Twist and Stretch mit Jelena Lieberberg

Wie immer bei unserer Kolumnistin Jelena Lieberberg sieht auch diese Asana spektakulär gut aus. Aber nicht nur das – auch was die Wirkung betrifft, ist Parivritta Janu Shirshasana ein echter yogischer Alleskönner!

Für meinen Geschmack wird die Haltung Parivritta Janu Shirshasana oft unterschätzt – sie erfordert viel Ruhe und Geduld! Ihr Anblick verleitet schnell dazu, nur noch das Ziel vor Augen zu haben. Aber: Es geht nicht darum, das Maximum an Dehnung an den Hüften, Beininnenseiten und Flanken herauszuholen. Viel mehr gilt es, diese Bereiche langsam aufzuwecken, zu verlängern und ihnen zu erlauben, sich zu öffnen.

Richtig geübt, wirkt diese Asana beruhigend und belebend zugleich. Der Twist in der sitzenden und zur Seite geneigten Position ist durchaus entspannend; gleichzeitig werden Schultern und Brust an der oberen Körperseite auf wohltuende Weise geweitet. Die asymmetrische Belastung mobilisiert das Zwerchfell und kann das Bindegewebe der inneren Organe entlasten helfen.

Macht das Spaß?
Ja! Sobald man den Dreh raus hat, eröffnet das zur Seite geneigte Verschrauben eine neue Dimension von Dehnung.

Muss ich das können?
Nein – wie immer lautet die Devise: Alles kann, nichts muss! Der Spielraum ist groß, so dass sich alle Übenden genau die Dehnung gönnen können, die für deinen Körper gerade passt.

Was muss ich dafür tun?
Gut vorbereiten! Dafür eignen sich Sonnengrüße und alle Asanas, die Beine und Flanken dehnen: Upa­vishta Konasana, Parshvakonasana, Adho Mukha Shvanasana, Supta Padangushthasana und Janu Shirsha­sana, sowie Drehungen im Sitzen, Liegen oder Stehen.

Schritt für Schritt Anleitung

  1. Beginne im Sitzen mit gegrätschten Beinen. Beuge dein linkes Knie, stelle die Fußsohle auf und ziehe die Ferse zu dir heran. ­Lasse das rechte Knie locker und ziehe das rechte Bein etwas weiter nach außen.
  2. Mit einer Ausatmung lehnst du dich nach rechts und lasse den rechten Unterarm zunächst dicht an der rechten Beininnenseite. Strecke den linken Arm mit einer Einatmung über den Kopf. Wenn möglich, greife mit der linken Hand nach dem rechten Fuß.
  3. Fasse mit der rechten Hand den Knöchel des linken Fußes, um eine Art Anker zu bilden. Wenn du noch eine stärkere Dehnung wünschst, lasse den Oberkörper langsam immer weiter nach hinten sinken. Beobachte, wie dies völlig neue Empfindungen wachruft.
  4. Intensiviere die Haltung, indem du den Atem in jene Körperbereiche lenkst, in denen du Widerstand spürst. Bleibe etwa 1 Minute lang in der Position.
  5. Um aus der Haltung herauszukommen, löse zuerst die vordere Hand und lassen sie zur Mitte gleiten – dann die obere. Hebe behutsam den Oberkörper zur Mitte zurück und wiederholen die Asana Schritt für Schritt auf der anderen Seite.

Fragen oder Anregungen? Du findest Jelena Lieberberg auf instagram.com/kickassyoga und kickassyoga.com

Männer auf der Matte – Interview mit Thomas Meinhof von Yogadu.de

ogadude Thomas Meinhof (c) Liza Meinhof 04

Männer und Yoga? Werfen wir heutzutage einen Blick in die Yogastudios, glauben wir kaum, dass die Tradition ursprünglich von Männern begründet wurde und Frauen lange Zeit ganz ausschloss. Geht es um die physische Stärke in der Yogapraxis haben Männer es oft leichter, in puncto Vorurteile sieht das ganz anders aus: Yoga sei zu weich, zu esoterisch, ein Frauending eben. Oft entsteht diese Voreingenommenheit jedoch im eigenen Kopf und wird mit dem Schweiß der ersten Stunde weggewischt.

