarketings, den ich zufällig kennenlerne, bleibt der erwartete Gegenwind aus. Obwohl hier Welten aufeinander prallen, kommt es scheinbar nicht zum Konflikt. Die Yoga-Bewegung ist offen, man sieht sich, und wird gesehen – beim Taizé-Singen, auf dem Schützenfest oder in der Kirche. Sukadev Volker Bretz grenzt sich klar ab von den eher geschlossenen spirituellen Bewegungen der 70er und 80er Jahre, Osho und Hare Krishna. »Zum einen ist es wichtig, dass man mit seinem Umfeld in Harmonie zusammenlebt, zum anderen wollen die Mitarbeiter selbst auch in einer Umgebung sein, in der sie sich wohl fühlen, Bekannte finden können, und zwar auch außerhalb des Ashrams.« Lachend fügt er hinzu: »Das wäre ja fast eine Art spiritueller Inzest, wenn wir nur unter uns blieben.« Er befürwortet auch, dass sich weitere Yoga-Häuser mit anderen Ausrichtungen im Ort ansiedeln und das Spektrum erweitern.

 „Keiner macht Remmi-Demmi“

Vom Nebeneinanderleben zum Zusammenwachsen, ist das hier wirklich möglich? Der gleiche Takt und das Interesse an gesundheitlichen Themen verbinden. Die Suche nach Genesung, ausgewogener Ernährung und alternativen Heilmaßnahmen schaffen Gemeinsamkeiten zwischen Yogis, Kurgästen und Touristen: »Das harmoniert alles sehr gut. Die Stadt ist relativ ruhig, keiner macht Remmi-Demmi, nicht die Yogaleute und nicht die älteren Kurgäste, die vor allem wandern und Fahrrad fahren wollen«, sagt Sukadev Volker Bretz. Christoph Harrach ordnet die Yoga-Bewegung in Bad Meinberg sogar in einen größeren Zusammenhang ein. Von der Initiative ›Yogastadt‹ verspricht er sich, den Boden zu bereiten für ein gutes, einfaches Leben, von dem sich die LOHAS angezogen fühlen. Er berichtet von der Sehnsucht der Städter, ein weniger denaturiertes Leben zu führen: »Ich kenne viele urbane Avantgardisten, die im Prenzlauer Berg wohnen, im Hamburger Schanzenviertel oder im Frankfurter Nordend und auf der Suche nach einem neuen Lebensstil sind. In dieser Avantgarde wird der monetäre Druck auf den Einzelnen teilweise zu groß.« Viele sehnten sich nach mehr Natur, nach einem natürlichen Lebensumfeld, so Harrach, sie wollten weniger arbeiten, um mehr Zeit für soziales Engagement zu haben. Aber das gehe in den Städten nicht, weil die Mieten so hoch seien. Außerdem wollten sie in eine Gemeinschaft eingebunden sein. »All diese Sehnsüchte können wir hier in Bad Meinberg bedienen und deswegen habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, diese Menschen hierher zu bringen.« Harrachs Wort in Krishnas Ohr – mögen seine Wünsche in Erfüllung gehen.

Ob Bad Meinberg aus seinem Dornröschenschlaf erwacht? Wie wird es hier in zehn Jahren aussehen, sollten Harrachs Pläne Wirklichkeit werden? Das verschlafene Städtchen erscheint mir plötzlich in anderen Farben. Visionen und engagierte Menschen lassen mich in den Brachen Potenziale erkennen. Bad Meinberg ist bereit für einen Neuanfang. Vielleicht werde ich die nächste Neubürgerin, denn es ist doch irgendwie ganz schön hier, oder?

Namaste! Wir sehen uns beim Satsang.


Die Bildrechte liegen bei der Autorin Karin Hartmann. Sie ist freie Architektin mit eigenem Büro in Paderborn. Sie ist zudem als Autorin und Bloggerin tätig und hat die Initiative Baukultur Paderborn gegründet. Bad Meinberg kennt sie aus ihrer Kindheit. Als sie durch Zufall erfuhr, dass es in dem Kurort die Initiative ›Yogastadt‹ gibt, wollte sie sich das Phänomen mit eigenen Augen anschauen. Diesen Artikel finden Sie ebenfalls auf Stadtaspekte.de.

Style Guide: Forrest Yoga

Katrin Ender Forrest Yoga
Fotos: Katrin Ender

Erschaffe das Leben, das du dir wünschst

Wir leben in einer Zeit, in der die Vielfalt an Möglichkeiten, sein Leben zu gestalten, überwältigend erscheinen können. Dies kann ein Gefühl von Orientierungslosigkeit verursachen. Die Kommunikationsmittel werden immer innovativer und rasanter, viele Menschen sehnen sich zunehmend nach innerer Ruhe, Geborgenheit und Halt.

