Körperliche Nähe in Beziehungen durch Yoga?

Kann Yoga bei größerer körperliche Nähe helfen? Im Laufe unserer langjährigen Beziehung ist die Romantik eher einer pragmatisch-freundschaftlichen Haltung gewichen. Das wirkt sich auch auf den Sex au. Wie können wir das frisch halten? Antwort von Roswitha Aengenheyster.

Wie im Yoga gilt natürlich auch in (Liebes-)Beziehungen, dass das einzig Beständige der Wandel, die Transformation (Sanskrit: „Parinama“) ist. Der Verlust von Körperlichkeit und Sex kann unterschiedliche Ursachen haben. Diese muss jedes Paar selbst herausfinden. Darauf kann man keine pauschale Antwort geben. Aber es gibt eine Chance, wenn sich beide Partner nach wie vor lieben. Das heißt Bereitschaft haben daran zu arbeiten.

Dabei hilft Yoga natürlich. Im Yoga geht es um Körper, Atem und Geist. Die gezielte Verbindung von Atem und Bewegung schafft Achtsamkeit. Regelmäßiges Üben führt außerdem zu Selbst-Bewusstheit. Das optimiert unsere alltägliche Wahrnehmung, unser Verstehen und Handeln. Wir selbst werden offener und zugewandter. Diese Sensibilität hilft im Bett. Sie verbessert den Kontakt zum eigenen Körper und auch zum Körper des Partners. Eine schöne Idee ist, sich als Paar zu einem gemeinsamen Abend zu verabreden. An dem man sich gegenseitig massiert. So übt man Geben und Nehmen. Das kommt im Sex oft durcheinander. Im Tantra wird es bewusst getrennt.

Wie im Yoga auch. Beide Partner machen innerhalb der Beziehung einen Teil aus. Dieser Teil ist entweder aktiv oder passiv. Wir haben alle sowohl aktive als auch passive Seiten. Wir brauchen die Möglichkeit, diese im Wechsel zu leben. Das bringt uns in Richtung Ebenbürtigkeit und Harmonie.

Yoga ist Verbindung

Der Yoga ist ein Bemühen um das Selbstverständnis. Aber auch meiner Umwelt (Partner, Familie, Freunde, Kollegen). Und vor allem auch die Verbindung beider. Allerdings geht es hier nicht um intellektuelles Verstehen. Sondern um emotionales Verstehen. Das geht vom Herzen aus. Es braucht körperliches Verstehen. Aber Yoga wirkt nicht unmittelbar. Yoga ist ein Impuls auf das System. Die Wirkung ist ein individueller Prozess.

Dafür muss man eine gewisse Disziplin aufbringen. Genauso ist es mit einer Beziehung. Und dem Sexualleben eines Paares. Das Wort Arbeit klingt immer schrecklich. Aber ja, eine eine erfüllte Sexualität bedeuten Arbeit. Außerdem Üben in Gleichmut, Beharrlichkeit und Offenheit. Grundsätzlich sollte man nachsichtig sein. Mit sich und dem anderen. Sich bewusst machen, dass der andere ein großartiges Geschenk und ein Spiegel für einen selbst ist. Schaffen es beide, das Gefühl innerer Freiheit zu kultivieren? Dann stehen die Chancen für neue Lust gut. Und mehr in die körperliche Nähe kommen.


Roswitha Aengenheyster arbeitete schon im Kulturmanagement, Sponsoring und Marketing. Heute arbeitet sie als Yogalehrerin (BDY/EYU) und Coach in Berlin. Das entwickelt sie kontinuierlich durch Fortbildungen weiter. | Foto von Cole Keister von Pexels

YogaWorld Journal 5/26
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