Selbstverwirklichung ohne Kopfkino

Selbstverwirklichung

Bedingungslose Hingabe ist der Schlüssel zur Verwirklichung des Selbst. So lehren nicht nur die Schriften des Yoga, sondern alle Mystiker. Leichter gesagt, als getan – die Sache mir der Selbstverwirklichung? Das einzige Problem ist das Kino im Kopf.

Es zieht sich durch alle spirituellen Traditionen. Hat man einen Weg gewählt, soll man ihm folgen. Ohne immer wieder hin- und her zu überlegen. Die Idee ist, das „Ego“ aufzulösen, indem man alle Bedenken beiseite schiebt. Denn Zuneigung und Abneigung, Raga und Dvesha, sind wechselhaft und Ich-Bezogen, sie trennen uns vom Gefühl der Einheit. Egal für was man sich entschieden hat, einen Lehrer, eine bestimmte spirituelle Praxis, ein Mantra. Man bleibt dabei und geht durch Zeiten des Zweifels hindurch. Durch dieses Loslassen entsteht Ruhe im Geist. Und selbst wenn wir (noch) nicht nach einem so hohen Ideal wie der Selbstverwirklichung streben. „Ruhe im Geist“ hört sich zunächst ganz gut an. Aber was tun, wenn der eingeschlagene Weg auf einmal nicht mehr passend erscheint?

Lernen von den Gottheiten

Ich hatte mich entschieden, auf das Göttliche zu vertrauen, in der Form von Shiva. Shivas Name bedeutet übersetzt: „Der Gutmütige“. Es liegt in seiner Natur, seinen Verehrern jeden Wunsch zu erfüllen. Manchmal setzen wir auch uns selbst große Ziele. Für Shiva wurde das schwierig, als eines Tages ein gerissener Dämon vor ihm stand und ihn um folgende Gunst bat: Alles, was er berühre, möge sich in Stein verwandeln. Shiva gewährte das selbstverständlich ohne Zögern. Doch plötzlich sah er sich einer existentiellen Bedrohung gegenüber. Denn der Dämon wollte die Herrschaft über das Universum an sich reißen und holte aus, Shiva selbst in Stein zu verwandeln. Shiva blieb nichts übrig, als erstmal die Beine in die Hand zu nehmen.

Wenn man sich große Dinge vornimmt, kommt man irgendwann fast unweigerlich an einen Punkt, wo sich die Frage nach dem Sinn des Durchhaltens stellt. Je mehr wir nach Perfektion streben, auf umso gefährlicheres Terrain begeben wir uns. Ich habe darin eine besondere Lektion erfahren dürfen. Ein Freund empfahl mir einen Masseur, der „so richtig tief reingeht, um Spannungen zu lösen“. Wir Spirituellen sind ja gerne bereit etwas zu leiden, wenn es denn Besserung verspricht. Also ertrug ich die Qualen durch diesen Muskelmenschen unter großen Schmerzen. „Nicht mit dem Körper identifizieren“, sagte ich mir. Nur um eine Woche später vom Arzt diagnostiziert zu bekommen, dass der Kerl mir zwei Rippen gebrochen hatte. War ich in meiner bedingungslosen Hingabe zu weit gegangen?

Lies mehr über Selbstverwirklichung in der Satsang-Kolumne.

Es ist ein Spannungsfeld, das jeder Mensch für sich selbst auflösen muss. Deshalb hat diese Geschichte auch keine „Moral“. Der Vollständigkeit halber: Shiva kam ein Freund zu Hilfe. Vishnu nahm die Gestalt einer schönen Tänzerin an. Der Dämon vergaß sein eigentliches Ziel, wurde durch seine eigene Begierde ausgetrickst und verwandelte sich am Ende selber in Stein. Die Götter haben eben Humor. Shiva blieb Shiva. Das ist wahre Selbstverwirklichung. Er setzte sich nicht schmollend hin, und sagte: „Ab heute mach ich alles anders“. Shiva setzt seinen Weg unbeirrbar fort. Im Absoluten gibt es keinen Grund für Zweifel.

Der Zusammenhang von Zweifeln und Leiden

Unser Leiden beginnt hingegen oft, wenn wir auf der relativen Ebene zweifeln. Unsere Praxis scheint nirgendwohin zu führen, also wechseln wir das Yogastudio. Die Meditation bleibt immer noch unruhig – ein neues Mantra muss her. Ich selbst hatte mein Gottvertrauen nach der Diagnose für ein paar Tage verloren und lief mit schlechter Laune durchs Haus. Wenn sich der Verstand einmischt und sagt: „Es muss auf meine Weise geschehen“, sind wir aber im Clinch mit der Realität.

Irgendwann merkte ich das und begann die Schmerzen als Einladung zur Auszeit zu akzeptieren. In der Zwangspause konnte ich reflektieren, dass ich selbst oft ganz schön hart mit mir umgegangen war. Jetzt fühle ich mich ruhiger als vorher. Das soll nicht heißen, dass ich jedem empfehle, sich die Knochen brechen zu lassen. Aber es kann überraschend sein, was sich entwickelt, wenn man geduldig bleibt. Auch wenn die äußeren Umstände mal wieder nach Veränderung zu schreien scheinen. Manchmal merken wir, dass es hilft, Vertrauen zu haben, weil uns bereits eine größere Kraft führt, als wir oft selbst erkennen können. Hingabe ist ein großes Wagnis. Aber sie entspannt viel mehr, als immer alles kontrollieren zu wollen.