Thomas Meinhof hat erst spät mit Yoga angefangen, ist jedoch seit seiner ersten Stunde dabei geblieben. In der deutschen Blogger-Szene hat er sich schnell einen Namen gemacht. Denn neben Flirt- und Mode-Tipps fürs Yogastudio, Erfahrungsberichten und Betrachtungen zur Philosophie, geht es auf seiner Seite www.yogadu.de vor allem um eins: mehr Männer von Yoga zu überzeugen.

Thomas, wie bist du eigentlich zum Yoga gekommen?
Yoga ist irgendwie zu mir gekommen und zwar in einer leider sehr stressigen Phase meines Lebens. Ich war als freiberuflicher Kreativer ständig auf Tour und habe mir in Frankfurt mit einer Kollegin eine Pendlerwohnung geteilt. Wenn ich nach einem stressigen Tag auf der Couch vor der Glotze lag, hat die Kollegin brav ihre Yogamatte ausgerollt. Nach einer Stunde war sie komplett stressbefreit und ich beim dritten Bier. Da dachte ich mir, vielleicht sollte ich das mit dem Yoga auch mal ausprobieren? Habe ich auch gleich gemacht und bin seit meinem Krankenkassen-Kurs dabeigeblieben.

Wie haben deine männlichen Freunde auf deine neue Leidenschaft reagiert?
Am Anfang war ich selbst wohl am skeptischsten meiner neuen Leidenschaft gegenüber. Und klar, einige fanden und finden das „Frauending“ wahrscheinlich schräg. Aber mittlerweile verfolgen viele das im Blog und in Social Media und unterstützen mich dabei. Tatsächlich konnte ich auch schon ein paar Jungs „bekehren“ – am einfachsten geht das übrigens bei Leuten, die über Rückenbeschwerden und/oder Stress klagen.

Ist dir in dieser Zeit aufgefallen, mit welchen Vorurteilen männliche Yogis häufig zu kämpfen haben?
Viele denken wohl, dass Yoga eher etwas für Mädchen sei. Oder dass Yogis abstinente Veganer ohne Lebensfreude seien. Oder schwul. Und bestimmt glaubt der eine oder andere, dass Männer nur zum Yoga gehen, um Frauen kennenzulernen, was manche wahrscheinlich auch machen. Meine Eltern hingegen sind relativ skeptisch, weil sie denken, dass ich einer Sekte beigetreten bin. Ich mag diese Vorurteile aber und spiele im Blog ganz gerne mal damit.

Welche Vorteile ziehst du als Familienvater aus deiner Yogapraxis, um den Alltag besser zu meistern?
Yoga macht mich stark. Und Kraft ist etwas, von dem man als Vater nicht genug haben kann. Jeder, der ein Kind hat, weiß, wie anstrengend das ist: Schlafmangel, Kinderkrankheiten, Unsicherheit und Sorgen – das zehrt. Meine Yogapraxis gibt mir zum einen die Energie, mit all dem fertig zu werden, und zum anderen die innere Gelassenheit, auch morgens um vier noch den Moment zu genießen, nachdem man beim Windelwechseln gerade angepieselt wurde. Dazu kommt, dass es als Daddy unglaublich viele Emotionen gibt, mit denen man fertig werden muss. Beim Yoga habe ich Zeit mit mir selbst und kann ich mich immer wieder neu ordnen. Und dafür bin ich sehr dankbar.

