Das Schutz-Mantra: N°8

Maha Mrityunjaya Mantra
Om. Tryambhakam Yajamahe Sugandhim Pushtivardhanam Urvarukamiva Bandhanan Mrityor Mukshiya Maamritat.

“Om. Wir verehren den dreiäugigen Gott Shiva, der seinen Duft unter den Menschen verbreitet und sie nährt. Möge er mich vom Schrecken des Todes befreien und mir Unsterblichkeit verleihen – genauso wie die reife Gurke von der Pflanze getrennt wird“, lautet die wörtliche Übersetzung dieses Mantras.

In diesem Mantra wird Shiva angerufen – der Dreiäugige. Das dritte Auge steht für tiefere Weisheit, für spirituelles Sehen und das Wissen, dass die Dualität von Subjekt und Objekt nicht existiert. Zudem wird Shivas Fähigkeit angesprochen, „das Böse“ zu eliminieren. Laut hinduistischer Mythologie kann er alles Böse mit einem einzigen Blick durch sein drittes Auge zerstören. Dies geschieht besonders dann, wenn sein Zorn erregt wurde.

Dieses Mantra gilt als eines der mächtigsten Schutz- und Heilmantras. Es wird vor allem rezitiert, um Krankheiten entgegen zu wirken, vor Unfällen zu schützen und ein langes Leben zu verleihen. Man kann es immer dann chanten, wenn man es gerade braucht – nicht nur, wenn man krank ist, sondern zum Beispiel vor Reisen und an Geburtstagen. Traditionsgemäß wird es dreimal hintereinander gesungen.

Foto von Richi choraria von Pexels


Travel Well: Spiritueller Begleiter

Müsste man David Newmans neueste CD mit einem einzigen Wort beschreiben, wäre es wohl „samtig“. Wie Sahneeis schmelzen die einzelnen Lieder vom Ohr ins Herz, jedes mit einer anderen Geschmacksnote. So bunt wie das Cover, so bunt sind die zusammengestellten Lieder: Traditionellen Texten wurden neben rockigen Einflüssen auch Genres wie Pop, Reggae und Blues beigemischt, sie verbinden sich mit der süßen Harmonie eines Frauenchors, in dem auch Davids Frau Mira mitsingt. Thematisch geht es bei „Travel Well“ um Davids spirituelle Reise. Das Highlight des Albums ist das letzte Stück, der titelgebende Song „Travel Well“: ein Tribut an die Kinder, die einem Schusswechsel in Conneticut zum Opfer fielen. Dieses Lied vereint das Asato-Ma-Mantra mit englischen Texten: „Auf unserer Heimreise, durch die Kälte der Nacht, lass Gott dein Licht sein. Reise wohl, mein Freund, reise wohl!“ (Laura Hirch)

FAZIT //Der vielleicht sanfteste Reisebegleiter auf dem spirituellen Weg.

Travel Well von David Newman, Inner Fire Music, Download: ca. 9 €

Krishna-Gruß: Mantra N°7

Om Namo Bhagavate Vasudevaya.

Om. Gruß an den gesegneten Vasudeva.

Der junge Krishna verkörpert die spielerischen, schelmischen, freudvollen und bezaubernden Aspekte des Göttlichen. Als Erwachsener nimmt Krishna die Rolle des Lehrers und Kriegers ein. Er gibt uns Werkzeuge an die Hand, um unsere eigene Dunkelheit zu überwinden und sie mit dem Licht der Erkenntnis zu erhellen. Dieses Mantra, das sich sehr gut zum Singen im Kirtan eignet, spricht alle an, die das Göttliche in Form von Krishna verehren.
„Vasudeva“ ist ein anderer Name für Krishna. Er impliziert, dass dieser hell und gut ist. Außerdem bekräftigt er, dass das Göttliche einen mächtigen Aspekt besitzt, der uns aufzurichten vermag und zu größerer Stärke verhilft. Durch ihn können wir den spielerischen Quell von Vergnügen und Freude entdecken, der in uns existiert.
„Bhagavate“ bedeutet: „der, der gesegnet ist und zu segnen vermag“. Wenn wir uns mit einem Mantra auf eine bestimmte Form des Göttlichen beziehen („namo“), öffnen wir uns selbst und unser Leben für dessen Segen.

