Doris Kunz

Doris Kunz ist Kundalini Yoga Lehrerin und Sat Nam Rasayan Heilerin. Sie bietet Workshops, Retreats und Kurse im In- und Ausland an.

Kundalini Yoga -Yoga des Heilen
Be still and heal – Lerne in der Stille zu lauschen – werde still, greife nicht mehr ein. Sat Nam Rasayan ist eine Heil- und Meditationsstechnik, die dir hilft deine Toleranz zu erhöhen und hilft Tendenzen und Begrenzungen zu erkennen und zu lösen. Dann kann Heilung geschehen.

Sat Nam Rasayan
Stille ist die kraftvollste Sprache – Stille ist die Sprache des Heilers
Mit Akzeptanz zu einem neuen Verständnis von Gesundheit und Transformation. Ein neues Gesundheitsbewußtsein setzt sich immer mehr durch. Immer –stark-und-perfekt-sein  müssen, dass wollen wir nicht mehr. Der Blick richtet sich nach Innen, der Sehnsucht nach innerer Heilung.
Wir sind mehr und mehr bereit selbst Verantwortung für unsere Gesundheit zu übernehmen. Aber was ist es was uns heilt und was bedeutet Heilung?

Was bedeutet Heilung? Wie wirken Meditation und Kundalini Yoga auf den Heilungsprozess.

Mehr zu Doris Kunz auf ihrer website www.yoga-des-heilens.de

 


Doris Kunz auf der Yoga World Düsseldorf 2017:
Samstag, 14. Oktober 2017 // 16:15-17:00 Uhr // Kundalini Yoga -Yoga des Heilen // Ganesha Yogaspace
Samstag, 14. Oktober 2017 // 17:30-18:15 Uhr // Sat Nam Rasayan – Stille ist die kraftvollste Sprache – Stille ist die Sprache des Heilers // Yamuna Vortragsraum


 

Montags-Mantra: Wo die Angst ist, ist der Weg

Die Angst: Als treue Begleiterin unseres Lebens taucht sie auf, um uns vor Gefahren zu schützen und bewahrt uns davor, Entscheidungen mit verheerenden Folgen zu treffen. Sie kann uns das Leben retten, doch auch Lebensqualität rauben. Lassen wir uns zu häufig von ihr einschränken, übernimmt sie die Kontrolle. Die Angst verletzt zu werden, zu scheitern oder sich auf Veränderungen einzulassen, hindert viele daran, Herausforderungen anzunehmen oder Risiken einzugehen. Wir meiden Unbekanntes und verharren lieber in der Komfortzone. Dabei verpassen wir schöne Momente, opfern einmalige Chancen und versäumen bereichernde Erlebnisse. Die Angst hat viele Gesichter und einigen davon sollten wir öfter die Stirn bieten! Denn allzu oft führt der einzige Weg zum Glück durch die Angst.

Wo die Angst ist, ist der Weg

CD-Tipp: Wave & Breath

Der Atem spielt im Yoga, aber vor allem in Stilen wie Ashtanga und Vinyasa, eine wichtige Rolle. Der angestrebte Einklang von Bewegung und Atemfluss hat zum Ziel, bei sich selbst anzukommen und eine Balance zwischen Körper, Geist und Seele herzustellen.

Übt man allerdings daheim in den eigenen vier Wänden, ohne einen Lehrer, der einen zur richtigen Zeit an dieses wichtige Zusammenspiel von Atem und Bewegung erinnert, kann es schon mal passieren, dass sich der Fokus davon wegbewegt. Viel zu leicht wird man manchmal vom Alltagsstress abgelenkt …

Eine hilfreiche Unterstützung kommt jetzt in Form einer CD daher. Der Sportmediziner, Wissenschaftler und Yogalehrer Dr. Ronald Steiner hat sich für das Album „Wave & Breath“ die Singer-Songwriterin und Yogalehrerin Bianca Harrison sowie Roald Raschner, den renommierten Produzenten und Filmkomponisten, ins Boot geholt. Und das Ergebnis kann sich „hören“ lassen!

Die einzelnen Tracks bestehen aus einer Kombination aus gleichmäßig rauschender Ujjayi Atmung und sanften, sphärischen Klängen. Diese Mischung vertieft und harmonisiert den Atem des Zuhörers auf ganz natürliche Art und Weise. Wie von selbst passt sich der eigene Atem an und auch die Bewegungen bleiben ganz selbstverständlich im Fluss.

Hier finden Sie Hörproben der einzelnen Tracks:

Fazit // In Zukunft werden wir uns gerne öfter von „Wave & Breath“ durch unsere persönliche Yogapraxis tragen lassen.


„Wave & Breath“ von Dr. Ronald Steiner ist bei Aerial Tones erschienen und ist sowohl als CD als auch als Download verfügbar.

Amma und die wahre Liebe – Ein Interview

Während morgens schon Hunderte Anhänger in der Münchner Halle Zenith auf eine Umarmung von Amma warten, spielt sich eine bayerische Volksmusikgruppe ein. Amma liebt die Kultur der Orte, die sie besucht, sagen ihre Helfer, sie erfreut sich an den Unterschieden der Menschen in aller Welt. Dabei ist die Botschaft des reisenden indischen Gurus eigentlich: Alle sind eins, alle sind Kinder der Liebe. YJ-Autor Michael Zirnstein hatte die Gelegenheit zu einem der seltenen Interviews.

Warum lassen sich Menschen von Ihnen umarmen?

Menschen umarmen sich überall. Aber das hier hat noch eine andere Dimension. Jede Emotion, jede Situation, jeder Ort hat eine bestimmte Schwingung. Ärger hat eine andere Vibration als Lust oder Hass. Die Zuneigung eines Kindes für die Mutter schwingt anders als die Liebe der Mutter für ihr Kind. Wenn Menschen zu mir kommen, fühlen sie die reine Schwingung der Liebe, eine erhebende Schwingung. Das begründet eine perfekte Kommunikation mit ihnen. Es ist ein wirkliches Treffen der Liebe. In der Außenwelt treffen sich nur die Körper.

Mit welchem Verständnis von Liebe begegnen Sie den Menschen?