In deinem Blog schreibst du über Männer in Leggins. Ist das ein Muss oder was zieht Mann auf der Matte eigentlich an?
Das Thema musste ja kommen, ein Klassiker im Blog. Ich trage manchmal gerne Leggings beim Üben und das hat Gründe. Eine „Schlabberhose“ saugt sich eher mit Schweiß voll und stört dann auch mal in körperlich anspruchsvollen Klassen. Ich kann aber verstehen, dass sich in Leggings nicht jeder Mann besonders männlich fühlt und ziehe selbst auch meistens noch eine Shorts drüber. So etwas wie einen Dresscode gibt es beim Yoga meiner Meinung nach aber nicht. Jeder sollte tragen, womit er sich wohlfühlt, das ist das Wichtigste.

Unter deiner Leserschaft sind sicher auch viele Frauen, die ihre Männer zum Yoga motivieren möchten. Welchen Rat kannst du ihnen oder auch verunsicherten Männern geben, die es gern mal ausprobieren möchten?
Wir Männer sind ja die selbst ernannten Alleskönner, also können wir auch Yoga praktizieren, oder? Man muss es einfach ausprobieren, was soll schon passieren? Es gibt keinen Druck und keinen Zwang, am besten sollte man mit einem Freund gehen, der einem vor Ort alles zeigen kann. Ich als Mann halte Yoga übrigens auch für das perfekte Date, wenn du eine Frau damit beeindrucken willst, dass du offen für Neues bist und auch mal über dich selbst lachen kannst. Finde einen Anfängerkurs, zieh dir was Gemütliches an und mach es einfach, Mann! Die wenigsten haben es bereut und viele sind – wie ich – voll angefixt und dabeigeblieben.

Handstand ohne Hände – Dies.Das.Asanas

Handstand ohne Hände
© Bella Schwarz, bellalieberberg.com

Diesmal präsentiert Jelena Lieberberg eine echte – und nicht ungefährliche – Herausforderung: den Handstand ohne Hände. Die lebendige Klimmzugstange ist nicht nur ungewöhnlich, sie stellt auch unsere Vorstellung des Möglichen komplett auf den Kopf!

Als Kind habe ich Klein-Erna-Witze abgöttisch geliebt. Besonders den, bei dem die kleine Hamburgerin Fahrrad fährt: „Guck mal, Mama, nur mit einer Hand am Lenker!“, „Guck, ganz ohne Hände!“ Dummerweise stellt sie sich zum Bedauern ihrer Mutter dabei so ungeschickt an, dass sie schließlich ruft: „Guck Mama, jetzt ohne Zähne!“

Mir ist es wichtig, Yoga in meine Klassen und Workshops ehrlich und ohne Beschönigungen zu unterrichten, die einem eine heile Welt vorgaukeln. Dennoch bin ich kein Pessimist. Eher Realist. Ich sehe meine Kolumne als investigativen Realitätscheck. Bei vielen Bildern im Internet kann man kaum glauben, was man da sieht. Wie viel Kraft und Übung dahinter stecken, erkennt man als Betrachter meist nicht. Man muss es ausprobieren. Ein Handstand ohne Hände ist im Raum nicht möglich, es sei denn man hat sich in einen anderen Bewusstseinszustand versetzt oder schwebt, wie beim AcroYoga, auf einer anderen Person. Es funktioniert allerdings, wenn man sich in einen Türrahmen spannt wie eine lebendige Klimmzugstange. Dafür ist sehr viel Power in Beinen, Rücken und Willen erforderlich. Und ja, gefährlich ist es auch.

MACHT DAS SPASS?

Und ob! Wer auf Nervenkitzel steht, kommt hier auf seine Kosten. Je enger der Durchgang, desto leichter, je schmaler der Türrahmen, desto schwieriger wird es.

MUSS ICH DAS KÖNNEN?

Nein. Die Nachahmung ist auch nicht unbedingt zu empfehlen! Zumindest solltest du anfangs nicht alleine üben, sondern immer mit einem Partner. Die Gefahr, auf den Kopf zu fallen, ist gegeben. Man denke an Klein-Erna!

WAS MUSS ICH DAFÜR TUN?