Der Zulauf, den spirituelle Praktiken wie Yoga seit den siebziger Jahren in den USA und seit etwa einem Jahrzehnt in Deutschland verzeichnen, wächst konstant. Viele Menschen finden über fernöstliche Schriften, Texte und Praktiken zu sich selbst. Viele aber wissen nicht, wie sie „Spiritualität“ leben können oder finden keinen Zugang zu ihrer eigenen Spiritualität. Sie fragen sich, wie sie die Brücke zurück zu sich selbst bauen und ihre Ängste und behindernden Verhaltensmuster überwinden können. Forrest Yoga hat Antworten, die jeder versteht und anwenden kann. Der Schlüssel dazu ist der eigene Körper.

Forrest Yoga LogoIch kam mit Yoga relativ spät in Berührung. Mein Weg verlief über Bikram Yoga. Dabei genoss ich vor allem die Hitze und die Luftfeuchtigkeit, die mich an den Ort meiner Kindheit, den Senegal, erinnerten. In meinem stressigen Beruf als Filmemacherin und Copywriter verschafften mir später Hatha und Vinyasa Yoga etwas innere Ruhe. Als ich nach diversen Bauch-Operationen wieder auf die Beine kommen wollte, entdeckte ich das Tri-Yoga. Diese Yoga-Form zeigte mir das erste Mal behutsam einen Weg zu mir selbst. Dieses Gefühl des sich öffnenden Körpers wollte ich noch intensiver erleben, und so landete ich schließlich bei Forrest Yoga.


Mein Weg zu Forrest Yoga

Mein Leben war nie großartig von Angst gesteuert, so dachte ich. Meine Ängste, verursacht durch Hyperventilation und andere gesundheitliche Beeinträchtigungen, die in einer schwierigen Lebensphase entstanden waren, hatte ich durch Tauchen einige Jahre zuvor in den Griff bekommen. Angst vor dem Tod hatte ich seither keine mehr. Aber im Angesicht meiner neuen Krankheit, der wiederkehrenden Tumore in meinem Bauch, hatte sich eine ganz neue Angst entwickelt: die der Ohnmacht. Und diese Angst war so groß, dass sie mich zunächst lähmte.

Auf Rat einer Yogalehrerin nahm ich an meiner ersten Forrest Yoga-Stunde teil und war von der Wirkung überwältigt. Alle meine Körperteile, die irgendetwas mit der Disharmonie zu tun hatten, die ich in Verbindung mit meiner Krankheit auf körperlicher, emotionaler und psychischen Ebene empfand, fingen an zu pulsieren. Am Ende dieser beiden ersten Forrest Yoga-Stunden war ich tief gerührt und erleichtert. Ich war aber gleichzeitig auch schockiert über die Tatsache, dass ich überhaupt wieder fühlen konnte und womöglich wichtige Hinweise von meinem Körper erhalten hatte. Dem wollte ich nachgehen, und so meldete ich mich für die vierwöchige Forrest Yoga-Lehrergrundausbildung in Südafrika an. Ich hatte mich entschieden. Und vor allem hatte ich ja nichts zu verlieren.

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Autorin Katrin Ender bei ihrer Forrest Yoga Lehrerausbildung in Südafrika

Ohne Vorbereitung und vollkommen ahnungslos ging ich in meine erste Stunde bei Ana T. Forrest. Was dann folgte, sprengte den Rahmen meiner Vorstellungskraft. Ich kam bei den ersten Bauchübungen an meine Grenzen, nicht nur, weil sie so schwer waren, sondern weil sie genau in die Gewebsebenen hinein gingen, von denen ich mich schon länger – wahrscheinlich aus Angst oder Ignoranz oder beides – abgewandt hatte. In jene Schichten hatte sich dann meine Krankheit eingenistet und auch die Angst davor, wieder krank zu werden. All die Gedankenkonstrukte und Überzeugungen, die im Gewebe gespeichert sind und die die innere Haltung eines Menschen bestimmen, kamen durch die intensiven Asanas und das von Ana mit großer Achtsamkeit geleitete Bewusstsein zum Vorschein. Ich fühlte, dass ich endlich an den Ursprung meiner Verzweiflung und Unsicherheit vorgedrungen war und Antworten auf meine Fragen bekam.


Was ist Forrest Yoga?

Forrest Yoga ist eine moderne, sehr kraftvolle Yoga-Form, die vor fast 40 Jahren von Ana T. Forrest in den USA entwickelt wurde, als diese damit ihre eigenen Traumata und Lebenserfahrungen erfolgreich bewältigte. Sie basiert auf traditionellem Yoga, ist allerdings an den heutigen westlichen Lebensstil angepasst. Forrest Yoga fängt die Menschen des 21. Jahrhunderts auf und unterstützt sie bei ihren aktuellen Fragen, Bedürfnissen und Anforderungen. Zentrale Schwerpunkte sind die exakte Ausrichtung des Körpers, der gezielte Einsatz des Atems und des Geistes, sowie die Entwicklung von Stärke und Authentizität bzw. Ehrlichkeit gegenüber sich selbst. Ein entspannter Nacken sowie aktive Füße und Hände sind einige der Grundhaltungen, auf die die heilende Wirkung von Forrest Yoga zurückzuführen ist. Weitere Grundbewegungen, die Forrest Yoga von anderen Yoga-Formen unterscheidet, sind das Teleskopieren der Rippen, „Telescoping the ribs“, das seitliche, äußerlich um den Brustkorb herum nach vorne Schieben der Schulterblätter, „Wrapping the shoulders“, und das Einrollen des Steißbeins, „Tucking the tailbone“.

