Lust auf Linsen – Wie passt Dal und Yoga zusammen?

Was den Italienern ihre Pasta, ist den Indern ihr Dal. Hier erfahren Sie, warum der wärmende, sättigende Eintopf in seinen vielen Varianten auch unter Yogis so beliebt ist.

Ich erinnere mich noch gut an den besonderen Geruch des Ashrams, in dem ich Anfang zwanzig lebte. Bald fand ich heraus, dass er sich zu gleichen Teilen aus Räucherstäbchen, der göttlichen Präsenz und Dal zusammensetzte – dem würzigen, suppenartigen Eintopf aus Hülsenfrüchten, der weit über die Grenzen Indiens hinaus beliebt ist. Der dem Ashram-Leben geschuldete Verzicht auf Knoblauch und Zwiebeln (sie stehen bei strengen Yogis im Verdacht, Agni, das „innere Feuer“ auf ungewünschte Art anzuregen) tat dem Geschmack keinerlei Abbruch: Nichts konnte mich am Ende eines langen Nachmittags voller Asanas und Karma-Dienst glücklicher machen, als meinen Löffel in den duftenden, würzigen Brei zu tauchen – eine cremige Symphonie aus weich gekochten Split-Linsen, Kurkuma, Kreuzkümmel, Koriander und Ingwer, serviert auf einem Bett aus dampfendem Basmatireis. Und genau so, wie ich mich nach meiner ersten Yogastunde genährt, zufrieden und ein bisschen angefixt gefühlt hatte, empfand ich auch den Genuss des Dal: Es war das befriedigende Gefühl, mir etwas richtig Gutes zu tun.

Heute weiß ich, dass die heilende und nährende Wirkung von Dal nicht nur dem Zauber des Ashrams (und meinem Mangel an Zucker und Sex) zu verdanken war: Dal ist seit jeher ein klassisches Yogi-Gericht, denn es gehört zu den so genannten sattvischen Nahrungsmitteln. Genau wie Ghee (geklärte Butter), Kräutertee, Honig oder frisches Gemüse gilt auch Dal als „rein“ und soll Sattva, also Harmonie, Frieden und Gleichgewicht, fördern. Den Hintergrund erklärt Kantha Shelke, Ernährungswissenschaftlerin und Yogini aus Chicago: „Die Yogaphilosophie meidet das Übermaß und spricht sich für Mitahara, eine maßvolle Ernährungsweise, aus.“ Das günstige, nährstoffreiche Dal passt wunderbar in dieses Konzept. Shelke schwärmt: „Die geballten Nährstoffe des Dal und die aromatischen Gewürze nähren sowohl den Körper als auch die Sinne.“ In anderen Worten: das perfekte Gericht für Menschen, die Körper und Leben ins Gleichgewicht bringen möchten – also das perfekte Gericht für Yogis.

Ein Hoch auf Hülsenfrüchte

Ähnlich wie Yoga ist Dal in Indien allgegenwärtig. Kein Wunder: Der Hauptbestandteil (verschiedene Arten von Hülsenfrüchten, meistens Linsen) ist günstig, vegetarisch und dennoch proteinreich und dabei ganz einfach zuzubereiten. Ein Grundnahrungsmittel für Arm und Reich, Alt und Jung. Die erste feste Nahrung indischer Babys besteht in der Regel aus einem wässrigen Mungbohnen-Dal ohne Gewürze. Laut Ayurveda, der alten indischen Heilkunst und Schwesterwissenschaft des Yoga, eignet sich Dal für alle drei Doshas (Konstitutionstypen) und wird sogar als Medizin eingesetzt: Man behandelt Bauchschmerzen oder grippale Infekte zumindest teilweise mit Dal.

Yogis nutzen Kitchari, ein würziges Dal aus Linsen, Reis und Ghee, während spezieller Fastenkuren oder um das Fasten zu brechen. Jede Region und jede Familie kennt unzählige verschiedene Dal-Gerichte. Auch wenn dabei immer dieselben vier bis fünf Sorten von Hülsenfrüchten zum Einsatz kommen, sorgt das variantenreiche Tarka, die scharfe Mischung aus Gewürzen und Öl, für Abwechslung. In Südindien findet man zum Beispiel Sambar, ein Dal aus gelben Linsen (Toor Dal, eigentlich geschälte, gespaltete Straucherbsen) oder Kichererbsen (Chana Dal) mit Gemüse. Ein südindisches Tarka enthält in der Regel Senfsamen und Curryblätter. Weiter im Norden, etwa im Punjab, besteht das typische Tarka aus Kreuzkümmel, Zwiebeln, Ingwer, Knoblauch und etwas Garam Masala – eine wärmende Mischung für kühleres Klima. An der tropischen Küste im kokosnussreichen Kerala wird Dal auch mal mit Kokosmilch zubereitet.

