Wie kann ich meine Ziele erreichen?

Wie erreiche ich meine Ziele

Das Erreichen der eigenen Ziele – darauf arbeiten so viele von uns hin. Wir wollen noch schneller ankommen, der Weg soll aber möglichst kurz sein. Doch um ein Ziel zu erreichen, muss man es erstmal loslassen.

Das zweite Prinzip, das im Yoga-Sutra I.12 beschrieben wird, ist Vairagyam. Übersetzt wird es als Nicht-Anhaften. Am besten versteht man es als Überwindung von Gewohnheiten, die einen am Erreichen seines Zieles hindern. Praxis wird vor dem Nicht-Anhaften genannt. Das lässt vermuten, dass zuerst eine Bewegung hin zum regelmäßigen Üben stattfinden sollte. Allerdings teilen in diesem Sutra die beiden Sanskrit-Wörter Abhyasa und Vairagyam dieselbe Endung: bhyam. Sie weist darauf hin, dass beide Konzepte gleichbedeutend sind. Wie die beiden Flügel eines Vogels arbeiten sie zusammen und keines kann ohne das andere wirken. Anders ausgedrückt: Die Praxis alleine wird dich nicht zum Ziel bringen. Gleichzeitig musst du dich in der Disziplin üben, Gewohnheiten oder Hindernisse, die dir im Weg stehen, beiseite zu räumen.

Du musst auch Opfer bringen

Möchtest du beispielsweise eine regelmäßige Asana-Praxis entwickeln? Dann musst du einiges an Disziplin und Zeit aufwenden, um dies tatsächlich zu tun (Abhyasa). Außerdem musst du dafür eventuell auf eine Stunde Schlaf verzichten. Oder darauf, lange wach zu bleiben und Wein zu trinken oder Serien-Wiederholungen anzusehen (Vairagyam). Ist dein Ziel, nach der Arbeit mehr Zeit mit deinem Partner zu verbringen? Dann musst du dir die Mühe machen, wirklich präsent zu sein, anstatt neue Spiele auf deinem Handy auszuprobieren oder deine Mails zu checken.

Vairagyam beschränkt sich allerdings nicht nur auf solche greifbaren Angewohnheiten, sondern auch auf mentale Hindernisse wie negative Gedanken, Sorgen, Ängste. So auch auf jedes andere geistige Muster, das dich aus dem Konzept bringt. Beachte, dass Patanjali keineswegs sagt, dass man generell auf Wein oder sein Handy verzichten sollte. Vairagyam bezieht sich konkret auf jene Angewohnheiten, Handlungen und Einstellungen, die deine Fortschritte in Richtung des gewählten Ziels vereiteln. Für jeden Einzelnen kann das etwas anderes sein. Für den einen ist es Wein oder Kaffee, für die andere ein Verstand, der zur Schwarzmalerei neigt.

Zwei Seiten einer Münze

Stell dir Abhyasa und Vairagyam wie die beiden Seiten einer Münze vor. Die eine Seite bedeutet, sich auf das Ziel zuzubewegen. Und die andere, die Hindernisse auf dem Weg zu beseitigen. Das Besondere an Vairagyam ist, dass es sich im Idealfall nicht wie ein Kampf anfühlt. Du kannst das leicht aufzugeben, was dich behindert. Sofern du stark und positiv auf dein Ziel ausgerichtet bleibst. Je engagierter du dich deiner Praxis widmest und je mehr du die dadurch entstehenden Veränderungen erkennst, desto leichter fällt es, auf lange Wein- oder Internet-Abende zu verzichten. Ebenso wird es einfacher, dein Handy einen Abend lang zu ignorieren, je fester entschlossen du bist, wertvolle Zeit mit deinem Partner zu verbringen.

