Shambala-Buddhismus leicht gemacht

Für alle, die gerne ausgehen, Partys feiern, viel arbeiten und die sich getrieben fühlen ob der vielen Dinge, die noch zu tun wären. Für alle, die sich gleichzeitig nach mehr Sinn, nach mehr Ernsthaftigkeit und einem Weg zur Entspannung sehnen, hat der amerikanische Meditationslehrer und Autor der Huffington Post Lodro Rinzler mit seinem Buch „Triffst du Buddha an der Bar, gib ihm einen aus“ genau die richtige Einführung ins Thema Buddhismus geschrieben. Leicht, komisch, intelligent, ohne die spirituelle Reise zu schwer zu nehmen. Wie man mithilfe bestimmter Meditationstechniken entspannt die Zerreißproben des Lebens besteht und sich von bestimmten Erwartungshaltungen und Sichtweisen befreien kann, das erfährt man in dem Buch mit dem witzigen Titel auf wirklich unterhaltsame Art und Weise.

FAZIT:  Lodro Rinzler lädt alle Sinnsuchenden auf amüsante Art dazu ein, sich mit sich selbst und dem Thema Meditation auseinanderzusetzen.

„Triffst Du Buddha an der Bar, gib ihm einen aus. Dharma, Karma und das pralle Leben“ von Lodro Rinzler (Aurum Verlag, ca. 19 Euro).

Interview // Hannah Herzsprung

Vom Freiwerden der Gefühle 

„Größte Freude und echter Schmerz“: Die Dreharbeiten zum Spielfilm „Flucht aus Tibet – Wie zwischen Himmel und Erde“ stellten die Schauspielerin Hannah Herzsprung nicht nur vor äußere Herausforderungen. In den Bergwelten Ladakhs und der Schweiz entstand das bewegende Drama der jungen Medizinstudentin Johanna, die eigentlich zum Bergsteigen nach Tibet kommt, aber durch faszinierende Begegnungen mit den Menschen des Landes tiefe Einblicke in ihre – teilweise widersprüchliche – Kultur und Spiritualität erhält.

YOGA JOURNAL: In „Flucht aus Tibet – Wie zwischen Himmel und Erde“ spielen Sie eine junge Frau, die durch extreme äußere Bedingungen eine innere Wandlung erlebt: Aus der Touristin wird eine mitfühlende Aktivistin.
Hannah Herzsprung: Ich würde den Prozess, durch den Johanna geht, mit dem Freisetzen ihrer Gefühle beschreiben. Johanna ist ein sehr aufgeschlossener Mensch, sie ist selbstbewusst und steht für ihre Überzeugung ein. Dass sie sich den Problemen der Tibeter durch ihren Einsatz so bedingungslos hingibt und für Gerechtigkeit kämpft, ist nicht zuletzt auch durch ihre Familiengeschichte begründet: Ihre Mutter reiste als Bergsteigerin viele Male nach Tibet.

Können Sie diese Entwicklung an Extremen auch als Künstlerin nachvollziehen?
Ich hatte gar keine andere Wahl. Schon in Deutschland bin ich an meine Grenzen gekommen, habe wahnsinnig viel Sport gemacht, da mir alle sagten, was für eine physische Belastung insbesondere die Höhe von bis zu 3.500 Metern, auf der wir arbeiteten, darstellt. Die physische Belastung vor Ort setzte dem Ganzen dann die Krone auf: Ich konnte mich tagelang nur minimal bewegen, bis sich mein Organismus auf die Höhe umgestellt hat. Wie bei einem Hochleistungssportler bleibt es bei so einer Anstrengung nicht bei der physischen Belastung. Man gerät in einen Sog, will immer mehr Grenzerfahrungen sammeln, ist niedergeschlagen, wenn es nicht weiter geht, und euphorisiert, wenn man den nächsten Abschnitt erreicht hat. Ich glaube, dass der Körper immer im Einklang mit den Emotionen sein muss, nur dann ist er zu Höchstleistungen in der Lage. Diesen Sog kenne ich vom Spielen meiner Rollen – nur wenn ich so tief in einem Charakter bin, dass es größte Freude oder echten Schmerz auslöst, nur dann habe ich das Gefühl, wirklich mein Bestes zu geben.