Dal selber kochen

An der Wahl der Hülsenfrüchte kann man nicht nur die regionale Herkunft festmachen, sie bestimmt auch Zubereitung und Nährstoffgehalt: Je naturbelassener die Hülsenfrucht, desto länger die Kochzeit und höher der Nährwert. Und auch wenn Dal im Sanskrit „teilen“ oder „aufspalten“ bedeutet, werden manche Hülsenfrüchte doch im Ganzen gekocht. Die lachsfarbenen roten Split- Linsen (Masoor Dal) zum Beispiel zerfallen nach etwa 12 Minuten zu Brei. Es gibt sie aber auch im Ganzen und ungeschält. Dann sind sie braun und brauchen mehr als 45 Minuten, um gar zu werden.

Im Westen lernt man, Linsen bissfest zu kochen, in Indien bevorzugt man dagegen eine breiartige Konsistenz – also weg mit der Vorstellung vom Linsensalat und eher orientieren an Haferbrei. Um einen simplen Linsenbrei in ein unvergessliches Geschmackserlebnis zu verwandeln, sollten Sie sich beim Kochen vor allem auf das Tarka konzentrieren. Doch Vorsicht: Zu lang angebraten, verwandelt sich die köstlichste Gewürzmischung in bittere, verkohlte Reste; zu kurz angebraten können sich die Aromen nicht ausreichend entfalten. Damit das Tarka optimal gelingt, gilt folgende Faustregel: Die Tarka-Zubereitung dauert insgesamt maximal 2 bis 3 Minuten. Sobald das Öl oder Ghee heiß ist, geben Sie die ungemahlenen Gewürze wie Koriander- und Kreuzkümmelsamen in der angegebenen Reihenfolge hinein und warten, bis sie anfangen zu knistern. Nach 30 bis 40 Sekunden bei mittlerer oder starker Hitze, wenn die Gewürze rötlich-braun werden und duften, fügen Sie Zwiebeln, Ingwer und/oder Knoblauch hinzu. Ganz zum Schluss kommen die Gewürze in Pulverform in die Pfanne, die schnell anbrennen.

Anupy Singlas Familie, bei der es jeden Abend irgendeine Form von Dal gibt, beschwert sich manchmal: „Schon wieder Linsen?!“ Aber das variantenreiche Aufeinandertreffen von Linsen und Tarka hat geschmacklich etwas so Magisches, dass die Familie immer wieder einlenkt, sobald das Essen beginnt. „Das faszinierende Zusammenspiel der Aromen macht einfach süchtig.“ Mit diesen vier einfachen Rezepten von Anupy Singla dampfen schon bald auch in Ihrer Küche Schalen mit köstlichem Dal.

Massage oder Kollision – Richtiges Üben

Was macht das Üben gesund? Und was ist schädlich? In diesem Artikel vertieft unser Anatomie-Experte Ronald Steiner die Thematik von Zug und Druck in der Bewegung.

Sich zu bewegen ist gesund – das weiß heute jeder. Muskeln und Bindegewebe brauchen das Wechselspiel aus Spannung und Druck, um elastisch und gesund zu bleiben. Begibt man sich beispielsweise in eine Vorwärtsbeuge, so entsteht auf der Rückseite des Körpers Zug. An der Vorderseite wird das Gewebe hingegen zusammengedrückt (Abbildung 1). Bei diesem Wechselspiel wirkt der Druck wie eine sanfte Massage und hilft, Muskeln und die umhüllenden Faszien gesund zu erhalten. Ganz ähnlich gilt dieses Prinzip für fast alle Bewegungsmuster im Yoga.

Abb1

Warum Yogahaltungen gesund sind

Am besten erschließt sich das Zusammenspiel von Zug und Druck beim achtsamen eigenen Üben. Am Beispiel einer Vorwärtsbeuge können Sie sehr gut beobachten, ob Bereiche Ihres Körpers einen sanften Druck erfahren und welche Bereiche das sind. Vielleicht drücken die Rippen oder der Bauch auf die Oberschenkel? In beiden Fällen können Sie ruhig atmen und die wohltuende Massage genießen. Dabei wird Flüssigkeit aus dem Gewebe heraustransportiert und neue Nährstoffe können anschließend einströmen. Zusätzlich fördert die Massage die Durchblutung der Muskulatur und verbessert die Regeneration. Wenn Sie möchten, gehen Sie nach und nach tiefer in die Position hinein.
Manchmal können Sie sich durch eine kleine Veränderung der Haltung auch mehr Bewegungsspielraum schaffen. Wenn beispielsweise der Druck zwischen Bauch und Oberschenkel unangenehm intensiv ist, dann können Sie die Beine ein wenig auseinanderrücken. In jedem Fall hilft es in der Vorwärtsbeuge, die Muskeln an der Rückseite des Körpers etwas zu aktivieren. Über einen Reflex, die so genannte Reziproke Hemmung, entspannt dann die Muskulatur an der Vorderseite ihres Körpers. Sie wird weicher und kann dem Druck leichter nachgeben. Dadurch wird die Massage intensiviert (Abbildung 2):

ABB2

 

Das Hüftgelenk in der Vorbeuge ist dabei nur ein Beispiel. Das Prinzip der Gewebsmassage durch Druck funktioniert bei vielen Übungen und in ganz verschiedenen Körperbereichen. Bei den verschiedenen Varianten des Drehsitzes beispielsweise drückt der Oberschenkel oder ein Fuß gegen den Bauch. Auch hier kann die Vorstellung helfen, sich aus der Position „herauszudrücken.“ Dazu aktivieren Sie Beinrückseiten und Rücken und entspannen im Gegenzug Bauch und Oberschenkelvorderseiten. So kann die massierte Muskulatur lockerlassen und mehr Raum ermöglichen.ABB2