Loslassen bedeutet nicht Gleichgültigkeit

Diese Bedeutung von Vairagyam ist Teil eines tieferen Verständnisses des Konzeptes des Nicht-Anhaftens im Yoga Sutra. Im ersten Sutra des zweiten Kapitels spricht Patanjali über Ishvara Pranidhana. Das wird an dieser Stelle mit „Nicht-Anhaften“ übersetzt (allerdings nicht im ersten Kapitel, in dem Patanjali diesen Begriff für „absolute Hingabe“ verwendet). In diesem Kontext bezieht sich das Nicht-Anhaften auf das Prinzip, immer sein Bestes zu geben. Jedoch ohne an einem bestimmten Ergebnis oder einer Wirkung zu hängen. Ob du dein Ziel nun erreichst oder nicht, ob du gewinnst oder verlierst, ob du gesund sind oder krank. Praktiziere immer um der Handlung willen! Und nicht, um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen.

Vairagyam und Ishvara Pranidhana werden beide mit „Nicht-Anhaften“ übersetzt. Beide Begriffe haben gemein, dass sie sich mit der Beziehung zwischen Bemühen und Loslassen beschäftigen. Während Vairagyam bedeutet, Hindernisse zu überwinden, will Ishvara pranidhana vermitteln, dass man die Ergebnisse seines Bemühens oder Handelns loslassen sollte. In beiden Fällen geht es darum, sich von einer Anhaftung zu lösen, die Unruhe erzeugt.

Als ich vor über 20 Jahren zusammen mit meinem Lehrer T.K.V. Desikachar die Yoga-Sutras zu studieren begann, zog ich bei dem Wort „Nicht-Anhaften“ eine Augenbraue nach oben. Bei diesem Wort musste ich an diese „sonnigen“ New-Age-Typen denken, die immerzu sagen: „Alles ist gut.“ Aus meiner eigenen Erfahrung wusste ich, dass keineswegs alles gut ist. Menschen erleben immer Tragödien, die es überhaupt nicht verdient haben. Niemals würde ich selbst losgelöst sein von den Dingen, da für mich Gefühle und Leidenschaft die Hauptauslöser für positive Veränderungen in der Welt waren. Ich würde nie damit aufhören, mich für meine Umwelt zu interessieren und zu mich um sie zu kümmern. Und ich würde auch nicht zu einem gefühlskalten Zombie werden. Oder noch schlimmer – zu jemandem mit einer aufgesetzten „Alles ist gut“-Einstellung werden, die keinen Raum für echte Gefühle lässt.

Verbindung mit dem Selbst heißt Ziele erreichen

Jahre des Unterrichtens haben mich gelehrt, dass ich nicht die Einzige bin, die das missverstand. Keine der beiden Auslegungen des Begriffs „Nicht-Anhaften“ impliziert einen Mangel an Gefühl oder Interesse. Du kannst Enttäuschung, Ärger oder Traurigkeit fühlen. Wichtig ist nur, dass du durch diese Gefühle hindurchgehst. Und eben nicht an ihnen festhältst. Erlaube es diesen nicht, deinen Tag, deine Beziehungen, dein Leben negativ zu beeinflussen.

Im Angesicht von Verlust, Ungerechtigkeit und allen anderen Dingen, die dich bewegen, was bedeutet nicht anzuhaften? Dass du nach deinem Ziel strebst, dein Selbst jedoch nicht am Boden zerstört ist, falls sich die Dinge anders entwickeln, als du es dir erhofft hast. Was immer auch geschieht, du bleibst mit deiner tiefen Essenz verbunden. Das hat den Effekt, dass du im gegenwärtigen Moment deiner Handlungen oder Praxis verweilst. Statt sich von Gedanken an das Ergebnis ablenken zu lassen. Gleichzeitig lernst du dadurch, zwischen deiner momentanen Erfahrung und dem, was du wirklich bist, zu unterscheiden. So kultivierst du eine stärkere Verbindung mit deinem Selbst. Zudem steuerst du in ein glücklicheres, zufriedeneres und erfüllteres Leben. Auf dem Weg kannst du deine Ziele erreichen.


