We are JUNE: Das steckt hinter der Yoga Retreat Experience

June Yoga Retreat auf der Wieseralm
June Yoga Retreat auf der Wieseralm - Copyright: Bazooka Creative

Yoga, Ästhetik und Genuss in Verbindung mit einem entspannten, ganzheitlichen Lifestyle – und das mitten in den österreichischen Bergen, genauer gesagt in Hinterglemm. Moment mal … Saalbach-Hinterglemm, ist das nicht bekannt für Pistengaudi und Après Ski? Für Pulverschnee und rasante Abfahrten? Wie bitte passen da Momente des Einklangs und der Ruhe, des holistischen Genießens ins Bild?

Sebastian Prödl und Nina Gamauf "JUNE"
Sie sind JUNE: Sebastian und Nina

Ziemlich gut sogar, wenn die richtigen Menschen an einen Tisch kommen und sich gemeinsam etwas Neues überlegen. In diesem Fall: Das JUNE Yoga Retreat im Wiesergut. Nina Gamauf hat gemeinsam mit ihrem Mann, dem Profifußballer Sebastian Prödl, das Lifestyle-Projekt „JUNE“ ins Leben gerufen. Zum Glück haben Sie mit den Hoteliers Martina und Sepp Kröll und deren Wiesergut die perfekten Partner gefunden. Denn die Retreats sollen nicht nur eine Yoga-Auszeit sein. Die Teilnehmer sollen eintauchen in eine Welt voll Positivity, Genuss, Design, Lifestyle und natürlich auch Yoga – eben den „JUNE Effect“ erleben. Wir haben Nina zum Interview getroffen.

Nina, wenn man dir gegenüber sitzt, strahlst du eine unheimliche Gelassenheit und etwas sehr Positives aus. Ist das schon der „JUNE Effect“?

Kennst du das Gefühl, das mit einem Lächeln beginnt, sich dann wie eine Kettenreaktion auf deinen gesamten Körper ausbreitet und jeden Zentimeter auf eine positive Art berührt? Genau, das ist der JUNE Effect!

Klingt erstrebenswert. War das auch eure Idee hinter JUNE?  

Die Idee etwas in die Richtung gesünderer Lifestyle zu machen, haben wir schon ganz lange, so richtig fokussiert haben wir sie aber, als wir vor 4 Jahren nach London gezogen sind und den Lebensstil hier tagtäglich erleben durften. Man wird hier so verwöhnt mit einem unglaublichen Angebot an gesunden, aber trotzdem coolen Lokalen und Cafés sowie kleinen Boutique Fitness und Yoga Studios, die einem die Möglichkeit geben, einiges zu probieren, um so seinen persönlichen Workout- aber auch Lebensstil zu finden. Wir sind damals so richtig reingekippt und haben das Angebot extrem aufgesaugt. Unser Wunsch, dieses Lebensgefühl mit Menschen zu teilen, ist immer stärker geworden.

Warum habt ihr euch für Österreich und nicht etwa London entschieden?

Österreich bietet alles und hat unserer Meinung nach sein Potenzial noch absolut nicht ausgeschöpft, was auch ok ist – London ist in Sachen „healthy Lifestyle“ sicher ein Vorreiter in Europa. Wir Österreicher sind oft skeptisch gegenüber neuen Dingen, brauchen erst mal einen Bekannten, der den neuen Veganer um die Ecke schon ausprobiert hat und empfehlen kann bzw. einen Freund, der dir bestätigt, dass Yoga auch ein super Training für Männer ist etc. In Sachen Natur, Lebensmittel und generell Lebensqualität brauchen wir uns in Österreich allerdings nicht zu verstecken! Bei unseren Retreats möchten wir einfach all das Gegebene zu einem Paket, einer sogenannten Experience vereinen.

Und wie passt das Konzept mit dem Namen zusammen?

Der Name JUNE war eine Idee von Sebastian und hat mich direkt überzeugt. Mit dem Juni starten der Sommer und die Sommergefühle, die bei den meisten doch positiv sind. JUNE ist eine sehr positive und optimistische Marke, wir möchten, dass Menschen sich gut fühlen in allem was sie tun, sehen, schmecken und fühlen. Außerdem ist der Juni unser persönlicher Lieblingsmonat, vielleicht auch deshalb, weil wir im Juni immer Urlaub machen. Das Wort JUNE an sich hat uns sehr gefallen, Ästhetik spielt bei uns in jeglicher Hinsicht eine große Rolle.

