Interview mit Jah9

Samo Kush I Johnsson

Wurzeln, Reggae, Rastafari

Jah9 aus Jamaika gilt als eine der stärksten Stimmen des modernen Reggae. Die Songs auf ihrem aktuellen Album „9“ gehen weit über den weltweit in Strandbars aufgelegten Chill Sound  hinaus: Die ausgebildetete Yogalehrerin trennt nicht -zwischen Musik, Praxis, Philosophie und Leben.

Als Künstlerin bist du daran interessiert, Grenzen zu verschieben. Wie spiegelt sich das in deiner Arbeit als Yogalehrerin und Aktivistin?

Am meisten spiegelt sich das im Grunde in meinem persönlichen Leben – in der Arbeit an mir selbst. Die Grenzen des Selbst sind die wichtigsten, aber auch am schwersten zu bewegenden Beschränkungen. Yoga zu unterrichten sehe ich als Aufgabe, die auch mir selbst zugute kommt, und der Aktivismus ist ein natürliches Resultat der Praxis.

Du bist tief in Jazz und Lyrik verwurzelt. Was hat dich sonst zu der Persönlichkeit gemacht, die du heute bist?

Vor allem ein großer Verlust. Kurz vor meinem neunten- Geburtstag starb mein Bruder. Eine sehr tiefe -Erfahrung, die mich auch künstlerisch beeinflusste. Sie hat mich regelrecht nach innen geschickt. Im -gleichen Jahr zog meine Familie aus der ländlichen Idylle von Falmouth Trelawny in die Hauptstadt Kingston – und ich hatte die schwerste Asthma-Attacke -meines -Lebens. Diese Erlebnisse bildeten den -Beginn einer Reise, die bis heute andauert. Sie sind Wurzel und Quelle für alles, was ich heute zu geben habe.

Welche Rolle spielte und spielt die Yogapraxis in diesem Prozess?

Je mehr ich über Yoga erfahre, desto mehr merke ich, wie natürlich es in mein Leben passt. Als ehemalige Asthmatikerin habe ich eine intensive Beziehung zu meinem Atem entwickelt. Außerdem bin ich im sehr spirituellen Jamaika aufgewachsen. In meiner sehr religiösen Familie gab es immer Bewusstsein über die Dualität des Selbst, auch von Disziplin und Opferbereitschaft als Schlüssel zur geistigen Entwicklung. Umfassende Liebe und ein einfaches, gesundes -Leben sind Kernelemente unseres Glaubens, des Rastafari. Aus all dem hat sich mein ganz persönliches Yoga entwickelt.

In einer Beschreibung über dich steht: „Jah9 singt mit einer Stimme, die die Grenzen ihres physischen Körpers sprengt, und aus einer Seele, die deutlich älter ist als ihre derzeitige Hülle.“

Ich fühle mich in der Tat als alte Seele. Uralt, aus einer anderen Epoche vor der Zeit, die wir „Realität“ nennen. Manchmal etwas schlecht für diese aktuelle Realität gerüstet. Aber ich versuche, sie wie ein Kind zu umarmen.

Als spirituelle Systeme scheinen Rastafari und Yoga eine natürliche Verbindung zu haben. Welches sind ihre wichtigsten Gemeinsamkeiten? 

Rastafari repräsentiert spirituelle Befreiung, Entwicklungspotential für die Black Community und -damit alle Menschen der Gegenwart. Ich sehe es als allumfassende Bewegung in Richtung unserer höchsten -Fähigkeiten, beispielhaft gelebt und verkörpert von -Haile- -Selassie. Yoga ist einfach eine andere Bezeichnung, die diesen Weg definiert. Es entspringt aus der gleichen Quelle und ist beispielsweise auf den Hieroglyphen und Tempelwänden des alten Ägypten -dokumentiert. Alle Kulturen haben diese Übereinstimmungen und Namen, mit denen sie diese wichtigste spirituelle Arbeit beschreiben.

Wie würdest du die Yoga-Community auf Jamaika beschreiben?

Als einen spannenden, schönen und sehr vielfältigen Schmelztiegel von Menschen mit den verschiedensten Hintergründen. Die Gemeinschaft existiert bereits seit Jahrzehnten, aber in den letzten fünf Jahren hat sie sich stark vergrößert.

Wie hast du selbst zum Yoga gefunden?

Meine erste Lehrerin war Subhadra Bowman von den Yoga Angels, die vor zehn Jahren begann, auf Jamaika Lehrer auszubilden. Bei ihr absolvierte ich mein erstes Iyengar Teacher Training. Seither habe ich mich in Ashtanga, Yin und seit neuestem im Kemetic Yoga weiter gebildet.

Wie verbindest du diese Stile und welche Rolle spielt vor allem Kemetic Yoga, in der Kurzbeschreibung das „Yoga des alten Ägyptens“?

Ich bin dankbar, dass ich mein Fundament im Iyengar Yoga aufbauen konnte und Yoga dadurch vor -allem als heilende Therapie begreifen und einzusetzen lernte. Ashtanga gab mir ein System, eine Abfolge, die vor allem für junge Menschen und Gruppenkurse wertvoll ist. Als ich Kemetic Yoga entdeckte, erfüllte es einen Teil von mir, der sich ohnehin bereits mit der Spiritualität des alten Ägyptens beschäftigte. Es bietet mir ein Asana-Ritual, das ich auf einer tieferen -persönlichen- Ebene praktizieren kann. Es ist ein junger, sich neu entwickelnder Stil, der die Yoga-Community bereits intensiv beeinflusst und auch Menschen erreicht, die Yoga traditionell ablehnen.

Auf welche Weise geht es in Resonanz mit deiner -afrikanischen Herkunft und den wiederkehrenden Themen in deinen Songs wie Kolonialismus und kollektives Trauma?

