Rezept: Chia-Leinsamen-Cracker

Die glutenfreien Knusperstücke sind nicht nur eine tolle Beilage zu Suppen oder Kaltschalen sondern auch ein praktischer Snack für Zwischendurch.

Ergibt etwa 36 kleine Cracker

ZUTATEN

  • ½ Tasse Leinsamen
  • ¼ Tasse Chiasamen
  • ¾ Tasse Kürbiskerne
  • 3 EL Bierhefepulver
  • 2 EL Olivenöl
  • 2 EL Honig
  • 1 Tasse Reismehl
  • zusätzlich etwas Reismehl zum Ausrollen
  • 1 TL grobes Meersalz

ZUBEREITUNG

1. Heizen Sie den Backofen auf 175 Grad vor. Zerkleinern Sie Lein- und Chia­samen in einem Mixer zu einem Mehl und geben Sie dieses in eine Teigschüssel. Rühren Sie die Mischung mit 1 Tasse Wasser an und lassen Sie sie etwa 5 Minuten quellen. In der Zwischenzeit zerkleinern Sie auch die Kürbiskerne im Mixer und geben sie anschließend dazu.

2. Rühren Sie Bierhefe, Öl und Honig unter und verarbeiten Sie die Zutaten mit ½ Tasse Reismehl zu einem Teig. Kneten Sie das restliche Reismehl mit den Händen unter und bearbeiten Sie den Teig so lange, bis er glatt ist und nicht mehr klebt.

3. Bestäuben Sie ein Blatt Backpapier mit etwas Reismehl und rollen Sie den Teig darauf von der Mitte her etwa 3  Zentimeter dick aus. Bestreuen Sie den Teig mit dem Meersalz und rollen Sie noch einmal leicht darüber, um das Salz hineinzudrücken. Mit einem scharfen Messer oder Pizzarad schneiden Sie den Teig in 2–3  Zentimeter große Quadrate.

4. Legen Sie das Backpapier auf ein Blech und backen Sie die Cracker in der Mitte des Ofens etwa 20–25 Minuten, bis sie goldbraun sind. Lassen Sie sie einige Stunden abkühlen und knusprig austrocknen, dann können Sie die Stücke auseinanderbrechen und in einer luftdicht verschließbaren Box lagern.

Manuela Kast, Anca Reichlmair & Petros Haffenrichter

Jivamukti meets Mantra – Manuela Kast, Anca Reichlmair und Petros Haffenrichter auf der YogaWorld 2019 in München

Die Gründerinnen des Studios Yoga am Engel in München absolvierten eine Ausbildung zum „Certified Jivamukti Teacher“ (800 Stunden), nahmen Unterricht bei Sharon Gannon auf der Fraueninsel im Chiemsee und bieten TeacherTrainings in Deutschland an.

Außerdem erlernten sie ihre Praxis durch den Kontakt zu renommierten Yogis wie David Life, Dr. Patrick Broome und Yogeswari Eichenberger.

Als dreifache Mutter findet Manuela Kast im Yoga ihre Balance und bildet sich ständig weiter, derzeit in puncto Yoga-Philosophie bei R. Sriram.

Mehr dazu erfahrt ihr hier:

www.yoga-am-engel.de



Manuela Kast, Anca Reichlmair und Petros Haffenrichter auf der Yoga World München 2019:

Samstag, 19. Januar // 14:30 – 15:15 Uhr // Jivamukti Yoga mit Live Music (David Mages) // Ganesha Yoga Space


 

 

Yoga People: Sarah Schütz

Sarah Schuetz - Hauptdarstellerin Musical

Tanzen, Singen, Yoga

Die glanzvolle Welt des Musicals ist die künstlerische Heimat von Sarah Schütz. Als Hauptdarstellerin des Musicals „Ich war noch niemals in New York“ steht sie permanent im Rampenlicht: singen, tanzen, schauspielern, dabei gut aussehen, die Nerven behalten – und in Balance bleiben dank Yoga.