Autorin: Kate Holcombe ist Gründerin und Vorsitzende der gemeinnützigen Organisation Commonweal.| Photo by Fleur Kaan on Unsplash

Arjuna

Arjuna

Arjuna ist Protagonist in der Bhagavad Gita. Als Thronerbe sieht er sein Königreich von einem Verwandten angegriffen. So muss er in den Krieg ziehen. Dort offenbart sich ihm Krishna und lehrt ihm den yogischen Pfad. Bis heute gilt er im Yoga als der prototypische Schüler des Yoga.

Metta

Metta

Metta bedeutet übersetzt liebevolle Güte. Die buddhistische Metta-Meditation übt genau das. Dabei wünscht man nacheinander sich selbst, einer nahestehenden Person, einer neutralen Person und einer negativen Person die folgenden Sätze:

  • Möge es mir gut gehen.
  • Möge ich glück­lich sein.
  • Möge ich gesund und frei von Sorgen sein.
  • Möge ich zufrie­den und ent­spannt sein.

MYTHOS Bandhas

Bandhas

„Wenn im Körper des Yogi durch Pranayama Prana zum Fließen gebracht werden soll, ist es notwendig, Bandhas zu benutzen, um eine Vergeudung der Energie zu vermeiden. Ohne die Bandhas ist Pranayama tödlich“. Das schreibt B.K.S. Iyengar im Klassiker „Licht auf Yoga“. Aufgrund solcher Aussagen übt dieses Thema eine starke Faszination auf uns aus.

In traditionellen Hatha-Yoga-­Stunden kommt der Begriff „Bandha“ meistens nur im Zusammenhang mit Pranayama vor. Dabei nutzt man die ­Bandhas, um die subtilen Prana-Energien zu lenken, wie man sie in Verbindung mit der Kundalini Shakti kennt. Dagegen werden in dynamischen Yogastunden ­Bandhas auch in den einzelnen Asanas eingesetzt. Vor allem für Vinyasa-Techniken wird ihnen eine wahre Schlüsselrolle zugesprochen. Denn viele können erst mit dem Setzen dieser richtig ausgeführt werden. Um Bandhas ranken sich viele Mythen. Zu Beginn ist daher zu klären, worum es sich bei einem Bandha grundlegend handelt. Welche Erwartungshaltung dürfen daran stellen?

Welche Bandhas gibt es?

Der Begriff „Bandha“ kann mit „Verschluss“ oder „Siegel“ übersetzt werden. Wir unterscheiden grundlegend drei Grundtypen von Bandhas und einen Mischtyp.

Mula Bandha bezeichnet das Kontrahieren der Damm- und Schließmuskulatur. Es ist ursprünglich als Technik beschrieben, welche die Energien am Wurzelchakra nach oben aufsteigen lassen soll. Der Begriff „Mula“ bezeichnet die Wurzel. Das bezeichnet auch den Beginn der Energieleitbahn, der Sushumna Nadi. Sie ist der Hauptmeridian entlang der Wirbelsäule.

Lies mehr und finde eine passende Wurzelchakra Playlist.

Uddiyana Bandha wird als „das, was das Apana Vayu aufsteigen lässt“. Es wird zugleich als das mächtigste der drei Ban­dhas beschrieben. Dabei kann man sich den Begriff des Apana Vayu als die (absinkende) Energie vorstellen, welche im unteren Teil des Körpers zirkuliert und nach oben gebracht werden soll. Vergleichbar mit dem Harmonisieren von Yin und Yang. Dieses Bandha steht auch für die Erweckung der Kundalini-Energie, welche ihren Sitz traditionsgemäß im Muladhara Chakra hat.