Ganz sicher auf heilende Weise – und zwar nicht nur für mich als Individuum, sondern für die Gesellschaft als Ganzes. Ohne ein Wettkampf zu sein, ist es physisch herausfordernd, gleichzeitig nährt es Selbstliebe und Selbstwahrnehmung. Als Yogalehrerin und Aktivistin bemühe ich mich daher, dieses Wissen sehr früh mit Jugendlichen zu teilen.

Was hat es mit deinem Programm „Yoga on Dub“ auf sich? 

Das ist ein sehr flexibles Element, das ich mit meiner Musik kombinieren kann – ein kurzes, intimes Mini-Festival. Es handelt sich um eine Yogaklasse zu instrumentalen Dub (Anm.d.Red: klassischer Reggae-Stil), den meine Band oder ein speziell ausge-wählter– DJ live spielt. Ich unterrichte die Stunde -gemeinsam mit -einem lokalen Lehrer, sehr wichtig sind mir auch die begleitenden Diskussionen, Workshops und der Austausch mit den Beteiligten.

Oft baust du Atemübungen und Asanas auch direkt in deine Konzerte ein. Welche Erfahrungen hast du damit gemacht – und vor allem dein Publikum? 

Die Botschaft meiner Musik kann sehr intensiv wirken, also biete ich Yoga als Tool an, damit sich die Zuhörer nach dem Verklingen der Schwingungen wieder in ihre Balance bringen können. Der Effekt ist immer unglaublich sichtbar und fühlbar, egal, ob es sich um 100 oder 10.000 Menschen im Publikum handelt.

Auf deinem aktuellen Album „9“ lautet eine sehr -einprägsame Songzeile „A spiritual woman is the greatest threat to the status quo“. Inwiefern bedroht eine spirituelle Frau welchen Status Quo?

Den unterdrückenden, unmenschlichen – in welcher Form er auch immer eintritt. Wenn du darauf hinaus willst, ob ich mich selbst als Feministin sehe …

… das wäre in der Tat meine nächste Frage gewesen …

Dazu nur so viel: Das tue ich nicht. Ich glaube auch nicht, dass es eine separate weibliche Spiritualität gibt, aber spreche in meinen Songs auf jeden Fall über Bereiche, zu denen nur Frauen Zugang haben, allein durch ihre Beschaffenheit.

Viele Yogalehrer nutzen Reggae als Soundtrack für ihre Klassen. Tust du das auch? Praktizierst du zu Musik oder trennst du für dich beide Bereiche voneinander?

Manchmal, nicht zu oft. Ich finde, dass Musik besonders Anfängern hilft, beim Üben ihren eigenen geistigen und körperlichen Raum zu bewahren – ihren individuellen -Fokus. Bis es aus eigener Kraft geschehen kann, die Sinne beim Üben zurück zu ziehen, kann Musik wunderbar als eine Art Drishti funktionieren.


Ihre Musik stammt aus der Karibik, ihre Praxis aus dem alten Ägypten: Jah9 beim Kemetic Yoga.

Intuiting of the essence
awareness of the presence
Of the whole beyond each individual part
Master of the mind space
mason of the landscape
With intelligence she access from the heart
A spiritual womAn is the greatest threat
To the status quo

– Jah9, „Greatest Threat To The Status Quo“ vom Album „9“

Rezept: Erdbeer-Minz-Sprudel

Dieser zuckerfreie Drink passt gut zum Brunch oder sorgt für einen kleinen, süßen Energiekick am Nachmittag.

Zutaten

  • 500 g Erdbeeren
  • 1 EL frischgepresster Limettensaft
  • 1 Handvoll Minzblätter
  • 200 g Dattelpüree (siehe Rezept unten)
  • 2 l Sprudelwasser

Für das Dattelpüree

  • 250 g  Deglet-Nour-Datteln
  • 125 ml heißes Wasser

Bedecken Sie die Datteln in einer Schüssel mit heißem Wasser. Lassen Sie sie mindestens 30 Minuten (oder über Nacht) ziehen. Dann pürieren Sie die Mischung in einem Mixer, bis sie weich ist.

Zubereitung

  1. Bedecken Sie die Datteln in einer Schüssel mit heißem Wasser. Lassen Sie sie mindestens 30 Minuten (oder über Nacht) ziehen. Dann pürieren Sie die Mischung in einem Mixer, bis sie weich ist.
  2. Geben Sie die Erdbeeren, den Saft, die Minze und das Dattelpüree in eine Küchenmaschine oder einen Mixer und mixen Sie alles gründlich durch. Dann filtern Sie die Mischung durch ein feines Sieb. Füllen Sie jeweils ca. 50 bis 60 g Püree mit 250 ml Sprudelwasser auf.

Nährwerte pro Glas

  • 63 Kalorien
  • 0 g Fett
  • 15 g Kohlenhydrate
  • 1 g Ballaststoffe
  • 0 g Eiweiß
  • 1 mg Natrium

Der Stundenaufbau von Mark Stephens

Rui Das via Pexels

Ob man eine Yogastunde als rundum wohltuend und beglückend empfindet, oder eher nicht, hängt vor allem davon ab, wie gut sie aufgebaut ist. In diesem Teil unserer Reihe über guten Yogaunterricht erklärt der „Lehrer der Lehrer“ Mark Stephens, worauf man dabei achten muss – nicht nur als Yogalehrer, sondern auch als aufmerksamer Schüler oder bei der eigenständigen Praxis. Wie ist der Stundenablauf am Besten?

Die Yogapraxis besteht aus einem ganzen Universum von verschiedenen Elementen. Je nachdem, welche man auswählt und wie man sie miteinander verbindet, entsteht eine ganz spezifische Praxis. Da fragt man sich natürlich:

Eingangsfragen für den Stundenaufbau

  • Welche Elemente gehören zu einer vollständigen Praxis?
  • Wie ordnet man diese Elemente am besten an?
  • Wie beginnt man am besten?
  • Welche Verhältnisse bestehen zwischen einzelnen Asanas?
  • Wie wirkt eine bestimmte Übung auf eine andere?
  • Was verändert sich, wenn man die selben Asanas in unterschiedlicher Reihenfolge übt?
  • Welche Beziehungen gibt es zwischen den Asana-Familien und welche innerhalb dieser Gruppen?
  • Was bewirken Pranayama und Meditation im Stundenzusammenhang?
  • Auf welchen Grundlagen sollte die Struktur einer Yogastunde beruhen?