Kollisionen vermeiden und Gelenke gesund erhalten

Beim genauen Hinspüren in den verschiedenen Yogahaltungen nehmen Sie aber nicht immer nur massierenden Druck oder dehnenden Zug wahr. Ganz wichtig ist es, diese wohltuenden Empfindungen davon zu unterscheiden, wenn es irgendwo im Körper beginnt zu „klemmen“ und Knochen auf Knochen trifft. Am Beispiel der Vorwärtsbeuge und der Hüftgelenke würde das typischerweise an der Innenseite des Hüftgelenks passieren. Hier kann der Oberschenkelhals hart mit dem Pfannenrand in Kollision kommen. Wir Ärzte nennen diesen Zustand ein „inneres Impingement“. Hier sollten Sie unbedingt die Bewegung zurücknehmen. Der Pfannenrand wird von einer filigranen Gelenklippe umhüllt. Beim wiederholten Einklemmen kann sich diese entzünden, spröde werden und schließlich einreißen. Die Folge sind nicht nur Schmerzen am Hüftgelenk, sondern auch eine ernstzunehmende Schädigung des Gelenks. Man wird dabei auch nicht beweglicher, ganz im Gegenteil: Durch die Entzündung und Gelenkschädigung verdickt sich der Pfannenrand. Die Beweglichkeit wird immer weiter eingeschränkt und die Kollision tritt schon früher in der Bewegung auf. Ein Teufelskreis also.
Am besten Sie lassen es gar nicht so weit kommen. Sobald es irgendwo im Körper „klemmt“ und Knochen auf Knochen trifft, sollten Sie drei wichtige Punkte beachten:

1. Lösen Sie sich ein wenig aus der Position heraus.

2. Bewegen Sie sich so, dass Sie das Hindernis der Kollision gewissermaßen umgehen.

3. Zentrieren Sie den Gelenkkopf im Gelenk. In der Vorwärtsbeuge und bezogen auf das Hüftgelenk können Sie das erreichen, indem Sie den Oberschenkelkopf bewusst nach hinten ziehen. Ein Gefühl, als wollten Sie Ihr Bein verkürzen (Abbildung 3).

Abb3

 

Auch hier ist das Hüftgelenk nur ein Beispiel. Ein inneres Impingement, also eine schädigende Kollision am Gelenk-rand, ist bei nahezu jedem Gelenk möglich. Daher gilt ganz allgemein: Eine Aktivierung der tiefsten Muskulatur an der Außenseite der Bewegung holt das Gelenk aus der Kollision heraus und zentriert den Gelenkkopf besser in seiner Gelenkpfanne.
Wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit einmal dafür geschärft haben, wird dieses Prinzip der Ausrichtung in den verschiedensten Yogahaltungen mit der Zeit ganz selbstverständlich werden. Kollisionen von Knochen, bzw. ein inneres Impingement, werden kaum auftreten und Sie können mit vollem Bewusstsein in der Yogapraxis eine wohltuende Massage des ganzen Körpers genießen.

Viel Freude beim Üben!


Dr. Ronald Steiner ist Arzt für Sportmedizin und zählt zu den bekanntesten Praktikern des Ashtanga Yoga. Sein Unterricht baut eine Brücke zwischen angewandter Anatomie und lebendiger Philosophie, präziser Technik und praktischer Erfahrung. Mit viel Präzision und Praxisnähe unterrichtet er bei Aus- und Weiterbildungen Anatomie, Alignment und Yogatherapie.

Johanna Schuhbauer

Triyoga® nach Kali Ray

Atmung , Bewegung und Mudras verbinden sich auf harmonische Weise zu einem Tanz aus Leichtigkeit, Kraft und Flexibilität. Durch die langsamen , mit der Atmung ausgeführten Flows entsteht immer mehr ein Zustand von „Meditation in der Bewegung“ durch die der Übende Ruhe und Energie im harmonischen Ausgleich erleben kann. Ist der Körper durch die Flows genügend aufgewärmt und in der Ausrichtung vorbereitet werden die Asanas gehalten.
Während einer Triyoga Einheit wird besonderer Wert auf die meditative und ruhige Atmosphäre im Raum gelegt, die jedoch individuell viel Freiraum lässt. Die Flows können öfters wiederholt werden , die Asanas individuell angepasst oder einfach nur in einer Ruheposition ausgeruht werden. Auf diese Weise können Übende mit ganz unterschiedlicher Vorerfahrung zusammen im Flow bleiben .

Johanna Schuhbauer auf der Yoga World 2020 in München:

Samstag, 18. Januar // 17:15 – 18:00 Uhr // Triyoga® Flow // Ganesha Yogaspace


Der Wunsch nach Freiheit

Origami Kranich Papier Freiheit
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Wunschlosigkeit ist laut Patanjali eine der Voraussetzungen für Erfolg im Yoga. Warum scheinen unsere Wünsche und Bedürfnisse dann manchmal eher größer zu werden, nachdem wir mit der Praxis begonnen haben?