Jalandhara Bandha bedeutet das Verschließen der Energie im Hals- und Kehlbereich. Außerdem ist es der Überlieferung nach das damit verbundene Absenken der Energie des Prana Vayu. Die Wortgebung leitet sich von dem Sanskrit-Begriff für „Netz“ ab und bezieht sich auf das (sichtbare) Pressen des Kinns auf das Brustbein. Häufig wird es deshalb auch als Kinnverschluss bezeichnet.

Verbindet man alle drei Bandhas miteinander, wird diese Verbindung „Maha Bandha“ oder „großes Siegel“ genannt.

Aus medizinischer Sicht…

  • sind Bandhas nicht gleichermaßen für alle geeignet.
  • haben sie großen physiologischen Nutzen.
  • können sie anatomische Strukturen schützen.
  • können sie Wirkungen von Asanas erfahrbar machen. Diese wären ohne Bandha nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich.

Mula Bandha und der Beckenboden

Wenn wir über Mula Bandha sprechen, beschäftigen wir uns automatisch mit dem Beckenboden. Der Beckenboden bildet anatomisch gesehen den Halt für die Organe und schließt das so genannte kleine Becken nach unten ab. Allerdings handelt es sich um drei übereinander liegende Muskel- und Bindegewebsschichten. Diese verbinden gemeinsam das vorne liegende Schambein, die seitlich gelegenen Innenseiten der Beckenschaufeln und das hinten gelegene Kreuzbein. Weitere – feste – Verknüpfungen finden sich über die Knochen. Die Lendenwirbelsäule mündet über eine letzte Bandscheibe am Kreuzbein.

Dieses liegt, über je ein Gelenk pro Seite mit den Darmbeinen verbunden, innerhalb der beiden Beckenschaufeln. Diese sind vorne durch einen Knorpel an der Schambeinfuge miteinander verknüpft. Somit bildet das Becken einen festen, aber beweglichen Ring. Dieser ist nach unten hin durch den eben skizzierten Beckenboden abgeschlossen. Die Verkoppelung der Bereiche Schambein, Beckenschaufeln und Kreuzbein wird durch ein Erhöhen der Zug­festigkeit des Beckenbodens stabiler. Neben der elastischen Verbindung zwischen den beiden Schambeinknochen existiert eine weitere zwischen den beiden Darmbeinen und dem Kreuzbein. Das Iliosakralgelenk/ISG. Eine Stabilisierung des Beckenbodens festigt auch diesen Bereich.

Der Beckenboden und die Rückwärtsbeuge

Wenn wir uns nach hinten beugen, kommt es nicht zwangsläufig zu einer Kompression der Lendenwirbelgegend. Im Grunde geschieht dies nur durch falsche Technik oder ein zu tiefes Zurückbeugen. Trotzdem fühlen wir uns nach einer Rückbeuge oft im unteren Rücken verspannt. Ursache dafür ist unsere Anatomie. Denn wir brauchen genau die Muskeln, die wir gerne entspannen würden, in der Rückbeuge aktiv. In dieser Gegend befindet sich unsere Lendenwirbelsäule oft dauerhaft im Hohlkreuz. Dadurch verkürzt sich die Muskulatur oft. In Verbindung mit einer tiefen Rückbeuge wie dem Kamel verkrampfen der tief liegenden Rückenmuskeln oft.

Falls du anschließend in eine Vorwärtsbeuge gehst, wird es oft noch schlimmer. Dabei kommt durch einen geschalteten Reflexbogen noch eine Abwehrspannung hinzu. Das Ergebnis sind Verspannungsschmerzen.

Die „neue“ Rückwärtsbeuge

Vergiss für kurze Zeit alles, was du über Rückbeugen weißt. Stell dir vor, sich ohne Kraft und ohne Anspannung nach hinten zu beugen. Wie schön und leicht wäre das? Eine solche Rückbeuge kann man umsetzen, indem man den Beckenboden einsetzt. Wenn du dir bewusst machst, was unser Beckenboden an Arbeit verrichtet? Dann kannst du dir vorstellen, dass durch die Kontraktion des Beckenbodens die Strukturen des Beckens gehalten und geschützt werden. Wenn du dich mit der Kraft des Beckenbodens in eine Rückbeuge begibst und all diese passiven Strukturen gehalten werden, kannst du die Rückenstreckermuskulatur durch ein gezieltes Entspannen der Gesäßmuskulatur loslassen. Allerdings setzt dies das Erlernen zweier Fähigkeiten voraus. Den Beckenboden wirklich anzuspannen und den Gesäßbereich bei aktivem Beckenboden zu entspannen.