Mit der Liebe ist es wie bei einer Blume: Ein Wissenschaftler sieht die wissenschaftlichen Aspekte der Blume, ein Poet schreibt ein schönes Gedicht über sie, für einen Gläubigen ist sie eine Opfergabe an Gott, für einen Liebhaber ein Geschenk an die Liebste, für ein Insekt ist sie Nahrung. Jeder kommt mit anderen Absichten und Einstellungen zu mir. Aber weil die meisten meiner Besucher ein grundlegendes Verständnis von Spiritualität haben, hilft ihnen die Umarmung, ihre Seele zu reinigen. Die Liebe hat verschiedene Qualitäten – von ganz eigennützig bis zu selbstlos. Wie bei einer Leiter muss man die Sprossen zur selbstlosen Liebe erklimmen. Zur Zeit stehen wir auf der untersten Sprosse der Leiter. Aber wir sollten auch diese Stufe wertschätzen, denn von ihr aus können wir eine höhere Ebene erreichen.

Anders als viele andere spirituelle Vorbilder stellen Sie die Weiblichkeit in das Zentrum Ihrer Lehre.

Der Darshan ist auch ein Weg, die Mütterlichkeit in den Menschen zu wecken, ihre fürsorglichen Qualitäten. Außerdem gibt es eine kindliche Unschuld in jedem. In der heutigen Welt schlafen sowohl die Mutter als auch das Kind, denn die Menschen sind mehr in ihrem Kopf als im Herzen. Aber das Kind schreit ständig nach Liebe, wir sollten das hören. Das kindliche Verlangen ist tief in uns verwurzelt, in jedem Wesen, sogar bei Tieren können wir es beobachten. Ich habe seit 12 Jahren zwei Hunde, ehemalige Straßenhunde. Die beiden sind mir sehr nahe. Sie kommen beide zur Meditation. Pathi, das Weibchen, schlüpft immer unter meinen Sessel und Thumba, der Rüde, sitzt an meiner Seite. Wenn ich aufhöre, ihn zu streicheln, tastet er mit seiner Pfote nach meinem Arm. Jedes Lebewesen hat diese Sehnsucht nach Liebe.

Viele Menschen, die von Ihnen umarmt werden, weinen, fühlen sich versorgt, verstanden und geliebt. Das klingt so einfach. Aber wie geht es weiter, wenn Sie die Stadt wieder verlassen haben?

Irgendwie sind die Menschen in der Lage, das Feuer der Bewusstheit am Brennen zu halten. Sie fühlen den Funken dieses wertvollen Schatzes in sich. Wenn sie den haben, wollen sie ihn auch erhalten, sie wollen sich daran festhalten. Sie nähren die Flamme durch ihre spirituelle Praxis. Zuvor haben sie draußen nach dem Juwel gesucht. Aber nun spüren sie, dass sie diesen Edelstein in sich selbst verloren haben. Auf einmal haben sie begriffen, wo sie ihn suchen müssen. Dadurch wechseln sie die Perspektive auf ihre Innenwelt. Sogar wenn sie niedere Emotionen plagen wie Ärger oder Eifersucht, erkennen sie: Das bin nicht ich, das wahre Ich ist jenseits dieser Emotionen. Sie erkennen, dass sie keine Kerze sind, die entzündet werden muss. In Wahrheit sind sie selbst eine leuchtende Sonne. Aber noch brauchen sie eben einen Funken, der sie entflammt. Deswegen kommen die Leute nicht nur wegen einer Umarmung zu mir, die ist nur ein Teil davon. Es gibt ein höheres Ziel: die spirituelle Erweckung. Die Leute gehen auch zum Psychologen, um sich beraten zu lassen. Aber dort lassen sie ihren Verstand heilen. Zu mir kommen sie, um ihr Herz zu heilen.

Warum empfehlen Sie den Menschen, zu meditieren?

Das Prinzip der Meditation ist, Energie zu bewahren. Wenn ein normales menschliches Wesen wie ein Strommast ist, kann der Meditierende zu einem Transformator werden. Er kann immense Energie erzeugen. Von einer 1-Watt-Glühbirne kann er zu einer 1000-Watt-Glühbirne werden. Wenn du meditierst, wirst du zu einer Batterie, die ewig mit der Energiequelle verbunden ist. Sie ist niemals leer.

Welche Rolle spielt die Religion dabei? Muss man als Europäer Hindu oder Buddhist werden, um seinen Frieden zu finden?

Wegen mir muss niemand die Religion ändern. Es ist wichtig, dass jeder tief in seinem eigenen Glauben verwurzelt bleibt und bei seinen religiösen Übungen und Ritualen, um spirituell zu wachsen. Es genügt, wenn du weißt, wer du bist. Es ist wie bei einer Banane: Die Religion ist die Schale, der Glaube ist die Frucht. Die Schale schützt die Frucht. Aber iss nicht die Schale. Iss die Frucht.

Als Sie Papst Franziskus vor knapp zwei Jahren getroffen haben, haben Sie ihn auch umarmt?

Wir haben uns an den Händen gehalten. Aber, nein, ich habe ihn nicht wirklich umarmt.

Haben Sie auch bei ihm Liebe und Spiritualität gespürt?

Er ist eine spirituelle Person. Unser Treffen war aber weniger eine spirituelle Sitzung als vielmehr eine Plattform des Austausches: Wie kann man die moderne Sklaverei stoppen und wie können die Weltreligionen dabei helfen? Der Vorsitzende der päpstlichen Akademie der Wissenschaften, Marcelo Sánchez Sorondo, hatte mich eingeladen. Er war in meinem Ashram in Indien und bei mir in Los Angeles, ich hatte lange Gespräche mit ihm. Er ist eine Person mit einer weiten Vision, der Papst natürlich auch. Der Papst hat eine gute Perspektive für die Welt, und er möchte wirklichen Wandel. Forscher von unserer eigenen Universität wurden an die päpstlichen Universitäten eingeladen, ihre Ideen und Programme auszutauschen. Neulich gab es einen Workshop zu unserem Programm „Living Labs“. Wir haben Forscher und Studenten unserer Universitäten in 101 Dörfer in ganz Indien geschickt. Sie leben dort einige Zeit mit den Einwohnern zusammen, um deren Bräuche und Gewohnheiten kennen zu lernen und heraus zu finden, was sie wirklich benötigen. So haben wir zum Beispiel ein drahtloses Alarmsystem zur Vorhersage von Erdrutschen nach schweren Regenfällen entwickelt, die zu den schlimmsten Katastrophen in Indien gehören. Mittlerweile haben wir das System in Kerala und im Himalaja installiert. Die päpstliche Universität will nun auch ihre eigenen Studenten zu den Living Labs schicken.

