Anusara Yoga: Style Guide

Die Geschichte des Hatha Yoga ist voller Entwicklung und Innovation. Wie die Äste eines Baumes, haben sich viele neue Stile aus den älteren, klassischen Traditionen entwickelt. Anusara Yoga ist verwurzelt in einer tantrischen Linie, einer ausrichtungsorientiertem Hatha Yoga und moderner Biomechanik. Aber auch in der Gemeinschaft, die uns Halt und Tiefe in unserem spirituellen Fortschritt schenkt. Yogalehrerin Barbra Noh erklärt, was genau Anusara Yoga ist.

Ich hatte bereits sieben Jahre lang Yoga praktiziert, als ich Anusara Yoga entdeckte. Meine Home Practice war mir heilig und ich besuchte die Workshops verschiedenster Stilrichtungen. In jedem Stil fand ich Aspekte, die für mich sehr wertvoll waren. In den ersten Jahren meiner Praxis erfuhr ich eine starke Transformation sowohl auf persönlicher als auch auf gesundheitlicher Ebene. Nach einigen Jahren täglichen Übens “passierte” bis auf Freude nicht mehr viel. Tatsächlich zog ich mir sogar Verletzungen zu und hatte chronische Schmerzen. Denn mein Körper war hyperflexibel geworden. Doch die strenge Disziplin und der Einfluss der klassischen Yoga-Philosophie schienen mich als Person eher strenger und weniger flexibel zu machen. Aufgrund meiner Hingabe für Yoga fragten mich einige Menschen, ob ich unterrichten wolle. Obwohl meine Yogalehrer-Ausbildung rudimentär war, wuchs meine Schülerschaft. Bald wurde mir klar, dass ich eine weitere Ausbildung benötigte. Nicht nur um mein eigenes Yoga zu vertiefen. Sondern auch besser helfen zu können.

Meine Suche führte mich zu Anusara. Und an dieser Stelle begann die zweite Stufe einer bedeutenden Transformation in meinem Yogaleben. Die Ausrichtungsprinzipien gaben mir die Stabilität und Integration, die mir bis dahin gefehlt hatten. Bestimmte Haltungen, die mir vorher nicht möglich waren, gelangen mir auf einmal mit Leichtigkeit. Meine üblichen “Wehwehchen” verschwanden, als mein Körper in den Bereichen stärker wurde, in denen ich zuvor schwach gewesen war. Und in den Bereichen flexibler, in denen ich zuvor blockiert war. Ich hatte mir eine Verletzungen durch ein Adjustment zugezogen. Mit der Zeit und mit Beharrlichkeit war es möglich, diese Hüftverletzung zu heilen und das Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks zu vermeiden.

Der Wendepunkt in meinem Yoga-Weg

Die Tantra Philosophie als neue spirituelle Basis veränderte mich als Person. Ich wurde zugänglicher, wärmer und empfindsamer war als zuvor. Ich begann mich mehr zu öffnen. Mich glücklich zu fühlen wurde weniger abhängig von äußeren Umständen. Es wurde zu einer bewusst gewählten Lebenshaltung. Anfangs benötigten die Ausrichtungsprinzipien in Verbindung mit dem tantrischen Gedankengut einige Anstrengung. Es ermutigte mich, dass ich nun besser fähig war, Schülern zu helfen. Ich erlebte, dass diese Prinzipien es ermöglicht, leichter, tiefer und angenehmer in die Haltungen zu kommen. Wir alle machten Fortschritte! Insgesamt benötigte ich fünf Jahre, um meine Zertifizierung abzuschließen. Während dieser Zeit studierte ich die technische Seite des Unterrichtens. Außerdem gab es die Kula, das aktive Einbringen in die Gemeinschaft. Dadurch konnte ich meine “zwischenmenschlichen” Fähigkeiten als Yogalehrerin entwickeln.

Anusara Yoga – wie alles begann

Die Methode begründete 1997 John Friend. Er war führender Iyengar-Yogalehrer, der Schüler von Gurumayi Chidvilasananda und jahrelanger Hatha-Yogalehrer im Siddha Yoga Ashram. Siddha Yoga von Swami Muktananda folgt der philosophischen Tradition des kaschmirischen Shivaismus. Daher wurde diese tantrische Philosophie die Basis von Anusara Yoga. Auch die jahrelange therapeutische Arbeit mit verletzten Schülern führte schließlich zur Entwicklung einer Yogamethode. Diese unterschied sich so stark von allen anderen Yogastilen, dass sie nach einem eigenen Namen verlangte.