Wann haben Sie das letzte Mal innerlich die Fäuste zum Himmel gereckt und genervt gerufen: „Oh nein, nicht schon wieder!“ oder „Irgendwann muss doch mal Schluss sein…“? Noch gar nicht so lange her? Das ist ein gutes Zeichen; möglicherweise sind Sie schon auf dem richtigen Weg! Manchmal wundern sich Yogis, dass sich – auch wenn die Lebensqualität durch Yoga allgemein zunimmt – bestimmte Dinge nicht ändern, oder sogar schlimmer zu werden scheinen. „Ich habe früher nie so viel Schokolade gegessen“ ist nur ein kleines harmloses Beispiel dafür. Es gibt Yogalehrer, die ganz andere Substanzen zu sich nehmen und auch ich habe meine persönlichen Muster, um mich vor meinen Gefühlen zurückzuziehen. Die gute Nachricht ist: Langfristig wird uns die Flucht nicht gelingen. Wenn wir tief in uns wirklich den Wunsch nach Befreiung haben, wird das Leben auch dafür sorgen, dass wir ausreichend Gelegenheit bekommen, diese zu erfahren. Auch wenn das heißt, dass wir dazu liebgewordene Dinge loslassen müssen.

Obwohl Krishna in den alten Geschichten aus Indien meist für die reine und ungezügelte Lebensfreude steht, gibt es eine Begebenheit, bei der sich sein Segen auf sehr eigenartige Weise zeigte: Am Ende eines ausgedehnten Spaziergangs mit Arjuna kamen sie eines Abends etwas hungrig in einem kleinen Dorf an. Im Haus eines reichen Händlers wurde gerade ein großes Fest gefeiert und so fragte Krishna nach etwas zu essen für sich und seinen Freund. „Verschwindet, arbeitsscheues Gesindel!“, war die einzige Antwort. „Ist nicht vielleicht ein kleiner Bissen übrig?“, fragte Krishna nochmals; aber schon flogen die ersten Steine. Sie erkannten, dass es besser war, schnell zu verschwinden. Sie liefen ein kurzes Stück und Krishna rief: „Möge sich der Reichtum dieses Mannes verzehnfachen! Möge er statt zehntausend hunderttausend Goldstücke sein Eigen nennen!“ Arjuna wunderte sich. Sie gingen einige Meter weiter und kamen zum Haus eines armen Mannes. Die Tür öffnete sich und die beiden wurden herzlich hereingebeten. Als Arjuna sich umsah, erkannte er, dass der Mann nur eine einzige Kuh besaß, deren Milch er nutzte, um Käse zu machen. „Könnten wir vielleicht etwas zu essen bekommen?“, fragte Krishna höflich. Der Mann gab ihnen alles, was er an Käse hatte. „Wunderbar!“, freute sich der schwarze Gott. Arjuna war es sehr peinlich, dass sein Freund wirklich alles aufaß, was der arme Mann besaß. „Ist denn auch noch etwas zu trinken da, guter Freund?“, fragte Krishna nun. Arjuna sah, dass der Mann zur Vorratskammer ging, wo er die Milch aufbewahrte, die er am nächsten Tag verarbeiten wollte. Er zögerte kurz, gab Krishna dann aber alles, was er hatte. Arjuna wäre vor Scham am liebsten im Boden versunken, weil sein Freund die ganzen Vorräte des armen Mannes verzehrte und sich dann nur mit einem kurzen „Leben Sie wohl, guter Herr!“ verabschiedete. Nach nur wenigen Schritten rief Krishna plötzlich laut aus: „Möge die Kuh dieses Mannes heute Nacht sterben.“ Jetzt reichte es Arjuna. „Du bist mein Freund gewesen! Ich verstehe nicht, wie du so herzlos sein kannst.“

Wann ist bei Ihnen das letzte Mal etwas zu Bruch gegangen, an dem Sie sehr gehangen haben? Waren Sie in der Lage, das als Segen zu sehen? Rings um uns herum sehen wir Menschen, die „Bestellungen beim Universum“ aufgeben und prompt bekommen, was sie wollen – wie der reiche Händler in der Geschichte, der eigentlich gar nichts Ehrbares getan hat. Warum funktioniert das bei anderen und nicht bei uns? Nun, wie schon gesagt: Vielleicht sind Sie näher „dran“, als Sie denken. Je mehr wir uns der Praxis des Yoga widmen, desto größer wird in der Regel der Wunsch nach Freiheit. Und bei der Verwirklichung dieser Wünsche hilft uns unser (inneres) Universum. Krishna erklärte seinem Freund: „Der reiche Mann wünschte sich so sehr Gold und Geld. Solange das sein größter Wunsch ist, schenke ich es ihm, bis er endlich von selbst merkt, dass er es eigentlich gar nicht braucht. Der arme Kerl mit der Kuh wünschte sich nichts sehnlicher, als zu mir zu kommen. Aber er hatte noch Angst, seinen letzten Besitz zu verlieren. Also tat ich ihm den Gefallen, ihn darum zu erleichtern.“ Was wie ein Fluch aussah, war tatsächlich ein Segen. Aber bevor Sie jetzt all Ihr Hab und Gut weggeben und ins Kloster gehen: „Loslassen“ heißt nicht „abschneiden“. Die wenigsten Menschen kommen in den Himmel, nur weil sie ihren Besitz verschenken oder sagen: „Ich hab es so oft mit einer Beziehung versucht, das ist einfach nichts mehr für mich.“ Ich halte es für ein sehr verkürztes Verständnis von „Gott“, wenn man denkt, man würde in irgendeiner Weise durch Verzicht erlöst. Vielmehr scheint es mir so zu sein, dass wir uns wirklich damit auseinandersetzen müssen, was in unserer Seele vorgeht, wenn wir bemerken, dass uns etwas „fehlt“. Weder ist „Entsagung“ durch das Abschneiden der Wünsche eine Lösung, noch ihnen immer wieder aufs Neue nachzugeben. In diese Falle tappen gerade Yogis leicht. „Ich muss jetzt auch mal etwas für mich tun“, oder „Ich muss gut für mich selbst sorgen“. Und schwupp! ist die nächste Tafel Schokolade aufgerissen oder ein anderes altes, wohlbekanntes Muster reaktiviert …