Vor dem Start eines solchen Projekts steht ja meist eine Phase der Vorbereitung und Findung. Wie lange dauerte es von der Idee bis zum ersten Retreat?

Wir haben unser Unternehmen letztes Jahr im Mai gegründet und haben dann im Juli unser erstes Retreat mit BERGWELTEN organisiert. Das Retreat im Mai im Wiesergut war unser erstes komplett eigenes Retreat. Man muss aber dazu sagen, dass zwischendurch unser Baby auf die Welt gekommen ist, ansonsten hätte man schon früher etwas machen können.

Bekamt ihr eigentlich auch Gegenwind zu spüren?

Die Idee Retreats zu organisieren ist auf jeden auf Gegenwind gestoßen, auch alleine deshalb, weil Viele nicht verstanden haben, was wir da eigentlich genau machen wollen.

Aber die Überzeugungsarbeit hat sich gelohnt oder? Zumindest scheint ihr sehr glücklich mit eurem Projekt zu sein. Was genau reizt euch so an der Verbindung von Yoga, Lifestyle und Design?

Für uns ist es ein Lebensgefühl, das alles miteinander vereint – Yoga und Lifestyle, das ist für uns kein Zufall, sondern gehört zusammen, es ist eine Einstellung. Wenn ich Yoga praktiziere, nehme ich das in meinen Alltag mit, ich versuche danach zu leben. Das Thema Design rundet für uns das Ganze ab, es geht hier wieder um das Thema Ästhetik. Wir sind der Meinung, dass man sich in einer schönen Umgebung oder in Yoga Pants in denen man sich wohl fühlt, noch mehr entfalten kann.

June Yoga Retreat im Spa des Wiesergut
June Yoga Retreat im Wiesergut
Apropos Yoga: Während der Yoga-Klassen in euren Retreats bist du selbst auch mit dabei, lässt dich gerne auf Neues ein. Eine eurer Lehrerinnen wagte mit der Kombi Hip Hop und Yoga ein spannendes Experiment. Welchen Yoga Stil praktizierst du privat?

Ich persönlich mag gerne sehr dynamische Klassen, also Vinyasa, in dem Bereich habe ich auch meine Ausbildung gemacht. In London praktiziere ich Yogasana mit Stewart Gilchrist – für mich der allerbeste Yoga Lehrer. Seine Stunden sind körperlich extrem intensiv und anspruchsvoll, haben aber einen unglaublichen Tiefgang. Ich fühle mich danach wie ein neuer Mensch. Je nach Stimmung mache ich gerne auch einmal eine ruhigere Yin Klasse. Ich bin generell offen Neues auszuprobieren, habe meinen Stil aber denke ich gefunden.

Hast du das Gefühl, dass sich eine Weltmetropole wie London in Sachen Yoga generell vielfältiger ist?

Ich glaube der Unterschied ist ganz einfach die Dichte an Yoga Studios, Lehrern und Stilen. Ich würde nicht sagen, dass es in London bessere Lehrer, Studios, Klassen gibt, es gibt einfach viel mehr, das Angebot ist immens. Man könnte einfach zu jeder Tag und Nacht Zeit Yoga machen.

Abgesehen von eurem Job, warum spielt Yoga eine wichtige Rolle in eurem täglichen Leben?

Für Sebastian ist es der perfekte Ausgleich sowie die perfekte Ergänzung zum Profifußball. Er ist überzeugt, dass er extrem davon profitiert, sei es in Form von Regeneration oder einer ganz anderen Art von Muskelbeanspruchung. Für mich persönlich ist es mittlerweile der wichtigste Sport im Leben, und Sport ist extrem wichtig für mich. Es geht hier weit über das körperliche hinaus, Yoga hat für mich etwas sehr emotionales, ich kann hier wirklich zu mir selbst finden und fühle mich wohl. Ich finde es magisch, wenn man in einer vollen Klasse ist und gemeinsam praktiziert, Yoga verbindet Menschen auf eine sehr schöne Weise. Wenn ich an unser erstes Retreat im Wiesergut denke und an die Gruppe denke, bekomme ich noch immer Gänsehaut.

Klingt so, als wärst du mit ganzem Herzen dabei. Dann reflektiert „JUNE“ auch euren eigenen Lifestyle?

Absolut und zu 100 Prozent.

Und wie genau bereitet ihr euch auf ein Retreat vor? Also wonach sucht ihr eure Workshops und Lehrer aus und welche Themen stehen in den nächsten Retreats auf dem Plan?

