Das 7-Minuten-Versprechen von Mark Whitwell

Dass es im Yoga (und im Leben) eigentlich immer um die einfachen Dinge geht, um die Verbundenheit, den Atem, das Spüren, und dass es letztlich nur sehr wenig braucht, um tiefe Erfahrungen und Veränderungen zu erleben: Man kann es nicht oft genug betonen.

Mark Whitwell predigt diese Einfachheit konsequent und seit vielen Jahren – und das inmitten einer sich oftmals an Sensationen selbst überbietenden Yogawelt. Das und seine lebenskluge Sicht auf den Menschen hat ihm eine große Fan-Gemeinde nicht nur in Amerika, sondern auch hier bei uns eingetragen. Ob man nun Sex eine so wichtige Rolle zusprechen möchte, wie Whitwell es tut, und wie sich das mit dem Keuschheitsgebot der traditionellen Texte vereinbaren lässt, sei mal dahingestellt.

Was viele deutsche Leser aber sicher irritieren dürfte, ist die (typisch amerikanische?) Art, die Leser mit Glücksverheißungen zu bombardieren. Bei Whitwell ist schon der Titel ein Versprechen: Anhand einiger wirklich simpler, in Verbindung mit dem Atem ausgeführter Bewegungen soll der Leser aber nicht nur eine innige Verbindung zu sich selbst aufbauen und zu „mehr Liebe, Sex und Intimität“ finden, Whitwell verspricht nichts weniger als die Erfüllung „Ihrer kühnsten Träume“, ein „7-Minuten-Wunder“ also.

Na dann: Tief einatmen, Arme heben. Ausatmen, Arme senken – und bitte nicht in Selbstzweifel verfallen, wenn Sie sich nach 40 Tagen vielleicht noch nicht am Ziel Ihrer Träume sehen.


Das 7-Minuten-Versprechen, Einfache Yoga-Meditation für mehr Liebe, Sex und Intimität, Mark Whitwell, Knaur Menssana, Preis: ca. 10 Euro

Beziehungen leben – Lernen von den Göttern

Beziehungen leben
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Wie funktioniert das in Beziehungen leben zwischen Mann und Frau? Ralf Sturm erklärt die universellen Archetypen mit der Ramayana. Einer der ältesten Epen der Welt. So können wir alle von den Göttern lernen.

Wie viele Männer können ihre Frau in ihrem ganzen Wesen sehen? Zu oft beschränkt man(n) sich auf seine Meinung, wie die Dinge zu sein haben. Wenn man als Mann über starke Frauen schreibt, begibt man sich zwangsweise auf dünnes Eis. Weil wir Männer die Weiblichkeit eben nur aus unserer Perspektive sehen können. Allzu schnell beziehen wir uns auf unseren Verstand, um zu beurteilen, was eine Frau erlebt. Dann fällt es uns leicht, ein Urteil abzugeben. Mit dem wir unser Gegenüber allerdings manchmal dramatisch verpassen. Später sind wir schockiert und traurig darüber, wie viel Lebendigkeit wir versäumt haben. In unserer Sicherheit, Recht gehabt zu haben. Funktioniert so in Beziehungen leben?

Die Ramayana – älteste Geschichte Asiens

Wenn ich Nachrichten aus Indien höre, kann ich die Art und Weise, wie dort mit Frauen umgegangen wird, oft kaum aushalten. Lange habe ich mich deshalb gesträubt, meinen Reiseteilnehmern das Ende der Ramayana zu erzählen. Einer der ältesten Geschichten Asiens, in der von den Abenteuern des Prinzen Rama und seiner Gemahlin Sita berichtet wird. Rama ist Vishnu, der vom Himmel auf die Erde gekommen war, um Recht und Ordnung wieder herzustellen, die durch den bösen Dämon Ravana bedroht waren. Dieser raubte ihm im Laufe der Geschichte sogar seine geliebte Sita.

Verbannung statt Happy End?

