Bhakti-Mantra: Silben der Hingabe

Beim Bhakti Yoga ist es eine zentrale Übung, den Geist durch das hingebungsvolle Singen auszufüllen, was durch das Wiederholen der heiligen Laute, Worte und Lieder geschieht. Das Wort „Kirtan“  („Wechselgesang“) steht für das Vor- und Nachsingen der heiligen Silben und Wörter. Das Wiederholen von Mantras wird „Japa“ genannt. Die Japa-Mala-Kette ist der indische Rosenkranz. Seine 108 Perlen werden für die Japa-Mala-Meditation verwendet.

Ein Inbegriff dieser Bhakti-Praxis ist das hier vorgestellte Mantra. Die heilige Wortfolge soll vor allem das Herzchakra ansprechen und uns für die Liebe öffnen. Durch die warmen und weichen A-Laute kommen wir mit uns selbst tiefer in Kontakt. Dies ist der Ausgangspunkt für echte Selbstliebe und der Beginn wahrhaftiger Liebe für andere. Letztlich, und das ist die zentrale Ausrichtung des Bhakti, sind dies alles aber nur Stationen auf dem Weg zur reinen Gottesliebe.

Tumi Bhaja re Mana
Tumi Japa re Mana
Om Shri Ram Jaya Ram
Japa re Mana

Oh Geist (Mana), mein lieber Freund, singe hingebungsvoll (Bhaja) und wiederhole (Japa) die Namen des Göttlichen: Om Shri Ram Jaya Ram


Philipp Stegmüller leitet regelmäßig Kirtan- und Bhajan-Veranstaltungen in und um München.
www.m-singing-circle.de
www.malikarjuna.com
www.kiyomamu.com

DVD-Tipp: How to change the world

1971: Unter Einsatz ihres Lebens segeln ein paar Hippies mit einem Fischkutter namens „Greenpeace“ in eine Atomtestzone vor der Küste Alaskas. Die Protestaktion begeistert die Welt. Inspiriert von spirituellen Einflüssen, wie den Prophezeiungen der amerikanischen Ureinwohner, fand sich in Vancouver eine bunte Mischung von Aussteigern zusammen: „Mystiker und Mechaniker, die ihre individuellen Talente zusammenwarfen, um eine Art geistige Bombe zu zünden“, wie Regisseur Jerry Rothwell die Community aus Friedensbewegten, Künstlern, Wissenschaftlern und Wehrdienstverweigerern beschreibt. Ihr Mastermind Bob Hunter, ein dem Buddhismus nahestehender Kettenraucher mit Hang zur Selbstausbeutung, folgte der Maxime „Der Körper muss der Stimme folgen“. Aktivismus bedeutete für ihn, das Anliegen radikal über die persönliche Sicherheit zu stellen.

Wie jedem ordentlichen Revolutionär waren ihm Struktur und Planungsdetails eher fremd. Dies sorgte früh für Zündstoff in der Organisation, die erst die Generation nach Hunter & Co. zu einer der weltgrößten Umweltorganisationen gestalteten. „Die Menschen, die die Organisation über die kommenden Jahrzehnte führten, erkannten, dass man die Welt erst verändern kann, wenn man bei sich selbst beginnt”, so Rothwell.

Fazit: Keine Verklärung der Greenpeace-Welt, sondern ein kritischer Blick auf die Anfänge und auf Aktivismus als Lebenseinstellung.

How to Change the World /Regie: Jerry Rothwell

Kann man Liebe lernen? Gerald Hüther über Beziehungen

Ein Neurobiologe muss kein kopflastiger Menschen sein. Im Fall von Gerald Hüther trifft man auf einen Hirnforscher mit Herz und Lebensweisheit. Und weil Yoga und Wissenschaft gerade viel voneinander lernen, ist Hüther auch in Yogakreisen ein geschätzter Gast.
YOGA JOURNAL führte mit ihm ein Gespräch über Freiheit, Gefühle und die Liebe.

Herr Hüther, wenn man das Wort „Yoga“ aus dem Sanskrit übersetzt, bedeutet es „Verbindung“. Heutzutage wird es gerne mit „Harmonie“ oder sogar „Freiheit“ gleichgesetzt.
Ich glaube, dass wir im Westen ein Problem mit dem Begriff „Freiheit“ haben. Wir müssen uns fragen, was wir eigentlich damit meinen. Es gibt die Freiheit, die aus der Gefangenschaft herausführt – die „Freiheit von“. Etwas völlig anderes ist es, zu sagen: „Ich bin frei für etwas“. Warum haben wir diesen Begriff so zerlegt? Das kann nicht ursprünglich so gewesen sein, sonst hätten wir zwei Worte dafür. Die Antwort könnte in dem Umstand liegen, dass Freiheit ursprünglich nur in Verbundenheit möglich gewesen ist.