Warum dies und was folgt daraus?

Gleich vorab: Eine ideale Stunde für alle gibt es nicht. Die ganz verschiedenen körperlichen Bedürfnisse und Intentionen der Yogaschüler einer Klasse gleichen einem bunten Mosaik. Deshalb ist es die Aufgabe des Lehrenden eine Stunde zu entwerfen, die dieser jeweils besonderen Vielfalt gerecht wird.

Aber auch für die private Praxis zuhause lautet das Ziel, die fünf wichtige Anforderungen umzusetzen. Erstens soll der Stundenaufbau sachkundig sein. Gerade ein Yogalehrer sollte sich mit funktionaler und energetischer Anatomie auskennen und verstanden haben, wie Asanas wirken und sich wechselseitig beeinflussen. Zweitens sollen die Bewegungen von Haltung zu Haltung effizient sein. Drittens soll die Stunde effektiv sein, indem sie die Zugänglichkeit und die positiven Wirkungen der Asanas maximiert. Viertens sollte sie eine ganzheitliche, ausgewogene Praxis vermitteln, die fünftens nachhaltig wirkt, indem sie Stabilität und Leichtigkeit vermittelt.

Alte und neue Ordnungen

Schon immer wurde in der Tradition des Yoga das Prinzip der Reihenfolge für wichtig erachtet. Schon 1500 vor Christus beschrieben die Veden präzise Abfolgen von religiösen Ritualen. Später empfahlen die Upanischaden, die spirituelle Praxis Bhava anzupassen, dem natürlichen Daseinsprozess, in dem sich das Leben von Kindheit über Jugend und Reife zum Alter hin in verschiedenen Stadien abspielt. Das etwa 325 n. Chr. entstandene Yoga-Sutra von Patanjali gliedert den Yoga-Übungsweg dann in acht aufeinander folgende Abschnitte: Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi. Und in Swatmaramas Hatha Yoga Pradipika aus dem frühen 15. Jahrhundert finden sich schließlich die erste Abfolgen aus Asanas und Pranayamas. Allerdings verbunden mit der ausdrücklichen Warnung, mit Pranayama nicht vor Asana zu beginnen.

Das Yoga-Sutra enthält auch ein Konzept namens Parinamavada. Die Vorstellung, dass das Leben kontinuierlichem Wandel unterliegt und dass der Yogi diese Veränderungen bewusst wahrnehmen und an ihnen teilhaben sollte. Außerdem verband Tirumalai Krishnamacharya dieses Konzept mit der Idee des Vinyasa Krama, nach dem die achtsame Yogapraxis klug und behutsam voranschreiten soll. Das ist das Grundprinzip für jeden sorgfältigen Stundenaufbau.

Heute kommen wir diesem Anspruch auf klugen Aufbau auch mit Hilfe von funktioneller Anatomie, Biomechanik und Bewegungslehre nachzukommen. Gemeinsam mit den Beobachtungen aus der eigenen Praxis helfen uns diese Forschungen, genauer zu verstehen, wie Asanas sich gegenseitig beeinflussen.

Die 5 Grundprinzipien des Stundenaufbaus

  1. Vom Einfachen zum Komplexen
    Das Fortschreiten von einfachen zu komplexeren Haltungen ermöglicht dem Körper, sich leichter und sicherer zu öffnen und zu stabilisieren. Übt man zum Beispiel Anjaneyasana (tiefer Ausfallschritt) vor Virabhadrasana I (Heldenhaltung I), dann ist der Held leichter zugänglich und erzeugt weniger Spannungen in unterem Rücken, Knie und Fußgelenk.
  2. Von der Dynamik zur Stabilität
    Lockere Bewegung hilft, die im Körper vorhandenen Spannungen wahrzunehmen und zu lösen. Das erlaubt es uns später, Haltungen stabiler und nachhaltiger zu üben. Wenn wir zum Beispiel in Adho Mukha Shvanasana (herabschauender Hund) beim ersten Üben locker „radfahren“, um Beine und Hüften zu mobilisieren, dann wird uns der statisch gehaltene Hund viel leichter fallen.
  3. Hin zu energetischer Balance
    Wir alle unterliegen energetischen Schwankungen, die im Yoga mit den Begriffen Rajas (Feuer) und Tamas (Trägheit) beschrieben werden. Jede noch so verschieden geartete Stunde sollte diese Tendenzen in Ausgleich bringen. Egal, ob man nun müde und abgeschlagen oder eher nervös und aufgedreht in die Yogastunde kommt, nach Savasana sollte man sich leicht, frisch und wach fühlen: Sattva, die Klarheit.
  4. Integration durch Gegenbewegungen
    Jede Asana erzeugt gewisse Spannungen, die andere Asanas wieder lösen können. Darauf beruht Pratikriyasana, die Kunst, Haltungen so anzuordnen, dass man am Ende der Stunde möglichst frei von Spannung ist und so die positiven Wirkungen tiefer integrieren kann.
  5. Nachhaltig in Richtung Transformation
    Yoga kann eine lebenslange Praxis sein. Intelligent aufgebaute und für alle Bedürfnissen der Übenden wirklich angemessene Stunden können helfen, nachhaltig die persönliche Entwicklung jedes Einzelnen zu unterstützen und zu fördern.

Kreativer Stundenaufbau

Die gute Stundengestaltung wird kreativ durch die Kombination von Asana, Pranayama und Meditation. Dabei müssen wir die Bedürfnisse und Intentionen der Übenden würdigen. Die hier geschilderten Grundprinzipien kann man für die unterschiedlichsten Stunden, Stile, Umstände und Jahreszeiten anwenden. Von Selbstakzeptanz über Herzöffnung bis hin zu Chakra-Yoga.