  • Physische, emotionale und mentale Blockaden können dadurch gelöst werden
  • Einschränkende Verhaltensmuster können korrigiert, bzw. überwunden werden
  • Die Tiefenmuskulatur wird gestärkt

Ausgehend vom heutigen Lebensstil ist Forrest Yoga ideal sowohl für Menschen, die viel sitzen, viel denken oder großem Druck ausgesetzt sind, als auch für diejenigen, die mehr Lebensqualität und innere Ruhe für ihr Leben erlangen wollen. Forrest Yoga fördert die Selbstheilung, weckt die Sinne und führt den Menschen zurück zu sich selbst.

Durch intelligent und effizient aufeinander aufbauende Sequenzen kommt der Mensch in Verbindung mit sich selbst. Die lang gehaltenen Haltungen führen durch die oberste Schicht der Muskeln tiefer in die darunter liegenden Schichten und ermöglichen dadurch, an den emotionalen Körper und die Informationen zu gelangen, die im Körper gespeichert sind und ihn eventuell blockieren oder einschränken. Mit jeder Übungsstunde erhöht sich der Effekt. Diese Methode bringt jede Lüge ans Licht, aber auch jedes Körnchen Wahrheit. Wenn der Muskel eine bestimmte Zeit lang gearbeitet hat, kommt die Energie und Information, die in ihm und im Bindegewebe steckt, zum Fließen, was zum „Ausbruch“ von Blockaden führen kann. Dann ist es gut möglich, dass der Muskel oder ein ganzes Körperteil anfängt zu zittern, dass Körperflüssigkeit oder Bilder und Geräusche produziert werden, die mit gewissen Gedanken, Überzeugungen oder Erlebnissen im Körper festgehalten wurden. Dieses Loslassen von Emotionen und Blockaden löst ein befreiendes Gefühl aus. Der Prozess mag nicht immer „sauber“ und ordentlich vonstatten gehen. Denn Forrest Yoga ist echt und räumt rigoros auf. Und das ist es, was mir daran gefällt.


Grundlagen und Voraussetzungen

Forrest Yoga zelebriert die Schönheit des Lebens und lehrt, die innere Wahrheit zu finden und Kraft, Flexibilität und Intelligenz aufzubauen. Die Intelligenz des gesamten Körpers – also alle Informationszentren, nicht nur das Gehirn – wird dafür aktiviert und gefördert. Man lernt zu wachsen, man findet Heilung und schafft Platz, um seinen Geist wieder im Körper willkommen zu heißen. Man lernt sich mit der Weisheit seines Körpers und seiner Seele wieder zu verbinden und sich ihrer zu bedienen, um die richtigen Entscheidungen zu fällen, die einem ein glückliches, freies, gelöstes und gesundes Leben ermöglichen. Darüberhinaus erfährt der Körper auf physischer, emotionaler und spiritueller Ebene eine Stärkung. Ein Leben zu leben, das von der eigenen spirituellen Wahrheit, der des eigenen Herzens und des eigenen Geistes bestimmt ist, das ist es, was sich Forrest Yoga zum Ziel gesetzt hat.

Es bedarf keiner Flexibilität, körperlichen Geschicklichkeit oder jeglicher Vorkenntnisse, um Forrest Yoga zu praktizieren. Lediglich die Bereitschaft, richtiges Atmen zu lernen, und eine offene Einstellung sind wünschenswert. Da Forrest Yoga die Weisheiten des Körpers erforscht und mit den Informationen arbeitet, die im Körper gespeichert sind, ist alles, was man braucht, um Heilung und Glück zu erlangen, in einem selbst. „Du bist genug“, genug, „um Dir ein Leben zu kreieren, das Du wahrhaftig möchtest“ lautet eine der Grundideen im Forrest Yoga. Diese Yoga-Form ist greifbar, kein abstraktes Konzept. Es ist ein sehr kraftvolles, bodenständiges, pragmatisches Yoga, kein bisschen abgehoben. Diese Einfachheit, Kraft und Unabhängigkeit hat mich damals angesprochen und überzeugt. Ich konnte es fühlen, und so wurde es mein Weg aus der Ohnmacht.