Für viele Menschen sind Wissenschaft und Spiritualität zwei gegensätzliche Welten, ja, die Wissenschaft sei gerade dazu da, die Spiritualität als Hirngespinst zu entlarven.

Tatsächlich sind materielle Wissenschaft und spirituelle Wissenschaft untrennbar. Der Körper braucht Nahrung, und der Verstand braucht auch Nahrung aus guten Werten. Nur die Mischung von beidem kann wirklich einen Wandel herbeiführen. Schon im alten Indien waren Spiritualität und Wissenschaft nie getrennt, es waren immer zwei Flügel eines Vogels. Einer beschäftigt sich mit der äußeren Existenz in der Welt, der andere mit der internen. Vor Tausenden von Jahren schon waren die Jünger der Gurus die Studenten ihrer Zeit. Sie studierten 12 Jahre alle Aspekte des Lebens, eingeschlossen Technik und spirituelle Wissenschaft. Die erste Universität der Welt war Nalanda in Takshila, wo schon 700 vor Christus 10 000 Studenten aus aller Welt lernten. In den alten indischen Schriften wurde bereits über Kaiserschnitte und Algebra sowie die Zahl Pi geschrieben.

Wie kann dieses Wissen auf die aktuellen Themen unserer Zeit angewandt werden?

Die Bevölkerung wächst Tag für Tag, wir müssen uns auch mit der praktischen Lösung von Problemen beschäftigen; wir brauchen Technik also auch. Ich sehe aber folgendes Problem: Wenn wir nur die reine materielle Wissenschaft verfolgen, schränkt uns das ein und wir werden zu Maschinen. Warum gibt es trotz der rasenden Entwicklung der Wissenschaft so viele psychisch kranke Menschen auf der Welt, warum gibt es immer mehr Selbstmorde, warum sind immer mehr Menschen depressiv? Es gibt so viel Krieg, Terrorismus, Konflikte. Wahres Wissen sollte dazu führen, dass die Menschen glücklich sind. Das passiert gerade nicht. Die Menschen leiden auf der ganzen Welt, sie sind von Flammen umzingelt und wissen nicht, in welche Richtung sie rennen sollen und wie sie ihr Leben retten können. Wir brauchen Zeit, müssen uns bemühen und auf die göttliche Gnade vertrauen, um unsere Vervollständigung zu erreichen. Wissen heißt auch, alles zu umarmen, alles alseins zu sehen, das ist eine kulturelle Notwendigkeit. Einheit ist nicht nur außen, sie sollte zuerst innen passieren. Neues Leben entsteht innen, von außen wird es zerstört.

Sie umarmen Menschen auf der ganzen Welt. Haben Sie keine Angst, sich eine Grippe oder etwas ähnliches einzufangen, wenn Sie so viele Menschen an sich heranlassen?

Ich habe keine Angst, auch nicht vor ansteckenden Krankheiten und Epidemien. Vor nichts, was meinem Körper schaden könnte. Ich habe Leprakranke umarmt. Als vor einigen Jahren die Schweinegrippe in Japan hunderte Menschen tötete, riet mir jeder, ich solle da nicht hingehen. Aber ich habe mein Programm durchgezogen. Die Menschen hatten Schutzmasken auf, ich nicht. Der Körper wird ohnehin eines Tages vergehen. Ich arbeite lieber hart, als zu rosten, ohne etwas für die Gesellschaft zu tun.


Eine moderne indische Heilige
Schon als sie noch Sudhamani Idamannel hieß und im Ort Parayakadavu in Kerala lebte, sorgte sich Amma um Menschen, denen es schlecht ging. Sie nahm die Leidenden mütterlich in den Arm – ein Tabubruch in ihrer Gesellschaft. Doch das „verrückte Mädchen aus dem Fischerdorf“ umarmte weiter, immer mehr Menschen kamen, sich berühren zu lassen, am Körper, aber vor allem an der Seele. Nach verschiedenen spirituellen Erweckungserfahrungen heißt sie Mata Amritanandamayi, ihre Anhänger nennen sie Amma oder Ammachi: Mutter. Heute, mit 63 Jahren, empfängt Amma tausende Gäste in ihrem Ashram Amritapu, sie betreibt in ihrem Hilfswerk Schulen, Kliniken und Universitäten, säubert mit Freiwilligen die Straßen Indiens und drückt seit der nunmehr 30 Jahre andauernden „Embracing The World Tour“ weiterhin Menschen an die Brust. In München waren nach drei Tagen und einer langen Nacht erst in den Morgenstunden alle geherzt – das Bedürfnis nach Liebe ist weltweit gleich groß.

Jedes Lebewesen hat die Sehnsucht, wahre Liebe zu erleben.

Yoga und Coaching: eine erfolgreiche Kombination

Yoga und Coaching

Yoga und Coaching: Das scheint eine erfolgreiche Kombination zu sein. Unsere Autorin Melanie Oetting hat in einem Workshop gelernt, was man aus yogischer Sicht tun kann, um glücklich und zufrieden zu leben. Ein Erfahrungsbericht.

Knapp zwanzig Frauen sitzen mit Notizbüchern auf ihren Matten im Züricher Studio AirYoga und sind darin vertieft, ihre persönlichen Erkenntnisse und Impulse festzuhalten. Heute geht es um Gedanken und Gefühle. Es ist der zweite Part der dreiteiligen Workshopreihe „Yoga und das Glück im Leben“ von Yogalehrerin und Coach Marie Licht. Die 28-jährige Lana nimmt teil, weil ihr Yoga in einer Lebenskrise dabei geholfen hat, sich wieder besser zu fühlen. Viele kennen dieses Gefühl nach einer guten Yogastunde. Man ist sich selbst ganz nah, gelöst, ruhig, geerdet und mit klarem Geist. Wäre es nicht atemberaubend schön, dieses Gefühl lebendig halten zu können? Auch fern von Studio und Matte? Mitten im Alltag? Wie ergänzen sich Yoga und Coaching?