Im nächsten Beitrag werde ich auf die Frage nach den Beziehungen zwischen einzelnen Asanas und Asana-Familien eingehen. Die individuelle Kreativität kann der Lehrer durch Yogaphilosophie, den jeweiligen Yogastil, die Biomechanik, und Effekte der jeweiligen Asanas zum Ausdruck bringen. Jeder Lehrende sollte seine gesamte Palette an Wissen dafür einsetzen, dass die Bedürfnisse und Intentionen der Schüler erfüllt wird.

Zudem besteht die wichtigste Rolle des Yogalehrenden darin, den Übenden ihrem eigenen inneren Lehrer näher zu bringen. (Lies unbedingt mehr darüber, wieso Mark Stephens‘ Ideal ein Yogalehrer im Inneren ist.) Dafür sollte der Stundenaufbau ein Gefühl für die Wahrheit des eigenen Daseins wecken. Das hilft uns, inmitten des Auf und Ab und der Wechselhaftigkeit des eigenen Lebens ein dauerhaftes Gefühl der Ruhe und Erdung zu entwickeln.


Mark Stephens hat bereits mehrere internationale Bestseller über den Yogaunterricht geschrieben. Sein neuestes Lehrbuch über Yogatherapie mit dem Schwerpunkt „Schlaf“ erschien 2019 im Riva-Verlag. Er lebt in Kalifornien und unterrichtet weltweit, häufig in Deutschland, Österreich und der Schweiz. markstephensyoga.com


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Amiena Zylla: „Ein guter Yogalehrer betrachtet seine Schüler als Lehrer.“

Heute geht es weiter mit unserer Online-Serie „6 Fragen an…“, in der wir bekannte Yogalehrer*innen, Yoginis und Yogis Fragen zu Liebe, Herzschmerz, Selbsterkenntnis und Yoga stellen. Diese Woche antwortet Amiena, die für ihre Yogaausbildungen schon um die ganze Welt gereist ist und nun seit 12 Jahren ihr Studio in München leitet. Viel Spaß mit ihren Antworten…

1. Vervollständige den Satz: Ein guter Yogalehrer ist…

… einer, der seine Schüler als Lehrer betrachtet. Er stellt sich nicht über sie, sondern geht mit ihnen, ist für sie da und respektiert ihre Grenzen voll und ganz. 

2. Was ist deine Kraftquelle? 

Ganz klar! Ich hole meine Kraft indem ich meine Zeit mit meiner Familie verbringe.

3. Was bedeutet für dich Liebe?

Liebe ist blindes Vertrauen, sich fallen lassen zu können, sich selbst zu sein und dem anderen Raum zu geben. So viel zu Liebe in einer Beziehung mit dem Partner. Nun bin ich seit kurzem Mutter geworden und erfahre gerade, dass diese Liebe nochmal alles auf eine ganz neue Ebene hebt. Die Liebe zu seinem Kind kann man nicht beschreiben – nur so viel, dass sie so stark ist, dass einem der Atem wegbleibt. Die Welt bleibt stehen, wenn sich unsere Blicke treffen und wir uns intensiv anschauen. Als das zum ersten Mal mit meiner Tochter passiert ist, hatte ich wirklich in dem Augenblick das Gefühl, unsere Seelen treffen sich.

4. Verrätst du uns deine größte Macke? 

HAARE! Auf dem Kopf sind sie absolut gut. Wenn sie aber auf dem Boden oder im Waschbecken oder sonst wo verteilt sind, dann auf keinen Fall. 

5. Was ist deine Lieblings-Asana und warum? 

Drehaltungen. Weil sie uns körperlich und geistig in Bewegung bringen, wie eine Eigen-Massage wirken und uns dazu bringen, unsere Umwelt bewusster wahrzunehmen anstatt egoistisch durchs Leben zu gehen. 

6. Vervollständige den Satz: Das Leben ist zu kurz, um NICHT mindestens einmal… 

… so gelacht zu haben, dass man vor lauter Bauchweh am Boden liegt und die Tränen aus den Augen schießen.


Amiena Zylla – eine Person wie ihr Name von A bis Z und Erfinderin vom Faszien Yoga. Ihre Ausbildungen absolvierte sie in ihrem Geburtsort Kapstadt sowie in den USA, in Deutschland und in Indien. Seit über 20 Jahren arbeitet sie mit großer Leidenschaft als Yoga- und Pilates-Lehrerin, ist Erfolgsautorin mehrerer Bücher und gibt ihr Wissen als Expertin für diverse TV- und Zeitschriftenformate, sowie auf ihrem Youtube-Kanal weiter. Seit über 12 Jahren führt sie ihr eigenes Studio – „amienas’s werkstatt“ im Zentrum von München. Mehr zu Amiena findet ihr hier.

www.amienazylla.com
www.amienaswerkstatt.de

Rezept: Ricotta-Käsekuchen mit frischen Früchten

Dieser zuckerfreie Käsekuchen besticht durch seinen feinen Ricotta-Zitronengeschmack und die Süße der Datteln. Da Sie für das Püree ganze Früchte benutzen, bleiben deren wichtige Nähr- und Ballaststoffe erhalten und machen diesen Kuchen zu einer gesunden Leckerei.