 


Christopher D. Wallis, von dem dieser Kommentar stammt, ist Professor für Sanskrit an der University of California in Berkeley/USA. 03 – 2010


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Doris Dörrie: „Wir schreiben unser eigenes Drehbuch“

Erleuchtung ausrangiert? Regisseurin Doris Dörrie, die sich in ihren Filmen bereits mit Zen-Klöstern, japanischen Kirschblüten und Münchner Hormonyoga-Klassen beschäftigt hat, blickt jetzt in „Alles Inklusive” auf die Nachwirkungen der Hippie-Idee – kritisch, versöhnlich, bunt und voller Leichtigkeit.

Doris Dörrie: Darf ich zu Beginn des Interviews gleich etwas zum Thema Yoga loswerden?

YOGA JOURNAL: Sehr gerne.

Egal, wo ich mich auf der Welt aufhalte, ob in Japan, den USA oder Mexiko: Überall finde ich wunderbare therapeutische Yogaklassen, die eine tolle Mischung von Leuten besucht. Wenn ich in Los Angeles bin, übe ich gerne bei der Yogatherapeutin Jasmine Lieb in Santa Monica. In ihren Stunden treffen Menschen mit Verletzungen auf aktive Bodybuilder, Tänzer auf Menschen im Rollstuhl und Hochleistungssportler auf MS-Patienten. Aber auch ohne körperliche Einschränkung ist dieser Unterricht wertvoll – es gibt dort einfach grandiose Begegnungen. In Deutschland habe ich den Eindruck, dass Yoga zum Lifestyle geworden ist, der gewisse Gruppen – Alte, Dicke, Kranke – ausschließt …

… und einer gewissen Elite vorbehalten ist?
Ich finde es schade, wenn es zu modisch wird, es ist mir dann schnell zu eng, zu klein, zu schmal und man selbst zu unförmig oder nicht fit genug. Es geht dann ins Vergleichen. Yoga hat für mich nichts mit Lifestyle zu tun. Es erzählt auf so vielen Ebenen so viele Geschichten, die auch sozial sehr ergreifend sein können. Da unterhält sich in Mexiko die irrsinnig frisierte 85-jährige Schülerin mit einem Sportler über Knieprobleme, Menschen erzählen, dass sie durch Yoga keine Schmerzen mehr haben, anders essen, anders gehen.

Wie kamen Sie selbst zum Yoga?
Etwa 1989/1990 habe ich mit der Praxis begonnen, weil ich wie viele Frauen nach der Geburt meiner Tochter Rückenschmerzen bekommen hatte. Ich lebte damals in den USA und habe ganz alleine mit Hilfe eines etwas altmodischen Buches angefangen. Erst später bin ich auf die Suche nach Lehrern gegangen.

Auch die Figuren in Ihren Filmen und Büchern sind meist auf der Suche. Viele scheinen das Gefühl zu haben, Glück, Erleuchtung oder eine unbestimmte Erfüllung nicht an dem Ort finden zu können, an dem sie gerade leben. In „Alles Inklusive“ kehrt die von Hannelore Elsner gespielte Ingrid nach über 30 Jahren in ein ehemaliges Hippie-Paradies in Spanien zurück und findet eine All-Inclusive-Urlaubs-Tristesse vor. Was hat sie dorthin gebracht?
Zunächst ein recht nachvollziehbarer Grund – sich von einer Hüftoperation zu erholen. Gleichzeitig erlebt sie eine Banalisierung des Ortes, der für ihre Biografie wichtig war. Mir war jedoch wichtig zu zeigen, dass viele Menschen eine Urlaubsatmosphäre mit Animation und unbegrenzten Büffets genießen können. Das ist unbedingt berechtigt und oftmals sehr rührend. Es ist leicht, sich darüber lustig zu machen, aber kleine Wünsche haben oft etwas sehr Wahres.
Während Ingrid diese Veränderung erstaunlich urteilsfrei auf sich wirken lässt, kämpft ihre in der Hippie-Community aufgewachsene Tochter Apple, gespielt von Nadja Uhl, sowohl mit ihrer Vergangenheit als auch mit der Gegenwart. Es stört sie, dass ihre Mutter so entspannt ist, während ihre einzige nennenswerte Beziehung die zu ihrem Hund „Dr. Freud“ ist.
Apple gibt ihrer Mutter die Schuld an ihrem nicht rund laufenden Leben und wirft ihr vor, ihr nicht genug Grundvertrauen mitgegeben zu haben. Ingrid wiederum kann sich komplett auf die Gegenwart besinnen. Sie hadert seltsam wenig mit ihrem schmerzenden Hüftgelenk, dem Hotel, der Höllenmusik. Sie lässt sich ohne Weiteres von betrunkenen Abiturienten Campari in den Mund schießen – dass muss man erstmal fertig kriegen.