Welchen Stellenwert nimmt die Rolle der Johanna in Ihrer bisherigen Filmografie ein? Was waren Ihre ganz speziellen Herausforderungen?

Johanna hat mich beim ersten Lesen des Drehbuchs in ihren Bann gezogen. Mich hat fasziniert, wie furchtlos sie eine Reise in eine ihr völlig unbekannte Welt antritt und diesen Schritt alleine wagt, um eine Veränderung in ihrem Leben zu spüren. Als dann die Geschichte einen Wandel nimmt, sie sich auf einmal inmitten einer menschlichen wie auch politischen Tragödie befindet und sich mit einer solchen Überzeugung für andere stark macht, war ich von der Stärke dieses Charakters beeindruckt. Ich bewundere Menschen, die sich so bedingungslos zurücknehmen, um nicht nur darüber zu reden, dass sich Dinge ändern müssen. Eine solch starke Frauenrolle in einer so ausweglosen Situation zu spielen, die sich dabei nicht aufgibt, waren für mich die spannendsten Facetten in der Rollenerarbeitung.

Welche Balance zwischen der Distanz zu einer Rolle und dem Aufgehen in einer Figur hat sich generell für Sie bewährt?

Ich muss abends nach einem Dreh als Hannah ins Bett gehen können und den Tag reflektieren. Ich glaube nicht, dass es das Spiel oder die Wirkung der Rolle besser macht, wenn man sich komplett in der Rolle verliert. Meine Erfahrung ist, dass eine gesunde Distanz zur Rolle die eigentliche Arbeit ausmacht, sich ständig mit ihr auseinanderzusetzen und es nicht einfach geschehen zu lassen.

Welchen Bezug hatten Sie vor dieser Produktion zum tibetischen Buddhismus, der „Flucht aus Tibet – Wie zwischen Himmel und Erde“ prägt?

Ich bin nicht religiös, zumindest nicht in dem Sinne, einer bestimmten Religion zu folgen. Müsste ich mich aber auf eine festlegen, wäre es sicherlich der Buddhismus, da dieser Glaube für mich am meisten mit Güte und Nächstenliebe zu tun hat. Während unserer Dreharbeiten in Ladakh hat sich dies täglich bestätigt. Die Menschen dort scheinen immer glücklich zu sein, auch wenn sie nach unseren westlichen Maßstäben ein sehr einfaches Leben führen.

Auch der Tod hat in diesem System eine andere Bedeutung als im Westen. Im Film fällt es Johanna schwer, dies zu akzeptieren. Können Sie das verstehen?

Natürlich. Johanna ist in einer Wertegesellschaft aufgewachsen, die dem genauen Gegenteil entspricht. Wir leben im Jetzt und Hier und tun alles dafür, dass es uns heute gut geht. Im Buddhismus bemüht man sich für ein besseres Leben nach dem jetzigen.

Szenenbild_09(3508x2338)Viele Menschen reisen in buddhistische Länder, um Techniken wie Meditation etc. zu lernen und zu üben. Sie empfinden die dortige Kultur „spiritueller“ als die, mit der sie im Westen aufgewachsen sind. Haben Sie in Ladakh ähnliche Erfahrungen gemacht?
Gewissermaßen, ja. Doch für mich sind es nicht die Länder, die eine Spiritualität ausstrahlen, sondern eine Kombination verschiedener Gegebenheiten: Die Menschen, das meist gute Wetter, die Gerüche in der Luft, die Landschaften. Das alles ist natürlich viel befreiender als ein Yoga-Studio in Berlin Mitte. Während der Dreharbeiten in Ladakh waren wir in den Bergen dem Himmel sehr nah, natürlich befreit das die Seele und den Geist. Natürlich fühle ich mich in einem Bergdorf voller unbekannter Gerüche und freundlicher Gesichter animiert, mich einem Glücksgefühl hinzugeben. Es klingt pathetisch, aber ich kann jedem, der eine innere Unruhe verspürt, nur wärmstens empfehlen, diese Reise auf sich zu nehmen. Die Menschen dort leben kein materielles Leben. Alles, was zählt, ist der innere Frieden und jeder, dem man dort begegnet, vermittelt einem diesen Frieden.

Würden Sie sich als spirituellen Menschen bezeichnen?