„Willkommen, bienvenue, welcome“. Schauplatz Deutsches Theater München. Glamourös ist die Umgebung erstmal nicht, aber wir befinden uns ja vorerst noch hinter den Kulissen des Musicals „Ich war noch niemals in New York”, einem Streifzug durch die größten Udo-Jürgens-Hits. Populäre Themen, eine Prise Gesellschaftskritik, große Gefühle, eingängige Melodien und perfekte Unterhaltung – die Qualität eines typischen Udo-Jürgens-Songs gilt auch für das Genre, in dem Sarah Schütz zuhause ist. Unter anderem an der Bayerischen Theaterakademie „August Everding” im klassischen Musical ausgebildet, spielt sie in der Erfolgsproduktion die Lisa Wartberg, eine berühmte und leicht verspannte Moderatorin, die nur ein Ziel vor Augen hat: die ganz große Karriere. Dabei geht sie allem aus dem Weg, was hinderlich sein könnte. Erlösung naht, wie könnte es anders sein, in Form von Mr. Right.

Schütz: „Um Kitsch zu vermeiden, muss ich an mein Zentrum kommen“

Die Künstlerin, die wir in ihrer Garderobe treffen, strahlt echten Glamour aus – keinen glatten, standardisierten Hochglanz, sondern Konzentration, Zugewandtheit, Wärme: yogischen Glamour. Um die körperliche Hochleistung erbringen zu können, die ihr ihre aktuelle Rolle abverlangt, übt sie regelmäßig Yoga: vor und nach ihren Auftritten (und innerlich eventuell sogar währenddessen?). Als Darstellerin sind ihr Authentizität und Glaubwürdigkeit der Personen wichtig. „Dazu muss ich mich selbst in Ruhe kennenlernen, wissen, wie ich funktioniere und was gut für mich ist”, erklärt die Wahl-Berlinerin. „Aus der richtigen Balance zwischen Ausgedachtem, mir selbst und meinem Erfahrungshorizont möchte ich wahrhaftige Charaktere erschaffen. Um Kitsch zu vermeiden, muss ich an mein Zentrum kommen.”
Ihre Stimme weckt sie vor einem Arbeitstag mit Gesangsübungen auf, ihren Körper durch Asanas, vornehmlich Hatha Yoga und Sonnengrüße. Die Praxis hat sie bereits während der Musicalausbildung kennen-gelernt, eine Mitstudentin war „so entspannt und geerdet”, was sie sehr angezogen und zum Mitüben motiviert hat. Im allzu formalen Ballett-Training konnte sie sich nicht wirklich fallen lassen konnte, in den Fünf 
Tibetern und im Kundalini Yoga fand sie dagegen eine für sie perfekte Bewegungsform: „Als Leistungstyp stehe ich von Natur aus eher unter Spannung, ich brauchte schon früh mehr Dehnung und Geschmeidigkeit. Daher wollte ich etwas machen, was für den Auftritt nicht unmittelbar Sinn macht, sondern was ich einfach machen möchte.”

Wechselspiel zwischen Hingabe und Loslassen

Dynamisches Yoga als Energielieferant für jemanden, der auf der Bühne alles gibt, und Yoga Nidra, um nach dem künstlerischen „High” in die Stille zu kommen und den Körper anders zu spüren: Lebenselixier für Sarah Schütz. „Als Darstellerin arbeite ich natürlich auf Aufmerksamkeit hin. Die Zeit unmittelbar nach dem Auftritt wirkt da wie ein Entzug. Wichtig ist es, die Rolle und das Leben nicht zu sehr zu vermischen und mir etwas zu bewahren, aus dem ich schöpfen kann, wenn ich ausgelaugt bin.” Gleichzeitig singen und tanzen, oft auf hohen Schuhen, Ensemblearbeit und ein enormes zeitliches Pensum in wechselnden Städten: Bei einer solchen Belastung kontrahieren nicht nur die Muskeln, auch Ehrgeiz, hohe Erwartungen an sich selbst und der Spaß an der Verausgabung erfordern ein hohes Maß an Rückführung, Entspannung. Nach der „ruhigen Energie” Münchens geht Sarah Schütz mit „Ich war noch niemals in New York” auf Deutschlandtour – November/ Dezember gastiert das berühmte Musical noch in Essen. „Ich finde es toll, dorthin gekommen zu sein, wo ich jetzt bin”, sagt Sarah Schütz. „Aber ich weiß, dass das nicht alles ist, was mich ausmacht. Es ist ein Wechselspiel zwischen Hingabe und Loslassen, in dem ich mich selbst mit Inspiration füllen und nicht warten möchte, dass jemand anderes es tut.”


Foto: Stefanie Kissner/ Stefaniekissner.com

Montags-Mantra: Gedankenkraft

… Oh and trust me, Monday will hate you, too!