Die praktische Umsetzung

Lass uns die Theorie in die Praxis umsetzen. Lege dich mit ausgestreckten Beinen auf den Rücken. Achte auf die Position deines Beckens am Boden. Wie weit oder eng fühlt sich dein Becken an? Spanne das Gesäß an und nimm erneut wahr, wie weit oder eng sich das Becken anfühlt. Löse anschließend die Spannung im Gesäß. Was hast du gefühlt? Sicher, dass sich im Moment des Entspannens das Becken wieder weiter anfühlt. Die Beckenschaufeln scheinen auseinander zu sinken. Versuche nun dasselbe mit dem Beckenboden. Kontrahiere diesmal diesen Bereich. Setze Mula Bandha. Beobachte dann das Gefühl von Enge oder Weite. Entspanne dann wieder. Nun dürftest du außer einer erhöhten und daraufhin gelösten Anspannung eigentlich nichts weiter gespürt haben.

Kombiniere nun beide Übungen. Spann zuerst dein Gesäß an. Anschließend den Beckenboden. Versuche anschließend, nur das Gesäß zu lockern. Währenddessen bleibt dein Beckenboden maximal angespannt. Achte auf das Gefühl von eng und weit und löse dann den Beckenboden wieder. Wenn du die Übung korrekt ausführst, fühlst du, wie mit dem Lösen des Beckenbodens auch die beiden Beckenschaufeln nach außen gesunken sind – richtig? Du hast also soeben die Lösung für das Rückbeugeproblem gefunden.

Wenn du diese Technik von nun an in deinen tiefen Rückbeugen ausführst, beispielsweise in einer gestützten Schulterbrücke, komme mit der Kraft deiner Gesäß- und Rückenstreckermuskulatur in die Position. Stütze dann mit deinen Unterarmen das Becken und spann deinen Beckenboden maximal an. Löse dann die Spannung im Gesäß. Im Rücken löst sie sich automatisch. Die Rückbeuge sollte sich weicher und angenehm anfühlen.

Kurz erklärt: Was bedeutet der Begriff Gott im Yoga?

Anete Lusina Pexels

In den vedischen Schriften wird Gott als Ursprung allen Seins beschrieben: Alles steht in Beziehung zu Gott. Also sind sämtliche Lebewesen – Menschen, Tiere und Pflanzen – Seelen, d.h. Teile Gottes. Wir haben beim international bekannten Yogalehrer Patrick Broome nachgefragt, was der Begriff Gott im Yoga bedeutet.

Alles ist eins – und das Eine ist ewig. Im endlosen Kreislauf von Geburt und Tod wandert die unsterbliche Seele gemäß dem Karma-Gesetz von einem Körper zum anderen. Solange, bis sie endlich geläutert und vom Rad der Reinkarnation befreit ist. Diese höchste Form der Freiheit zeigt sich in Selbstverwirklichung und Gotterkenntnis. Aber auch in tiefer Einsicht und Auflösung von Karma, sowie echtem Mitgefühl gegenüber allen Geschöpfen. Der in unseren Breiten häufig missverstandene Begriff Yoga bedeutet wörtlich „Verbindung mit Gott“. Das verweist uns den göttlich offenbarten Weg der Befreiung. Auch Religio (lat: sich verbinden) stellt diesen Bezug her. Religion und Yoga bedeuten ursprünglich dasselbe. Deshalb ist die Erkenntnis des Göttlichen in allen Lebewesen und die Verbindung mit Gott einzugehen, das Ziel yogischer Praktiken. Was passiert, wenn die Menschen diese Zusammenhänge verstehen? Dann verändert sich ihre Beziehung zur Umwelt, zu allen Wesen und zum gesamten Planeten positiv.

