Ayurveda to Go: Chai-Latte selber machen

Chai Tee Latte mit Gewürzen

Draußen ist es kalt und du willst dich mit etwas Leckerem aufs Sofa kuscheln, das aber auch gesund sein soll? Dann haben wir einen super Tipp für dich: Chai selber machen. Und dieser hier passt auch noch wunderbar in die Ayurveda-Lebensweise.

Titelbild: Mizina (Getty Images) via Canva

Tee mit Milch hört sich nur für Menschen seltsam an, die noch nie Chai-Tee probiert haben. Er ist längst kein Geheim-Tipp unter Indien-Reisenden mehr. Kein Wunder, denn der süß-würzige, sahnige und leicht scharfe Geschmack macht süchtig.

Chai Rezept für 2 Tassen

  • 6 Stücke frischer Ingwer
  • 10 Kardamomkapseln
  • 2 Zimtstangen
  • 5 Sternanis
  • 1 TL Pfefferkörner
  • 2 EL Rohrzucker
  • 2 Beutel schwarzer Tee
  • 300 ml Wasser
  • 400 ml pflanzliche Milch, wie z.B. Hafer- Mandel- oder Sojamilch

Zubereitung des indischen Tees

Alle Gewürze im Mörser zerstoßen, in einen Topf geben und bis auf den Ingwer kurz anrösten. Wasser zugießen, Ingwer zugeben und alles 10 Minuten einkochen lassen. Pflanzliche Milch und Tee zugeben, nochmal kurz aufkochen. Den Herd auf die kleinste Stufe stellen und den Chai für 10 Minuten ziehen lassen. Durch einen Filter gießen und nach Geschmack nachsüßen.

Das leckere Rezept stammt übrigens von Volker Mehl. Der Ayurveda-Koch hat uns übrigens auch tolle Ernährungstipps für die Kleinen gegeben: Ayurveda für Kinder.

Wie gelingt ein lebendiges Leben? – Kolumne von Carmen Schnitzer

Frau steht vor Taj Mahal in iIndien

Es ist Anfang Februar. Quasi mitten im deutschen Winter blicken wir aus dem Fenster auf eine eher gräuliche Welt hinaus. Bis die Tage kommen, an denen wir bei 25 Grad mit unseren Freund*innen in T-Shirt und kurzer Hose und mit einem leckeren Eis in der Hand über die Straßen flanieren, ist es wohl noch ein bisschen hin. Da erinnern wir uns gerne an unsere YOGAWORLD JOURNAL Sommer-Ausgabe 04/2023 zurück, dem wir das Titelthema „Lebendigkeit“ gewidmet haben. Denn so richtig lebendig fühlen wir uns gerade … geht so. Wie gelingt ein lebendiges Leben, was müssen wir dafür tun? In ihrer damaligen Kolumne hat sich Redakteurin Carmen Schnitzer dazu Gedanken gemacht – und zwar auf ihrer ersten Indienreise.

Text: Carmen Schnitzer / Foto: Jyotirmoy Gupta via Unsplash

„Where is your breath? If you are not breathing, you are not doing yoga.“ In fast jeder seiner Yin-Yogastunden sagte das Hariji, der Gründer der Yogaschule im indischen Dharamsala, in der ich mich gerade befinde. Wo unser Atem sei. „Wenn ihr nicht atmet, praktiziert ihr kein Yoga.“ Wenn wir nicht atmen, leben wir nicht, denke ich, und vielleicht ist das letztlich dasselbe. Yoga und Leben, Leben und Yoga. Wir sind uns wahrscheinlich alle einig, dass im Thema „Lebendigkeit“ mehr steckt als lebendig sein im Sinne eines stumpfen Existierens. Nur – was?

„Du lebst nicht, du wirst gelebt“, hatte ich mal zu einem Ex-Partner gesagt. Wir sind nach wie vor gut befreundet, daher weiß ich, dass dieser Satz in ihm gearbeitet hat, und tatsächlich würde ich ihn mittlerweile so nicht mehr unterschreiben. Was ich meinte war: M., der aufgrund seines Charismas Leute schnell für sich einnehmen kann, zog in die Wohnungen, die man ihm quasi auf dem Silbertablett servierte, blieb in dem Job, der sich für ihn so ergeben hatte, und bei den Frauen, die sich am hartnäckigsten um ihn bemühten. Selten traf er selbst eine klare Entscheidung, zumindest keine, der eigene Bemühungen folgen mussten, um sie durchzuziehen. Stattdessen ließ er sich treiben.

Klingt im Grunde gar nicht so schlecht, nicht wahr? Sich treiben lassen, dem Strom des Lebens hingeben, vertrauen, dass das, was zu einem soll, auch zu einem kommt … Allein: M. war mit all dem nicht glücklich oder zufrieden. Oft fühlte er sich innerlich leer, und das nicht im guten Sinne. Ganz ohne eigenes Zutun wird es eben doch nix mit der Erfüllung. Es ist wahrscheinlich wie beim Yoga: Du musst deine Matte ausrollen, du musst aktiv mit deinem Körper, deinem Geist, deiner Seele arbeiten – und dich gleichzeitig bewusst dem Moment hingeben. Ein ewiges Zusammenspiel von Halten und Loslassen, von vertrauensvollem Abgeben und gleichzeitigem Behalten der Kontrolle, von Sein und Werden.