Ein Großteil unsere Gedankengänge läuft unbewusst ab. Sind wir unzufrieden mit unserem Leben, weisen wir uns selbst regelmäßig darauf hin: Der Blick in den Spiegel bevor wir das Haus verlassen, der uns sagt, dass wir besser im Bett geblieben wären. Die nicht abgearbeitet To Do-Liste auf dem Schreibtisch, die uns darauf hinweist, dass wir am Vortag versagt haben. Oder die neusten Urlaubsbilder der Arbeitskollegin, die uns daran erinnern wie ungerecht das Leben ist.

Die Macht der Gedanken wird oft unterschätzt. Bei Krankheiten können Medikamente und Behandlungen versagen, wenn der Patient sich innerlich aufgegeben hat. Ebenso gewiss ist, dass man sein Potential im Beruf nicht völlig auskosten kann, wenn man nicht an sich selbst glaubt und sich für minderwertig hält.

Nicht umsonst heisst es: Der Glaube versetzt Berge. Unsere Gefühle entstehen als Folge unserer Gedanken. Während negative Gedanken auch negative Gefühle bilden, lenken positive Gedanken die Gefühle in eine positive Richtung. Das beeinflusst unter anderem unsere Entscheidungen, unsere Haltung, unsere Gesundheit und unser Ausdruck und wird somit nach außen getragen.

Unsere Gedanken besitzen die Kontrolle über unser Leben. Was wir heute denken, werden wir morgen sein. Alles, was den Verstand beschäftigt, ob bewusst oder unbewusst, beeinflusst den Alltag. Doch schlechten Gedanken eine Pause zu verordnen oder sie in eine positive Richtung zu lenken erfordert Übung und Disziplin. Und hier kommt die Meditation ins Spiel: Setze dich hin, schließe die Augen und fange an deine Gedanken zu beobachten. Das ist der Punkt in dir, der nicht von den Gedanken beeinflusst werden kann weil du Abstand von ihnen nimmst. So kannst du ihnen Stille verordnen und bewusst schöne Gedankenpulse setzen.

Ob du denkst, du kannst es, oder du kannst es nicht: Du wirst auf jeden Fall recht haben.

-Henry Ford

Playlist der Woche: Inspire Change

Aus dem Buddhismus wissen wir: Loslassen der Schlüssel zu unserem Glück. Und obwohl es essentiell ist, tun wir uns mit Veränderungen manchmal schwer. Ob es der Abschied einer Lebensphase, von Menschen oder von Orten ist, oft ist damit ein Schmerz verbunden. Und doch ist es ein ganz natürlicher Prozess im Leben. Alles ist im Wandel. Ständig. Umso wichtiger für uns, diese Fähigkeit zu lernen: Loslassen was uns nicht mehr weiter bringt und unglücklich macht. Viel Spaß mit unserer Playlist der Woche.

5 Schritte zum perfekten Smoothie

Mit diesen fünf Tipps wird Ihr nächster Smoothie noch besser schmecken und – ganz wichtig – Sie können sich mit diesen Tricks nicht nur unnötige Arbeit, sondern auch Zeit sparen. Viel Spaß beim Ausprobieren!

1. Geben Sie zuerst die Flüssigkeit in den Mixer, danach weiche Zutaten wie Bananen oder Spinat und schließlich nach und nach die härteren Sachen wie gefrorene Früchte und Körner. Pulver sollten Sie gleich zu Beginn mit der Flüssigkeit mischen, damit sie sich gut auflösen. Mandelmus und ähnlich zähflüssige Zutaten bleiben leicht am Rand des Glasbehälters haften. Daher mixt man sie erst zum Schluss unter die bereits glatte Masse.

2. Um feste Zutaten wie Kohlblätter oder Nüsse klein zu kriegen, braucht der Mixer etwas länger. Lassen Sie ihn bis zu 3 Minuten laufen. Falls sich etwas zwischen den Messern verklemmt, schalten Sie kurz ab, rühren um und geben etwas zusätzliche Flüssigkeit zu.

3. Füllen Sie den Mixer sofort mit warmem Wasser, nachdem Sie Ihren Smoothie in Gläser umgefüllt haben. Das erleichtert später die Reinigung.

4. Lassen Sie ein oder zwei Geschmacksnoten den Ton angeben und beschränken Sie sich insgesamt auf fünf bis acht Zutaten.

