Yogalehrerin mit 96 – Tao Porchon-Lynch im Gespräch

Das Guinness-Buch der Rekorde listet die Amerikanerin Tao Porchon-Lynch als älteste Yogalehrerin der Welt. Ihr Motto: „Ich will nicht wissen, was angeblich unmöglich ist. Mich interessiert das, was ich tun kann.“

Yoga als Jungbrunnen
Wenn es einen lebenden Beweis für diese Annahme gibt, ist es Tao Porchon-Lynch. Die 96-jährige Amerikanerin gilt als älteste aktive Yogalehrerin der Welt. Im Westchester County bei New York gibt sie immer noch regelmäßig Unterricht. Darüber hinaus reist sie um die Welt, gewinnt Wettbewerbe im Gesellschaftstanz, schreibt Bücher und dreht Videos mit der 62 Jahre jüngeren Tara Stiles.

Leben ist Bewegung
Ihre Lebensgeschichte klingt wie ein Film und könnte eventuell sogar einer werden: Soeben veröffentlichte Porchon-Lynch ihre Autobiografie – ein spiritueller Spaziergang durch das 20. Jahrhundert, in dem sie unter anderem als Schauspielerin in der goldenen Hollywood-Ära bei MGM unter Vertrag stand und für Modefirmen wie Lanvin und Chanel modelte. In Französisch-Indien geboren, umgab sie sich später mit Persönlichkeiten wie Marlene Dietrich, Gene Kelly und Gandhi. Yoga lernte sie bei B. K. S. Iyengar und K. Pattabhi Jois. Und ja: ihre Stunden sind sehr dynamisch, genau wie sie selbst: Trotz dreier Hüftoperationen übt sie die meisten Asanas in ihren Klassen selbst mit. „Ich glaube nicht an Schicksalsschläge”, so Porchon-Lynch. „Wir können unser Leben selbst gestalten.“

Sie unterrichten seit 57 Jahren Yoga und praktizieren seit 73 Jahren. Gibt es Asanas, die besonders dazu beigetragen haben, Sie jung und fit zu halten?
Das Wichtigste ist der Atem. Ohne den Einklang mit der Lebensenergie sind die Asanas zweckslos. Es geht darum, maximal wahrzunehmen, wie der Atem durch den Körper fließt. Wenn wir mit dieser inneren Kraft in Verbindung treten, ist nichts unmöglich.
Gibt es etwas, das Sie schon als junger Mensch gerne über Yoga gewusst hätten? Nicht wirklich. Als Lehrer braucht man vor allem Mitgefühl. Wir sind alle unterschiedlich, also kann man keine verbindliche Ausführung der Asanas unterrichten. Manchmal ist es besser, den körperlichen Teil zu beenden und auf mentaler Ebene weiterzuüben – auf jeden Fall besser, als die Haltung zu erzwingen. Daher muss ein Lehrer seine Schüler intensiv beobachten und so einen Weg finden, sie wirklich zu unterstützen.

Sie selbst lernten bei großen Meistern wie B. K. S. Iyengar und Pattabhi Jois. Was hat Sie bei ihnen am meisten inspiriert?
Für mich gehören sie zu den größten Meistern, die Yoga je hatte. Von Iyengar lernte ich die Prinzipien der Ausrichtung, die bei ihm immer perfekt war. Bei Pattabhi Jois stand der Atem im Vordergrund – genau das, wonach ich lange gesucht hatte. Er zeigte mir viel, das direkt mit meinem inneren Selbst zu tun hatte.

Meditieren Sie?
Ich glaube an die Natur. Wenn ich einen Schwarm Wildgänse in die Luft steigen sehe, halte ich mein Auto an – das ist für mich Meditation. Ich brauche dafür keine regelmäßige Praxis.

Aber Sie tanzen noch regelmäßig!
Vor kurzem habe ich auch wieder einen Wettbewerb gewonnen. Es gab Teilnehmer aller Altersstufen, mein Tanzpartner war 70 Jahre jünger als ich. Ich tanzte ein Wochenende durch und unterrichtete anschließend am Sonntagmorgen zwei Yogastunden. Besonders müde war ich nicht.

