Eigenlob stimmt!

Zumindest manchmal. Ups, da relativiere ich schon, und das wohl auch zu Recht. Warum wir uns trotzdem öfter mal auf die Schulter klopfen sollten …

„GUTEN MORGEN, GÖTTIN!“ heißt ein Artikel, den ich vor rund 20 Jahren für die Studentenzeitschrift Aud!max geschrieben habe. Das war lange, bevor mich beim Lesen eines Bestsellers über Grauschattierungen die „innere Göttin“ der Protagonistin so nervte, dass ich auf das Aufschlagen von Band 2 und 3 lieber verzichtete. Falls Sie nicht wissen, wovon ich hier schreibe, seien Sie froh! Doch ich schweife ab, Pardon. Argh! Sehen Sie, erst relativiere ich, nun entschuldige ich mich. Das mache ich leider ganz schön oft und bin damit in guter (meist weiblicher) Gesellschaft. Ein Freund erklärte mir das Prinzip des Entschuldigens mal so: Wer sich entschuldigt, klagt sich an, ist der Ansicht, Schuld auf sich geladen zu haben, derer er sich entledigen will. Habe ich das oben wirklich? Nein.

Also: Ich nehme das „Pardon“ zurück, stehe zu meinem Abschweifen und komme nun zurück zum Kernthema: Im Artikel ging es darum, dass wir uns öfter mal etwas Eigenlob gönnen sollten. Darin verweise ich auf Khalil Gibrans Parabel „Das ehrgeizige Veilchen“, in der besagtes Blümchen sich danach sehnt, zur Rose zu werden, ein Wunsch, vor dem die Natur es warnt, den sie ihm, als es hartnäckig bleibt, aber erfüllt. Viel- leicht ploppt nun auch in Ihrem Hirn der Poesiealbum-Spruch aus Kindertagen auf: „Sei wie das Veilchen im Moose, sittsam, bescheiden und rein, und nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein.“ Tja, als in Gibrans Geschichte nach nur einer Stunde Rosendasein ein Sturm das ehemalige Veilchen bricht, kommen ihm die überlebenden lila Blümchen denn auch auf die Ätsch-Bätsch-Tour, à la: „Wärst du nicht so hochmütig und gierig gewesen, hättest du wie wir kleinen, bescheidenen Schwestern überlebt.“ Klare Ansage, klare Moral.

Doch die Geschichte geht noch weiter! Im Angesicht des Todes wird das abgeknickte Ex-Veilchen zur Edith Piaf unter den Blumen und verkündet, es bereue nichts, diese eine Stunde als Rose sei es ihm wert, nun früher gehen zu müssen: „Ich werde sterben, denn meine Seele hat ihr Ziel erreicht. Mein Wissen umfasst jetzt eine Welt, die jenseits der engen Höhle meiner Geburt liegt.“ Kurz: Nix da, Bescheidenheit. Manchmal darf ‘s ein bisschen mehr sein – Risiko hin oder her. Und damit komme ich zurück in unseren Alltag: Was spricht eigentlich dagegen, sich nach Bewunderung zu sehnen? Als Autorin, die sich hin und wieder mit eigenen Texten auf eine Bühne wagt, weiß ich: Applaus fühlt sich sehr schön an. Muss ich diesem Gefühl misstrauen? Kann ich es nicht einfach annehmen und genießen?

Es ist ungesund, den eigenen Selbstwert vom Wohlwollen anderer abhängig zu machen, antwortet mir ein Teil meines Verstandes. Es trennt dich von an- deren, wenn meinst, du seist etwas Besseres als sie. Meine ich ja gar nicht, entgegnet es in mir. Denn das wäre tatsächlich gefährlich. Aber vielleicht kann ich ja manches besser als andere? Hui, noch ein Tabu – sich mit anderen zu vergleichen! Aber warum eigentlich nicht? Ich applaudiere der tollen Fußballspielerin, lobe den Handwerker, der meine Heizung repariert, danke der geduldigen Zuhörerin oder bewundere die Musik einer bestimmten Band, und umgekehrt mögen Menschen vielleicht meine Geschichten – kann das nicht auch verbinden? Hey, wie schön, welch ein Reichtum an verschiedenen Talenten! Bei der Sache mit der Abhängigkeit wird es schon schwieriger, denn seien wir mal ehrlich – Anerkennung von außen anzunehmen bekommen wir vielleicht gerade noch hin, aber einfach mal selbst anerkennen, was wir so Tolles zustande gebracht haben, fällt noch mal schwerer. Vorsicht, das macht unsympathisch, hämmert unser poesie- albumgeprägtes Ich in uns. Du riskierst Ablehnung! Dabei heißt Selbstwert aufbauen doch auch zu erkennen, was uns wertvoll macht, und nicht, sich von einer „Entschuldigung, dass ich bin“-Spirale verschlingen zu lassen.

