Denke nicht, meditiere!

Katja Sterzenbach hat ein zweimonatiges Schweige- und Achtsamkeitsretreat in einem Waldkloster in Myanmar hinter sich: 62 Tage ohne Kommunikation, Medien oder Kontakt zur Außenwelt. Während dieser Zeit sammelte sie Geld für ein Kinderhospiz, indem sie einige Unterstützer bat, für jeden einzelnen Tag zu spenden, den sie „durchhielt“. Im Interview erzählt sie von der engen Verbindung zwischen Achtsamkeit und Wohltätigkeit.

Katja, hast du eine Vision?

Ich wünsche mir, dass immer mehr Menschen den Weg der bewussten Achtsamkeit für sich entdecken und wahrnehmen, was ist – auch den Geist mit seinen Gedanken. Unser Geist ist entweder im Habenwollen- oder Ablehn-Modus. Wenn wir Freude verspüren, wollen wir sie festhalten. Wenn wir Dinge erleben, die uns nicht gefallen, reagieren wir mit Ablehnung und verschließen uns vor dem, was ist. An dieser Stelle setzt meiner Meinung nach die Achtsamkeit an, denn nicht die Dinge an sich bringen uns Freude oder Leid, sondern einzig und allein unsere Beziehung dazu, unsere Bewertung und Perspektive. Ich sehe mich selbst als Lernende und möchte mit meinem Wirken Menschen Mut machen. Ich möchte sie auf dem Weg in ein achtsameres Leben unterstützen. Das heißt nicht, dass jeder meditieren muss. Es gibt so viele unterschiedliche Arten, Achtsamkeit zu praktizieren. Vor allem bedeutet es für mich, wach und präsent im Augenblick zu verweilen.

Anfang des Jahres 2013 hast du an einem zweimonatigen Schweigeretreat teilgenommen. Was waren deine Beweggründe?

Seit ein paar Jahren praktiziere ich die Vipassana-Meditation nach S.N. Goenka. Aber ich hatte das Bedürfnis, länger in die Meditation zu gehen – zehn Tage erschienen mir viel zu kurz. Anfang 2012 hörte ich von einem speziellen zweimonatigen Retreat in Myanmar und wusste sofort: „Das ist es!“. Ganze zwei Monate in sich gekehrt zu sein und weg von der westlichen Welt, klang sehr spannend. Auch wenn ich es mir nicht vorstellen konnte, so lange durchzuhalten.

Wie hast du diese Zeit erlebt? Welche Veränderungen und Entwicklungen hast du durchlebt?

Wenn man zwei Monate lang nur auf das Heben und Senken der Bauchdecke achtet, Körperempfindungen wahrnimmt, sich vor jeder Bewegung die Intention dahinter bewusst macht und jede einzelne Bewegung in Zeitlupe ausführt – egal ob man die Zähne putzt, ein Glas Wasser trinkt oder abends in den Schlafsack steigt – verliert man irgendwann das Zeitgefühl. So erging es mir zumindest. Während ich in der ersten Hälfte noch die Tage zählte, konnte ich nach etwa vier Wochen loslassen und mich dem Prozess hingeben. Wir Westler hinterfragen und analysieren die Dinge ja meist auf intellektueller Ebene. In Myanmar habe ich gelernt, zu vertrauen – in die Meditationstechnik und in den Prozess, der da geschieht. Ich habe für mich herausgefunden, dass „Glück“ als Begriff, so wie er meist verwendet wird, nur an der Oberfläche kratzt. In tiefer Meditation erlebt man nicht Glück, sondern Frieden. Wirklich tiefen Frieden in sich, losgelöst von allen Sinnenfreuden. Das ist unbezahlbar, mit nichts zu vergleichen und leider auch mit Worten nicht annähernd zu beschreiben. Es ist nur erfahrbar!

Gab es auch Herausforderungen?

Eine der größten Aufgaben war es, nicht anzuhaften. Ich musste von meinen eigenen Vorstellungen und Erwartungen loslassen und die mutige Anstrengung aufbringen, zu vertrauen, zu vertrauen und nochmals zu vertrauen.

Du hast deine Meditations-Auszeit an ein Charity-Projekt gekoppelt. Wie kamst du auf diese Idee?

2009 wurde bei mir schwarzer Hautkrebs diagnostiziert. Im gleichen Jahr machten mein Mann und ich eine zerstückelte Weltreise. Wir waren auf den Malediven, segelten in der Karibik, meditierten in Indien, verbrachten zwei Wochen in der Türkei und zwei Wochen auf Hawaii. Mich hat dieses Jahr nachhaltig geprägt: Zum einen die Schönheit der Erde wahrzunehmen und wie sehr wir Menschen sie ausbeuten und zum anderen die Endlichkeit meines eigenen Lebens. Natürlich wissen wir alle, dass wir eines Tages sterben werden, und der eine hat Angst davor, der andere kann damit ganz entspannt umgehen. Doch wenn du mit Mitte Dreißig nicht weißt, ob du das nächste halbe Jahr noch erleben wirst… Ich empfand es als zu früh für mich. Seither ist in mir der Wunsch gewachsen, der Welt etwas zurückzugeben.

Konkret hast du dich schließlich dafür entschieden, ein deutsches Kinderhospiz zu unterstützen.