Das kommt auf die Definition von „Spiritualität“ an. Ich glaube nicht an Geister und Riten, bin aber ein Mensch, der „Schwingungen“ oder wie auch immer man das bezeichnen mag, gern in sich aufnimmt. Ich lasse es gern zu, mich in den Bann einer Landschaft oder von der Offenherzigkeit der Menschen berühren zu lassen. Und wie schon gesagt: Allein durch die Höhe, die Nähe zum Himmel, fühlte sich in Indien alles etwas freier und gelöster an.

Interessieren Sie sich für Yoga oder Meditation? Haben sie es schon einmal ausprobiert?

Ich habe viele Yoga-Studios kennen gelernt, muss aber ehrlich gestehen, dass ich es leider nie wirklich lange geschafft habe, am Ball zu bleiben. Mir sagt die Form der Bewegung und das Bewusstsein dem Körper gegenüber sehr zu – ich werde es sicherlich wieder probieren…

Von Christina Raftery

INFO: Die mit vielen Film- und Fernsehpreisen ausgezeichnete Schauspielerin Hannah Herzsprung überzeugte durch ihr intensives, fokussiertes Spiel unter anderem in Produktionen wie „Vier Minuten“, „Das wahre Leben“, „Der Baader Meinhof Komplex“ , „Der Vorleser“ und „Weissensee“. Ihr jüngster Film „Flucht aus Tibet – Wie zwischen Himmel und Erde“ (Regie: Maria Blumencron) ist seit Dezember 2012 als DVD erhältlich.

Fotocredit: Prokino

Dave Stringer – Exklusiv für das Yoga Journal

Auf die Matte, fertig, play!

Auf unserer 4. CD „YOGI BEATS“ haben wir wieder 10 Stars der Kirtan-Szene versammelt — neben großartigen Künstlern wie C.C. White, Jai Uttal, DJ Drez und MC Yogi hat uns unter anderem auch Dave Stringer einen Song zur Verfügung gestellt.

Die Leidenschaft und Freude, mit der Dave Stringer die Mantren vermittelt, steckt an! Wie jedes Jahr war Dave auch dieses Jahr wieder auf Deutschland-Tournee. Am 13.10.2012 war er für einen Kirtan-Workshop mit anschließendem Konzert im Hamburger Studio „Flying Yogi“ zu Gast, wo er unsere aktuelle Ausgabe in die Finger bekam…

Seht selbst — Bhakti pur!

© Flying Yogi, Hamburg, Germany — Herzlichen Dank für den schönen Beitrag!

 

 

 

Auf die Matte, fertig, play!
Auf unserer 4. CD „YOGI BEATS“ haben wir wieder 10 Stars der Kirtan-Szene versammelt — neben großartigen Künstlern wie C.C. White, Jai Uttal, DJ Drez und MC Yogi hat uns unter anderem auch Dave Stringer einen Song zur Verfügung gestellt.
Die Leidenschaft und Freude, mit der Dave Stringer die Mantren vermittelt, steckt an! Wie jedes Jahr war Dave auch dieses Jahr wieder auf Deutschland-Tournee. Am 13.10.2012 war er für einen Kirtan-Workshop mit anschließendem Konzert im Hamburger Studio „Flying Yogi“ zu Gast, wo er unsere aktuelle Ausgabe in die Finger bekam…
Seht selbst — Bhakti pur!
© Flying Yogi, Hamburg, Germany — Herzlichen Dank für den schönen Beitrag!

 

Der Atmende Gott

Zurück zu den Wurzeln!

„Der atmende Gott“ von Jan Schmidt-Garre begeisterte bislang über 70.000 Menschen in den Kinos. Nun gibt es den wunderbaren Dokumentarfilm, der den Ursprüngen des Yoga auf den Grund geht, endlich auch auf DVD. Schmidt-Garre erzählt davon, wie Krishnamacharya im Auftrag des Maharadschas von Mysore ein umfassendes Konzept zur Erhaltung von geistiger und körperlicher Gesundheit entwickelte, das als Quelle des modernen Yoga angesehen werden kann. In Ergänzung zum Film enthält die DVD-Edition 160 Minuten spannende Bonustracks mit historischem Archivmaterial, vielen bisher unveröffentlichen Filmszenen und Interviews – darunter ein faszinierendes Gespräch mit B. K. S. Iyengar über seine Yoga-Praxis und Vinyasa Krama.