Was uns wirklich Frieden bringt, ist: tiefer zu schauen, woher diese Wünsche eigentlich kommen. Dadurch dringen wir zu den Anteilen von uns selbst vor, die uns manchmal schon früh verloren gegangen sind und die tatsächlich große Wünsche nach Zuwendung haben. Diesen Teilen unserer Seele zuliebe können wir mit destruktiven Verhaltensmustern aufhören. „Loslassen“ allein ist kein Ticket zur Erleuchtung. Wenn wir aber die Gründe erkennen, warum wir bestimmte Situationen immer wieder erleben, uns den dahinter verborgenen Gefühlen stellen und diese aushalten, wird es leichter, den Erlebnissen mit einem neuen, reifen Verhalten zu begegnen. Dann können wir wirklich „loslassen“. Dann sind wir im Himmel.

7 Dinge für den perfekten Start in den Tag

Wer kennt sie nicht, die Redensart „Morgenstund‘ hat Gold im Mund“? Damit sich dies für Sie auch wirklich bewahrheitet, haben wir Ihnen 7 Tipps für einen perfekten Start in den Tag zusammengestellt.

1. Move, it. Move it!

Beginnen Sie den Tag mit einer kurzen Yoga-Praxis. Fangen Sie schon im Bett mit sanften Bewegungen an, indem Sie sich ausgiebig räkeln und strecken. Nach dem Aufstehen bringen Sie Ihren Kreislauf am besten mit ein paar Sonnengrüßen und Haltungen, die Ihnen gut tun, in Schwung. Sie können die Dauer und Bewegungsabläufe Ihrer Morgen-Session natürlich von Tag zu Tag variieren. Hauptsache, Sie fühlen sich wohl dabei.

2. Sauer macht lustig.

Trinken Sie ein großes Glas Leitungswasser mit frisch gepresster Zitrone – es entgiftet, erfrischt und versorgt Sie mit ausreichend Vitamin C.

3. Kalt macht wach.

Eine kalte Dusche belebt müde Geister. Besonders wirkungsvoll sind warm-kalte Wechselduschen. Beenden Sie diese immer mit einem kalten Gang.

4. Gesundes Frühstück

Nehmen Sie sich die Zeit für ein gesundes, nahrhaftes und abwechslungsreiches Frühstück. Wählen Sie hierfür frische Früchte der Saison (besonders lecker als Smoothie) und machen Sie ausnahmsweise mal keinen Bogen um kohlenhydratreiche Nahrungsmittel. Sie brauchen ja schließlich Energie für den Tag.

5. Munter mit Matcha
Eine Matcha-Latte ist die perfekte Alternative zur morgendlichen Tasse Kaffee. Das fein gemahlene Grüntee-Pulver schmeckt besonders gut mit aufgeschäumter Vanille-Soja-Milch, ist schnell zubereitet und macht wirklich wach.

6. Pas de stress, s’il vous plaît!
Sparen Sie sich frühe Suchaktionen und Entscheidungen, die unnötig Zeit kosten. Bereiten Sie Ihr Outfit und die Unterlagen, die Sie am nächsten Tag benötigen bereits am Abend vor. Auch das Frühstücks-Geschirr können Sie sich schon bereitstellen.

7. Organisation ist alles.

Gehen Sie kurz in sich und setzen Sie sich Ihre Tagesziele. Schreiben Sie auf, was Sie sich für den Tag vornehmen möchten oder sagen Sie zu sich „Heute versuche ich … zu erledigen.“ Nehmen Sie sich nicht zu viel vor, sondern denken Sie in kleinen Schritten. Abends können Sie dann Einiges von Ihrer (imaginären) To-Do-Liste streichen – ein schönes Gefühl.

YOGA JOURNAL wünscht Ihnen einen wunderschönen Start in den Tag!

Bildquelle: www.pixelio.de

Claudia Gonzalez

Claudia Gonzalez

Öffnung des Dritten Auges
Aura und Chakrensystem wahrnehmen und lesen.