Anusara Yoga wurde ein Stil, der einerseits Komplexität und Tiefe besitzt. Andererseits ist er aber durch seine einzigartigen Prinzipien und seine logische Methodologie gut zugänglich. Das Wort “Anusara” stammt aus einem Vers des tantrischen Textes Kularnava-Tantra. “Shaktipata-anusarena shishyonugraham arhati.” “Indem er sich mit den Strom der göttlichen Shakti direkt ins Herz begibt, ist der wahre Schüler imstande, Gnade zu empfangen.” Wörtlich bedeutet Anusara, im Fluss des Göttlichen zu sein, im Herzen zu verweilen und mit Gnade zu fließen. Die höchste Motivation besteht darin, sich nach dem Göttlichen auszurichten.

Es soll sich gut anfühlen!

Die folgende Beschreibung des Anusara-Systems mag zuerst wie schwierige technische Informationen wirken. Wenn man regelmäßig Anusara praktiziert, ändert sich das. Vielleicht taucht die Frage nach dem Sinn auf. Zusammenfassend kann man sagen, dass sie auf dem Weg zu Wohlgefühl und dem Erkennen seines inneren Glanzes dient. Die Asana-Praxis zusammen mit der Ausrichtung und der lebensbejahenden Philosophie führt zum Erleben unseres eigenen “Gut-Seins”. Wenn wir uns körperlich und emotional gut fühlen, erleben wir einen spirituellen Wandel und beginnen, uns auf neue Art für das Leben zu öffnen. Wir sind nicht nur im Einklang mit unserem Körper, sondern mit dem Leben selbst. Das ist die Erfahrung, die wir anstreben. Wie also können wir wissen, ob wir uns in der optimalen Ausrichtung befinden? Indem wir uns gut fühlen. Physisch, emotional und spirituell ausgeglichen, stabil und frei.

Die Methode: Attitude, Alignment, Action

Als Methode umfasst Anusara drei Hauptmerkmale: die non-dualistische, tantrische Philosophie, die biomechanischen Ausrichtungsprinzipien und die Kula (Gemeinschaft). Diese drei Aspekte werden kurz als die “3 A’s” zusammengefasst: Attitude (Einstellung), Alignment (Ausrichtung), Action (Aktion). Dabei ist “Attitude” als Kraft des Herzens hinter jeder Aktion oder jedem Ausdruck zu verstehen. Sowohl in der Asana als auch im Leben. Sie ist die tiefe Sehnsucht in uns, wieder zu unserer eigenen göttlichen Natur zu erwachen. Sie ist die Absicht, mit der wir uns mit dem Leben verbinden. Sie ist das “Warum” unseres Daseins und unserer Yogapraxis.

Alignment” ist die bewusste Wahrnehmung, dass und wie verschiedene Teile von uns verbunden sind. Dabei handelt es sich um das Wissen, auf harmonische und erfüllende Weise zu interagieren, zu reagieren und zu kreieren. Es ist das “Wie” unserer Reise. “Action” ist die natürliche Bewegung der Energie im Körper. Sie wirkt sowohl durch ihre Stabilität beruhigend als auch freudvoll durch ihre Freiheit. Dieser Moment, in dem wir uns vollkommen im Erleben befinden, wohin uns unsere höchsten Absichten führten. Er bedeutet wörtlich, “Attitude” und “Alignment” in Aktion zu bringen und spiegelt das “Was” unseres Lebens wider. Unser Handeln, wie wir mit unseren Beziehungen und Einflüssen durch und mit anderen umgehen, ist unser Yoga im Leben. Die Gemeinschaft oder Kula bietet uns das Feld, in dem wir beobachten, inwieweit unser Yoga uns dient.

Das spontane und natürliche Ergebnis von “Attitude”, “Alignment” und “Action” ist die tatsächliche Erfüllung der Sehnsucht des Herzens. Unsere höchste Intention, die Ausdruck darin findet, wie wir uns selbst im größeren Fluss des Lebens bewegen können und in harmonischer Beziehung mit dem existieren, was ist. Alle diese Konzepte beziehen sich genauso auf die Praxis wie auf das Leben. Im Anusara wird die Asana-Praxis als Möglichkeit gesehen, die Ideale und Qualitäten, nach denen wir streben, zu verkörpern und anzuwenden.