Parallel nimmt die Bereitschaft ab, in Ehe oder Partnerschaft langfristig auch durch Schwierigkeiten hindurch verbunden zu bleiben. Haben wir es hier mit einem falschen Verständnis von Freiheit zu tun?
Der Mensch ist kein Einzelwesen. Er ist immer verbunden. Aber die meisten der Beziehungen, die wir in unserer Welt kennen, sind Objektbeziehungen, in denen sich Leute gegenseitig benutzen. In einer solchen Gemeinschaft mit anderen – auch in der Partnerschaft – wo ich für bestimmte Zwecke gebraucht werde, wo ich Objekt von Erwartungen bin, von Bewertungen und am Ende gar von Erziehungsmaßnahmen: Da bin ich unfrei. Deshalb verstehen die meisten Menschen in unserer Gesellschaft unter „Freiheit“ das Herauskommen aus den zu engen und sie bedrängenden Objektbeziehungen.

Die Partnerschaft sollte ja eigentlich ein Schutzraum sein.
Eine wirkliche Liebesbeziehung geht nur auf Augenhöhe, von Subjekt zu Subjekt. In einer Partnerschaft, in der es beide fertigbringen, sich auf solch eine Begegnung einzulassen, muss keiner seine Freiheit suchen, indem er die Partnerschaft verlässt. Dann ist er ja in der Partnerschaft der freieste Mensch, den es gibt.

Lässt sich so etwas durch Yoga lernen? Kann man Liebe lernen?
Die Anfangserfahrung eines Kindes heißt: Solange ich als Subjekt gesehen werde, bin ich in engster Verbundenheit völlig frei. Ich brauche diese Verbundenheit, damit ich mich daraus in meiner Einzigartigkeit entwickeln und meine Potentiale wirklich entfalten kann. Man kann tatsächlich nur in der Subjekt-Subjekt-Beziehung gleichzeitig das Gefühl von Autonomie und Verbundenheit erleben. Das Wort, das wir dafür im Deutschen haben, heißt: Liebe.

Dann wäre Liebe aber kein romantisches Gefühl, sondern eine grundlegende Haltung, eine Entscheidung?
Das ist eine Beziehung, in der sich beide gleichzeitig das Gefühl von Vertrauen geben und das Gefühl, dass man aufgrund und trotz der engen Verschmelzung ständig darauf achtet, dass der andere in seine eigene Kraft kommt.

Wie kann man das meistern?
Um eine Haltung der Liebe zu entwickeln, müsste jeder Partner jemand werden, der in ähnlichen Subjekt-Subjekt-Beziehungen so viel Kraft gefunden hat, dass er das auch weitergeben kann. Wenn man einen Menschen wirklich liebt, ist das kein Gefühl, sondern eine Haltung, die sich dann auch auf die Beziehungen zu anderen Menschen übertragen kann.

Viele Yogis erwarten von sich eine solche Haltung, am besten direkt und sofort. Wenn sie das nicht schaffen, werten sie sich ab. So entsteht ein unglaublicher selbstgemachter Druck, der auch zu einem wenig authentischen Liebesverhalten führen kann. Wie lässt sich dieses eigentlich positive Bestreben also stärken?
Es ist ja Teil des Yoga, dass man über die Übungen mit sich selbst in Beziehung kommt. Jemand, der sich bisher ständig verurteilt hat, kann durch Yoga – sowohl durch die Meditation als auch durch die Asanas – wieder in Kontakt zu sich selbst kommen und sich wieder selbst als Subjekt befreien.

Das gesamte Interview lesen Sie im YOGA JOURNAL #43.

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Yoga meets Heilkunst: Yin Yoga-Buch

Als Schülerin von Paul Grilley hat Helga Baumgartner direkt beim Urvater des Yin Yoga gelernt. Die 26 vorgestellten Asanas sollen dazu beitragen, eine freundliche und liebevolle Haltung zu Körper und Geist zu entwickeln. Das lange Halten (3–5 Minuten je Übung) und das intensive Hineinspüren sind dabei für die Autorin maßgeblich, um in der Praxis vollständig loslassen zu können. Für weniger Geübte werden bei jeder Anleitung Varianten angeboten. Beim Üben mit der zugehörigen Audio-CD muss man zwischen den Übungen jedoch im Buch herumblättern, was etwas unpraktisch ist. Zudem werden die Sequenzen auf der CD so zügig angesagt, dass für ein intensives Erspüren – ganz entgegen der Zielsetzung – nicht die nötige Zeit bleibt.