Yoga basiert auf der Lehre der Chakren. Chakren sind wichtige Energiepunkte, die Informationen über den Menschen und dessen Seele gespeichert haben. Diese Energie und die Themen, die dort schwingen können mit Hilfe einer erhöhten Wahrnehmung intuitiv wahrgenommen werden. Neben der Weiterentwicklung durch die Asanas, kann die Intuition durch Sinnesschulungen gefördert werden, welches das Bewusstsein erweitert.

Das 3. Auge steht in Zusammenhang mit der Zirbeldrüse, die durch regelmäßiges Training, neben bestimmten Asanans auch durch Meditation und Sinneswahrnehmungsübungen aktiviert werden kann. Dieses regt auf natürlicher Weise die Produktion des körpereigenes DMT Stoffes im Gehirn an, welche für die Bilder zuständig ist, die empfangen werden bei einer Aura-Chakra Lesung. Bei einer Aura-Chakra Lesung erhältst du klare Informationen über das Energiefeld und die Seele des Gegenübers durch alle Sinne. „Es ist wie Träumen oder Fernsehschauen“.

Diese Fähigkeiten können vielfältig angewendet werden. Wenn du einmal deine Intuition entwickelst und beginnst auch in die Räume reinzuspüren, kannst du deine Yogapraxis verbessern. Du weißt plötzlich, welche Asana jetzt für dich oder für die Gruppe von Nutzen ist. Du kannst Blockaden im Raum wahrnehmen und intuitiv mit deinen persönlichen Instrumenten auflösen. Ich nutze dafür beispielsweise Heilgesänge, Geräusche, Instrumente und die Kraft der Berührung.

Viele Yogalehrer benutzen diese Fähigkeit bereits intuitiv. Bewusst sie einzusetzen kann hilfreich und bereichernd sein.

In diesem Vortrag erklärt Claudia, wie eine Aura-Chakra Lesung funktioniert und, wie diese Fähigkeit geschult werden kann. Abschließend leitet sie eine intuitive Meditation zur Aktivierung des 3. Auges an.

Mach mit!


Claudia auf der Yoga World in Düsseldorf: 
Sonntag, 15. Oktober 2017 // 10.30 – 11.15 Uhr // Öffnung des Dritten Chakras. Auren- & Chakrensysteme wahrnehmen und lesen // Yamuna Vortragsbereich


Vanessa Winterberg

Emotional Release

Wir verbinden in 45 min. die Wirkung von Hüftöffnern und Rückbeugen. Befreie Dich von altem Ballast und gewinne neue Kraft für die Herausforderungen Deines Lebens. In dieser sanften sequence für alle level verbinden wir befreiende, hüftöffnende Asanas mit sanften Rückbeugen, die Mut und Selbstvertrauen stärken.

Mein Yogaweg reicht in seinen Anfängen zurück bis in die Kindheit. Meine Grossmutter praktizierte Yoga und brachte mir spielerisch die grundlegenden Asanas bei. Ich wurde schon früh im Leben mit dem Verlust geliebter Menschen konfrontiert, erlebte aber auch ein familiäres Umfeld, das darauf nicht mit Abwehr reagierte. Vielmehr wurde die spirituelle Idee von Leben und Tod als ein integrativer Teil des Lebens betrachtet. Hierdurch entwickelte ich früh ein Interesse an philosophischen Fragen. Ebenso liegen hier die Wurzeln meines Yogaweges.

Ich studierte zunächst Philosophie und Geschichte, dann Rechtswissenschaften. Zwischen 2004 und 2009, kamen meine Tochter und mein Sohn zur Welt und ich beendete mein Studium. Während ich juristisch tätig war wuchs in mir mehr und mehr der Gedanke, meine Liebe zum Yoga irgendwann einmal zum Beruf werden zu lassen.

Fernab von der Idee eines reinen „Wohlfühl-Yoga“ bin ich überzeugt, dass Yoga segensreiche Wirkung in Therapie und Heilung von körperlichen vor allem auch psychischen Problemen entfalten kann. Elementar für meine Auffassung von Yoga ist der Gedanke, dass wir auf der Matte Qualitäten unseres Empfindens erleben, die wir von der Matte mit in unser alltägliche Leben transportieren können. So ist Yoga unter anderem ein Werkzeug das uns hilft die Herausforderungen des Lebens mit Gelassenheit zu bewältigen.

In 2016 machte ich meine Ausbildung zur Vinayasa Yogalehrerin. Ich unterrichte einen fließenden Vinayasa-Yoga mit Schwerpunkt auf Energiearbeit und Meditation. In der Zukunft möchte ich meine Arbeit ausserdem weiter im Bereich des des psychotherapeuthischen Yoga vertiefen.



Vanessa auf der Yoga World in Düsseldorf:
Sonntag, 15. Oktober 2017 // 15:15 – 16:00 Uhr // Emotional Release // Ganesha Yogaspace


 

Interview: Heather Nova über Yoga und die eigene Stimme

Mit kraftvoller Stimme und sensibler Lyrik singt Heather Nova seit über 20 Jahren über das Leben, Beziehungen und einsame Inseln. Jetzt geht sie mit den Songs ihres Breakthrough-Albums „Oyster“ von 1994 auf Tour. Während des Interviews mit YOGA JOURNAL knabbert die Urenkelin eines Piraten aus Bermuda an einer Karotte mit frischem Grün und spricht über ihre Verwurzelung in Musik, der Natur und Yoga.