Vorerst reicht es völlig, einfach das Gefühl des Einklemmens kennenzulernen: Dafür setzt man sich mit dem Rücken zum Türrahmen und streckt die Beine zur anderen Seite aus. Wenn das gut geht, kann man das Ganze im Stehen probieren. Erst ein Bein ausstrecken und, je nach Beinlänge, fest gegen den Türrahmen pressen, bis man schwebt. Lege dir vielleicht noch ein Kissen zur Sicherheit unter.

Schritt für Schritt

© Bella Schwarz, bellalieberberg.com

1 Stell dich im Vierfüßlerstand in einen Türrahmen, dabei setzt du die Hände rechts und links vom Rahmen relativ dicht davor.

2 Hebe die Knie und lasse das Becken steigen, bis du wie beim Handstand den Rücken gegen den Rahmen lehnen kannst und das Becken über den Schultern steht.

3 Löse ein Bein vom Boden und setze den Fuß so hoch an den gegenüberliegenden Türrahmen, dass du dich über den Druck von Fuß und Rücken in den Rahmen einklemmen kannst. Wenn möglich, setze den anderen Fuß daneben.

4 Willkommen im Handstand! Falls du dich mutig genug fühlest und einen Helfer hast, der dich notfalls am Becken packen kann, hebe eine Hand.

5 Hebe – wenn möglich – die zweite Hand und lege die Hände aneinander.

6 Nur mit einem Bein zu schweben (siehe Bild) ist eine sehr fortgeschrittene Variante. Übe deshalb nur so weit, dass du dich dabei noch gut und sicher fühlst.

Komme genauso kontrolliert, wie du in die Haltung gegangen bist aus dem Handstand ohne Hände heraus.

Yoga am Ursprung

Kein nostalgisches „Zurück zur Natur“ oder nur ein weiterer Ashram im südindischen Hinterland: Bei seinem neuen Begegnungszentrum geht es dem renommierten Yogalehrer R. Sriram um die Vernetzung von Yoga, Kunst, Philosophie und Politik – dabei integriert er sogar die einheimische Elefantenherde. YOGA JOURNAL-Autor Volker Linder besuchte ihn in Tamil Nadu.

Im abgelegenen Tamil Nadu, hoch oben in den Bergen, wird man sanft geweckt von exotischem Vogelgezwitscher und der ganz eigenen Morgenröte Südindiens. Für R. Sriram, der seit Jahrzehnten als führender Vertreter der Yogatradition von Krishnamacharya und Desikachar in Deutschland gilt, sind die Momente der Ruhe und Zurückgezogenheit selbst in der totalen Abgeschiedenheit der Pallani Hills rar. Sein Handy klingelt, deutsche Schüler haben Fragen zu Projekten. Mehr oder weniger gleichzeitig gibt er in Tamil, seiner indischen Muttersprache, den einheimischen Maurern Anweisungen, damit die kleinen Gästehäuser auch den ökologischen Prämissen des Projekts entsprechen und sich organisch in die traumhafte Landschaft einfügen. Auf keinen Fall darf der Blick auf den Wasserfall an der gegenüberliegenden Bergkette verstellt werden. Auch die Achse von der Terrasse zu der Steinansammlung, die schon in grauer Vorzeit von den Ureinwohnern als Verehrungsstätte genutzt wurde, muss frei bleiben. Das ist besonders Srirams deutscher Frau, der Tänzerin und Künstlerin Anjali, wichtig.

Sriram, der Ausblick von der Veranda ins Tal ist einmalig. Was hat dich an diesen Ort verschlagen, worum geht es bei eurem Gemeinschaftsprojekt?
Wir bewegen uns hier an den Schnittstellen von Körper und Geist, Philosophie und Kunst, Europa und Indien, Yoga und Therapie. 2016 lebten und arbeiteten zum ersten Mal Stipendiaten der Universität Wien für ein paar Monate hier. Zwei unserer Partner, Arno Böhler und Susanne Valerie Granzer, sind für diesen Teil unseres Gemeinschaftsprojekts zuständig. Danach haben Anjali und ich ein acht tägiges Programm mit Musik, Wort, Tanz und Yoga durchgeführt. Im Laufe dieses Jahres kommen langjährige Yogalehrer zu Fortbildungen in Yogatherapie. Wir wünschen uns Offenheit und einen regen Austausch zwischen der akademischen Welt, der Kunstwelt, ökologischer Bewegung und Yoga.