Ich glaube, was Lebendigkeit vom bloßen Da-Sein unterscheidet (und gleichzeitig genau dieses Da-Sein ausmacht), ist die Intensität. Und zwar eine Intensität, gegen die man sich nicht wehrt, in die man hineintaucht, um sie mit allen Sinnen zu er-leben. Auch dann, wenn es sich gerade nicht „gut“ anfühlt, denn das Leben besteht eben nicht nur aus sonnig-süßen Glücksmomenten.

Dazu noch ein Beispiel aus dem Ort, an dem ich mich gerade befinde (Shree Hari Yoga heißt die Schule übrigens): Eines Morgens stand dort ein verärgerter Engländer, der den Berg zu uns hochgestiegen war, um eine Ashtanga-Stunde zu besuchen. Er hatte sich extra per Mail erkundigt, ob sie wirklich stattfinden würde, was ihm bestätigt wurde – nun allerdings doch nicht der Fall war. Eine (in meinen Augen ehrlich gesagt etwas „verspulte“) Italienerin wollte ihm einreden, dass das doch eben Yoga sei: die Dinge zu akzeptieren, wie sie sind. Er solle sich nicht ärgern. Stattdessen säuselte sie: „Be happy!“

Sie meinte es sicher gut, machte aber letztlich alles noch schlimmer: Manchmal sei es eben nicht möglich, happy zu sein, antwortete der Engländer, und dass es auch wichtig sei, seinem aktuellen Gefühl des „Pissed“-Seins Raum zu geben. Meiner Meinung nach hatte er damit absolut recht – zumal er sich nicht von seinem Ärger auffressen ließ, sondern ihm Luft machte und anschließend einfach die stattfindende Yin-Yogastunde besuchte, also so ziemlich das Gegenteil von dem Yoga, auf das er sich gefreut hatte. Er gab sich der Praxis hin, und am Ende war sein Ärger verflogen, vermutlich auch, weil er ihn angenommen hatte.

„Der Schmerz kommt, aber er geht auch wieder“, noch so ein Satz aus Harijis Kursen. Wenn es wehtut, heiße es: weiter atmen! „Inhale deeeeeeply – exhale compleeeeeetely“, klingt seine Stimme in mir nach, jetzt, da ich zurück in Deutschland bin und hier die letzten Zeilen dieser Kolumne schreibe. Vielleicht passt zum Thema Lebendigkeit noch eine Wasser-Metapher: Lebendig fühlt sich, wer sich von den Wellen des Lebens mitreißen lässt, ohne von ihnen verschlungen zu werden. Damit das gelingt, gilt es, schwimmen zu lernen und regelmäßig zu üben. Manchmal brauchen wir starke Arme und Beine, um nicht unterzugehen im Ozean – und manchmal können wir uns auf den Rücken legen, uns vom Salzwasser tragen lassen und entspannt in die Sonne blinzeln …


Jean-Marc Turmes Photography

Ob der Inder, der ihr auf ihrer Reise am zufriedensten erschien, Yoga übte, weiß CARMEN SCHNITZER nicht. Er ruderte sie und ihre Freundin in Varanasi frühmorgens über den Ganges und sinnierte darüber, dass Glück und Traurigkeit sich im Leben immer abwechselten: „Selbst ein König muss manchmal weinen.“

Wenn du mehr über Carmens Indien-Reise erfahren möchtest, dann lies unbedingt ihren Reisebericht im YOGAWORLD JOURNAL 01/2024. Hier gibt’s das Heft im Shop.


Noch mehr Impulse rund ums Thema Lebendigkeit im YOGAWORLD JOURNAL 04/2023:

https://yogaworld.de/produkt/yoga-journal-nr-88-04-23-print-ausgabe/

#89 Thaiyoga für Kinder: Glücklich aufwachsen mit der heilsamen Kraft achtsamer Berührung – mit Sandra Walkenhorst

So schenkst du Kindern eine Auszeit von Stress und Leistungsdruck

Thaiyoga oder Nuad Thai Yoga Massage wird oft passives Yoga genannt und ist eine Form der ganzheitlichen energetischen Körperarbeit mit einer gebenden Person und einer empfangenden Person. Ein zentraler Aspekt dieser Praxis ist die Bedeutung der Berührung als kraftvolles Mittel zur Entspannung, Heilung und für emotionale Ausgeglichenheit. Es ist mittlerweile wissenschaftlich erwiesen, dass Berührung die Freisetzung von Oxytocin, dem sogenannten Bindungshormon, fördert. Oxytocin steht mit sozialer Bindung und positiven Emotionen in Verbindung. Weiter haben Studien gezeigt, dass Berührung den Spiegel des Stresshormons Cortisol reduzieren kann. Von diesen und vielen weiteren positiven Aspekten des Thaiyogas können auch Kinder in besonderem Maße profitieren, erklärt Yogalehrerin und Sozialpädagogin Sandra Walkenhorst im „YogaWorld Podcast“.

