Männer auf der Matte – Interview mit Thomas Meinhof von Yogadu.de

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Männer und Yoga? Werfen wir heutzutage einen Blick in die Yogastudios, glauben wir kaum, dass die Tradition ursprünglich von Männern begründet wurde und Frauen lange Zeit ganz ausschloss. Geht es um die physische Stärke in der Yogapraxis haben Männer es oft leichter, in puncto Vorurteile sieht das ganz anders aus: Yoga sei zu weich, zu esoterisch, ein Frauending eben. Oft entsteht diese Voreingenommenheit jedoch im eigenen Kopf und wird mit dem Schweiß der ersten Stunde weggewischt.

Thomas Meinhof hat erst spät mit Yoga angefangen, ist jedoch seit seiner ersten Stunde dabei geblieben. In der deutschen Blogger-Szene hat er sich schnell einen Namen gemacht. Denn neben Flirt- und Mode-Tipps fürs Yogastudio, Erfahrungsberichten und Betrachtungen zur Philosophie, geht es auf seiner Seite www.yogadu.de vor allem um eins: mehr Männer von Yoga zu überzeugen.

Thomas, wie bist du eigentlich zum Yoga gekommen?
Yoga ist irgendwie zu mir gekommen und zwar in einer leider sehr stressigen Phase meines Lebens. Ich war als freiberuflicher Kreativer ständig auf Tour und habe mir in Frankfurt mit einer Kollegin eine Pendlerwohnung geteilt. Wenn ich nach einem stressigen Tag auf der Couch vor der Glotze lag, hat die Kollegin brav ihre Yogamatte ausgerollt. Nach einer Stunde war sie komplett stressbefreit und ich beim dritten Bier. Da dachte ich mir, vielleicht sollte ich das mit dem Yoga auch mal ausprobieren? Habe ich auch gleich gemacht und bin seit meinem Krankenkassen-Kurs dabeigeblieben.

Wie haben deine männlichen Freunde auf deine neue Leidenschaft reagiert?
Am Anfang war ich selbst wohl am skeptischsten meiner neuen Leidenschaft gegenüber. Und klar, einige fanden und finden das „Frauending“ wahrscheinlich schräg. Aber mittlerweile verfolgen viele das im Blog und in Social Media und unterstützen mich dabei. Tatsächlich konnte ich auch schon ein paar Jungs „bekehren“ – am einfachsten geht das übrigens bei Leuten, die über Rückenbeschwerden und/oder Stress klagen.

Ist dir in dieser Zeit aufgefallen, mit welchen Vorurteilen männliche Yogis häufig zu kämpfen haben?
Viele denken wohl, dass Yoga eher etwas für Mädchen sei. Oder dass Yogis abstinente Veganer ohne Lebensfreude seien. Oder schwul. Und bestimmt glaubt der eine oder andere, dass Männer nur zum Yoga gehen, um Frauen kennenzulernen, was manche wahrscheinlich auch machen. Meine Eltern hingegen sind relativ skeptisch, weil sie denken, dass ich einer Sekte beigetreten bin. Ich mag diese Vorurteile aber und spiele im Blog ganz gerne mal damit.

Welche Vorteile ziehst du als Familienvater aus deiner Yogapraxis, um den Alltag besser zu meistern?
Yoga macht mich stark. Und Kraft ist etwas, von dem man als Vater nicht genug haben kann. Jeder, der ein Kind hat, weiß, wie anstrengend das ist: Schlafmangel, Kinderkrankheiten, Unsicherheit und Sorgen – das zehrt. Meine Yogapraxis gibt mir zum einen die Energie, mit all dem fertig zu werden, und zum anderen die innere Gelassenheit, auch morgens um vier noch den Moment zu genießen, nachdem man beim Windelwechseln gerade angepieselt wurde. Dazu kommt, dass es als Daddy unglaublich viele Emotionen gibt, mit denen man fertig werden muss. Beim Yoga habe ich Zeit mit mir selbst und kann ich mich immer wieder neu ordnen. Und dafür bin ich sehr dankbar.

In deinem Blog schreibst du über Männer in Leggins. Ist das ein Muss oder was zieht Mann auf der Matte eigentlich an?
Das Thema musste ja kommen, ein Klassiker im Blog. Ich trage manchmal gerne Leggings beim Üben und das hat Gründe. Eine „Schlabberhose“ saugt sich eher mit Schweiß voll und stört dann auch mal in körperlich anspruchsvollen Klassen. Ich kann aber verstehen, dass sich in Leggings nicht jeder Mann besonders männlich fühlt und ziehe selbst auch meistens noch eine Shorts drüber. So etwas wie einen Dresscode gibt es beim Yoga meiner Meinung nach aber nicht. Jeder sollte tragen, womit er sich wohlfühlt, das ist das Wichtigste.

Unter deiner Leserschaft sind sicher auch viele Frauen, die ihre Männer zum Yoga motivieren möchten. Welchen Rat kannst du ihnen oder auch verunsicherten Männern geben, die es gern mal ausprobieren möchten?
Wir Männer sind ja die selbst ernannten Alleskönner, also können wir auch Yoga praktizieren, oder? Man muss es einfach ausprobieren, was soll schon passieren? Es gibt keinen Druck und keinen Zwang, am besten sollte man mit einem Freund gehen, der einem vor Ort alles zeigen kann. Ich als Mann halte Yoga übrigens auch für das perfekte Date, wenn du eine Frau damit beeindrucken willst, dass du offen für Neues bist und auch mal über dich selbst lachen kannst. Finde einen Anfängerkurs, zieh dir was Gemütliches an und mach es einfach, Mann! Die wenigsten haben es bereut und viele sind – wie ich – voll angefixt und dabeigeblieben.

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