Dorris Dörrie Interview

Kann man Ingrid und generell der Hippie-Idee nicht ein gewisses Grundvertrauen ins Leben zusprechen?
Ja, aber auch zu wenig Wissen darüber, dass kleine Kinder Spießer sind. Sie lieben das Gewohnte, Langweilige – und wer will schon so sein? Ein stabiler Anknüpfungspunkt ist wichtig. Kinder gehen erst auf Entdeckungsreise, wenn man selbst sitzen bleibt. Bewegen sich die Eltern zuviel hin und her, setzen sie sich hin und protestieren. Sie brauchen einen beruhigenden Hintergrund, um sich selbst bewegen zu können. Man könnte Apple durchaus vorhalten: Jetzt ist es mal gut mit der Kindheit. Ich will meinen Figuren aber grundsätzlich nichts vorhalten. Sie lebt und spürt es als inneren Konflikt, es ist da. Und ich will Menschen in ihren Konflikten, aber auch in ihrem Wahnsinn zeigen, der oft sehr lustig ist.

Apple ist auf gewisse Weise verrückter als ihre Ex-Hippie-Mutter.
Sie selbst würde das aber nie so sehen! Sie würde sich als komplett normal begreifen und ihre Mutter als Spinnerin.

Ingrid zieht in Torremolinos keine Bilanz, sondern findet Anknüpfung an die Vergangenheit. Sind die alternativen Lebensentwürfe von damals eine verlorene Idee?
Nein. Das YOGA JOURNAL gibt es wegen Leuten wie Ingrid. Ich werde richtig böse, wenn heute so getan wird, als müsse man mit den Hippies abrechnen. Dabei profitieren wir ständig von dem, was damals ausprobiert wurde. Dass vieles sich nicht bewährt hat oder sogar Unsinn war – geschenkt. Ich sehe das Erbe dieser Generation als großes Geschenk, auch wenn es erstmal alles in die Luft gesprengt hat. Gleichzeitig hat es aber natürlich auch Kinder wie Apple traumatisiert, und die Frage nach der Wahrheit kann man nicht wirklich stellen: Wir schreiben selbst das Drehbuch unseres Lebens, auch der Kindheit. Da ist viel Fiktion dabei. Eltern und Kinder haben einen anderen Blickwinkel, und alles hat seine Wahrheit.

Ebenso, wie es verschiedene Varianten von Glück geben kann? „Wunschlos glücklich“ lautet ja die Verheißung des „All inclusive“-Urlaubskonzepts. Halten Sie dieses Versprechen für einlösbar?
Aber natürlich. Wenn wir niemals wunschlos glücklich wären, wüssten wir gar nicht, wonach wir uns ständig sehnen. Wir Deutschen träumen mit gutem Grund von Strand, Meer, Wärme, Nichtstun und dem perfekten Glück. Der Film zeigt aber auch die Realität. Das Altersheim liegt nicht am Meer, und die deutschen Aussteiger träumen von schlechtem Wetter.