Glauben Sie, dass auch Ihre gesunde Ernährung zu Ihrem langen Leben beigetragen hat?
Vielleicht. Aber eigentlich glaube ich nicht ans Altwerden, sondern an den Wechsel der Lebenszyklen. Es gibt so viele wunderschöne, Jahrhunderte alte Bäume: Sie verlieren Blätter, aber sterben nicht – sie regenerieren sich. Nach dem Winter kommt der Frühling. Wir können so viel von der Natur lernen.


Mehr zu Tao Porchon-Lynch unter www.taoporchon-lynch.com

Wahre Held*innen: Virabhadrasana II

Held*innen

Kaum eine Yogastunde ohne Virabhadrasana II. Wie oft ich wohl schon zur Heldin wurde? Die Heldenhaltung gehört zum Standardrepertoire. Und gerade deswegen lohnt es, sie genauer anzusehen. Sie vielleicht auch nochmal neu aufzubauen. Denn sie entfesselt ungeahnte Kräfte in uns. Expertin Michele Schmid erklärt die Feinheiten für Held*innen.

Virabhadrasana II mag auf den ersten Blick einfach aussehen. Versucht man aber, länger in der Haltung zu bleiben? Sie erfordert viel Kraft, Aufmerksamkeit und Integrität. Umgekehrt stärkt es das Selbstvertrauen, sich dieser Herausforderung zu stellen. Die Position kombiniert mit Stabilität und möglichst viel Leichtigkeit. Das Prinzip von Sthira Sukha Asana. Dieser Effekt verstärkt sich zusätzlich, wenn man den Blick auf die vordere Hand richtet. Genauer schaust du über den vorderen Mittelfinger. Strecke außerdem den Daumen dabei nach oben. So bist du fokussiert und positiv gestimmt.

Den Moment im Fokus

Auch ein Krieger richtet seinen Fokus vollständig auf den jetzigen Moment und sein unmittelbares Tun. Yoga im Hier und Jetzt. Held*innen setzen ihre ganze Kraft für etwas ein. Aber sie verlieren sich aber nicht dabei. Denn sie handeln aus einer starken Mitte heraus. Genau diese Eigenschaften fordert die Position. Sie kann nur kraftvoll, stolz und gelassen sein, wenn sie fokussiert und aus einer starken Mitte heraus kommt. Darauf folgt die Aufrichtung der Wirbelsäule und die Stabilität in den Hüftgelenken. Die Verwurzelung der Füße am Boden stützt dies.

So stellt die Asana im Idealfall kraftvolle Held*innen dar. Jedoch geht es nicht um keine Aggressivität. Also eine Figur, die sich ausdehnt und zugleich in ihrer Mitte bleibt. Die Arme und Beine symbolisieren dabei das Handeln im Außen. Die körperlichen Voraussetzungen sind Weite in der Brust sowie eine gewisse Flexibilität in Hüften. Trotz dieser Mobilität ist der Stand aber stabil. Weder die Knie noch das Becken weichen nach außen aus.

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Vorbereitung

Zwei vorbereitende Haltungen helfen dir. Übe einerseits den tiefen Ausfallschritt. Anjaneyasana mobilisiert Leisten und Hüften, weitet den Brustkorb und dehnt die Oberschenkelmuskulatur. Praktiziere andererseits die Grätsche. Prasarita Padottanasana dehnt Oberschenkelrückseiten und Rücken. Außerdem lernst du die Stabilisierung in Standhaltungen. Sie schult die Erdung durch die Füße. Dabei lernst du zudem die Koordination verschiedener Dehn- und Streckrichtungen. Außerdem wirkt sie nach Anjaneyasana beruhigend. Das erleichtert die Konzentration in Virabhadrasana II.

Ziel und Wirkung

In der Held*innenhaltung gilt es, flexibel und durchlässig zu bleiben. Vermieden wird, zu sehr die Kraft zu betonen und dabei starr zu werden. Wahre dabei deine Grenzen. Wie viel Außenrotation lässt das Hüftgelenk zu? Wie viel Offenheit erlaubt die Brustmuskulatur? Und wie lange reicht meine Kraft in den Beinen? Atme in die Anspannung hinein, die du spürst. Lass sie so weit wie möglich los. Entspanne, wo möglich. Genieße die Dehnung in den Bereichen, die vielleicht noch nicht so beweglich sind.