Der Artikel, den ich eingangs erwähnte, ist zwei Jahrzehnte alt, und doch habe ich ihn noch nicht verinnerlicht. Darum hier eine kleine Übung für mich selbst: Ich glaube … Nein, stopp! Ich finde, ich kann gut mit Worten umgehen. Erst wollte ich relativierend „ganz gut“ schreiben. Es ist wirklich nicht leicht. Aber ich arbeite dran. Und vielleicht ha- ben Sie diesen Text ja gerne gelesen und klopfen sich danach dafür auf die Schulter, wie toll Sie das letzte Meeting hinter sich gebracht haben oder die Pubertät ihrer Kinder? Beides würde mich freuen.


CARMEN SCHNITZER hat einmal mitgezählt, wie oft sie sich innerhalb eines langen Theaterabends entschuldigte. Es waren siebzehn Mal! Davon zwei Mal berechtigt, weil sie z.B. jemandem versehentlich auf den Fuß gestiegen war.

Asana im Fokus: Balkenhaltung

Foto von Lucas Pezeta von Pexels
Parigha
Balken zum Schließen eines Tores; Asana = Haltung

Schritt für Schritt

  1. Knien Sie sich auf die Matte, strecken Sie das rechte Bein zur Seite aus und schieben Sie den ganzen Fuß fest nach unten. Ist das nicht möglich, dann legen Sie entweder eine gefaltete Decke unter den Ballen oder Sie üben an der Wand und drücken den Ballen gegen die Bodenleiste. Richten Sie linkes Knie und linke Hüfte senkrecht übereinander aus und bringen Sie den rechten Fuß in eine Linie mit dem linken Knie. Drehen Sie das Becken leicht nach rechts, so dass der linke Hüftknochen etwas weiter vorn als der rechte steht, dabei bleibt der Oberkörper aber gerade nach vorn ausgerichtet. Drehen Sie das rechte Bein so weit auswärts, dass die Kniescheibe zur Decke zeigt.
  2. Heben Sie die Arme mit einer Einatmung seitlich mit nach unten zeigenden Handflächen bis auf Schulterhöhe. Dann beugen Sie sich nach rechts über das gestreckte Bein und legen die rechte Hand auf Schienbein oder Fußgelenk. Dabei halten Sie beide Flanken möglichst lang. Legen Sie die linke Hand an die linke Hüfte und drücken Sie das Becken damit nach unten. Dann lassen Sie sie an die unteren Rippen gleiten und ziehen sie nach oben. Dabei entsteht mehr Länge an der Taille.
  3. Mit einer Einatmung heben Sie den linken Arm und strecken ihn über dem linken Ohr nach oben und rechts. Durch die Seitbeuge tendiert der Rumpf möglicherweise dazu, nach vorn zu kippen. Halten Sie den linken Hüftknochen in seiner Ausrichtung etwas vor dem rechten und drehen Sie die Brust zugleich nach oben.
  4. Bleiben Sie 30 Sekunden bis 1 Minute lang in der Haltung. Dann richten Sie sich mit einer Einatmung behutsam auf, indem Sie den linken Arm strecken und in einem weiten Bogen über oben zur linken Seite führen. Anschließend wechseln Sie die Beinhaltung und üben die andere Seite.

Tipps

Einfachere Variante: Bei Problemen mit den Knien können Sie die Haltung auch auf einem Stuhl sitzend ausüben. Dabei steht ein Bein vor dem Stuhl, das andere wird zur Seite ausgestreckt.

Fortgeschrittene Variante: Vertiefen Sie die Seitbeuge nach und nach, bis der Oberkörper dem gestreckten Bein so nah wie möglich kommt. Dann drücken Sie den Handrücken der unteren Hand auf die Oberseite des Fußes und führen die obere Hand so weit nach unten, dass die Handflächen aneinander liegen.

Wirkungen

  • dehnt die Flanken
  • bringt Länge in die Wirbelsäule
  • dehnt Beininnenseiten und Füße
  • weitet den Schultergürtel
  • stimuliert innere Organe und Lungen

Gegenanzeigen

  • Knieverletzungen (siehe Tipps)

Yoga gegen Ängste

Dass Yoga innere Ruhe, Entspannung und Gelassenheit fördert, ist fast schon ein Allgemeinplatz. Aber sogar für Menschen, die massiv unter Ängsten leiden, kann die Praxis ein Rettungsanker sein. Lesen Sie hier, warum immer mehr Ärzte Yoga ​als Ergänzung zu konventionellen Therapien empfehlen. Die passende Mini-Practice für Yoga gegen Ängste finden Sie hier. 

