Meret Becker: „Lügen und andere Wahrheiten“

Verträumt und lakonisch, zart und bodenständig, hochkonzentriert und auf jeden Fall besonders: So erlebte YOGA JOURNAL die vielseitige Künstlerin Meret Becker im Interview. „Lügen und andere Wahrheiten“ heisst ihr neuer Film, und auch das Gespräch dreht sich vor allem um Gratwanderungen – im Leben und in der Kunst.

Meret, angesichts Ihres neuen Films verpflichtet uns dieses Interview zu besonderer Wahrhaftigkeit …
Noch spannender ist für mich zu sehen, wie originell ich antworte. Ich erlebe Interviewtage oft so: Erst sucht man ständig nach Worten, und irgendwann weiß man, was man zu dem Thema sagen kann oder möchte. Dann ist es allerdings bald an der Zeit, aufzuhören. Man muss aufpassen, dass man nicht immer das Gleiche sagt. Die Entdeckung soll nicht vorbei sein, denn sie ist wesentlich interessanter, als etwas zu wissen. Heute habe ich mir zum Beispiel schon fünfmal gesagt: Du Lügnerin, du wiederholst dich!

Womit wir beim Thema wären. Ihr neuer Film „Lügen und andere Wahrheiten“ stellt die Frage, ob es verschiedene Abstufungen von Ehrlichkeit gibt und wo jeweils die Grenze liegt. Inwiefern gilt das für Sie als Künstlerin?
Ja, wo fängt das an? In der Schauspielerei, besonders bei Dreharbeiten, in deren Rahmen man Szenen wiederholen kann? Bleibt dann das „echte“ Gefühl? In diesem Fall haben wir einen Improvisationsfilm gemacht und sind sehr ehrlich in die Situationen gegangen. Generell habe ich den Anspruch, eine Szene so zu vermitteln, als sei sie gerade erfunden. Oder gerade gefunden. Man muss immer sich selbst überraschen, dann bleibt man authentisch.

Es gibt die Auffassung, dass die künstlerische „Lüge“ näher an die Essenz der Dinge kommen kann als das so genannte „wahre“ Leben. Ihre eigene Kunst hat viele Gesichter: Film, Theater, Musik,
Varieté. Wägen Sie diese in puncto Authentizität manchmal gegeneinander ab?
Worüber ich mir immer im Klaren bin, das sind der Inhalt, den ich vermitteln möchte, und die Reaktion, die ich mir darauf wünsche. Die Wege dorthin variieren sehr, gehen in Richtung Zirkus, Entertainment, Chanson … Natürlich macht es auch einen Unterschied, ob ich wie beim Film im Team arbeite, mit Musikern auf der Bühne stehe oder wie bei meinem neuen Album „Deins & Done“ ganz loslasse und die ganze Stimmung ohne Performance nur noch in
den Song gebe.

Erleben wir hier eine ganz „echte“ Meret?
Alles, was ich tue, ist immer sehr persönlich und aus meinen Gedanken und Hintergründen entstanden. Bei „Deins & Done“ kommt vieles in der Tat sehr pur zum Vorschein. Ich singe viel Country und Bluegrass – Stile, in denen typischerweise ziemlich direkt das gesagt wird, was gefühlt wird. Da überschneiden sich bei mir Ausdruck und innere Einstellung. Das heißt aber nicht, dass ein Film wie „Lügen“ weniger wahrhaftig ist, weil der Film von Regisseurin Vanessa Jopp ist und ich lediglich ihr Werkzeug bin.

Auf der Suche nach mehr Wahrhaftigkeit oder auch Freiraum in ihrem Leben praktizieren einige Figuren in „Lügen“ Yoga. Was treibt Ihre Figur Coco in den Unterricht?
Coco ist eine wahnsinnig verspannte Perfektionistin, der Typ Frau, der es allen recht machen will: Sie ist erfolgreiche Zahnärztin, will ein perfektes Zuhause, perfekte Ehefrau und Tochter sein. Zusätzlich macht sie halt auch noch Yoga, damit ihr Körper fit, gesund und gut aussieht. Sie macht es zusammen mit ihrer besten Freundin, gespielt von Jeannette Hain, die offenbar mehr Anspruch hineinträgt und die Grundlagen kennenlernen will. Coco hat dazu gar keine Zeit. Was sicher konträr gegen Yoga läuft – wenn man nicht die Zeit hat, sich damit auseinanderzusetzen.