Wirkungen von Forrest Yoga

Innerhalb weniger Wochen fühlte ich mich wie damals mit vierzehn, wie die Turnerin, die ich einmal vor zwanzig Jahren war. Die Schmerzen in meinem Unterbauch waren verschwunden. Die behindernden Gedanken und Verhaltensmuster, die allesamt mit meiner Krankheit zusammenhingen, waren aufgelöst. Ich hatte den Mut und die Kraft, mit vollem Einsatz meinem Herzen zu folgen. Dank der detaillierten Anatomie-Einheit in der Ausbildung hatte ich meine Ernährung vollkommen umgestellt, was meine Haut, Verdauung, Gedanken und Gefühle drastisch verbesserte. Ich fühlte mich so stark und frei wie noch nie und merkte dies auch an den Reaktionen meiner Umwelt. Nach ihren Aussagen strahlte ich seither „eine große innere Stärke und Power“ aus sowie „eine innere Sicherheit, die ich an andere weitergebe“. Aber vor allem hatte ich den Weg zu mir selbst wieder gefunden.

Ich testete meine neu gewonnene mentale und körperliche Kraft. Gleich im Anschluss an meine Forrest Yoga-Ausbildung ergriff ich die Gelegenheit, mit fünf ausgewachsenen Sandtigerhaien in einem Aquarium ohne Käfig zu tauchen. Es folgte eine Ausbildung als Feuerwehrfrau bei der südafrikanischen Küstenwache. Ich musste mehr als zwanzig Kilo Ausrüstung am Körper tragen und in feuerfester Kleidung zwei Stockwerke in einen brennenden Container hinunter steigen, um Feuerherde zu löschen. Fünf Monate zuvor hatten mir die Ärzte noch gesagt, ich würde nie wieder schwer tragen können. Jetzt, nach meinen Erfahrungen, ist meine Antwort darauf schlicht und einfach: „They said it’s impossible. I said watch.“ – eine Graffiti-Tagline.

Kapstadt Forrest Yoga

Seit ich Forrest Yoga mache, weiß ich, wie ich die volle Unterstützung meines Körpers bekomme. Zugleich habe ich gelernt, Entscheidungen, die nur einem Teil von mir, zum Beispiel meinem Ego dienen und den restlichen Teil des Menschen außer Acht lassen, von den Entscheidungen zu unterscheiden, die ganzheitlich und somit gesund sind. Ich habe die handwerklichen Mittel erhalten, die mich befähigen, mein Leben gezielt zu meistern. Die Mittel erfolgreich anzuwenden, erfordert tägliche Übung.


Die Säulen des Forrest Yoga

Forrest Yoga basiert auf vier Säulen: Atem, Stärke, Geist und Authentizität.