Wir möchten die Retreats so ganzheitlich wie möglich angehen, man soll neue Denkanstöße und Ideen bekommen. Wir haben viel probiert und recherchiert, waren in Tulum, Mykonos und Ibiza, haben Workshops und teilweise verrückte Zeremonien besucht, immer auf der Suche nach „holistic Retreats“. Wir möchten anders sein und möchten in Zukunft noch viel mehr „wagen“. Es soll wieder um eine Experience gehen und nicht um eine Aneinanderreihung von Yogastunden. Wir haben uns einige Schwerpunkte überlegt, möchte diese aber immer individuell an die einzelnen Retreats maßschneidern.

Eure Retreats finden im Designhotel Wiesergut in Hinterglemm statt. Warum habt ihr euch gerade dafür entschieden und wie funktioniert eure Zusammenarbeit?

Wir haben mit dem Wiesergut den perfekten Partner gefunden, das Hotel sowie Martina und Sepp Kröll widerspiegeln alles was wir gesucht haben, die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut. Unsere Retreats haben keinen klinischen Ansatz, bei uns werden Gäste nicht „gesund gemacht“ und bekommen keine bestimmte Mahlzeiten oder Behandlungen. Bei unseren Retreats geht es wirklich darum, sich gut zu fühlen, abzuschalten und zu genießen, klingt einfach, ist’s aber im Alltag oft nicht. Wir finden, dass einem das im Wiesergut sofort gelingt, sobald man das Hotel betritt. Das Design, das Team, das Essen – alles perfekt! Auf englisch würde man sagen: Pure Bliss! Unsere Gäste sollen genießen, den Wieseralm Kaiserschmarren zu verbieten – no way!

Apropos Zusammenarbeit: Familie, Partnerschaft und Teamwork im Beruf – wie bringt ihr das unter einen Hut?

Es ist oftmals eine Challenge, andererseits ist es auch super an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten und es wachsen zu sehen. Man zieht an einem Strang, privat und beruflich, das ist schön.

Gab es auch überraschende Learnings aus den ersten Retreats? Dinge, die ihr anders oder aber wieder ganz genauso machen würdet?

Es gab Überraschungen – allerdings keine bösen! Wir waren extrem happy über die positive Gruppendynamik von der ersten gemeinsamen Einheit bis hin zum letzten Brunch. Es gibt immer Dinge, die man noch besser machen hätte können, kritisches Feedback ist für uns sehr wichtig, alles in allem waren wir aber sehr zufrieden, die nette Gruppe hat’s uns leicht gemacht.

Dabei ist es sicher gar nicht so einfach, Anfänger und Fortgeschrittene Yogis gleichzeitig glücklich zu machen. Sicher unterscheiden sich die Ansprüche der Teilnehmer enorm. Liegt darin die größte Schwierigkeit für euch und eure Lehrer?

Unterschiedliche Levels sind eine Challenge und bei Retreats noch mehr. Als Lehrer weiß man nicht, welche Teilnehmer einen erwarten, man muss sich auf alles vorbereiten. Es ist ein Herzenswunsch von uns, dass sich alle wohlfühlen, Frauen und Männer, Anfänger sowie fortgeschrittene Yogis. Ein guter Lehrer muss eine ganze Gruppe bedienen können und darauf achten, dass sich Anfänger gut und sicher aufgehoben und Fortgeschrittene nicht unterfordert fühlen. Das ist wirklich etwas, das uns extrem wichtig ist.

Und wie geht es für euch nun beruflich und privat weiter? Plant ihr eure Retreats irgendwann auch in England anzubieten?

Beruflich haben wir so viele Ideen, es soll nicht nur bei den Retreats bleiben, finden es aber einen guten Einstieg unsere Visionen zu teilen bzw. den Lifestyle zu vermitteln, den wir selbst auch leben. Privat erst mal den ersten Sommer mit Baby genießen, alles Weitere steht in den Sternen.

Lust bekommen?
Mehr Infos zu June und Termine findet ihr auf wearejune.at und Instagram Seite und natürlich auch auf der Homepage des Wiesergut www.wiesergut.com.
Wiesern 48, 5754 Hinterglemm, Österreich

Playlist für laue Sommerabende

Laue Sommernächte laden zum Sternegucken ein – oder zum Yoga üben? Egal wie man sie verbringt, man sollte sie genießen. Unsere Playlist der Woche ist für jeden Anlass gedacht und ist voller sommerlicher Tracks, die uns selbst an kalten Wintertagen immer wieder zu diesen Stunden zurück bringen. Viel Freude beim Reinhören.