Die positiven Wirkungen der Held*innen Haltung sind vielfältig. Sie kräftigt Fußgelenke, Bein- und Beckenmuskulatur sowie die Wirbelsäule und verbessert die Beweglichkeit dieser Bereiche. Beininnenseiten, Leisten, Schultern und Arme sind gedehnt. Die Entlastung des unteren Rückens ist hilfreich bei Rückenschmerzen. Insbesondere hilft es auch bei Ischiasschmerzen.

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Michele Schmid ist begeisterte Sportlerin. Snowboarden, Surfen, Joggen, Mountainbiken, Klettern. Bewegung war für die Münchnerin immer wichtig. Als sie zum Yoga kam, fand sie hier mehr als nur einen Ausgleich zum Sport. Sie absolvierte eine Ausbildung in Vinyasa Yoga bei Air Yoga in München. Parallel dazu lernte sie Psycho-Neuro-Kinesiologie. Ihren Job als Vertriebsassistentin hat sie an den Nagel gehängt, um sich voll und ganz dem Yogaweg widmen zu können. Sie gibt in München Einzelunterricht. Finde sie unter Kinyo Flow Yoga.

Vedische Astrologie: Die fünf Elemente

Schon mal von Pancha-Maha-Bhuta gehört? Diese Elemente der vedischen Astrologie und ihr Einfluss auf den Aszendenten sagen im Horoskop viel über das Naturell eines Menschen aus. Wir erklären dir die fünf Elemente.

„Hauptsache Spaß und Abwechslung!“ Es gibt viele Menschen, die nach dieser Devise leben. Gerne verzichten sie auf – ihrer Ansicht nach – spießige Sicherheiten und Vorsorge, definieren Gemeinschaftssinn mit Party und rocken den Planeten. Vielen anderen wiederum sind genau diese ausgelassen lebensfrohen Spezies ein Dorn im Auge und sie betrachten die anderen als verantwortungslose Freaks, weil für sie selbst Stabilität und Nachhaltigkeit lebensbestimmend sind. Gut wäre für sie, alles bliebe, wie es ist. Oder noch besser: alles wäre wie zu den guten alten Zeiten (wann immer die auch gewesen sein mögen).

Natürlich befinden sich die meisten irgendwo zwischen diesen beiden Extremen und tendieren lediglich mehr in die eine oder andere Richtung. Und so stehen sich, Gott sei Dank, zumeist nicht polarisierende und missionierende Besserwisser gegenüber, sondern lediglich Menschen, die mehr oder weniger konservativ oder liberal ihr Leben gestalten.

Pancha-Maha-Bhuta

In welcher Spur sich unser Naturell wiederfindet, ob auf der Sicherheitsfährte oder doch eher sorglos unterwegs, wird in der vedischen Astrologie unter anderem mit den fünf großen Elemente erklärt, den sogenannten Pancha-Maha-Bhuta. Diese fünf Elemente sind in der vedischen Wissenswelt überall präsent, sei es beispielsweise in Form der Doshas (Vata, Pitta, Kapha) im Ayurveda, in den unterschiedlichen Asanas im Yoga oder im Verständnis von Raum und Form in Vastu, der traditionellen Baukunst.

Der Einfluss der fünf Elemente auf das Naturell des Menschen

Die Einflüsse der Pancha-Maha-Bhuta auf den Aszendenten sagen im Horoskop viel über das Naturell eines Menschen aus. Im wässrigen Aszendenten Krebs mag ein Mensch idealistisch, sozial und offen für Veränderungen sein. Kombiniert mit einem feurigen Mars kommt dieses Wasser allerdings in Wallung. Und wenn sich auch noch Venus und der Mondknoten Rahu dazugesellen, dann entsteht Leidenschaft pur und die Nachbarschaft wird mitfeiern oder leiden müssen. Das Sternzeichen Stier beispielsweise ist hingegen erdig. Menschen mit Aszendent Stier befinden sich mehr auf der konservativen Seite des Lebens. Fügt man als alleinige Einflüsse jetzt den sicherheitsbetonten Planet Saturn und die vernünftige Sonne hinzu, dann führt das zu einer speziellen Mischung aus Erde, Luft und Feuer, die in steifer, rechthaberischer Lebensführung mündet. Exotik und Aufbruch wären Fremdwörter im Wortschatz eines Menschen mit dieser Kombination im Aszendenten.

