Yoga Journal Nr. 80 – das neue Heft ist da

Das neue Yoga Journal ist ab sofort im Handel und als Online-Ausgabe erhältlich. Ganz einfach, ohne Papier, ohne langes Warten und ohne VersandkostenDiese Themen erwarten euch im neuen Heft…

Titelthema „Intuition“

Was hat es damit auf sich, wenn wir etwas tief im Inneren einfach „wissen“? Neuere Forschungen zeigen, dass die Intuition dem logischen Verstand in vielem überlegen ist. In dieser Ausgabe wollen wir zeigen, wie man im Yoga einen besseren Zugang zu dieser Stimme findet – und wie umgekehrt die Intuition auch zu mehr Tiefe in der Praxis führt.

Außerdem

Jivamukti Yogalehrer Moritz Ulrich, Foto: Christian Böhm

– Spiritual Warrior: Eine Einführung in die klassische Übungsreihe des Jivamukti-Yoga

Mehr zur Jivamukti Spiritual Warrior Sequenz hier auf yogaworld.de

– Sehkraft und Entspannung: Wie Augen-Yoga wirkt

– Meditation: Die tibetische Tonglen-Technik atmet Liebe

– Ursprung: Woher Yoga kommt und warum es „das eine, wahre“ Yoga nie gegeben hat

– Home Practice: 20 Übungen für eine bessere Haltung

… und vieles mehr. Die Print-Ausgabe bekommt ihr ab sofort am Kiosk und in unserem Online-Shop.


Die Yoga Journal Online Ausgabe

Das neue Yoga Journal gibt es auch als Online Ausgabe. Ganz einfach, ohne Papier, ohne langes Warten und ohne Versandkosten, direkt in unserem Online Shop. Lade dir einfach und bequem deine Wunsch-Ausgabe herunter – egal ob alt oder neu:


Aktion Kleine Helden: Behind the Scenes

Aktion Kleine Helden 2022
Aktion Kleine Helden 2022

Die Aktion Kleine Helden war ein voller Erfolg! Über 1100 Yogi*nis haben gemeinsam Yoga für den guten Zweck geübt! Wir zeigen euch, wie es hinter den Kulissen aussah und verraten wie viel Geld in diesem Jahr gespendet wurde.

Auch wenn die Charity Aktion gemeinsam mit Yoga for Cancer online statt fand – gestreamt wurde (bis auf ein paar Ausnahmen) live aus der Adidas Sports Base in Berlin. Natürlich mit 2G Plus und einem tagesaktuellem Test für jeden vor Ort, was uns die Begegnung und ein herrliches MITEINANDER möglich gemacht hat. Dank unserer Fotografin Nela König können wir euch nun mit hinter die Kulissen nehmen.

Aktion Kleine Helden 2022
Sandra von Zabiensky im Technikcheck vor dem Livestream. Ein großes Danke an Eric Johnston – unser unermüdlicher und unerschütterlicher Mann hinter den Kulissen! – Foto: Nela König
Aktion Kleine Helden 2022
Dr. Ronald Steiner: Voll konzentriert vor seinem Live-Stream. – Foto: Nela König
Aktion Kleine Helden 2022
Das super liebe Team von der Adidas Sports Base Berlin: Veronika Welsch (adidas Sports Base Berlin Operations Management) und Wolfgang Hennig (Brand Marketing Director) – Foto: Nela König
Aktion Kleine Helden 2022
Sinah Diepold in the House! – Foto: Nela König
Aktion Kleine Helden 2022
Nina Heitmann: Set up passt! – Foto: Nela König
Aktion Kleine Helden 2022
Ladys in Black: Sinah, Nina und Stephanie Neumann – die Frau, die dieses wundervolle Event ins Leben gerufen hat! – Foto: Nela König
Aktion Kleine Helden 2022
Ruhe kehrt ein: Anna Trökes im Studio. – Foto: Nela König
Aktion Kleine Helden 2022
Und mit ihren zwei bezaubernden Begleitern. – Foto: Nela König
Aktion Kleine Helden 2022
Volle Energie … – Foto: Nela König
Aktion Kleine Helden 2022
und ganz viel Spaß … – Foto: Nela König
Unser Kinderyoga-Kids mit Yogalehrerin Andrea Helten. – Foto: Nela König
Aktion Kleine Helden 2022
Immer ein Lächeln trägt Elena Lustig… auch kurz vor ihrem Stream. – Foto: Nela König
Aktion Kleine Helden 2022
Simon Park macht sich warm. – Foto: Nela König
Aktion Kleine Helden 2022
Annette Söhnlein: Licht, Kamera, Action! – Foto: Nela König
Aktion Kleine Helden 2022
Ein großes Danke auch an unsere liebe Fotografin Nela König.
Aktion Kleine Helden 2022
Franka Schuster von Urban Sports Club mit Stephanie Neumann von Yoga for Cancer und Christian Fischer vom Yoga Journal. – Foto: Nela König

Und noch eine wunderbare Nachricht: Dank so vieler Teilnehmer, kam eine richtig tolle Spendensumme zusammen: 16.085,07 Euro! Diese Summe geht nun an die Kinderkrebs-Abteilung der Charitè in Berlin. Mit diesem Geld werden nun zwei wunderschöne Projekte untersützt:

1. Gesunde Ernährung: zweimal die Woche kommt ein Koch auf die Station und kocht gemeinsam mit den Kindern.

2. Virtuelle Klassengemeinschaft: über Avatare, kleine weiße Roboter, in den Klassenzimmern können die Kinder trotz stationärem Klinikaufenthalt am Unterricht und am Schulleben teilhaben.