Zutaten

  • 375 g Mandeln
  • 250 g Datteln, entkernt
  • 4 EL Butter, geschmolzen
  • 450 g Ricotta, abgetropft
  • 225 g Frischkäse
  • 3 Eier
  • 125 g Dattelpüree (Rezept siehe S. 107)
  • 1 TL Vanilleextrakt
  • 1 unbehandelte Zitrone, Schale
  • 500 g Obst nach Wahl, z.B. gemischte Beeren, Kiwischeiben

Zubereitung

  1. Heizen Sie den Ofen auf 180 ºC vor. Umwickeln Sie eine Springform mit ca. 22 cm Durchmesser und ca. 7 cm Höhe mit zwei Lagen reißfester Alufolie.
  2. Mixen Sie die Mandeln und Datteln in der Küchenmaschine, bis eine krümelige Mischung entstanden ist. Geben Sie die Butter hinzu und mixen Sie weiter, bis sich eine zähe Masse gebildet hat. Verteilen Sie diese auf den Boden der Springform und backen Sie sie 10 Minuten lang.
  3. Verrühren Sie nun den Ricotta, den Frischkäse, die Eier, das Dattelpüree und die Zitronenschale mit dem Rührgerät zu einer weichen Masse. Verteilen Sie diese auf dem gebackenen Mandel-Dattel-Boden und backen Sie den Kuchen auf der mittleren Schiene ca. 45 Minuten lang, bis die Füllung aufgegangen ist, eine goldene Farbe angenommen hat und in der Mitte noch ein wenig blubbert.
  4. Lassen Sie den Kuchen auf einem Gitter komplett auskühlen, stellen Sie ihn dann in den Kühlschrank, bis er schön kalt geworden ist. Trennen Sie den Rand des Kuchens erst mit einem Messer von der Springform, bevor Sie diese öffnen. Stellen Sie den Kuchen auf einen Servierteller und dekorieren Sie ihn nach Belieben mit frischen Früchten.

    Nährwerte pro Stück:
    409 Kalorien

  • 29 g Fett (12 g gesättigt)
  • 29 g Kohlenhydrate
  • 6 g Ballaststoffe
  • 14 g Eiweiß
  • 179 mg Natrium

Yoga statt Ritalin? Interview mit Leila Oostendorp

Ein 10- bis 12-Stunden-Tag ist selbst für die Kleinsten in unserer Gesellschaft heute keine Seltenheit mehr. Kann man mit Yoga an Kitas und Schulen die Kids dabei unterstützen, Entspannung zu lernen? Das YOGA JOURNAL hat vier Experten zu dem Thema befragt. Nach dem Interview mit dem Ehepaar Seemann sprechen wir heute mit Leila Oostendorp. 

Yoga für mehr Solidarität und Respekt

YJ: Ist innerhalb der vollen Lehrpläne überhaupt Platz für Yoga? Wie wird Yogaunterricht an Schulen integriert?
Hier sind verschiedene Punkte zu berücksichtigen: Der Lehrplan an einer Regelschule beziehungsweise Ganztagesschule, das Vorhandensein von Mittagsbetreuung und Hort sowie die Verfügbarkeit von Lehrern mit einer Kinderyoga-Ausbildung oder anderen qualifizierten, externen Kinderyogalehrern. Bei der Regelschulzeit ist der Lehrplan sehr eng getaktet. Obwohl der Wunsch nach Yoga von Kindern, Eltern und Lehrern groß ist, gibt es wenige Zeitfenster, in denen regelmäßig Yoga etabliert werden kann. Viele Lehrer lassen sich dennoch extra ausbilden und integrieren dann einzelne, weniger zeitintensive Elemente von Yoga in ihrem Unterricht. Manche schaffen es sogar, wöchentlich eine richtige Yogastunde in ihrer Klasse anzubieten. Manche Schulinstitutionen finanzieren selber solche Fort- und
Ausbildungen für ihre Lehrerschaft. Es zeigt sich eine komplett andere Situation bei den Ganztagsschulen. Da viele Schulstunden für extra Aktivitäten bereits im Stundenplan vorgehalten werden, lässt sich Yoga einfacher in den Tagesablauf integrieren. Zum Teil beteiligt sich die Regierung von Bayern mit finanziellen Mitteln, um extra Angebote für die Kinder an öffentlichen Schulen zu ermöglichen. Hiervon profitiert nicht nur Yoga sondern auch andere Aktivitäten wie etwa Tanzen, Trommeln oder Schach.

Ein anderer Weg, den Kindern in der Regelschule Yoga näher zu bringen ist, außerhalb des Schulplans ein Angebot in der Mittagsbetreuung oder im Hort zu organisieren. Hier werden die Stunden privat über die Eltern, über den Elternbeirat oder Vereine finanziert. Normalerweise ist hier nicht die Finanzierung das Thema, sondern die oftmals eingeschränkten Raummöglichkeiten. Da sich die meisten Schulen in Bayern an ihrer Kapazitätsgrenze befinden, gibt es leider in vielen Fällen keine Räumlichkeiten für den Yogaunterricht. In diesem Zusammenhang ist es zusätzlich oftmals problematisch, dass in vielen Schulen keine externen Anbieter akzeptiert werden. Aber auch hierfür gibt es eine Lösung. Wenn der Wunsch der Eltern über den Elternbeirat unterstützt und vertreten wird, wird an den meisten Schulen auch ein externer Anbieter geduldet.

YJ: Was sind Ihrer Meinung nach die klaren Vorteile von Yoga für Kinder und Jugendliche?
Kinder und Jugendliche, die regelmäßig eine gute Yogapraxis erfahren, haben eine andere Wahrnehmung ihres Körpers, ihrer Stimmung und ihrer Fähigkeiten. Sie gehen bewusster mit ihren Stärken um. Gleichzeitig kennen sie ihre Schwächen und arbeiten eher daran. Sie lernen, ihre Körper zu respektieren, die Konzentrationsfähigkeit zu erhöhen und das Selbstbewusstsein zu stärken. Sie können sich entspannen, wenn sie es brauchen oder möchten. Sie betrachten die Welt und alles was dazu gehört mit den Augen der Solidarität und Respekt.

YJ: Gibt es auch Kinder und Jugendliche, für die Yoga nicht geeignet ist?
Prinzipiell ja. Manche Kinder und Jugendliche haben andere Notwendigkeiten, Geschmäcker und andere Ansprüche, wenn es um Sportaktivitäten geht. Oder sie befinden sich in einer Lebensphase, in der sie einfach keinen Zugang zu Yoga finden. Damit sich die Wirkung von Yoga entfalten kann, sollten Kinder und Jugendliche nur dann am Yoga teilnehmen, wenn sie es selber möchten, und nicht weil die Eltern, der Lehrer oder der Zeitgeist es einfordern.

