Yoga People: Sarah Schütz

Tanzen, Singen, Yoga

Die glanzvolle Welt des Musicals ist die künstlerische Heimat von Sarah Schütz. Als Hauptdarstellerin des Musicals „Ich war noch niemals in New York“ steht sie permanent im Rampenlicht: singen, tanzen, schauspielern, dabei gut aussehen, die Nerven behalten – und in Balance bleiben dank Yoga.

„Willkommen, bienvenue, welcome“. Schauplatz Deutsches Theater München. Glamourös ist die Umgebung erstmal nicht, aber wir befinden uns ja vorerst noch hinter den Kulissen des Musicals „Ich war noch niemals in New York”, einem Streifzug durch die größten Udo-Jürgens-Hits. Populäre Themen, eine Prise Gesellschaftskritik, große Gefühle, eingängige Melodien und perfekte Unterhaltung – die Qualität eines typischen Udo-Jürgens-Songs gilt auch für das Genre, in dem Sarah Schütz zuhause ist. Unter anderem an der Bayerischen Theaterakademie „August Everding” im klassischen Musical ausgebildet, spielt sie in der Erfolgsproduktion die Lisa Wartberg, eine berühmte und leicht verspannte Moderatorin, die nur ein Ziel vor Augen hat: die ganz große Karriere. Dabei geht sie allem aus dem Weg, was hinderlich sein könnte. Erlösung naht, wie könnte es anders sein, in Form von Mr. Right.

Schütz: „Um Kitsch zu vermeiden, muss ich an mein Zentrum kommen“

Die Künstlerin, die wir in ihrer Garderobe treffen, strahlt echten Glamour aus – keinen glatten, standardisierten Hochglanz, sondern Konzentration, Zugewandtheit, Wärme: yogischen Glamour. Um die körperliche Hochleistung erbringen zu können, die ihr ihre aktuelle Rolle abverlangt, übt sie regelmäßig Yoga: vor und nach ihren Auftritten (und innerlich eventuell sogar währenddessen?). Als Darstellerin sind ihr Authentizität und Glaubwürdigkeit der Personen wichtig. „Dazu muss ich mich selbst in Ruhe kennenlernen, wissen, wie ich funktioniere und was gut für mich ist”, erklärt die Wahl-Berlinerin. „Aus der richtigen Balance zwischen Ausgedachtem, mir selbst und meinem Erfahrungshorizont möchte ich wahrhaftige Charaktere erschaffen. Um Kitsch zu vermeiden, muss ich an mein Zentrum kommen.”
Ihre Stimme weckt sie vor einem Arbeitstag mit Gesangsübungen auf, ihren Körper durch Asanas, vornehmlich Hatha Yoga und Sonnengrüße. Die Praxis hat sie bereits während der Musicalausbildung kennen-gelernt, eine Mitstudentin war „so entspannt und geerdet”, was sie sehr angezogen und zum Mitüben motiviert hat. Im allzu formalen Ballett-Training konnte sie sich nicht wirklich fallen lassen konnte, in den Fünf 
Tibetern und im Kundalini Yoga fand sie dagegen eine für sie perfekte Bewegungsform: „Als Leistungstyp stehe ich von Natur aus eher unter Spannung, ich brauchte schon früh mehr Dehnung und Geschmeidigkeit. Daher wollte ich etwas machen, was für den Auftritt nicht unmittelbar Sinn macht, sondern was ich einfach machen möchte.”

Wechselspiel zwischen Hingabe und Loslassen

Dynamisches Yoga als Energielieferant für jemanden, der auf der Bühne alles gibt, und Yoga Nidra, um nach dem künstlerischen „High” in die Stille zu kommen und den Körper anders zu spüren: Lebenselixier für Sarah Schütz. „Als Darstellerin arbeite ich natürlich auf Aufmerksamkeit hin. Die Zeit unmittelbar nach dem Auftritt wirkt da wie ein Entzug. Wichtig ist es, die Rolle und das Leben nicht zu sehr zu vermischen und mir etwas zu bewahren, aus dem ich schöpfen kann, wenn ich ausgelaugt bin.” Gleichzeitig singen und tanzen, oft auf hohen Schuhen, Ensemblearbeit und ein enormes zeitliches Pensum in wechselnden Städten: Bei einer solchen Belastung kontrahieren nicht nur die Muskeln, auch Ehrgeiz, hohe Erwartungen an sich selbst und der Spaß an der Verausgabung erfordern ein hohes Maß an Rückführung, Entspannung. Nach der „ruhigen Energie” Münchens geht Sarah Schütz mit „Ich war noch niemals in New York” auf Deutschlandtour – November/ Dezember gastiert das berühmte Musical noch in Essen. „Ich finde es toll, dorthin gekommen zu sein, wo ich jetzt bin”, sagt Sarah Schütz. „Aber ich weiß, dass das nicht alles ist, was mich ausmacht. Es ist ein Wechselspiel zwischen Hingabe und Loslassen, in dem ich mich selbst mit Inspiration füllen und nicht warten möchte, dass jemand anderes es tut.”


Foto: Stefanie Kissner/ Stefaniekissner.com

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