Fotos: Nela König // www.nelakoenig.com

Lena Jungmann

Lena Jungmann ist Yogalehrerin in Berlin und unterrichtet seit 2018 auf Deutsch und Englisch. Ihre Stunden sind individuell, präzise und zugleich zugänglich. Sie verbinden kraftvolle Vinyasa- und Hatha-Flows mit ruhigen, regenerativen Elementen wie Yin Yoga und Yoga Nidra.

Im Zentrum ihrer Arbeit stehen Achtsamkeit, Selbstfürsorge und der Aufbau von Selbstvertrauen. Lena schafft Räume, in denen Menschen sich sicher bewegen, zur Ruhe kommen und eine nachhaltige, stärkende Yogapraxis entwickeln können: unabhängig von Erfahrung, Tagesform oder Lebensphase.

Mehr über Lena auf Insta @happylenayoga und auf ihrer Website happylenayoga.com

Workshop am Samstag: „YANG INTO YIN: LETTING GO“

Lena führt durch einen fließenden Übergang von sanften, kraftvollen Bewegungen zu tiefen Yin-Positionen. Diese Praxis lädt dazu ein, den Kopf loszulassen und den Körper bewusst zu spüren. In 45 Minuten entsteht ein Raum für Selbstfürsorge, in dem Spannungen abfallen, Regeneration möglich wird und wieder Balance einkehrt. Ideal, um den Messetag bewusst ausklingen zu lassen.

Workshop am Sonntag: „FEEL GOOD VINYASA“

Lena leitet einen dynamischen Vinyasa-Flow, der Energie weckt und Leichtigkeit in den Körper bringt. Fließende Bewegungen, kraftvolle Sequenzen und bewusstes Atmen helfen, Spannungen zu lösen und Lebendigkeit zu spüren. Diese 45 Minuten verbinden Aktivierung, Freude und Selbstfürsorge – ein bewusst starker, zugleich liebevoller Start in den Sonntag.


Lena Jungmann auf der YogaWorld 2026 in Stuttgart:

Samstag, 11. April // 16:15 – 17:00 Uhr // YANG INTO YIN: LETTING GO // Ganesha Yogaspace

Sonntag, 12. April // 11:30 – 12:15 Uhr // FEEL GOOD VINYASA // Vishnu Yogaspace


Kann man im Yoga zu mehr Selbstbewusstsein finden? Lena Jungmann meint: auf jeden Fall! Lies hier das ganze Interview:

Dr. Ronald Steiner: Alignment Cues für Pashchimottanasana

Die „Sitzende Vorwärtsbeuge“ ist eine der ältesten und bekanntesten Haltungen des Hatha-Yoga. Der Oberkörper streckt sich dabei nach vorne über die Beine. Hier liest du, auf was es für eine gute Ausrichtung in dieser Haltung ankommt.

Text: Dr. Ronald Steiner, Fotos: Richard Plinick

Wirkung

Die sitzende Vorwärtsbeuge dehnt intensiv die gesamte Körperrückseite, also die dorsale Faszie, die von den Fußsohlen über die Beinrückseiten zu den Sitzhöckern und von dort weiter durch den Rückenstrecker zum Hinterkopf verläuft und an den Augenbrauenwülsten ansetzt. Je nach Ausführung kannst du die Dehnung dabei in unterschiedliche Bereiche dieses Faszienzuges lenken. Richtig ausgeführt entsteht bei Pashchimottanasana in jedem Fall Länge in der Wirbelsäule – wobei je nach Variante die Zugspannung mehr an der Vorderseite, mehr an der Rückseite oder gleichmäßig durch die Wirbelsäule verläuft.

So geht’s

Phase 1 Du beginnst in einem gut aufgerichteten Langsitz. Fasse erst mit einer Hand, dann mit der anderen von schräg seitlich unter dein Gesäß und bewege deine Sitzhöcker mit ihrer Hilfe behutsam etwas nach hinten außen. Vorsicht: Hier ist tatsächlich der Knochen gemeint und nicht (wie häufig angeleitet) das Sitzfleisch! Beuge deine Beine so weit, dass du das Becken nach vorne kippen kannst und schließlich deutlich vor den Sitzhöckern sitzt, ohne dabei den Rücken zu runden. Wenn du sehr flexibel bist, geht das auch mit gestreckten Beinen. Strecke dich mit der Einatmung noch einmal lang, während du gleichzeitig zu deinen Füßen fasst.

Phase 2 Baue ausatmend zuerst mit Bauch und Rippen einen bewussten Kontakt zu den Oberschenkeln auf. Dann rollst du dich, vom Kopf beginnend, mit langer Wirbelsäule nach vor- ne. Dabei nähert sich dein Gesicht den Schienbeinen an. Zwischen Kreuzbein und Hinterkopf entsteht eine harmonisch verteilte Rundung. (Beide Bilder im Artikel zeigen Phase 2: einmal klassisch mit gestreckten Beinen, einmal als Variante mit gebeugten.)

Bild 1: Dr. Ronald Steiner in der Variante von Pashchimottanasana mit getreckten Beinen.

Alignment Tipps

Wo dehnt es? Nimm bewusst wahr, wo in der dorsalen Faszie die meiste Dehnspannung entsteht:
A Im unteren Rücken: Ist der untere Rücken auf starkem Zug, sind es die Rückseiten der Oberschenkel jedoch weniger, dann ist vor allem Phase 1 der Übung wichtig. Beuge deine Knie noch etwas deutlicher, strecke deine Zehen nach vorn (anatomisch: Plantarflexion) und betone das Kippen des Beckens. Falte dich von hier aus im zweiten Schritt nach vorne, ohne den Rücken zu runden. Die Dehnspannung wird sich so an der Rückseite der Oberschenkel zentrieren, was besonders für Menschen mit sehr festen Faszien an den Beinrückseiten (z.B. Läufer) sinnvoll ist. Auch bei Bandscheibenschädigungen profitierst du von dieser Ausführung, da die Wirbelsäule weitgehend gerade bleibt.