„Alles Inklusive“: Lässt sich hier, im Sinne des allumfassenden Moments, auch der Bogen zur Meditation schlagen, die in einigen Ihrer Filme eine wichtige Rolle gespielt hat?
Hinter dem Titel steckt auch meine Vorstellung der „vollen Katastrophe“, wie der Meditationslehrer Jon Kabat-Zinn es formuliert – dass man sich die volle Katastrophe zumuten muss. Eine traumatische Vergangenheit kann man nicht überwinden, man kann sie als Teil der Gegenwart zulassen und akzeptieren. Dadurch, dass etwas nicht mehr tabu ist, sondern inkludiert werden kann, wird plötzlich wieder etwas möglich.
Genau das versuche ich immer wieder zu erzählen. Dass zum Beispiel jemand Dickes, Altes, Unschickes zum Yoga gehen kann – um zu meinem zu Beginn erwähnten Beispiel zurückzukommen. Wir sind gefährdet, alles in Schubladen zu sortieren und trennen oft, statt Verbindung zu schaffen. Mit „Alles Inklusive“ habe ich versucht, Dinge zu vereinen, die nicht zueinander zu gehören scheinen oder sich voneinander entfernt haben: Ein Hund mit Gehhilfe, Mutter und Tochter, Vergangenheit und Gegenwart, ein ernstes Thema und Leichtigkeit, Komisches und Trauriges.

Wie haben Sie die bewegten 1960er- und 1970er-Jahre selbst erlebt?
Eben als sehr bewegt, nicht unbedingt als nur toll. Ich habe als junge Frau sehr genau gesehen, wie groß der Druck auf die Älteren war, ein guter Linker, Hippie, politischer Aktivist oder Ähnliches zu sein. Wie man zu sein hatte, war sehr festgelegt. Strikt verboten waren Besitzdenken, Eifersucht, eine monogame Beziehung, alle waren sehr gefangen. Obwohl ich Mitte der 1970er in Kalifornien lebte, war ich nicht fasziniert, sondern eher interessiert …

Kann Yoga auch ein Versuch sein, sich das Glück woanders herzuholen?
Ich halte die Erwartung, durch Yoga oder Meditation glücklich zu werden, für gefährlich. Yoga will gar nichts und ist nicht dazu da, glücklich zu werden. Das in ein Lifestyle-Konzept zu zwängen, erzeugt nur Druck. Es reicht doch, dass es in dem Moment Spaß macht, in dem man es macht. Muss man immer gleich über das große Glück reden? Oder gleich die Welt verbessern?

Hilft Yoga dem künstlerischen Prozess?
Keine Ahnung. Ich hüte mich davor, irgendetwas von meiner Praxis zu erwarten. Alles, was ich erlebe, landet in meinem Speicher und sorgt für Inspiration – also auch Yoga.


Die in München lebende Regisseurin Doris Dörrie zählt seit mehr als 30 Jahren zu den wichtigsten Filmkünstlerinnen Deutschlands. Unter ihren Erfolgen bei Publikum und Kritik befinden sich Komödien wie „Männer“ (1985) und „Keiner liebt mich“ (1994), die melancholischen Roadmovies „Erleuchtung garantiert“ (2000) und „Kirschblüten Hanami“ (2008) sowie der Dokumentarfilm „How To Cook Your Life“ (2007) über den Zen-Lehrer Edward Espe Brown und seine Kochkurse. Zusätzlich zu ihrer Filmarbeit veröffentlicht Doris Dörrie Kurzgeschichten, Romane und Kinderbücher. Ihr Kinofilm „Alles Inklusive“ kam am 6. März 2014 in die Kinos.

Janin Devi – Sängerin aus Leidenschaft

Janin Devi ist Sängerin, Songwriterin, Recording Artist, Kirtan Leader und Yogini. Neben eigenen Songs sang sie Soul, Gospel und in einer Hip-Hop-Formation, bevor sie sich im Ashram in Horn-Bad-Meinberg in Meditation, Yoga und das Mantrasingen vertiefte. Inzwischen gehört die Künstlerin zu den etablierten Sängerinnen der Yoga- und Musikszene. „Spirit-Culture Pop“ nennt Janin Devi ihren charismatischen Sound. Zusammen mit ihrem Produzententeam endstanden so energiegeladene Songperlen, die auf dem neuen Album „Higher, Wider, Deeper“ zusammengefasst wurden.

Auf den YOGA JOURNAL „Yogi Beats“ CDs haben wir sie bereits mehrfach präsentiert. Nun möchten wir Ihnen ihr neues Album „Higher, Wider, Deeper“ vorstellen, welches im Herbst 2014 erscheint. Die erste Single-Auskopplung “Turn, Turn, turn” ist bereits als Download erhältlich. Hier geht es zu einer kleinen Hörprobe.