Nach langer Suche und einer furchtbaren Schlacht zwischen den Armeen Ramas und Ravanas konnte Sita befreit werden. Nun hätte die Geschichte eigentlich mit Happy End abgeschlossen sein können. Stattdessen kam es zu einem interessanten Twist. Die Bewohner von Ramas Königreich begannen, an der Ehrbarkeit von Sita zu zweifeln. Schließlich war sie lange in der Gefangenschaft Ravanas gewesen und es hätte ja sein können, dass der Dämon sie unsittlich berührt hat. Damit wäre auch Ramas Ehre befleckt. Für uns hört sich das absurd an, aber die Geschichte ist ein paar tausend Jahre alt, und das Weltbild war damals sehr archaisch. Folgerichtig entschied sich Rama – da seine Aufgabe ja war, das „Recht“ durchzusetzen – dem Willen seiner Untertanen zu folgen und Sita in die Verbannung zu senden. Obwohl sie ihre Unschuld sogar durch einen Gang durchs Feuer unter Beweis gestellt hatte.

Von Festhalten und Loslassen

Sie verließ das Land erhobenen Hauptes, und brachte jenseits der Grenze Ramas Kinder zur Welt. Die Zwillinge Luv und Kush. Was muss in ihrem Herzen vorgegangen sein? Davon erzählt die Ramayana nicht. Sie berichtet lediglich, dass Rama eine vergoldete Statue von Sita anfertigen ließ, um seine Liebe zu ihr zu zeigen. Männer möchten Frauen eben gerne „festhalten“. Jahrelang lebten sie getrennt voneinander und die Kinder wuchsen heran. Eines Tages veranstaltete Rama ein Ritual, während dessen ein Pferd freigelassen wurde. Das lief über die Grenze des Landes zu den beiden Söhnen, die es Ramas Soldaten nicht mehr herausgeben wollten. Rama musste wieder in den Kampf. Nur stand er diesmal seinen eigenen Kindern gegenüber. Dass die Söhne seine Soldaten besiegten, sahen die Bewohner des Königreiches als Zeichen, und Rama bat nun auch Sita zurückzukommen, wenn sie noch einmal ihre Reinheit unter Beweis stellen würde.

Kraft der Lebendigkeit in Beziehungen leben

Sita hatte auf so einen Unfug keine Lust mehr. Sie rief die Mutter Erde an und sprach: „Wenn ich ehrbar war, dann möge ich dorthin zurückkehren, wo ich herkomme!“ Im selben Moment öffnete sich die Erde unter ihr und nahm sie mit sich. Rama blieb alleine zurück. Denn so wie er eine Inkarnation des Gottes Shiva war, so war auch Sita niemand anderes als Lakshmi. Die Kraft der Fruchtbarkeit, die Kraft der Erde. Und Lakshmi lässt sich nicht zähmen. Sie tat es vor 50 000 Jahren nicht und das ist heute auch noch so. Sita war nicht – wie es manchmal scheint – die wehrlose Jungfrau in Not. Als Frau trug sie alle Kraft der Lebendigkeit und der Natur in sich. Kinder gebären und großziehen war ein Job, den selbst Rama nicht fertig brachte. Klar, dass sie sich da nicht alles gefallen ließ.

Was den anderen bewegt

In gewisser Weise triumphiert Sita also am Ende. Und doch macht uns das nicht froh. Hätte sich Rama nicht viel früher ein Herz nehmen und mit alten Traditionen und Vorstellungen brechen können? Was er damals nicht geschafft hat, können wir vielleicht heute wagen. Wenn wir beginnen, uns dafür zu interessieren, wer unsere Frauen wirklich sind. Was in ihnen vorgeht, welche Freude und welcher Schmerz sie bewegt. Im Yoga passiert das schon. Das Gesicht des Yoga hat sich in den vergangenen vierzig Jahren bereits verändert. Dabei hat Yoga nicht von den Lehrern, sondern von den Lehrerinnen gelernt, die dem alten männlichen Konzentrationsweg eine feminine Komponente geschenkt haben. Nicht nur die Sonne, auch der Mond wird heute gegrüßt. Vielleicht können auch wir Männer durch Ramas Fehler lernen, den Mond, die sanfte Seite in unserer Partnerin, wieder mehr zu sehen und uns davor zu verneigen. So können wir in Beziehungen leben.