Übung: Der Atem als Meditationsobjekt

Nicht umsonst kennen wir den Atem als eines der wichtigsten traditionellen Meditationsobjekte: Er fördert die Konzentration und schenkt uns das Gefühl, ruhig, geerdet und verbunden zu sein. Hier stellen wir die einige Übungen vor zum Atem spüren, beobachten und zählen.

Text: Richard Miller / Titelbild: Esther Driehaus via Unsplash

Der Atem ist eine der kraftvollsten Quellen für innere und äußere Heilung. So kann beispielsweise eine tiefe, lang­same und rhythmische Atmung, die den gesamten Körper umfasst, Ängste, Schmerzen und Depressionen lindern. Gleichzeitig erhöht sie die Konzentrationsfähigkeit und schüttet „Wohlfühl­hormone“ wie Serotonin und Oxytocin aus. Das hängt unter anderem damit zu­sammen, dass die verlangsamte Atmung den Parasympatikus aktiviert. Dieser Teil des Nervensystems triggert eine Ruhe-­Er­neuerungs-­Heilungs­-Reaktion, die dir das Gefühl vermittelt, deine Erfahrungen bewältigen zu können und mit dir selbst und der Welt verbunden zu sein.

Diese Wirkung wollen wir nutzen und zwar mit einer Technik, die ich „Atemspüren“ nenne: Dabei lernst du, deine Atemmus­ter zu beobachten und sanft zu regulie­ren. Indem du deinen Atem auf diese Wei­se achtsam wahrnimmst, entwickelst du mit der Zeit eine tiefe Beziehung zu ihm und lernst ihn schätzen als einen von einem Moment zum nächsten gleiten­den Fluss von Empfindungen, Energien und Signalen. Im Gehirn bewirkt diese Aufmerksamkeit für den Atem, dass das sogenannte Default­ Netzwerk deakti­viert wird, über das du dich in Raum und Zeit einordnest. Ist dieses Netz „abgeschaltet“, fällt es dir leichter, aus obsessiven Gedankenschleifen auszu­steigen. Stattdessen kann der Parasym­patikus dafür sorgen, dass Körper und Geist sich entspannen und du tiefer in die Meditation findest.

Das dabei mit der Zeit wachsende Bewusstsein für die eigenen Atemmuster erleichtert es dir auch, diese Muster zu verändern und zu mehr Balance zu finden. Bekanntestes Beispiel dafür ist die im Verhältnis zur Einatmung sanft verlängerte Ausatmung: Mit ihrer Hilfe kannst du die Arbeit von Sympatikus (zuständig für Aktivität in bedrohlichen Situationen) und dem beruhigenden Parasympatikus besser ins Gleichgewicht bringen. Das wiederum hilft dir, dich ausgeglichener und gelassener durch deinen Alltag zu bewegen. So kannst du die vielfältigen Informationen, die der Körper unablässig ans Gehirn sendet, besser wahrnehmen und beantworten. Bist du nämlich auf deinen Atem einge­stimmt, dann registrierst du auch feine Empfindungen von Gereiztheit, Ermü­dung oder Ähnlichem, die dir an­sonsten entgehen würden. Oft sind diese Empfindungen frühe Warnzeichen dafür, eine Grenze zu ziehen, dich auszuruhen, oder dich überhaupt so zu verhalten, dass du nicht in Stress gerätst.

Du kannst das Atemspüren in die ersten Minuten deiner täglichen Meditationspraxis integrieren. Erst wenn dir die erste Übung vertraut ist und du ganz friedlich mit dir bist, versuchst du die etwas anspruchsvollere zweite und schließlich die dritte Stufe. Später webst du das Atemspüren in deinen Alltag ein, indem du dich – spontan oder zu regelmäßigen Zeiten – an deine Atemmuster erinnerst und beobachtest, ob deine Ausatmung geschmeidig, regelmäßig und ein kleines bisschen länger ist als die Einatmung.

Vorbereitung

Finde eine bequeme Position im Sitzen oder Liegen. Die Augen können offen oder geschlossen sein. Scanne nach und nach deinen gesamten Körper und löse jegliche unnötige Anspannung. Dann richte die Aufmerksamkeit auf den Atem.

1. Ein- und Ausatmung beobachten

Versuche, das Denken außen vor zu lassen und nur zu spüren. Nimm die Empfindungen in jeder einzelnen Einatmung und Ausatmung wahr. Beobachte, wie sich einatmend der Bauch ausdehnt und wie er sich ausatmend wieder löst. Spüre, wie du mit jedem Atemzug bei dir ankommst, dich entspannst und loslässt. Wenn die Gedanken abschweifen, bringe die Aufmerksamkeit sanft und ohne zu werten zu den vom Atem ausgehenden Bewegungen deines Bauchs zurück.