In einer der wichtigsten Überlieferungen der Yogatradition, dem Yogasutra, macht ein Vers auf diese Chance aufmerksam: „Samskara sakshat karanat purvajati jnana“ (3.18). Kate Holcombe, Gründerin der Healing Yoga Foundation, interpretiert Patanjalis Worte. „Durch das Beobachten unseres Verhaltens und unserer Muster gewinnen wir Verständnis für unsere Vergangenheit und Wissen darüber, wie wir Verhaltensmuster ändern können, die uns daran hindern, frei und in Fülle zu leben.“ Für Marie Licht ist dieses Erkennen der eigenen Muster und Denkweisen ein zentraler Punkt auf dem Weg zu mehr Glück. In ihren Workshops lässt sie ihr Wissen aus Coaching und Positiver Psychologie mit Yoga zusammenfließen. Sie betont: „Auf vieles, was uns im Leben passiert, haben wir keinen Einfluss. Wohl aber darauf, wie wir darüber denken und fühlen.“

Zwischen Reiz und Reaktion liegt Freiheit

Diese Freiheit, diese Selbstbestimmtheit in der Reaktion auf das, was einem im Leben begegnet, möchte Marie Licht vermitteln: „Stellt euch vor, ich unterrichte Yoga und eine Schülerin gähnt. Ich kann jetzt denken, sie sei gelangweilt und mag meinen Unterricht nicht. Dieser Gedanke löst bei mir eine Kette negativer Gefühle aus“, erzählt sie. „Oder aber ich denke, sie sei überarbeitet oder hat ein Baby zu Hause und deshalb wenig geschlafen. Dann freue ich mich einfach darüber, dass sie jetzt da ist und ich ihr etwas Gutes tun kann.“ Zwei Wege – der eine macht etwas unglücklicher, der andere etwas glücklicher. Welchen Weg wir einschlagen, steht uns theoretisch frei. Wahr ist aber auch: Es ist gar nicht so einfach, jene Denk- und Verhaltensmuster aufzuspüren, die das eigene Glück sabotieren. Aber Yoga und Coaching hilft uns.

Die Yogaphilosophie spricht von „Samskaras“, von tiefen, emotionalen Eindrücken, die das Leben und die darin gemachten Erfahrungen hinterlassen. Sie verankern sich im Unbewussten und wirken direkt auf das weitere Denken und Handeln ein. Darauf, wie man über sich selbst denkt. Über die Welt. Was man sich zutraut und was nicht. Was man sich erlaubt. Und was nicht. Die Folge: Ohne dass man sich dessen bewusst ist, spult sich das Denken und Verhalten häufig ganz automatisch ab. Das zeigt sich etwa in einer Scheu, nein zu sagen, in der Tendenz, Dinge zu beginnen und nicht zu Ende zu bringen oder darin, sich selbst als weniger wertvoll zu erleben als andere. Beim Aufspüren eines solchen Eindrucks, der auch noch Jahre nach dem eigentlichen Ereignis im Unbewussten feststeckt und wirkt, setzt auch das Coaching an. Denn Bewusstsein ist der erste Schritt dahin, konditioniertes Verhalten abzulegen und durch solches zu ersetzen, das gut tut.

Achtsamkeit ist unsere Haut. Im Yoga und Coaching.

Verschiedene Techniken helfen, zu einem solchen Bewusstsein zu finden. Im Workshop haben die Teilnehmer zum Beispiel Raum und Zeit, sich wichtigen Lebensfragen zuzuwenden, für die der Alltag oft keinen Platz lässt. Was sind meine Stärken? Wie richte ich mein Leben nach meinen Wünschen aus? Wie schaffe ich mir mehr Freiraum für mich selbst? Und was ist wirklich wichtig in meinem Leben? „Wenn Glück unser Ziel ist, dann kann Achtsamkeit als Weg dort hin gesehen werden“, so Marie Licht. Damit ist eine innere Haltung von größtmöglicher Bewusstheit und Aufmerksamkeit gemeint, die versucht, das automatische Werten jeder Situation zu durchbrechen. Marie Licht erklärt: „Zufriedenheit ist nur zu einem geringen Prozentsatz von äußeren Umständen abhängig und viel mehr von der inneren Haltung.“

Die Teilnehmer lernen einfache Achtsamkeitsübungen für den Alltag kennen. Zum Beispiel den positiven Tagesrückblick: Dabei werden am Abend drei Dinge aufgeschrieben, die am Tag schön waren. Außerdem notiert man, was man selbst dazu beigetragen hat. Diese Technik lenkt die Wahrnehmung auf das Positive. So schläft man nicht nur besser – man erinnert sich auch an das, was einem wichtig und wertvoll ist und kann sein Leben wie einen Kompass danach ausrichten. Lana hat sich den positiven Tagesrückblick schon nach dem ersten Workshop-Teil zur festen Gewohnheit gemacht. Dadurch hat sich einiges für sie verändert: „Ich habe erkannt, dass für mich weniger mehr ist. Und dass ich bisher gar nicht genug genossen habe. Mein Fokus liegt jetzt auf Genuss. Ich esse zum Beispiel langsamer und schmecke jeden Bissen ganz deutlich. Dadurch ist mein Leben ruhiger und auch zufriedener geworden.“

Where attention goes, energy flows

Die Achtsamkeitspraxis soll zu einem bewussteren und zugleich liebevolleren Blick auf sich selbst ermuntern. „Ganz selbstverständlich schauen wir den Wetterbericht und kleiden uns entsprechend“, so Marie Licht. „Genauso können wir morgens mit einer kurzen Meditation unseren inneren Wetterbericht anschauen und den Tag so gut es geht nach ihm gestalten.“ Ohne dieses Bewusstsein für die eigenen Befindlichkeiten, Bedürfnisse und Prägungen fischt man oft im Trüben.