5. Obst und Gemüse zerkleinert man vorab in gleich große Stücke. Das erleichtert das Pürieren und schont den Motor Ihres Mixers.

Die unfreie Radikale – Christa Ritter im Interview

Autorin, Intellektuelle, Piratenpartei-Kandidatin, „Haremsdame“ – das „Ich“ hinter ihrer schillernden Lebensfassade konnte Christa Ritter lange nicht spüren. Ein Gespräch über weibliches und männliches Ego, den Geist von 1968, das Internet und Rainer Langhans, den sie einen „Mann der Zukunft“ nennt.

Dieses Interview wird einfach und schwierig zugleich, ahne ich. Es ist nicht mein erstes mit Christa Ritter, wir sind auf Facebook verbunden und verfolgen dort gegenseitig unsere Alltagsfreuden, unsere Sinnsuche und unsere zeitweilige Verzweiflung darüber. Einfach wird es wegen ihres erfrischenden Charmes und ihrer seltenen Offenheit, die mir als Journalistin das sichere Gefühl gibt: Material bekomme ich genug. Schwierig allerdings, weil mir manche ihrer Ansichten sauer aufstoßen, mir ein ständiges „Aber“ auf der Zunge liegt, ich aber gleichzeitig fasziniert bin. Doch beginnen wir von vorn: Fotografin Stefanie und ich holen Christa zu Hause ab, um mit ihr in den nahegelegenen Münchner Luitpoldpark zu gehen. Ihre Yogaübungen habe sie hinter sich, lässt sie uns wissen, nun wolle sie noch schnell etwas Lippenstift auflegen, für die Fotos. Auch über ihre Falten macht sie sich Sorgen. Schon sind wir mittendrin im Thema…

Eitelkeit, Selbstliebe, Narzissmus, Ego – wo liegen da für dich die Grenzen für dich?

Ehrlich gesagt sind das für mich Begriffe aus der alten Welt, mit der es ’68 zum Bruch kam und die wir langsam verlassen. Für mich deuten sie nicht auf Neurosen hin, die man therapieren sollte. Sie könnten eher Zeichen des Ausstiegs sein, eine Folge dieses rätselhaften Aufbruchs von ’68. Ich fühlte mich schon davor irgendwie gestört, ein bisschen verrückt … (überlegt)

Anders als andere?

Ja. Ich habe Anfang der Siebziger sogar mal eine Therapie begonnen, doch ich merkte schon in der ersten Sitzung: Hier soll ich für eine unerfreuliche Gesellschaft passend gemacht werden. Dieses Scheiß-Angebot fand ich nicht verlockend: Ehe und Kleinfamilie hier, Karriere und Geld verdienen dort.

Das ist das, was du unter der „alten Welt“ verstehst? 

Und vieles mehr. Dieses Materialistische, Gewalttätige, der Geschlechterkrieg … Wir haben ja jetzt dieses Jubiläum, 50 Jahre ’68, und ich habe das Gefühl, dass die ganze Welt ein wenig „angsthasig“ drauf ist. Nicht nur die Rechten. Als würden die Leute spüren, dass wir nun tatsächlich in eine „neue Welt“ gehen, repräsentiert durch die „Krake“ Internet. Ich habe ja diesen Mann an meiner Seite

… Rainer Langhans … 

Genau. Diesen Mann, der immer voraus lebte und im Internet noch viel mehr als ich ein Tool sieht, wie wir uns aus dieser grausamen „alten Welt“ befreien können. Ich selbst fremdle noch, bin im Netz noch nicht so beheimatet. Dafür nutzt du es aber durchaus rege. In deinen Posts bist du sehr offen. Das bietet sich an. Du kennst sicher den Spruch „Das Private ist politisch.“ Der wurde auch stark von der Frauenbewegung aufgegriffen, welcher ich mich damals verbunden fühlte. Blöderweise meinten wir nur die Männer: Die waren schuld, sollten sich ändern. Weil es uns Frauen noch gar nicht gab, Carmen! Ich behaupte heute als eine, die sich seit mindestens 50 Jahren selbst sucht: Frauen haben noch kein Ego.

Immer noch nicht? 