Beschäftigen Sie sich selbst mit der Praxis?
Nach meiner Erfahrung sehe ich sie als tolle Bewegungsform und ja, als Sport, obwohl ich weiß, dass es sich um eine Philosophie handelt. Die kenne ich allerdings nicht. Damit geht die Lüge natürlich los: Yoga üben und sich nicht wirklich damit auseinandersetzen. Da überspringt man sicher etwas. Rein körperlich ist Yoga wunderbar für Leute wie mich: Ich mache Artistik, da ist es gut, etwas Weicheres zu üben, in die Bewegung hinein zu atmen und den Körper gesünder zu manchen Dingen zu führen als in der Akrobatik. Dazu ist es gut für Leute, die gar keinen Sport machen, ältere Menschen, Kinder …

Der umschwärmte und vermeintlich so integere Yogalehrer Andi, gespielt von Florian David Fitz, bildet ein wichtiges Zentrum des Films. Die Frauen, die in seine Stunde kommen, berauschen sich fast an seiner vorerst ungebrochenen Tiefgründigkeit. Brauchen wir auf unserer Suche nach mehr Tiefe solche Erlöserfiguren, Stichwort: „Gurus“?
Das ist eine Charakterfrage. Es gibt sicher Menschen, die sich Inspiration von Gurus holen können. Ich habe diese Tendenz überhaupt nicht. Es wird so viel Inneres nach außen getragen, genau wie früher in den Religionen, dabei dient all das doch dem Gegenteil – habe ich zumindest immer gedacht. Ich glaube, dass die Menschen Rituale brauchen, ebenso wie Zauber. Wir wollen wegzaubern, was wir nicht wollen, wie bei der Beichte oder der Gedankenkiste beim Therapeuten, in der wir alles Lästige verstauen und später nochmal anschauen können. Wir brauchen Philosophien, Tradition und Rituale: Das nennen wir „Kultur“. Und wenn wir uns verrannt haben oder an etwas verzweifeln, suchen wir uns etwas Neues: Gurus, Yogalehrer, die versuchen, all das neu zu erfinden. Ich weiß allerdings nicht, ob das wirklich nötig ist.

Unsere Identität ist von Geburt an auch durch äußere Einflüsse und Erwartungshaltungen bestimmt. Yoga kann uns davon entspannen und Momente bereiten, in denen wir spüren: In mir gibt es etwas Beständiges, das keiner Prägung unterworfen ist.
Tja, ab wann erfinde ich mich selbst? Wann bin ich real? In Pedro Almodóvars Film „Alles über meine Mutter“ erzählt ein Transsexueller von den Operationen, die er unternahm, um authentischer zu sein, also als Frau leben zu können. Für viele ist das ein künstlicher Vorgang und nicht natürlich. Aber was soll „real“ bedeuten? Ganz natürlich sind wir direkt nach unserer Geburt, aber dann geht es ja schon los. Bekommt das Kind einen Ball oder eine Puppe geschenkt? Eine extrem spannende Frage, die man nicht beantworten, sondern nur mit Emotionalität ausmachen kann.

Und mit dem persönlichen Ausdruck?
Ich zum Beispiel denke regelmäßig darüber nach, meine Nase verändern zu lassen. Doch dann denke ich: Mensch, das bin doch ich, diese Nase hatte meine Oma schon, und ich bin so stolz auf meine Oma, da kann ich doch nichts an dieser Nase machen lassen. Ach, aber was wäre schon dabei? Und so weiter …

Gibt es für Sie einen Gegensatz zwischen Kunst und Natur?
Als ich ein Jahr in Brandenburg auf dem Land lebte, konnte ich erstmals die Natur in all ihren Facetten und Jahreszeiten kennenlernen. Es war irre, zu sehen, wie viele Sorten Tau, Sonne und Nebel es gibt. In der Natur verstreicht die Angst vor dem Tod. Man weiß plötzlich, warum man ist. Kunst empfinde ich vor allem als Ausdruck von Emotion. Man versucht, Emotion einzufangen und so reproduzierbar zu machen, dass sie die Menschen in dem Moment wieder trifft, in dem sie das Bild betrachten, die Zeilen lesen oder den Klang hören. Für einen Moment können die Menschen dann das zurückbekommen, was sie ohnehin in sich tragen. Das finde ich auf freundliche, herzliche Weise subversiv.