Yoga People: André Borschberg

Yoga im Himmel Foto: Rezo, Solarimpulse.com
Yoga im Himmel Foto: Rezo, Solarimpulse.com

Yoga im Himmel

André Borschberg umrundete 2016 als erster Pilot die Erde in einem Solarflieger – ohne einen Tropfen Kerosin. Fünf Tage und fünf Nächte flog er allein über den Pazifik. Eine besondere Yogapraxis half ihm dabei, im winzigen Cockpit Hitze, Kälte und Müdigkeit zu meistern – und eine vielleicht lebenswichtige Entscheidung zu treffen.

Wenn André Borschberg von seinem Flug von Japan nach Hawaii erzählt, klingt seine Stimme ruhig, fast andächtig und voller Begeisterung. Man spürt, wie gern er sich an diese extreme Erfahrung erinnert – an eine Geschichte, die spannend klingt wie ein Krimi. Borschberg und der Abenteurer Bertrand Piccard wollen mit ihrer Weltumrundung die Möglichkeiten erneuerbarer Energien aufzeigen und die Entwicklung umweltfreundlicher Technologien vorantreiben. Für den Unternehmer und gelernten Militärpiloten Borschberg geht mit diesem Projekt ein Kindheitstraum in Erfüllung: „Schon als kleiner Junge faszinierte mich die Geschichte der Fliegerei“, erzählt er. „Diese Geschichte selbst weiterzuschreiben und Pionierarbeit zu leisen, ist ein Traum für mich.“ Bereits mit 17 Jahren hatte er seinen Pilotenschein – er flog, bevor er Auto fahren konnte.

Extrem: 5 Tage allein in 8.000 Meter Höhe, maximal 20 Minuten Schlaf am Stück

Abwechselnd waren die beiden schweizer Piloten für die Erdumrundung bereits von Abu Dhabi über Indien, den Himalaja und China geflogen, als die gefährlichste und schwierigste Etappe über den Pazifik anstand. „Ich wollte jede Minute davon genießen, ganz bewusst und voller Achtsamkeit“, sagt der 63-Jährige. Das würde nicht jeder so sehen, der fünf Tage allein in zeitweise 8000 Metern Höhe fliegen soll, eingepfercht in eine winzige, nicht druckbelüftete Kabine, ohne die Möglichkeit einer Zwischenlandung. Borschberg wirkt sympathisch, offen und bodenständig – eher ein Mann, der im Hintergrund die Fäden zieht. „Ich suche nicht das Risiko, aber ich liebe das Unbekannte, das Entdecken“, sagt er über sich selbst. Tagsüber musste er mit dem Flieger hoch über die Wolkendecke steigen, um so viel Sonnenenergie wie möglich zu tanken. Dort brauchte Borschberg eine Sauerstoffmaske. Nur nachts konnte er tiefer fliegen und ohne Maske atmen. Schlaf? Höchstens 20 Minuten am Stück, dann weckte ihn ein Alarmsystem, damit er die Fluggeräte kontrollieren konnte.

Abenteuerliche Pazifik-Überquerung

Und genau dieses Alarmsystem versagte 9 Stunden nach dem Start des Pazifikflugs. „Wir waren nah am point of no return“, erzählt Borschberg. Noch hätte er nach Japan umkehren können. „Die Entscheidung musste schnell her.“ Ein Expertenteam aus 40 Ingenieuren riet, den Flug abzubrechen. Doch Borschberg am Himmel und sein Kollege Piccard am Boden entschieden, weiterzumachen. „Es war schwer, sich gegen die Expertenmeinung zu stellen. Die Stimmung im Team war emotional sehr aufgeladen. Und doch war meine Entscheidung klar. Das Wetter war gut. Und wir sahen Möglichkeiten, das ausgefallene Alarmsystem zu kompensieren: Ein Anruf sollte mich alle 20 Minuten wecken, ich war ja mit unserer Zentrale in Monaco über Satellit verbunden. Trotzdem war es sehr aufwühlend für mich – vor allem meiner Frau und meinen drei Kindern gegenüber.“

Asanas im Cockpit

Auf solche Situationen hatte sich Borschberg, der seit 20 Jahren Yoga praktiziert, mit seinem indischen Yogalehrer Sanjeev Bhanot vorbereitet. „Mental spielte Yoga auf dem gesamten Flug eine große Rolle. Ich habe gelernt, mein eigener Beobachter zu sein. Das hilft mir, in Stress- und Krisensituationen rationale Entscheidungen zu treffen, anstatt impulsiv zu reagieren.“ Wenn es Borschberg nicht gelang, in den kurzen 20-Minuten-Pausen Schlaf zu finden, meditierte er. Er praktiziert Vipassana-Meditation. Ebenso wichtig war Pranayama: „Während des Fluges startete ich den Tag mit Nadi Shodhana. Zeitweise war es draußen minus 40 Grad kalt, dann habe ich meinen Körper mit Kapalabathi aufgewärmt. Das Ein- und Ausatmen in sieben Stufen half mir, in den kurzen Liegephasen das Nervensystem zu beruhigen”. Wie aber kann man in einem einsitzigen Cockpit Asana praktizieren? „Beim Design des Cockpits bat ich darum, die kleine Fläche hinterm Sitz der Form einer Yogamatte anzupassen. Dort übte ich eine einstündige Asana-Sequenz, die ich mit Sanjeev Bhanot und einer Gruppe von Medizinern für die Herausforderungen des Flugs entwickelt habe”, sagt der Westschweizer.