Eigentlich würde sich Andrea Posner als „starke, rational denkende Frau“ beschreiben. Das änderte sich schlag-artig, als ihre Tochter in der 10. Klasse von der Regelschule in ein spezielles Programm für autistische Kinder wechseln musste. „Meine Tochter kam trotz Autismus immer gut zurecht“, berichtet die 52-jährige Biochemikern. „Doch die neue Schule war furchtbar für sie: Sie wurde sich ihrer Behinderung voll bewusst und litt schrecklich darunter, von den ‚normalen‘ Teenagern abgesondert zu werden.“ Ihr Kind so leiden zu sehen, trieb auch Andrea in eine ungewohnt verängstigte Stimmung. „Ich wachte mitten in der Nacht mit rasendem Herzklopfen auf. Auch tagsüber bekam ich immer wieder Panik-attacken. Einmal rannte ich sogar von einer Feier bei Freunden davon. Ich landete irgendwo am Strand und hab nur noch Rotz und Wasser geheult.“ Der Hausarzt verschrieb zunächst Beruhigungstabletten, aber das war keine Lösung: „Ich fühlte mich mit den Medikamenten wie abgeschaltet“, erinnert sich Andrea. Sie bat einen Facharzt um Rat. Eines der ersten Dinge, die er empfahl, war Yoga. Fortan besuchte sie dreimal pro Woche eine Yogastunde. Einen Monat später schlief sie wieder besser und auch die Panikattacken hatten abgenommen. „Der bewusste Atem war eine Riesenhilfe“, erinnert sich Andrea. „Außerdem habe ich durch die Asanas gelernt, präsent im Moment zu bleiben und zu beobachten, was geschieht. Das half mir, auch im Alltag in schwierigen Situationen ein Gefühl von Frieden zu bewahren.“

Asana und Atemübungen werden schon seit Jahrtausenden eingesetzt, um einen unruhigen Geist zu besänftigen und dem Stress seinen scharfen Stachel zu nehmen. Dennoch war es noch bis vor Kurzem sehr unwahrscheinlich, dass ein westlicher Arzt bei Angstzuständen Yoga empfiehlt. Die meisten Mediziner vertrauten bisher vor allem auf Medikamente, denn deren Wirkung ist wissenschaftlich am besten belegt. Aber das scheint sich in letzter Zeit zu ändern. Schon 2011 werteten Forscher der Universität Harvard amerikanische Patientendaten aus und fanden heraus, dass Ärzte immerhin schon 3 Prozent ihrer Patienten bei psychischen Problemen zu ganzheitlichen Körper-Geist-Methoden wie Yoga und Medi-tation geraten hatten. Das entspricht fast 6,4 Millionen Menschen. Bei einem Drittel ging es um Angstzustände, der häufigsten psychischen Störung. Auch bei Kongressen und Fortbildungen nehmen Seminare über Yoga und Meditation immer größeren Raum ein, insbesondere bei Psychiatern und Krebsmedizinern. Das hat gute Gründe: Inzwischen gibt es sehr vielversprechende Forschungsergebnisse zu deren Wirksamkeit gegen Stress, Stimmungsschwankungen und eine Reihe von anderen psychischen Problemen. Daher wächst die Akzeptanz gegenüber integrativer Medizin und Psychotherapie. Beide mischen das Beste aus westlichen und fernöstlichen Behandlungskonzepten, also etwa Gesprächstherapie plus Atemübungen plus progressive Muskelentspannung.

Solche Konzepte sind eine wichtige Antwort auf den enormen Bedarf an effizienten, möglichst nebenwirkungsfreien Behandlungen: Im Jahr 2010 waren laut einem Artikel der „Welt“ über 10 Millionen Menschen in Deutschland wegen krankhafter Angst beim Arzt – das ist fast jeder sechste Erwachsene. Viele Angstpatienten bekommen Psychopharmaka aus der Gruppe der Benzodiazepine verschrieben. Die sind zwar dafür bekannt, Ängste wirksam zu lösen, sie haben aber auch ein hohes Abhängigkeitspotenzial und können Benommenheit, Schwindel, Gedächtnisverlust und Alpträume hervorrufen. Diese Nebenwirkungen sind, ebenso wie Missbrauch und Abhängigkeit, seit über 40 Jahren bekannt, dennoch gehen laut einer 2015 im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichten Studie jährlich noch 230 Millio-nen Tagesdosen über den Ladentisch. Bis zu 1,6 Millionen Menschen sollen allein hierzulande abhängig von Beruhigungsmitteln und anderen Benzodiazepin-Präparaten sein – mit all den dramatischen Folgen, die das nicht nur für die individuelle Biographie sondern auch für das Gesundheitssystem hat.

Kein Wunder also, dass alternative Behandlungskonzepte mehr und mehr gefragt sind. Und hier kommt zunehmend auch Yoga ins Spiel. Andrea Posners Arzt, Adam Splaver, meint: „Yoga kann nicht nur die Symptome lindern, es kann einen auch lehren, mit seinen Sorgen und Ängsten besser umzugehen. Und wenn sie die Wahl hätten, würden die meisten meiner Patienten ihre Probleme lieber überwinden als nur ein Pflaster drüber zu kleben.