B An den Oberschenkelrückseiten: Sitzt die meiste Spannung am oberen Ansatz der Oberschenkelrückseiten, dann betone vor allem Phase 2 der Übung. Strecke deine Knie, ziehe die Zehen nach oben und beginne dann bewusst, dich vom Kopf her nach vorne einzurollen. Dadurch wird sich die Dehnspannung im Bereich der Wirbelsäule intensivieren, was besonders bei chronischem Rückenschmerz hilfreich ist. Zwar ist das Dehnempfinden besonders intensiv, doch das reguliert die Schmerzrezeptoren herunter, sodass der Rückenschmerz abnehmen kann. Auch Menschen mit Entzündungen an den Sitzhöckern profitieren von dieser Ausführung. Indem du mit beiden Varianten experimentierst, lernst du, die Dehnspannung relativ gleichmäßig über die gesamte dorsale Faszie zu verteilen.

Bild 2: Dr. Ronald Steiner in der Variante von Pashchimottanasana mit gebeugten Knien.

Becken spannt gegen Brustbein! Baue schon in Phase 1 bewusst eine Spannung zwischen Becken und Brustbein auf. Das Becken kippt nach vorne, das Brustbein zieht nach oben. Diese Spannung hält die Vorderseite deiner Wirbelsäule lang und schützt so deine Bandscheiben. Behalte diese Spannung bei, auch wenn du dich in Phase 2 dann von oben her einrollst.

Hinterkopf spannt gegen Kreuzbein! Kultiviere in Phase 2 eine Spannung zwischen Hinterkopf und Kreuzbein. So entsteht eine Länge über die Rückseite deiner Wirbelsäule.

Becken innenrotierend, Oberschenkel außenrotierend! Um Weite und Bewegungsraum im Hüftgelenk zu schaffen, versuchst du zuerst aus dem Becken heraus eine nach innen rotierende Spannung aufzubauen. Dabei weisen deine Zehen leicht nach innen und deine Fersen etwas nach außen. Diese innenrotierende Spannung gleichst du dann durch eine außenrotierende Spannung in den Oberschenkeln aus: Deine Zehen bewegen sich so wieder nach außen und die Fersen nach innen. In Summe schafft das eine heilsame Spannung, bei der beide Aktionen so ausgeglichen sind, dass Oberschenkel, Schienbeine und Füße gerade nach oben weisen.

Durch den Griff die Knöchel stabilisieren! Pashchimottanasana ist mit verschiedenen Handhaltungen geläufig, die aber kaum einen Effekt auf die grundlegende Ausführung oder die Wirkung der Asana haben. Bei der auf dem großen Bild gezeigten Variante fasst du vor den Füßen mit einer Hand um das Handgelenk der anderen. Deutlich einfacher ist es, mit den Fingern nach den großen Zehen zu greifen (siehe Bild 2 oben). Nutze den Griff in jedem Fall, um deine Füße zu stabilisieren und die Knöchel dicht beieinander zu halten und sie gerade nach oben auszurichten.


Podcast-Folge mit Dr. Ronald Steiner anhören…

Egal ob Rückenschmerzen, Nacken, Schultern, Beine … Dr. Ronald Steiner erklärt auf yogaworld.de, wie du Schmerzen mit Hilfe von Yogatherapie vorbeugen kannst.


Dr Ronald Steiner

Dr. Ronald Steiner ist Arzt für Sportmedizin und zählt zu den bekanntesten Praktikern des Ashtanga Yoga. Die von ihm begründete AYInnovation®-Methode baut eine Brücke zwischen der Tradition und progressiver Wissenschaft, zwischen präziser Technik und praktischer Erfahrung. www.AshtangaYoga.info


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Fitte Faszien mit Amiena Zylla: Der rollende Bogen

Das Jahr steht noch am Anfang – und niemand weiß so recht, was alles noch vor uns liegt. Da tut es gut, die in die Zukunft gewandte Körpervorderseite bewusst zu dehnen und zu entspannen – am besten so genüsslich wie mit den langsamen, schmelzenden Bewegungen dieser Übung.

Text: Amiena Zylla, Bilder: Susanne Schramke

Hinter uns liegt ein sehr aufwühlendes Jahr, behaupte ich mal. Ich finde, dass wir den Jahresbeginn dazu nutzen sollten, ein Gemeinschaftsgefühl wiederherzustellen. Durch die äußeren Umstände werden zu viele Menschen, zu viele Familien und Freundschaften gespalten. Der rollende Bogen ist für mich ein Symbol genau dafür: sich sammeln, sich besinnen, in sich hineinspüren – und dann loslassen, um sich öffnen und einen Neubeginn wagen zu können.

Was das mit dieser Übung zu tun hat? Die Faszienrolle ist ein wunderbares Tool, um Altes loszuwerden. Nicht nur im symbolischen Sinn, sondern tatsächlich auch auf körperlicher Ebene. Es gibt verschiedene Rolltechniken, um die Faszie zu stimulieren. In dieser Übung möchte ich dir das langsame Rollen vorstellen, denn es passt sehr gut zu unserem Thema.