Yoga üben, um die Umwelt zu verstehen

Borschberg kennt seinen Solarflieger in und auswendig. Doch das Wetter und die Einflüsse, die auf dem offenen Meer und in der Höhe auf den Flieger einwirken, konnte niemand wirklich voraussehen. Deshalb trug er während des Pazifikflugs ständig einen 7 Kilo schweren Notrucksack. „Im Ernstfall hätte ich aus dem Flieger springen müssen. Im Rucksack waren ein winziges Rettungsboot, Schwimmweste und Versorgung für zwei Tage auf dem Pazifik – bis mich hoffentlich ein Schiff eingesammelt hätte.” Borschberg erzählt, wie er im Cockpit so viele Rückbeugen wie möglich übte, um das ständige Gewicht auf dem Rücken auszugleichen. Wie Twists seiner Wirbelsäule gut taten und sein Verdauungssystem in Balance gehalten haben. „Die Zeit im Flieger ist eine innere Reise für mich, bei der mir Yoga hilft, meine Umwelt zu verstehen. Und eine Reise mit der Natur. Du fliegst mit der Sonne, bist Teil der Natur, da entwickelt man eine Menge Respekt vor ihr.“ Ein faszinierender Gedanke: Im Einklang mit der Sonne könnte er theoretisch ewig weiterfliegen. „In der Luft fühle ich mich eigentlich wohler als am Boden“, gibt Borschberg zu. Da ist es nur stimmig, dass seine Frau manchmal bemerkt, er würde ein bisschen aussehen wie ein Vogel.

Schmerzfrei geflogen – dank Yoga

Kurz nach Sonnenaufgang ist der Solarflieger an einem Julitag des vergangenen Jahres in Hawaii gelandet. „Es war, als sei ich an jedem dieser fünf Tage auf den Mount Everest gestiegen“, vergleicht Borschberg. „Aber ich hatte weder Rücken- noch irgendwelche Gelenkschmerzen. Das verdanke ich Yoga.“ Wegen eines Batterieschadens mussten Flieger und Piloten eine längere Pause einlegen. Jetzt warten die nächsten Herausforderungen, vor allem die Überquerung des Atlantiks mit seinen unvorhersehbaren Winden und Wettern. Wenn die Weltreise im Solarflieger geschafft ist, freut sich Borschberg auf Zeit und Raum für Neues: „Ich träume davon, Platz zu haben für Überraschungen.“ Dass es ihm nicht um den Ruhm geht, glaubt man ihm. Was zählt, ist sein Kindheitstraum.


Text: Melanie Oetting / Foto: Rezo, Solarimpulse.com

Dr. Ronald Steiner: Ashtanga Yoga goes West

Ashtanga Yoga
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Dr. Ronald Steiner erklärt, wie Ashtanga Yoga in den Westen kam, wie es mit Patanjali Yoga verbunden ist und wie man die Praxis von der Matte ins Leben bringt.

Du hast Teil 1 der Ashtanga-Serie überlesen? Kein Problem: Hier geht’s zum ersten Teil des Artikels „Dr. Ronald Steiner: Was ist Ashtanga Yoga

Ashtanga Yoga goes West

Im Jahr 1964 fand der Belgier André van Lysebeth als erster Westler seinen Weg in Pattabhi Jois’ kleine Yogaschule in Mysore. Erst knapp zehn Jahre später folgten weitere Schüler aus Europa und Amerika, um Ashtanga Yoga von Pattabhi Jois und B. N. S. Iyengar zu lernen. Dadurch war im Westen die Ära des dynamischen Yoga eingeläutet. Ashtanga Yoga wurde weitergegeben, praktiziert, erfahren. Die rohe Form aus Indien wurde um Details erweitert und verfeinert. Techniken für Hilfestellungen und die anatomische Ausrichtung wurden perfektioniert. Verschiedene Lehrer gaben dem Übungssystem unterschiedliche Schwerpunkte.

Dr. Ronald Steiner: „Ashtanga Yoga verbindet“

Vielschichtig und schillernd, wie ein mehrdimensionales Gewebe, umspannt Ashtanga Yoga heute den Globus und verbindet Yogis auf der ganzen Welt miteinander. Vielleicht ist Ashtanga Yoga wie Joghurtferment. Wenn man zu Milch ein wenig Ferment hinzufügt, werden die darin befindlichen Bakterien die Milch in Joghurt umwandeln. Egal in welchem Land Ferment mit Milch vermengt wird, es wird immer dasselbe passieren. Dennoch wird der Joghurt jedes Mal etwas anders schmecken. Das Ferment ist dasselbe, aber die Milch ändert sich. So hat auch Ashtanga Yoga überall einen etwas anderen Geschmack, aber es bleibt immer Ashtanga Yoga.

Besondere Magie des Ashtanga Yoga

Wer einmal das dynamische Übungssystem erlernt hat, kann auf der ganzen Welt in Ashtanga-Yogaschulen üben. Das ist eine schöne Erfahrung und fühlt sich ein bisschen so an, wie auf der ganzen Welt zu Hause zu sein. Nebenbei wird man immer kleine Unterschiede bemerken, die wertvolle Hinweise für die Praxis sein können. Diese Universalität des Ashtanga Yoga, kombiniert mit individuellen Besonderheiten von Lehrer und Schüler, ist Teil seiner besonderen Magie. Ashtanga Yoga gehört heute zu den bekanntesten und am meisten praktizierten Yogatraditionen der Welt. Neben der traditionellen Übungsform entstand im Westen eine Vielzahl von Abwandlungen und Abspaltungen. Diese Sprößlinge des Ashtanga Yoga sind unter Namen wie Vinyasa Yoga, Power Yoga, Jivamukti Yoga oder Dynamic Yoga bekannt geworden.