  1. Atem:
    Im Forrest Yoga wird der Atem gezielt eingesetzt, um ein tiefes Gefühl zu erzeugen, Raum im eigenen Körper zu kreieren und Lebendigkeit in jede Zelle des Körpers zu bringen. Es wird kontinuierlich stark Ujjayi geatmet. Das Gewebe wird durch den Atem gedehnt und das Bewusstsein gleichzeitig dorthin geleitet. Dadurch wird die Energie der Region angekurbelt, es entsteht mehr Bewegung im physischen, emotionalen und spirituellen Körper, und die Leidenschaft für das Leben wird geweckt. Die Tiefenatmung bringt neuen Sauerstoff tief in den Körper und regeneriert jede Zelle. Der Atem ist also der Motor für alles. Ohne ihn geht gar nichts im Forrest Yoga. Wie oft forderte uns Ana auf: „Intensiviere Deinen Atem!“ Und wie oft sage ich es nun selber in meinem Unterricht. Richtiges Atmen ist Freiheit.
  2. Stärke:
    Forrest Yoga ist Körper-Psychotherapie basierend auf Ehrlichkeit zu sich selbst. Sich selbst ins Gesicht zu schauen, seine Grenzen zu erkennen, sich seiner Strukturen und Muster bewusst zu werden, seine Lügen aufzudecken, seine Wahrheit zu akzeptieren, die Wünsche seines Herzens zu hören, wahrzunehmen, anzuerkennen und zu respektieren, sowie entsprechend zu handeln, bedarf Stärke. Und all das trainiert Forrest Yoga. In ihrem Buch „Die Yogakriegerin“ – der englische Titel „Fierce Medicine“ betont eher den therapeutischen Aspekt von Forrest Yoga als der deutsche – nimmt sich Ana T. Forrest die hinduistische Göttin Kali zum Vorbild, die einerseits die Göttin des Todes und der Zerstörung ist, aber auch der Erneuerung. Sie jagt mit ihrer rigorosen Energie alles, was Menschen in ihrem Wesen und ihrem Glück behindert. Dazu gehören zum Beispiel „untragbare Verhaltensweisen“,  „Suchtprobleme“, jegliche Art von „Lügen“, „behindernde Sichtweisen“ und Überzeugungen, die einem selbst nicht wirklich entsprechen oder nicht mehr dienen. Ana T. Forrests Postulat ist es, „die Disharmonie der Menschen zu heilen“. Forrest Yoga betont dabei die Verbindung zum Zentrum. Auf physischer Ebene bedeutet dies vor allem die Aktivierung der Beckengegend, des kreativen Ursprungs des Menschen. „Elbow To Knee“ oder „Star Spiral Pulse“ sind einige der Core-Übungen – man könnte auch „hardcore“ Übungen sagen – von denen Forrest Yoga viele hat. Eine Lufttemperatur von 28°C hilft, die Muskeln aufzuwärmen und Giftstoffe aus dem Körper zu spülen.
  3. Spirit:
    Das Ziel von Forrest Yoga ist es, ein Gefühl von Freiheit zu kreieren, den Menschen mit seinem Geist zu verbinden und ihn zu ermutigen, ein Leben zu führen, das seinem Geist entspricht. Die Spiritualität im Forrest Yoga ist naturverbunden und bodenständig. Man kann sie sogar anfassen, wie zum Beispiel beim „Earth-packing“. Dabei hebt man mit den Armen energetisch „Erde“ vom Boden auf und klopft und reibt sie auf das zu heilende Körperteil. Dadurch vermischen sich die Energien der Erde und des Körpers, und durch kraftvolles lautes Ausatmen, ähnlich wie dem Gebrüll des „Löwen“, wird diese Übung beendet. Ana hat dies „turning shit into fertilizer“ genannt, auf gut Deutsch „die Kacke in Kompost verwandeln“. Die Erde freut sich über Dreck. Der Mensch auch, nämlich dann, wenn er ihn los wird. Der natürliche Kreislauf des Lebens ist ein wichtiger Aspekt in der spirituellen Praxis von Forrest Yoga auf der Matte sowie im täglichen Leben. So wird Spiritualität wortwörtlich greifbar. Die Philosophie und Medizin der Ureinwohner Nordamerikas, bei denen Ana diverse Ausbildungen machte, fließen in vielerlei Formen in Forrest Yoga ein. Nach dem Brauch der Ureinwohner Nordamerikas hat das Einbinden der Naturelemente Feuer, Wasser, Erde, Luft und das sich Verbinden mit den Geistern der Kreativität, Verspieltheit, Reinigung, Weisheit, Fruchtbarkeit, des Todes, des Neuen Lebens etc. einen großen Effekt auf die geistige Haltung und den spirituellen Zustand und somit auf den Körper einer Person. Es macht die Yogaübungen intensiver und tiefer, aber zugleich auch leichter und effektiver. Es lindert Schmerzen oder kuriert sie im besten Fall ganz aus. Weit zurückliegende Probleme und Traumata, die oft Ursachen von Schmerzen sind, können ausgeleitet und neue Verhaltensmuster und Einstellungen gelernt werden. „To delight your spirit“, also seinen Geist zu erfreuen und seine Lebensfreude zu steigern, ist eine wesentliche Aufgabe der spirituellen Praxis im Forrest Yoga. Dabei arbeitet man mit spielerischen Elementen, die den Geist und die Seele positiv beeinflussen sollen. Auch die Sexualität wird hierfür miteinbezogen. Denn Sexualität hat aus Sicht von Ana T. Forrest – sie selbst war früher Opfer von Vergewaltigung, Bulimie und Epilepsie – viel mit der eigenen Spiritualität zu tun. Hinzu kommen als wichtige Komponenten für körperliche, emotionale und spirituelle Heilung Kreativität. Dadurch kann eine Forrest Yoga-Praxisstunde auch mal ganz lustig und unkonventionell sein. Dass der Körper durch Forrest Yoga-Übungen nebenbei unglaublich muskulös, fit, ausdauernd und straff wird, ist ein Nebeneffekt, der im Vergleich zu den anderen Vorteilen fast in den Hintergrund tritt.
  4. Authentizität:
    Ein weiteres wichtiges Element des Forrest Yoga ist Authentizität. Dabei geht es um weitaus mehr als nur darum, sich nicht zu verstellen. Forrest Yoga lehrt, jede Pose an die eigene akute körperliche und emotionale Verfassung anzupassen, um die bestmögliche Wirkung zu erreichen. Bei der ehrlichen Arbeit, die bis an die Grenze der Angst geht, lernt man, effiziente Mittel zu entwickeln, um mit Angst und dem inneren Kampf umzugehen. Dies ermöglicht die Entwicklung von Authentizität, Bewusstsein und Neugierde auch außerhalb des Yogaraums. Authentisch zu praktizieren, zu unterrichten und zu leben heißt, sich mit seiner Wahrheit zu verbinden und losgelöst von Zwängen, gedanklichen Gefängnissen, Ängsten und jeglicher Art von Manipulation man selbst zu sein. Man kommuniziert dann mit dem Herzen. Dieses Prinzip im Alltag im Zusammenspiel mit den Mitmenschen umzusetzen, ist nicht immer einfach. Und ehrlich immer die Wahrheit zu sagen, ist ein echtes Abenteuer. Da fängt das wirkliche Yoga erst an. Denn wie schon Bhagavad Gita sagte: „Wer Yoga praktiziert, lernt mit den Folgen seiner eigenen Ehrlichkeit konstruktiv umzugehen. Yoga ist Toleranz.“ Ana T. Forrest gibt zum Thema Wahrheit noch einen weiteren Tipp, denn frei sein bedeutet nämlich nicht einfach alles zu sagen, wie es einem in den Sinn kommt, sondern: „Die eigene Wahrheit intelligent und würdevoll für einen selbst und für das Gegenüber auszusprechen“.