Ralf Sturm hat zusammen mit Katharina Middendorf bei GU das Buch „Götter-Yoga“ veröffentlicht. Mehr Informationen unter www.ralfsturm.de

Maya Fiennes über den eigenen Weg

Maya Fiennes galt lange Zeit als prominentes Aushängeschild des Kundalini Yoga. Inzwischen geht sie
bewusst auch eigene Wege. Wir sprachen mit der international bekannten Yogalehrerin.

Worin liegt aus deiner Sicht der größte Schatz, den Kundalini Yoga zu bieten hat?
Kundalini schenkt den Übenden eine Öffnung und ein Verständnis ihrer eigenen Energie. Man erfährt, wie die Energie durch einen hindurchfließt, um ein gesünderes, glücklicheres Leben zu ermöglichen, das die Magie an jedem einzelnen Tag auf den Plan ruft.

Stimmt es, dass du ausgehend von Kundalini Yoga nach Yogi Bhajan mehr und mehr deinen eigenen Stil entwickelst?
Ja, ich habe einen eigenen Stil entwickelt, bei dem ich Musik verwende, um die Erfahrung zu verstärken. Als ausgebildete Musikerin und Yogalehrerin verstehe ich ganz gut, wie man mithilfe einer Kombination von Klang und Yoga energetische Blockaden im Körper lösen kann.

Worauf kommt es dir dabei vor allem an?
Ich liebe es, wenn ich direkte Ergebnisse sehe und Menschen helfen kann, sich besser zu fühlen. So begann ich nachzuforschen und meine eigenen Fähigkeiten in Verbindung mit den Werkzeugen von Yoga, Qigong und Klang einzusetzen. Aus dieser Kombination entstand „Mayas Yoga for Real Life“.

So lautet auch der Titel deines Buches. Wie sieht denn eine sinnvolle Verbindung zwischen Yogapraxis und „wahrem Leben“ aus?
Ich habe das Buch „Yoga for Real Life“ vor allem geschrieben, um Menschen bei ihren ganz alltäglichen Herausforderungen zu helfen. Das Problem ist ja oft: Kleinigkeiten, die einen irritieren, werden irgendwann zu riesigen Hindernissen, wenn man sich ihnen nicht stellt. Ich zeige, wie man diesen Momenten von Angst, Panik und Sorge, die wir alle kennen, mithilfe eines „Quick-Fix“ begegnen kann, um die Probleme gering zu halten.

Und was hast du weiter vor?
Ich entwickle mein Yogakonzept ständig weiter und setze immer wieder neue Ideen um. Erst kürzlich habe ich ein Verfahren entwickelt, um das Wohlbefinden meiner Schüler evaluieren zu können. Demnächst wird es dann eine App mit einem 14-Tage-Selbstheilungsprogramm geben. Der Hintergrund dafür ist: Ich arbeite jetzt schon so viele Jahre mit Menschen, dass ich gelernt habe, die Kluft zu erkennen, die sich häufig zwischen den spirituellen, mentalen, körperlichen und emotionalen Ebenen auftut. Mir geht es darum, meinen Schülern zu helfen, diese verschiedenen Elemente wieder miteinander zu verbinden und eine Harmonie herzustellen.

Unterrichtest du überhaupt noch die von Yogi Bhajan gelehrten Sequenzen?
Ja, das tue ich.

Bevor du Yogalehrerin wurdest, warst du Konzertpianistin. Könnte man sagen, dass das Unterrichten einer Sequenz von Yogi Bhajan so ist, wie wenn du das Klavierkonzert eines berühmten Komponisten aufführst, während du mit „Mayas Yoga“ deine eigene Melodie spielst?
Das ist eine schöne Art, es zu beschreiben – genauso fühlt es sich an. Ich sage oft, dass ich nicht nur Musik komponiere, sondern auch Yogastunden.