Sind Sie ein strukturierter Mensch oder brauchen Sie kreatives Chaos?
Einerseits bin ich sehr sortiert, ich mache zum Beispiel immer Konzeptalben. Ich liebe Chaos, aber meine Wohnung muss ordentlich sein. Vor allen Dingen brauche ich Ruhe. Chaos und Hektik haben für mich nichts miteinander zu tun. Ich versuche immer, genau in meiner Zeit zu sein. Ich bin Spezialistin für ausgefeilte To-Do-Listen, habe aber das Gefühl, immer hinterherzuhinken. Wenn ich sie Wochen später wiederfinde, merke ich, dass ich doch alles
erledigt habe. Bei der Produktion meines neuen Albums hatte ich das erste Mal seit langer Zeit das Gefühl, in meiner Zeit zu sein. Einmal war ich krank und nutzte die Zeit, mit meinem Gitarristen Buddy Sacher in Klausur zu gehen. Drei Tage habe ich nichts anderes gemacht, als ihm zuzuhören, die Songs zu entwickeln, ohne Gedanken an etwas anderes. Ich kann mir gut vorstellen, dass im Yoga so etwas passiert. Ich glaube, dass alle genau das suchen: sich im Jetzt wohlzufühlen. Man sollte nichts hinterherheulen und nicht irgendwohin rennen müssen. Man sollte hierbleiben.

Direkt hineingehen statt sich auszuklinken? Könnte das auch Aufgabe von Kunst sein: Mitten im Leben und nicht auf einer entrückten Ebene stattzufinden?
Könnte sein. Dabei muss ich an eine Bekannte denken, die gleichzeitig sehr vieles angefangen hat: Meditation, Buddhismus, chinesische Medizin, Yoga. Dann waren wir gemeinsam in Japan, und sie hat kaum Zeit mit den Japanern verbracht, sondern sich immer zur Meditation zurückgezogen. Yoga und Kunst können uns auf unserem Weg helfen, aber letztlich muss man sich selber darum kümmern, wie man wohin kommt.

Ist Ihnen die sehr lebensnah wirkende Improvisation bei den Dreharbeiten zu „Lügen“ entgegengekommen?
Ich kämpfe damit, aber ich finde es toll. Vanessa Jopps System beruht auf Improvisation und gleichzeitig auf einem klaren Gerüst, durch das sie die Schauspieler ganz sicher führt und auch ganz sicher eine vorher festgelegte Geschichte erzählt – das ist sehr wichtig für mich. Ich hasse es nämlich, Privates in eine Rolle zu bringen. Ich möchte etwas vermitteln und mich austauschen, aber das heißt nicht, die Hosen runterzulassen. Von mir gibt es etwas Durchdachtes. Ich zeige Ausschnitte aus meinem eigenen Erfahrungsschatz, von Menschen und ihrem Verhalten. Unsere Regisseurin hat etwas, von dem man denkt, dass es nicht durchführbar sei, auf eine solide Basis gestellt. Das Ganze war jedoch logistischer Wahnsinn, in dem die Schauspieler sehr wenig voneinander und von ihren Rollen wussten und chronologisch gedreht wurde. Dann musste noch gewährleistet werden, dass wir uns in unserer
Improvisation dahin bewegen, wo Vanessa uns haben wollte.

Wie man liest, setzte sie dabei durchaus kleine Lügen ein. Ist ein Leben komplett ohne Lügen vorstellbar?
Letztlich kommt man darum nicht herum. Man vermeidet Lügen, die sehr verletzen können. Das kann Leben kosten. Genauso kann die Wahrheit tief verletzen. Lüge entsteht aus einem Schutzbedürfnis. Für mich wird es brutal, wenn ein Mensch um sein Gefühl betrogen wird, wenn man ihm seine innerste Empfindung abspricht.