Das Spiel der Elemente verstehen

Es ist unsere Aufgabe, das Spiel der Elemente zu verstehen und im persönlichen Leben sinnvoll zu integrieren. Schließlich sind wir nicht die willenlosen Opfer unseres individuellen Elemente-Cocktails. Je extremer allerdings die Kombinationen im Horoskop das Naturell eines Menschen darstellen, desto schwieriger ist es für diesen, sich seiner Kraft bewusst zu werden und sie zu kultivieren. Fundamentalismus und Extremismus können dann die Folge sein.

Ob in der Partnerschaft, im Familien- und Freundeskreis oder der Gesellschaft: Es stabilisiert das soziale Gefüge, wenn jedem der fünf großen Elemente Raum zur Entfaltung eingeräumt wird. Der Choleriker muss lernen, sein Feuer zu mäßigen, und ein hysterischer Mensch sein Wasser zu beruhigen. Sonst wird der mangelnde Ausdruck der verbleibenden Elemente im Leben dieser Menschen zu Problemen führen. Yoga bringt durch die unterschiedlichen Asanas die Elemente in Balance. Jyotisha hilft sowohl, die elementaren Prägungen unseres Naturells zu verstehen, als auch zu welchen Zeiten sich welche Themen elementar verändern. Beide zusammen schenken uns die Kraft, zu gestalten und unser Bestes zu geben. Gut zu wissen!

Bernd Rößler
www.bernd-roessler.com

DVD-Tipp: How to change the world

1971: Unter Einsatz ihres Lebens segeln ein paar Hippies mit einem Fischkutter namens „Greenpeace“ in eine Atomtestzone vor der Küste Alaskas. Die Protestaktion begeistert die Welt. Inspiriert von spirituellen Einflüssen, wie den Prophezeiungen der amerikanischen Ureinwohner, fand sich in Vancouver eine bunte Mischung von Aussteigern zusammen: „Mystiker und Mechaniker, die ihre individuellen Talente zusammenwarfen, um eine Art geistige Bombe zu zünden“, wie Regisseur Jerry Rothwell die Community aus Friedensbewegten, Künstlern, Wissenschaftlern und Wehrdienstverweigerern beschreibt. Ihr Mastermind Bob Hunter, ein dem Buddhismus nahestehender Kettenraucher mit Hang zur Selbstausbeutung, folgte der Maxime „Der Körper muss der Stimme folgen“. Aktivismus bedeutete für ihn, das Anliegen radikal über die persönliche Sicherheit zu stellen.

Wie jedem ordentlichen Revolutionär waren ihm Struktur und Planungsdetails eher fremd. Dies sorgte früh für Zündstoff in der Organisation, die erst die Generation nach Hunter & Co. zu einer der weltgrößten Umweltorganisationen gestalteten. „Die Menschen, die die Organisation über die kommenden Jahrzehnte führten, erkannten, dass man die Welt erst verändern kann, wenn man bei sich selbst beginnt”, so Rothwell.

Fazit: Keine Verklärung der Greenpeace-Welt, sondern ein kritischer Blick auf die Anfänge und auf Aktivismus als Lebenseinstellung.

How to Change the World /Regie: Jerry Rothwell

Kann man Liebe lernen? Gerald Hüther über Beziehungen

Ein Neurobiologe muss kein kopflastiger Menschen sein. Im Fall von Gerald Hüther trifft man auf einen Hirnforscher mit Herz und Lebensweisheit. Und weil Yoga und Wissenschaft gerade viel voneinander lernen, ist Hüther auch in Yogakreisen ein geschätzter Gast.
YOGA JOURNAL führte mit ihm ein Gespräch über Freiheit, Gefühle und die Liebe.

Herr Hüther, wenn man das Wort „Yoga“ aus dem Sanskrit übersetzt, bedeutet es „Verbindung“. Heutzutage wird es gerne mit „Harmonie“ oder sogar „Freiheit“ gleichgesetzt.
Ich glaube, dass wir im Westen ein Problem mit dem Begriff „Freiheit“ haben. Wir müssen uns fragen, was wir eigentlich damit meinen. Es gibt die Freiheit, die aus der Gefangenschaft herausführt – die „Freiheit von“. Etwas völlig anderes ist es, zu sagen: „Ich bin frei für etwas“. Warum haben wir diesen Begriff so zerlegt? Das kann nicht ursprünglich so gewesen sein, sonst hätten wir zwei Worte dafür. Die Antwort könnte in dem Umstand liegen, dass Freiheit ursprünglich nur in Verbundenheit möglich gewesen ist.