Infos zu Maya Fiennes gibt es unter mayafiennes.com

 

Montags-Mantra: Loslassen

Heute wollen wir euch mit einem Mantra in die Woche begleiten, das dabei helfen kann, euch bewusst von geistiger und körperlicher Anspannungen zu lösen.

„Die Dinge loszulassen bedeutet nicht, sie loszuwerden. Sie loslassen bedeutet, dass man sie sein lässt.“
Jack Kornfield


Am besten stimmt ihr euch auf das Mantra ein, indem ihr einen aufrechten Sitz einnehmt. Das kann auf dem Stuhl oder auf dem Meditationskissen passieren. Werdet euch der Atmung bewusst und nehmt wahr, wie der Atem ein- und ausfließt. Bei jeder Ausatmung könnt ihr bewusst daran denken, Negatives, Verbrauchtes und Altes loszulassen. Bei jeder Einatmung stimmt ihr euch darauf ein, Neues, Frisches und Energie aufzunehmen. So nutzt ihr den Atem als eine Anleitung dafür, Schritt für Schritt – Atemzug für Atemzug – in die Stille zu kommen. Genau wie der Atem kommt und geht, kommen und gehen auch die Gedanken.


Fotoquelle: unsplash.com

 

Rezept-Tipp: Kürbis-Gerste-Grünkohl-Salat

Diesen Salat können Sie im Winter auch warm servieren. Mit Kürbis, Grünkohl und Gerste ist er besonders nahrhaft und wird durch Haselnüsse, Cranberries und Hanfsamen noch verfeinert. Viel Spaß beim veganen Schlemmen wünscht die YOGA JOURNAL-Redaktion.


ZUTATEN 

– 1/2 Tasse Gerste
– 2 Tassen Wasser
– 1 1/2 Tassen Butternusskürbis
– 3 Tassen geputzten, grob gehackten Grünkohl
– 3/4 EL Tahin (Sesammus)
– 3/4 EL Zitronensaft
– 1/2 TL geriebener Ingwer
– 1/2 TL Agavendicksaft
– 1 gehackte Frühlingszwiebel
– 1/4 gewürfelte Paprika
– 3 EL grob gehackte Haselnüsse
– 3 EL getrocknete Cranberries
– 3/4 EL Hanfsamen
– Salz
– Pfeffer

ZUBEREITUNG

Weichen Sie die Gerste 2 Stunden ein und kochen Sie sie anschließend in 2 Tassen Wasser bei mittlerer Temperatur 25 Minuten. Dann geben Sie den  geschälten gewürfelten Butternusskürbis dazu. Kochen Sie beides unter gelegentlichem Umrühren im geschlossenen Topf weitere 10 Minuten, bis die Gerste weich und der Kürbis gar, aber noch bissfest ist. Gießen Sie den Inhalt des Topfes in ein Sieb und halten Sie ihn warm.

Verquirlen Sie in einer Schüssel Tahin, Zitronensaft, geriebenen Ingwer, Agavendicksaft, Salz und Pfeffer zu einem cremigen Dressing. Geben Sie den Grünkohl dazu und reiben Sie das Dressing gründlich unter die Blätter. Mengen Sie Frühlingszwiebel, e Paprika, Haselnüsse, Cranberries und Hanfsamen unter den Grünkohl.

Vermischen Sie den Salat mit dem noch warmen Gerste-Kürbis-Mix, so dass der Grünkohl durch die Hitze etwas gart. Servieren Sie den Salat warm oder kalt.

Dr. Ronald Steiner über Balance

Yoga kann man als Weg verstehen, der einen der inneren Balance näherbringt. Der erste Schritt auf diesem Weg, zumindest im Hatha Yoga, führt zu ganzheitlicher körperlicher Balance. Wir nähern uns einem Zustand, in dem unsere Muskeln in Harmonie zueinander, die Gelenke zentriert und unsere inneren Organe gesund sind. Unser gesamter physischer Körper wird dadurch zu einem Ausdruck der Lebendigkeit. Gleichgewichtshaltungen sind ein Symbol für diesen Weg.