FAZIT: Gut bebilderte Übungsanleitungen für alle, die lange in Haltungen hineinspüren und sich auf das Abenteuer Yin Yoga inkl. Hintergrundinfos einlassen wollen. Die Audio-CD ergänzt das Buch nur bedingt.

Yin Yoga – Achtsames Üben für innere Ruhe & Entspannung von Helga Baumgartner, blv, Preis: ca. 20 Euro inkl. Audio-CD. Erfahren Sie mehr über Yin-Yoga in unserem Style Guide.

Chakra Yoga: Mit Navasana das Nabelchakra aktivieren

Beginnen Sie im Sitzen mit nach vorn ausgestreckten Beinen. Dann ziehen Sie die Knie an die Brust und greifen mit den Händen in die Kniekehlen. Dabei lösen Sie die Füße vom Boden und balancieren auf den Sitzknochen. Heben Sie die Brust und senken Sie die Schultern. Um Arme und Beine kraftvoll nach vorn strecken zu können, verlagern Sie das Gewicht leicht nach vorne, ziehen den Nabel nach innen und aktivieren die Bauchmuskeln. Wenn Sie in dieser Haltung Schwierigkeiten haben, die Brust zu heben und den Rücken zu strecken, halten Sie die Beine mit den Händen fest. Ansonsten üben Sie dynamisch weiter: Ausatmend kreuzen Sie die Arme vor Ihrer Brust und senken die Beine bis kurz vor dem Boden. Einatmend kehren Sie zurück in die Boothaltung. Wiederholen Sie die Übung fünf Mal, anschließend legen Sie sich flach auf den Rücken. Das Boot ist eine energetisierende, transformierende Haltung und aktiviert die tiefliegenden Bauchmuskeln.

☞ Wirkung: Fördert die eigene Stärke, steht für Veränderung.


Manipura = Nabelchakra

Thema: Wenn das Nabel­chakra in Balance ist, fühlt man sich lebendig, selbstbewusst und produktiv. Ist es blockiert, mangelt es an Mut und Selbstbewusstsein, man fühlt sich unbeweglich und träge. Die Arbeit an diesem Chakra weckt die innere Kraft. So fällt es leichter, Ängste zu überwinden und Risiken einzugehen.

Position: auf Höhe des Nabels an der Wirbelsäule
Element: Feuer
Farbe: Gelb
Silbe: Ram

7 Gründe für Achtsamkeitsmeditation

Eine ganze Reihe von Forschungen haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die Achtsamkeitsmeditation ein sehr wirkungsvolles Instrument ist. Zwar sollte man nicht aus jeder Studie gleich ein Behandlungsrezept ableiten, dennoch zeigt sich: Die Praxis kann eine gute Ergänzung zu herkömmlichen Heilmethoden sein.

1. Steigerung der Konzentrationsfähigkeit
In der Achtsamkeitspraxis lernt man, die Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Punkt zu lenken und dort zu halten – und das macht sich auch im Alltag positiv bemerkbar. In einer 2012 durchgeführten Studie wurden Menschen ohne vorherige Meditationserfahrung untersucht. Nach einem dreitägigen Einführungskurs in Achtsamkeitsmeditation und einer täglichen zehnminütigen Praxis über bis zu sechzehn Wochen hinweg konnten sie Aufgaben, die Konzentration erforderten, deutlich besser ausführen als die Vergleichsgruppe ohne Meditationspraxis.
(Quelle: Frontiers of Human Neuroscience)

2. Linderung von Stress
Eine Reihe von Forschungsergebnissen legen nahe, dass die Achtsamkeitsmeditation nicht nur Stress und Angstgefühle im Zusammenhang mit schwierigen Lebensphasen lindern kann, sie hilft auch unmittelbar beim Bewältigen von stressigen Situationen. So konnte der Psychologe Kirk Warren Brown 2013 in einer Untersuchung zeigen, dass „achtsame“ Menschen auf sehr unangenehme Bilder mit weniger Gehirnaktivität reagierten als die Kontrollgruppe. Daraus lässt sich schließen, dass die Achtsamkeitspraxis die Mechanismen verändert, durch die stressrelevante Hirnareale aktiviert werden.