Man bekommt nicht, was man eigentlich bräuchte. Im dümmsten Fall bekommt man sogar das Gegenteil: „Ohne Achtsamkeit nehmen wir Dinge in uns auf, die wir eigentlich gar nicht haben wollen und die uns schaden“, so Thich Nhat Hanh. Er vergleicht Achtsamkeit mit der menschlichen Haut, der natürlichen Barriere zwischen innen und außen. Während aber bei der Haut festgelegt ist, für welche Stoffe sie in welcher Richtung durchlässig ist, können wir bei einer achtsamen Lebensführung selbst bestimmen, was wir aufnehmen – und was eben nicht. Eine weitere klassische Übung aus der Achtsamkeitspraxis ist die Arbeit mit dem inneren Beobachter. Wie vom Gipfel eines Berges herab betrachten die Teilnehmer des Workshops ihre eigene Welt einmal von oben. Sie üben, Gedanken als Gedanken zu sehen und Gefühle als Gefühle. Jedoch ohne sich mit ihnen zu identifizieren. Denn nicht WAS wir denken ist das Problem, sondern wie wir unsere Gedanken bewerten.

Wie Träume durch Yoga und Coaching wahr werden

Heute weiß man aus verschiedenen Forschungen: Je detaillierter und konkreter man sich seinen Traum ausmalt, desto größer ist die Chance, dass er in irgendeiner Form wahr wird. Der Grund: Sobald ein Ziel feststeht, richtet man sein Handeln und seine Entscheidungen auch auf unbewusster Ebene danach aus. Die Technik „My Best Possible Self“ spielt daher im Leben von Marie Licht eine Schlüsselrolle: „Als ich vor fünf Jahren meinen Job in München kündigte und nach Zürich zog, war völlig unklar, was ich machen würde. Nur eins stand fest: Ich wollte weg von meinem getakteten 9-bis-18-Uhr-Job, wo ich in einem Büro saß und wenig mit Menschen zu tun hatte.“

In einem Buch stieß sie damals auf eine Übung. Dabei schreibt man möglichst intuitiv nieder, wie die eigene Zukunft aussehen wird, falls alles bestens gelaufen ist. Ohne Rücksicht auf die Realität oder auf mögliche Hürden. Das Leben so, wie man es sich erträumt. „Ich setzte mich auf meinen Balkon und träumte vor mich hin. Mein optimaler Alltag? Ein schönes Büro mit einem Baum vor dem Fenster. Viele nette Menschen. Ich arbeite mit Bewegung, bin kreativ und kann meinen Tag flexibel gestalten…

Im letzten Frühjahr fiel mir das Buch wieder in die Hände und heraus rutschte der Zettel mit meinem Traum. Da bekam ich eine Gänsehaut. Denn da stand genau beschrieben, wie mein Leben heute ist“, erzählt Marie Licht. So märchenhaft läuft es sicher nicht immer. Vieles, was man in modernen Ratgeberbüchern nach der Methode „Heute gewünscht, morgen geliefert“ liest, erscheint klischeehaft. Dennoch sollte man die Kraft der wahren Wünsche nicht unterschätzen.

Die Matte als Ort der Selbstbegegnung

Im Workshop wird die Yogamatte zu einer Art Spielwiese fürs Leben: Während der Asanapraxis dürfen die Teilnehmer die neuen Erkenntnisse einsinken lassen und sich ausprobieren. Sie üben, ihre Bedürfnisse und ihre Grenzen besser wahrzunehmen und zu respektieren, versuchen einen nachsichtigen Umgang mit sich selbst und probieren, eingefahrene Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen. Am Ende der drei Nachmittage sind sich die Teilnehmer einig: Was unser Glück angeht, so haben wir viel mehr selbst in der Hand, als wir denken.

Was nun folgt, ist gar nicht so einfach: Im Alltag dranbleiben. Wie das geht? „Indem man die Übungen, die einem gut tun und gefallen, ritualisiert“, rät Marie Licht. „So werden sie zur Gewohnheit. Ich hinterfrage ja auch nicht, ob ich mir morgens die Zähne putze.“ Sie vergleicht ihre Arbeit mit dem Einsetzen eines Samens. Dieser Samen ist für jeden einzelnen Teilnehmer nun in der Erde. Dann kommt das Leben und weht mit all seinen Winden und Wettern darüber. Vielleicht wird der zarte Spross hin und wieder vernachlässigt. Aber er ist gesät.

Lebe begeistert!

Moment mal, halten Sie bitte für einen Augenblick inne in Ihrem geschäftigen Treiben oder Ihrem Alltagstrott. Welche Bedeutung hat der Zustand „Begeisterung“ für Sie? Wovon sind Sie begeistert und wodurch lassen Sie sich begeistern?

„Glaube mir, dass eine Stunde der Begeisterung mehr gibt als ein Jahr gleichmäßig und eINFÖRMIG Dahinziehenden Lebens.“

– Christian Morgenstern

Christian Morgenstern hat leicht reden, aber was steckt eigentlich genau hinter diesem Lebenselixier „Begeisterung“? Meist ist es ja so, dass wir uns von äußeren Einflüssen begeistern lassen. Zum Beispiel durch interessante Menschen, durch beeindruckende Naturphänomene, ein tolles Konzert oder den Sieg des Lieblingsvereins in letzter Minute. Was wir dann empfinden, ist mehr als nur Freude: Es ist ein emotionaler Zustand von Erregung, Verzückung, Euphorie. Ein Hochgefühl, das von Elan, Leidenschaft, Lust und Hingabe getragen ist. Ganz ähnlich können wir uns auch begeistern durch Wünsche, die wir uns erfüllen, und Dinge, die wir uns leisten. Das kann das schicke neue Outfit sein, eine erlebnisreiche Reise zu fremden Kulturen, ein schönes Schmuckstück, die lang ersehnte Wohnung oder die Teilnahme am Workshop eines prominenten Yogalehrers.