Freue dich an den dabei ganz natürlich aufsteigenden Gefühlen von Wohlbefinden, Frieden und Erdung. Bleibe so lange beim Atemspüren, wie es dir angenehm ist. Um die Übung abzuschließen, öffne und schließe deine Augen mehrfach sanft und kehre zurück in einen hellwachen Zustand von Körper und Geist.

2. Fließende Energien und Empfindungen beobachten

Nimm dir für diese Übung etwa 10 Minuten Zeit. Beginne wieder mit der Beobachtung der sanften Atembewegung im Bauch und nimm wahr, wie du mit jedem Atemzug etwas mehr bei dir ankommst, dich entspannst und loslässt.

Dann richte die Aufmerksamkeit auf den durch den Körper kreisenden Strom von Empfindungen und Energien: Mit jeder Einatmung fließen sie an deiner Körpervorderseite vom Kopf zu den Füßen hinab, mit jeder Ausatmung an der Körperrückseite von den Füßen bis zum Kopf empor. Während die Empfindungen und Energien weiter fließen, erlaube jeder Zelle deines Körpers, sich für Leichtigkeit und Wohlbefinden zu öffnen.

Um die Übung abzuschließen, öffne und schließe deine Augen mehrfach sanft und kehre zurück in einen hellwachen Zustand von Körper und Geist.

3. Atemzüge zählen

Beobachte den natürlichen Fluss der Empfindungen: Mit jeder Einatmung dehnt sich der Bauch aus, mit jeder Ausatmung löst er sich. Dann beginne, während des Spürens zugleich deine Atemzüge zu zählen: Einatmen, der Bauch hebt sich, 1. Ausatmen, der Bauch senkt sich 1. Einatmen, Bauch hebt 2, Ausatmen, Bauch sinkt 2 – und so weiter bis 11.

Das kann zu Anfang schwierig sein, etwa so, wie wenn man sich gleichzeitig mit einer Hand den Bauch reibt und auf mit der anderen den Kopf tippt. Aber lass dich nicht entmutigen und bleibe möglichst sanft und beständig bei der Praxis.

Jedes Mal, wenn Gedanken aufsteigen, kehre freundlich und ohne zu werten zur Übung zurück und beginne das Zählen von Neuem bei 1. Mit jeder Rückkehr zur Konzentration stärkst du deine Fähigkeit, dich nicht ablenken zu lassen. Während du spürst und zählst, beobachte auch, ob sich irgendwo im Körper Spannungen bilden, die du wieder loslassen kannst. Um die Übung abzuschließen, öffne und schließe deine Augen mehrfach sanft und kehre zurück in einen hellwachen Zustand von Körper und Geist.

So geht es weiter:

Wie nimmst du deinen Körper und deinen Geist nach dem Atemspüren wahr? Vielleicht bist du erstaunt, wie erfrischt und zugleich geerdet du dich schon nach wenigen Minuten fühlst – bereit, jedem Moment zu begegnen, egal, was er bringen mag. Genau das kannst du dir in deinem Alltag zunutze machen. Nimm dir dafür vor, das Atemspüren immer dann zu üben, wenn du Entspannung, Ruhe und Erfrischung nötig hast. Mit meditativen Praktiken wie dieser legst du das Fundament dafür, dein Leben zu bestehen und zu genießen. Mach dir dabei bewusst, dass es etwas ganz Natürliches ist, die Empfindungen, die im Körper präsent sind, auch wahrzunehmen und zuzulassen.

Playlist der Woche

Nichts ist selbstverständlich im Leben. Auch die kleinsten Kleinigkeiten sind Geschenke. Dies zu schätzen und zu achten zeigt sich in der Dankbarkeit und genau die steht in unserer Playlist im Vordergrund.

Magical Mystery

Eine yogische Spurensuche in Ägypten, Vögel füttern als spirituelle Handlung, dazu viele Übungen aus ihrer persönlichen Praxis: Sharon Gannons neues Buch „Mein magischer Morgen“ ist – wie seine Autorin – etwas exzentrisch, ein wenig mystisch und absolut erfrischend.

TEXT: CHRISTINA RAFTERY FOTOS: GUZMAN

Sharon, wie unzählige Yogaübende auf der ganzen Welt wissen, bist du immer für eine Überraschung gut. Aber dass du dich, wie du in „Mein magischer Morgen“ berichtest, in der ägyptischen Cheops-Pyramide in einen Sarkophag legst und dort eine außerkörperliche Erfahrung durchlebst, übertrifft so einiges. Wie kam es dazu?