Ich habe lange gesucht, aber vier Wochen vor meinem Abflug nach Myanmar wusste ich, welches Projekt ich fördern wollte. Hospize werden in Deutschland totgeschwiegen, da sie als „Orte des Sterbens“ angesehen und gemieden werden. Bei Kindern und Jugendlichen ist solch ein Hospiz jedoch im Grunde ein Ort der Erholung und Lebensfreude, nicht nur für die betroffenen Kinder, sondern besonders auch für die Eltern und Geschwister. Durch meine eigene Auseinandersetzung mit dem Tod liegt mir dieses Thema am Herzen. Während ich meditierte, wollte ich aktiv etwas für diese Kinder tun. Innerhalb von vier Wochen hatte ich eine Website, eine Facebook-Fanpage, Flyer und ein Team aus circa fünfzehn Menschen und Firmen, die mich mit ihrer Tatkraft unterstützten. In diesen drei Monaten, in denen ich insgesamt weg war, sind über 22.000 Euro zusammengekommen.

Gehören Achtsamkeit und der Wunsch, Gutes zu tun, automatisch zusammen?

Wenn man sich mit dem Thema Achtsamkeit auseinandersetzt und sich beispielsweise für eine entsprechende Meditation oder Vipassana entscheidet, tut man etwas Gutes für sich selbst. Aber das ist auch genau der Moment, in dem man beginnt, für alle etwas Gutes zu tun. Man bringt seine guten Qualitäten zum Vorschein. Und das steckt an.

Seit dem Retreat hat sich dein Leben komplett verändert, sagst du.

Verändert hat sich vor allem das Bewusstsein dafür, dass sich alles, wirklich alles in jedem Moment verändert. Das Retreat hat mir dabei geholfen, zu erkennen, dass das Leben im Augenblick liegt und nirgendwo anders. Das habe ich tief in meinem Bewusstsein verankert. Bevor ich nach Myanmar ging, fühlte ich mich total gestresst und dachte dennoch, dass ich glücklich bin. Das war ich wahrscheinlich auch – auf einer oberflächlichen Ebene. Jetzt bin ich nicht mehr gestresst – dieses Gefühl ist einfach weg. Ich bin glücklich – mit einer ganz anderen Basis als zuvor. Ich fühle tiefen inneren Frieden und mich davon getragen. Klar, manchmal gibt es auch Momente, in denen Selbstzweifel hochkommen oder ich verunsichert bin. Spätestens dann weiß ich, dass mein Kissen mich ruft und ich eine längere Meditationszeit benötige. Der Augenblick ist zu meinem Meister geworden.

Würdest du jedem raten, einmal an einem Schweigeretreat teilzunehmen?

Ja. Es ist ebenso sinnvoll, seinen Geist zu trainieren, sich für eine bestimmte Zeit zurückzuziehen und zu schweigen, wie seinen Körper regelmäßig zu bewegen. Es müssen ja keine zwei Monate sein. In Yogakreisen kommen häufig die ethischen und moralischen Grundregeln und vor allem die Meditation zu kurz. Wenn wir uns bewusst machen, dass unsere Gedanken die Kraft haben, sich zu materialisieren, ist es umso wichtiger, genauer hinzusehen, was alles in unserem Geist herumschwirrt. Es sind alles Glaubenssätze, die wir im Laufe unserer Sozialisation erfahren haben – egal ob als Kind, Jugendlicher oder gestern an der Bushaltestelle. Wir sehen die Dinge meist so, wie wir sie sehen wollen. Da tut es sehr gut, einmal Abstand zu bekommen und Distanz zu schaffen. Mein Meditationslehrer hat mir zwei wichtige Dinge mitgegeben. Zum Einen: „Denke nicht, meditiere!“ Wir westlichen Menschen neigen dazu, alles zu hinterfragen anstatt einfach einmal zu vertrauen. Dabei ist der Weg der Meditation Jahrtausende alt. Und zum Anderen: „Meditation ist Medizin.“ Das kann ich aus tiefen Herzen bestätigen: Meditation ist so heilsam!

Kevin Beavers – Shivasloft

Kevin is an Experienced Yoga Alliance Registered Yoga Teacher (ERYT500®) and brings years of passionate exploration of yoga to his teaching. A dedicated practitioner since 1998, he has been a student of Iyengar, Ashtanga, and most extensively Anusara Yoga and has recently been a student of internationally renowned teacher Noah Mazé. He devotedly leads Workshops, Teacher Tuneups and 200-hour Yoga Teacher Trainings as part of the Shivasloft Yoga School.

 

Kevin delights in sharing insights from his personal practice and experience and in helping beginning to advanced students alike to explore the depth of yoga and to discover the fine details and big transformations. His background as a professional musician shapes his view of yoga. As in music, yoga offers a discipline filled with opportunities to explore creative action and artistry that brings one intensely and directly into the heart of the experience of being alive. There, one enters a blissful state of “flow” that is effortless effort and a merging of action and awareness.

His weekly public classes vary greatly from intense and sweaty vinyasa flows to steady detailed explorations in a hatha style to careful and patient work in his ‘yoga for the back’ classes. His Tiger Playground, a weekly led practice, is well known for giving advanced practitioners in the region the opportunity to explore and mine the depths of practice together in a safe and playful environment. 


Kevin offers his deepest gratitude to all of his teachers, particularly Noah Mazé, Zhenja La Rosa, Jeanie Manchester, Jeff Fisher, Desirée Rumbaugh, Ross Rayburn, John Friend, and Todd Norian.

 


Kevin auf der Yoga World in Düsseldorf 2017:

„Where do modern yoga poses come from?“
When students come to yoga classes, they are often led to believe that the asanas (poses) that they are practicing are part of yoga’s ancient 2000 year old history. However, the truth is probably surprising to most since many of the poses are quite young with some having surprising origins outside of India. In this brief talk, Dr. Kevin Beavers will chronicle part of the remarkable story of the rise of postural yoga in the West, and the surprising history of modern postural yoga.