3. Positiver Einfluss auf die Hirnstruktur
Achtsamkeitsmeditation führt zu Änderungen in der grauen Hirnsubstanz – und das in Arealen, die für Lernen, Gedächtnis und Emotionsregulation wesentlich sind. Das haben Studien während der vergangenen Jahre gezeigt. In einer Untersuchung aus dem Jahr 2011 haben Forscher die Gehirne von Menschen untersucht, die wenig oder keine Erfahrung mit Achtsamkeitstraining hatten. Nach einem achtwöchigen MBSR-Kurs hatte sich die graue Substanz im Vergleich zu den ersten Aufnahmen deutlich vermehrt. (Quelle: Psychiatry Research)

4. Stärkung des Immunsystem
Eine Studie mit Teilnehmern, die 50 Jahre und älter waren, konnte 2012 zeigen, dass Achtsamkeitsmeditation genauso effektiv vor Erkältungen oder Grippe schützt wie Sport. Dadurch konnten frühere Untersuchungen gestützt werden, die ebenfalls zu dem Ergebnis gekommen waren, dass Achtsamkeitsmeditation Krankheiten bekämpft, indem sie das Stressniveau senkt und so eine gesunde Immunreaktion fördert. (Quelle: Annals of Family Medicine)

5. Weniger Ängste und Depressionen
In einer Meta-Analyse aus dem Jahr 2014 fanden Wissenschaftler der Johns Hopkins Universität heraus, dass Achtsamkeitsmeditation bei der Behandlung von Depressionssymptomen genau so wirksam sein kann wie Anti­depressiva. Ebenfalls 2014 untersuchte eine Studie fünfzehn Teilnehmer ohne vorherige Meditationserfahrung. Schon nach vier Tagen Achtsamkeitstraining berichteten sie über deutlich geringere Angstgefühle. Dieser Effekt ist darauf zurückzuführen, dass Achtsamkeitsmeditation die Stimmung hebt und die kognitiven Kontrollmechanismen verbessert. (Quelle: Social Cognitive and Affective Neuroscience)

6. Umgang mit Schmerzen
2011 fanden Forscher der Wake Forest Universität heraus, dass schon ein viertägiges Achtsamkeitstraining dazu führen kann, dass Testpersonen, die unter Schmerz meditieren, den Schmerz deutlich geringer einstuften. Dabei sank die Einstufung der unangenehmen Empfindungen um 57 Prozent und die Stärke des Schmerzempfindens um 40 Prozent. Bei einer Reihe von anderen Studien blieb die Schmerzintensität zwar gleich, durch die höhere Akzeptanz wurde der Schmerz aber anders bewertet und als weniger unangenehm wahrgenommen. Mit anderen Worten: Die Achtsamkeitspraxis erleichtert zumindest den Umgang mit Schmerz.

7.  Unterstützung bei Demenz und Alzheimer
In einer 2013 veröffentlichten Pilotstudie kamen Forscher der Wake Forest Universität zu dem Ergebnis, dass Erwachsene mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen (einem Übergangsstadium zwischen den normalen altersbedingten Formen von Vergesslichkeit und einer ausgeprägten Demenz) von Achtsamkeitsmeditation profitieren. Sie zeigten im Vergleich zur Kontrollgruppe verringerte Veränderungen in der für Degenerationserkrankungen besonders bedeutsamen Hirnregion, dem Hippocampus. Außerdem fiel den Forschern auf, dass das so genannte Default Mode Network bei den Meditierenden neuronal besser vernetzt war. Diese Gruppe von Gehirnarealen spielt eine besondere Rolle bei Tagträumen und beim Nachdenken über Vergangenheit und Zukunft. Größere Studien stehen noch aus, doch die ersten Ergebnisse scheinen vielversprechend.


Den gesamten Artikel  zum Thema Achtsamkeit finden Sie im YOGA JOURNAL 1/2016.

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Lernen von den Göttern: Miteinander

Es gibt Zeiten, in denen wir uns selbst schützen müssen. Und Zeiten, in denen
wir sehr viel zu geben haben …

Im Yoga ist es – jedenfalls in unserer westlichen Hemisphäre – mittlerweile eine Art Kult geworden, gut auf sich selbst zu achten. Dabei stehen sich zwei Schulen gegenüber. Es gibt den traditionelleren und indisch orientierten Ansatz, in dem Selbstaufgabe als „Karma Yoga“ gepriesen wird. Und es gibt die postmoderne Schule, in der die Selbstschau groß geschrieben wird und in der man ständig Angst hat, zu viel von sich selbst zu verlangen oder zu geben. Dieser Grundkonflikt ist natürlich nicht auf Yoga beschränkt. Wann sollen wir freien Herzens viel von uns verschenken, und wann ist es Zeit sich zurückzuziehen? Mit dieser Frage haben wir immer wieder zu tun.