Der Weg des Bhakti Yoga

Durch eine beständige und motivierte Yogapraxis erfährt die Seele, dass ihre Erfüllung darin besteht, Gott selbstlos zu dienen. Dadurch erfahren wir Hingabe. Dieser Weg wird Bhakti Yoga genannt. Er ist laut den Versen der Bhagavad Gita die direkteste Möglichkeit, um Selbstverwirklichung, Gotteserkenntnis und letztendlich Befreiung zu erlangen. Außerdem ist es ein Zustand aktiver Meditation, der alle Lebensbereiche – Gedanken, Worte und Handlungen – auf Gott fokussiert.

Zur Erreichung dieser Freiheit empfiehlt Patanjali, Verfasser der Yoga-Sutren, eine spirituelle Praxis. Dazu hält er folgende Schwerpunkte fest: Tapas (Leidenschaft). Svadhyaya (Vernunft und Selbstreflektion). Ishvara Pranidhana (Hingabe, Gottvertrauen). „Tapah svadhyaya ishvarapranidhanani kriya-yogah (YS, II/1). Mit Bereitschaft zum Verzicht leidenschaftlich zu handeln. Dabei durch Rücksicht auf die eigenen Kräfte und Grenzen über sich selbst zu lernen und dem Unvorhersehbaren gegenüber offen zu sein. Das wird Kriya Yoga genannt.“ (zitiert nach R. Sriram)

Noch mehr über Yogaphilosophie erfährst du in unserem Glossar.


Patrick Broome Was bedeutet Gott im Yoga

Patrick Broome, Dr. phil., lebt in München und leitet dort sein eigenes Yogastudio. Sein Glaube und sein Vertrauen in Gott geben ihm Kraft und Mut, seinen eigenen Weg zu gehen und ein möglichst guter Vater zu sein. Mehr Infos unter: www.patrickbroome.de. | Foto von Luis del Río von Pexels

 

 

Besser schlafen mit Yoga-Nidra-Anleitung

Yoga-Nidra-Anleitung

Wenn du unter Schlaflosigkeit leidest, kann Yoga Nidra helfen, dem Körper dennoch seine dringend benötigte tiefe Ruhe zu verschaffen. Rod Stryker, der Gründer von Para Yoga sagt: „Yoga Nidra bedeutet‚ in der Wolke des Yoga zu schlafen. Dabei sinkt man in den Rhythmus des Tiefschlafs, behält aber zugleich Zugang zu einer Art mühelosem Bewusstsein. Dadurch kann diese Form der Ruhe sogar noch heilsamer und regenerierender sein als gewöhnlicher Schlaf.“ Dafür hier deine Yoga-Nidra-Anleitung.

Stryker empfiehlt für Einsteiger die hier geschilderte, unkomplizierte Technik der 61 Körperpunkte. Man kann sie sowohl im Bett als auch auf der Yogamatte durchführen (wobei man den Kopf am besten durch eine gefaltete Decke stützt). Die Übung eignet sich nicht nur für die Zeit vor dem Schlafengehen, sondern auch für eine erholsame Pause tagsüber oder immer dann, wenn du mitten in der Nacht wachliegst.

Wenn dein Ziel ist, einzuschlafen, dann solltest du mit einer 5-minütigen Atembetrachtung beginnen, bei der du sanft und gleichmäßig im Verhältnis 1 zu 2 ein- und ausatmest. Anschließend nimmst du dir 10 Minuten Zeit, um deine Gedanken im Tagebuch festzuhalten. Danach stellst du das Licht aus, machst es dir im Liegen bequem und beginnst mit der hier beschriebenen Praxis. Dabei haftet dein Bewusstsein 5 bis 10 Sekunden bei jedem Punkt, nicht länger. Wenn du beim letzten Punkt angelangt und immer noch wach bist, beginnst du von vorn.