Aber lass mich ein wenig weiter ausholen: Unsere Faszie besteht zu fast 70 Prozent aus „Wasser“. Diese Flüssigkeit muss man sich aber eher etwas dickflüssiger vorstellen, denn ein Hauptbestandteil ist Hyaluronan, auch bekannt als Hyaluronsäure. Da aber Hyaluronan gar keine Säure enthält, ist der gängige Begriff etwas irreführend. Dieser einzigartige Stoff, der mittlerweile in vielen Kosmetikprodukten drin ist, hat eine ganz besondere Eigenschaft – er kann sehr viel Wasser binden. Würde man einen Esslöffel Hyaluronan in 120 Liter Wasser geben, würde sich das Wasser in eine geléeartige Masse verwandeln. Und genau so eine Masse finden wir unter anderem in unseren Gelenken als Schmierstoff. Bewegen wir uns zu wenig, können sich „Pfützen“ mit alter Flüssigkeit bilden. Mithilfe des langsamen, schmelzenden Rollens sorgen wir dafür, dass dieses „alte Wasser“ aus der Faszie hinausbefördert wird und sie wieder mit frischer Flüssigkeit in guter Qualität versorgt werden kann. Außerdem werden durch das langsame Rollen besonders gut muskuläre Verspannungen gelöst.

Lasst uns also im wahrsten Sinn des Wortes in einen Neubeginn aufrollen und einen Bogen zwischen alt und neu spannen – uns in der goldenen Mitte treffen und uns mit Liebe, Herzlichkeit, Mitgefühl und Offenheit begegnen.

Bild: Susann Schramke

Step-by-step Anleitung

  1. Lege dich bäuchlings auf eine große Faszienrolle und platziere sie relativ weit oben, knapp unterhalb des Schambeins. Strecke deinen ganzen Körper schön lang, die Arme sind nach vorne ausgebreitet, die Hände liegen schulter- bis mattenbreit auf dem Boden und du fächerst deine Finger maximal weit auf. Dabei hältst du den Kopf gesenkt in Verlängerung des Rückens.
  2. Aus dieser Ausgangsposition ziehst du dich ganz langsam nach vorne. Dabei wandert die Rolle nach unten bis knapp oberhalb der Knie, du hebst nach und nach Oberkörper und Kopf und dehnst den Brustkorb nach oben hin auf. Gleichzeitig beugst du deine Beine und streckst Unterschenkel und Zehen senkrecht nach oben. Ziehe die Schulterblätter leicht zueinander und nach unten, also weg von den Ohren.
  3. In dieser Haltung angekommen, hältst du kurz inne, dann rollst du langsam wieder zurück in die Ausgangsposition und wiederholst den Ablauf noch einige Male.

Wichtig zu wissen

• Rolle bei dieser Übung sehr, sehr langsam mit möglichst entspannter Muskulatur.

• Bewege die Rolle nur bis knapp an die Knie und nicht über die Knieschiebe hinweg.

• Generell solltest du nie über die Gelenke rollen, sondern immer nur über Muskeln und Gewebe.

Wirkungen

• löst Verspannungen
• dehnt die kollagenen Faser in der vorderen Faszienbahn
• kräftigt Arme und Schultern
• macht die Faszie geschmeidig
• erleichtert die Atmung, indem die Faszienhülle des Zwerchfells gedehnt wird


Mehr zu Amiena findest du unter: amienazylla.com & instagram.com/amienazylla.

Titelbild: Susann Schramke

Embodiment: Ich fühle, also bin ich

Die Seele ist der Spiegel des Körpers. Na, über diesen Satz gestolpert? Normalerweise kennen wir ihn ja eher umgekehrt. Das Konzept Embodiment macht Schluss mit dem Einbahnstraßen-Denken und zeigt, wie eng und nicht- hierarchisch körperliches und seelisches Erleben miteinander verbunden sind. Plus: 5 Embodiment-Quick-Tipps für verschiedene Lebenslagen.

TEXT: CARMEN SCHNITZER

Embodiment ist ein interdisziplinär und deshalb nicht ganz einheitlich verwendeter Begriff aus der Kognitionsforschung, der das Zusammenspiel und die Wechselwirkung von Körper und Geist erforscht und damit einer uralten Frage auf den Grund geht, die man in der Philosophie als „Leib-Seele-Problem“ beschreibt. Im Grunde ist der Ansatz ein zutiefst „yogischer“: Man geht beim Embodiment davon aus, dass alles mit allem verbunden ist und zwar gleichwertig, ohne eine Art oberste Schaltzentrale wie etwa das Hirn, die den Rest unseres Seins steuert. Die Embodiment-These lautet: Bewusstsein benötigt nicht nur einen Körper, der Körper ist Teil dieses Bewusstseins. Das, was wir Geist nennen, ist eingebettet in einen Körper, dieser Körper wiederum ist eingebettet in eine Umwelt, und zwischen allen dreien bestehen ein permanenter gegenseitiger Austausch und eine gegenseitige Beeinflussung: Nicht allein unser Fühlen und Denken bestimmen, was der Körper tut, sondern umgekehrt bestimmt auch der Körper, wie wir uns fühlen und was wir denken. Und damit ist nicht allein so etwas gemeint wie: Ich bin krank, das macht mich traurig, denn jetzt kann ich meine Freundin nicht besuchen. Nein, sogar Körperhaltung und Mimik haben ganz unmittelbar Einfluss auf unser Bewusstsein. Dazu gibt es mittlerweile zahlreiche Studien, zum Beispiel das berühmt gewordene, 1988 veröffentlichte „Bleistift-Experiment“, welches die sogenannte Facial-Feedback-Hypothese untermauern sollte, die besagt, dass Gesichtsmuskelbewegungen das eigene emotionale Erleben beeinflussen.

