Yoga & Musik: Die Magie des Zuhörens

255

Der Musiker und Yogalehrer Andreas Loh hatte seine intensivsten spirituellen Erfahrungen mit Musik. Deswegen setzt er sich für seine Schüler nach der Asana-Praxis ans Klavier und schenkt ihnen so ein Shavasana der besonderen Art.

„Für mich haben Musik und Yoga eine große Gemeinsamkeit: Wenn man wirklich zuhört, dann kann eine Einheit entstehen. Bei der Yogapraxis höre ich meinem Atem zu, bei der Musik der Struktur des Klangs.“ Während Andreas Loh Ashtanga Yoga unterrichtet oder selbst übt, läuft daher bewusst keine Musik, die vom Hören auf den Atem und den Geist von der Praxis und vom Spüren nach innen ablenken könnte. Umso intensiver könne dann nach dem Üben die Musik bei der Endentspannung erfahren werden, findet der 36-jährige studierte Pianist und Schlagzeuger. „Oft erzählen mir die Leute nach der Stunde, dass sie immer noch Gänsehaut haben. Auch verheulte Augen sind nicht selten.“

Für den Wahlberliner selbst war Musik lange Zeit das Wichtigste in seinem Leben. Er spielte hauptberuflich in Rock- und Jazzbands und übte jeden Tag stundenlang Schlagzeug. Als ihn diese einseitige körperliche Belastung an seine Grenzen brachte, empfahl seine Heilpraktikerin – nachdem Physiotherapie und Co. nicht helfen konnten – Yoga. Schon die erste Asthanga-Yogastunde zog Andreas Loh in den Bann. Er blieb dabei, praktizierte schon bald täglich im Studio oder zu Hause und machte schließlich eine Asthanga-Lehrerausbildung in England bei John Scott. Seine Musik profitierte von der neuen Leidenschaft: „Yoga brachte mir nicht nur körperliche Gesundheit, sondern auch Geistesklarheit und Stabilität. Konnte ich mich früher kaum länger als eine Stunde konzentrieren, waren nun ausdauerndes und intensives Spielen möglich.“ Doch im Gegenzug nahm Yoga immer mehr Zeit in Anspruch. Die letzten Jahre betrieb der Vater zweier Kinder sein eigenes Yogastudio in Berlin, das er jedoch kürzlich wieder aufgab, um wieder zu seinen musikalischen Wurzeln zurückzukehren und als Komponist zu arbeiten. Darüber hinaus gibt er in ganz Deutschland Workshops, Konzerte und Retreats, um sein Wissen über Yoga und Musik weiterzugeben.

Dabei können die Teilnehmer, nachdem sie beim Üben aufmerksam und ohne Ablenkung ihrem Atem zuhören konnten, im Sitzen oder Liegen meditieren und sich ganz der Musik hingeben. Und wenn sie Glück haben, erleben sie dann den wunderbaren Moment des Verschmelzens zu einer Einheit. Denn Yoga beginnt mit dem Zuhören.


Andreas Lohs Klaviermusik können Sie auch zu Hause genießen: Es gibt CDs und eine Entspannungs DVD. Mehr Infos und Termine für die Workshops und Retreats von Andreas Loh unter www.andreasloh.com.