Ablauf einer Forrest Yoga-Stunde

Ablauf Forrest Yoga 10_Weihrauch_der_Ureinwohner_NordamerikasEine Intensiv-Stunde Forrest Yoga bei Ana dauert normalerweise zwei Stunden. Vorbereitend geht den beiden Stunden eine einstündige Meditation voraus, bei deren Ablauf sich Ana T. Forrest an den Bräuchen der Ureinwohner Nordamerikas orientiert. Dies bedeutet konkret: die Energie des Raums mit Weihrauch zu klären, das Thema und die Intention der Yogastunde bekannt zu geben und die Geister der vier Himmelsrichtungen aufzufordern, den Praktizierenden auf ihrem Weg Kraft und Unterstützung zu spenden und sie zu beschützen. Dadurch intensivieren sich die Erfahrungen auf körperlicher, emotionaler und spiritueller Ebene. Dann folgt Trommeln, Tanzen und Singen, um Körper und Geist zu wecken. Jetzt erst beginnt man mit den Asanas. Dieses didaktische „Gesamtpaket Forrest Yoga“ wird hauptsächlich bei Workshops oder „Teacher Trainings“ vermittelt. Eine reguläre Forrest Yoga-Stunde in einem Yogastudio beginnt meist direkt mit dem Setzen der Intention gefolgt von Asana-Sequenzen, die der Lehrer auf seine Gruppe und das jeweilige Thema zuschneidet. Forrest Yoga-Stunden variieren in ihrer Länge zwischen 45, 60 und 90 Minuten, bis hin zu 2 Stunden. Die Praxis kann den Bedürfnissen des/der Praktizierenden angepasst werden.


Wie kann ich Forrest Yoga lernen?

Wer Forrest Yoga praktizieren möchte, geht am besten auf die Webseite www.forrestyoga.com und sucht sich Lehrer in seiner Nähe. Wenn darüberhinaus Interesse an einer Ausbildung in Forrest Yoga besteht, findet man auf derselben Webseite genaue Informationen über die nächsten Teacher Trainings.


Die Forrest Yoga-Lehrerausbildung

Entworfen von Ana T. Forrest ist die Forrest Yoga Lehrer-Grundausbildung, das sogenannte „Foundation Teacher Training“, eine der umfassendsten intensiven und auf eigenes Erleben basierenden Yogalehrer-Ausbildungen weltweit. Der Kurs beinhaltet das Studium von Verletzungen und Krankheiten, Handauflegen, die Ausrichtung des Körpers und die physikalische Struktur, sowie das Erforschen der emotionalen und spirituellen Aspekte von Yoga. Der Unterricht umfasst pro Tag intensive Yoga-Übungseinheiten, das Entwickeln ethischer Konzepte, sowie die Sensibilisierung des Lehrers dafür, wie weit und wie tief er mit seinem Unterricht bei den einzelnen Schülern gehen kann bzw. möchte. Darüberhinaus bildet man sich im Selbststudium weiter, lernt das Beurteilen und erhält die Möglichkeit, Anfänger unter direkter Aufsicht zu unterrichten – um mit Menschen aller Hintergründe, Fähigkeiten und Körpertypen arbeiten zu können.

Bis vor kurzem hielt ausschließlich Ana T. Forrest die Ausbildung weltweit ab. Zum größten Teil ist das immer noch so. Unter „Events/Ana’s Events“ kann man nachsehen, wo die nächste vierwöchige Lehrer-Grundausbildung stattfindet. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Grundausbildung ist man berechtigt, als „Associate Forrest Yoga Teacher“ weltweit unterrichten. Die nächste Stufe ist das Forrest Yoga Zertifikat. Um dieses zu erlangen, sind bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen: Das theoretische Wissen muss durch Fachliteratur vertieft und schriftliche Arbeiten wie Referate und auch Hausaufgaben müssen angefertigt werden. Zudem wird für diejenigen, die schon Yogalehrer sind oder die das „Foundation Teacher Training“ bei Ana erfolgreich absolviert haben, eine neuntägige Forrest Yoga-Weiterbildung angeboten, das so genannte „Advanced Teacher Training“. Darin geht es sowohl darum, seine eigene Praxis aufzufrischen und zu vertiefen und die emotionalen, körperlichen und spirituellen Vorteile von Yoga am eigenen Körper zu erfahren, als auch zu lernen, mit Schülern verschiedenen Niveaus, unterschiedlichen Fähigkeiten und Körpertypen effektiv zu arbeiten.

Zur Info: In Deutschland gibt es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels zehn Forrest Yoga-Lehrer.