Patanjali Yoga

Forscht man nach dem philosophischen Fundament des Ashtanga Yoga, stoßen wir unweigerlich auf das Yoga-Sutra des Patanjali. „This is Patanjali Yoga“ („Dies ist Patanjali Yoga“), pflegte mein Lehrer Pattabhi Jois zu sagen. Genau wie Pattabhi Jois verweisen erfahrene Lehrer der Tradition immer wieder auf das Yoga-Sutra von Patanjali. Die physische Praxis des Ashtanga Yoga wird als Kommentar zu der darin enthaltenen Philosophie verstanden. Erst damit wird ein direkter, auf eigene Erfahrung beruhender Zugang zu den zunächst abstrakt erscheinenden philosophischen Konzepten möglich. Für jeden einzelnen Satz des Sutra gibt es eine Entsprechung in der Praxis.

Der achtgliedrige Pfad

Der Name Ashtanga Yoga selbst nimmt Bezug auf einen von Patanjali beschriebenen achtgliedrigen Pfad. Die ersten beiden Glieder verlangen nach der praktischen Umsetzung in unserem täglichen Leben, die letzten beiden entwickeln sich spontan auf den vorherigen aufbauend. Dazu ist allerdings die Praxis auf der Yogamatte nötig – die vier mittleren Glieder. Im Ashtanga Yoga werden diese vier mittleren Glieder zu einer einzigen verbundenen Praxis zusammengefasst. Es gilt Harmonie in physischen (Asana), energetischen (Pranayama), emotionalen (Pratyahara) und mentalen (Dharana) Aspekt unseres Menschseins herzustellen.

Von der Matte ins Leben

Trainierte Körper, anstrengende Positionen und akrobatische Bewegungsabfolgen – mit dieser Beschreibung wird Ashtanga Yoga oft auf das rein Körperliche reduziert. Hinter der Oberfläche übersehen wir leicht, dass die physische Praxis lediglich unser Übungsfeld ist, um eine Weisheit zu erfahren, die schließlich das gesamte Leben durchdringt. Das Leben stellt uns beständig vor neue Aufgaben und Herausforderungen. Es gilt, immer wieder das richtige Maß zu finden und die innere Harmonie zu erhalten. Ist unsere Praxis auf der Yogamatte zu einfach, wirkt sich das im Alltag so aus, dass wir unvorbereitet an Aufgaben herantreten. Erst die intensive, fordernde Körperpraxis kann ein Trainingsfeld für diese Anforderungen werden.

Maßgeschneiderte Übungsserien

Wir können beruhigt sein: Ashtanga Yoga bietet für jeden immer wieder eine Bewegung oder Position, in der es schwer wird, die innere Balance zu finden. Seine Übungsfolgen sind darauf ausgerichtet, uns an einen Punkt der körperlichen Grenze und scheinbaren Unmöglichkeit zu führen – hier beginnt die Arbeit auf dem Yogaweg. Dabei sind die Möglichkeiten, eine Herausforderung zu finden, unendlich: „Jeder Mensch kann Yoga üben – solange er atmen kann“, so formulierte es Krishnamacharya. Einen erfahrener Lehrer schneidert aus den sechs traditionellen Übungsserien einen perfekt passenden Maßanzug für jeden seiner Schüler, egal ob dieser jung oder alt, sportlich oder unsportlich, gesund oder körperlich eingeschränkt ist.

Philosophischer Hintergrund: Von der Erfahrung der Rishis

Vor vielen tausenden Jahren, so berichtet eine Sage aus Indien, tauchten einige Menschen hinter den äußeren Schein unserer physischen Welt. Diese Rishis, wörtlich „Seher“, erfuhren eine ewige, göttliche Wahrheit. Inspiriert von dieser alles verändernden, neuen Sicht auf die Welt, suchten sie nach Wegen, ihre Erfahrung mit anderen Menschen zu teilen. Jedoch liegt die Essenz jenseits des Intellekts und Worte vermögen sie nicht zu beschreiben. Die Rishis begannen die Rhythmen der Welt zu Gesängen verdichtet an eine neue Generation von Menschen weiterzugeben. Auf diese Weise entstanden die Wurzeln der Traditionslinien des Yoga.

Der Tanz des Atems mit dem Körper

Mit der Zeit verfestigten sich einige Rhythmen und Gesänge zu den Texten der Veden. Viele andere wurden nie schriftlich festgehalten. Sie wurden ausschließlich mündlich überliefert – und die mystische Erfahrung des Yoga wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Manche der Rhythmen und Gesänge bedienten sich nicht einmal der Sprache, da die eigentliche Erfahrung nicht in Worten ausgedrückt werden kann. Wer in die Praxis des Ashtanga Yoga eintaucht, steht in dieser lebendigen Tradition. Die dynamische Praxis des Ashtanga Yoga ist ein mit Körper und Atem ausgedrückter Gesang, der den Rhythmus der Welt widerspiegelt. Durch konstante Praxis wird der Schlüssel zu dieser unmittelbaren Erfahrung weitergegeben. Tausende von Yogis erfuhren im Laufe der Zeit die Weisheit hinter dem Tanz des Atems mit dem Körper.