Der Psychologe Fritz Strack ließ gemeinsam mit Leonard Martin und Sabine Stepper Probandinnen einen Bleistift in den Mund nehmen und damit malen oder schreiben, unter dem Vorwand, man wolle die Motorik von Menschen mit körperlichen Einschränkungen untersuchen. Eine Gruppe sollte den Stift mit den Zähnen, eine mit den Lippen halten, eine mit der nichtdominanten Hand. Worum es dem Forscherinnenteam eigentlich ging: Wer den Stift mit den Zähnen hielt, zog dadurch die Mundwinkel automatisch nach oben, während das Halten mit den Lippen ein Lächeln eher verhinderte und das mit der Hand keinen Effekt hatte. Als man den Versuchspersonen im Anschluss an die Mal- und Schreibversuche Gary-Larson-Cartoons vorlegte, mit der Bitte, deren Lustigkeit einzuschätzen, amüsierten die Bilder die Zahn-Gruppe tatsächlich am meisten, die Lippen-Gruppe am wenigsten.

Was bedeutet Kognition, was Intelligenz?

Unter Kognition versteht man die Gesamtheit aller bewussten und unbewussten mentalen Prozesse, darunter Wahrnehmung, Erkennen, Schlussfolgern, Planen, Erinnern, Kreativität, Meinungsbildung, Lernen usw. Intelligenz wiederum bezeichnet eine Eigenschaft der Kognition: das Denkvermögen, die Fähigkeit, sich auf neue Begebenheiten kognitiv einstellen zu können und ausgehend von gemachten Erfahrungen neue Sinnzusammenhänge herstellen zu können. In der Embodiment-Forschung geht man davon aus, das auch der Körper eine eigene Form von Intelligenz, Erinnerungsvermögen usw. hat, weshalb Körperarbeit zum Beispiel auch bei der Bewältigung von psychischen Krisensituationen helfen kann.

Von Sünde und Reinheit

Die Beweiskraft dieses Experiments ist mittlerweile umstritten, nichtsdestotrotz gilt es als Klassiker der Embodiment-Forschung und regte mit dazu an, unser klassisch westliches Körper-Geist-Verständnis, bei dem das eine vom anderen getrennt ist, zu überdenken. Leicht war das nicht, denn die christlich-abendländische Tradition und das Zeitalter der Aufklärung haben gründlich dafür gesorgt, dass dem „sündhaften“ Körper im Vergleich zur „reinen“ Seele aus philosophischer Sicht immer etwas Niederes, Schmutziges anhaftete und diese Assoziation tief in uns verwurzelt war: Ich denke, also bin ich. Der Geist allein bestimmt unser Sein, der Körper ist lediglich seine vergängliche Hülle, eine Art Reiz-Reaktions-Maschine. Gleichzeitig galt beinahe Umgekehrtes für die Schulmedizin: Körperliche Vorgänge waren nachweisbar, während die Psyche diffus blieb, wenig greifbar: Gängige Sätze wie „Vielleicht ist es auch nur (!) was Psychisches“ zeugen davon, wie wenig ernst man den Anteil der Seele am körperlichen Leiden lange nahm. Doch die Zeiten ändern sich: Was in der Yogaphilosophie schon lange als gegeben angesehen wurde – die Einheit von Körper, Geist und Umwelt – findet mehr und mehr Anklang in der Wissenschaft. Einer der Gründe dafür: Endlich lässt sich vieles objektiv messen, was lange nur gefühlte Wahrheit zu sein schien – in der Neurobiologie etwa können Hirnströme nachweisen, dass die wohltuende Wirkung von Yoga mehr ist als pure Einbildung, dass sich beim Meditieren tatsächlich etwas verändert.

Spiritualität und Naturwissenschaft

An dieser Stelle ist der Meditationsforscher Ulrich Ott zu nennen, der seit mehr als zwei Jahrzehnten beweist, dass Spiritualität und Naturwissenschaft wunderbar miteinander harmonieren können. Daneben ist es Pionierinnen wie Maja Storch (Interview im Yoga Journal Print Ausgabe Nr. 77 05/21) zu verdanken, dass das Thema Embodiment mehr und mehr Raum bekommt. Gemeinsam mit Frank Krause entwickelte sie in den 1990er-Jahren für die Universität Zürich das Zürcher Ressourcen Modell (ZRM), ein psychoedukatives Selbstmanagement-Training, bei dem neben (Sprach-)Bildern auch Körperarbeit mit einbezogen wird, um festgefahrene Verhaltensmuster, Ängste und andere Blockaden zu lösen. Nix da also mit „sündhaft“ oder „minderwertig“: Unser Körper ist ein mächtiges Werkzeug, das uns helfen kann, ein glückliches Leben zu führen – nicht nur dann, wenn wir uns verlieben und die Schmetterlinge in unserem Bauch Salsa tanzen …

Bild: Rodolfo Sanches Carvalho

5 Embodiment-Quick-Tipps für verschiedene Lebenslagen

Du wünschst dir mehr Selbstbewusst – sein.

Kopf hoch, im wahrsten Sinne: Richte dich auf, strecke die Brust leicht nach vorn und hebe dein Kinn. Sich in dieser Haltung klein und minderwertig zu fühlen, ist fast nicht möglich.

Du fühlst dich angespannt und gestresst.

Stell deine Füße etwas breiter als hüftbreit und federe mit den Knien, als stündest du auf einem Trampolin. Dann schüttelst du deine Hände, die Arme und schließlich den ganzen Körper, gerne mit geschlossenen Augen. So schüttelst du Stress buchstäblich von dir ab.

Du fühlst dich erschöpft und brauchst schnell neue Energie.

Auf geht‘s: eine Runde Schatten-Kickboxen gegen einen imaginären Sandsack! Kicke mit den Füßen kraftvoll nach vorn, lass deine Fäuste durch die Luft schießen – das gibt Power!

Du bist unzufrieden und genervt.

Ja, das darf auch mal sein. Wenn du aber etwas dagegen tun willst, hilft es zu lächeln oder auch laut zu lachen. Nicht selten wird aus dem zunächst künstlichen ein natürliches Lachen und deine Stimmung hellt sich auf.

Du kommst abends schwer zur Ruhe.