Parallel nimmt die Bereitschaft ab, in Ehe oder Partnerschaft langfristig auch durch Schwierigkeiten hindurch verbunden zu bleiben. Haben wir es hier mit einem falschen Verständnis von Freiheit zu tun?
Der Mensch ist kein Einzelwesen. Er ist immer verbunden. Aber die meisten der Beziehungen, die wir in unserer Welt kennen, sind Objektbeziehungen, in denen sich Leute gegenseitig benutzen. In einer solchen Gemeinschaft mit anderen – auch in der Partnerschaft – wo ich für bestimmte Zwecke gebraucht werde, wo ich Objekt von Erwartungen bin, von Bewertungen und am Ende gar von Erziehungsmaßnahmen: Da bin ich unfrei. Deshalb verstehen die meisten Menschen in unserer Gesellschaft unter „Freiheit“ das Herauskommen aus den zu engen und sie bedrängenden Objektbeziehungen.

Die Partnerschaft sollte ja eigentlich ein Schutzraum sein.
Eine wirkliche Liebesbeziehung geht nur auf Augenhöhe, von Subjekt zu Subjekt. In einer Partnerschaft, in der es beide fertigbringen, sich auf solch eine Begegnung einzulassen, muss keiner seine Freiheit suchen, indem er die Partnerschaft verlässt. Dann ist er ja in der Partnerschaft der freieste Mensch, den es gibt.

Lässt sich so etwas durch Yoga lernen? Kann man Liebe lernen?
Die Anfangserfahrung eines Kindes heißt: Solange ich als Subjekt gesehen werde, bin ich in engster Verbundenheit völlig frei. Ich brauche diese Verbundenheit, damit ich mich daraus in meiner Einzigartigkeit entwickeln und meine Potentiale wirklich entfalten kann. Man kann tatsächlich nur in der Subjekt-Subjekt-Beziehung gleichzeitig das Gefühl von Autonomie und Verbundenheit erleben. Das Wort, das wir dafür im Deutschen haben, heißt: Liebe.

Dann wäre Liebe aber kein romantisches Gefühl, sondern eine grundlegende Haltung, eine Entscheidung?
Das ist eine Beziehung, in der sich beide gleichzeitig das Gefühl von Vertrauen geben und das Gefühl, dass man aufgrund und trotz der engen Verschmelzung ständig darauf achtet, dass der andere in seine eigene Kraft kommt.

Wie kann man das meistern?
Um eine Haltung der Liebe zu entwickeln, müsste jeder Partner jemand werden, der in ähnlichen Subjekt-Subjekt-Beziehungen so viel Kraft gefunden hat, dass er das auch weitergeben kann. Wenn man einen Menschen wirklich liebt, ist das kein Gefühl, sondern eine Haltung, die sich dann auch auf die Beziehungen zu anderen Menschen übertragen kann.

Viele Yogis erwarten von sich eine solche Haltung, am besten direkt und sofort. Wenn sie das nicht schaffen, werten sie sich ab. So entsteht ein unglaublicher selbstgemachter Druck, der auch zu einem wenig authentischen Liebesverhalten führen kann. Wie lässt sich dieses eigentlich positive Bestreben also stärken?
Es ist ja Teil des Yoga, dass man über die Übungen mit sich selbst in Beziehung kommt. Jemand, der sich bisher ständig verurteilt hat, kann durch Yoga – sowohl durch die Meditation als auch durch die Asanas – wieder in Kontakt zu sich selbst kommen und sich wieder selbst als Subjekt befreien.

Das gesamte Interview lesen Sie im YOGA JOURNAL #43.