Der Sportmediziner Dr. Ronald Steiner zählt zu den bekanntesten Praktikern des Ashtanga Yoga. Die von ihm begründete AYInnovation®-Methode baut eine Brücke zwischen der Tradition und progressiver Wissenschaft, zwischen präziser Technik und praktischer Erfahrung. www.AshtangaYoga.info

Montags-Mantra: Schick die Ängste dahin, wo sie herkamen

Mantras sind Silben, Worte oder Verse, die sich durch ständiges Wiederholen im Hier und Jetzt manifestieren sollen:

„Shante Prashante Sarva Bhaya Upasha Mani Swaha“

Die ersten beiden Wörter sind uns Yogis allbekannt. Shanti und die Steigerung Prashante rufen die Kraft des Friedens, damit sich rings um uns ein heiliger und geschützter Raum aufbaut. Shanti steht auch in Verbindung mit dem lateinischen Wort „sancire“, was neben „heiligen und weihen“ auch mit „abgrenzen“ übersetzt werden kann und für Tempel und heilige Bezirke steht. In diesem Raum können wir alle (Sarva) Angst (Bhaya) aus unserem Geist (Manas) in den universellen, formlosen Geist zurücksenden.

Mit diesem Mantra schicken wir also unsere Ängste einfach dorthin zurück, wo sie hergekommen sind. Swaha! So sei es! Im Standardwerk über Mantras von Thomas Ashley-Farrand wird eine ganze Reihe von „negativen“ Zuständen aufgelistet, die anstelle von Bhaya in das Mantra eingesetzt werden, um sie dem universellen Geist im Raum des Friedens zur Umwandlung darzubieten. Durch die lange gehaltenen Asanas im Yin Yoga können Wut, Angst und dergleichen in uns aufsteigen. Nutzen Sie das Mantra anschließend.

Viel Spaß bei der Rücksendung von:

Krodha – Jähzorn
Mahna – Streitsucht
Mada – Hochmut
Matsarya – Neid
Moha – Einbildung
Lobha – Habgier
Kama – verzehrende Lust
Avish-Vasa – Misstrauen
Laja – Verlegenheit
Pishu-Nata – Unbeständigkeit
Irsha – Eifersucht
Dambha – Arroganz
Ahankara – Selbstgefälligkeit
Shoka – Gram
Kheda – Trübsinn
Sam-Brahma – Unruhe
Shu-Shupti – Trägheit
Vishada – Jammer


Philipp Stegmüller leitet Kirtan- und Bhajan-Veranstaltungen in und um München. Mehr Infos unter www.m-singing-circle.de

 

Dr. Ronald Steiner: Was ist Ashtanga Yoga?

Ashtanga Yoga
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Ashtanga zählt zu den dynamischen Yoga-Stilen. Dabei gehts es vor allem um das Zusammenspiel von Atmung, Körper und Geist. Dr. Ronald Steiner ist Sportmediziner und verbindet traditionellen Ashtanga Yoga mit innovativer Yogatherapie. Für uns geht er der Frage nach: Was ist Ashtanga Yoga?

Feuchtwarme Luft und das rauschende Geräusch fließender Atmung erfüllten den Raum. Menschen bewegen sich, jeder durch andere Positionen, einem vertrauten Ablauf folgend und jeder im Rhythmus seines eigenen Atems. Ein Lehrer wendet sich im Flüsterton einzelnen Übenden zu, erklärt etwas, hilft weiter. Sonst wird nichts gesprochen, jeder übt für sich.

Wir befinden uns in einer Ashtanga-Yogaklasse. Die traditionelle Unterrichtsform nennt sich Mysore Style. Benannt ist sie nach Mysore, einer Stadt in Südindien. Von hier aus verbreitete sich Ashtanga Yoga in der ganzen Welt. Mysore Style bedeutet, dass jeder Übende nach seinen Möglichkeiten innerhalb des Übungssystems des Ashtanga Yoga praktiziert. Der Schüler lernt individuell Übung für Übung von seinem Lehrer. In der allerersten Yogastunde wird nur ein kurzer Bewegungsablauf gezeigt – anschließend wiederholt der Schüler diesen, bis er mehr und mehr damit vertraut ist.

Im Laufe des Übungsprozesses hilft der Lehrer dabei, weitere Details zu erkennen, andere erschließen sich durch die Praxis von selbst. Wenn der Schüler dafür bereit ist, erweitert der Lehrer die Übungsfolge: Neue Bewegungen werden den bereits bekannten hinzugefügt und es entwickelt sich langsam eine umfangreichere und komplexere Übungspraxis. Dadurch kann der Praktizierende ganz allmählich tiefer in das Verständnis des Ashtanga Yoga eintauchen.

Die wichtigsten Techniken des Ashtanga Yoga

Asana:
Der wohl bekannteste Aspekt der Yogapraxis im Westen sind die Körperstellungen des Yoga, die eine Harmonie im physischen Körper herstellen. Im Übungssystem des Ashtanga Yoga ist eine große Anzahl von Positionen (Asanas) zu sechs schrittweise schwerer werdenden Übungsserien zusammengefasst.

Ujjayi:
Sicher einer der auffälligsten Aspekte im Ashtanga Yoga ist die hörbar rauschende Atmung. Der Atem legt den Rhythmus für die Bewegungen fest und dient als Konzentrationshilfe. Atem und Gedanken sind miteinander verbunden. Wird der Atem in ruhigem, gleichmäßigem Rhythmus geführt, kommen auch die Gedanken zur Ruhe.