Das kann ich ehrlich gesagt nicht beant­worten. Irgendetwas zog mich auf magi­sche Weise in diesen Steinkasten. Es war keine bewusste Entscheidung, es gab kei­ne Absicht, keinen Grund und kein Ziel. Ich wusste nicht, was auf mich zukam.

Abgesehen davon, was du dort über dich und deine Vergangenheit erfahren hast, ist es natürlich eine gute Geschichte. In welcher Beziehung stehen Yoga und Erzählkunst für dich?

Wir alle leben unsere individuelle Geschichte – den Weg unserer Seele zur Erleuchtung. Wie Schauspieler überneh­men wir in dieser Geschichte eine Rolle. Dabei folgen wir einem Drehbuch, das wir aufgrund unseres Karmas selbst ge­schrieben haben. Yoga passiert, wenn wir aufwachen, das Rollenspiel bemer­ken und aufhören, uns mit diesem Part zu identifizieren. Eine „Jivanmukta“ (be­freite Seele) ist eine Person, die erkennt, wer sie jenseits des Charakters in der Geschichte wirklich ist, und die ihren Part auf der Bühne des Lebens dennoch überzeugend ausfüllt.

Das von dir und David Life gegründete Jivamukti-Yoga gilt als sehr kreative Form der Praxis, in der „Storytelling“ seinen festen Platz hat.

Die meisten Traditionen überliefern ihre Inhalte über Geschichten – denken wir nur an die Upanishaden, das Rama­yana, das Mahabharata, die Bhagavad Gita, das Shrimad Bhagavatam und die Bildergeschichten des alten Ägypten.

Du bist Musikerin, Künstlerin – und experimentierst nun auch mit Fiktion.

„Mein magischer Morgen“ enthält Ge­schichten, weil ich meine Ideen erzähle­risch umrahmen wollte, statt bloß Fakten aufzuzählen. Ich hoffe, dadurch auf einer tieferen Ebene kommunizieren zu kön­ nen. Eine gute Geschichte packt uns jen­ seits des Intellekts. Wenn wir uns in ihre Figuren hineinversetzen und mit ihnen auf die Reise gehen, spricht sie auf zau­ berhafte Weise Intuition und Gefühle an.

Welche Autoren und Autorinnen haben den größten Einfluss auf dich?

Diejenigen, die mich in ihrem Schreiben wie eine Freundin ansprechen, die mit ihrer Kunst in Kommuniktation treten anstatt zu dozieren, Bekenntnisse abzu­ legen oder lediglich Informationen bereit zu stellen. Mich ziehen Schriftsteller an, die an Magie, Mystik und Erleuchtung glauben. Mein Lieblingsbuch als Kind war die Biografie des Zauberkünstlers Harry Houdini.

Du berichtest auch von einer interessanten These zum Ursprung des Yoga: das alte Ägypten statt Indien – ein ziemlicher Perspektivenwechsel. Magie?

Niemand weiß, wo und wie Yoga tat­ sächlich entstanden ist. Die meisten Menschen, die damit in Berührung kom­men, spüren jedoch früher oder später eine natürliche, instinktive Verbindung. Dann kann tatsächlich Magie ins Spiel kommen: Wenn das, was wir bislang als „wahr“ betrachteten oder empfanden, plötzlich anders erscheint und größere Möglichkeiten eröffnet.

Wie kann uns das zehnwöchige Programm, das du im Buch präsentierst, helfen, den Alltag magisch aufzuladen?

Meiner Meinung nach hilft uns die Yogapraxis, uns an unsere Verbin­dung zum Göttlichen zu erinnern, die allen von uns innewohnt, egal, welchen Hintergrund wir haben. Die Übungen können dazu beitragen, unseren Fokus von negativen Gewohnheiten zu lösen: der Hang, andere für unser Unglück verantwortlich zu machen, Stress, Un­sicherheit, Ängste, Identifikation mit dem vergänglichen Körper, belastende Gedankenspiralen. Ich sehe sie als Weg zu unserem erleuchteten Selbst, zu Frieden und Lebensfreude.

Asanas machen nur einen Teil des Programms aus. Welchen Stellenwert hat deine „Magic Ten“-Sequenz?