Das sagt die Wissenschaft

Mittlerweile haben sich Hunderte von Studien mit der beruhigenden Wirkung von Meditation beschäftigt. Das bislang vermutlich eindeutigste Urteil legten dabei Forscher der Johns Hopkins Universität ab, die 2014 in einer Metastudie 47 größere Forschungsarbeiten auswerteten. Madhav Goyal, der Hauptautor der Studie schreibt: „Wir haben quer durch die Forschung stichhaltige Beweise dafür gefunden, dass Achtsamkeitsmeditation die Symptome von Angstzuständen zu einem gewissen Grad lindern kann.“ Und weiter: „Wenn man ängstlich ist, wird der Geist häufig von besorgten Gedanken mitgerissen. Das steigert die Angst und ruft weitere Symptome wie etwa Schlafstörungen auf den Plan. Durch Meditation lernen Menschen Methoden kennen, wie man diesen Tendenzen entgegenwirken kann: Sie bleiben zum Beispiel im Moment und erkennen angstvolle Gedanken schon wenn sie auftauchen. So verhindern sie, dass sich die Angstszenarien überhaupt aufbauen.“ Am besten erforscht ist dabei die so genannte Achtsamkeitsmeditation, eine moderne Praxis, die darauf abzielt, die Achtsamkeit für den gegenwärtigen Moment mit all seinen Gedanken, Gefühlen und Erfahrungen zu erhöhen. Aber es gibt auch Belege dafür, dass andere Meditationsformen ähnlich wirksam sind, etwa die Metta-Meditation, eine buddhistische Variante, bei der man freundliche, wohlwollende Gedanken an sich selbst und alle fühlenden Wesen sendet. Oder die Transzendentale Meditation, bei der ein Mantra so lange wiederholt wird, bis der Geist in einen Zustand des Nicht-Denkens gelangt.

Doch Meditation ist noch lange nicht alles: Gerade die Kombination von Körperübungen (Asana), Atemarbeit (Prana-yama) und Meditation scheint besonders geeignet zu sein, um Sorgen und Ängste klein zu halten. Auch hierzu gibt es erste, viel versprechende Untersuchungen, etwa bei Patientinnen, die wegen Ängsten und Depressionen in Behandlung waren, bei Gewaltopfern, bei Menschen, die unter einer posttraumatischen Belastungsstörung litten oder bei Frauen, die eine künstliche Befruchtung erwarteten. Besonders eindrucksvoll ist eine 2015 in den USA erschienene Studie über Ängste während der Schwangerschaft. Deren Hauptautorin Karen M. Sheffield schreibt: „Egal welchen Typ von Yoga die untersuchten Frauen übten: Sie alle konnten Ängste und Depressionen signifikant lindern.“ Und das Beste daran: Schon eine einzelne Yogastunde pro Woche über einen Zeitraum von sieben Wochen führte zu diesen positiven Effekten.

Das Gehirn liebt Yoga

Aber wie lösen Yoga und Meditation diese Effekte aus? Die amerikanische Psychologin und Forscherin Jenny Taitz erklärt es so: „Angst ist im Wesentlichen ein Sich-Sorgen über die Zukunft. Es geht um schlimme Dinge, die noch nicht passiert sind und die so wahrscheinlich auch nie passieren werden. Und weil Ängste in die Zukunft gerichtet sind, ist alles hilfreich, was einen im gegenwärtigen Moment hält.“ Genau das leisten Yoga und Meditation: Indem man zum Beispiel beobachtet, wie sich der Körper in der Heldenhaltung anfühlt, oder indem man sich auf die Empfindungen konzentriert, die der Atem an der Nasenspitze verursacht, bindet man den Geist fest an die Gegenwart. Dadurch hat man auch Gelegenheit, in diesem Moment ablaufende mentale Reaktionsmuster zu beobachten und zu identifizieren, etwa die Ungeduld in einer lange gehaltenen Vorwärtsbeuge oder den Unwillen gegenüber einer bestimmten Asana. Wenn man dann im Alltag in eine schwierige Lage gerät, kann man genau das selbe tun: Man beobachtet sich selbst in seinen Reaktionen. Tauchen angstvolle Gedanken auf, dann kann man diese Gedanken wahrnehmen, ohne so sehr von ihnen gefangen zu werden. Man schafft also eine gesunde emotionale Distanz.

Diese subjektiv empfundenen Veränderungen der inneren Haltung lassen sich im Gehirn gut nachvollziehen. Mit moderner MRT-Technik kann man sichtbar machen, was im Kopf von Angstpatienten zum Beispiel während einer 20-minütigen Achtsamkeitsmeditation vor sich geht: Der ventromediale präfrontale Cortex, also das Hirnareal, das in der Lage ist, Angstgefühle zu dämpfen, wird durch die Meditation aktiviert. Und in dem Maß, in dem sich die Ängste legen, steigt die Aktivität im anterioren cingulären Cortex. Das bedeutet, dass rationales Denken und Optimismus wieder die Überhand gewinnen. Mit anderen Worten: Die Meditation trainiert das Gehirn darin, sich selbst in seinen Reak-tionen zu kontrollieren. Und das hilft, auch im Alltag seine Reaktionen besser in den Griff zu bekommen.