Anusara-Stunden

Anusara-Stunden variieren bezüglich des Themas, der Asana-Wahl und des Levels der Schüler. Es gibt keine festen Übungsreihen. Daher gestalten alle Lehrer ihre Stunden selbst. Teilweise werden auch Hilfsmittel eingesetzt. Allerdings legt Anusara größeren Wert darauf, dass die Schüler durch die Ausrichtungsprinzipien eine gute Ausrichtung finden. Jede Klasse beginnt, indem kurz das philosophische Herzthema der Stunde erläutert wird. Gefolgt von einer kurzen Meditationsphase und dem Singen der “Invocation”. Das Herzthema wird in die Praxis eingeflochten. Die Wahl der Asanas hängt vom Thema ab. So bleibt das philosophische Konzept nicht nur eine schöne Idee, sondern wird ein physisches Erlebnis.

Im Allgemeinen beinhalten die Klassen sowohl dynamische Bewegungen als auch angenehmes, intensives Verweilen in den Asanas. Das bedeutet die Balance zwischen Bewegungen und detaillierter Aufmerksamkeit. Eine Anusara-Klasse setzt die “3 A’s” um mit den folgenden Aspekten um. Die tantrische Weltsicht, die universellen Ausrichtungsprinzipien und der Gemeinschaftsgeist. Sie definiert sich nicht durch Sequenzen. Sondern durch die Art der Praxis und die Einstellung. Was die Praxis ausmacht, sind die Handlungen, die innerhalb der Form stattfinden. In Verbindung mit einer demütigen Haltung der Offenheit. Die Lehrer führen ihre Schüler auf eine Weise, die darauf abzielt, sich spirituell zu erheben und zugleich auf körperlicher Ebene zu heilen.

Die Prinzipien und die Methode dient dem Schüler dazu, dass er seinen Wert erkennt. Die Bewusstseinserweiterung, die zur Glückseligkeit führt, wird als oberste Motivation für die Praxis verstanden. Was wir wirklich wollen, ist, uns selbst kennen zu lernen. Wir wollen erkennen, wer wir in unserer wahren Essenz sind. Enthüllt von den Schleiern des Zweifels und der Wertlosigkeit. Dieses Wissen offenbart unsere glückselige Natur und erlaubt uns, uns selbst daraus kreativ zu zeigen.

Im Anusara werden in jeder Haltung die universellen Ausrichtungsprinzipien umgesetzt. Diese sind therapeutisch und bilden die Basis der Anusara-Yogatherapie. Zudem verkörpern sie die „3 A’s“ im Rahmen der Yogapraxis.

Die universellen Ausrichtungsprinzipien (UPA)

  • Erstes Prinzip – “Open to Grace” (Offen sein für den “Fluss der Gnade”)
    Das erste Prinzip ist eine bewusste Ausrichtung unserer Absicht. Offen und im Fluss zu sein mit dem Höchsten (Grace). Diese Einstellung umfasst Hingabe. Die Bereitschaft, immer offen für das Lebens zu sein. Auf physischer Ebene zeigt es sich darin, dass wir in jeder Haltung ein optimales Fundament schaffen. Und zwar mit derselben Achtsamkeit, wie wir unsere Ausrichtung für die Praxis setzen. Weiter wird durch den Atem eine angenehme Dehnung der Körperseiten geschaffen. Dadurch “leuchtet” der Schüler von innen.
  • Muskuläre Energie: Dieser Begriff beschreibt das Fokussieren der Energie von der Peripherie zur Körpermitte hin. Die Haut und die Muskeln schmiegen sich näher an die Knochen. Es findet ein subtiler Energiefluss von den äußeren Körperteilen (Füße, Hände, Kopf) zum Zentrum statt. Dies führt zu Stabilität, Kraft und Integration innerhalb der Asana. Zudem wird die Körperwahrnehmung gesteigert, wodurch eine ganzheitliche Körper-Geist-Erfahrung entsteht.