Wir lassen uns gern begeistern, aber eine Begeisterung für – ich nenne sie mal Lustobjekte – ist oft kurzlebig und vergänglich. Selbst schöne Erlebnisse und Begegnungen verblassen und vergehen. Echte, tragende und erfüllende Begeisterung ist etwas anderes. Es ist ein Enthusiasmus, der nicht von außen kommt, sondern aus dem eigenen Selbst. Es ist die Freude am eigenen Wesen mit all seinen Stärken, aber auch mit seinen Schwächen, eine Einstellung zum Leben, eine Art, wie man die Herausforderungen, die das Leben stellt, meistert. In der Hatha Yoga Pradipika, einer der wichtigsten Schriften im Yoga, gibt es dazu wertvolle Hinweise. Sie wurde im 14. Jahrhundert von Swatmarama aufgeschrieben. Über ihn ist nicht viel bekannt, aber sein Name sagt schon sehr viel: „Derjenige, der Freude aus dem eigenen Selbst erfährt.“ Und darum geht es! Dort hinzukommen, das in meinem Inneren zu entdecken: Freude und Begeisterung in mir, an mir, mit mir und für das Leben zu empfinden. Wenn das gelingt, wenn ich diese Selbstbejahung und vorbehaltlose Annahme verspüre, dann bin ich weitgehend frei und unabhängig von externen Stimulanzien und kann mich aus der Quelle meiner Lebensenergie immer wieder selbst erneuern und inspirieren. Vor allem ist es mir möglich, diese Energie und Begeisterung auch zu teilen und an andere Menschen weiterzugeben.

Ein vielversprechender Weg, um zu dieser inneren Begeisterung zu finden, ist die Meditation. Wir identifizieren uns zu schnell mit unseren Gedanken und Gefühlen und lassen uns durch sie beherrschen. Meist sind das Dinge, die aus der Vergangenheit kommen oder sich mit der Zukunft beschäftigen. Auch deshalb ist der Gefühlsraum für Begeisterung eingeschränkt, denn wahre Begeisterung kann nur in der Gegenwart gelebt werden. Durch Meditation lenken wir die Konzentration auf das Jetzt und unser wahres Wesen. Wir beschenken und wertschätzen uns bereits, indem wir uns Zeit dafür nehmen. Mithilfe der Meditation können wir uns aus dem festen Griff der Sinne und des rastlosen Geistes befreien. Bei ausreichender Übung und Hingabe werden wir erkennen, welches Potenzial in uns schlummert und darauf wartet, entdeckt zu werden. Durch regelmäßige Praxis wird der Geist allmählich klarer und ruhiger. Wenn wir bereit sind, etwas zu verändern, um ein Leben in Frieden und innerer Begeisterung zu führen, wird kein Weg an der Meditation vorbeiführen.

„Ich bin eine ewige Schülerin“ – Elena Brower im Interview

Elena Brower

Sie ist klug, kreativ und schön. Was ihre Fans weltweit aber vielleicht am meisten an Elena Brower schätzen, ist ihre Direktheit und Offenheit. Anlässlich eines Workshops im Züricher Studio AirYoga sprachen wir mit ihr über Drogen, Rollenbilder und die Kunst, Vergangenheit und Zukunft in die Balance zu bringen.

Elena Brower, du hast in letzter Zeit einiges durchgemacht. Du hast deinen suchthaften Marihuana-Konsum überwunden, kürzlich starb deine Mutter. Und über all das sprichst du ganz offen in deinen Stunden und Vorträgen. Warum trägst du dein Privates in die Öffentlichkeit?

Elena Brower: Ich könnte gar nicht anders. Indem ich mich für diesen Beruf entschieden habe, unterscheide ich nicht mehr zwischen öffentlich und privat.

Hat das etwas mit der Authentizität als Yogalehrerin zu tun?

Nein, ich teile einfach mit, was in meinem Leben passiert.

Wie reagieren die Menschen auf diese Offenheit?

Ich habe den Eindruck, dass sie sehr dankbar dafür sind und dass es ihnen hilft, weil sie sehen: Ich bin nicht allein.

Es gibt ja die verbreitete Annahme, dass ein spiritueller Lehrer seine Glaubwürdigkeit verliert, wenn er zugibt, dass er ernsthafte Probleme hat. Muss eine Yogalehrerin tatsächlich so etwas wie ein Vorbild für gelungene Lebensführung sein?

Ich war das nie. Nicht einen Moment lang.

Aber erwarten nicht viele Yogaschüler*innen, dass ihr/e Lehrer*in das Tuch bei den vier Zipfeln hat. Schließlich soll Yoga doch glücklich machen?

Ich bin in der glücklichen Lage, dass von mir nie jemand so etwas erwartet hat. Meine Schüler*innen wussten immer, dass ich echt bin und nicht ein bestimmtes Image nach außen trage.

Trotzdem hast du erst über deine Sucht gesprochen, als du schon darüber hinweg warst.

Nein, ich hab die ganze Zeit davon gesprochen. Ich hab nie irgendwas versteckt. Auch nie behauptet, ich hätte die Antwort auf die Probleme meiner Schüler*innen. Ich spreche immer nur über meine eigenen Erfahrungen. Als eine Schülerin, die gemeinsam mit euch allen lernt. Ich bin eine ewige Schülerin und das ist, warum dieser Beruf für mich überhaupt funktioniert.

Du definierst die Rolle eines Lehrers also …

… als die eines Schülers, genau. Auch meine Lieblingslehrer*innen sind alle Schüler*innen, die ihre Erfahrungen teilen. Der Segen liegt darin, dass das, was mir hilft, auch anderen Menschen zu helfen scheint. Das empfinde ich wirklich als Segen.

Das heißt, dein Unterricht entwickelt sich entlang deines eigenen Lernens?

Klar. Ich lese eine Menge und erzähle davon, ich lerne von meinen eigenen Lehrern und von dem, was sie jeweils anzubieten haben und was ich mir dabei herauspicke. All das fließt in meinen Unterricht ein. Es verändert sich.

Du hast zunächst bei Cyndi Lee gelernt, dann Iyengar Yoga bei Nikki Costello und lange warst du vor allem als Anusara-Lehrerin bekannt. Seit einiger Zeit spielt Kundalini Yoga eine größere Rolle in deinem Unterricht …

Ja, schon seit fünf oder sechs Jahren. Ich habe auch eine Kundalini-Ausbildung angefangen, dann aber festgestellt, dass ich nicht weitermachen sollte, solange ich nicht clean war.