In anderen Forschungen wurde gezeigt, dass Yoga das Niveau von Gamma-Aminobuttersäure (GABA) im Gehirn beeinflussen kann. Als beruhigend und entspannend wirkender Neurotransmitter spricht der Botenstoff die selben Rezeptoren an, auf die auch die angsthemmenden Psychopharmaka der Benzodiazepin-Gruppe abzielen. Studien der Boston University zeigten, dass schon nach einer einzigen Yogastunde der GABA-Spiegel signifikant erhöht war. Natürlich kann eine einzelne Stunde immer nur die momentane Angst lindern. Um die Neigung zu übermäßiger Sorge, Ängsten und Panik-attacken generell zu vermindern, muss man sich Yoga und Meditation schon zur regelmäßigen Gewohnheit machen. Die amerikanische Yogalehrerin Angela Fie hat sich mit ihrem Programm Yoga-Med auf die Behandlung von Angstpatienten spezialisiert. Viele ihrer Schülerinnen und Schüler kommen auf Empfehlung der behandelnden Ärzte zu ihr. Aus ihrer reichen Erfahrung weiß sie: „Die regelmäßige Praxis senkt das Grundniveau emotionaler Erregung. Wenn dann im Alltag etwas Schlimmes passiert oder beängstigende Gedanken aufsteigen, kann man dem mit mehr Ruhe und Präsenz begegnen. Anstatt mit Angst zu reagieren, wird man das Geschehen aufmerksam und mit Neugier und Geduld betrachten.“

Andrea Posner kann das nur bestätigen. Sie hat sich dem Yogaweg inzwischen seit vielen Jahren verschrieben und übt fast jeden Tag. „Meine Tochter studiert mittlerweile. Aber dass ich diese große Sorge und meine Angststörung so gut bewältigen konnte, verdanke ich zu großen Teilen Yoga. Ich bin viel ruhiger geworden und kann mit den Ups und Downs des Lebens heute besser umgehen. Ich glaube wirklich, es ist meine regelmäßige Yogapraxis, die mir diesen Seelenfrieden geschenkt hat.“


Ginny Graves hat sich dieses Thema nicht zufällig ausgesucht: Als freiberufliche Autorin kennt sie Existenzängste gut. Sie findet es ungemein erleichternd, zu wissen, dass Yoga eine Hilfe sein kann!

Montags-Mantra: Attitude of Gratitude

Blumensträuße, selbstgebastelte Karten, eine dicke Umarmung für die Mutti – gestern konnten wir unsere Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Doch brauchen wir festgelegte Tage als Erinnerung, uns erkenntlich zu zeigen? Wäre es nicht schöner, die positiven Aspekte direkt im Moment wahrzunehmen und zu schätzen? Das, was wir haben, in ‚genug‘ zu verwandeln, ist eine Kunst – und doch liegt es lediglich an unserer Einstellung. Nicht jeder Tag mag gut sein. Aber es steckt etwas Gutes in jedem Tag.

Dankbarkeit ist ein wertvolles Werkzeug: Sie öffnet Augen, Herz und Kopf. Somit gehen wir wachsamer durch das Leben und nehmen kleine Freuden bewusster wahr. Es gibt viele schöne Momente, die wir übersehen, da sie uns täglich begegnen und zur Gewohnheit wurden. Dabei liegen sie meist so offen und simpel vor uns.

Vergleichen raubt Freude

Sei es am Arbeitsplatz, in der Freizeit oder in den sozialen Medien: Vergleichen macht unglücklich. Und doch träumen wir uns ab und an lieber in fremde Leben, als den Fokus auf uns selbst zu legen, au das, was wir erlebt, geschafft, gewonnen und gelernt haben. Filtern wir bewusst die schönen Augenblicke aus unserem Leben, werden wir regelmäßig mit Glücksgefühlen durchflutet. Das schafft Zufriedenheit, verbessert Beziehungen zu Mitmenschen und lässt unser Selbstwertgefühl in die Höhe schießen.

Was das Unterbewusstsein damit zu tun hat

Dankbarkeit können wir üben: Halten wir uns kurz vorm Einschlafen alle positiven Dinge des Tages vor Augen – was hat uns ein Lächeln ins Gesicht gezaubert oder mit wem hatten wir einen schönen Moment – schlafen wir zufrieden und dankbar ein. Unser Unterbewusstsein erledigt den Rest. Die erfreulichen Gedanken werden abgespeichert und wir wachen erfrischt und selbstsicher auf, um motiviert in den neuen Tag zu starten. Und das Beste ist: Erkenntlichkeit ist ansteckend. Ob in in Form von Worten, eines Lächelns, mit einem offenen Ohr oder indem wir anderen Zeit schenken – je öfter wir Menschen danken, desto mehr Dank fließt auch zu uns zurück.