Foto: unsplash.com

Yoga meets Heilkunst: Yin Yoga-Buch

Als Schülerin von Paul Grilley hat Helga Baumgartner direkt beim Urvater des Yin Yoga gelernt. Die 26 vorgestellten Asanas sollen dazu beitragen, eine freundliche und liebevolle Haltung zu Körper und Geist zu entwickeln. Das lange Halten (3–5 Minuten je Übung) und das intensive Hineinspüren sind dabei für die Autorin maßgeblich, um in der Praxis vollständig loslassen zu können. Für weniger Geübte werden bei jeder Anleitung Varianten angeboten. Beim Üben mit der zugehörigen Audio-CD muss man zwischen den Übungen jedoch im Buch herumblättern, was etwas unpraktisch ist. Zudem werden die Sequenzen auf der CD so zügig angesagt, dass für ein intensives Erspüren – ganz entgegen der Zielsetzung – nicht die nötige Zeit bleibt.

FAZIT: Gut bebilderte Übungsanleitungen für alle, die lange in Haltungen hineinspüren und sich auf das Abenteuer Yin Yoga inkl. Hintergrundinfos einlassen wollen. Die Audio-CD ergänzt das Buch nur bedingt.

Yin Yoga – Achtsames Üben für innere Ruhe & Entspannung von Helga Baumgartner, blv, Preis: ca. 20 Euro inkl. Audio-CD. Erfahren Sie mehr über Yin-Yoga in unserem Style Guide.

Chakra Yoga: Mit Navasana das Nabelchakra aktivieren

Beginnen Sie im Sitzen mit nach vorn ausgestreckten Beinen. Dann ziehen Sie die Knie an die Brust und greifen mit den Händen in die Kniekehlen. Dabei lösen Sie die Füße vom Boden und balancieren auf den Sitzknochen. Heben Sie die Brust und senken Sie die Schultern. Um Arme und Beine kraftvoll nach vorn strecken zu können, verlagern Sie das Gewicht leicht nach vorne, ziehen den Nabel nach innen und aktivieren die Bauchmuskeln. Wenn Sie in dieser Haltung Schwierigkeiten haben, die Brust zu heben und den Rücken zu strecken, halten Sie die Beine mit den Händen fest. Ansonsten üben Sie dynamisch weiter: Ausatmend kreuzen Sie die Arme vor Ihrer Brust und senken die Beine bis kurz vor dem Boden. Einatmend kehren Sie zurück in die Boothaltung. Wiederholen Sie die Übung fünf Mal, anschließend legen Sie sich flach auf den Rücken. Das Boot ist eine energetisierende, transformierende Haltung und aktiviert die tiefliegenden Bauchmuskeln.

☞ Wirkung: Fördert die eigene Stärke, steht für Veränderung.


Manipura = Nabelchakra

Thema: Wenn das Nabel­chakra in Balance ist, fühlt man sich lebendig, selbstbewusst und produktiv. Ist es blockiert, mangelt es an Mut und Selbstbewusstsein, man fühlt sich unbeweglich und träge. Die Arbeit an diesem Chakra weckt die innere Kraft. So fällt es leichter, Ängste zu überwinden und Risiken einzugehen.

Position: auf Höhe des Nabels an der Wirbelsäule
Element: Feuer
Farbe: Gelb
Silbe: Ram

7 Gründe für Achtsamkeitsmeditation

Eine ganze Reihe von Forschungen haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die Achtsamkeitsmeditation ein sehr wirkungsvolles Instrument ist. Zwar sollte man nicht aus jeder Studie gleich ein Behandlungsrezept ableiten, dennoch zeigt sich: Die Praxis kann eine gute Ergänzung zu herkömmlichen Heilmethoden sein.

1. Steigerung der Konzentrationsfähigkeit
In der Achtsamkeitspraxis lernt man, die Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Punkt zu lenken und dort zu halten – und das macht sich auch im Alltag positiv bemerkbar. In einer 2012 durchgeführten Studie wurden Menschen ohne vorherige Meditationserfahrung untersucht. Nach einem dreitägigen Einführungskurs in Achtsamkeitsmeditation und einer täglichen zehnminütigen Praxis über bis zu sechzehn Wochen hinweg konnten sie Aufgaben, die Konzentration erforderten, deutlich besser ausführen als die Vergleichsgruppe ohne Meditationspraxis.
(Quelle: Frontiers of Human Neuroscience)

2. Linderung von Stress
Eine Reihe von Forschungsergebnissen legen nahe, dass die Achtsamkeitsmeditation nicht nur Stress und Angstgefühle im Zusammenhang mit schwierigen Lebensphasen lindern kann, sie hilft auch unmittelbar beim Bewältigen von stressigen Situationen. So konnte der Psychologe Kirk Warren Brown 2013 in einer Untersuchung zeigen, dass „achtsame“ Menschen auf sehr unangenehme Bilder mit weniger Gehirnaktivität reagierten als die Kontrollgruppe. Daraus lässt sich schließen, dass die Achtsamkeitspraxis die Mechanismen verändert, durch die stressrelevante Hirnareale aktiviert werden.