Mein Leitgedanke: Freiheit im eigenen Körper ist Freiheit im Leben

Noch vor knapp über einem Jahr hätte ich es nicht für möglich gehalten, einmal Yogalehrerin zu werden. Nun hat mir Forrest Yoga einen neuen Weg gezeigt und mir Mittel an die Hand gegeben, mit denen ich das, was mich bewegt, ausdrücken kann – und zwar viel besser als mit der Computertastatur wie in der Zeit vor dem Forrest Yoga. Diese Fähigkeit auch anderen Menschen zu vermitteln und ihnen auf ihrem Lebensweg behilflich zu sein, ist mir darüberhinaus ein großes Anliegen. Denn mit sich selbst im Reinen zu sein und eine erfüllende Tätigkeit auszuführen, die auch anderen dient, das ist der wahre Reichtum des Lebens. S.H. der XIV. Dalai Lama, für den ich kürzlich volontieren durfte, fasste dies in folgendem Satz zusammen: „Wenn man Gutes tut, ist das Herz erfüllt und beim letzten Atemzug friedlich“.

Mit Forrest Yoga habe ich eine Yogaform gefunden, mit der ich mich selbst heilen, beschützen, stärken und mir Lebendigkeit in höchster Form verschaffen kann. Ich hoffe, mit meinem Unterricht dieses Geschenk an andere Menschen weiterzugeben und sie zu ermuntern, den Weg der eigenen Wahrheit mit voller Kraft zu gehen gemäß dem Satz meines T’ai Chi Lehrers:

„Liebe. Denn da wo Angst ist, ist keine Liebe, und da wo Liebe ist, ist keine Angst.“ – Aho!

Walk in Beauty!


Forrest Yoga 8 Einarmiger Handstand Athen_KilundayogaBlueCruise 2013_4Nach längeren Aufenthalten in Afrika und Asien lebt Katrin Ender heute als Filmemacherin und Forrest Yoga-Lehrerin in Hamburg. Dort befindet sich auch ihr eigenes Yogastudio „Kilunda Yoga“

„Drücken ist nicht gleich drücken“: Hilfestellungen beim Yoga

Aha-Effekte und unglaubliche Erleichterung können das Resultat korrekt ausgeführter Hilfestellungen beim Üben sein. Worauf es bei Adjustments ankommt und was absolute No-Gos sind, erklärte Experte Young-Ho Kim auf der Yoga Conference Österreich in Wels.

YOGA JOURNAL: Ursprünglich saßen die Yoga-Meister auf einem Podest und unterrichteten ihre – teilweise hundert – Schüler mit geschlossenen Augen. Woher kommt heute das Bedürfnis nach Adjustments?
Young-Ho Kim: In meinem Unterricht versuche ich als Lehrer auf der selben Ebene wie meine Schüler zu agieren. Dabei haben Hilfestellungen für mich schlicht und einfach mit Service zu tun. Außerdem versuche ich meine Stunden wie eine Begegnung unter Freunden zu gestalten. Denn um Verschiedenes auszuprobieren und Herausforderungen anzunehmen, ist Vertrauen notwendig – was in solch einer Atmosphäre leichter aufzubauen ist.

Von wem hast du deine Adjustment-Techniken gelernt?
Das waren viele verschiedene Einflüsse. Zum einen waren sie Bestandteil meiner Ausbildungen, zum anderen habe ich meine Methoden der Hilfestellung durch jahrelange Erfahrung weiterentwickelt. Durch Ausprobieren und ständiges Hinterfragen habe ich die Bedürfnisse meiner Schüler erkannt und weiß nun genau, welche Adjustments ich für welchen Effekt benötige.

Du unterscheidest drei Arten von Adjustment.
Richtig: Active-, Passive- und Prana-Adjustment. Beim Active-Adjustment ist die Kraft des Lehrers notwendig. Er setzt sein Körpergewicht ein, um an bestimmten Stellen sinnvoll entgegenzuwirken. Seine Berührung gibt die Impulsrichtung beim Schüler vor.

Worauf kommt es bei passiven bzw. reaktiven Hilfestellungen an?
Passives Adjustment zeichnet sich dadurch aus, dass keinerlei Körperkraft des Lehrers zum Einsatz kommt. Durch sanfte, taktile Berührungen sollen die 
Schüler darauf aufmerksam gemacht werden, bestimmte Muskeln anzuspannen, um so die Asana optimal ausführen zu können.

Und Prana-Adjustment?
Dabei geht es ebenfalls um taktile Berührungen, die bewirken sollen, dass in bestimmte Stellen hinein geatmet werden soll. Dabei lege ich Wert darauf, dass dies entgegengesetzt zur Dehnung und hinein in die Kompression geschieht. Denn warum sollte man in Bereiche verstärkt hinein atmen, die bereits gedehnt sind?

Worauf kommt es außerdem bei Hilfestellungen an?
Ein guter Lehrer bedient mehrere Ebenen gleichzeitig: Die kommunikative, die auditive, die visuelle sowie die taktile. Ich nutze zum Beispiel nicht ohne Grund während meiner Klassen den gesamten Raum. Damit möchte ich erreichen, dass mich jeder Schüler bei verschiedenen Asanas gut sehen kann. Darin liegt für mich die Effizienz des Unterrichts.