FAZIT: Ein Muss für alle, die den Film noch nicht oder noch nicht oft genug gesehen haben!

Verena Kling

„Der atmende Gott – Reise zum Ursprung des modernen Yoga“ von Jan Schmidt-Garre (Ascot Elite Home Entertainment, 2 DVDs, ca. 18 Euro.

 

„Yoga für den Körper, Buddha für den Geist“

In Ihrem Übungsbuch „Yoga für den Körper, Buddha für den Geist“ erklärt die weit über die eigenen Landesgrenzen hinaus bekannte US-amerikanische Yogalehrerin Cyndi Lee, wie es zu OM Yoga kam – der Verbindung von tibetischem Buddhismus und Yoga. Das Buch erschien bereits 1994 auf Englisch und ist jetzt auch endlich in deutscher Sprache erhältlich. Das Buch spiegelt Cyndi Lees Reise wider, einen Yogastil zu finden, in dem ihr Bedürfnis nach Bewegung und das Konzept von Achtsamkeit zur Geltung kommt. Jedes Kapitel beginnt mit einer sehr persönlichen Geschichte aus ihrem Leben und beschreibt, wie diese Erfahrung in ihren Unterricht als Yogini und Praktizierende des tibetischen Buddhismus einfloss. Lee bietet einfache Meditationsübungen und Yogasequenzen, die überall ausgeführt werden können. Für fortgeschrittene Yogis und Meditierende gibt es zusätzliche Übungen.

Fazit: Dieses Buch ist eine Offenbarung für alle, die sich einer Yogapraxis zuwenden möchten, die von den buddhistischen Lehren der Achtsamkeit durchdrungen ist, oder nach einem Weg suchen, die eigene Meditationspraxis mit präzisen Yogaausrichtungen anzureichen.

„Yoga für den Körper, Buddha für den Geist“ von Cyndi Lee

 

Pilgern ins Mandala des Yoga

Er thront in der tibetischen Hochebene und gilt für Hindus und Buddhisten als das Zentrum des Universums. Ihn zu umrunden ist der Traum vieler Yogis. Was macht den Mount Kailash so besonders?

Das Jahr 2012 geht in die zweite Hälfte, doch das Paradies, das sich die Esoteriker erträumt haben, bleibt aus. Wir müssen immer noch mit Geld für den Bus bezahlen, und oft sogar arbeiten, um es zu verdienen. Es scheint, dass wir nicht darum herumkommen, uns mit den Anforderungen der materiellen Welt auseinanderzusetzen.

Der Legende nach hat der gutmütige Gott Shiva dafür aber ein Hilfsmittel zur Verfügung gestellt. Zu Beginn des „dunklen Zeitalters“ – des Kali Yuga, in dem wir heute leben – hatte seine Gattin Parvati ihn gefragt, was die Menschen der Moderne tun können, um in Zeiten von physischen und emotionalen Herausforderungen zu bestehen. „In einer grobstofflichen Welt beginnt man seine Praxis mit dem Körper“, antwortete Shiva. Und er begann am Berg Kailash, ihrem gemeinsamen Wohnsitz, Asanas zu üben. Vom benachbarten See Manasarovar aus schaute ein Fisch zu, der sich die 8.400.000 verschiedenen Variationen der Haltungen genau einprägte. Daraufhin wurde er von Parvati in Matsyendranath, den ersten Lehrer für Hatha Yoga, verwandelt.

Hatha Yoga – Das Yoga der Anstregung
Im Sanskrit-Wörterbuch wird Hatha Yoga als „Yoga der Bemühung“ übersetzt. Es geht um „die Kraft, die notwendig ist, sein eigentliches Ziel zu erreichen“, so sagen die Schriften. Nun, was ist das „eigentliche“ Ziel? Wer sich auf die Reise zu Shivas Wohnsitz macht, muss bereit sein, einiges an körperlicher Anstrengung auf sich zu nehmen. Ob man zu Fuß durch West-Nepal nach Tibet wandert, oder mit dem Jeep von Kathmandu oder Lhasa aufbricht; es dauert immer einige Tage, bis man das „kostbare Juwel des Schnees“ (so der tibetische Name) erreicht. Man könnte seinen Urlaub leichter am Strand verbringen oder in heimischen Wäldern wandern. Was macht gerade den Kailash so anziehend für Yogis?

