Therapeutisches Yoga: Lendenwirbelsäule

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Über 60 Prozent der Erwachsenen litten in den vergangenen 12 Monaten unter Rückenschmerzen. Diese Woche zeigt der Sportmediziner und renommierte Ashtanga-Yogi Dr. Ronald Steiner therapeutische Yogasequenzen für den „Dauerbrenner“: die Lendenwirbelsäule, alias der „untere Rücken“.

Yoga richtet uns auf allen Ebenen sprichwörtlich auf: Es verleiht ein besseres Körpergefühl und zugleich innere Balance. Gerade bei Rückenschmerzen ist dieser ganzheitliche Ansatz der Schlüssel zum Erfolg. So werden einerseits körperliche Blockaden gelöst, Verkrampfungen gelockert und geschwächte Muskeln gestärkt. Gleichzeitig steht aber auch die Psyche im Fokus – und damit eine Komponente, die bei herkömmlichen Behandlungen häufig vernachlässigt wird.

Beschwerden am unteren Rücken sind nicht nur sehr weit verbreitet, sie haben auch ganz vielfältige Ursachen: Über 90 Prozent sind überwiegend funktioneller Natur. Ihre Ursache liegt also in einer Dysfunktion rings um Lendenwirbel, Kreuzbein und Iliosakralgelenke. Das umfasst simple Verspannungen der tiefen Rückenmuskeln, aber auch chronische Verhärtungen in den Faszien. Hier können die vorgestellten Übungen gut Anwendung finden. Doch die Beschwerden können auch von arthrotischen Gelenkveränderungen an den kleinen Facetten-gelenken bis hin zu Bandscheibenvorfällen oder gar gebrochenen Wirbeln herrühren. Deshalb ist es wichtig, dass Sie nicht einfach wild drauflosüben. Klären Sie vorab unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt, welche Art von Übungen in Ihrem individuellen Fall und in der momentanen Situation geeignet sind – und welche nicht. So kann die vorliegende Übungsreihe beispielsweise ein perfektes Training für einen älteren Bandscheiben-vorfall sein, wogegen Ihr Rücken im akuten Stadium etwas ganz anderes braucht.

Ist diese ärztliche Abklärung erfolgt, dann ist es aber auch wichtig und heilsam, selbst Verantwortung zu übernehmen und ein Verständnis für die Vorgänge im eigenen Körper zu erlangen. Neuere Studien haben eindrucksvoll gezeigt, wie wirksam diese Eigenaktivität für den Heilprozess ist. Das Motto könnte hier lauten: Handeln statt nur behandeln.

Ein wichtiges Kennzeichen der Yogatherapie ist es, die gesunde Funktion des jeweiligen Systems zu unterstützen und zu fördern. Das erreichen wir in dieser und in den folgenden drei Übungsreihen durch ein ausgewogenes Zusammenspiel von Faszientechniken, Übungen zur Lockerung und Entspannung und kräftigenden Elementen. Letztere sind im Fall der Lendenwirbelsäule besonders wichtig, um dieser stark belasteten Partie mehr Halt und Stabilität zu verleihen. Auch ein vollkommen gesunder Rücken profitiert von diesem Übungskonzept – hier heißt die Überschrift dann nicht „Yogatherapie“, sondern eher Prävention und Gesunderhaltung.

Ein Gedanke ist mir dabei ganz wichtig: Yoga bedeutet für mich in erster Linie, im Hier und Jetzt, in der Lebendigkeit anzukommen. Zu dieser Lebendigkeit gehört es nicht nur, enthusiastisch für die eigene Gesundheit zu arbeiten (zum Beispiel indem Sie diese Sequenz dreimal pro Woche üben), sondern auch eine völlige Akzeptanz dessen, was ist. Anstatt also nur das Ziel der möglichst baldigen und vollständigen Heilung im Blick zu haben, geht es vor allem darum, neugierig zu erforschen, was in Ihrem Körper vorgeht – und damit auch einverstanden zu sein. Denn egal, was Sie beim Üben wie schnell oder vielleicht wie langsam erreichen: Sie können sicher sein, etwas Gutes für sich zu tun.


Dr. Ronald Steiner ist Arzt für Sportmedizin und zählt zu den bekanntesten Praktikern des Ashtanga Yoga. Die von ihm begründete AYInnovation®-Methode baut eine Brücke zwischen der Tradition und progressiver Wissenschaft, zwischen präziser Technik und praktischer Erfahrung.

www.AshtangaYoga.info

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