 

„Yoga Flow for Everybody“
Are you ready for adventure? If so then buckle your yoga belt and join Kevin for a sweaty 45-minute vinyasa flow experience. The class will start with energizing sun salutes, and proceed with an intoxicatingly powerful mix of strong standing poses, arm balances, backbends and forward bends. Bring a towel and be ready to work hard. The class will be taught in English.

 

Samstag, 14. Oktober // 10:30-11:15 Uhr // Where do modern yoga poses come from? // Yamuna Vortragsraum
Samstag, 14. Oktober // 15:45-16:30 Uhr // Yoga Flow for Everybody // Vishnu Yogaspace

 

 

Buchtipp: Happily Healthy + Rezeptidee

© Lea Lüdemann für ZS Verlag

„Mein eigenes Lebensziel ist es, glücklich zu sein, und ich glaube fest daran, dass eine positive Einstellung das Fundament ist für ein ausgeglichenes, glückseliges Leben.“

Das sagt Lea Lou, Bloggerin und Autorin unseres Buchtipps „Happily Healthy“. Darin zeigt sie, wie sie sich dieses Fundament schafft und gibt Anregungen, wie auch wir zu mehr Achtsamkeit und Gesundheit gelangen. In den einzelnen Kapiteln widmet sie sich Themen wie Ernährung, Fitness, Yoga und Zufriedenheit und rundet alles mit gesunden, vegetarischen Rezepten ab.

Lea Lou berichtet nicht nur, welche Lebensmittel sie am liebsten jeden Tag in ihrer Küche verarbeitet, sondern erklärt auch anhand eines Kalenders, welche Gemüse- und Obstsorten zu welcher Jahreszeit Saison haben und somit am nährstoffreichsten sind – der eigenen Gesundheit und der Umwelt zuliebe.

Neben vielen Fitness-Tipps stellt die Bloggerin uns außerdem ihr ganz persönliches Lieblings-Workout vor: HIIT (Hochintensives Intervalltraining). Zum Ausprobieren gibt es eine Sequenz, die uns schon nach wenigen Minuten ins Schwitzen bringt – und richtig viel Spaß macht!

Das Kapitel „Achtsamkeit“ widmet Lea dann ganz unserem liebsten Thema: dem Yoga. Welche Ursprünge hat Yoga eigentlich? Wie hat es sich im Laufe der Jahre zum „Trend“ in den westlichen Ländern entwickelt? Und wie wähle ich aus der Vielzahl an unterschiedlichen Yogastilen den passenden für mich aus? Diesen Fragen wird unterhaltsam nachgegangen, um sie dann gut verständlich zu beantworten. Anschließend zeigt Lea Lou uns eine Vinyasa-Yogasequenz, die sich prima in unseren Alltag integrieren lässt. Die genauen Anleitungen und Beschreibungen der einzelnen Asanas sind durchweg bebildert, was die Praxisstrecke nicht nur für erfahrene Yogis, sondern auch für Einsteiger gut zugänglich macht. Um das Thema abzuschließen, gibt es eine einfache Atemübung, um auch noch kurz auf die Bedeutung von Meditation und Pranayama im Yoga einzugehen.

Der Rezeptteil lädt zum Nachkochen ein: Wunderschöne, bunte Bilder machen sofort Lust auf die frischen Gerichte, die vegetarisch oder vegan und oft glutenfrei, aber immer natürlich daherkommen. Dass gesundes Essen durchaus Spaß machen kann und nichts mit Verzicht zu tun hat, beweisen zum Beispiel die Rezepte für saftiges Chia-Bananen-Brot, indisches Linsendal, Grünes Thaicurry, Buddha-Bowls, Aprikosenriegel mit Schokoglasur, rohe Avocado-Schoko-Mousse, Erdnussbuttercups, Beerencrumble oder sogar selbstgemachte Schokolade. Weiter unten finden Sie das Rezept zu fruchtigen Zitronen-Ricotta-Pfannkuchen – perfekt für einen Sonntagsbrunch!

Fazit // „Happily Healthy“ zeigt uns, wie einfach es sein kann, sich ausgewogen zu ernähren, etwas für die eigene Fitness zu tun und dabei das eigene Wohlbefinden und die Selbstliebe zu sich und seinem Körper nicht aus den Augen zu verlieren. Die persönlichen Geschichten der Autorin liefern Denkanstöße und Inspiration und motivieren uns, unsere Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen. Besonders schön: die Checklisten am Ende eines jeden Kapitels, die uns dazu einladen, sofort mit kleinen Veränderungen anzufangen, um unseren Alltag ein bisschen positiver, achtsamer und gesünder zu gestalten.


„Happily Healthy – Mit Rezepten, Fitness und Yoga zum gesunden und glücklichen Leben“ von Lea Lou ist im ZS Verlag erschienen und kostet 19,99€.


Zitronen-Ricotta-Pfannkuchen

Für 2 Portionen

Für die Pfannkuchen:
100 g Ricotta
50 g Dinkelvollkornmehl
25 g Weizenmehl (Type 405)
1 TL Backpulver
feines Meersalz
1 Ei (am besten Bioqualität; Größe L)
100 ml Pflanzendrink (z. B. Kokos-, Mandel- oder Reisdrink)
abgeriebene Schale von 1 Bio-Zitrone
1 EL dunkler Rohrohrzucker
Butter oder Kokosöl zum Ausbacken

Zum Servieren:
Früchte nach Saison (z. B. Passionsfrucht, Heidelbeeren oder Kirschen)
Ahornsirup zum Beträufeln
ca. 200 g griechischer Joghurt
Bienenpollen (nach Belieben)

© Lea Lüdemann für ZS Verlag

1. Den Ricotta in einem Sieb etwa 15 Minuten abtropfen lassen. Dinkelvollkornmehl, Weizenmehl, Backpulver und 1 Prise Salz in einer mittelgroßen Schüssel vermengen. Das Ei trennen. Das Eiweiß zu steifem Schnee schlagen.