Diese zehn einfachen Haltungen unter­ stützen die körperliche Gesundheit: Sie kräftigen, erhöhen die Flexibilität und bewegen die Wirbelsäule in alle sechs Richtungen, was optimale Mobilität ge­währleistet. Die Umkehrhaltungen, in denen der Kopf tiefer als das Herz plat­ ziert ist, sind gut für das Herz, das men­tale Wohlbefinden und einen frischen Blick auf die Dinge. Das ganze Pro­gramm kann man in 10 Minuten üben, was sicher dem Zeitgeist entspricht. Die restlichen Kapitel, darunter Kriyas, Pranayama, Meditation, Tanz und Für­ sorge für alle Lebewesen, was ich am Beispiel des Vögel fütterns beschreibe, schaffen den größeren Rahmen.

Was bedeutet „Älterwerden“ für dich?

Das Leben ist ein Geschenk, das uns die Möglichkeit gibt, jeden Morgen voller Dankbarkeit aufzuwachen. Unsere Kör­per sind zweifellos vergänglich. Was uns in und mit ihnen jedoch jung hält, ist für mich das Bewahren einer kindlichen Begeisterung für die Wunder des Lebens – und gerade nicht das Gefühl, über al­les Bescheid zu wissen. „Erwachsensein“ definieren wir normalerweise damit, dass wir aufhören zu wachsen. Ich versuche dagegen, immer wieder Neues zu lernen.

Apropos „wachsen“: Wo siehst du Jivamukti-Yoga heute, über 30 Jahre nach seiner Gründung?

Als globale Gemeinschaft im Zeichen von Mitgefühl und Hingabe an das Göttliche. Was die Zukunft betrifft, setzen wir ganz besonders auch auf die Community in Deutschland, die sich sich als erste au­ ßerhalb der USA selbständig gemacht und profiliert hat. Ihre Erfahrung und ihr Potenzial werden die kommenden Entwicklungen wesentlich mitgestalten.


WOZU YOGA?

Vögel füttern als spirituelle Praxis

Freundlichkeit ist der Schlüssel zum Yoga. Ohne die Entwicklung von Mitge­fühl gegenüber anderen können Sie im Yoga keine Fortschritte machen. Sich um andere zu kümmern, ist ein siche­rer Weg, das eigene Glück zu erhöhen. Wenn wir die Dinge in erster Linie tun, um uns selbst gut zu fühlen, steigern wir nur die Identifikation mit unserem klei­nen Selbst – unserem Körper, unserem Geist und unserer Persönlichkeit. In den Yoga Sutras führt Patanjali diese Identi­fikation als das Haupthindernis für Yoga an und nennt es Avidya, was „Ignoranz“ oder „falsche Identität“ bedeutet. Die Yogaübungen zielen darauf ab, egozentrische Sorgen abzulegen und den Fokus auf die Belange anderer zu legen. Zugunsten anderer von eigenen Bedürfnissen abzu­sehen, erweitert das Selbstgefühl und be­ wirkt wahres Selbstvertrauen. Von sich selbst besessen zu sein, kann zu Unglück und Depression führen. Der Schlüssel zu größerem eigenen Wohlbefinden ist, zum Glück anderer beizutragen.

Warum also Vögel? Wenn Sie wil­de Vögel füttern, versichern Sie sich auf karmische Weise, dass Sie immer genug zu essen haben werden und Ihre eigene Wildheit nicht sterben wird. Vögel und andere wilde Tiere haben es schwer, in einer von egozentrischen Menschen dominierten Welt zu überleben. Die meis­ten Menschen nehmen an, dass Vögel in freier Wildbahn selbst wissen, wie sie für sich sorgen können und weisen die Verantwortung von sich. Tatsache ist aber, dass wir Ihren natürlichen Lebens­raum mit Pestiziden verschmutzt oder gar zerstört haben. Vögel brauchen so wenig für ihr Leben: Ein paar Samen und ein paar Tropfen frisches Wasser. Für uns bedeutet das nicht viel. Für ein gefiedertes Wesen kann es über Leben und Tod entscheiden.


„Mein magischer Morgen“ von SHARON GANNON gibt es seit 25. März im Irisiana Verlag.