Nein. Selbst ich nicht. Lange war mir nicht bewusst, dass ich frauenbewegt in einer Sackgasse gelandet war. Ohne klassische Familie war ich vor allem beruflich unterwegs, habe mich dabei notgedrungen an den Richtlinien der Männer orientiert. Durchaus mit Protest, ich wurde eine ewige Neinsagerin, unfähig, ein weiblich autonomes Ego zu entwickeln. Mir scheint, auch den Männern wollten wir das ihre brechen. Ein Fehler!

Inwiefern? 

Weil das männliche Ego auch bedeutet, fantastisch zu forschen, revolutionär zu sein. Warum nutzten wir ihre Begeisterung nicht für unseren Weg? Nach dem Motto: Gemeinsam sind wir stark! Wobei ich von der direkten politischen Praxis nicht so viel mitbekommen habe, ich lebte ja nicht in den politischen Zentren wie Frankfurt und Berlin, sondern in Düsseldorf, arbeitete noch dazu in der Werbung – quasi dem Inbegriff des kapitalistischen Materialismus. Ich hatte meine speziellen Macken durch mein Elternhaus.

Das sehr bürgerlich war. 

Ja. Wobei ich erst im Nachhinein sehe, wie liberal meine Eltern auch waren. Sie haben zum Beispiel jüdischen Freunden in die Emigration verholfen, ein Ehepaar eine Zeit lang bei uns versteckt. Hinter der aufgeklärt bürgerlichen Fassade hatte aber auch sie der Nazi-Bazillus befallen. Durch diese Verdrängung war ich schon in meiner Kindheit verunsichert, nahm überall Lügen wahr, bin oft angeeckt.

Wie muss ich mir das vorstellen? 

Zum Beispiel schrieb ich etwa mit 14 in einem Aufsatz über mein Karnevals-Erlebnis, dass ich meinen Freund geküsst hätte. Zwei Sätze! Meine Klassenlehrerin war außer sich vor Entsetzen, hat einen Elternabend einberufen und meine Mutter vor allen anderen zur Minna gemacht!

Heute kaum noch vorstellbar.

Da siehst du mal, wie viel sich schon geändert hat. Anfangs dachte ich naiv, es geht so wundervoll mit „Make Love Not War“ weiter. Da war dieses fantastische Gefühl: Wir erobern uns selbst. Für einen kurzen Moment stimmte das auch. Ich fühlte mich androgyn, nicht mehr verklemmt, heute würdest du das post-gender nennen. Alle sind Freunde, alle teilen alles. Ich glaube, das meint Rainer, wenn er das Internet so hypt: Dass wir uns alle als große zärtliche Bruder- und Schwesternschaft erleben. Eine weltweite Community der Freunde.

Sich der Welt dort zu öffnen, kann aber auch gefährlich sein.

Ungewohnt eben. Aber so lernst du dich kennen. Wenn du etwas postest, bist du privat, gleichzeitig ist das Politik – unsere 68er-Utopie! Du vertraust und traust dich sogar, dort endlich auch deine sonst versteckten fiesen Seiten rauszuschleudern. Und indem du dazu stehst, es anschaust, dich verbesserst, baust du dir nach und nach ein komplexes Selbstbild. Du wirst, wer du bist durch eine ständige Praxis der Selbstermächtigung. Aber natürlich verlieren wir auch viel Vertrautes und das macht Angst. Die Welt wird sich total verändern, wir wissen letztlich noch nicht, wohin es geht.

Offenheit kann auch schützen, oder?

Niemand sucht mehr nach wunden Punkten, wenn du dich verletzbar zeigst. Ja, die Leute im Netz honorieren es, wenn ich meine Macken teile. Das bringt uns einander näher. Aber du entfachst eben häufig auch einen Shitstorm.

Man könne andere nur lieben, wenn man sich selbst liebt – glaubst du das? 

Absolut! In mir gibt es eine tiefe Scheu, mein inneres Unbekanntes anzugucken. Ich bin erst mal extrovertiert, springe nach draußen, bin nicht gerade spirituell. Vielleicht ist es auch eine Bequemlichkeit, dass ich meine Verantwortung häufig noch an die Männer delegiere. Das hat mir übrigens in der #MeToo-Debatte gefehlt: der Part der Frauen. Dabei ging es doch um den klassischen Deal: Die Frau macht sich schön, bietet Sex, der Mann gibt ihr einen Job, Bedeutung und Geld. Die alte Eva hat wie wir damals nur protestiert: Der Mann ist schuld! Sie bietet sich an, um einen Job zu bekommen, ist aber empört, wenn
es um das Bezahlen geht. Verrückt, dass Frauen noch immer keine Täterinnen sind. Auch heute noch will die Frau also keinen Ausstieg aus dem alten Deal, sie will nur ihre Gage erhöhen.