Für ihre Arbeit als Schauspielerin („Kleine Haie“, „Rossini“, „Feuchtgebiete“, „Tatort“), Komponistin, Sängerin, Live-Künstlerin und Produzentin ist Meret Becker mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden. Ihr neuer Film „Lügen und andere Wahrheiten“ lief 2014 in den Kinos und ist ab 5.3.2014 als DVD im Handel erhältlich. Die DVD verlosen wir übrigens pünktlich zum Verkaufsstart! Im September 2014 erschien ihr sechstes Album „Deins & Done“, das laut Meret Becker „nicht nur die erfüllte, sondern vor allem die gescheiterte Liebe portraitiert“.

Warum tragen Kundalini Yogis eigentlich einen Turban?

Kundalini Yoga

Imposant thront er auf dem Haupt seines Trägers und lässt ihn beinahe majestätisch aussehen. Allerdings wird der Kundalini-Turban relativ aufwendig gewickelt und es sieht eher unbequem aus, wenn jemand damit Yoga übt. Wozu also diese Kopfbedeckung im Yogaunterricht? YOGA JOURNAL hat bei Kundalini-Yogalehrer André Sat Ravi Singh nachgefragt.

Zugegebenermaßen ist der Anblick eines Turbans bei einem Menschen aus der westlichen Hemisphäre etwas befremdlich. Ich kann mich noch gut an meine erste Kundalini-Yogastunde in New York erinnern, als ich die Klasse betrat und der Lehrer sowie die meisten Schüler eine weiße Kopfbedeckung trugen. „Komischer Club“, schoss es mir durch den Kopf. Weil mich jedoch die Ausstrahlung des Lehrers faszinierte, blieb ich. Bereits nach 90 Minuten wusste ich, dass Kundalini Yoga mein Weg ist und ich bei diesem Lehrer meine Yoga-Ausbildung machen wollte. Allerdings auf keinen Fall mit solch einem Turban auf dem Kopf! Es dauerte jedoch nicht lange, bis mir eine Lehrerin empfahl, in ihrer Stunde zumindest die Vorstufe eines Turbans, ein gefaltetes Baumwolltuch (Bandana), zu tragen, um den energetischen Unterschied selbst zu erfahren. Die nächste Klasse übte ich also mit Bandana und der Unterschied war frappierend! Ich war plötzlich in der Lage, die Energie zu halten und zu kanalisieren – und die unterrichtete Übungsreihe (Kriya) und Meditation erhielt eine komplett andere Tiefe.

Bereits einige Wochen später begann ich mit meiner Ausbildung zum Kundalini- Yogalehrer, in der gleich zu Beginn der Sinn des Turbans angesprochen wurde. Der Kundalini-Meister Yogi Bhajan hat die Vorzüge im Detail erklärt: „Mit jeder Schicht, die du um deinen Kopf herumbindest, wickelst du dein eigenes Bewusstsein ein, dein eigenes Commitment und deine eigene Identität. Eine Person erhascht von dir (mit Turban) nur einen flüchtigen Blick und mit diesem (Blick) weiß diese Person, dass du etwas bist, mit dem sie sich auseinander setzen muss. Einen Turban zu binden und (ungeschorene) Haare auf deinem Kopf zu tragen, macht dich nicht zu einem Sikh. Ein Turban krönt dich in deiner Kapazität, verstehen zu können. Du bist unsterblich im Angesicht einer direkten Konfrontation mit dem Tod. Eine Kopfbedeckung zu tragen, befähigt dich, dein 6. Zentrum unter deine Kontrolle zu bringen.“

Nachdem ich bereits mit dem Bandana so kraftvolle und transformierende Erfahrungen gemacht hatte, kaufte ich mir Material für einen Turban. Der Unterschied zwischen einem Bandana und einem Turban, sofern er richtig gebunden wird, ist wie der zwischen einem VW Golf und einem Maserati. Der Turban in Verbindung mit Kundalini Yoga ist ein Geschenk Gottes: Die in uns liegende Kraft wird nicht nur erweckt, sondern kann auch kontrolliert und für unsere Projektionen kraftvoll genutzt werden.