2. Das Eigelb mit dem Pflanzendrink in einem Becher mit dem Schneebesen verquirlen. Die Eigelbmischung unter die Mehlmischung rühren. Die Zitronenschale und den Zucker unterrühren. Den Ricotta und den Eischnee mit einem Holzkochlöffel unter den Teig heben.

3. Den Backofen auf 50 °C vorheizen. Zum Ausbacken der Pfannkuchen eine kleine Pfanne auf mittlerer Stufe erhitzen und mit etwas Butter auspinseln. Dann nach und nach kleine Pfannkuchen ausbacken.

4. Dafür pro Pfannkuchen eine kleine Schöpfkelle Teig in die Pfanne geben und einige Minuten backen, bis die Unterseite goldbraun ist. Den Pfannkuchen vorsichtig wenden und auf der zweiten Seite ebenso goldbraun backen. Fertige Pfannkuchen auf einem Teller stapeln und im Ofen warm stellen, bis der ganze Teig aufgebraucht ist.

5. Zum Servieren die Früchte je nach Sorte vorbereiten. Die Pfannkuchen auf Teller verteilen, mit den Früchten garnieren und mit etwas Ahornsirup beträufeln. Etwas griechischen Joghurt daraufgeben oder dazureichen und nach Belieben mit Bienenpollen garniert servieren.

// Rezept aus „Happily Healthy“ (ZS Verlag) //

„Ich glaube nicht an Gurus“ – Patrick Beach im Interview

Patrick Beach

An einem kalten Februarwochenende war Patrick Beach zu Gast im Hot Yoga Studio in Berlin Friedrichshain. Patrick war mir bis dahin trotz seiner mittlerweile 348.000 Instagram Follower gänzlich unbekannt. Aber da wir vom Yoga Journal Germany ja ständig auf der Suche nach neuen Lehrern und Themen sind, fuhr ich den weiten Weg von München nach Berlin. Was ich dann während der zwei Tage erleben durfte, übertraf alles, was ich bisher in meiner fünfjährigen Praxis kennengelernt hatte. Patrick unterrichtete fordernd und gleichzeitig sehr feinfühlig. Er brachte jeden der Teilnehmer an seine Grenzen, ohne jedoch diese Grenzen zu überschreiten. Denn am Ende ging es ihm nur darum, uns alle eine ureigene „Body-Sensation“ erleben zu lassen.

Wenn ich Yogalehrer frage, wie sie Yoga für sich entdeckt haben, erzählen sie normalerweise eine lange Geschichte. Dass sie zum Beispiel nach einer schwierigen Trennung oder einer anderen sensiblen Lebensphase mit Yoga angefangen haben…

Nein, meine Geschichte lief überhaupt nicht so ab. Wenn ich ehrlich bin, war bei mir eigentlich alles ganz normal und einfach. Ich hatte kein schlimmes Erlebnis zu verarbeiten, sondern wollte etwas Neues ausprobieren. Mit etwa 20 Jahren habe ich in meiner Küche angefangen, Yoga zu üben. Meine Mutter hat damals viel praktiziert und mir ein paar Hüftöffner gezeigt, weil ich durch mein Basketballtraining total verkürzt und andauernd verspannt war.

Wie ging es dann weiter?

Erst habe ich zugegebenermaßen nicht viel mehr darin gesehen, als flexibler zu werden. Dann fing ich an, den ganzen Weg des Übens und Praktizierens immer mehr zu genießen. Ich habe damals zum Beispiel damit begonnen, Bücher über verschiedene Yogasysteme und -stile zu lesen und habe mich dann damit befasst, wie man einzelne Haltungen auf verschiedene Weise ausführen kann.

Hattest du dabei Lehrer an deiner Seite?

Nein, das habe ich alles erst allein ausprobiert, später dann auch in Yogastudios. Meine größte Inspiration waren eigentlich immer Menschen, die zum Beispiel den Handstand beherrschten. Darum habe ich die ganze Zeit auch einfach Umkehrhaltungen geübt – manchmal so intensiv, dass ich regelmäßig aus Yogastunden flog. Lehrer mochten mich nicht wirklich. Da war ich dann auch kurz davor, mit Yoga aufzuhören. Weil alles immer nach bestimmten …

… Regeln ablaufen musste?

Nein, nicht unbedingt Regeln. Ich glaube nicht an „Yoga-Regeln“. Aber es gab Lehrer, die ständig bestimmte Dogmen verfolgten. Das war ganz anders als das, was ich in den Büchern gelesen habe. Diese handelten von Einheit, Verbindung, Gemeinschaft, Bewusstsein, Verständnis und Achtsamkeit. Mir kam es so vor, als wenn diese Lehrer Yoga nicht wirklich gefühlt und gelebt haben. Wie gesagt spielte ich mit dem Gedanken, ganz aufzuhören – bis auf einmal Leute auf mich zu kamen und fragten, ob ich sie nicht unterrichten und ihnen verschiedene Haltungen beibringen könnte – sie fanden meinen Ansatz interessant!

Du hast also keine klassische Yogalehrer-Ausbildung bei einem Guru oder bekannten Lehrer absolviert?

Nein, habe ich nicht. Ich habe bei vielen Lehrern gelernt und geübt – manche kennt man, manche nicht – aber glaube nicht an Gurus. Genauso wenig wie ich an Dogmen und religiöse Liebe zur Yogapraxis glaube. Ich würde sagen, dass mich viele Menschen eher inspiriert und weniger etwas „gelehrt“ haben, wie man es im klassischen Sinne verstehen würde.