Im Gespräch mit Gastgeberin Susanne Mors gibt Sandra einen Einblick in ihre Arbeit mit den Kindern. Von einer allgemeinen Einführung, über die historischen Wurzeln, bis hin zur Praxis – Sandra spickt ihre Ausführungen mit interessanten Fakten und Hintergründen rund um Thaiyoga. So erfährst du zum Beispiel, wie Thai Kinderyoga, die Eltern-Kind-Beziehung nachhaltig stärken kann. Sandra stellt die wesentlichen Unterschiede, Dos und Don’ts bei der Arbeit mit großen und kleinen Teilnehmer*innen dar. Dann teilt sie ihre Lieblingsübungen und zum Schluss noch einen Gänsehautmoment, der einmal mehr zeigt, was für ein machtvolles Instrument auf allen Ebenen Yoga sein kann.

Der Sponsor der heutigen Folge ist der BDYoga (www.yoga.de). Auf unserer Instagramseite @yogaworld108, unter dem Reel zur Folge, kannst du Tickets für den Kongress „Yoga bewegt – Mit Yoga bewegen“ vom 20. bis 22. September 2024 in Hohenroda gewinnen.

Anusara Yoga: Style Guide

Mann Namaste drinnen Anusara Yoga
Foto von cottonbro von Pexels

Die Geschichte des Hatha Yoga ist voller Entwicklung und Innovation. Wie die Äste eines Baumes, haben sich viele neue Stile aus den älteren, klassischen Traditionen entwickelt. Anusara Yoga ist verwurzelt in einer tantrischen Linie, im ausrichtungsorientierten Hatha Yoga und moderner Biomechanik. Aber auch in der Gemeinschaft, die uns Halt und Tiefe in unserem spirituellen Fortschritt schenkt. Yogalehrerin Barbra Noh erklärt, was genau Anusara Yoga ist.

Ich hatte bereits sieben Jahre lang Yoga praktiziert, als ich Anusara Yoga entdeckte. Meine Home Practice war mir heilig und ich besuchte die Workshops verschiedenster Stilrichtungen. In jedem Stil fand ich Aspekte, die für mich sehr wertvoll waren. In den ersten Jahren meiner Praxis erfuhr ich eine starke Transformation sowohl auf persönlicher als auch auf gesundheitlicher Ebene. Nach einigen Jahren täglichen Übens „passierte“ bis auf Freude nicht mehr viel. Tatsächlich zog ich mir sogar Verletzungen zu und hatte chronische Schmerzen. Denn mein Körper war hyperflexibel geworden. Doch die strenge Disziplin und der Einfluss der klassischen Yoga-Philosophie schienen mich als Person eher strenger und weniger flexibel zu machen. Aufgrund meiner Hingabe für Yoga fragten mich einige Menschen, ob ich unterrichten wolle. Obwohl meine Yogaausbildung rudimentär war, bekam ich mehr und mehr Schüler*innen. Bald wurde mir klar, dass ich eine weitere Ausbildung benötigte. Nicht nur um mein eigenes Yoga zu vertiefen. Sondern auch besser helfen zu können.

Meine Suche führte mich zu Anusara. Und an dieser Stelle begann die zweite Stufe einer bedeutenden Transformation in meinem Yogaleben. Die Ausrichtungsprinzipien gaben mir die Stabilität und Integration, die mir bis dahin gefehlt hatten. Bestimmte Haltungen, die mir vorher nicht möglich waren, gelangen mir auf einmal mit Leichtigkeit. Meine üblichen „Wehwehchen“ verschwanden, als mein Körper in den Bereichen stärker wurde, in denen ich zuvor schwach gewesen war. Und in den Bereichen flexibler, in denen ich zuvor blockiert war. Ich hatte mir eine Verletzungen durch ein Adjustment zugezogen. Mit der Zeit und mit Beharrlichkeit war es möglich, diese Hüftverletzung zu heilen und das Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks zu vermeiden.

Der Wendepunkt in meinem Yogaweg

Die Tantra-Philosophie als neue spirituelle Basis veränderte mich als Person. Ich wurde zugänglicher, wärmer und empfindsamer war als zuvor. Ich begann mich mehr zu öffnen. Mich glücklich zu fühlen wurde weniger abhängig von äußeren Umständen. Es wurde zu einer bewusst gewählten Lebenshaltung. Anfangs benötigten die Ausrichtungsprinzipien in Verbindung mit dem tantrischen Gedankengut einige Anstrengung. Es ermutigte mich, dass ich nun besser fähig war, Schüler*innen zu helfen. Ich erlebte, dass diese Prinzipien es ermöglichen, leichter, tiefer und angenehmer in die Haltungen zu kommen. Wir alle machten Fortschritte! Insgesamt benötigte ich fünf Jahre, um meine Zertifizierung abzuschließen. Während dieser Zeit studierte ich die technische Seite des Unterrichtens. Außerdem gab es die Kula, das aktive Einbringen in die Gemeinschaft. Dadurch konnte ich meine „zwischenmenschlichen“ Fähigkeiten als Yogalehrerin entwickeln.