Kumbhaka:

Wenn der regelmäßige Fluss des Atems erst einmal etabliert ist, unterbrechen fortgeschrittene Übende in einigen Körperhaltungen und für sitzende Atemübungen bewusst diesen Rhythmus: Der Atem wird angehalten und feinstoffliche Energie (Prana) durch den Körper geleitet.

Vinyasa:

Die Dynamik des Ashtanga Yoga entsteht, wenn Atem und Bewegung zusammenkommen. Dies ist die Basis für eine bewegte Meditation, denn sie hilft uns, die Achtsamkeit im Augenblick zu behalten. Auch wenn jede Bewegung anderen Bahnen und Gesetzen folgt, liegt darunter immer der gleichmäßige Atem, der sowohl in Tempo als auch Intensität nach Balance strebt.

Bandha:

Das deutsche Wort „Band“ ist etymologisch mit Bandha verwandt. Die Techniken von Bandha leiten – wie ein Band – die Energie durch den energetischen Körper. In erster Linie geschieht dies durch Konzentration und Vorstellungskraft. Subtile Muskelkontraktionen, die physische Auswirkung von Bandha, erleichtern die Konzentration und bilden die Grundlage für die Ausrichtung des Körpers in den verschiedenen Positionen.

Drishti:

Fokus- und Konzentrationspunkte vervollständigen die Techniken des Ashtanga Yoga. Die Sinnesorgane werden von der äußeren Welt abgezogen – weg von allen Ablenkungen, bewegt man sich in einen Zustand der Versammlung.

Geschichtliche Entwicklung: Verschlungene Wege einer lebendigen Tradition

Die europäische Fitness-Bewegung

Yoga ist im Grunde untrennbar mit der Fitness-Bewegung verbunden, die in Europa Ende des 19. Jahrhunderts aufkeimte. Die Ideale eines gesunden Körpers und Geistes wurden gepredigt. Zu dieser Zeit wurde körperliches Training Bestandteil einer ganzheitlichen Entwicklung des Menschen in Europa. Im Rahmen dieser Bewegung entstanden verschiedene Formen von Gymnastik, Turnvereine und ein echter Fitness-Kult. Von England aus wurde über Organisationen wie die YMCA und den CVJM das „neue“ Bild des Menschen, insbesondere seines physischen Körpers, auch in die Kolonien getragen. In Indien versuchte man bald, dem Westen nicht nur nachzueifern, sondern ihm eine authentische indische Form der Gymnastik entgegenzustellen. Die Zeit war reif für ein indisches, ganzheitliches, den Körper bejahendes, spirituelles und dennoch physisches Übungssystem.

Verschollene Tradition des Hatha Yoga

Diese Entwicklung war Grund genug für Krishnamacharya, die verschollenen Traditionslinien Indiens zu ergründen. Bereits im 6. Jahrhundert tauchte in Indien ein den Körper einbeziehendes spirituelles Übungssystem auf. Es basierte auf einer tantrischen Philosophie und war bald unter dem Namen Hatha Yoga bekannt. Ab dem indischen Mittelalter wurde diese Praxis allerdings wieder weitgehend verdrängt. Hatha Yoga war den Hindus zu körperbejahend, den Christen zu hinduistisch und den Engländern zu indisch. In Indien galt die Tradition deshalb als verloren. Nur neun Meister sollen in ihr praktiziert und sie gelehrt haben, bevor sie ohne Schüler in der Versenkung verschwand.

Tibetische Traditionslinien

Allerdings finden wir in Tibet etwa im 8. Jahrhundert Zeugnisse über ein Fortführen der Traditionslinie. Die Texte dieses tibetischen Yoga erweitern die im Indischen meist statische Übungsausführung – Bewegung, Atmung und Konzentration werden zu einer gemeinsamen Praxis verknüpft.

Am Fuße des Mt. Kailash

Für Krishnamacharya lag es demnach nahe, sich auf der Suche nach einer lebendigen Tradition eines Übungssystems, welches auch den physischen Körper einbezieht, in den Himalaya zu begeben. Im Jahr 1916, sagt man, sei er dreieinhalb Monate zu Fuß durch die Bergwelt geirrt, bis er am Fuße des Mt. Kailash in Tibet seinen Lehrer Ramamohan Brahmachari fand. Die folgenden siebeneinhalb Jahre verbrachte er bei ihm, um zu lernen, und wurde auf diesem Weg Teil der lebendigen, uralten Tradition. In diesen Jahren lernte Krishnamacharya dynamische Übungsfolgen, streng gehütete Techniken und tiefsinnige Philosophie von seinem Lehrer.

Mysore ab 1924

Nachdem er aus der Einsamkeit der Berge zurückgekehrt was, lebte Krishnamacharya ab 1924 in Mysore. Dort begann er das dynamische Übungssystem, das wir heute unter dem Namen Ashtanga Yoga kennen, weiterzugeben. Pattabhi Jois und B. N. S. Iyengar zählen zu seinen langjährigen Schülern. Als Krishnamacharya im Jahr 1955 Mysore verließ, blieben beide in der Stadt und setzten den Unterricht und die Tradition fort. Schüler dieser beiden Lehrer trugen Ashtanga Yoga in den Westen.

Wie Ashtanga Yoga in den Westen kam, wie es mit Patanjali Yoga verbunden ist und wie man die Praxis von der Matte ins Leben bringt, erfahrt ihr hier.