Puh, problematischer Ansatz. Dass ich mich hübsch mache, gibt doch niemandem das Recht, mich gegen meinen Willen anzufassen.

Auch eine Frau kann Nein sagen.

Was angesichts gewisser Machtstrukturen nicht immer so einfach ist.

Aber Frauen registrieren ihren Anteil an dem Spiel nicht. Männer setzen sich dem Geschäft aus: Was gebe ich dir, wo hört es für mich auf? Im Zweifel verlasse ich den Deal, schlage meine Variante vor, bin selbstbewusste Täterin.

Oft ist aber auch psychische Manipulation im Spiel.

Die Frauen als geübte Opfer mindestens genauso gut drauf haben! Wir spielen aus dem Hinterhalt mit, stellen uns nicht dem Wettkampf, gehen kein Risiko ein. Es stimmt, dass im Film kaum spannende Frauenrollen auftauchen. Das wird sich erst ändern, wenn wir uns ändern. Selbst kreativ werden. Und damit auch riskieren, abgelehnt zu werden. Wieder und wieder. Das machen Männer ja auch. Solange wir nur für unseren schönen Körper geliebt werden wollen, erleben wir uns nicht in unserer Fülle, also grundtief, nie existenziell.

Ich persönlich denke nicht in diesen pauschalisierenden Mann-Frau-Stereotypen und finde #MeToo wahnsinnig wichtig. Aber ich ahne vielleicht, was du meinst. Wir beide sind zum Beispiel geschminkt. Warum machen wir das?

Darin zeigt sich meine Unsicherheit, mein mangelndes Ego. Das alte Muster: Die Frau ist für die Schönheit zuständig, der Mann für alles andere.

Hier sitzt allerdings gerade kein Mann. 

Trotzdem ist das tief in uns verankert. Es ist nicht leicht, sich aus der Mater zu lösen, die unsere alte Welt bestimmt. Inzwischen beschweren sich ja manche, dass Frauen mit zunehmendem Alter unsichtbar werden. Ja, weil sie nicht aus der Körperfixierung aussteigen! Erlebe ich alles mit mir und meinen „Haremsfrauen“. Die Fixierung auf die Jungen macht es uns besonders schwer, nun auch unser Alter neugierig zu entdecken.

Auch immer mehr Männer machen sich heutzutage Gedanken um ihre Optik, oder?

Ich finde auch, Männer haben sich seit ’68 verändert. Mehr als wir Frauen. Es gibt auch viel mehr männliche Narzissten als weibliche, scheint mir. Und was macht der Narzisst letztlich? Er fragt: Wer bin ich? Mit seiner „Störung“ zeigt er sich selbst und sucht eine Alternative. Wie die „Autisten“.

Autismus ist eine Entwicklungsstörung. 

So deutet man das gern. Aber Egoisten, Narzissten, Autisten, alle mit sozialen Störungen bewegen sich in etwas Unbekanntes hinein, in diese neue Welt des Virtuelleren, das Internet. Du kannst auch Aliens sagen, Sucher neuer Welten. Vor ’68 war eine große Leere in mir, die ich füllen wollte. Diese Lücke schließt bei Frauen oft ein Mann. Bei mir nicht, ich
war nicht verheiratet, also blieb sie.

Aliens gefällt mir besser. Hat Rainer denn besagte Lücke gefüllt?

Ein bisschen schon.

Also doch wieder ein Mann. 

Ja, ihm gelang nie diese Rolle des alten Adams, er war ja selbst immer Autist. Daher sieht er Frauen anders, irgendwie utopischer. Das ist sehr hilfreich für mich. Als ich Filme machen wollte, half er mir rund um die Uhr. Schließlich haben wir sogar den Grimme-Preis bekommen, alle applaudierten: „Wie toll!“ Verrückt war, dass ich den Preis nicht spürte, weil ich mich nicht als autonome Filmemacherin wahrgenommen habe. Das war gar nicht ich, das war also auch nicht mein Preis.

Klingt traurig.