Anusara Yoga – wie alles begann

Die Methode begründete 1997 John Friend. Er war führender Iyengar-Yogalehrer, der Schüler von Gurumayi Chidvilasananda und jahrelanger Hatha-Yogalehrer im Siddha Yoga Ashram. Siddha Yoga von Swami Muktananda folgt der philosophischen Tradition des kaschmirischen Shivaismus. Daher wurde diese tantrische Philosophie die Basis von Anusara Yoga. Auch die jahrelange therapeutische Arbeit mit verletzten Schüler*innen führte schließlich zur Entwicklung einer Yogamethode. Diese unterschied sich so stark von allen anderen Yogastilen, dass sie nach einem eigenen Namen verlangte.

Anusara Yoga wurde ein Stil, der einerseits Komplexität und Tiefe besitzt. Andererseits ist er aber durch seine einzigartigen Prinzipien und seine logische Methodologie gut zugänglich. Das Wort „Anusara“ stammt aus einem Vers des tantrischen Textes Kularnava-Tantra. „Shaktipata-anusarena shishyonugraham arhati.“ „Indem er sich mit den Strom der göttlichen Shakti direkt ins Herz begibt, ist der wahre Schüler imstande, Gnade zu empfangen.“ Wörtlich bedeutet Anusara, im Fluss des Göttlichen zu sein, im Herzen zu verweilen und mit Gnade zu fließen. Die höchste Motivation besteht darin, sich nach dem Göttlichen auszurichten.

Barbra Noh über Anusara Yoga im „YogaWorld Podcast“

Hier gibt Barbra im Gespräch mit Susanne Mors einen Überblick über Anusara Yoga. Unter anderem beschreibt sie, worum es im Skandal um Anusara-Gründer John Friend ging, und äußert klar ihre Meinung zu den Vorfällen:

Es soll sich gut anfühlen!

Die folgende Beschreibung des Anusara-Systems mag zuerst wie schwierige technische Informationen wirken. Wenn man regelmäßig Anusara praktiziert, ändert sich das. Vielleicht taucht die Frage nach dem Sinn auf. Zusammenfassend kann man sagen, dass sie auf dem Weg zu Wohlgefühl und dem Erkennen seines inneren Glanzes dient. Die Asana-Praxis zusammen mit der Ausrichtung und der lebensbejahenden Philosophie führt zum Erleben unseres eigenen „Gut-Seins“. Wenn wir uns körperlich und emotional gut fühlen, erleben wir einen spirituellen Wandel und beginnen, uns auf neue Art für das Leben zu öffnen. Wir sind nicht nur im Einklang mit unserem Körper, sondern mit dem Leben selbst. Das ist die Erfahrung, die wir anstreben. Wie also können wir wissen, ob wir uns in der optimalen Ausrichtung befinden? Indem wir uns gut fühlen. Physisch, emotional und spirituell ausgeglichen, stabil und frei.

Die Methode: Attitude, Alignment, Action

Als Methode umfasst Anusara drei Hauptmerkmale: die non-dualistische, tantrische Philosophie, die biomechanischen Ausrichtungsprinzipien und die Kula (Gemeinschaft). Diese drei Aspekte werden kurz als die „3 A’s“ zusammengefasst: Attitude (Einstellung), Alignment (Ausrichtung), Action (Aktion). Dabei ist „Attitude“ als Kraft des Herzens hinter jeder Aktion oder jedem Ausdruck zu verstehen. Sowohl in der Asana als auch im Leben. Sie ist die tiefe Sehnsucht in uns, wieder zu unserer eigenen göttlichen Natur zu erwachen. Sie ist die Absicht, mit der wir uns mit dem Leben verbinden. Sie ist das „Warum“ unseres Daseins und unserer Yogapraxis.

„Alignment“ ist die bewusste Wahrnehmung, dass und wie verschiedene Teile von uns verbunden sind. Dabei handelt es sich um das Wissen, auf harmonische und erfüllende Weise zu interagieren, zu reagieren und zu kreieren. Es ist das „Wie“ unserer Reise. „Action“ ist die natürliche Bewegung der Energie im Körper. Sie wirkt sowohl durch ihre Stabilität beruhigend als auch freudvoll durch ihre Freiheit. Dieser Moment, in dem wir uns vollkommen im Erleben befinden, wohin uns unsere höchsten Absichten führten. Er bedeutet wörtlich, „Attitude“ und „Alignment“ in Aktion zu bringen und spiegelt das „Was“ unseres Lebens wider. Unser Handeln, wie wir mit unseren Beziehungen und Einflüssen durch und mit anderen umgehen, ist unser Yoga im Leben. Die Gemeinschaft oder Kula bietet uns das Feld, in dem wir beobachten, inwieweit unser Yoga uns dient.