Dr. Ronald Steiner ist Arzt für Sportmedizin und zählt zu den bekanntesten Praktikern des Ashtanga Yoga. Die von ihm begründete AYInnovation®-Methode baut eine Brücke zwischen der Tradition und progressiver Wissenschaft, zwischen präziser Technik und praktischer Erfahrung. www.AshtangaYoga.info

Garudasana Asana im Fokus: Adler

Garundasana

Was bedeutet Garudasana? Garuda war mythischer König der Vögel, Flugtier des Gottes Vishnu. Der König der Vögel: der Adler. Asana heißt Haltung auf Sanskrit.

Schritt für Schritt in den Adler – Garudasana

  • Du beginnst jetzt im Stehen in Tadasana (Berghaltung). Beuge nun die Knie etwas, verlager das Gewicht auf den rechten Fuß und kreuze den linken Oberschenkel über den rechten. Die Zehen zeigen nach unten, wenn du nun den linken Fuß hinter dem rechten Fußgelenk einhakst. Ist dies nicht möglich, setze die Zehen an der Außenkante des rechten Fußes auf einem Block ab. Du balancierst nun auf dem rechten Bein. Dabei stabilisierst du dich, indem du das Steißbein nach unten und das Schambein zum Nabel ziehst und zugleich die Beine aneinander schiebst.
  • Strecke nun die Arme waagerecht nach vorn aus und ziehen die Schulterblätter weit auseinander. Dann kreuzt du den rechten Oberarm über den linken und winkelst die Unterarme nach oben ab. Schmiege den rechten Ellenbogen in die linke Armbeuge. Die Handrücken liegen nun aneinander.

Spüre rein: intensivieren oder aufhören

  • Wenn möglich intensivierst du die Armhaltung noch etwas, indem du die rechte Hand noch etwas nach rechts und die linke nach links ziehst, so dass die Handflächen einander wieder zugewandt sind. Drücke dann die Hände aneinander, so gut es dir möglich ist, hebe die Ellenbogen in die Waagerechte und strecke die Finger Richtung Decke. Dabei sind die Schultern gesenkt, der Blick geht geradeaus.
  • Bleibe jetzt 15 bis 30 Sekunden in der Haltung. Dann löst du die Armhaltung und kehrst zurück in Tadasana (Berghaltung). Anschließend übst du von dort aus du die andere Seite.

Tipps

Bei Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten, übe mit dem Rücken zur Wand. Dabei hat das Kreuzbein Kontakt zur Mauer. Um die Haltung zu intensivieren, kombinierst du sie mit einer Vorwärtsbeuge. Kippe dafür den Oberkörper mit einer Ausatmung nach vorn und schiebe die gekreuzten Arme gegen den oberen Schenkel. Nach einigen Atemzügen richtest du dich mit einer Einatmung wieder auf.

Wirkungen

  • dehnt und kräftigt Fußgelenke und Waden
  • dehnt Oberschenkel, Hüften, Schultern und oberen Rücken
  • verbessert Konzentration und Gleichgewicht
  • kann Spannungen im unteren Rücken lindern
  • kann bei Ischias-Beschwerden eingesetzt werden

Gegenanzeigen

  • Knieverletzungen (Beine nur einfach verkreuzen und mit Block üben, siehe Schritt 1)

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Pranayama im Yogasutra: Die Bedeutung der Atemübungen

Welche Bedeutung haben die Atemübungen für den Yoga-Unterricht? Patanjalis Yogasutra kann uns eine direkte Hilfe in unserer Yogapraxis sein. Denn Patanjali erläutert in seinem Yogasutra die Definition und den Inhalt von Pranayama (YS 2.49), also Atemübungen. Er beschreibt die Aspekte, die zum Erreichen des Zieles notwendig sind (YS 2.50 und 2.51), und die zu erwartenden Ergebnisse (YS 2.52 und 2.53).

Wenn der Geist zur Ruhe kommt

Pranayama ist das vierte Glied von Patanjalis Ashtanga Yoga. Im Sutra verweist er auf die Wirkungen, die sich durch Atemübungen erzielen lassen. Sie dienen dazu, einen Zustand zu erreichen, der im zweiten Sutra des ersten Kapitels als „citta vrtti nirodhah“ bezeichnet wird: Das Stillwerden der Aktivitäten des Mentalen. Citta bedeutet wörtlich „das Gewordene; das, was sich eingeprägt hat, was angelegt ist“ und beinhaltet Gedanken, Konzepte, Werte, Erfahrungen und Emotionen. Je mehr Bewegung, vrttis, desto trüber ist die Linse und desto starrer ist unser Blick auf die Welt. Das Stillwerden der vrttis (vrtti nirodhah) verbessert unsere Fähigkeit, Dinge in und um uns herum mit einem klaren Geist besser und umfassender zu verstehen. Erst wenn alle Prägungen des Egos überwunden sind und Stille einkehrt, ist die Wahrnehmung nicht mehr getrübt. Dann können wir unsere wahre Natur erkennen.

Nicht gut für uns: Unregelmäßige Atemmuster

Wenn unser Geist unruhig ist, drückt sich das in unserem Fühlen, Körper und Atem aus: „Leiden, Gemütsstörung, Körperschwäche, unnatürliches Ein- und Ausatmen sind die Begleiterscheinungen eines zerstreuten Geistes“ (YS 1.31, nach Deshpande/Bäumer). Ein solches Atemmuster – eine unregelmäßige, oberflächliche, kurze und unbewusste Atemqualität – nennt Patanjali „svasa-prasvasa“.