Wertvolle Momente feiern

Also: Augen auf, Positiv-Filter über unsere Welt legen und nie aufhören, schöne Zeiten mit wertvollen Menschen als Geschenk zu sehen. Das „Morgen“ ist nicht versprochen und es könnte immer die letzte Erinnerung sein, die wir mit wichtigen Personen teilen. Denn egal wie nichtig Augenblicke erscheinen – es sind genau die Momente, auf die wir irgendwann zurückblicken und erkennen, dass es die größten und wertvollsten im Leben waren. Wetten, dass es heute unendlich viele magische Momente gibt, die wir nicht wahrnehmen, da sie uns täglich begegnen oder weil wir zu beschäftigt sind, den Montag zu verfluchen?

Es ist nicht das Glück,
das uns dankbar macht.
es ist die Dankbarkeit,
die uns glücklich macht.

Nicoletta Wagenstetter

Nicoletta Wagenstetter ist Yogalehrerin und Shiatsu Praktikerin und leitet die Onlineredaktion von YogaWorld. Wenn sie nicht gerade für die Onlineredaktion Artikel schreibt, unterrichtet sie Yoga für Schwangere, leitet Prä-und Postnatale Yogalehrerausbildungen und gibt als Shiatsu Praktikerin unter anderem spezielle Behandlungen, um Frauen mit Endometriose und Frauen während der Schwangerschaft und ihrer Genesung nach der Geburt zu unterstützen. Ihr Shiatsu-Wissen hat sie in ihren Yin Yogaunterricht integriert und ihren eigenen Stil “Shiatsu Yin Yoga” entwickelt.

Mehr zu Nicoletta unter www.nizramayoga.com

Was genau ist Shiatsu und was ist Yin Yoga? Yin Yoga basiert ebenso wie Shiatsu auf dem chinesischen Prinzip des Yin & Yang und dem Meridiansystem der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Bei beiden Methoden geht es darum, die Energien im Körper in Balance zu bringen und zu harmonisieren. Balance soll als verkörperte Erfahrung erlebt werden und von der unbewussten, tiefenzellulären Ebene in das Bewusstsein gebracht werden. In diesem Shiatsu Yin Yoga Workshop lernst du interessante Akupunkturpunkte kennen. Wir werden dabei erkunden, wie die körperlichen Aspekte der Meridiane mit dem feinstofflichen Bereich verbunden sind. Für diesen Workshop sind keine Vorkenntnisse notwenig.


Nicoletta im YogaWorld Podcast:


Love is in the air…

Wenn uns plötzlich die Luft wegbleibt, kann das schon mal Angst machen. Doch manchmal handelt es sich schlicht um Liebe auf den ersten Blick – und zwar nicht unbedingt für einen Menschen …

ES GAB DA MAL DIESE SCHWEDIN, Eija-Riitta Eklöf (1954-2015), die die Berliner Mauer „geheiratet“ hat – und die den 9. November 1989 dem- entsprechend als „größte Tragödie“ ihres Lebens bezeichnete. Sie erfand den Begriff Objektsexualität, auch bekannt als Objektophilie. Betroffene fühlen sich sexuell und romantisch zu unbelebten Dingen hingezogen. Warum ich Ihnen das erzähle? Nun, weil ich zumindest eine etwas weniger schräge Variante des Ganzen nachvollziehen kann, und ich vermute vielen von Ihnen geht es ähnlich: Genauso wie man sich zu manchen Menschen instinktiv hingezogen fühlt, gibt es auch Orte, die, kaum hat man sie erreicht, zu sagen scheinen: „Schön, dass du da bist – hier gehörst du hin.“ Das kann das (mauerlose) Berlin sein, ein einsamer kroatischer Strand, die Kneipe um die Ecke oder ein Yogastudio, in dem Sie sich rundum gut aufgehoben fühlen. Beziehungsweise, um mal ein etwas überstrapaziertes Wort zu benutzen, das hier aber den Kern der Sache trifft: angekommen.