Spiraldynamik im Fokus

  • Innere/ausdehnende Spirale
    Diese Aktion beginnt an der inneren, vorderen Kante der Füße und bewegt sich an den Beinen entlang nach oben bis zum Becken. Die sich ausdehnende Energiespirale endet weit oben auf der Rückseite der Taille. Dieses Prinzip rotiert die Beine nach innen, bewegt die oberen Ansätze der Oberschenkel nach hinten und außen. Dadurch weitet sich das Becken zwischen den Sitzknochen. Die innere Spirale verfeinert die Ausrichtung des Oberschenkelknochens in der Hüftpfanne, sorgt für mehr Flexibilität in Hüften und Becken und hilft außerdem bei der Verstärkung der natürlichen Innenwölbung des unteren Rückens. Die innere Spirale der Arme dreht die Unterarme aus einer anatomisch neutralen Stellung nach innen, um die Handgelenke und Schultern auszurichten.
  • Äußere/zusammenziehende Spirale
    Dieses Prinzip arbeitet zusammen mit und der inneren Spirale entgegen. Die äußere Spirale ist die zusammenziehende Kraft. Deren Wirkung geht von der Rückseite der Taille aus, über das Steißbein bis in die Beine und Füße. Sie stabilisiert das Becken und bewegt das Steißbein in den durch die innere Spirale gebildeten Raum. Dadurch verlängert sie die Kurve in der Lendenwirbelsäule. Die Oberschenkel rotieren leicht nach außen. Diese kontrahierende Spirale endet an den Füßen mit Ziehen der Fersen zueinander. Dadurch wird die Haltung stabiler. Die ausgeglichene, gemeinsame Aktion der inneren und äußeren Spirale resultiert in einer Spannung im Becken. Für das Gleichgewicht der beiden Spiralen ist die Aktionen der inneren zu halten, während man die äußere hinzunimmt. Bei den Armen dreht die äußere Spirale die Oberarme nach außen und voneinander weg. Deswegen verstärkt sie die herzöffnende Qualität der Anusara-Yogapraxis.

Fokuspunkte und Energie-Loops

  • Organische Energie
    Der Begriff “organisch” bezeichnet einen natürlichen und subtilen Energiefluss, der aus der Mitte des Körpers entspringt und sich entlang der Kernlinien des Körpers in die Peripherie bewegt. Als Gegenkraft zur muskulären Energie verlängert, erweitert und vergrößert sie die Ausdehnung und Flexibilität. Dadurch entsteht das Gefühl von freudiger Freiheit in den Haltungen. Die organische Energie entspringt zuerst am Fokuspunkt und bewegt sich dann nach unten zur Basis der Haltung. Dieses Verwurzeln über die Basis fördert zugleich die natürliche, nach oben strebende Ausdehnung aller Körperbereiche oberhalb des Fokuspunktes. Die organische Energie verleiht der Praxis ein angenehmes Gefühl einer sich ausdehnenden Leichtigkeit. In jeder Asana gibt es einen aktiven von insgesamt drei Fokuspunkten. Im Zentrum des Beckens, am tiefsten Punkt des Herzens und am oberen Gaumen. Der aktive Fokuspunkt ist jeweils der, der am meisten Gewicht trägt. Zum Beispiel liegt in allen Stehhaltungen der Fokuspunkt im Becken, im Handstand im Herzen und im Kopfstand im oberen Gaumen.

Anusara Yoga: Die Loops

Als sich Anusara Yoga entwickelte, wurden verfeinernde Elemente in das System integriert. Die “Loops” bezeichnen kreisförmige Bewegungen, die energetisch im Körper stattfinden. Insgesamt gibt es sieben Loops. Die “Loops” finden in der Praxis erst nach den fünf Hauptprinzipien (UPA) Anwendung und sind als Feinabstimmungen zu verstehen, die die Ausrichtung noch spezifischer optimieren.

Wie man die Methode erlernen kann

Für Anusara-Stunden in deiner Nähe, geh auf die Anusara-Website. Intensiver kann man Workshops und Masterclasses oder sogar die 108-stündige Immersions-Serie besuchen. Als Yogalehrer-Ausbildung werden 100-stündige Trainings angeboten, die man nach den Immersions beginnt. Erst im Anschluss folgt das erste Level der Anusara-Lehrer-Zertifizierung. Diese verleiht dem Lehrer den Titel “Anusara-Inspired”. Sowohl die Zertifizierung ist an ein Mentor-System gebunden, das Stundenbeurteilungen und Feedback-Sessions beinhaltet. Wie lange der gesamte Prozess dauert, ist individuell.