Das sagen Janin Devi und ihre Band über ihr neues CD-Projekt: In dieser bewegten Zeit, wo die Menschheit schwankt zwischen Sein und Geschichte, Hoffnung und Erleuchtung, Quantensprung und Sackgasse, Vereinsamung und Miteinander, möchten wir mit dieser ehrlichen Musik die Ohren und Herzen aller erreichen, die auf ihrem Weg zur Selbstfindung, zur Nächstenliebe und zu Selbstverantwortung, Trost, Zuversicht und ein Ankommen suchen im Hier und Jetzt. Über den süßen Klang, die tiefe Botschaft, den Nachhall, transportiert sich eine Essenz die ohne Worte ist. Grenzenlos, konzeptfrei und interkulturell, möchten wir Einheit fördern, Herzöffnung und ein schlichtes, ehrliches Miteinander auf allen Ebenen. Diese Musik gibt Kraft und Mut das Potential umzusetzen das in uns allen schlummert und welches wir in jeder Praxis erahnen und erfahren. Sei mutig, sei du selbst und erinner dich, es liegt an dir wie der Morgen, der nächste Tag der gesamten Welt aussieht. Vernetze dich, schlage Brücken, lächle in den Sturm des Alltags hinein, kreiere, male, singe, tanze und liebe was du bist…

Yin Yoga – Was bringt Üben auf die sanfte Tour?

Ohne Nacht kein Tag, ohne Arbeit kein Vergnügen, ohne Yin kein Yang. Das Leben ist voller Gegensätze – das wussten ­bereits die ­chinesischen Philosophen im ­5. Jahrhundert. Und sie wussten auch um die ­Bedeutsamkeit dieser Gegensätze. Auf dieses uralte ­Wissen baut Yin Yoga auf.

Was Yin Yoga ausmacht? Während dynamische Yogaformen wie Power, Ashtanga, Jivamukti und Bikram Yoga den Fokus auf schnelle und fließende Asana-Abfolgen richten, haben schnelle Bewegungsabläufe beim Yin Yoga oder „taoistischen Yoga“ keinen Platz. Dynamische Yogastile sind dem Yang zuzuordnen. Beim Yin Yoga geht es genau um das ­Gegenteil. Yin ist statisch und wirkt beruhigend. Yang dagegen bewegt und verändert.

Yin Yoga konzentriert sich auf die Dehnung des Bindegewebes, stabilisiert die Gelenke und hält sie länger geschmeidig. Man könnte sagen: Es ist die sanfte Tour der Yogarichtungen. Schnelle Bewegungsabläufe kommen hier nicht vor. Laut Stilbegründer Paul Grilley stellt sich bei regelmäßiger Yin-Yogapraxis mit der Zeit von ganz alleine das Bedürfnis nach regelmäßigem Meditieren und der Wunsch nach einem ­Abschalten ein.

Im Leben und in der Yin-Yogapraxis gilt: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Arbeit, das bedeutet in diesem Fall das lange (Aus-)Halten – teilweise bis zu zehn Minuten – von Asanas, die sich zunächst unangenehm anfühlen. In den Haltungen kommen die verschiedensten Emotionen an die Oberfläche: von Wut über Ärger bis hin zu Traurigkeit, Langeweile oder Ungeduld. Zum Glück lässt das Vergnügen nicht allzu lange auf sich warten – es stellt sich unmittelbar nach der jeweiligen Asana ein. Dann nämlich folgt die große Erleichterung: Der Yin Yogi spürt förmlich, dass er eine ganze Menge Platz geschaffen hat. So, als hätte man nach langer Zeit endlich den vollgestopften Dachboden entrümpelt oder den Kleiderschrank ausgemistet und sich von allem Unbrauchbaren getrennt. Altes muss weichen, bevor Neues kommen kann.