Spielst du eigentlich immer noch Basketball oder machst anderen Sport? Denn hier in Deutschland gibt es zurzeit den Trend, dass viele Sportler ihre Sportart mit Yoga verbinden. Die Deutsche Fußball Nationalmannschaft hat zum Beispiel sogar einen eigenen Yogalehrer.

Nein, regelmäßig übe ich neben Yoga nichts. Yoga ist die Hauptsache, das praktiziere ich ständig. Aber wenn ich es schaffe, dann mache ich auch noch andere Dinge, Basketball zum Beispiel oder Boxen. Manchmal gehe ich auch laufen. Ich liebe es, mich zu bewegen und sehe es als großes Geschenk.

Wie lange unterrichtest du schon Yoga?

Etwa 7 Jahre.

Deine Freundin, Carling Harps, ist ebenfalls Yogalehrerin, richtig?

Ja, außerdem Raw Food Köchin – insgesamt eine echte Macherin. Sie liebt es, sich zu bewegen und beschäftigt sich mit den unterschiedlichsten Themen rund um Gesundheit und Wohlbefinden.

Habt ihr in Sachen Yoga die gleiche Einstellung? Ist sie allem gegenüber ähnlich offen eingestellt wie du?

Ja, total. Wir haben beide bei sehr unterschiedlichen Leuten gelernt, viele zusätzliche Aus- und Fortbildungen gemacht, pränatales Yoga zum Beispiel. Wenn man unsere Erfahrungen und unser Wissen zusammennimmt, können wir den Leuten immer eine sehr umfassende Erfahrung bieten.

In deiner Stunde hier in Berlin hast du extra viele Core-Übungen eingebaut und nicht nur mich an meine Grenzen gebracht... Eine Frage zu diesen Asanas: In Deutschland fangen viele Leute mit Yoga an, weil sie Rückenprobleme haben. Ihre Ärzte sagen, dass sie sich auf das Core-Training konzentrieren sollen. Aber mir fällt immer wieder auf, dass viele Menschen den Fokus auf ihren Rücken legen und das Core-Training vernachlässigen. Konzentrierst du dich immer speziell auf diesen Bereich?

Nein, eigentlich nicht. Ich möchte Leuten die Möglichkeit geben, sich komplett frei und fließend zu bewegen und einzelne Haltungen sinnvoll zu verbinden. Dazu gehört unverzichtbar eine starke Körpermitte und ein Verständnis von Mula Bandha. Die gestrige Yogastunde drehte sich tatsächlich um Core-Übungen, weil ich zeigen wollte, wie man die Körpermitte wirk- und achtsam in den einzelnen Asanas einsetzen kann und sollte. Dieses Thema wird in der Tat nämlich ziemlich oft vergessen. Mir ist generell wichtig, wie man das beste aus den einzelnen Haltungen rausholen kann. Ich möchte, dass die Menschen nicht nur die Dehnungen spüren und dabei ins Schwitzen kommen. Ich möchte, dass sie die Zusammenhänge verstehen und dadurch achtsamer werden.

Wie stehst du zum Thema Spiritualität und Yoga? In Deutschland gibt es viele Männer, die Hemmungen davor haben, Yoga zu praktizieren, weil sie glauben, mit der damit im Zusammenhang stehenden Spiritualität nichts anfangen zu können. 

Als ich angefangen habe, Yoga zu praktizieren, habe ich mich überhaupt nicht darauf fokussiert. Inzwischen habe ich dieses Thema für mich so ausgelegt: Durch Yoga können wir mehr über uns und unsere Bedürfnisse erfahren, insgesamt achtsamer werden. Am Anfang sind unsere Beweggründe, die uns zum Yoga bringen, eher selbstsüchtig. Man beschäftigt sich viel mit sich selbst und versucht, Dinge über sich herauszufinden, die man vorher vielleicht noch nicht wusste. Mit der Zeit weiß man immer genauer, wer man ist, was die eigentliche Essenz des eigenen Ich ist, wenn man es so formulieren will. Man wird immer häufiger seinen eigenen Bedürfnissen folgen und lernt alles über Selbstliebe. Man geht liebevoller mit sich selber um und entwickelt große Empathie für sich selbst. Nun ist man dazu bereit, diesen liebevollen Umgang und diese Empathie auch den Mitmenschen entgegenzubringen.

Ich glaube, dass jeder Mensch die gleichen grundlegenden Bedürfnisse hat, egal woran er glaubt und woher er kommt: sich geborgen zu fühlen, geliebt und wertgeschätzt zu werden. Wir alle haben unterschiedliche Gründe, warum wir das wollen. Aber das sind die drei Dinge, die jeder Mensch will. Und wenn wir lernen, dass wir mit unseren Mitmenschen liebevoll und mitfühlend umgehen können, kommen wir auch unserem eigenen Glück ein bisschen näher.

Wie waren denn die Reaktionen, insbesondere aus deinem männlichen Umfeld, als du mit Yoga angefangen hast?

Nun ja, viele Menschen wissen immer noch nicht genau, was mit Yoga eigentlich gemeint ist. Manche meiner Freunde dachten ganz lange, dass ich Bikram Yoga unterrichte. Weil sie dachten, dass ausschließlich dieser in den USA lange sehr populäre Stil Yoga ist. Dank der Medien hat sich das alles aber geändert und die verschiedenen Yogastile haben sich in der Öffentlichkeit verbreitet. Dadurch fühlen sich jetzt auch mehr Menschen zum Yoga hingezogen.