DIE YOGA-NIDRA-ANLEITUNG

1. Einstieg

Lenke deine Aufmerksamkeit auf die Mitte deiner Stirn und von dort zur Mitte der Kehle.

2. Rechter Arm

Richte den Fokus auf die rechte Schulter und von dort abwärts zuerst zum Ellenbogen und dann nacheinander zum Handgelenk, zur Daumenspitze, Zeigefingerspitze, Mittelfingerspitze, Ringfingerspitze und zur Spitze des kleinen Fingers. Von dort geht es zurück zum Handgelenk, Ellenbogen und über die Schulter wieder zur Mitte der Kehle.

3. Linker Arm

Lenke deine Aufmerksamkeit auf die linke Schulter und von dort abwärts zum Ellenbogen, zum Handgelenk, zur Daumenspitze, Zeigefingerspitze, Mittelfingerspitze, Ringfingerspitze und zur Spitze des kleinen Fingers. Von dort geht es zurück zum Handgelenk, Ellenbogen und über die Schulter wieder zur Mitte der Kehle.

4. Brust und Rumpf

Richte den Fokus auf das Herz-Chakra in der Mitte der Brust, von dort wanderst du zur rechten Brust, zurück in die Mitte, zur linken Brust, zurück zur Mitte, zum Nabel und nach unten zum Schambein.

5. Rechtes Bein

Lenke die Aufmerksamkeit zur rechten Hüfte und von dort weiter zum Knie, zum Fußgelenk, zur Spitze des großen Zehs, zur Spitze des zweiten, des dritten, des vierten und des kleinen Zehs und dann wieder zurück zum Fußgelenk, zum Knie, zur Hüfte und zum Schambein.

6. Linkes Bein

Richte den Fokus zur linken Hüfte und von dort weiter zum Knie, zum Fußgelenk, zur Spitze des großen Zehs, zur Spitze des zweiten, des dritten, des vierten und des kleinen Zehs und dann wieder zurück zum Fußgelenk, zum Knie, zur Hüfte und zum Schambein.

7. Abschluss

Lenke die Aufmerksamkeit nochmals auf den Nabel, auf die Mitte der Brust, die Mitte der Kehle und die Mitte der Stirn.

Wenn dir die Yoga-Nidra-Anleitung gefallen hat, interessiert dich vielleicht auch noch diese Meditations-Reihe: Magie der Meditation.


Foto von Andrea Piacquadio von Pexels

Flow-Zustand

Flow-Zustand

Als Flow-Zustand bezeichnet der Glücksforscher Mihály Csíkszentmihályi es, wenn ein Mensch bei einer Aufgabe den perfekten Mittelweg zwischen den eigenen Fähigkeiten und den Anforderungen findet. Man ist dann nicht überfordert oder unterfordert. Er gerät dann in eine Art Trance und ist optimal motiviert. Nicht zu verwechseln ist der psychologische Begriff mit dem Yoga-Flow. Natürlich kann man dabei auch in den Flow-Zustand kommen, allerdings ist das nicht immer gegeben.

Yoga Blöcke

Yoga Blöcke

Yoga Blöcke sind eines der bekanntesten, beliebtesten und am vielseitigsten einsetzbaren Hilfsmittel im Yoga. Du kannst dich für Balanceübungen wie den Baum daraufstellen oder im Halbmond deine Hand darauf abstützen. Auch Drehhaltungen oder in Standpositionen wie Trikonasana oder dem seitlichen Winkel können sie deiner Hand Stabilität verleihen. Bei der sitzenden Vorbeuge kannst du die Dehnung damit vertiefen. Alles in allem: eine gute Investition in die eigene Yogapraxis. Besonders auch für Anfänger*innen.