Die Essenz 

Statt Muskelaufbau hat Yin Yoga die Stärkung des Gewebes zum Ziel. Passive Dehnungen werden über einen längeren Zeitraum gehalten, damit die Muskulatur entlastet wird und entspannt. Bei dieser Form von Yoga fließen die unterschiedlichsten (Heil-)Methoden und Philosophien zusammen: Yin Yoga gründet auf anatomischem Verständnis und verbindet taoistische Meridian-Lehren, die Akupunktur-Lehre der chinesischen Medizin und die yogischen und tantrischen Lehren Indiens. Der Energiefluss wird zunächst verlangsamt und Chi wird bewusst in die Meridiane gelenkt, die eng mit unserem Bindegewebe verbunden sind. Meridiane sind letztlich nichts anderes als gebündeltes Wasser. Beim Yin Yoga geschieht so etwas wie eine Reinigung der verstopften Kanäle – dabei werden körperliche und emotionale Blockaden gelöst. Die Gelenke werden beweglicher und der Geist ruhiger. Nicht zuletzt deshalb ist Yin Yoga auch als Einstieg in die Meditation geeignet.

Übrigens: Die bekannte und inzwischen weit verbreitete, von Bryan Kest entwickelte Yogaform „Long, Slow & Deep“ und Yin Yoga beruhen auf identischen Philosophien. Kein Wunder, denn Paul Grilley und Bryan Kest sind seit ihrer Kindheit befreundet.


Paul Grilley, der Gründer des Yin Yoga, und seine Frau Suzee unterrichten weltweit Workshops und Teacher-Trainings.


Autor: Lesley Sevriens

Fliessendes Vinyasa: „Yoga – All I need”

Fliessendes Vinyasa

Ziemlich viele Ansprüche für eine Yoga-DVD: Frisch in den Morgen starten, entgiften, Energie tanken, Stärke gewinnen, Stress abbauen, besser schlafen, Verspannungen lösen, den Büroalltag vergessen, Jetlag bekämpfen. Tatsächlich wendet sich Gabriela Bozics „Yoga – All I need“ an ein gemischtes Publikum. Entweder man sucht sich, passend zum schnelllebigen Großstadtalltag und je nach Tageszeit und Bedürfnissen, eines von vier Kurzprogrammen (Dauer: etwa 25 Minuten) aus : „Detox & Shine“, „Morning Kick“, „Anti-Jetlag“ und „Sweet Dreams“ bieten sinnvoll ausgewählte Asanas für alle Zielorientierten, die nicht viel Zeit mitbringen. Wer seiner Praxis allerdings mehr Zeit und Raum widmet, übt eine Stunde lang mit der bekannten Lehrerin und ihrer Schülerin Conny Lehmann eine klassische Jivamukti-Stunde mit den typischen Sonnengrüßen, Stehhaltungen, Rück- und Vorwärtsbeugen, Dreh- und Umkehrhaltungen. Gerade am Abend ein großes Plus: Musik, Stimme und Ambiente wirken angenehm beruhigend, gedreht wurde in einem stylischen Loft. Auch das Tempo ist gut gewählt, denn im Gegensatz zu manch anderen dynamischen Übungsprogrammen schafft man es relativ leicht, im Atemrhythmus zu bleiben.

Fazit: Für reine Anfänger ist die DVD nicht gedacht, doch man muss auch kein Yoga-„Profi“ sein. An einigen Stellen werden Varianten mit und ohne Hilfsmittel angeboten.

„Yoga – All I need” mit Gabriela Bozic (Unit Production, ca. 18 Euro).

Mantra für Kinder: N°6

Om Kumara Kushalo Dayayei Namaha

Grüße an die göttliche Mutter, die Kindern Segen bringt

Die Zukunft gehört den Kindern, die wir großziehen. Nur wenn wir unseren Kindern Liebe und Zuneigung schenken, wird sich unsere Kultur weiterentwickeln können. Wenn unsere Kinder göttlichen Segen empfangen, befindet sich unsere Gesellschaft auf dem Pfad des Dharma – in Harmonie mit dem göttlichen Gesetz. Mit diesem Mantra entfaltet die Göttin Lakshmi ihre Kraft, Kindern alles erdenklich Gute zu bringen. Wenn wir dieses Mantra singen, helfen wir zum einen, die Zukunft unserer Gemeinschaft positiv zu beeinflussen, und zum anderen einzelnen Kindern auf ihrem Weg.


Philipp Stegmüller ist Leiter von Kirtan- und Bhajan-Veranstaltungen. Mehr Infos unter www.mantra-singing-circle.de. 02 – 2010


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