Also folgst du hier auch deinem Prinzip der Freiheit, das zu tun, was einem gut tut und sich nicht von Außenstehenden beeinflussen zu lassen?

Dem Prinzip folge ich in allen Lebenslagen. Wie gesagt glaube ich nicht an Dogmen und Gurus. Ich glaube, dass es wichtig ist, eigene Rituale zu haben. Ich finde es komisch, jemandem blind zu folgen. Meiner Meinung nach sollte jeder alles dafür tun, um klare, bewusste Entscheidungen für sich selbst treffen zu können. Das hilft uns, ein besseres Leben nach unseren eigenen Bedürfnissen zu führen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen und eine nachhaltige Zukunft für alle zu schaffen.


Ich bedanke mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Nelli, Andrea und eben Patrick für diese schöne und intensive Erfahrung.

Franziska Weinmann

Buchtipp: Natürlich schön // Rezept

Früh am Morgen hüpfen viele von uns erst mal in die Dusche, verwenden Shampoo, Duschgel und Spülung. Dann geht‘s weiter mit Bodylotion, Waschgel, Feuchtigkeitscreme, Make Up, Lippenbalsam und Deo. Und schon bevor wir den ersten Schritt vor unsere Haustür setzen, haben wir uns und unsere Haut den unterschiedlichsten Giftstoffen und Chemikalien ausgesetzt. Eigentlich wissen wir ja, dass manche Produkte auf unseren Badezimmerregalen nicht gerade die gesündesten sind. Trotzdem greifen wir aus Bequemlichkeit, Gewohnheit oder Kostengründen immer wieder auf sie zurück.

Dass es aber auch ganz anders gehen kann, beweist Dr. Christina Kraus in ihrem Buch „Natürlich schön – Naturkosmetik leicht gemacht“. Darin zeigt die Apothekerin, wie aus unserem „Chemieschränkchen“ eine Sammlung an natürlichen, gesunden Pflegeprodukten wird – ganz ohne Konservierungsstoffe, dafür aber mit viel Liebe selbst hergestellt. Zu Beginn klärt Dr. Christina Kraus über theoretische Grundlagen wie etwa den Aufbau der Haut, die häufigsten Hauttypen und ihre speziellen Bedürfnisse sowie mögliche Gefahren durch Kosmetik aus dem Labor auf. Anschließend werden die wichtigsten Zutaten und die richtigen Utensilien für die eigene Naturkosmetik-Manufaktur vorgestellt.

Und dann geht‘s auch schon an die Herstellung verschiedenster Produkte: Von Körperölen und Bodylotions über Peelings, Badepralinen, Deos, Bartölen und Gesichtsmasken bis hin zu Trockenshampoos, Haarkuren und Lippenstiften ist alles dabei, was das Naturkosmetik-Herz begehrt. Praktisch: Vegane Rezepte, die übrigens den Großteil ausmachen, sind klar gekennzeichnet.

Wer bereits ein paar Kosmetika hergestellt hat, findet im hinteren Teil des Buches Anregungen für das „Spa zu Hause“. Darin zeigt die Apothekerin, wie Sie verschiedene Naturkosmetikprodukte kombinieren können, um für ein paar Minuten oder ein paar Stunden (je nach Wunsch) ein entspannendes Wellness-Erlebnis im eigenen Badezimmer zu zaubern. Diese Anleitungen reichen vom Pflegeritual für Männer bis hin zu geeigneten Spa-Anwendungen im Sommer oder Winter.

Wer seine neu entdeckte Leidenschaft für Naturkosmetik mit seiner Familie und seinen Freunden teilen möchte, dem schlägt Dr. Christina Kraus ganz unterschiedliche Geschenkideen vor. Wie wär‘s mit einem kleinen Reise-Set für den Urlaub der besten Freundin? Oder ein Körbchen mit Baby-Pflegeprodukten für den kleinen Neffen? Für jede Gelegenheit findet sich die passende Idee.

Natürlich schön - Naturkosmetik leicht gemacht
© EMF/Christina Kraus

Fazit // Die schönen Bilder und die übersichtlichen Rezepte machen Lust auf‘s Ausprobieren. „Vanilla Kiss“ Lippenpflege, „Good Night“ Lavendel-Handbalsam, „White Chocolate Bliss“ Badepralinen … schon allein die Namen lassen uns die Düfte in die Nase steigen. Besonders praktisch sind die Anwendungshinweise und Vorschläge für verschiedene Abwandlungen der Rezepte.


„Natürlich schön – Naturkosmetik leicht gemacht“ von Dr. Christina Kraus ist im EMF Verlag erschienen und kostet 22,99 €.



Rezept: Sunny Bunny (vegan)

Dieses herrliche Karottenöl verleiht der Haut einen frischen, belebten Teint und einen „Glow“ – wie von der Sonne geküsst! Dank seines hohen Gehalts an Carotin und Lykopen eignet es sich hervorragend als entspannendes Körperöl nach einem Tag in der Sonne. Durch das Trocknen der Karotten wird das goldgelbe Öl länger haltbar.

Sunny Bunny Körperöl
© EMF/Christina Kraus

Geeignet für
alle Hauttypen, auch entzündliche oder sonnengeschädigte Haut

Zutaten für drei Flaschen mit je 100 ml
2 mittelgroße Biokarotten
300 ml Sonnenblumenöl

Zubereitungszeit
7 Stunden
+ 12 Stunden Ruhezeit

Haltbarkeit
6–9 Monate

Zubereitung
Bürsten und waschen Sie die Karotten gründlich und trocknen Sie sie gut ab. Mit einem Spargelschäler schneiden Sie die Karotten längs in dünne Streifen. Legen Sie die Streifen auf einen mit Backpapier belegten Backofenrost. Den Backofen auf maximal 50 °C stellen, das Blech einschieben und die Möhrenstreifen etwa 3 Stunden trocknen lassen. Die Ofentür dabei einen Spalt geöffnet lassen.