Und wie! Aber ich gebe nicht auf. Seit Kurzem tut sich bei mir was. Manchmal ahne ich für Momente, dass es da in mir etwas gibt, das die eigentliche Christa sein könnte. Ein zartes Bild: Das werde ich. Vielleicht sogar mehr als ein Ego: ein spiritueller Mensch? Du bist größenwahnsinnig, tobt es ganz schnell in mir. Über diesen kleinen Pups freust du dich? Du bist und bleibst nur eine verweigernde Frau, ein Loser. Ein Schritt vor, vier zurück, immer.

An solchen Gefühlen arbeitet ihr im „Harem“ auch, oder? 

Natürlich! Wir sind dabei auch auf die ganze Verachtung gestoßen, die Frauen füreinander hegen, dahinter natürlich auf die Selbstverachtung. Sobald du das erlernte Lächeln, die oberflächliche Harmonie infrage stellst, tut sich der Abgrund auf, die verborgene Seite. Frauen sind untereinander selten gute Freundinnen.

Findest du? Ich denke durchaus, dass ich solche habe.

Tust du auch, aber nur in begrenztem Maße. Um unser Ich zu entdecken, müssen wir uns einen tieferen Blick zutrauen. Experten sagen: Erst wenn du die Krankheit siehst, kannst du sie auch heilen. Aber das ist schwer auszuhalten, dieses Entsetzen über sich selbst.

Wie bleibst du auf deinem Weg geduldig?

Bleibe ich ja nicht. Oft sehe ich nicht, wie fantastisch dieser Umbruch ist, den wir gerade erleben. Auch mein eigener Aufbruch, der bei mir noch dazu von Rainer und den Frauen mitgetragen wird.

Empfindest du es eigentlich so, dass ihr euch Rainer teilt? 

Klar! Und das ist oft ein Riesenproblem, weil ich zwar keine Weibchenfrau bin, aber doch gerne die ganze Aufmerksamkeit bekomme – wie alle Frauen.

Ich nicht. Mit Aufmerksamkeit geht ja auch eine Verantwortung einher … 

Meine früheren Verhältnisse mit Männern waren fast immer offen, ich vermied das alte Eva-Spiel. Da ahnte ich noch nicht, welche Krux darin verborgen liegt. Dass ich mich trotzdem mit Eifersucht, Besitz, Trägheit konfrontieren muss, besonders der Opferrolle, um schließlich zu mir selbst zu kommen.

Du erwähntest andere Männer …

Andere Männer waren nie verboten bei uns im „Harem“. Allerdings haben die es selten lange ausgehalten, sahen sich immer in Konkurrenz zu Rainer. Aussichtslos in ihrer Adam-Rolle!

Insofern seid ihr Frauen im Grunde schon weiter. Ihr empfindet auch Konkurrenz, Neid, Eifersucht, arbeitet aber damit.

Ja. Hoffentlich finde ich durch meine Hölle in etwas Inneres, wie die anderen auch. Schließlich darf ich in einer Zeit leben, in der zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit auch Frauen aufgerufen sind, sich selbst zu ermächtigen. Wird das Internet das nötige Tool dafür sein? Fantastisch, sollte ich mir viel öfter sagen. Voran, alles gut. Der reinste Irrsinn!

Das Aufnahmegerät ist schon ausgeschaltet, wir laufen noch ein Stück gemeinsam durch den Park, sprechen darüber, dass ich bei einem Interview gerne mal gucke, wo es hinläuft, anstatt ständig die Richtung vorzugeben. Christa nickt, erinnert sich an früher, findet einen Vergleich: „Ich habe ja mal Dokumentarfilme gemacht …“ Dann stutzt sie, lächelt. „Wow, jetzt habe ich es tatsächlich gesagt: ICH habe Filme gemacht!“


Jean-Marc TurmesCARMEN SCHNITZER holte 1990 Mamas Indienröcke aus dem Keller, trug sie seitdem oft und gerne. 1993, also 25 Jahre nach ’68, erschien erstmals ein Artikel von ihr außerhalb der Schülerzeitung, in der Coburger Neuen Presse. Thema: Neo-Hippies.

 

ASANAS.MAL.ANDERS – Der verspielte Hund

Am herabschauenden Hund kann man jahrelang herumfeilen und dabei immer neue Details entdecken – oder man lässt ihn einfach mal von der Leine. Unsere Asana-Kolumnistin Amiena Zylla zeigt vier spielerische Variationen.