3. Positiver Einfluss auf die Hirnstruktur
Achtsamkeitsmeditation führt zu Änderungen in der grauen Hirnsubstanz – und das in Arealen, die für Lernen, Gedächtnis und Emotionsregulation wesentlich sind. Das haben Studien während der vergangenen Jahre gezeigt. In einer Untersuchung aus dem Jahr 2011 haben Forscher die Gehirne von Menschen untersucht, die wenig oder keine Erfahrung mit Achtsamkeitstraining hatten. Nach einem achtwöchigen MBSR-Kurs hatte sich die graue Substanz im Vergleich zu den ersten Aufnahmen deutlich vermehrt. (Quelle: Psychiatry Research)

4. Stärkung des Immunsystem
Eine Studie mit Teilnehmern, die 50 Jahre und älter waren, konnte 2012 zeigen, dass Achtsamkeitsmeditation genauso effektiv vor Erkältungen oder Grippe schützt wie Sport. Dadurch konnten frühere Untersuchungen gestützt werden, die ebenfalls zu dem Ergebnis gekommen waren, dass Achtsamkeitsmeditation Krankheiten bekämpft, indem sie das Stressniveau senkt und so eine gesunde Immunreaktion fördert. (Quelle: Annals of Family Medicine)

5. Weniger Ängste und Depressionen
In einer Meta-Analyse aus dem Jahr 2014 fanden Wissenschaftler der Johns Hopkins Universität heraus, dass Achtsamkeitsmeditation bei der Behandlung von Depressionssymptomen genau so wirksam sein kann wie Anti­depressiva. Ebenfalls 2014 untersuchte eine Studie fünfzehn Teilnehmer ohne vorherige Meditationserfahrung. Schon nach vier Tagen Achtsamkeitstraining berichteten sie über deutlich geringere Angstgefühle. Dieser Effekt ist darauf zurückzuführen, dass Achtsamkeitsmeditation die Stimmung hebt und die kognitiven Kontrollmechanismen verbessert. (Quelle: Social Cognitive and Affective Neuroscience)

6. Umgang mit Schmerzen
2011 fanden Forscher der Wake Forest Universität heraus, dass schon ein viertägiges Achtsamkeitstraining dazu führen kann, dass Testpersonen, die unter Schmerz meditieren, den Schmerz deutlich geringer einstuften. Dabei sank die Einstufung der unangenehmen Empfindungen um 57 Prozent und die Stärke des Schmerzempfindens um 40 Prozent. Bei einer Reihe von anderen Studien blieb die Schmerzintensität zwar gleich, durch die höhere Akzeptanz wurde der Schmerz aber anders bewertet und als weniger unangenehm wahrgenommen. Mit anderen Worten: Die Achtsamkeitspraxis erleichtert zumindest den Umgang mit Schmerz.

7.  Unterstützung bei Demenz und Alzheimer
In einer 2013 veröffentlichten Pilotstudie kamen Forscher der Wake Forest Universität zu dem Ergebnis, dass Erwachsene mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen (einem Übergangsstadium zwischen den normalen altersbedingten Formen von Vergesslichkeit und einer ausgeprägten Demenz) von Achtsamkeitsmeditation profitieren. Sie zeigten im Vergleich zur Kontrollgruppe verringerte Veränderungen in der für Degenerationserkrankungen besonders bedeutsamen Hirnregion, dem Hippocampus. Außerdem fiel den Forschern auf, dass das so genannte Default Mode Network bei den Meditierenden neuronal besser vernetzt war. Diese Gruppe von Gehirnarealen spielt eine besondere Rolle bei Tagträumen und beim Nachdenken über Vergangenheit und Zukunft. Größere Studien stehen noch aus, doch die ersten Ergebnisse scheinen vielversprechend.


Den gesamten Artikel  zum Thema Achtsamkeit finden Sie im YOGA JOURNAL 1/2016.

Fotoquelle: unsplash.com