Auch interessant: Pranayama einfach erklärt – Atemübungen für jeden

Ruhiger Atem, ruhiger Geist

Der Atem ist also Ausdruck für die Unruhe unseres Geistes. Im Alltag ist unser Atem in der Regel unbewusst, unregelmäßig und rau. Damit der Atem lang, regelmäßig und fein, (dirgha und suksma) werden kann (YS, 2.50), muss zuerst das negative Atemmuster (YS 2.49) durchbrochen werden. Wie der Weg zu einem langen und feinen Atem aussieht, zeigt Patanjali in YS 2.50: Zuerst soll das Ausatmen bewusst vollzogen und dann verfeinert werden. Wenn der Ausatemzug lang ist, kann mit dem Verändern des Einatemzuges begonnen werden. Sind Aus- und Einatemzug gleichermaßen regelmäßig und fein, kann der Atemrückhalt geübt werden, während der Geist sich auf einen gewählten Konzentrationspunkt ausrichtet (beispielsweise den Ton in der Kehle bei der Ujjayῑ-Atmung oder die Bewegung im Bauchraum). Wird der Atem ruhig, beruhigt sich der Geist. Die Ausrichtung des Geistes schließlich öffnet das Tor zur Meditation und ermöglicht die Erfahrung von Samadhi.

Atemwahrnehmung für viele Änfänger nicht besonders attraktiv

Patanjali schreibt in YS 2.49, dass man erst dann (tasmin sati) mit Pranayama beginnen soll, wenn man die Asanas in der beschriebenen Weise ausführen kann. Das bedeutet, dass uns die Asana nicht von der Ausrichtung auf den Atem ablenken darf. Der Körper soll nicht nur nicht stören, sondern auch die Voraussetzung bieten, damit wir uns über längere Zeit der Atemregulierung zuwenden können. In der Unterrichtspraxis mache ich immer wieder die Erfahrung, dass die Atemübungen eine bereits verfeinerte Wahrnehmung erfordern, damit kleinste Unterschiede in der Qualität des Atems überhaupt gespürt werden. Anders als bei den Körperhaltungen ist die Atemwahrnehmung alleine für viele Änfänger nicht besonders attraktiv. Deshalb halte ich die Erfahrungen über den Körper durch eine dynamische und statische Asana-Praxis für einen sinnvollen und wichtigen Schritt: Sie schaffen die Bereitschaft, sich auf die subtile Erfahrung des eigenen Atems einzulassen.

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Atem nimmt Einfluss auf vegetative Prozesse im Körper

Heute weiß man, dass das Atemzentrum eine wichtige Schaltstelle vegetativer Regulationen ist, die sowohl neurale als auch hormonelle Prozesse umfassen. Der Atemrhythmus ist sehr eng mit der Aktivität des Sympathikus und des Parasympathikus verbunden. Deshalb ist der Atem ein sehr wirksames Mittel, um auf vegetative Prozesse im Körper Einfluss zu nehmen: Der Geist wird gesammelt, ausgerichtet und beruhigt (geleert); die Wahrnehmung wird verfeinert; physische und psycho-mentale Blockaden können sich lösen; die Energie kommt in Fluss; die Widerstandsfähigkeit und Belastbarkeit werden erhöht; das Wohlbefinden im Allgemeinen wird verbessert.


Autorin Lucia Nirmala Schmidt ist Yogalehrerin BDY/EYU, Atemtherapeutin, Beraterin für Psychosomatische Medizin (nach Dr. Ruediger Dahlke) und Buchautorin. Sie leitet weltweit Seminare, Workshops und Retreats und unterrichtet an ihrem Ausbildungsinstitut BodyMindSpirit in Zürich.

Amerikanische Popovers

Ergibt 24 Stück

Popovers sind die amerikanische Version des britischen Yorkshire Pudding. Die kleinen Käsebällchen mit geschmolzenem Cheddar und einem Hauch Schärfe sind heiß oder kalt ein Genuss. Ein idealer Snack, der Ihre Küche nach einem ausgedehnten Herbstspaziergang zum Duften bringt.

  • 1 TL Butter oder Margarine
  • 3 große Eier
  • 300 ml lauwarme Milch
  • 150 g Mehl
  • ½ TL Salz
  • 1 Prise schwarzer Pfeffer
  • 1 Prise Cayennepfeffer
  • 170 g geriebener Cheddar-Käse
  • 50 g frischer, geschnittener Schnittlauch
  • optional etwas Paprikagewürz zum Bestäuben

Heizen Sie den Ofen etwa 30 Minuten lang auf maxi-male Temperatur vor. Um sicherzugehen, dass die Bällchen schön aufgehen, sollten die Eier Raumtemperatur haben und die Milch etwas vorgewärmt sein. Bestreichen Sie ein Muffin-Backblech mit 24 kleinen Mulden mit etwas Butter oder Margarine. Schlagen Sie die Eier mit einem Rührgerät oder dem Schneebesen schaumig. Rühren Sie nun die lauwarme Milch unter und geben Sie erst Mehl, Salz und Pfeffer dazu, anschließend den Käse und den Schnittlauch.

Verteilen Sie den Teig bis knapp unter den Rand in die einzelnen Mulden der Muffinform. Platzieren Sie das Blech auf einem Rost im unteren Drittel des Ofens und backen Sie die Bällchen etwa 15 Minuten lang bei 230 Grad. Danach reduzieren Sie die Temperatur auf 175 Grad und lassen die Popovers noch einmal 5 bis 10 Minuten backen, bis sie goldbraun sind.

Nehmen Sie die Bällchen sofort aus der Form, um zu vermeiden, dass sie darin hängen bleiben. Wer sie etwas würzig haben möchte, kann sie nun mit Paprika bestäuben.