Als ich über das Schwerpunktthema der letzten YJ-Ausgabe – den Atem im Yoga – nachdachte und überlegte, wie ich ihm in meiner Kolumne begegnen könnte, kam mir der Münchner Keller der kleinen Künste in den Sinn, ein Ort, in den ich mich zu Beginn dieses Jahrzehnts verliebt hatte. Dort wurde Kunst verschiedenster Genres und Disziplinen gezeigt und bis zu seiner Schließung im Juli 2016 war er das zweite Zuhause für mich und eine Reihe weiterer, ebenfalls schwer verknallter Menschen. Okay, werden Sie sich vielleicht denken, und was hat das jetzt mit frischer Luft zu tun? Ich komme noch drauf, versprochen! Lachen Sie ruhig, aber zunächst hieß der erste Satz dieses Textes: „Ich hab’s nicht so mit dem Atmen.“ Das klingt natürlich nach ziemlichem Blödsinn, darum kurz zur Erklärung: Im Kopf hatte ich, dass mein „Om“ unter allen Teilnehmern meines Yogakurses das kürzeste ist und mir das lange Zeit irgendwie peinlich war. Sehr unyogisch, dieses olle Vergleichen, ich weiß. Und eben darüber wollte ich schreiben, langweilte mich dabei aber ein bisschen, ließ meine Gedanken schweifen und landete schließlich nostalgisch in besagtem Keller, denn auch hier spielte der Atem eine Rolle. Unser Keller war nämlich kein, wie man es in dieser Stadt womöglich erwarten würde, schick gestylter Kunstclub, sondern ein recht runtergekommenes, verwinkeltes Etwas, das ich in meinem neuen Roman – darin ist der Raum eine ehemalige Fabrik – unter anderem so beschrieb: „Der Schimmel der Wände breitete sich in unseren Atemwegen aus, manchmal hustete ich bis zum Erbrechen.“ Im kommenden Absatz erzählte ich davon, dass wir am Abend der Abschiedsfeier ebendort noch einmal „Liebe atmen“ wollten. Völlig zu Recht wies mich meine Lektorin darauf hin, dass ich weiter oben vom eingeatmeten Schimmel geschrieben hatte, was doch wohl kaum mit Liebe korrespondiere …? Mir war das gar nicht aufgefallen! Denn der Keller hatte mir einerseits das Atmen schwergemacht, doch das wurde überlagert von dem, was er mir gegeben hat: Mut zum Experimentieren. Neue Ideen. Und die zuvor etwas verdrängte Erkenntnis, dass Kunst in mein Leben gehört, wenn ich mich wirklich glücklich und frei fühlen möchte.

Und damit komme ich zum Fazit dieser womöglich etwas verschwurbelten Kolumne: Manch- mal ist das, was uns den Atem raubt, gleichzeitig das, was frischen Wind in unser Leben bringt und uns Flügel verleiht. Sei es nun ein Keller, Lampenfieber, die Angst vor dem Elfmeter oder dem Sprung vom 5-Meter-Brett, die Schönheit eines Moments oder die eines Menschen. Guten „Flug“!

Quick Tips für den Indoor-Gemüsegarten

Wenn du dein Grünzeug in Behältern züchtest, musst du ein paar Dinge beachten, denn anders als in einem Beet können die Pflanzen keine Nährstoffe aus der Erde ziehen.

1) Mixe einen fruchtbaren Boden aus einem Teil Kompost mit fünf Teilen Blumenerde und gebe am Schluss obenauf noch mal eine Schicht Kompost – er hält den Boden feucht.

2) Benutze Bio-Gemüsedünger! Er fördert die Drainage, ist mit Nährstoffen versetzt und hält den Stickstoffgehalt der Erde niedrig, um ein gutes Wachstum zu garantieren. Für manche Gemüsesorten – etwa Tomaten – gibt es spezielle Dünger, die besonders auf die Bedürfnisse der Pflanze abgestimmt sind. Lasse dich in der Gärtnerei dazu beraten!

3) Bedecke die Erde mit einer dicken Schicht Mulch, sobald die Pflanze zu sprießen begonnen hat und das Wetter wärmer wird. Das hält den Boden feucht. Sei dabei aber nicht zu voreilig: Warte auf das erste Grün – ansonsten wärmt der Boden womöglich nicht richtig auf.

4) Kontrolliere regelmäßig die Feuchtigkeit! An heißen Tagen trocknen die Pflanzenkübel schnell aus, dann heißt es: häufiger gießen. Vermeide aber eine Überwässerung oder stehendes Wasser.

Yoga People: Annabelle von Oeynhausen-Sierstorpff

PortraitAOS© Christian Schoppe
PortraitAOS© Christian Schoppe

Nicht nur aufgrund ihrer eigenen Biografie interessiert sich Gräfin Annabelle von Oeynhausen-Sierstorpff für Traditionen und Kreisläufe. Ihr Einsatz für einen Kurort im Teutoburger Wald hat heilende Qualitäten.

TEXT: CHRISTINA RAFTERY FOTOS: CHRISTIAN SCHOPPE

Kunst und Körper

Dass das Moorbad vor dem Treffen mit Annabelle von Oeynhausen-Sierstorpff eine passende Einstimmung war, wird im Gespräch schnell klar. Eine der augenfälligsten Eigenschaften der Gräfin ist nämlich Erdverbundenheit. Nicht nur weiß die aus Düsseldorf stammende und heute im westfälischen Bad Driburg lebende Kunsthistorikerin alles über die therapeutische Wirkung der westfälischen Erde, wie sie entsteht, heilt und nach der Anwendung wieder ihrem natürlichen Kreislauf zugeführt wird. Auch aufgrund ihrer Biografie, die streckenweise durchaus romanhafte Züge trägt, zeigt sich die Frau mit dem Namen von Loriot’schen Ausmaßen als pragmatische Unternehmerin mit großem Bewusstsein für Herkunft und die Zyklen von Natur, Kunst und Geschichte(n).