In der Shrimad Bhagavatam gibt es die Geschichte von König Prithu und der Erdgöttin Bhumi: Einst herrschte ein König namens Vena, der so groß wie die Götter sein wollte und Land und Leute ausbeutete, weswegen er schließlich – von den Weisen verflucht – ein böses Ende nahm. Seiner Asche entstieg zunächst ein dämonischer kleiner Zwerg. Die Weisen schickten ihn in den Wald und wandten sich wieder der Einäscherungszeremonie zu. Da erschien plötzlich die schöne und kraftvolle Gestalt von König Prithu. Er wurde als Inkarnation von Vishnu – dem Erhalter – angesehen und dazu erkoren, das Königreich ehrbar zu regieren. Die Zeit verging und das Volk freute sich sehr über den milden, gütigen König. Aber etwas Unheimliches war im Gange: Schließlich kamen die Untertanen zum König und klagten: „Herr, obwohl wir säen und säen, bringen unsere Felder keine Früchte mehr hervor. Wir werden alle des Hungers sterben.“

König Prithu wurde zornig und machte sich auf den Weg zur Göttin der Erde. Diese verwandelte sich in eine Kuh, und floh vor Prithu ins Weltall, wo er sie zwischen Himmel und Erde einfing. Er hob seine Waffen und rief: „Du lässt mein Volk verhungern. Was für eine Mutter bist du, dass du dich nicht um deine Kinder kümmerst? Ich sehe keinen anderen Weg als dich zu töten, um meine Untertanen mit deinem Fleisch zu füttern.“ Zitternd erwiderte Bhumi: „Ich hatte mich vor der Grausamkeit deines Vorgängers versteckt, der alles für sich haben wollte. Wenn du mich tötest, werde ich deinen Untertanen danach gar nichts mehr geben können. Wenn du aber versprichst, mich davor zu schützen, dass mir zu viel genommen wird, dann will ich dir und den deinen Milch geben, wann immer ihr braucht.“

In der Geschichte von König Prithu steckt auch eine Antwort auf die obige Frage: Wenn wir uns dafür entscheiden, die Menschen um uns herum nur um das zu bitten, was wir wirklich brauchen, dann müssen wir auch weniger Angst davor haben, zu kurz zu kommen. Wir sehen in ihnen ja vor allem das, was auch in uns selber ist. Natürlich gibt es auch Könige wie Vena, die nur an sich selbst denken und von denen wir uns am besten fernhalten sollten – ob als Liebhaber, als Lehrer oder als Chef. Aber es ist etwas zu einfach, sich immer damit zu entschuldigen, dass andere uns ans Leder wollten. Manchmal ist es an der Zeit, sich zusammenzureißen und an die Arbeit zu gehen. Zeit, auch Verantwortung für andere zu übernehmen. Spätestens wenn wir Eltern werden, lernen das die meisten. Wohl den Kindern, die Mütter und Väter haben, die sich nicht aus ihrer Verantwortung stehlen, aus welchen Gründen und in welcher Form auch immer. Diese Kinder können zu Liebenden werden, die bereit sind, auch Feuerproben durchzustehen. Sie gehen so achtungsvoll miteinander um wie König Prithu und Mutter Erde, nämlich im wahrsten Sinne des Wortes „miteinander“. 


RALF STURM leitet mit Katharina Middendorf die Yogalehrer-Ausbildung zum „Teacher of Stillness“. Gemeinsam führen sie eine Praxis für Yogatherapie und Paarberatung in Berlin. 

Montags-Mantra: Bei sich selbst bleiben

Wenn wir bei uns selbst bleiben, andere nicht verurteilen, keine voreiligen Schlüsse über deren Handeln oder Worte ziehen und es nicht persönlich nehmen, steigern wir das persönliche Glück und auch das der Gemeinschaft. Ihr seht das anders? Klingt egoistisch? Vielleicht dient diese Behauptung ja als Grundlage für eine spannende Diskussion in Familie oder Freundeskreis. Haben wir unser Glück selbst in der Hand? Ist alles eine Frage der Einstellung?

Wir wünschen euch eine schöne Woche, in der ihr dem Weg zum Glück vielleicht einen Schritt näher kommt.


„ Die meisten Menschen sind so glücklich, wie sie es sich selbst vorgenommen haben.“
Abraham Lincoln