Denke an einen Ort, den du mit Entspannung verbindest – einen einsamen Strand vielleicht oder eine Waldlichtung. Du kannst dir auch ein Foto deines letzten Urlaubs heraussuchen und es betrachten, während du dich nun an diesen Ort träumst, dabei tief ein- und ausatmest und deinen Atem beobachtest.


Titelbild: Rodolfo Sanches Carvalho via Unsplash


Dieser Artikel ist aus der Yoga Journal Print Ausgabe Nr. 77 05/21

https://yogaworld.de/produkt/yoga-journal-nr-76-04-21-print/

Veggie-Samosa – Gemüse-Teigtaschen

Der gelernte Koch Nicky Sitaram Sabnis nimmt uns in seinem Buch „Happy India“ mit auf eine kulinarische Reise durch sein Heimatland Indien. Sinnlich präsentiert, gespickt mit herrlichen Anekdoten und viel Information über die indische Küche und ihre Zutaten. Eine köstliche Liebeserklärung an Land und Leute. Dieses Rezept ist in ganz Indien sehr beliebt.

Samosas sind ein klassischer indischer Snack. Spätestens wenn ihr mit dem Zug durch Indien reist, werdet ihr in den Genuss köstlich fettiger Samosas kommen. Die Händler reichen sie an nahezu jeder Haltestelle durch die geöffneten Zugfenster, wo sie ihnen von hungrigen Reisenden aus der Hand gerissen werden. Wenn ihr nicht so lange warten wollt, bis ihr das nächste Mal in einem Zug der Indian Railways sitzen, bereitet die Samosas einfach selbst zu. Dieses Rezept habe ich 1977 während meiner Ausbildung zum Koch in Mumbai gelernt. Dazu reicht ihr am besten Minz-Chutney dazu.

ZUTATEN

FÜR DIE FÜLLUNG

1 Kartoffel, gewaschen, geschält und gekocht

300 g gemischtes Gemüse nach Wahl, gewaschen, gegebenenfalls geschält und weich gekocht

je ½ TL Ajwain, Kreuzkümmel, Kurkuma und Chilipulver (alles gemahlen)

1 TL Garam Masala

1 EL frische Korianderblätter, geschnitten

Salz

FÜR DEN TEIG

150 g Vollkornweizenmehl

¼ TL Salz

2 TL Sonnenblumenöl

100 ml lauwarmes Wasser

etwas Mehl für die Arbeitsfläche

400 ml Öl zum Frittieren

© Dirk Przibylla/Südwest Verlag

Zubereitung

Das Mehl in eine Schüssel geben und Salz sowie Öl zufügen. Zunächst wenig lauwarmes Wasser untermischen und alles mit den Händen verkneten. Nach und nach mehr Wasser einkneten, bis ein fester Teig entsteht (insgesamt etwa 100 ml Wasser). Diesen mit einem sauberen Küchentuch zudecken und 5 Minuten ruhen lassen. Nochmals 4–5 Minuten kneten, bis der Teig weich und elastisch ist.

Die Zutaten für die Füllung in eine Schüssel geben und mit einem Kartoffelstampfer zerdrücken. Mit Salz abschmecken und zur Seite stellen.

Aus dem Teig etwa kiwigroße ovale Bällchen formen. Diese mit wenig Mehl auf der Arbeitsfläche dünn ausrollen und halbieren. Die Schnittflächen der Teigfladen mit etwas Wasser befeuchten und diese zu einer Art Tüte formen. Dafür den Halbkreis einmal in der Mitte falten und an den geraden Schnittflächen andrücken.

Gemüse Samosa Step 1 / © Dirk Przibylla/Südwest Verlag

In jede Tüte 1 EL der Füllung geben. Den oberen Rand der Tüte mit etwas Wasser befeuchten und verschließen. So nach und nach alle Teigtaschen füllen.

Gemüse Samosa Step 2 / © Dirk Przibylla/Südwest Verlag

Das Öl in einem großen Topf nicht zu stark erhitzen und darin die Samosas langsam frittieren, bis sie braun und knusprig sind. Mit einem Schaumlöffel herausheben und auf Küchenpapier abtropfen lassen.


Die besten Originalrezepte aus ganz Indien

Happy India – Mehr als 150 authentische Gerichte, Südwest Verlag

Auf 240 Seiten präsentiert Nicky Sitaram Sabnis heißgeliebte Familienrezepte und Gerichte, die er während seiner Reisen und seiner Ausbildung kennengelernt hat. Nordindische Currys sind ebenso vertreten wie südindische Reisgerichte, cremige Dals und unzählige Auberginen-Variationen. Auch Streetfood, Getränke und zuckersüße, aromatische Desserts dürfen nicht fehlen. Insgesamt kommen so mehr als 150 authentische Rezepte zusammen, die sich mit frischen Zutaten auch bei uns problemlos zubereiten lassen.


Titelbild: © Dirk Przibylla/Südwest Verlag

Maksim Klasanovic – vom Häftling zum Yogalehrer

Maksim Klasanovic wurde zu 13 Jahren Haft im härtesten Gefängnis Thailands verurteilt. Heute sagt er: „Es war die wichtigste Erfahrung meines Lebens“. Hier erzählt er, wie ein meditierender Mitgefangener und ein zerfleddertes YOGA JOURNAL ihm halfen zu überleben.

Text: Dimitri Lehner / Foto: Simon Geiger

Maksim Klasanovic arbeitete in Thailand als Marketingmanager für Hotels, als er 2011 während einer Party verhaftet und in einen großen Drogenfall verwickelt wurde. In seinem Buch: „Der König darf nicht sterben. Mein Weg aus Thailands härtestem Knast“ berichtet Maksim, wie er im Gefängnis Meditation und Yoga für sich entdeckte. Heute unterrichtet er beides in Kursen und hält Seminare zu Meditativem Mentalcoaching. thaimiki.com

13 Jahre Gefängnis. Das Urteil muss ein Schock gewesen sein.
Ich war völlig geschockt, denn ich rechnete mit einem Freispruch.