Das natürliche Mandala

„Es gibt Berge, die nur Berge sind, und solche, die eine ausgeprägte Persönlichkeit besitzen“, schreibt Lama Govinda in seinem Reisebericht „Der Weg der weißen Wolken“. Das Charisma des Kailash ergibt sich nicht nur aus seiner eindrucksvollen Pyramidenform, mit der er fast alleinstehend auf einer Ebene im Transhimalaya thront, sondern auch aus der Natur, die ihn umgibt. Aus seiner Mitte entspringen in alle vier Himmelsrichtungen die vier großen Flüsse des indischen Subkontinents (Indus, Brahmaputra, Satluj und der später in den Ganges mündende Karnali). Er bildet dadurch ein natürliches Mandala und ruht als Achse in dessen Mitte.

„Ha“ und „Tha“: Sonne und Mond

Wenn man nach Tagen des Wanderns oder der nicht immer bequemen Fahrt über die Pisten des tibetischen Hochlandes endlich den Gurla-Pass im äußersten Westen Tibets erreicht, lässt einen der majestätische Anblick des Berges, der hier auch wie ein großer Shivalingam aussieht, umgehend still werden. Für einen Moment gibt es keine Wellen im Geist, außer tiefer Freude und der Dankbarkeit, dieses Wunder der Natur mit eigenen Augen sehen zu können. Dann fällt der Blick auf die beiden großen Seen am südlichen Fuß des Berges, und die nächste Analogie zum Hatha Yoga wird klar: Die beiden Silben „Ha“ und „Tha“ bedeuten laut B. K. S. Iyengar auch Sonne und Mond. Sie repräsentieren die Gegensatzpaare weiblicher und männlicher Energie, kühlender Entspannung und erhitzender Aktivität (siehe Kasten).

Die phantastische Reise
Bei einer Reise zum Kailash bewegt man sich also – wie im Film „Die phantastische Reise“ – wie ein mikroskopisch kleines Wesen in der Natur seines eigenen Körpers. Denn die beiden Seen Manasarovar und Rakshastal entsprechen im Mandala des Kailash Ida und Pingala. Bei oberflächlicher Betrachtung hat der erste die Form einer Sonne, der zweite die Form einer Mondsichel. Der Manasarovar wird als „See der Götter“ bezeichnet. Um ihn herum blühen mittlerweile wieder viele der alten Klöster auf, und es wimmelt von Brahmanengänsen, Kranichen, Möwen und etwa zwanzig anderen Vogelarten. Der Rakshastal hingegen ist still und verlassen. Von den Tibetern wird er „See der Dämonen“ genannt. Dort ist kein Laut zu hören. In unserer Seele wirken auch immer beide Seiten; die Kräfte des Lichtes und die Kräfte der Nacht. Manch eine Reiseteilnehmerin hat sich schon bei mir beschwert, dass die Frauen schlecht dabei wegkommen, weil sie in dieser Philosophie mit dem Dunklen, Tiefgründigen, gar Dämonischen assoziiert werden. Aber möglicherweise gibt es auch keine Erleuchtung, ohne die Kräfte des Unterbewussten zu achten. Wenn wir uns auf die Reise gemacht haben, den Kailash kennen zu lernen, dann laufen wir tatsächlich um das „Zentrum des Universums“ – denn wir bewegen uns bildlich um unsere eigene Wirbelsäule, unser eigenes Inneres.

Von Ralf Sturm

Lesen Sie den Rest dieses Artikels in der September/ Oktober 2012-Ausgabe des YOGA JOURNALs.

Yogamänner auf dem Vormarsch

Jahrzehnte, nachdem Millionen von Frauen im Westen die Praxis für sich entdeckt haben, entwickelt sich Yoga nun in eine Richtung, die auch moderne, sportbegeisterte Männer anspricht.