Als Vertreter der Yogatradition Krishnamacharyas: Wie unterscheidet sich deine Yogalehre von anderen Systemen und ist dazu ein Seminarzentrum im indischen Dschungel nötig?
Was heute in der Yogaszene vor allem im Westen passiert, wird von den schicken, urbanen Yogastudios und klingenden Yogastilen amerikanischer Machart dominiert. Häufig ist es auch solide Arbeit, die dort gemacht wird. Auf der anderen Seite gehen der Yoga-Hype und die Vermarktung des Yoga als Lifestyle und Marke immer häufiger völlig konträr zu den überlieferten Inhalten und zentralen Themen der indischen Yogatradition.

Was ist schlecht daran, wenn sich Yoga im Westen der Kultur anpasst? War es nicht der Export durch Gurus wie B. K. S. Iyengar oder Sivananda nach Europa und Amerika, die maßgeblich zur postmodernen Renaissance des Yoga beigetragen haben?
Das ist richtig – und wir haben dem Austausch jede Menge zu verdanken. Aber die Entwicklung ist nach Jahrzehnten an einem Punkt angekommen, der nach einem Innehalten ruft. Worum geht es? Will ich als Yogalehrer möglichst viele Schüler um mich scharen, will ich Geld verdienen, Yoga mit anderen Techniken kombinieren, die vielleicht gerade in Mode sind und auf dem Markt ankommen? Oder will ich wirklich etwas über mich erfahren, die Kernaussagen des Yoga in mein Leben integrieren? Letzteres ist unser Ansatz.

Was heißt das, „die Kernaussage des Yoga in mein Leben integrieren“?
Das kann vieles bedeuten. Auf alle Fälle geht es nicht primär nur um Asanas und darum, dass ich mich selbst gut fühle. Das ist natürlich auch ein ganz wichtiger Bestandteil, aber wenn es dabei stehen bleibt, hat man von Yoga in einem umfassenderen Sinn nicht viel verstanden.

Wie könnte eine entsprechende Praxis aussehen?
Es ist auf jeden Fall nur ein Einstieg, wenn ich einmal die Woche in ein Yogastudio gehe, ein paar Mal den Sonnengruß mache und dann eine Auswahl an Asanas vielleicht auch noch schweißtreibend übe, die mehr oder weniger zu mir passen. Häufig passen sie eben weniger. Und das ist der große Unterschied: Gehe ich meine Yogapraxis mit einem starken Fokus auf das Individuum an oder versuche ich, eine vorgefertigte Choreografie so zu praktizieren, dass sie vielleicht dem Idealbild in meinem Kopf nahe kommt. In meiner Tradition steht das Individuum im Mittelpunkt – mit all seinen Bedürfnissen, Eigenheiten, dem Alter, der spezifischen Konstitution und den Lebensthemen, die gerade anstehen. Als Yogalehrer versuche ich immer, den Blick für die einzelne Schülerin oder den Schüler zu schärfen.

Aber sind wir da nicht schon im Feld der Yogatherapie angekommen?
Yoga ist in einem gewissen Sinn immer Therapie – wer kann schon von sich sagen, er hätte keine gesundheitlichen Themen, die ihn beschäftigen – sei es auf der körperlichen oder psychischen Ebene. Im Yoga trennen wir nicht zwischen körperlicher Medizin und psychischen Belangen. Wir versuchen immer, den ganzen Menschen im Blick zu haben. Das schließt sogar sein Umfeld ein, denn die erste Stufe des Yoga ist nach Patanjali im sozialen Miteinander angesiedelt. Ahimsa, die Gewaltlosigkeit, ist die erste Empfehlung im Yoga-Sutra.