Wie reagierst du, wenn Schüler nicht berührt werden möchten?
Zunächst einmal ist es wichtig, Vertrauen aufzubauen. Das funktioniert beispielsweise über Augenkontakt. Sobald ich eine Bereitschaft spüre, gebe ich eine Hilfestellung. In der Regel kann ich 
den Teilnehmer überzeugen, denn oftmals ist die Berührung mit einem Aha-Effekt verbunden. Die meisten Schüler wissen gar nicht, wie sehr sie von Hilfestellungen profitieren können.

Was sind absolute No-Gos bei Adjustments?
Überhaupt keine Hilfestellung zu geben ist für mich ein No-Go. Trotz
dem gilt bei mir: Eine gute Hilfestellung ist möglichst wenig Hilfestellung. Zu viel Berührung wirkt verwirrend. Eine gezielte Bewegung, begleitet von auditiven Anweisungen ist die Idealform eines Adjustments. Dabei ist es wichtig, sich vorher genau zu überlegen, welcher Körperteil berührt werden soll. Nachkorrekturen sollten vermieden werden.

In deinem Adjustment-Workshop in Wels sagtest du: „Drücken ist nicht gleich drücken.“ Wie ist das gemeint?
Adjustments sind so individuell wie Yoga. Es gibt natürlich Richtlinien, auf die es zu achten gilt – aber so unterschiedlich die körperlichen Vorraussetzungen der Schüler sind, so verschieden sind die Hilfestellungen, die ich gebe.


Young-Ho Kim Yoga Hilfestellungen InterviewYoung-Ho Kim ist in Südkorea geboren und mit der asiatischen Kampfkunst Taekwondo und Zen-Buddhismus aufgewachsen. Er betreibt das Frankfurter Studio Inside Yoga, bildet Yoga-Lehrer aus und unterrichtet in ganz Deutschland sowie international. Seit 2009 organisiert er zusammen mit Fokus Leben die jährlich stattfindende Yoga Conference in Österreich.

Jodeln und Qi Gong – Wie passt das zusammen?

Jodeln und Qi Gong sind Gegensätze, die sich anziehen, finden die Schweizerin Christina Zurbrügg und der Wiener Michael Hudecek. Die Jodel-Künstlerin und der Film-Cutter verfügen über jahrzehntelange Praxis in Qi Gong, Vipassana-Meditation und Yoga. Gemeinsam betreuen sie seit sieben Jahren eine interessante Seminarreihe am Buddhistischen Zentrum im österreichischen Scheibbs: Unter dem Motto „Jodeln und Qi Gong – Die Stimme einer Landschaft hören“ lernen die Teilnehmer in vier Tagen ihre eigene Stimme und damit die Kraft ihres persönlichen Ausdrucks näher kennen. YOGA JOURNAL fragte bei Christina Zurbrügg genauer nach.

YOGA JOURNAL: Christina, wie bist du darauf gekommen, Jodeln und Qi Gong miteinander zu kombinieren?
Christina Zurbrügg: Eigentlich ist mein Qi Gong-Lehrer darauf gekommen, weil diese Praxis so gut zur spirituellen Alpenmusik passt. Genau das ist Jodeln nämlich: Früher haben die Menschen bei Unwettern an der Felswand gejodelt, um die Naturkräfte zu beruhigen. Unsere Kurse im Buddhistischen Zentrum Scheibbs sind lustig, weil im Haus der Stille ja sonst immer alle schweigen – und bei uns singen dann 20 Leute.

Wie ergänzen sich die lautstarke Jodel-K unst und das stille Qi Gong?
Jodeln erlaubt Kommunikation über große Distanzen. Das erfordert Kraft, Hingabe und natürlich auch die richtige Technik. Qi Gong ist wie ein Warm-Up. Nach den Übungen summen wir, singen dann Vokale und gehen dann fließend zum Jodeln über. So haben die Teilnehmer gar keine Zeit, Blockaden aufzubauen.

Qi Gong und Jodeln passen zusammen, wie….
…schwarz und weiß oder laut und leise. Gegensätze, die sich wunderbar ergänzen. Am meisten berührt mich, dass vom 17-jährigen Schüler bis zur 80-jährigen Bäuerin alle zusammen singen. Außerdem sind immer Leute dabei, die seit Jahren nicht mehr gesungen haben und fest glauben, dass sie überhaupt kein Talent dazu haben. Und nach drei Tagen tragen sie vor den anderen ein Solo vor.

Gibt es am Schluss ein Diplom?
Das nicht, aber ein gestärktes Vertrauen in die eigene Stimme.


Weitere Infos zu Jodeln und Qi Gong und das Veranstaltungsprogramm finden Sie auf der Homepage des Buddhistischen Zentrums in Scheibbs.
Fotoquelle: © Rita Newman