Die rückseitige Oberschenkelmuskulatur

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Irgendwie spielen die „Hamstrings“ im Yoga immer eine Rolle: Entweder sind sie zu wenig gedehnt oder chronisch überdehnt. Um welche Muskeln es dabei überhaupt geht und welche Funktionen sie erfüllen, lesen Sie hier.

VON: JILL MILLER ILLUSTRATION: MICHELLE GRAHAM

VIELLEICHT KENNEN SIE das noch aus dem Sportunterricht oder von der Untersuchung beim Arzt: Um die Gelenkigkeit zu testen, sollte man zeigen, ob man mit den Fingerspitzen die Zehen berühren kann. Heute weiß man: Dehnbarkeit ohne Kraft ist beileibe kein erstrebenswertes Ziel. Mal abgesehen von den im Artikel auf den vorangegangenen Seiten beschriebenen Verletzungsrisiken: Übermäßig gedehnte Beinrückseiten tragen auch dazu bei, dass sich die Hüftbeuger verkürzen und das Becken zu stark nach vorn kippt. Die Folge: Schmerzen im unteren Rücken.

Dennoch gelten mobile „Hamstrings“ im Yoga noch immer vielen Übenden als Ideal – und umgekehrt hört man nicht selten: „Yoga ist nichts für mich, ich kann ja noch nicht mal meine Zehen berühren!“ Dabei ist im Grunde beides Quatsch. Viel wichtiger ist die gesunde Balance aus Dehnung und Kraft. Motto: stretch and strengthen. Um gezielt an beidem zu arbeiten – und um zu verstehen wie die Übungen auf den vorangegangenen Seiten genau diese Ausgewogenheit herstellen können – lohnt der Blick auf die Anatomie.

Körperwissen – Die Anatomie der Beinrückseiten

Die Muskelgruppe an der Rückseite der Oberschenkel wird als ischiocrurale Muskulatur bezeichnet, manchmal bezogen auf ihre Funktion auch als Hüftgelenksextensoren. Alle Muskeln dieser Gruppe entspringen an den Sitzknochen (auch: Sitzbeinhöckern, Tuber ischiadicum), also am unteren Ende des Beckens. Von dort verlaufen sie entlang der Oberschenkelrückseite abwärts. Über lange Bänder, die sich in der Kniekehle kreuzen, sind sie mit dem Unterschenkel verbunden. In ihrer Funktion sind sie „biartikulär“, das heißt, sie wirken auf zwei Gelenke ein, in diesem Fall Knie und Hüfte: Am Knie sind sie für das Beugen zuständig, an der Hüfte für die Streckung und das Nach-hinten-Kippen des Beckens.

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