André_Sat_Ravi_Sinah_Kundalini_TurbanAndré Sat Ravi Singh unterrrichtet im Kundalini Zentrum München und ist treuer Schüler von Gurmukh Kaur Khalsa. Mehr Information unter: www.k-yoga.de.

Weltfrieden: Mantra N°19

Om namo narayanaya

Dieses Mantra drückt die Verehrung für Narayana aus. In der Tradition von Swami Vishnudevananda wird es – oft am Ende der Yogastunde – für den Weltfrieden gechantet. Narayana wird sowohl als eine Manifestation Vishnus als auch Krishnas gesehen. Krishna wird, wie auch Buddha, als Inkarnation Vishnus betrachtet, um nur zwei der zehn Avatare Vishnus zu nennen. „Nara­yana“ kann laut dem spirituellen Wörterbuch der Sathya Sai Vereinigung e.V. wörtlich mit „Mensch und Gott“ übersetzt werden, was die Verschmelzung und Gemeinschaft der menschlichen Seele mit Gott symbolisiert. „Nara“ steht für „(Ur-)Mensch“ und „ayana“ bzw. „ayam“ für „ewig, ohne Ende“. Gott lebt im Selbst des Menschen als „Atman“ (was häufig mit „Seele“ übersetzt wird). Wenn wir dieses Mantra chanten und uns öffnen, kann Gott sich uns durch eine lebendige und inspirierende Weise offenbaren. Traditionell wird „Nara“ auch mit dem Element Wasser assoziiert. In der alles durchdringenden Natur Narayanas (wörtlich „aus dem Wasser Kommender“) geschehen die ewigen Bewegungen von Geburt, Leben und Tod. Eine weitere Bedeutung von „ayana“ ist „Ziel, Richtung“. Narayana weist somit auf die „Ausrichtung des Menschen“ zur Verschmelzung von persönlichem Atman und Gott hin – mit dem letztendlich höchsten Ziel: der Befreiung vom Rad der Wiedergeburten.


Philipp Stegmüller ist Leiter von Kirtan- und Bhajan-Veranstaltungen. Mehr Infos unter www.mantra-singing-circle.de. 03 – 2013


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Bücher: „Hacken“ von Christoph Braun

Landarbeit und Popkultur, das klingt zunächst nach einem Gegensatzpaar: Pop gedeiht in einem urbanen Umfeld, selbst angebautes Gemüse hingegen eher nicht. Und auf dem Land, wo man nach Lust und Laune pflügen, säen und ernten kann, ist es mit Popkultur in der Regel nicht weit her. Christoph Braun, Popjournalist und jahrelang überzeugter Großstadtmensch, versuchte diesen Spagat und zog raus aus der großen Stadt Berlin ins kleine Dorf Evessen – um zu erfahren, dass Dorfleben und Landwirtschaft keine romantische Angelegenheit sind, sondern denselben Innovations- und Effizienzzwängen unterliegen wie der restliche Kapitalismus. Und um herauszufinden, ob ihm die moderne Kommunikationstechnologie erlaubt, ein Landleben in der vermeintlichen Peripherie zu führen und gleichzeitig noch im Popkulturgeschehen der Hauptstadt mitzumischen. Herausgekommen ist dabei ein feines, kleines Buch zum Thema Transformation, das zwar hin und wieder arg diskursiv wird, aber eine interessante Perspektive auf den alten urbanen Traum vom „Raus aufs Land“ eröffnet. 

Hacken_BuchFazit: Hacken kann man sowohl im Netz als auch im Garten – Christoph Braun beschreibt Letzteres als neue Lebenserfahrung. Und könnte damit durchaus den ein oder anderen Städter inspirieren.

Hacken von Christoph Braun, Tropen, ca. 15 Euro

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5 Dinge, die du über Kinesiologie wissen solltest

Lydia Bose beschäftigt sich seit 15 Jahren mit Kinesiologie und hat uns 5 spannende Fragen zu dieser alternativen Heilmethode beantwortet.