Wie hängt dieses Verständnis von Yoga mit eurem neuen Projekt in der Nähe der südindischen Stadt Kodaikanal zusammen?
Es geht genau um dieses ganzheitliche Verständnis des Yoga, das im Kern immer Mikro- und Makrokosmos zugleich meint. Wenn ich das aus dem Blick lasse, hat das, was ich tue, nur marginal oder überhaupt nicht mit Yoga zu tun. Deshalb haben wir zusammen mit unseren Partnern unser Projekt „Base“ genannt: ein Yogazentrum als Basis für ästhetisches, geistreiches und umweltbewusstes Leben, sprich ein Zusammenschluss von Kunst, Philosophie und Ökologie. Wenn hier Elefanten in der Nähe sind – wie letzte Nacht –, dann ist das natürlich eine gefährliche Angelegenheit, aber wir kämen nie auf die Idee, sie deswegen hier weghaben zu wollen.

Aber kommt man nicht zwangsläufig in Konflikt mit der Natur, wenn man in der Nähe eines Nationalparks ein Seminarzentrum baut? Immerhin wurden gerade vier neue Häuser in die Landschaft gestellt. 
Es geht ja nicht darum, uns aus der Natur herauszuziehen, sondern einen Weg zu finden, beides miteinander neu zu leben. Dieses Land war völlig überwuchert von einer Art Efeu, die die natürliche Regenwaldvegetation zerstört und den Tieren Lebensraum nimmt. Wir haben Wochen gebraucht, das Terrain erstmal in einen Zustand zu bringen, der ein harmonisches Zusammenleben von Mensch und Natur ermöglicht. Dazu gehört auch, dass wir die einheimische Bevölkerung aktiv in den Gestaltungsprozess mit einbinden – als Bauarbeiter, Gärtner, Maler, Handwerker, Maurer und Servicekräfte. Jetzt sind hier fast alle Arbeiten abgeschlossen, und wir werden regelmäßig kostenlose Sommercamps für Kinder aus dieser Gegend, aber auch aus den großen indischen Städten wie Madurai oder Chennai, veranstalten. Zwei weitere Partner des Projekts sind ein deutscher Zahnarzt und eine indische Ayurveda-Ärztin. Beide werden kostenlos medizinische Hilfe hier in den Bergen anbieten. Nicht Isolation in einer schönen Landschaft ist unser Ziel, auch nicht, völlig autark zu leben.

Aber es geht doch darum, deinen Schülern ein Umfeld zu ermöglichen, in dem sie Yoga für sich noch einmal neu entdecken können?
Ich werde mit kleinen Gruppen europäischer und indischer Yogaschüler hier zusammen Zeit verbringen. Es wird aber kein straffes Programm geben, das die Tage füllt, sondern viel Freizeit und Freiraum, um eigene Erfahrungen in dieser einzigartigen Natur zu machen. Die Auseinandersetzung mit der für viele Europäer fremden Kultur hier, die Nähe zur Natur und das in vieler Hinsicht ursprüngliche Leben birgt sicher das Potenzial, den im Yoga zentralen Selbsterkenntnisprozess zu fördern. Die individuelle Betreuung bildet den Schwerpunkt meiner Programme.

Ist es im Alltag eines Yogalehrers normalerweise nicht unmöglich, derart genau hinzuschauen und jeden Schüler in seinem Prozess aus nächster Nähe zu begleiten?
Das ist ein Luxus, aber den müssen wir uns nehmen. Auch das Vertrauensverhältnis zwischen Yogaschüler und Yogalehrer ist ein zentraler Faktor für einen wirklich transformativen Prozess. Alles andere ist eine Verkürzung, die dem Yoga auf die Dauer nicht gut tut. Davon bin ich überzeugt, das hat mir mein Lehrer T. K. V. Desikachar mit auf den Weg gegeben. Es geht heute darum, diesen ernsten, tiefen Ansatz des Yoga wieder verstärkt in den Blick zu nehmen.