Wie funktioniert Balance?
Muskeln haben Sensoren, die sogenannten Muskelspindeln, die kleinste Veränderungen in der Länge bemerken. Wird ein Muskel gedehnt, geht von der Muskelspindel ein Nervenimpuls zum Rückenmark. Dort findet eine neuronale Umschaltung statt und ein erneuter Nervenimpuls geht zum Muskel zurück. Über diesen sogenannten Eigenreflex spannt sich der Muskel an, um dadurch die erfahrene Dehnung rückgängig zu machen. Dieser Reflex funktioniert blitzschnell und ohne unser bewusstes Zutun. Er ist wesentlich, um eine einmal eingenommene Körperhaltung aufrecht zu erhalten.

Der Fuß als Fundament
Mit folgender Übung können Sie den Mechanismus zur Wahrung des Gleichgewichts wahrnehmen: Stellen Sie sich auf ein Bein. Ihr Standfuß wird zum Fundament, über dem Ihr Körper sich ausbalanciert. Ganz unwillkürlich halten die Muskeln Ihres Beines Ihren Körper über dem Fuß im Lot. Schließen Sie nun Ihre Augen, denn auch diese haben eine wesentliche Funktion im Zusammenhang mit unserem Gleichgewicht. Beobachten Sie die nun deutlicher werdenden Ausgleichsbewegungen. Verlagert sich beispielsweise Ihr Körperschwerpunkt nach vorne, werden die Muskeln an der Rückseite Ihres Beines etwas gedehnt. Diese reagieren, gesteuert über den beschriebenen Reflex, mit einer Kontraktion. Die Zehen drücken fester in den Boden und Ihr Körperschwerpunkt verlagert sich wieder nach hinten.

Je öfter Sie diese Übung ausführen, desto feiner werden die Ausgleichsbewegungen. Schließlich werden sie so präzise, dass es scheint, als würden Sie vollkommen fest stehen. Selbst auf einer wackeligen Unterlage oder bei starkem Sturm kann diese Steuerung den Körper in einer gleichmäßigen Haltung bewahren

Von der Balance zur Yogatherapie
Die Verbesserung des Gleichgewichts mag nebensächlich erscheinen, doch sie hat eine entscheidende praktische Relevanz in der Yogatherapie. Ungünstige Gelenkstellungen, Verspannungen der Muskulatur oder eine unausgewogene Körperhaltung können die Ursache für Schmerzen am Bewegungsapparat sein. Ziel einer körperorientierten Yogatherapie ist es also, die physische Balance wieder herzustellen. Diese zeichnet sich durch einen ausgeglichenen Druck in den Gelenken und einen harmonischen Tonus der Muskulatur aus. Angenommen, Sie haben Schmerzen an der Innenseite des Kniegelenkes, dann können Sie mit Yoga über folgende Schritte einen therapeutischen Weg beschreiten und die Balance des Gelenks wieder herstellen.

Die Welt der Balance
Die im Yoga üblichen Positionen erfordern weitaus mehr Balance, als man auf den ersten Blick meinen könnte. Probieren Sie es einfach einmal aus, indem Sie während Ihrer Yogapraxis die Augen geschlossen halten. Schon wird eine sonst einfach erscheinende Stehhaltung wie das Dreieck oder der Krieger zu einer anspruchsvollen Balanceübung. Bei jeder Übung wird das Gleichgewicht auf etwas andere Weise gefordert. Die Muskeln bzw. deren Reflexe lernen dadurch, die Gelenke immer wieder in einem anderen Winkel zu stabilisieren.