1. Woher kommt die Kinesiologie?
Diese Methode wurde in den 1960er- Jahren von dem Chiropraktiker George Goodheart entwickelt. Das griechische Wort „kinesis“ bedeutet Bewegung – und die Kinesiologie ist die Lehre von der Bewegung. Goodheart stellte fest, dass unter Stress jeglicher Art die Muskelfunktion kurzzeitig eingeschränkt ist. Dieses Wissen macht sich die Kinesiologie mit Hilfe des Muskeltests zunutze: Dazu wird auf einen Muskel, meistens am Arm, Druck ausgeübt. Der Arm hält diesem Test entweder Stand oder nicht – ein direkter Indikator für Stress. Mit dem Muskeltest kann sich der Kinesiologe auch auf das Unterbewusste beziehen und er versucht gemeinsam mit dem Klienten in Begleitgesprächen herauszufinden, was sich hinter einer Krankheit oder seiner Lebensherausforderung verbirgt.

2. Wie wirkt die Kinesiologie?
Sie wirkt auf den gesamten Menschen und geht davon aus, dass man Symptom und Psyche nicht voneinander trennen kann. Als Therapeut beleuchte ich ein Problem gemeinsam mit meinem Klienten und erkunde dann per Muskeltest, worin die eigentliche Ursache liegt, welche kinesiologische Methode zur Regulation angewandt wird, was das geeignete Heilmittel ist und was der Klient daheim zur eigenen Unterstützung tun kann. Dabei kann ich über die körperliche Ebene die psychische und die biochemische Ebene erreichen.

3. Worin liegen die Möglichkeiten und Grenzen der Kinesiologie?
Therapeuten, Heilpraktiker und Coaches wenden die Kinesiologie unterschiedlich an: Begleitende Kinesiologen im Coaching greifen nicht in den therapeutischen Bereich ein, sondern begleiten den Klienten durch kinesiologische Methoden. Das Ziel ist, Eigenverantwortung und Selbstregulationskräfte in Gang zu setzen und das persönlich gesetzte Ziel zu unterstützen.

4. Für wen eignet sich die Kinesiologie?
Für jeden, der Stress hat – ob emotional oder körperlich – und wer hat heutzutage bitte keinen Stress? Die Methode bietet auch die Möglichkeit, präventiv und für sich alleine zu arbeiten.

5. In welchem Zusammenhang steht die Kinesiologie mit der Yogapraxis?
In beiden Fällen kommt man bei sich selbst an. In der Kinesiologie wie im Yoga wird mit energetischen Methoden und mit Aufmerksamkeit gearbeitet: Dort, wo wir unsere Aufmerksamkeit hinlenken, passiert auch eine Veränderung.


Heute arbeitet Lydia Bose in ihrer eigenen Praxis in Düsseldorf, doziert zu dieser Methode und ist erste Vorsitzende des Berufsverbandes der Kinesiologen DGAK (Deutsche Gesellschaft für Angewandte Kinesiologie e.V.). Mehr Infos: www.dgak.de

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Vom Brett auf die Matte

Snowboard Yoga

Nicola Thost gewann 1998 bei den Olympischen Spielen in Nagano als erste weibliche Snowboarderin eine Goldmedaille in der Halfpipe. 2003 zog sie sich aufgrund einer Verletzung aus dem Profisport zurück und entdeckte daraufhin Yoga. Heute fördert sie junge Snowboard-Talente und erklärt ihnen, dass man auf der Piste mit einem ruhigen Geist erfolgreicher ist.

YOGA JOURNAL: Nicola, wie kamst du zum Yoga?
Nicola Thost: Kurz nach Nagano zog ich mir 1999 meinen ersten Kreuzbandriss am Knie zu. Innerhalb von drei Jahren habe ich mich wiederholt am gleichen Knie verletzt und musste daher 2003 meine Profikarriere beenden. Drei Jahre später nahm mich eine Freundin in München zum Bikram Yoga mit. Die Sportarten, die ich neben dem Snowboarden betrieben habe, waren schon immer sehr trainingsorientiert und auf Muskelaufbau geeicht. Mir hat Yoga auf Anhieb sehr gefallen, weil es so anders ist, Anspannung mit Entspannung zu verbinden, anstatt sich immer nur auf Extremsport-Niveau auszupowern. Dass ich mich danach energiegeladen und zugleich entspannt gefühlt habe, war ein toller Nebeneffekt. Ich praktiziere nach wie vor Bikram Yoga, wenn ich in München bin. Leider gibt es dort, wo ich wohne, nicht so viele Studios.