Kundalini Yoga als Weg aus dem Drogenkonsum?

Das hatte nicht unbedingt etwas mit Kundalini zu tun. Ich hab einfach gemerkt, dass ich mit dem Thema durch war. Beim Yoga geht es ja im Grunde um die Klarheit des Geistes. Deshalb hat es auch irgendwann nicht mehr zusammen funktioniert. Zumindest für mich. Es war, als hätte ich zwei Leben.

Wie hast du es geschafft, clean zu werden?

Dabei hat mir am meisten die Wechselatmung geholfen. Und Kunst. Ich hab eine Menge gemalt, quasi vierzig Tage am Stück. Das alles liegt jetzt schon bald zwei Jahre zurück. Heute fühle ich mich viel besser. Es ist so viel einfacher.

Was genau ist einfacher? Im Gegensatz zu anderen Menschen musstest du ja nie eine Fassade aufrecht erhalten, denn du bist, wie du sagst, immer offen mit deiner Sucht umgegangen …

Es ist das Leben, das einfacher ist. Da war immer so ein Schleier drüber. Ich habe mich einer Menge Dinge gegenüber taub gemacht. Ohne Marihuana bin ich besser: produktiver, liebevoller, zugewandter, eine bessere Mutter – einfach alles.

Was hat dich dann überhaupt an Marihuana gereizt? Ging es um Entspannung?

Nein, für mich ging es nie um Entspannung, sondern eher um Konzentration. Wenn ich geraucht hatte, konnte ich gut arbeiten, mich für Dinge begeistern, aber kaum mal still sitzen. Es hat mir Auftrieb gegeben, aber eigentlich habe ich das gar nicht gebraucht. Jetzt arbeite ich und begeistere mich für Dinge, ohne zu rauchen.

Stichwort „liebevoller, zugewandter“, also Hinwendung. Warum ist das für viele Menschen heute so schwierig? Worauf käme es deiner Meinung nach an?

Ich denke, wir sind technologisch so sehr vernetzt und miteinander in Verbindung, dass es ein tieferes Bedürfnis nach Selbstwahrnehmung und nach kleinen, intimen Gruppen von engen Freunden gibt. Wir sind ja sehr gut darin, ständig mit der ganzen Welt verbunden zu sein. Aber das wird auch leicht zu viel. Für mich heißt die Lösung: Die Gruppen wieder klein zu machen und auch sehr viel Zeit alleine zu verbringen.

Welche Rolle kann Yoga für mehr Hinwendung spielen?

Der ganze Zweck der Praxis – egal ob Asana oder Meditation – besteht ja darin, sich mit seinem eigenen Wissen zu verbinden. Ich praktiziere vedische Meditation, und das Wort Veda bedeutet Wissen. Es geht einzig darum, sich selbst zu erkennen.

Und aus dieser tieferen Verbindung zu sich selbst folgt eine bessere Verbindung zu anderen Menschen, zur Welt?

Das Erste und Wichtigste bist du selbst. Ich muss nicht an die Welt denken, sondern an mich selbst. Der Rest kommt ganz von alleine, wenn ich in meinem eigenen Herzen sein kann.

Wie vermittelt man dieses Wissen im Yogaunterricht? Sind Worte da oft nicht eher störend? Wenn mein Gehirn damit beschäftigt ist, Informationen zu verarbeiten, finde ich es schwierig, mich überhaupt zu spüren.

So geht es mir auch. Im Vergleich zu den meisten meiner Kollegen spreche ich deshalb nur wenig im Unterricht. Ich möchte in meinen Klassen viel Raum für Stille lassen. Nur so hörst du die Musik, nur so spürst du dich selbst in deinem Körper und kommst zur Erfahrung deines eigenen Herzens.

Dein Buch und viele deiner Workshops heißen „The Art of Attention“, die Kunst der Aufmerksamkeit. Der Begriff Aufmerksamkeit scheint für deine Arbeit zentral zu sein. Wie würdest du ihn definieren?

Es ist genau dasselbe wie bei der Selbsterkenntnis. Du passt auf, was passiert, das heißt, du gehst immer von der Kraft deiner Beobachtung aus. Ich spreche jetzt nicht mehr so viel über Aufmerksamkeit, weil sie viel mehr in mir ist. In dem Moment, in dem ich aufgehört habe, Marihuana zu rauchen, brauchte ich das Wort eigentlich nicht mehr, ich hatte es!

Und wie unterscheidet sich Aufmerksamkeit von dem derzeit sehr präsenten, wenn nicht sogar überstrapazierten Begriff der Achtsamkeit?

Vielleicht gibt es gar keinen Unterschied. Oder wenn, dann so: Wenn ich ganz konzentriert in einer Yogahaltung bin und zugleich alles im Raum um mich herum klar wahrnehmen kann, dann ist das für mich Achtsamkeit. Aufmerksamkeit hingegen ist da, wohin ich meinen Fokus in diesem Moment richten möchte.

Im Workshop hast du die Teilnehmer mehrmals aufgefordert, den Blick in einer Asana bewusst nach vorne zu richten, und dazu gesagt: „Habt keine Angst, mal ein bisschen nach vorn in eure Zukunft zu schauen!

Ich glaube, die meisten Menschen tendieren dazu, viel zu sehr in ihrer Vergangenheit zu sein. Stattdessen könnten sie sich auch das Ende dieses Jahres vorstellen und sich sagen: Hey, du hast es toll gemacht, du hast so viel gelernt, du bist sicher hier angekommen und jetzt kannst du dich selbst in den Arm nehmen und stolz auf dich sein.

Aber sorgen wir uns nicht sowieso schon viel zu sehr um die Zukunft, viel mehr als um die Vergangenheit?

Nein, ich glaube wirklich, für die meisten ist die Vergangenheit viel dominanter. Aber egal: Wenn du ein Zukunftstyp bist, könntest du damit anfangen, den bestmöglichen Ausgang zu sehen anstatt den schlechtesten. Genauso sage ich denen, die mehr in der Vergangenheit sind: Würdige deine Vergangenheit und wisse, dass sie dich auf eine wirklich gute Weise hierher geleitet hat. Nimm dir Zeit für Dankbarkeit. Wir müssen beides in die Balance bringen.