Wie kam es zu dem harten Urteil?
Da kam vieles zusammen: Ich hatte zwar nur die Telefonnummer eines Dealers weitergegeben wurde dabei aber in einen großen Drogenfall verwickelt und hatte einen Anwalt, der mir versprach, mich mit einer Falschaussage frei zu bekommen – der sich aber später als korrupt herausstellte …

Du wirst Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt haben, um doch noch rauszukommen.
Das habe ich, doch da ließ sich nichts machen. Erst als 2016 König Bhumibol starb, wurde ich nach mehr als 8 Jahren im Rahmen einer großen Amnestie begnadigt.

Wie muss man sich den Knast in Thailand vorstellen?
Die Zelle ist ein Käfig. 180 Quadratmeter für 290 Männer. Mörder, Vergewaltiger, Drogendealer und -süchtige, Verrückte – bewacht, drangsaliert und geprügelt von korrupten Wärtern. Du schläfst auf dem nackten Boden. Die Gefangenen liegen dabei so eng gepackt, dass du nur auf einer Seite liegen und dich nicht drehen kannst. Eine leere Colaflasche war in den ersten Monaten mein Kopfkissen. Keinerlei Privatsphäre. Ein Plumpsklo mitten im Raum. Als ich in der ersten Nacht aufs Klo ging, war danach mein Schlafplatz weg und ich musste stehen.

Da dreht man doch durch.
Ja. Überall Milben, Läuse, Moskitos. Die Bisse peinigten mich und hielten mich nachts wach. Ratten krochen aus der Kanalisation. Es gab regelmäßig Massenschlägereien. Meist beim Waschen, wenn ein paar Hundert Mann versuchten, sich an einem einzigen Becken zu waschen. Jeder ist gestresst und bis aufs Blut gereizt.

Wie steht man das durch?
Das frage ich mich auch. Ich sah andere sterben und wollte überleben. Ich habe schnell angefangen, Thai zu lernen und viel Sport zu machen. Im Freigelände machte ich Liegestütze, Kniebeugen und Situps. Zum einen um nicht durchzudrehen, aber auch als Schutz, denn wer kräftig aussieht, wird in Ruhe gelassen. Als ich dann von Phuket nach Bangkok verlegt wurde, war ich bereits sehr athletisch und wurde für mein konsequentes Training respektiert. Zudem konnte ich jetzt Thai sprechen. Aber mental war es trotzdem noch die Hölle.

Wie kamst du zu Yoga und Meditation?
Neben mir lag nachts ein Nepalese. Mir fiel auf, dass er frühmorgens, als wir alle noch schliefen, regungslos dasaß. Ich dachte, er würde beten. Doch er erzählte mir, dass er meditiert. Es war auffällig, wie viel gelassener er war als die anderen Häftlinge. Also bat ich ihn, mir das beizubringen.

„Der Knast wurde ein fast heiliger Ort für mich.“

Was genau war das?
Da gab es kein Geheimnis. Es ging schlichtweg um bewusstes Atmen. Er sagte: „Spüre deine Nasenflügel beim Ein- und Ausatmen. Kommen störende Gedanken, dann nehme sie zwar wahr, doch kehre wieder zum Atem zurück!“ Anfangs fiel es mir wahnsinnig schwer, auch nur 5 Minuten still zu sitzen und zu atmen, doch ich habe gleich gemerkt, dass da etwas mit mir passiert. Mit der Zeit gelang es mir immer besser: Das Gedankenkarussell drehte sich tatsächlich langsamer. Diese Datenautobahn in meinem Kopf wurde über die Jahre zu einer 30er-Zone.

Im Gefängnis eine große Hilfe.
Und wie! Zuvor haben mich meine Gedanken zermartert. Alles in mir wehrte sich gegen das Gefängnis. Mir schien, dass alles von meinem Geist vernebelt war. Durch Meditation spürte ich mich anders. Ich konnte mich mit der Situation, mit meinem Schicksal arrangieren. Ich wurde selbstsicherer, freier, konnte mich selbst annehmen mit meinen Stärken und Schwächen.

Wie sah deine Praxis konkret aus?
Morgens um 4.30 Uhr, als die anderen noch schliefen, machte ich zuerst Atemübungen, später meditierte ich und versuchte, meine Gedanken zu verlangsamen. Ich wurde regelrecht süchtig danach. Und Yoga? Bisher hatte ich Krafttraining gemacht und Muay Thai, also Thai-Boxen geübt. Doch dann bekam ich eine zerfledderte Zeitschrift in die Finger. Irgendjemand hatte einen Wärter bestochen und alte Magazine eingehandelt. Darunter war eine ältere Ausgabe des amerikanischen YOGA JOURNAL. Es fehlten zwar etliche Seiten, aber ich fand 8 bis 10 Asanas, die ich gleich ausprobierte.

Dieses Heft war es, das Maksim im Gefängnis zufällig in die Hände bekam – darin ein paar Übungsanleitungen, die ihm eine neue Welt eröffneten.

Was hat dir daran so gefallen?
Die Dehnung. Das Hineinspüren in den Körper. Wenn du dich dehnst, konzentrierst du dich auf deinen Körper und die Gedanken hören auf. Ich habe ein Jahr lang immer nur dieselben Asanas gemacht – eben die aus dem YOGA JOURNAL, kombiniert mit achtsamer Atmung.