Das spontane und natürliche Ergebnis von „Attitude“, „Alignment“ und „Action“ ist die tatsächliche Erfüllung der Sehnsucht des Herzens. Unsere höchste Intention, die Ausdruck darin findet, wie wir uns selbst im größeren Fluss des Lebens bewegen können und in harmonischer Beziehung mit dem existieren, was ist. Alle diese Konzepte beziehen sich genauso auf die Praxis wie auf das Leben. Im Anusara wird die Asana-Praxis als Möglichkeit gesehen, die Ideale und Qualitäten, nach denen wir streben, zu verkörpern und anzuwenden.

Anusara-Stunden

Anusara-Stunden variieren bezüglich des Themas, der Asana-Wahl und des Levels der Schüler*innen. Es gibt keine festen Übungsreihen. Daher gestalten alle Lehrenden ihre Stunden selbst. Teilweise werden auch Hilfsmittel eingesetzt. Allerdings legt Anusara größeren Wert darauf, dass die Schüler*innen durch die Ausrichtungsprinzipien eine gute Ausrichtung finden. Jede Klasse beginnt, indem kurz das philosophische Herzthema der Stunde erläutert wird. Gefolgt von einer kurzen Meditationsphase und dem Singen der „Invocation“. Das Herzthema wird in die Praxis eingeflochten. Die Wahl der Asanas hängt vom Thema ab. So bleibt das philosophische Konzept nicht nur eine schöne Idee, sondern wird ein physisches Erlebnis.

Im Allgemeinen beinhalten die Klassen sowohl dynamische Bewegungen als auch angenehmes, intensives Verweilen in den Asanas. Das bedeutet die Balance zwischen Bewegungen und detaillierter Aufmerksamkeit. Eine Anusara-Klasse setzt die „3 A’s“ mit den folgenden Aspekten um: Die tantrische Weltsicht, die universellen Ausrichtungsprinzipien und der Gemeinschaftsgeist. Sie definiert sich nicht durch Sequenzen. Sondern durch die Art der Praxis und die Einstellung. Was die Praxis ausmacht, sind die Handlungen, die innerhalb der Form stattfinden. In Verbindung mit einer demütigen Haltung der Offenheit. Die Lehrer*innen führen ihre Schüler*innen auf eine Weise, die darauf abzielt, sich spirituell zu erheben und zugleich auf körperlicher Ebene zu heilen.

Die Prinzipien und die Methode dient dem*der Schüler*in dazu, den eigenen Wert zu erkennen. Die Bewusstseinserweiterung, die zur Glückseligkeit führt, wird als oberste Motivation für die Praxis verstanden. Was wir wirklich wollen, ist, uns selbst kennen zu lernen. Wir wollen erkennen, wer wir in unserer wahren Essenz sind. Enthüllt von den Schleiern des Zweifels und der Wertlosigkeit. Dieses Wissen offenbart unsere glückselige Natur und erlaubt uns, uns selbst daraus kreativ zu zeigen.

Im Anusara werden in jeder Haltung die universellen Ausrichtungsprinzipien umgesetzt. Diese sind therapeutisch und bilden die Basis der Anusara-Yogatherapie. Zudem verkörpern sie die „3 A’s“ im Rahmen der Yogapraxis.

Die universellen Ausrichtungsprinzipien (UPA)

  • Erstes Prinzip – „Open to Grace“ (Offen sein für den „Fluss der Gnade“)
    Das erste Prinzip ist eine bewusste Ausrichtung unserer Absicht. Offen und im Fluss zu sein mit dem Höchsten (Grace). Diese Einstellung umfasst Hingabe. Die Bereitschaft, immer offen für das Lebens zu sein. Auf physischer Ebene zeigt es sich darin, dass wir in jeder Haltung ein optimales Fundament schaffen. Und zwar mit derselben Achtsamkeit, wie wir unsere Ausrichtung für die Praxis setzen. Weiter wird durch den Atem eine angenehme Dehnung der Körperseiten geschaffen. Dadurch „leuchtet“ der*die Schüler*in von innen.
  • Muskuläre Energie: Dieser Begriff beschreibt das Fokussieren der Energie von der Peripherie zur Körpermitte hin. Die Haut und die Muskeln schmiegen sich näher an die Knochen. Es findet ein subtiler Energiefluss von den äußeren Körperteilen (Füße, Hände, Kopf) zum Zentrum statt. Dies führt zu Stabilität, Kraft und Integration innerhalb der Asana. Zudem wird die Körperwahrnehmung gesteigert, wodurch eine ganzheitliche Körper-Geist-Erfahrung entsteht.