Kurze Meditation für Kreativität und innere Klarheit

Yogis haben es gut: „Als Praktizierende von Yoga und Meditation lernen wir, bewusst eine Zeit und einen Raum zu schaffen, innerhalb derer wir Grenzen auflösen und zu unserer kreativen Inspiration vordringen können“, meint die Yogalehrerin und frühere Designerin Elena Brower. Hier stellt sie uns dazu eine geführte Meditation vor: „Es geht darum, einen Zugang zum zentralen Körperkanal zu erforschen. Von dort aus können Kreativität und innere Klarheit aufsteigen.“

Meditation: Elena Brower / Titelbild: Artem Beliaikin via Unsplash

➳ Nimm eine bequeme Sitzhaltung ein, bei der die Knie niedriger lagern als die Hüften. Atme durch beide Nasenlöcher ein und lasse den Atem bis tief hinab ins Becken fließen. Versuche, diese Bewegung mit einem sanften Gefühl des Sinkens zu verbinden. Dann atme aus den Tiefen des Beckens wieder durch die Nasenlöcher aus und verbinde das in der Vorstellung mit einem Gefühl des Aufsteigens.

➳ Nachdem du dich eine Weile in diese Atemführung vertieft hast, füge mit Hilfe eines Mudras ein Element der Empfänglichkeit hinzu: Lege die Hände in Höhe des Herzens zu einer Schale geformt aneinander. Dabei zeigen die Handflächen nach oben und die kleinen Finger berühren sich.

➳ Atme weiterhin durch die Nasenlöcher tief ins Becken und nimm wahr, wie du dich über deine Hände und deinen Atem öffnen und empfänglich machst. Lade die Quelle deiner Kreativität in deinen physischen Körper ein und beobachte, welche Gedanken oder Empfindungen dabei aufsteigen.

➳ Heiße jeden Atemzug willkommen und nimm wahr, wie der Atem mit jeder Ein- und Ausatmung länger, regelmäßiger und geduldiger wird. Mit der wachsenden Stabilität, die du in deinem Atem und deinem Körper findest, schaffst du einen fruchtbaren Boden für die Samen deiner Kreativität.

➳ Bevor du nach 3 bis 11 Minuten die Meditation beendest, stell dir vor, dass du mit einer tiefen Einatmung Licht bis in die Tiefe deines Beckens fließen lässt. Dabei lege die Hände vor dem Herzen im Anjali Mudra aneinander. Dann atme wieder durch die Nasenlöcher aus und ziehe den Nabel nach hinten zur Wirbelsäule. Dabei stell dir vor, wie das Licht aus dem Becken in dir aufsteigt, dein gesamtes Wesen erfüllt und um dich herum ausstrahlt.

Montags-Mantra: Hast du Angst vorm Abenteuer?

… versuch’s mal mit Routine.

Eine gewisse Konstante im Leben ist schön: Wir arbeiten hart, um uns eine Basis aufzubauen, gewöhnen uns daran und wissen stets, was uns erwartet. Doch schnell wird aus Sicherheit eine Bequemlichkeit, die uns daran hindert, Neues auszuprobieren. Der Übergang zur Routine schleicht sich wortlos an und birgt das Risiko, alltägliche Abläufe gedankenlos zu wiederholen. Oft verfallen wir in eine monotone Alltagsstarre und plötzlich sieht ein Tag aus wie der andere – aus Wochen werden Monate, aus Monaten werden Jahre und das Leben fließt an uns vorbei.

Es heißt nicht, dass wir dem Chef direkt die Kündigung um die Ohren hauen müssen, um ein halbes Jahr um die Welt zu reisen. Es sind die kleinen Schritte über die Komfortzone hinaus, die große Veränderungen erzielen: Einen anderen Weg zur Arbeit nehmen, eine neue Sportart ausprobieren oder öfter „Ja“ zu Unbekanntem sagen. Je häufiger wir das tun, desto abwechslungsreicher wird das Leben. Es bringt bereichernde Erfahrungen, wir begegnen interessanten Menschen und sammeln eine Menge schöner Momente, die zu einzigartigen Erinnerungen werden. Und die kann uns keiner nehmen. Sie leben in uns weiter und zaubern uns in schweren Zeiten ein Lächeln ins Gesicht.

Nutzen wir den Wochenstart um das Leben mit einer Prise Abenteuer aufzupeppen und noch die letzten Sonnenstrahlen des Sommers einzufangen.

Wer denkt, Abenteuer seien gefährlich, sollte es mal mit Routine versuchen: Die ist tödlich.

– Paulo Coelho

Playlist der Woche

Loslassen kostet weniger Kraft als festhalten. Und doch fällt es uns manchmal schwer, denn wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Halten an Beziehungen und Bedingungen fest, auch wenn sie uns schaden. Den Sprung ins Unbekannte wagen wir nur ungern und wenn wir uns für den Neuanfang entscheiden, bedarf es meist einiger Zeit, bis wir uns ganz von der Vergangenheit trennen. Let it go, let it flow… unsere Playlist der Woche kann uns beim Loslassen vielleicht etwas unterstützen.