Viele Faktoren können die Lust auf Yoga wecken aber auch dämpfen. Kinder und Jugendliche sind sehr empfindlich gegenüber der Stimmung von Lehrern, den Gruppenkonstellationen und ihrem sozialen Umfeld. Sind die ersten Erfahrungen positiv, spricht vieles für ein nachhaltiges Interesse an Yoga. Das Fehlen eines altersgemäßen Yogaunterrichts sowie externe Stressfaktoren können jedoch die Lust am Yoga limitieren.

YJ: Wird der Yogaunterricht an Schulen als Wahlfach angeboten oder gibt es auch Schulen beziehungsweise Klassen, an denen Yoga Pflicht ist?
An vielen Schulen wird Yoga als Wahlfach angeboten. Manchmal ist das Angebot für ein halbes Schuljahr, manchmal für ein ganzes Jahr. Es gibt Angebote seitens externer Anbieter aber auch der eigenen Lehrerschaft. In bayerischen Ganztagsschulen ist Yoga in den Stundenplan integriert.

YJ: Eine kritische Frage: Wird Yoga an Institutionen zum Teil auch eingesetzt, um die Kinder wieder zum „Funktionieren“ zu bringen und sie fit zu machen für unser leistungsorientiertes System?
Diese Aussage kann ich nicht bestätigen. Im Gegenteil, es wird an das Wohlbefinden der Kinder gedacht. Yoga wird vor allem als Möglichkeit des spaßigen und zugleich sportlichen Ausgleichs sowie der Entspannung angeboten. In vielen Fällen spielen auch lebensphilosophische Aspekte eine Rolle.

YJ: Kann Yoga wirklich dazu beitragen, die ständige Reizüberflutung, der Kinder und Jugendliche heute ausgesetzt sind, auszugleichen und ihr etwas Positives entgegenzusetzen?
Ja, definitiv! Als spezialisierte Yogalehrerin für Kinder und Jugendliche erlebe ich die positiven Effekte von Yoga direkt in den Gesichtern der Kinder. Am Ende der Stunde sehe ich viele entspannte und fröhliche Minen. Mit dem Einsatz von gezielten Asanas, Pranayama-Übungen beziehungsweise Konzentrations- und Meditationstechniken ist es möglich, den Kindern einen Freiraum als Ausgleich zum herausfordernden Alltag zu eröffnen. Auf diese Weise werden den Kindern Methoden an die Hand gegeben, die sie auch außerhalb des Yogaunterrichts individuell in ihren Tagesablauf integrieren und sich somit Rückzugsorte schaffen können.

YJ: Wie ist die Tendenz momentan: Haben Schulen von sich aus ein gesteigertes Interesse an Yoga für ihre Schüler oder muss man als Yogalehrer eher „Klinken putzen“ gehen, um den Schulleitern und Lehrern die Vorteile schmackhaft zu machen?
Meiner Erfahrung nach zeigen Schulen durchaus ein gesteigertes Interesse an Yoga. In den letzten 2 Jahren sogar ein sehr deutliches Interesse. Viele Nachfragen von interessierten Institutionen scheitern allerdings leider entweder an Finanzierungs- und Organisationsschwierigkeiten oder noch häufiger am Platzmangel.

YJ: Ist Ihnen bekannt, ob Yoga bereits Einzug in die Konzepte des Bildungsministeriums gehalten hat?
Es ist mir bekannt, dass im Studiengang zum Referendar Yoga als Inhalt der Ausbildung angeboten wird. Persönlich hatte ich selbst die Möglichkeit, Referendare entsprechend zu unterrichten. Hier wurden die Entspannung und der Ausgleich als bevorzugte Elemente von Yoga nachgefragt.


Leila Kadri Oostendorp bietet in München seit Jahren Yoga-Aktivitäten für Kinder und deren Eltern an. Die Gründerin der Kinder Yoga Welt und Leiterin des Kinderyoga-Arbeitskreises für Yogalehrer in München und Umgebung entflammt mit ihrer Energie in Groß und Klein die Liebe zum Yoga. www.kinderyogawelt.de


Illustration: Melanie Beutel

10 Maximen für Yogalehrer von Mark Stephens

10 Maximen für Yogalehrer
Foto von Engin Akyurt von Pexels

Mark Stephens gilt seit einigen Jahren international als einer der profiliertesten Yogalehrer und Ausbilder. In dieser Artikelreihe spricht er zu Yogalehrern und verrät uns heute 10 Maximen für Yogalehrer, die man bei gutem Yogaunterricht in jedem Fall einhalten sollte. Sein wir mal ganz ehrlich: welcher Yogalehrer hätte sich nicht schon einmal Richtlinigen gewünscht?

1. Du sollst niemandem schaden, niemanden verletzen. Einerseits sind helfende Hände sind Teil des Yogaunterrichts. Andererseits sollten diese aber nur gegeben werden, wenn sie auch erwünscht sind. Aber nicht nur bei Adjustments ist Vorsicht geboten: auch die Übungen sollten flexibel den Schülern angepasst werden. 

2. Unterrichte, was du kennst, und nicht, was du nicht kennst. Kein Yogalehrer muss zwingend alle Umkehrhaltungen und Variationen der Krähe beherrschen. Allerdings ist es wichtig, dass du nur deine Stärken lehrst. Denn diese kannst du auch erklären.

Yogalehrer bleiben immer auch Schüler

3. Bleibe deiner persönlichen Praxis treu. Man sollte als Lehrer in jedem Fall auch Schüler bleiben. Denn sie ist der Grundstein, auf dem deine Beziehung zu Yoga aufbaut! Lies hier nach, wie eine Yogapraxis für LehrerInnen beibehalten wird. 

4. Wenn du praktizierst, dann praktiziere, wenn du unterrichtest, dann unterrichte. Außerdem sollten visuelle Demonstrationen sollten in jedem Fall angeboten werden, wenn auch nur in Maßen. Allerdings findet deine eigene Praxis unbedingt außerhalb deines Yogaunterrichts statt. 