Solche Abläufe hält sie in Gang, seit sie sich – damals noch als Anna- belle Hünermann –Mitte der Neunzigerjahre in Marcus Graf von Oeynhausen-Sierpstorff verliebte, der sich gerade anschickte, in siebter Generation das in Bad Driburg angesiedelte Familienunternehmen weiterzuführen. Zuvor hatte die in Karachi, Pakistan geborene und in Spanien aufgewachsene Tochter eines deutschen Unternehmensberaters eine Lehre als Groß- und Außenhandelskauffrau absolviert, Kunstgeschichte studiert, in namhaften Galerien gearbeitet und schließlich ein Kunsthaus in Caracas, Venezuela geleitet. Eigentlich stand ihr die Welt offen – doch es wurde der Landkreis Höxter. Sie folgte dem Ruf ihres Herzens, heiratete den Grafen, bekam drei Kinder und lebte nicht nur „happily ever after“, sondern wurde auch als Unternehmerin erfolgreich. Unter anderem gelang es ihr, das Hotel „Gräflicher Park“ zu seinen Wurzeln zurückzuführen: von einer Krankenschein-Kurklinik zu einem eleganten Ort für umfassende Heilung.

Zu den Schlüsselfiguren des über 230 Jahre alten Anwesen, an denen sie sich orientiert, gehören der Gründer des Bades, Caspar Heinrich Graf von Sierstorpff (1750-1842), ein Pionier der nachhaltigen Forstwirtschaft – und ein romantisches Liebespaar. Wo heute Yoga- Retreats und Kuren nach F. X. Mayr und Ayurveda stattfinden, erlebte einst Friedrich Hölderlin die „sechs glücklichsten Wochen seines Lebens“, so die Gräfin. Da der Lyriker vom Schreiben nicht leben konnte, verdingte er sich als Hauslehrer bei der Frankfurter Bankiers-Familie Gontard. 1796 begleitete er Susette Gontard und ihre vier Kinder nach Bad Driburg und beschrieb den Teutoburger Wald in enthusiastischen Briefen als wahrhaft „heroische Landschaft“. Seiner verehrten Muse Susette widmete er mit der „Diotima“ in seinem Roman „Hyperion“ ein literarisches Denkmal.

Um die Geschichte lebendig zu halten, setzt Annabelle von Oeynhausen-Sierstorpff seit Beginn ihres Wirkens im Gräflichen Park auf ihre alte Leidenschaft, die Kunst: Mit der von ihr gegründeten „Diotima Gesellschaft“ ver- anstaltet sie Ausstellungen, Lesungen und Konzerte. So steht im Park eine Installation von Jeppe Hein, noch bis April läuft die Sound- und Lightinstallation „Street Lamp for an Inferiority Complex“ von Murray Gaylard, und Michael Sailstorfer aus Österreich hat einen Irrgarten mit Aussichtsplattform gestaltet: „Kopf und Körper“. Auch sonst treffen unter Annabelle von Oeynhausen-Sierstorpff Intel- lekt auf eine klassische Vorstellung von Gesundheit und moderne Ansätze auf traditionelle Therapien. Für Retreats bucht sie Yogalehrende wie Kristin Rübesamen, Andrea Kubasch, Dirk Bennewitz und Ralf Bauer. Das Ayurveda-Zentrum leitet der erfahrene Arzt Vaidya Kumaran Rajsekhar aus Kerala. Seine Methode ist für ihn auch im Westfälischen ganz zu Hause: „Letztlich greifen auch beim westfälischen Sauerbraten ayurvedische Prinzipien.“

Dass sie „keinen Mann, sondern einen Betrieb“ geheiratet hatte und sich damit auch zugleich in Adelskreisen wiederfand, in denen, so die Gräfin, „die falsche Konfession oder das falsche Kleid zum falschen Anlass auch im 21. Jahrhundert noch kleine Skandale auslösen können“, gleicht die begeistert Yoga Übende mit Achtsamkeit, Pragmatismus und Sinn für das Schöne aus. Als „Außenministerin“ und „Spiritus Rector“ achtet sie zwar auf die Bewahrung des traditionellen Geistes, aber von „Rückwärtsgewandtheit wird man in vielerlei Hinsicht arm.“ „Gebäude müssen mit Leben gefüllt werden“, sagt sie als ehemaliger Metropolen-Fan. Kern ihres Zugangs, die Schönheit im Unentdeckten zu finden, sei jedoch die „Innerlichkeit“. „Die würdevoll durch unsere ‚rolling hills‘ gleitende Weser kann es jederzeit mit dem Rhein aufnehmen“, schwärmt die Gräfin. Dank einer nicht ganz zur Ruhe gekommenen Globetrotterin gehen hier modernes Yoga, Panchakarma und das Moorbad aus Erdbrocken, über die einst vielleicht ein verliebter Hölderlin wandelte, ganz selbstverständlich Hand in Hand.