James Arbona erwartete sich nicht viel von dieser Yogastunde. Der 48-jährige Kameramann aus New York hatte es schon einige Male versucht und nie Feuer gefangen. Blumige Metaphern, fremdartig klingende Gesänge und langsame Dehnübungen sagten dem begeisterten Basketballer und Läufer einfach nicht zu. Doch die Stunde, zu der ihn seine Freundin nun genötigt hatte, war anders: „Yoga for Dudes“ („Yoga für Kerle“). Arbona genoss es, er kam regelmäßig und weil er sich durch Yoga schon bald anders fühlte und die positiven Auswirkungen auch im Basketball spüren konnte, veränderte sich seine Einstellung dazu. Viele Männer haben in letzter Zeit ähnliche Erfahrungen gemacht. Zwar wird Yoga im Westen noch immer hauptsächlich von Frauen praktiziert (in den USA machen sie laut einer aktuellen Erhebung 77 Prozent aus, ältere Zahlen aus Deutschland sprechen sogar von rund 80 Prozent), doch der Anteil der Männer steigt. Studios mit entsprechenden Angeboten berichten, sie hätten bis zu 20-mal mehr männliche Teilnehmer als noch vor einigen Jahren.

Auch die regelmäßigen Marktforschungen der amerikanischen Ausgabe des YOGA JOURNAL ergaben, dass der Anteil der Männer an der Gesamtheit der Übenden in kurzer Zeit um fast fünf Prozent gewachsen ist. Wie erklärt sich dieser Wandel – und vor allem die Tatsache, dass es gerade die sportlichen, maskulinen Typen sind, die in letzter Zeit die Yogastudios stürmen? Bestimmt nicht dadurch, dass Männer neuerdings besonders beweglich und spirituell werden, oder dass sie mehr im Kontakt mit ihrer weiblichen Seite sind – auch wenn diese Qualitäten häufig mit Yoga in Verbindung gebracht werden und noch immer eine Menge Männer abschrecken. Viel eher liegt es daran, dass Yoga Männer endlich da abholt, wo sie stehen – sei es nun in speziellen Männerkursen oder durch eine andere Ansprache. „Männer sollten nicht gegen ihre Stärken arbeiten müssen“, erklärt Nikki Costello, die Lehrerin von James Arbona, die die wegweisenden „Yoga for Dudes“-Kurse im Kula Yoga Project in Manhattan entwickelt hat. „Wenn man die Männer sieht, wirklich so sieht, wie sie sind, dann müssen sie sich auch nicht dazu überwinden, Yoga anzunehmen.“
Historikern zufolge hat sich Yoga im Laufe der Jahrhunderte immer wieder an ein wechselndes Publikum angepasst. Was wir heute üben, lässt sich in weiten Teilen auf die Erziehung junger Inder vor etwa 75 Jahren zurückführen. Das Ziel von Yoga war damals, die Körper der Jungen zu kräftigen und ihre Konzentration zu fördern. Auch die westliche Körperkultur des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts spielte eine wichtige Rolle. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts geschah dann etwas eigentlich sehr Erstaunliches: Die Frauen eroberten das traditionell Männern vorbehaltene Yoga für sich – und sie taten es so gründlich, dass Yoga im Westen zu etwas wurde, das unserem Männerbild sogar ziemlich zuwiderläuft.
Seit einigen Jahren gibt es nun eine Gegenbewegung. Einzelne Studiobesitzer und Yogalehrer wie Nikki Costello haben die Gelegenheit wahrgenommen, auch Männer an die Praxis heranzuführen, die dem Image von Yoga eigentlich eher ablehnend gegenüberstehen. Sie tun das unter anderem, indem sie den Unterricht speziell auf ihre Bedürfnisse zuschneiden. Welche Bedürfnisse das sind, konnte Costello beobachten, als sie zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts in einem großen Fitnessstudio unterrichtete: Schweißtreibende Sequenzen ohne viel Hokuspokus zogen einen viel höheren Prozentsatz Männer in die Stunden als gewöhnlich. Die Schüler waren sportbegeisterte, körperbewusste Alphatiere, es waren Businesstypen, die es liebten, sich zu verausgaben, Männer, die kein Blatt vor den Mund nahmen und mit Gefühlsduselei nichts am Hut hatten.
Costello erkannte, dass Asanas, wie sie in einer typischen Yogastunde des 21. Jahrhunderts unterrichtet werden, nicht zu den körperlichen Merkmalen dieser Schüler passten. Viele hatten sich im Fitnessstudio dicke Muskeln antrainiert, einen großen Bizeps, robuste Oberschenkel und breite Schultern. „Diese Jungs hatten häufig nur an isolierten Stellen ihres Körpers gearbeitet. Im Yoga geht es aber darum, wie alles zusammenhängt“, erklärt sie. Deswegen zielt sie in ihren Männerstunden weniger auf Kraft und Stabilität als auf Integration und Beweglichkeit. So werden von Sport und Krafttraining verhärtete Muskeln dazu gebracht, sich zu lockern und mit anderen Muskelgruppen zusammenzuarbeiten.