5. Sei immer offen, zu lernen. Ganz besonders von deinen Schülern. Frage unbedingt um Feedback nach der Stunde. Vielleicht kommt jemand aus einem anderen Yoga-Stil und kennt andere Adjustments und Ausführungen einer Haltung. Tue auch hier nicht so, als würdest du alles wissen, sondern sei offen und ehrlich. 

6. Schaffe Raum für Stille. Nichts stresst die Schüler mehr als ein gestresster und abgehetzter Lehrer. Besonders am Anfang der Stunde ist Zeit für Stille und auch in den Asanas soll der Fokus darauf liegen, dass die Schüler abschalten können. Deswegen sollte eine besonders detaillierte verbale Beschreibung nur gezielt eingesetzt werden (Peak-Asana/ Anfängerstunden). 

7. Lasse deinen Schülern Raum für eigene Erfahrungen. Leiste Hilfestellung, aber gib ihnen trotzdem den eignen Raum auf der Matte. Genauso mit Meditationsanfängern und philosophischem Input: du kannst sie durch deine Worte zwar leiten, aber die Erfahrung müssen sie selbst machen. 

Yogaunterricht sollte nicht ganz zur Routine werden

8. Ermutige deine Schüler, Neues kennen zulernen. Schränke sie nicht ein und lass ihnen auch Raum dafür, dass sie an anderen Stunden teilnehmen. Biete ihnen auch an, Yoga mit einem anderen Stil oder Schwierigkeitsgrad zu besuchen. Wenn sie danach fragen, empfehle ihnen Bücher, die sie auf spiritueller Ebene weiterbringen können. 

9. Bleibe selbst offen für neue Herangehensweisen. Auch nach fünf Unterrichtsjahren kannst du immer noch dazu lernen. Bilde dich regelmäßig weiter, denn auch in Bereichen wie der Anatomie werden gibt es immer was neues.

10. Sei dir selbst gegenüber ehrlich, so wirst du in deiner Authentizität wachsen. Jeder Yogalehrer hat wie jeder andere Mensch auch seine Stärke bei anderen Aufgaben. Du musst nicht ein Ass in allen Bereichen wie Atemübungen, Meditation und Massagen sein. Allerdings kenne deine Stärken und wende diese im Unterricht anzuwenden. Darüber hinaus bilde dich bei den ausbaufähigen Bereichen weiter. Das reicht vollkommen aus. Deine Authentizität ist als Yogalehrende deine größte Stärke, denn sie hebt dich von anderen ab. 


Neben den 10 Maximen für Yogalehrer hat Mark Stephens bereits mehrere internationale Bestseller über den Yogaunterricht geschrieben. Sein neuestes Lehrbuch über Yogatherapie mit dem Schwerpunkt “Schlaf” erschien 2019 im Riva-Verlag. Er lebt in Kalifornien und unterrichtet weltweit, häufig in Deutschland, Österreich und der Schweiz. markstephensyoga.com

Interview mit Duncan Wong

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Vor über 20 Jahren integrierte Duncan Wong Ashtanga Vinyasa Yoga, Kampfkunst, Thai-Massage und Tanz zu seinem Warrior-Flow-System „Yogic Arts“. Damals hat er Stars wie Madonna trainiert, heute lebt er zurückgezogen als Familienvater in einem Dorf in Japan. Eine Unterhaltung über Erdung im Spektakel, das wahre Ich und darüber, was Selfies mit Erleuchtung zu tun haben.

Deine Yogastunden ähneln oft einer Unterhaltungsshow. Spielst du da auf der Bühne eine Rolle?

Nach der yogischen Philosophie und auch nach meiner Erfahrung sind Körper und Geist bloß unsere Mittel, Geschenke, göttliche Energie. Der Ausdruck dieser Körper-Geist-Integration ist die Persönlichkeit. Die Rolle ist ein Mittel zur Inspiration, dafür wurde sie geschaffen, und nicht dafür, um uns damit zu identifizieren. Wenn jemand die Rolle nicht als Mittel des Dienens versteht, denkt man vielleicht: „Ich bin ein Star. Das bin ich.“ Aber wenn wir uns selbst wie ein Kanal für Information und Energie öffnen, können wir dienen. Wir schillern nur, um Menschen in die Gegenwart zu holen, um sie zu berühren.

Deshalb schießt du Selfies und zeigst gerne deine – durchaus beeindruckenden – Bauchmuskeln?

… danke. Ja, das macht doch Spaß! Wenn du Spaß hast, fühlst du dich wohl, sexy, dazugehörig und verbunden. Im Wort „Enlightenment“ (Erleuchtung) steckt „light“ (leicht): Mach’s dir leicht, hab Spaß! Es muss ein Vergnügen sein, ananda. In solchen Momenten hast du die Chance, wirklich etwas zu verändern. Indem du in die Tiefe der Seele und Spiritualität von Menschen gehst, kannst du ihre Fantasie anregen.

Wie gelingt das?

Entweder, indem du ihnen die richtige Technik einer Bewegung zeigst. Das führt zur korrekten Ausrichtung, die wiederum die Energie fließen lässt. Oder du lässt kleine Juwelen fallen: bestimmte Lehren etwa. Oder du sagst etwas Einfaches, aber Starkes, das die Menschen zum Nachdenken bringt. Dann können sie Yogi sein. Dann können sie erfahren, wie es ist, Spaß zu haben und sich nicht an Glaubenssätze wie „Ich bin hier, weil…“ oder „Ich bin so und so…“ zu klammern. Wenn wir diese Sätze loslassen und einfach nur zusammen sind, können wir zu denen werden, die wir wirklich sind.

„Sei wieder du selbst!“: Das sagst du sehr oft. Was meinst du damit?