Erst kommt die innere Balance, dann die äußere Position. Aus gesundheitlicher Sicht sollten wir damit beginnen, in einer relativ einfachen Körperhaltung eine möglichst harmonische körper-liche Balance zu entwickeln. Der Druck in den Gelenken ist dabei weitgehend gleichmäßig verteilt, die Muskelspannung ausgeglichen. Darauf aufbauend transportieren wir diese Harmonie in die verschiedenen Körperhaltungen oder tragen sie sogar durch Bewegungsfolgen. Jede neu eingenommene Position oder andauernde Bewegung stabilisiert dann die gesunde Balance. Auf diese Weise kann Yoga therapeutisch wirken und uns helfen, auf körperlicher Ebene mehr Gesundheit und Wohlbefinden zu entwickeln. Wenn wir uns dagegen mit schief stehenden Gelenken in diverse Körperhaltungen zwängen, stabilisieren wir über die beschriebenen Reflexe lediglich unsere unausgewogene Körperhaltung.


Der Autor Dr. Ronald Steiner ist Arzt für Sportmedizin und zählt zu den bekanntesten Praktikern des Ashtanga Yoga. Mit viel Präzision und Praxisnähe unterrichtet er auf Aus- und Weiterbildungen Anatomie, Ausrichtung und Therapie für Yogalehrer. Sein Unterricht baut eine Brücke zwischen angewandter Anatomie und lebendiger Philosophie, zwischen präziser Technik und praktischer Erfahrung (www.AshtangaYoga.info).

Montags-Mantra: stabile und leichte Haltung

Für den Start in die Woche möchten wir euch heute eine Yogaübung jenseits der Matte mitgeben, die ihr im Alltag immer wieder durchführen könnt. Es geht um Eure Haltung.

Ein Blick auf den Körper verrät schnell, wie wir und vielmehr wie es um uns steht. Oft ziehen wir ganz unbewusst die Schultern hoch, stehen mit gebeugtem Rücken da, knicken ein, beugen den Kopf. Ein paar tiefe Atemzüge reichen aus, um Körper und Geist ganz achtsam wieder zu synchronisieren.

Nehmt euch doch heute einmal die Zeit, bewusst eure Haltung zu beobachten und im Alltag Pausen der Aufrichtung einzubauen. Stehe ich mit beiden Füßen auf dem Boden? Bin ich geerdet? Kann ich mich von der Erde tragen lassen? Gibt es Anspannung, die ich mit mir herumtrage, die ich gar nicht brauche – unnötigen Ballast, den ich abgeben möchte? Was ist mit der Wirbelsäule? Gehe ich aufrecht durchs Leben? Kann ich dem Tag offen, mit erhobenem Haupte und mit stolzer Brust begegnen? Lächle ich?


In Patanjalis Yogasutra 2.46 heißt es:

sthira-sukham asanam

Die perfekte Haltung (Asana) ist stabil und leicht zugleich.


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Buch-Tipp: 111 Gründe, Vegetarier zu sein

Man sollte ein Buch nicht nach seinem Cover beurteilen. Und am besten auch nicht nach dem Titel, möchte man ergänzen. Beides mutet im Fall von „111 Gründe, Vegetarier zu sein“ eher bieder an. Umso größer ist die Freude, dass das Buch inhaltlich überzeugt. Das liegt vor allem an der enormen Rechercheleistung, die den 10 Kapiteln zu Grunde liegt.Ob es um den genauen Bedarf an Vitamin B12 geht oder um die Wassermengen, die ein Vegetarier im Jahr vergleichsweise spart – alle Angaben sind exakt, aktuell und mit fast 400 Fußnoten genau belegt. Dadurch wird das handliche Taschenbuch zu einem praktischen Nachschlagewerk. Gleichzeitig ist es ideal zum Querlesen. Vor allem aber wird das Versprechen, das im Vorwort gegeben wird, mehr als erfüllt: Das Buch versorgt uns mit einer Vielzahl von handfesten, belastbaren, originellen und teilweise sogar neuen Argumenten für den Vegetarismus.

FAZIT // Es ist immer wieder bemerkenswert, mit wie viel Geduld, Toleranz, Humor und Rücksichtnahme Vegetarier seit Jahrzehnten ihre Argumente vortragen.


111 Gründe, Vegetarier zu sein //Anne Lehwald und Simone Ullmann //Schwarzkopf & Schwarzkopf //Preis ca. 10 Euro