Nach all den Jahren deines unermüdlichen Einsatzes für Yoga vor allem in Deutschland nun dieses Projekt und dieses neue Fleckchen indische Erde als Wirkstätte – wieso eigentlich?
Wenn man sich sein Leben lang mit Yoga beschäftigt, wächst da natürlich etwas, und es nimmt neue Formen an. Wir wollen raus aus der Engstirnigkeit mancher Yogazentren, die durch ihre Art, Yoga zu vermitteln, teilweise Eskapismus befördern. So etwas läuft konträr zu der ursprünglichen Ausrichtung des Yoga auf das große Ganze. Als Yogalehrer interessiert man sich früher oder später verstärkt für die Welt und die Zeit, in der man lebt. Dazu muss man auch sein Reflexionsvermögen stärken und sich vor allem mit Blick auf die eigene Arbeit fragen, wie es sich auf die Gesellschaft auswirkt, in der ich Yoga vermittle.

Der Aufbau hier fordert eure ganz Kraft: die Bauarbeiten, internationale Bürokratie und die ständige Abstimmung und Auseinandersetzung mit allen Beteiligten. Was treibt dich an?
Als ich das erste Mal mit Anjali hier stand und ins Tal blickte, war es eigentlich schon klar, dass dies der richtige Ort ist, um unseren Traum zwischen Natur und Kultur, Yoga und Kunst sowie Philosophie zu verwirklichen. Es ist eine große Herausforderung, aber wir bekommen schon jetzt viel zurück von den Menschen, die an der Aufbauphase mitwirken. Parinama, der Wandel (ein Konzept aus dem Yoga-Sutra), lässt sich hier mitten im Leben beobachten und gestalten.

Zitronengras-Kokos-Suppe

Zutaten Für 6 Personen:

400 g Süßkartoffeln + 2 Zwiebeln, fein gehackt + 2 Esslöffel pflanzliches Öl (kein Olivenöl) + 1 Stück Ingwer, in Scheiben geschnitten + 1 Stück Galgant, in Scheiben geschnitten + 5 Knoblauchzehen + 2 Zitronengrasstangen + 1 Liter ungesüßte Kokosmilch + 1 Prise Salz + 1 Prise Pfeffer +1 Prise Muskatnuss + 1 Prise Chili

Zubereitung

  1. Würfeln Sie die Süßkartoffeln und weichen Sie sie ca. 1 Stunde in Wasser ein. Hacken Sie drei der fünf Knoblauchzehen klein und schwitzen Sie sie gemeinsam mit Zwiebeln, ­Ingwer und Galgant in einem Suppentopf kurz an.
  2. Gießen Sie die Kokosmilch an und geben Sie die eingeweichten Süßkartoffelwürfel dazu. Klopfen Sie das Zitronengras mit einem schweren Messerrücken auf und binden Sie die Stangen zusammen, bevor Sie sie in die Suppe geben (das erleichtert das Herausfischen).
  3. Kochen Sie die Flüssigkeit kurz auf, dann reduzieren Sie die Temperatur auf ein schwaches Köcheln. Sobald die Süßkartoffeln gar sind, schmecken Sie die Suppe mit Salz, Pfeffer, Muskatnuss und Chili ab und entfernen Zitronengras, Ingwer und Galgant. Vor dem ­Servieren pürieren Sie sie mit einem Stabmixer.

Tipp

Schneiden Sie die restlichen beiden Knoblauchzehen in feine Scheiben, bestreuen Sie sie mit etwas Chilipulver und rösten Sie sie kurz in der Pfanne an. Ergibt ein super Topping für die Suppe.