Wir verbringen unsere Leben damit zu versuchen, wir selbst zu werden. DNA hat einen Riesenanteil – das weiß ich als Vater – aber die Essenz ist, dass es einen lebendigen Geist in einem physischen Körper gibt. Egal, wie alt oder jung wir sind, das sind immer wir. Eine weise Person, die mich jahrelang nicht gesehen hat, hat mich unlängst gefragt: „Hast du dich in den letzten 10 Jahren überhaupt verändert?“ Nein, nicht wirklich. Menschen verändern sich nicht. Wir passen uns an, an die Gesellschaft, unsere Umgebung, aber wir sind, wer wir sind. „Alles ist bereits in uns“ bedeutet eigentlich: „Du bist, wer du bist.“ Wenn Menschen mit Yoga anfangen, versuchen sie, ihre Yoga-stunden an ihr Leben und ihren Arbeitsplan anzupassen. Je tiefer wir aber gehen, desto mehr verändert sich unser Leben und passt sich der Praxis an: Wir essen weniger schweres Essen, wir haben weniger Drama, weniger Chaos – die Praxis wird unser Leben.

Das heißt, wir lernen und entwickeln uns zu diesem „Ich“?

Ja, bleib ewiger Schüler! Wir sind alle auf dem Meisterpfad und verbessern ständig, was wir bereits machen. Vor 10 Jahren wäre ich hier auf die Bühne gegangen und hätte Show gemacht, geschillert, brilliert und gedacht, das bin ich – und hätte mich selbst darin verloren. Es war aufregend, aber ich hatte keine Wurzeln. Der Baum war nicht geerdet. Deshalb hatte es weniger Bedeutung, es entstanden keine Herzensverbindungen. Es hat nicht funktioniert.

Was hat dich zum Umdenken bewegt?

Ich habe Schamanen besucht, viele Heilreisen gemacht, weise Gurus in indischen Höhlen und Therapeuten aufgesucht – weil ich gemerkt habe, dass ich völlig verrückt war. Und die Welt wusste, dass ich verrückt war. Am Höhepunkt meiner Popularität, als ich in allen Magazinen war, bin ich ausgestiegen. Ich wusste, dass ich es tun musste. Mich hat es aufgefressen, zu brillieren, ohne geerdet zu sein. Dann bin ich nach Asien.Ich habe viel praktiziert, in der Natur gelebt, mir eine Familie gesucht und von den Zen-Meistern in den Bergen gelernt. Sie unterrichten, indem sie dich einfach bei ihnen sein lassen, indem sie die Information ausstrahlen. So habe ich gelernt, wie man Energie teilt. Vor 10 Jahren hätte ich nur Show gemacht. Heute mache ich ein bisschen Show, dann bringe ich die Menschen wieder auf den Boden zurück und versorge sie mit Energie.

Das klingt, als hättest du in der Natur Asiens deine Wurzeln gefunden!

Ja, es war mein Heilbalsam! Einer meiner Ashtanga-Meister hat einmal gemeint: „90 Prozent aller Menschen leben auf 10 Prozent der Erde. In 25 Jahren werden wir – die Yogis – diese anderen 10 Prozent sein. Wir müssen zur Natur zurückkehren.“ Er hatte recht. Es hat 40 Jahre gebraucht, damit ich für den Wald bereit war. Natürlich müssen wir unsere Natur überall in jedem Moment finden. Darum geht es schließlich in der Praxis. Aber dennoch ist es viel besser, unsere Natur in der Natur zu finden, und wenn jemand nach einer Abkürzung auf dem Pfad sucht – falls es die überhaupt gibt – dann ist die nicht unbedingt in den Slums von Bombay zu finden. Sie könnte vielleicht im Himalajagebirge stecken. Ich bin mittlerweile sicher, dass unsere Umgebung unsere Erfahrung beeinflusst. Deshalb lebe ich mit meinen Kindern auch in der Natur.

A propos Kinder: Deine Zwillinge sind fast 6 Jahre alt. Was hat dich die Vaterschaft bislang gelehrt?

Du lernst, für jemand anderen zu leben. Mein ganzes Leben ist in ihren Händen. Jetzt achte ich mehr auf mich, um für meine Kinder am Leben zu bleiben. Um lang genug zu bleiben, um sie in die Unabhängigkeit zu schicken. Vielleicht Großvater zu werden. Und sie haben mich gelehrt, sie in allem und jedem zu erkennen. Ich sehe die Augen meiner Kinder in den Augen aller und ich erkenne, dass sie einfach nur das kleine Baby sind, das groß geworden ist und jetzt eine Umarmung braucht – es ist so einfach. Das habe ich gelernt.

2013 hast du in einem Interview gesagt, dass du gern in Rente gehen würdest …

Da habe ich wohl Witze gemacht. Mein Pfad war seit jeher der eines reisenden Yogis und Lehrers. Den versuche ich jetzt an die Vaterschaft anzupassen: Ich bin unterwegs und lehre und wenn ich zuhause bin, bin ich einfach nur Papa. Bis jetzt funktioniert es ganz gut! Im Moment entwickle ich ein Retreat-Programm für die Community in Kyoto. Ich habe alles, was man dazu braucht, in meiner Tasche: Ich weiß, wo es gutes Sushi gibt, wo Wasserfälle sind … Außerdem habe ich zwischen Osaka und Kyoto ein Yoga Zendo, einen gemeinsamen Ort für Yoga, Meditation und Martial Arts.

Du bleibst offensichtlich deinem Prinzip treu, verschiedene traditionelle Lehren zu vermischen?

Ja, ich mache das, was ich immer getan habe, am Anfang noch als Pionier. Vor 20 Jahren habe ich für die Einführung von „Warrior Yoga“ noch viel Widerstand geerntet. Heute ist das ganz normal. Heute vermischt jeder Yoga, Tanz, Kampfkunst, Musik… Und es ist auch okay, denn alles muss integriert werden und zusammenkommen, damit Yoga seinen Job erfüllen kann: als Heilbalsam und Rettungsanker an einem kritischen Punkt unserer Geschichte.