Spiraldynamik im Fokus

  • Innere/ausdehnende Spirale
    Diese Aktion beginnt an der inneren, vorderen Kante der Füße und bewegt sich an den Beinen entlang nach oben bis zum Becken. Die sich ausdehnende Energiespirale endet weit oben auf der Rückseite der Taille. Dieses Prinzip rotiert die Beine nach innen, bewegt die oberen Ansätze der Oberschenkel nach hinten und außen. Dadurch weitet sich das Becken zwischen den Sitzknochen. Die innere Spirale verfeinert die Ausrichtung des Oberschenkelknochens in der Hüftpfanne, sorgt für mehr Flexibilität in Hüften und Becken und hilft außerdem bei der Verstärkung der natürlichen Innenwölbung des unteren Rückens. Die innere Spirale der Arme dreht die Unterarme aus einer anatomisch neutralen Stellung nach innen, um die Handgelenke und Schultern auszurichten.
  • Äußere/zusammenziehende Spirale
    Dieses Prinzip arbeitet zusammen mit und der inneren Spirale entgegen. Die äußere Spirale ist die zusammenziehende Kraft. Deren Wirkung geht von der Rückseite der Taille aus, über das Steißbein bis in die Beine und Füße. Sie stabilisiert das Becken und bewegt das Steißbein in den durch die innere Spirale gebildeten Raum. Dadurch verlängert sie die Kurve in der Lendenwirbelsäule. Die Oberschenkel rotieren leicht nach außen. Diese kontrahierende Spirale endet an den Füßen mit Ziehen der Fersen zueinander. Dadurch wird die Haltung stabiler. Die ausgeglichene, gemeinsame Aktion der inneren und äußeren Spirale resultiert in einer Spannung im Becken. Für das Gleichgewicht der beiden Spiralen ist die Aktionen der inneren zu halten, während man die äußere hinzunimmt. Bei den Armen dreht die äußere Spirale die Oberarme nach außen und voneinander weg. Deswegen verstärkt sie die herzöffnende Qualität der Anusara-Yogapraxis.

Fokuspunkte und Energie-Loops

  • Organische Energie
    Der Begriff „organisch“ bezeichnet einen natürlichen und subtilen Energiefluss, der aus der Mitte des Körpers entspringt und sich entlang der Kernlinien des Körpers in die Peripherie bewegt. Als Gegenkraft zur muskulären Energie verlängert, erweitert und vergrößert sie die Ausdehnung und Flexibilität. Dadurch entsteht das Gefühl von freudiger Freiheit in den Haltungen. Die organische Energie entspringt zuerst am Fokuspunkt und bewegt sich dann nach unten zur Basis der Haltung. Dieses Verwurzeln über die Basis fördert zugleich die natürliche, nach oben strebende Ausdehnung aller Körperbereiche oberhalb des Fokuspunktes. Die organische Energie verleiht der Praxis ein angenehmes Gefühl einer sich ausdehnenden Leichtigkeit. In jeder Asana gibt es einen aktiven von insgesamt drei Fokuspunkten. Im Zentrum des Beckens, am tiefsten Punkt des Herzens und am oberen Gaumen. Der aktive Fokuspunkt ist jeweils der, der am meisten Gewicht trägt. Zum Beispiel liegt in allen Stehhaltungen der Fokuspunkt im Becken, im Handstand im Herzen und im Kopfstand im oberen Gaumen.

Anusara Yoga: Die Loops

Als sich Anusara Yoga entwickelte, wurden verfeinernde Elemente in das System integriert. Die „Loops“ bezeichnen kreisförmige Bewegungen, die energetisch im Körper stattfinden. Insgesamt gibt es sieben Loops. Die „Loops“ finden in der Praxis erst nach den fünf Hauptprinzipien (UPA) Anwendung und sind als Feinabstimmungen zu verstehen, die die Ausrichtung noch spezifischer optimieren.

Wie man die Methode erlernen kann

Für Anusara-Stunden in deiner Nähe, geh auf die Anusara-Website. Intensiver kann man Workshops und Masterclasses oder sogar die 108-stündige Immersions-Serie besuchen. Als Yogalehrer-Ausbildung werden 100-stündige Trainings angeboten, die man nach den Immersions beginnt. Erst im Anschluss folgt das erste Level der Anusara-Lehrer-Zertifizierung. Diese verleiht den Lehrenden den Titel „Anusara-Inspired“. Sowohl die Zertifizierung ist an ein Mentor-System gebunden, das Stundenbeurteilungen und Feedback-Sessions beinhaltet. Wie lange der gesamte Prozess dauert, ist individuell.

Lebensbejahende tantrische Philosophie

Anusara Yoga liegt eine klar definierte, non-dualistische, tantrische Weltsicht zugrunde, die das Leben im Kern als gut ansieht. „Non-dualistisch“ bezieht sich auf die dem Tantra vorausgehenden und gegensätzlichen Philosophien, welche die manifeste und die spirituelle Welt als komplett voneinander getrennt betrachten. Tantra dagegen ist die Sicht, dass es keine zwei getrennten Wirklichkeiten gibt, sondern nur eine einzige Energie, die die gesamte Existenz durchdringt. Sowohl im Absoluten als auch im Relativen. Das Wort „Tantra“ bezeichnet ein Werkzeug, Instrument oder eine Technik zur Ausdehnung. Als Begriff umfasst es eine breite Vielfalt von Schulen, die die Idee teilen, dass alles Bewusstsein ist. Der Zweig des Tantra, der kaschmirische Shivaismus, prägte Anusara. Das höchste Bewusstsein beinhaltet absolute Freiheit, Fülle und Kreativität. Dieses entschied sich aber für die Begrenzung des irdischen Daseins, um sich selbst in wiederzuerkennen. Daher sind Bewusstsein und Glückseligkeit (Chit-Ananda) die Essenz aller Dinge.