Den nach unten schauenden Hund beispielsweise übt Nikki Costello mit neuen Schülern überhaupt nicht, denn da ist die Tendenz groß, das gesamte Gewicht auf den Armen zu tragen und sich mit reiner Muskelkraft durch die Haltung zu mogeln. Stattdessen führt sie sie durch Übungen wie den Krieger II. Dabei ermutigt sie ihre Schüler, sich nicht allein auf die Kraft der Oberschenkel zu verlassen, sondern stattdessen die Dehnung in Leisten und Hüften zuzulassen und zu beobachten, wie die verschiedenen Details der Haltung sich gegenseitig beeinflussen. Diese Bezüge – zwischen einem Körperteil und einem anderen, zwischen Gedanken und Handlungen, zwischen Atem und Bewegung – sind es, um die es nach Costellos Meinung im Yoga geht. Sie sind zwar sowieso der Kern jeder Asana, nur erschließt sich das Männern, die es gewohnt sind, jeden Muskel einzeln zu trainieren, nicht unbedingt auf Anhieb. „Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem die Jungs die Bedeutung der körperlichen Vernetzung begreifen“, erklärt Nikki Costello. „Und wenn sie lernen, die einzelnen Körperteile miteinander zu verbinden und sich in dieser Bewusstheit zu bewegen und zu handeln, dann öffnen sie sich auch für die volle Erfahrung von Yoga.“

 Von Andrew Tilin

 

Lesen Sie den Rest des Artikels in der September/ Oktober 2012-Ausgabe des YOGA JOURNAL.

Be Love Now

Ein Guru kann alles sein – sogar ein Buch. Zum Beispiel Ram Dass‘ neues Werk „Be Love Now“, in dem der beliebte Bhakti-Yogi offen und inspirierend seinen Weg des Herzens seit seiner Begegnung mit seinem Guru Neem Karoli Baba in Indien beschreibt. Und dieser Wegwar nicht gerade leicht für den ehemals hoch angesehenen Harvard-Psychologieprofessor Dr. Richard Alpert, wie Ram Dass mit bürgerlichem Namen heißt. Nachdem er 1963 wegen kontroverser Experimente mit psychedelischen Drogen aus Harvard entlassen wird, begibt er sich auf seine wichtigste Reise nach Indien. Dort trifft er „Maharaj-ji“, wie der Guru liebevoll genannt, der mal augenzwinkernd, mal streng, seinen Schülern den Weg des Bhakti Yoga, der absoluten Hingabe, zeigt. Immer wieder zweifelt Ram Dass – von seinem Verstand und seinen Mustern begrenzt – an sich selbst und der allumfassenden Liebe. So ist „Be Love Now“ voller Anekdoten über die Stolpersteine, die Ram Dass und seine Weggefährten (u.a. Krishna Dass) benötigten, um sich im Eins-Sein zu entwickeln. Schließlich beschreibt Ram Dass das große Glück, das er erfährt: Liebe ist allumfassend, nicht gebunden an Ort und Zeit. Die wunderbar ehrlichen Geschichten sind Inspiration und Quelle der Selbsterkenntnis. Aber das Buch lädt auch zum Schmunzeln ein, unter anderem durch viele Fotos, die Maharaj-ji´s Anhänger Anfang der 60er Jahre zeigen.

FAZIT: Dieses Buch muss man mit dem Herzen lesen. Dann wird das Buch zum Guru und das Lesen zum Gebet. Bhakti Yoga pur!

Annette Söhnlein

„Be Love Now: Der Weg des Herzens“ von Ram Dass (J.Kamphausen, ca. 20 EUR)