Foto: Stefanie Kissner

Lars Schöler

Lars Schöler ist Physiotherapeut, Yogalehrer(BYV)und Tantriker. Er orientiert sich an dem Konzept der Ganzheitlichen-Integrativen-Gesundheit und der adaptiven Lymphmassage.

 


Lars Schöler auf der Yoga World Düsseldorf 2017:
Samstag, 14. Oktober 2017 // 13:30 – 14:15 Uhr // Yoga, ein ganzheitlicher Weg // Yamuna Vortragsraum
Sonntag, 15. Oktober 2017 // 13.:30 – 14:15 Uhr // Das Wunder Mensch – Körper, Geist und das Torusfeld // Yamuna Vortragsraum


Violeta Labella

Yoni Ei – Wirkung & Geheimnisse

Yoni Eggs erobern die westliche Welt im Sturm. Was hat es mit den kleinen Zauberern aus Asien auf sich? Erfahren Sie wie sie Frau dienen, welche Wirkung sie auf ihre Gesundheit haben und wie sich Ihre Lebensqualität mit einem Yoni Ei verändert. Die Pionierin der deutschen Yoni Ei Bewegung Violeta Sredojevic, Gründerin von Yoni Egg Rocks, gibt Einblicke in die wahren Geheimnisse über das Yoni Ei.

Die weibliche Essenz

Weibliche Essenz richtet sich auf die Stärkung und Verbindung zum weiblichen Aspekt unseres Lebens aus. Durch die Abfolge von Bewegungen und Entspannung mit entsprechenden Atemübungen verfeinern das Gleichgewicht von Stärke und Sanftheit. Erkenne wie du besser in dich hinein spüren kannst und mehr Bewusstsein für deine allgemeine Gesundheit und dein weibliches Wohlbefinden im Besonderen entwickelst. Hierdurch entstehen Fülle und Kraft.

Jeder Aspekt der weiblichen Gesundheit ist die Basis für ihre allgemeine Gesundheit, Selbstliebe und die eigene Vitalität. Darauf basiert Partnerschaft, Familie und Beruf. Jede Frau soll das Maximum an Leidenschaft und Lebensfreude leben.

Mehr über Yoni Egg erfahren Sie hier:
www.yoniegg.rocks.de
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Violetta Labella auf der YogaWorld 2019 in München:

Sonntag, 20. Januar  // 16:45 – 17:30 Uhr // Yoni Ei – Wirkung & Geheimnisse // Yamuna Vortragsraum


 

 

Montags-Mantra: Begegnungen

Manchmal treten Menschen auf ungewöhnliche Art und Weise in unser Leben. Obwohl wir sie kaum kennen, schenken wir ihnen unser Vertrauen und geben mehr von uns preis als vor langjährigen Freunden oder Personen, denen wir täglich begegnen. Bei Gesprächen verlieren Zeit und Raum an Bedeutung. Es besteht eine Verbindung, die wir weder anderen noch uns selbst erklären können. Wir müssen uns nicht verstellen, haben ähnliche Vorstellungen vom Leben und verstehen einander ohne große Worte. Dabei kommt es nicht darauf an, wie viel Zeit wir mit diesen Personen verbringen oder ob sie in unserem Leben bleiben – manchmal teilen wir nur einen kleinen Moment mit ihnen.

Die Wege kreuzen sich und irgendwann geht jeder in unterschiedliche Richtungen weiter. Doch es sind genau diese Begegnungen, die am meisten bewirken: uns zum Nachdenken anregen, uns zum Lächeln bringen oder uns die Augen öffnen. Diese Menschen treten in unser Leben, um einen bestimmten Zweck zu erfüllen: Manche inspirieren uns, manche stärken uns und manche erteilen uns eine Lehre – jedenfalls bereichern sie unser Leben in einer Weise, die Spuren hinterlässt.

Manchmal gibt es zwischen zwei Menschen eine Verbindung, die lässt sich einfach nicht erklären. Mit keinem Wort. Nur mit einem Lächeln.