Praktizierst du auch zu Hause?
Ich habe bereits einige Yogastile in diversen Studios ausprobiert und lerne gerne dazu. Aus jedem Kurs habe ich bis jetzt mindestens eine neue Asana oder Übungsabfolge für mich mitgenommen und aus allem eine einstündige Einheit entwickelt, die ich zu Hause oder im Urlaub für mich selbst übe. In den Bergen abseits der Piste unterwegs zu sein, wandern zu gehen und in mir selbst zu ruhen, ist meine Form der Meditation.

Bemerkst du einen inneren Wandel durch Yoga?
Yoga ist viel mehr als nur Bewegung: Ich habe mich zwar schon immer viel und gerne bewegt, aber ich habe gelernt, mit der Atmung und bewussten Entspannung Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen. Ich mag auch die philosophischen Aspekte, die einem die Lehrer über den Unterricht mit auf den Weg geben. Ja, Yoga hat mich schon verändert. Ich merkte, dass nicht mehr immer alles extrem sein muss. Ich muss nicht mehr ständig Vollgas geben und bis an meine Schmerzgrenze oder gar darüber hinausgehen.

Wie gibst du deine positiven Erfahrungen, die du mit Yoga machst, an deine Schüler weiter?
Ich organisiere jetzt im dritten Jahr mit der Firma Nitro das Girls SWUP 2013, ein Freestyle Snowboard-Camp für Frauen, die sich sowohl fürs Snowboardfahren begeistern können, als auch das Wellness-Angebot zu schätzen wissen, das wir anbieten. Die Kombination aus Yoga, Wellnesshotel und Snowboarden kommt auf jeden Fall sehr gut an bei den Teilnehmerinnen! Auch dieses Jahr biete ich neben dem Snowboarden Yogastunden an: eine eigene Mischung aus Yogaübungen, die besonders nach dem Sport gut tun und mit deren Hilfe man sich für den nächsten Tag im Schnee gut erholt fühlt.
Zudem veranstalte ich auch diese Saison wieder die Talentscouting-Serie „Sprungbrett“ für junge Snowboarder. Als Nachwuchsförderungsinitiative ermöglichen wir begeisterten Kids an fünf verschiedenen Locations einen ereignisreichen Tag im Schnee und geben den „Rookies“ einen Einblick in den Profisport. Wichtig ist mir, ihnen zu vermitteln, dass sie einen Ausgleich zu diesem doch harten Sport brauchen. Für Yoga interessieren sich diese Kids zwischen 6 und 15 Jahren noch nicht wirklich, aber zumindest möchte ich ihnen mit auf den Weg geben, wie wichtig es ist, auf sich zu achten, den eigenen Körper kennenzulernen und nicht allzu verbissen an die Sache heranzugehen.


Snowboard_Nicola_ThostDie Diplom-Sportökonomin kann auf eine beachtliche Karriere in der internationalen Snowboardszene zurückblicken. Nicola ist Expertin in der Organisation und Durchführung von Frauen-Snowboard-Camps wie z.B. das NITRO Girls SWUP.

Energetischer Start in den Tag: „Mini Practice“

energetischer Start

Energetischer Start gefällig? Morgenmuffel starten mit munter machenden Haltungen besser in den Tag. „Also sage ich meinen Schüler*innen immer, dass Yoga ein natürlicher Wachmacher ist.“ Das erzählt Lisa Black, Baptiste Power Vinyasa-Yoga-Lehrerin und Inhaberin der Yogastudios Shakti East und Shakti West im US-Bundesstaat Washington.

„Weil Yoga hilft, sich auf natürliche Weise richtig lebendig und wach zu fühlen.“ Denn eine kurze Yogapraxis gleich nach dem Aufstehen weckt die Wirbelsäule nach den vielen Stunden Liegen auf. Zudem aktivierst du die Atmung. Die Sequenz kurbelt zusätzlich die Blutzirkulation an und versorgt den Körper mit Sauerstoff. Übrigens übt man nach ayurvedischen Grundsätzen morgens am effektivsten bei Sonnenaufgang.