Lebensbejahende tantrische Philosophie

Anusara Yoga liegt eine klar definierte, non-dualistische, tantrische Weltsicht zugrunde, die das Leben im Kern als gut ansieht. “Non-dualistisch” bezieht sich auf die dem Tantra vorausgehenden und gegensätzlichen Philosophien, welche die manifeste und die spirituelle Welt als komplett voneinander getrennt betrachten. Tantra dagegen ist die Sicht, dass es keine zwei getrennten Wirklichkeiten gibt, sondern nur eine einzige Energie, die die gesamte Existenz durchdringt. Sowohl im Absoluten als auch im Relativen. Das Wort “Tantra” bezeichnet ein Werkzeug, Instrument oder eine Technik zur Ausdehnung. Als Begriff umfasst es eine breite Vielfalt von Schulen, die die Idee teilen, dass alles Bewusstsein ist. Der Zweig des Tantra, der kaschmirische Shivaismus, prägte Anusara. Das höchste Bewusstsein, beinhaltet absolute Freiheit, Fülle und Kreativität. Dieses entschied sich aber für die Begrenzung des irdischen Daseins, um sich selbst in wiederzuerkennen. Daher sind Bewusstsein und Glückseligkeit (Chit-Ananda) die Essenz aller Dinge.

Anusara basiert also auf dem Konzept des intrinsisch Guten. Es lehrt, für alles offen zu sein. Auch wir finden uns in dem Spiel aus Verschleierung und Enthüllung, in dem wir unsere wahre Natur vergessen haben, um irgendwann die glückselige Erfahrung zu machen, die freudvolle Essenz unseres Seins wiederzufinden. Das höchste Ziel von Anusara Yoga ist, dass die Schüler ihre eigene wahre Natur als bewusste Wesen der Glückseligkeit erkennen. Indem es ihnen eine Technik oder ein Wekzeug bietet, ihrem göttlichen Wesenskern näher zukommen. Im Anusara Yoga werden die Asanas als kreative Ausdrucksformen des Herzens betrachtet. Formen, die uns dabei helfen, unsere Fähigkeiten und die Sensibilität zu entwickeln, um uns nach unserer göttlichen Natur auszurichten. John Friend hat die Ausrichtungsprinzipien nicht erfunden, aber er besaß die Fähigkeit, eben die Muster im Körper zu erkennen, die größere, universelle und kosmische Muster widerspiegeln.

Kula – Gemeinschaft des Herzens

“Kula” oder die “Gemeinschaft des Herzens” ist Teil der Art, wie wir unser Yoga in die Welt bringen. In Beziehungen stoßen wir auf die Herausforderungen, die unser persönliches Wachstum fördern. Es sind die Menschen, mit denen wir in Beziehungen sind, mit denen wir die Schönheit des Lebens teilen. Die Kula erinnert uns daran, dass wir mit unseren Schmerzen, Freuden, Fragen und Antworten nicht alleine sind. Tatsächlich ist die Gemeinschaft das Feld, auf dem wir die gewonnenen Einsichten in unser Leben einbringen. So sehen wir die eigene Veränderung. Dort erhalten wir Unterstützung, wenn wir sie brauchen. Und stehen andersherum denjenigen zur Seite, mit denen wir uns verbunden fühlen.

Durch die Verbundenheit und die Interaktion verstehen wir unseren eigenen Wert und wie wir in das große Gesamtbild passen, auf tieferer Ebene. “Tantra” beschreibt ein Werkzeug oder einen Webstuhl. Das höchste Bewusstsein ist in sämtliche Formen des Lebens eingewebt. Das Eine wurde zu den Vielen. Wir können uns selbst als die Fäden verstehen, die alle zusammen einen wunderschönen, bunten Teppich voller Harmonie und Einheit formen.


Barbra Noh

ist zertifizierte Anusara-Yogalehrerin, unterrichtet seit dem Jahr 2000 und entdeckte 2006 Anusara für sich. Ursprünglich kommt sie aus Australien, lebt jedoch in München und leitet dort bei Airyoga das Lehrer-Ausbildungsprogramm. Im Schloss Elmau in den bayerischen Alpen bietet sie Retreats an und unterrichtet weltweit Workshops und Ausbildungen.

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