Anusara basiert also auf dem Konzept des intrinsisch Guten. Es lehrt, für alles offen zu sein. Auch wir finden uns in dem Spiel aus Verschleierung und Enthüllung, in dem wir unsere wahre Natur vergessen haben, um irgendwann die glückselige Erfahrung zu machen, die freudvolle Essenz unseres Seins wiederzufinden. Das höchste Ziel von Anusara Yoga ist, dass die Schüler*innen ihre eigene wahre Natur als bewusste Wesen der Glückseligkeit erkennen. Indem es ihnen eine Technik oder ein Werkzeug bietet, ihrem göttlichen Wesenskern näher zukommen. Im Anusara Yoga werden die Asanas als kreative Ausdrucksformen des Herzens betrachtet. Formen, die uns dabei helfen, unsere Fähigkeiten und die Sensibilität zu entwickeln, um uns nach unserer göttlichen Natur auszurichten. John Friend hat die Ausrichtungsprinzipien nicht erfunden, aber er besaß die Fähigkeit, eben die Muster im Körper zu erkennen, die größere, universelle und kosmische Muster widerspiegeln.

Kula – Gemeinschaft des Herzens

„Kula“ oder die „Gemeinschaft des Herzens“ ist Teil der Art, wie wir unser Yoga in die Welt bringen. In Beziehungen stoßen wir auf die Herausforderungen, die unser persönliches Wachstum fördern. Es sind die Menschen, mit denen wir in Beziehungen sind, mit denen wir die Schönheit des Lebens teilen. Die Kula erinnert uns daran, dass wir mit unseren Schmerzen, Freuden, Fragen und Antworten nicht alleine sind. Tatsächlich ist die Gemeinschaft das Feld, auf dem wir die gewonnenen Einsichten in unser Leben einbringen. So sehen wir die eigene Veränderung. Dort erhalten wir Unterstützung, wenn wir sie brauchen. Und stehen andersherum denjenigen zur Seite, mit denen wir uns verbunden fühlen.

Durch die Verbundenheit und die Interaktion verstehen wir unseren eigenen Wert und wie wir in das große Gesamtbild passen, auf tieferer Ebene. „Tantra“ beschreibt ein Werkzeug oder einen Webstuhl. Das höchste Bewusstsein ist in sämtliche Formen des Lebens eingewebt. Das Eine wurde zu den Vielen. Wir können uns selbst als die Fäden verstehen, die alle zusammen einen wunderschönen, bunten Teppich voller Harmonie und Einheit formen.


Barbra Noh ist zertifizierte Anusara-Yogalehrerin, unterrichtet seit 2000 und entdeckte 2006 Anusara für sich. Ursprünglich kommt sie aus Australien, lebt jedoch heute zwischen München und Bali. Sie bietet Retreats an und unterrichtet weltweit Workshops und Ausbildungen. Mehr Info auf barbranohyoga.com

Alignment Check mit Timo Wahl: Kriegerstellung – neue Perspektiven!

Wir haben sie alle schon gehört: die Anweisung, im ersten Krieger (oder auch: Helden) den hinteren Fuß auszudrehen, die Ferse aufzusetzen, das Becken parallel zum vorderen Mattenrand auszurichten und den Oberkörper aufzurichten. Funktioniert das wirklich? Ja, aber nicht für alle.

Text & Foto: Timo Wahl

In diesem Artikel möchte ich die gängige Vorstellung von Virabhadrasana I unter die Lupe nehmen und nach möglichen alternativen Herangehensweisen suchen. Was steckt dahinter? Die Kriegerstellung ist eine wichtige Übung zur Kräftigung der Beine. Dabei werden beim vorderen Bein sowohl die Streckermuskeln an der Vorderseite als auch die Beuger und das Gesäß an der Rückseite angesprochen. Aber auch das hintere Bein spielt eine wichtige Rolle. Hier werden die vorderen Muskelzüge, bestehend aus dem Hüftbeuger und den vier Schenkelstreckern, exzentrisch beansprucht. Das bedeutet, diese Muskeln müssen aktiviert werden, um das hintere Bein zu stabilisieren, während sie sich zugleich dehnen müssen. Genau diese exzentrische Beanspruchung ermöglicht es uns später, das Becken leichter gegen den Widerstand der vorderen Beinmuskulatur in Rückbeugen zu bewegen. Diese spezifische Kräftigung beider Beine ist also eine der wichtigsten Wirkungen der Asana.