Wie integrierst du diesen Gedanken in den Yogaunterricht?

Die ganzen Sequenzen der letzten eineinhalb Tage dieses Workshops und der Fokus auf die Beine und die Füße sollten euch das Gefühl vermitteln, dass ihr von einem starken Fundament herkommt, für das ihr dankbar sein könnt. Dieses Fundament hat euch hierher gebracht. Und von da aus könnt ihr auch voller Vertrauen in die Zukunft schauen.

Du möchtest mit Elena Brower die Magie der Meditation kennen lernen? Sie stellt dir dafür exklusiv auf YogaWorld ein 5-Tage-Programm zusammen:

Männer, Frauen, Menschen

Sind Mädchen und Frauen, die Yoga üben, emanzipiert und mutig genug, um sich gegen die offen frauenfeindlichen Aktionen und Äußerungen von ultrakonservativen Politpredigern und Populisten zu wehren? Hoffentlich, denn eine starke gesellschaftliche Stellung von Frauen und die bisher erreichte Gleichberechtigung müssen aktiv verteidigt werden.

Der überwiegende Teil der heute aktiven Yogis sind Frauen und Mädchen. Es wäre interessant zu erfahren, ob Frauen durch ihre Yogapraxis auch freier, selbstbestimmter und stärker werden. Führt Yoga gar zu echter Gleichberechtigung? Mancher Yogaeffekt ist nicht so einfach zu messen – man stellt vielleicht erst nach Jahren fest, dass sich die Einstellung zu bestimmten Dingen grundlegend gewandelt oder dass sich die eigene Art zu leben verändert hat.

Beim Thema Gleichstellung von Mann und Frau hat man den Eindruck, dass es in der Yogawelt in die richtige Richtung geht: Steinzeitforderungen nach Vollzeit-Müttern und Heimchen am Herd haben bei uns keinen Platz. Die Verklemmtheit, Biederkeit und Bigotterie, die sich in so manchen politischen und religiösen Forderungen zeigt, kommt im Yoga nicht (mehr) vor. Selbst das esoterische Weiblichkeits-Mütterlichkeits-Fruchtbarkeitsgerede ist auf dem Rückzug. Weibliche Unterwürfigkeit und/oder Unterordnung sind im modernen westlichen Yoga nicht vorgesehen – was nicht ausschließt, dass im persönlichen Umgang oder im Lehrer-Schüler-Verhältnis einiges schiefgehen kann. Und tatsächlich haben es die Frauen in den Ursprungsländern des Yoga wie Indien oder Nepal bis heute nicht leicht, und auch der Yogaweg selbst musste nach Jahrhunderten (wenn nicht Jahrtausenden) Männerdominanz erst mühsam und gegen viele Widerstände für Frauen und von Frauen geöffnet werden.

Wer jetzt nicht gleich umgekehrt dem Amazonen-Quatsch einiger weniger amerikanischer Yogalehrerinnen folgt, müsste eigentlich zu einem ganz brauchbaren Frauenbild oder Selbstverständnis finden. Die großen weiblichen Leitfiguren im Yoga bestechen jedenfalls durch Stärke, Integrität und eine ebenso starke wie unabhängige Stellung in der Gesellschaft: Elisabeth Haich, Silvia Hellman, Indra Devi, Angela Farmer, Vanda Scaravelli, Anna Trökes, Ursula Lyon, Sharon Gannon

Yoga hat emanzipatorisches Potenzial

Yoga hat das emanzipatorische Potenzial und die aufklärerische Kraft, Frauen und Männer von tradierten Geschlechterrollen, Diskriminierung und natürlich von Gewalt gegen Frauen, Chauvinismus und Sexismus zu befreien. Deutlich wird dieses Programm schon in den Yamas und Niyamas des Yogasutra: Diese Grundethik verwirft jegliche Art von Gewalt und will den Ausgleich von Interessen unter allen Menschen (und anderen Lebewesen). Trotz der hartnäckigen Ignoranz diverser Männercliquen (Brahmanen, Sadhus, Priester) ist es logisch, dieses ethische Programm auch auf das Verhältnis zwischen den Geschlechtern und auf die gesellschaftlichen Rechte von Mann und Frau anzuwenden. Historisch gesehen hat hier sicher auch der Westen den Osten inspiriert und nicht nur umgekehrt. Allgemeiner gesagt sind Pluralismus und Vielstimmigkeit ein gutes Heilmittel für alle möglichen Kopfkrankheiten, auch für ideologische Sackgassen im Yoga. Aber letztendlich müssen wir (Männer und Frauen) uns in vielen Bereichen gegen eine Struktur wehren, in der wichtige Entscheidungen und Machtbefugnisse bei der immer gleichen Gruppe liegen – nämlich bei der kleinen Gruppe alter, weißer Männer. „Alt, weiß, männlich“ ist fast schon gleichzusetzen mit Desastern aller Art, mit Kriegen, Krisen, Stillstand oder Rückschritt – Reformen, Revolutionen, neue Ideen und Denkrichtungen müssen vor allem gegen diese Art von Establishment durchgesetzt werden.

In diesem Zusammenhang ist die Lektüre der englischen Essayistin Laurie Penny ein wohltuender Schock. Ihr Angriff auf die Männerkulturen und die Konfrontation mit unserer offenbar unendlichen Geduld, Feigheit, Bequemlichkeit, was tradierte Verhaltensmuster und die Diskriminierung von Frauen betrifft, ist sehr heilsam. Ihr schon fast yogisches Credo lautet: „Die wichtigsten politischen Schlachten der Menschheitsgeschichte wurden auf dem Gebiet der Phantasie geschlagen.“ Da können wir Yogis mitmachen. Und dazu hat auch ein Mann etwas Positives beigetragen. Der Historiker Peter Steinbach formuliert die Grundlagen eines zukünftigen Zusammenlebens in Kurzform: „Tolerant, unaufgeregt, freiheitlich, pluralistisch und auch friedlich sollte es zugehen.“