Erwärmen Sie das Öl dann langsam in einem Topf und geben Sie die angetrockneten Karottenstreifen dazu, lassen Sie die Mischung zugedeckt bei schwacher Hitze etwa 3 Stunden köcheln. Nehmen Sie den Topf vom Herd und lassen Sie das Öl unter Umrühren abkühlen. Sieben Sie die Karotten mit einem feinen Metallsieb ab.

Lassen Sie die Mischung zugedeckt über Nacht stehen und filtrieren Sie das Öl zum Schluss durch einen Papierteefilter. Füllen Sie das Öl in die Flaschen ab.

Anwendung
Verwenden Sie das goldgelbe Öl pur als Anti-Aging-Serum, pflegendes Körperöl oder After-Sun Pflege. Es eignet sich auch hervorragend als Zutat in Cremes und Lotions.

Achtung: Die Farbe kann auf weiße Kleidung und Bettlaken abfärben!

// Rezept aus „Natürlich schön – Naturkosmetik leicht gemacht“ (EMF Verlag) //

Dies.Das.Asanas. – Der betende Storch

Auch dieses Mal stelle ich wieder eine neue, fetzige Haltung vor, die man nicht in den traditionellen Yogabüchern findet. Diese hier hatte bisher noch nicht einmal einen Namen. Ich hab einen gefunden: der betende Storch.

Utthita Hasta Padangushthasana – schwieriger Name? Dabei klingt diese Asana in Sanskrit noch lange nicht so kompliziert wie im Deutschen. Übersetzt heißt sie nämlich „Ausgestreckte-Hand-greift-große-Zehe-Position“. Da es hier auch noch um eine Variante geht, bei der das gegriffene Bein zur Seite gestreckt wird und man sich nach vorne beugt, wäre der Name kaum auszusprechen, geschweige denn zu merken. Deswegen taufe ich sie jetzt der Einfachheit halber: betender Storch. Diese Balance-Übung macht richtig viel Spaß, wenn man zentriert ist. Mir gefällt vor allem das Spiel mit den rechten Winkeln, die entstehen, wenn man sich gestreckt ausrichtet. Die Asana kräftigt Beine, Po, Rumpf und Fußgelenke, dehnt die Rückseiten der Beine und verbessert die Fähigkeit, auf einem Bein im Raum zu balancieren.

Muss ich das können?
Nicht unbedingt. Aber falls Utthita Hasta Padangushthasana mit oder ohne Gurt stabil ist, können Sie sich spielerisch an diese Herausforderung wagen.

Was muss ich dafür tun?
Grundvoraussetzungen sind Dandasana (Stabhaltung), also das aufrechte Sitzen mit nach vorn ausgestreckten Beinen, und Upavishtha Konasana (Grätsche im Sitzen) in der Variante ohne Vorwärtsbeuge.

Ist das gefährlich?
Nein. Im „Fall des Fallens“ lässt man einfach den Fuß, bzw. Gurt los und landet auf beiden Füßen. Kontraindikationen: Verletzungen des Fußgelenks oder des unteren Rückens.

Schritt für Schritt

1 Sie starten in Tadasana (Berghaltung). Heben Sie das linke Knie zur Brust. Sobald Sie stabil stehen, beugen Sie sich leicht nach vorn und greifen mit der linken Hand innen am Oberschenkel vorbei den großen Zeh, die Fußaußenkante oder (wenn Sie einen Gurt benutzen) beide Gurtenden.

2 Richten Sie sich wieder auf, strecken Sie das Standbein und schieben Sie die Schädeldecke aus der Körpermitte heraus Richtung Zimmerdecke.

3 Mit der nächsten Einatmung betonen Sie nochmals diese Aufrichtung, mit der Ausatmung strecken Sie langsam das linke Bein zur linken Seite.

4 Lassen Sie den Blick langsam Richtung Boden wandern und beugen Sie sich gleichzeitig mit gestrecktem Rücken nach vorne. Die rechte Hand können Sie in einem halben Anjali-Mudra vor’s Herz legen oder zur Stabilisierung an die rechte Hüfte.

5 Jetzt beginnt das Spiel mit der Balance: Erlauben Sie Mini-Bewegungen im rechten Fuß und denken Sie daran, dass Balance bedeutet, Bewegungen zuzulassen und auszugleichen, und nicht, dass man sich ein Standbein aus Beton wünscht.

6 Halten Sie den betenden Storch möglichst fünf Atemzüge lang. Beim Aufrichten mit einer Einatmung können Sie das Standbein leicht beugen. Dann strecken Sie das linke Bein nach vorne und lassen den Fuß los. Nachdem Sie die Beine etwas gelockert haben, wiederholen Sie das Ganze auf der anderen Seite.

Einsteiger-Variante:
Manchmal darf es etwas mehr Unterstützung sein. In diesem Fall können Sie den gehobenen Fuß auf einer Tischkante ablegen und sich mit den Händen an einer Stuhllehne festhalten.


Foto: Richard Pilnick

Montags-Mantra: Verändere deine Sicht auf die Dinge…

… und die Dinge, die du siehst, verändern sich.