Ich genieße meine Verletzlichkeit

„Die Übung des Yoga gibt ein entscheidendes Gefühl für Maß und Proportion. Auf unseren Körper bezogen, bedeutet dies, dass wir unser wichtigstes Instrument zu spielen und die größte Resonanz und Harmonie daraus zu ziehen lernen“, schreibt der berühmte Musiker Yehudi Menuhin im Vorwort zu B.K.S. Iyengars „Licht auf Yoga“. Heather, wie lautet hier deine Erfahrung?

Ja, der Körper ist unser wichtigstes Instrument. Ich glaube, dass jeder Mensch singen sollte, aber seltsamerweise denken in unserer Kultur viele, dass sie nicht singen können. Ich weiss nicht, woher diese diese Selbstkritik stimmt, vielleicht hat man uns in unserer Kindheit vom Singen abgehalten. Ich finde eine schöne Stimme überhaupt nicht wichtig – siehe Bob Dylan! Es zählt, die eigene Stimme zu finden. Es geht um Individualität, um die Freude, unter der Dusche oder in der Natur einfach loszusingen. Diese Vibration im Körper kann so vieles bewirken: Entspannung, Befreiung, Heilung…

Vorbildlicher als mit dieser Karotte in der Hand hättest du nicht zum YOGA JOURNAL-Interview erscheinen können.

Genau, der erste Eindruck ist wichtig, nur deshalb habe ich eine rohe Bio-Karotte mitgebracht (lacht). Gerade auf Tour ist mir gesunde Ernährung sehr wichtig. Unser Caterer ist Raw Food-Spezialist.

Auf einer mehrmonatigen Welttournee wie dieser ändert sich der Rhythmus des Lebens gewaltig. Wie wirkt sich das auf deine eigenen Gewohnheiten aus?

Wenn ich viel in Restaurants gehe und insgesamt „fremdversorgt“ bin, werde ich beim Essen supervorsichtig. Das Wichtigste ist, Zucker zu vermeiden – für mich das größte Übel überhaupt, besonders Glucose-Fructose-Sirup, der in den USA in fast allen Lebensmitteln enthalten ist und fast alle Körperfunktionen beeinträchtigt. Seit ich meinen Zuckerkonsum drastisch reduziert habe, habe ich ein viel besseres Immunsystem.

Siehst du dich dennoch als Genießerin?

Letztlich geht es mir um Gesundheit und das richtige Maß. Ich gebe zu: Neben Musik ist Ernährung meine zweite Leidenschaft. Mich fasziniert, wie der Körper sich selbst heilen kann, wenn man ihn angemessen versorgt.

Geht es hier wie in der Musik um eine harmonische Balance, in der Höhen und Tiefen ihren Platz haben?

Ja, dazu noch um die richtige Schwingung und Energie. Unser Körper vibriert unaufhörlich auf einer gewissen Frequenz. Mit der entsprechenden äußeren „Musik“ und der richtigen Ernährung kann er diese Schwingung halten. Störfaktoren wie Zucker und Einseitigkeit – darunter kann auch zu viel Gemüse fallen – bringen diese Schwingung zum Erliegen. Ich persönlich versuche, diesem Thema mit Wahrhaftigkeit und Integrität zu begegnen. „Gesund“ ist für mich ein Bewusstsein für die Herkunft und den Weg der Nahrung, bevor sie bei mir eintrifft. Wahrhaftigkeit ist auch mein Anspruch bei der Musik. Das ist nicht immer leicht, denn es gibt viele Abkürzungen, die sehr verlockend sein können.

Hier stellt sich wie so oft im Leben – und der Kunst – die Frage nach der Konsequenz.

Ich empfinde mich keinesfalls als perfekt und erhebe keinen Anspruch darauf. Eigentlich ist es mein Ziel, niemals perfekt zu sein.

Wie kann dich deine Yogapraxis dabei unterstützen?

Ich übe mindestens einmal wöchentlich mit einer befreundeten Yogalehrerin. Die richtige Ernährung hilft mir, dass mein Körper innerlich gut versorgt ist, und die Asanas nutze ich als eine Art äußeres Werkzeug. Ich weiß, dass Yoga im Westen zum Fitnesstrend geworden ist. Für mich bedeutet die Praxis hauptsächlich spirituelle Erdung. Yoga bringt mich in der gleichen Weise zurück zu mir selbst, wie es die Musik tut.

Bevor du deine individuelle Stimme gefunden hast, hast du Darstellende Kunst und Film studiert, dazu Gedichte geschrieben. Was hat das Singen zu deinem Schwerpunkt gemacht?

Früher habe ich mich eher als Songwriterin verstanden und mich ganz aufs Schreiben und Komponieren konzentriert. Ich hatte entsetzliche Angst davor, live zu singen. Heute ist es essentieller Teil meines Lebens, wegen seiner Körperlichkeit, aber besonders durch die Verbindung zu den Menschen, die ich während des Singens herstellen kann. Ich sehe mich gerne als Teil eines Ganzen und über meine Songs als Element im Leben anderer Menschen.