Wie haben die anderen Häftlinge reagiert?
Sie haben gespürt, wie ich mich veränderte – und das hat sie neugierig gemacht. Irgendwann kam der erste und wollte angeleitet werden. Dafür habe ich dann improvisiert. Zum Beispiel war im YOGA JOURNAL vom Sonnengruß die Rede, aber es gab keine Anleitung. Also habe ich meinen eigenen Bewegungsablauf entwickelt, denn auch ich wollte die Sonne grüßen können.

Wie sah dein Sonnengruß aus?
Ganz simpel: Du sitzt auf den Fersen und richtest dich dann auf in den Kniestand, hebst die Arme zur Seite der Sonne entgegen und setzt dich wieder zurück auf die Fersen.

Du hast also dein eigenes Yoga erfunden.
Ja, es blieb mir ja nichts anderes übrig. Und das hat Spaß gemacht. Ich habe so auch das Nachspüren für mich entdeckt. Je tiefer ich in die Dehnung ging, desto intensiver fühlte es sich an. Also versuchte ich, die starke Dehnung zu halten. Mein Yoga ist ein sehr langsames, tiefes Yoga. Atmen, Dehnen, Nachspüren – das war die 3er-Kombination, die mir gefiel. Später kam das achtsame Hören dazu. Das konnte auch beim Laufen passieren. Und das achtsame Essen.

Achtsames Essen?
Ich bekam alle zwei Wochen von einer ehrenamtlichen Gefangenen-Betreuerin der deutschen Botschaft Äpfel geschenkt. So einen Apfel aß ich dann ganz bewusst. Das war ein meditatives Erlebnis. Meditatives Äpfelessen im thailändischen Knast. Verrückt, ich weiß. Doch in den letzten Jahren wurde aus dem Knast ein fast heiliger Ort für mich. Yoga und Meditation haben mich verändert. Das konnten auch die anderen Häftlinge sehen – und so haben wir irgendwann eine richtige Yogaklasse gegründet, die ich zweimal die Woche angeleitet habe. Wir übten auf aufgeschnittenen Papp-Kartons, das waren unsere Yogamatten. Als ich zurück nach Deutschland kam, habe ich gemerkt, dass es auch den Leuten hier guttut, wie ich auf ganz simple Art Yoga und Meditation glaubwürdig mache. Für ein neues, achtsames Leben. Deswegen habe ich diesen Sommer auch die Ausbildung zum Yogalehrer gemacht.

„Die Datenautobahn in einem Kopf wurde zu einer 30er-Zone.“ Auch nach seiner Rückkehr an den Rhein meditiert Maksim Klasanovic täglich.

Konntest du da noch was lernen?
Eine ganze Menge, von dem ich keine Ahnung hatte! Alleine die Anatomie, die Faszien und so weiter, das ist super spannend. Doch durch Meditation an einen Punkt zu kommen, wo alles schwerelos wird – das schaffst du nur durch viel Übung. Das kann dir niemand beibringen, du musst es selbst erfahren. Sobald du nicht mehr vom Geist beeinflusst bist, verändert sich deine Gesundheit, deine Ausstrahlung, dein Familienleben, dein Liebesleben. Du wirst in allen Ebenen deines Lebens Veränderungen spüren.

Klingt, als seist du auf einer Mission?
Hättest du mir vor zehn Jahren gesagt, dass ich mal eine Yogalehrer-Ausbildung machen würde, hätte ich laut aufgelacht. Aber jetzt will ich Menschen die Techniken beibringen, die mich im Gefängnis gerettet haben. Menschen, die bisher denken, dass Yoga nichts für sie sei.

Wie war es, nach über 8 Jahren wieder nach Deutschland zu kommen?
Als ich zurückkam, haben mich alle angestrahlt. Ich konnte es nicht fassen, schließlich hatte ich mit 19 Jahren Deutschland verlassen, weil hier alle so mürrisch waren. Und jetzt strahlte jeder. Dann merkte ich erst, dass ich es war, der strahlte. Denn das Gefängnis war in den letzten Jahren ein heiliger Ort für mich, so krass sich das jetzt anhört. Das Leid, die Toten, die Verrückten, das schlechte Essen, das Ungeziefer – entweder du zerbrichst daran oder du findest Kraft und kommst gestärkt raus. Für mich war es rückblickend ein Glück, all das erfahren zu haben.

Ich wäre an einem solchen Schicksal zerbrochen – die besten Jahre meines Lebens hinter Gittern.
Vielen ist das so gegangen. Wenn die Psyche einknickt, zerbricht auch die Gesundheit. Viele sind krank geworden und gestorben oder sie haben sich umgebracht. Für mich war das keine Option. Das konnte ich meiner kleinen Tochter nicht antun, meiner Schwester nicht und auch meiner Mutter nicht. Ich wollte nicht einer dieser Toten sein, die in Lumpen gewickelt aus der Zelle geschleppt werden. Häftlinge sind in meinen Armen gestorben, manche lagen tagelang tot in unserer Zelle. Ich habe dort eine andere Beziehung zum Tod bekommen.

Hast du nicht das Gefühl, um die besten Jahre deines Lebens betrogen worden zu sein?
Nein. Ich habe sogar das Gefühl, beschenkt worden zu sein. Woanders hätte ich nie erfahren, was ich erfahren habe. Ich war früher arrogant, ein Angeber, dachte, ich sei was Besseres. Party, fette Autos, fette Uhren, Alkohol – das hatte etwas Selbstzerstörerisches und sehr Oberflächliches. Das ist jetzt alles anders. Aber es war ein langer Weg. Acht Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Ich habe über acht Jahre keine Orange gegessen. Jetzt esse ich eine Orange mit Hingabe und bin wirklich dankbar dafür.


Der Münchner Journalist DIMITRI LEHNER startet jeden Tag mit einem Mix aus Yoga und koreanischen Übungen nach Meister Seo.