Ein weiterer ayurvedischer Tipp: Trinke morgens ein Glas Wasser mit einem Spritzer Zitronensaft, um den Verdauungsapparat zu aktivieren. Nach der Praxis sollte man sich noch einige Augenblicke für eine Meditation gönnen. „So startet man ruhig und geerdet in den Tag“, sagt Black. Außerdem kann Yoga am Morgen nicht nur dem Körper gut tun, sondern auch die Laune für den ganzen Tag beeinflussen, fügt sie hinzu. Anstatt sich mit Müh und Not heraus zu quälen, kann man fröhlich und ausgeglichen dem entgegentreten, was der Tag bringen wird.

Energetischer Start mit deiner Mini-Praxis

Mit diesen 5 Haltungen weckt man morgens den ganzen Körper auf, weiß Yogalehrerin Lisa Black.

1. Zuerst übst du die Berghaltung mit nach oben gestreckten Armen streckt die gesamte Vorderseite. Übe sie einatmend.

2. Dann atmest aus. Dabei lässt die stehende Vorbeuge danach das Blut ins Gehirn fließen. Lass die Einatmung einfließen. Jetzt steigst du zurück.

3. Mit dem herabschauenden Hund bringt man alle Gliedmaßen und die Wirbelsäule in Schwung. Hier atmest du aus.

4. Nun atmest du ein. Dabei hebst du dein Bein. Zudem dehnt der „dreibeinige“ Hund die Hüfte.

5. Jetzt steigst du nach vorne. Zum Schluss öffnet der tiefe Ausfallschritt das Herz.

1. Urdhva Hastasana
1. Urdhva Hastasana

2. Uttanasana
2. Uttanasana

3. Adho Mukha Shvanasana
3. Adho Mukha Shvanasana

4. Adho Mukha Shvanasana, Variation
4. Adho Mukha Shvanasana, Variation

5. Anjaneyasana
5. Anjaneyasana

Dann wiederholst du die Sequenz dreimal und schließe diese mit einigen Sonnengrüßen ab. Dadurch gibt diese kurze Yogapraxis allen, die morgens nur schwer aufwachen und auf die der Begriff „Morgenmuffel“ zutrifft, den benötigten Energiekick für den Tag geben.


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Das Mantra der Sonne: N°18

Om Hrim Sum Suryaya Namaha

Surya ist bereits in den ältesten Schriften der Sonnengott. Im Sonnenwagen zieht er mit seiner Gemahlin Chhayal (Schatten) durch den Himmel. Singen wir dieses Mantra, verbinden wir uns mit den Qualitäten von Surya. Neben der belebenden Kraft und dem Licht, das geistige Dunkelheit vertreibt, können wir durch das Singen dieses Mantras auch in Kontakt mit unserer reinkarnierenden Seele kommen. 

„Hrim“ ist das Sonnen-Bija-Mantra, das die Empfänglichkeit für den spirituellen Aspekt der Sonne verstärkt. „Sum“ ist das Sonnen-Bija-Mantra, das die Kraft des göttlichen Vaters aufruft. In „Sum“ steckt das englische „sun“ und auch unsere „Sonne“ ist klanglich nah. Es gibt sogar ein bekanntes Kinderlied, das dieses Bija-Mantra verwendet: „Sum, sum, sum, Bienchen sum herum.“ Die Vibration der Flügel der Bienen, der goldene Honig, die Blüten und die Sonne stehen alle in direkter Verbindung. Das Surya Namaskar ist die körperliche Form der Sonnenverehrung und kann durch die Kombination mit den Sonnen-Bija-Mantras vervollständigt werden. Wird das Surya-Mantra bei Sonnenauf- und Untergang gechantet, berühren sich Daumen und Ringfinger beider in den Himmel gestreckter Arme.


Philipp Stegmüller ist Leiter von Kirtan- und Bhajan-Veranstaltungen. Mehr Infos unter www.mantra-singing-circle.de. 06 – 2011


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