Hast du Erfahrung mit Kirtan?

Ja, allerdings nur als Teilnehmerin, nicht als Leiterin. Vielleicht gehe ich das an, wenn ich eine alte Frau geworden bin…

Ein gutes Stichwort… Ich war vor über 20 Jahren großer Fan des gleichzeitig rockigen und melancholischen Stils, den du mit Künstlerinnen wie Tori Amos, Sarah McLachlan und Alanis Morissette vertreten hast. Deine Songs haben mich als Studentin sehr inspiriert. Jetzt scheinst du mit deiner „Oyster“-Tour den Kreis zu schließen.

Mit 20 Jahren empfindet man 40jährige als ziemlich alt, oder? Eigenartig, dass diese Zeit so lange her ist. Zu meiner Identitätsbildung haben die 1990er Jahre und die Stimmen dieser starken Frauen auch erheblich beigetragen. Ich fühle mich heute jedoch wesentlich freier und weniger abhängig von den Dingen und Themen, die uns in unserer Jugend ablenken. Ich gebe weniger auf die Meinung anderer und genieße auch meine eigene Verletzlichkeit. Für die aktuelle Tour bin ich zu meinen Wurzeln zurück gekehrt.

Was hilft dir sonst noch, dich zu erden?

Meine Yogapraxis und in der Natur zu sein. Wenn ich mich lange nicht dort aufgehalten habe, fühle ich mich von allem getrennt. Ich lebe auf einer kleinen Insel und blicke zu jeder Zeit auf das Meer. Dort laufe ich fast immer barfuß und fahre jeden Morgen mit meinem Kajak hinaus. Es bringt mich direkt in meine persönliche Art von bewegter Meditation – was Yoga letztlich ja auch ist.

Die Wurzeln, von denen du sprichst, sind in deinem Fall eher flüssig: Als Kind kreuztest du wie im Titel deines Albums die meiste Zeit des Jahres mit deiner Familie auf einem Segelboot durch die Karibik. Ein Hippie-Szenario wie aus dem Bilderbuch, dazu noch in der Karibik – dieses Familienleben weckt Sehnsüchte…

Mein Aufwachsen war von starken Naturerlebnissen und den Gerüchen von Luft, Meer und Pflanzen geprägt. Es war der Traum meiner Eltern, meiner sieht etwas anders aus. Ich bin jedoch dankbar und völlig im Frieden mit meiner Kindheit, und meine Eltern sehe ich als meine besten Freunde. Oft wollte ich nicht mitfahren, als sie wieder die Segel setzten, aber heute weiß und schätze ich, welch wertvolle Perspektive sie mir auf die Welt gegeben habe. Ich habe viele Varianten der Lebensführung gesehen und erlebt, dass ich nicht das Zentrum des Universums bin. Außerdem war es kein wirklich leichtes Leben: Zwei Wochen ununterbrochen auf hoher See können hart sein. Aber ich mag es, wenn die Dinge nicht allzu glatt laufen – das reißt uns aus unserer oft sehr begrenzten Welt heraus.

Wieviel Sicherheit kann eine Kindheit geben, deren Richtung von Wind und Wellen geprägt ist?

Als ich selbst schwanger war, setzte ich alles daran, ein solides Haus zu bauen und Land zu erwerben, auf dem ich Gemüse anbauen kann – und zwar in Bermuda, am Ort meiner Herkunft, an dem auch meine Familie lebt. An meinem Sohn merke ich, wie sehr Kinder mit einem Ort verwachsen. Auf Reisen vermisst er seinen Hund und seine Freunde. Das will ich ihm nicht dauerhaft nehmen. Die Inspiration, die mir das Reisen schenkte, habe ich nun auf Tour.

Was treibt dich als innerer Kompass an?

Ich versuche, authentisch zu sein und die Lebensfreude nicht zu vernachlässigen. Es ist so wichtig, Spaß zu haben! Eine spielerische Haltung den Dingen gegenüber finde ich wichtig, das können wir von Kindern lernen. Mit ihrer ganz eigenen Integrität erinnern sie uns daran, wie wichtig Fantasie und Integrität sind. Und natürlich die Musik: Sie gibt uns eine Auszeit von unserem eigenen Verstand, eine Art inneren Urlaub von dem, was uns tagtäglich beschäftigt. Sie schafft einen Raum, in dem wir alles Starre ablegen und uns uns auf positivste Weise verlieren können.


1995 wurde Heather Nova mit ihren Hits „Walk This World“ und „Maybe An Angel“ aus dem Album „Oyster“ einem Weltpublikum bekannt. Seither hat sie neun Alben veröffentlicht und lebt heute nach Stationen unter anderem in London und New York wieder in Bermuda. Ein Wiederhören mit „Oyster“ gibt es vom 17. bis 30. Oktober 2017 auf ihrer Tour durch München, Stuttgart, Leipzig, Berlin, Hamburg, Osnabrück, Frankfurt und Köln. Www.heathernova.com