Probleme anderer lassen sich grundsätzlich leichter lösen als die eigenen. Wir betrachten die Situation aus dem Blickwinkel des Beraters und können, dank des emotionalen Abstands, Vor- und Nachteile abwägen und die Situation logisch beurteilen. Stecken wir selbst in der Klemme, löst sich diese Gabe plötzlich in Luft auf. Man grübelt hin und her, schreibt endlos lange Pro- und Kontra-Listen und schließt den Lösungsfindungsprozess letztendlich mit dem Fazit „hoffnungslos“ ab.

Doch aus dem Weltall betrachtet – aus einer anderen Perspektive – spielt das Problem gar keine so große Rolle. Wechseln wir den Standpunkt, öffnet sich ein neuer Blickwinkel und wirft ein anderes Licht auf eine Sache, die vorher so düster aussah. Das heißt nicht, dass wir uns für jede Problemfindung auf den Mond schießen lassen müssen (auch wenn sich dieser Ausweg ab und an ganz gut anhört). Manchmal hilft es schon, etwas Abstand zu gewinnen und die Sichtweise zu wechseln – selbst wenn es bedeutet, dass wir einen Schritt zurück gehen müssen. Es ist wie beim Schreiben: Sitzt man lange an einem Text, übersieht man leicht grundlegende Tippfehler. Legt man die Arbeit für eine Zeit lang zur Seite und gewinnt Abstand, schmunzelt man beim nächsten Durchlesen über eigene Pannen.

So ist es auch im Leben: Oft stehen wir blind vor einer Situation ohne zu merken, dass wir der Lösung im Weg sind. Aus Angst zu scheitern oder die Sache aus den Augen zu verlieren, verharren wir an einer Stelle, anstatt sie von einer anderen Blickrichtung zu betrachten.

Wenn wir das nächste mal also an einem Konflikt verzweifeln, einfach mal kurz die Yogamatte ausrollen, in den Kopfstand gehen und schauen, welche Türen die neue Perspektive öffnet.

„Wenn Du Deine Sicht auf die Dinge veränderst, verändern sich die Dinge, die Du siehst.“

– Dr. Wayne Dyer

Nanu Nano! Sonnenschutzmittel im ÖKO-TEST

Seit Nanopartikel in Form mineralischer UV-Filter in die Kritik gerieten, sind viele Verbraucher verunsichert. Sind chemische Sonnenschutzmittel nun doch die bessere Wahl? Marieke Jörg, Redakteurin bei ÖKO-TEST, weiß Bescheid.

Seit Jahren empfiehlt Öko-Test Sonnenschutzmittel mit mineralischen statt chemischen UV-Filtern. Welche Vorteile bietet der mineralische Lichtschutz? Gibt es Nachteile?

Manche chemischen UV-Filtersubstanzen wie Octocrylene, Homosalate oder Ethylhexyl Methoxycinnamate stehen im Verdacht, wie ein Hormon zu wirken. Bei mineralischen Filtern wie Titandioxid oder Zinkoxid ist das nicht der Fall. Sie bilden ihre Schutzwirkung nicht wie chemische Filter nach dem Einziehen unter der Hautoberfläche aus, sondern wirken wie kleine Spiegel, die die UV-Strahlung auf der Haut reflektieren.
Der Nachteil mineralischer Filter ist, dass sie schwerer zu verteilen sind und oft einen weißen Film auf der Haut hinterlassen. Außerdem wird zur Ummantelung von Titandioxidpartikeln häufig Aluminium eingesetzt, dessen Aufnahme über die Haut noch nicht abschließend erforscht ist. Aluminium steht im Verdacht, beispielsweise das Nervensystem und die Fruchtbarkeit zu schädigen.

Ist dieser Weißeffekt irgendwie zu vermeiden oder unbedingt notwendig für den Sonnenschutz?

Leider lässt sich dieser Effekt nach derzeitigem Stand nur schwer vermeiden, wenn ausschließlich mineralische UV-Filter verwendet werden. Durch den Einsatz von Nanopartikeln kann er jedoch etwas abgemildert werden.

Gerade Nanopartikel stehen aber in der Kritik. Was genau verbirgt sich dahinter und worauf sollte man diesbezüglich achten?

Nanopartikel sind Kleinstteilchen mit einer Größe von 1 bis 100 Nanometern. Werden Substanzen in Nanoform eingesetzt, verbessern sich häufig ihre Materialeigenschaften. Sonnenschutzmittel mit mineralischen Filtersubstanzen in Nanogröße lassen sich besser verteilen und haben einen abgemilderten Weiß-Effekt. Das Beratergremium der Europäischen Union (SCCS) warnt allerdings, dass Titandioxid-Nanopartikel schwere Lungenschäden verursachen können, wenn sie in die tieferen Atemwege gelangen. Um das Risiko des Einatmens zu verringern, sollte man auf Sonnensprays mit Nanopartikeln verzichten und stattdessen lieber Cremes oder Lotionen benutzen. Sind Nanoteilchen enthalten, muss das seit Juli 2013 in den Inhaltsstoffen gekennzeichnet sein.

Worauf sollte man beim Kauf einer Sonnencreme unbedingt achten?

Wichtig ist, dass möglichst keine bedenklichen UV-Filter und andere umstrittene Substanzen wie Paraffine, Silikone oder halogenorganische Verbindungen enthalten sind. Wer auf Nummer sicher gehen will, greift zu zertifizierter Naturkosmetik, denn darin sind diese ohnehin verboten. Auch entzündungshemmende Substanzen wie Panthenol, Bisabolol, Ectoin oder Aloe Vera sollte das Produkt möglichst nicht enthalten. Diese können eine Rötung der Haut verhindern und ein Sonnenbrand wird möglicherweise zu spät bemerkt.


Im Juni 2015 hat ÖKO-TEST einen Test zum Thema Kindersonnenschutzmittel veröffentlicht.
www.oekotest.de