Was ist AcroYoga?

Der Yogastil AcroYoga bringt Asanas vom Boden in die Luft. Dabei können Yogis auf neue Weise erfahren, was Verbindung bedeutet: Geübt wird nicht alleine auf der Matte, sondern zu zweit, zu dritt oder in der gesamten Gruppe.

Die Erfahrung des Fliegens lässt sich eigentlich nicht mit Worten beschreiben. Ich selber hatte das Glück, diesen transformierenden Moment des Getragenseins zu erleben – gemeinsam mit AcroYoga-Begründer Jason Nemer. Was ich spürte, war ein tiefes Gefühl von Vertrauen und Verbindung mit dem Leben. In mir entstand der Wunsch, diese Erfahrung an andere Menschen weiterzugeben, den ich mir mit der Lehrerausbildung auf Hawaii erfüllte. AcroYoga hat mein Leben seitdem auf unendlich vielen Ebenen bereichert. Das vielleicht größte Geschenk ist die Erkenntnis, dass viele der Grenzen, die wir für real halten, nur in unserem Kopf existieren. Mit der Erfahrung, physische Grenzen zu verschieben – beispielsweise beim Handstand – begann ich, wilde und freie Entscheidungen in meinem Leben zu treffen. Beispielsweise meine Karriere als Journalist beim Fernsehen gegen das Lehrerdasein einzutauschen. Ein Entschluss, den ich niemals bereut habe!

AcroYoga: Praxis mit dem Partner 

Während man andere Yogastile in erster Linie alleine auf der Matte übt, steht bei AcroYoga die Arbeit mit einem Partner im Vordergrund. Diese Form des Partneryoga verbindet das Wissen des Yoga mit dem liebenden Mitgefühl der Thai-Yogamassage und der dynamischen Kraft der Akrobatik. Im Mittelpunkt stehen Vertrauen, Verbindung und Spielfreude. Neben dem bereits erwähnten Fliegen umfasst AcroYoga auch andere Elemente wie Umkehrhaltungen und Hilfestellungen, Asanas, Kreiszeremonie, Partnerstretches, Thai Massage und Partnerakrobatik. Ziel der Praxis ist es, die Einheit mit dem Göttlichen zu erkennen, zu feiern und mit anderen zu teilen.

Körperliche Verbindung neu erleben

Das kann zum Teil wilde und akrobatische Formen annehmen. Genau wie bei „klassischen“ Yogaformen steht jedoch die innere Erfahrung und nicht die äußere Form im Vordergrund. Man muss weder besonders gelenkig noch erfahren sein, um AcroYoga üben zu können. In diesem Sinne ist die Praxis für jeden geeignet, der bereit ist, zu berühren und sich berühren zu lassen. Für Paare kann AcroYoga eine bereichernde Erfahrung sein, um auf körperlicher Ebene Verbindung und Vertrauen neu zu erleben. Genauso wertvoll kann es aber sein, AcroYoga mit jemandem zu praktizieren, den man noch nicht kennt und dadurch zu lernen, einer fremden Person zu vertrauen.

Video mit Mady Morrison: Acro Partner Yoga für Anfänger 

Wie so eine AcroYoga Sequenz aussehen kann, zeigt dir Mady Morrison auf ihrem Youtube-Kanal: So kannst du gemeinsam mit deinem Partner die Übungen Frontbird und Freebird ganz einfach lernen.

Vertrauen in sich selbst und andere stärken

Sich auf jemanden einzulassen, erfordert Vertrauen – insbesondere wenn die andere Person die „Basis“ ist und man selbst der „Flieger“, der über die Füße eines anderen nach unten hängt. Durch eine zusätzliche Person, die Hilfestellung gibt, wird ein sicherer Raum zum Üben geschaffen. In diesem sicheren Raum können körperliche Grenzen neu erfahren werden und wir können Dinge tun, die wir uns alleine nicht getraut hätten. Das kann für viele Menschen eine sehr befreiende Erfahrung sein. Sie stellen plötzlich fest, dass manche Glaubenssätze, die sie bislang über sich selbst oder ihre Fähigkeiten hatten, falsch sind. Beispielsweise kann eine Frau von sich glauben, sie sei zu schwach, um jemand auf ihren Füßen zu tragen. Oder wir glauben, dass wir niemals im Handstand stehen könnten, weil wir dazu körperlich nicht in der Lage seien. Durch die Unterstützung eines anderen Menschen können wir diese oder andere Glaubenssätze widerlegen und trauen uns dadurch vielleicht grundsätzlich mehr zu.

Die Geschichte von AcroYoga

AcroYoga wurde von den Amerikanern Jason Nemer und Jenny Sauer‑Klein begründet, die sich 2003 auf einer Party in San Francisco trafen. Jason war seit seiner Kindheit Profiakrobat und trat mit 16 Jahren sogar bei der Weltmeisterschaft in China an. Jenny beschäftigte sich seit vielen Jahren mit Körperarbeit, Massage und brachte Erfahrungen aus dem Zirkus mit. Bei diesem Fest brachten sie sich gegenseitig in die Luft, spielten mit Partnerakrobatik und dem sogenannten Therapeutischen Fliegen, der fliegenden Massage. Aus dem Feuer der Begeisterung entstand AcroYoga. 

AcroYoga Flight Manual

Ihre erste Klasse war ein voller Erfolg. Gemeinsam mit ihrer ersten Schülerin Carolyn Cohen, erstellten die beiden ein Übungshandbuch, das „AcroYoga Flight Manual“ und begannen 2006 damit, die ersten Lehrer auszubilden. Ihre Vision, AcroYoga mit der ganzen Welt zu teilen, bescherte ihnen ein globales Nomadenleben. Workshops in den USA, Europa, Asien und Südamerika und Auftritte bei Yogakonferenzen brachten sie an die Grenze ihrer eigenen Belastbarkeit. Auch heute noch sind ihre Terminkalender gut gefüllt, doch ihren Anspruch die ganze Welt zu bereisen, haben die beiden aufgegeben. Heute geben sie mehr Verantwortung an ihre Schüler ab – um die Freude am Unterrichten zu bewahren und ihr eigenes Wohlbefinden nicht zu vernachlässigen. 


Autor Tobias Frank, ist zertifizierter AcroYoga-Lehrer in Deutschland, hat mit „Flying Bodywork“ seinen eigenen Stil entwickelt, den man im Rahmen von Workshops und Ausbildungen auch von ihm erlernen kann. Auf seiner Seite thaiyoga.de erfährst du mehr über seinen Stil.

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