Ein Hund springt und wedelt mit dem Schwanz, wenn er sich freut. Seine Begeisterung und Vitalität drückt er mit Bewegung aus. Der herabschauende Hund im Yoga ist dagegen eine statische Haltung. Die anspruchsvollen Feinheiten in der Ausrichtung von Adho Mukha Shvanasana erfordern volle Konzentration und ein gewisses Maß an Kraft. Dafür werden wir mit geistiger Frische und Ruhe belohnt – und nicht selten von Rückenschmerzen befreit. Aber wie wäre es, diese konzentrierte Ruhe mal mit der Verspieltheit und Bewegungsfreude eines jungen Hundes zu verbinden?

Auch wenn Sie mit dem herabschauenden Hund schon gut vertraut sind: Tun Sie bei den folgenden vier Variationen mal so, als ob Sie ihn zum ersten Mal machen würden. Die Anleitungen dürfen Sie dabei gerne als Orientierung verstehen und nicht als Pflicht. Hören Sie auf Ihren Körper, dehnen, räkeln und strecken Sie sich in alle Richtungen. Genießen Sie Ihre Kraft und Ihre Beweglichkeit und verharren Sie nicht statisch in der Haltung. Stattdessen bringen Sie Ihren Hund mit einer Leichtigkeit in Bewegung.

1. Verdreht (obere Abbildung)

WARUM: Nach einem langen Arbeitstag im Sitzen oder Stehen, schenkt Ihnen diese wohltuende Variation Entspannung und Frische.

WIE: Setzen Sie die Füße etwa hüftbreit und die Hände schulterbreit.Probieren Sie aus, welcher Abstand zwischen Armen und Beinen sich für Ihre Schultern am besten anfühlt. Lassen Sie im Wechsel immer ein Bein gestreckt, das andere beugen Sie nach innen. Gleichzeitig drehen Sie den Oberkörper zum gestreckten Bein und lassen den Kopf hängen.

2. Gezogen (mittlere Abbildung)

WARUM: Wenn es mal wieder im unteren Rücken zwickt, kann dieser Hund Sie von Verspannung und Schmerzen befreien.

WIE: Setzen Sie die Füße etwa hüftbreit und die Arme schulterbreit. Ihr Kopf ist in Verlängerung zum Rücken ausgerichtet. Überkreuzen Sie Ihre Beine indem Sie ein Bein vor dem anderen zur gegenüberliegenden Seite ausstrecken. Dabei legen Sie die Fußaußenkante am Boden ab und drehen das Becken etwas ein. Stellen Sie sich vor, dass Sie an diesem vorderen Bein gezogen werden und spüren Sie die Dehnung vom Fuß bis in den unteren Rücken.

3. Verschraubt (Abbildung unten links)

WARUM: Diese Variation ist nicht nur eine Wohltat für den Rücken, sie kräftigt auch den Beckenboden.

WIE: Drücken Sie sich aus dem Vierfüßlerstand in den Hund. Die Hände stehen etwa schulterbreit, der Kopf ist in Verlängerung zum Rücken ausgerichtet. Heben Sie die Fersen, beugen Sie die Beine und überkreuzen Sie sie. Dabei pressen Sie Ihre Oberschenkel fest zusammen und spüren, wie ihre Innenseiten aktiv werden. Um zusätzlich die Bauch- und Beckenbodenkraft zu erhöhen, ziehen Sie den Bauchnabel Richtung Wirbelsäule und saugen den Damm nach innen.

4. Versetzt (Abbildung unten rechts)

WARUM: Vor allem Yogaeinsteiger kommen hier in den Genuss, sich erst einmal auf die Dehnung in einem Bein zu konzentrieren.

WIE: Beine und Ihre Arme stehen hüftbeziehungsweise schulterbreit. Drehen Sie die Schultern nach außen und die Achseln nach innen, so dass sich der Abstand zwischen Ohren und Schultern vergrößert. Ihr Rücken ist gerade gestreckt, der Kopf in Verlängerung dazu ausgerichtet. Versetzen Sie einen Fuß so weit nach vorne, dass Sie die Ferse des gestreckten Beins leichter gegen den Boden schieben können.


FRAGEN ODER ANREGUNGEN? Dann finden Sie Amiena hier: amienazylla.com

Fotos: Sylwia Makros Illustrationen: Jan Philipp Schwarz