Die Problematik

Wenn uns gesagt wird, dass in Virabhadrasana I der hintere Fuß vollständigen Bodenkontakt haben soll, entsteht zwar ein sicherer und stabiler Stand, aber gleichzeitig muss das hintere Bein gestreckt bleiben, um die Ferse an den Boden zu bringen: Der hintere Fuß fixiert also die Position des Unterschenkels, da das Sprunggelenk nicht drehen kann. So weit, so gut. Wenn wir nun versuchen, die zweite klassische Anweisung umzusetzen und das Becken parallel nach vorne zu drehen, wird der Hüftbeuger des hinteren Beins gedehnt. Dies geschieht durch die zunehmende Rotation des Oberschenkels in der Hüfte und die sich verändernden Winkel zwischen dem hinteren Bein und dem Becken. Für die meisten Menschen ist diese Dehnung allerdings zu stark. Die Bewegung stoppt, noch bevor das Becken annähernd nach vorne zeigt.

Typische Ausweichmanöver

Um dies zu korrigieren, könnte der Schritt stark verkürzt und gleichzeitig verbreitert werden, was jedoch zu einer Abschwächung der Wirkung führen würde. Die häufigste Reaktion besteht jedoch darin, das hintere Bein zu beugen, um die Dehnung zu verringern. Dadurch entsteht eine Beugung im Knie, gefolgt von einer Innenrotation des Oberschenkels gegenüber dem Unterschenkel. Das Ergebnis: Belastung am Innenmeniskus! Eine andere Ausweichreaktion, nämlich das Kippen des Beckens nach vorn führt ins extreme Hohlkreuz und dies führt wiederum zu Belastungen im unteren Rücken.

Wie kann eine sinnvolle Alternative aussehen?

Eine Möglichkeit besteht darin, den Krieger mit einer Ausfallschritt-Position der Beine zu kombinieren. Die Ferse des hinteren Beins bleibt dabei angehoben. Wenn das Bein gebeugt wird, kann der Winkel so gewählt werden, dass eine maximale exzentrische Dehnung erreicht und gleichzeitig eine optimale Ausrichtung des Beckens erzielt wird. Der Trick dabei ist einfach: Beuge das hintere Bein so weit wie nötig und strecke es so weit wie möglich!

Fazit:

Diese Variation ermöglicht eine effektive Aktivierung der relevanten Muskulatur, ohne dabei unnötige Belastungen oder Kompromisse in Kauf nehmen zu müssen. Sie eröffnet eine neue Perspektive auf die Kriegerstellung und lädt dazu ein, den eigenen Körper bewusster zu spüren und Positionen bedarfsorientierter anzupassen. Bleibe also offen für alternative Ansätze und finde heraus, welche Variationen am besten zu dir passen. Probiere es aus und genieße die Erforschung deiner persönlichen „Heldenreise“!


Kurse, Retreats, Ausbildungen und den Podcast von TIMO WAHL findest du unter: www.timowahl.de


Im letzten Teil von Timos Kolumne ging es um Drehungen. Du findest den Artikel hier:

#88 Yoga als Beruf: Erfolgreich starten und wachsen in der Yogabranche – mit Antonia Reinhard

Passende Nische und eigene Praxis: So wird deine Yogaliebe ein Business-Erfolg

Der Weg zum Yogaberuf beginnt oft mit einer persönlichen Reise der Selbsterforschung und Transformation. Yogalehrende teilen in der Regel nicht nur physische Übungen, sondern auch die Philosophie und den Lebensstil des Yoga. Die Entscheidung, diese Lehren dann letztendlich zu einem Beruf zu machen, ist oft geprägt von tiefgreifenden persönlichen Erfahrungen und dem Wunsch, anderen zu helfen, ein Gleichgewicht zwischen Körper und Geist zu finden. 

Der Beruf der Yogalehrer*in bedeutet aber natürlich nicht nur das Unterrichten von Asanas und Meditation. Es erfordert auch unternehmerisches Geschick, um erfolgreich zu sein. Von der Vermarktung eigener Kurse bis zur Pflege einer starken Online-Präsenz – Yogalehrende müssen nicht nur fit in der Yogaphilosophie, sondern auch geschickte Unternehmer*innen sein, die sich den Herausforderungen des modernen Marktes stellen müssen. An der Seite von Gastgeberin Susanne Mors ist Expertin Antonia Reinhard, die Yogalehrerinnen genau dabei unterstützt. Die Mentorin für Yoga-Business-Aufbau versorgt dich in dieser Folge „YogaWorld Podcast“ mit praktischen Tipps und spannenden Aspekten zum Thema Yoga als Beruf.

Der Sponsor der heutigen Folge ist der BDYoga (www.yoga.de). Auf unserer Instagramseite @yogaworld108, unter dem Reel zur Folge, kannst du Tickets für den Kongress „Yoga bewegt – Mit Yoga bewegen“ vom 20. bis 22. September 2024 in Hohenroda gewinnen.

INEA YOGA School Corfu: Yoga auf Griechenlands magischer Insel

INEA Yoga School Corfu

Die Yogalehrer Athina und Cedric haben sich in Indien kennengelernt und später als Paar die INEA YOGA School Corfu eröffnet. Ihre Schüler*innen sollen sich täglich neu erfahren und im Jetzt wahrnehmen. Wir haben Cedric zum Interview getroffen – und festgestellt, dass Corfu unser neuer magischer Sehnsuchtsort ist. //anzeige

Lieber Cedric, beginnen wir ganz am Anfang: Was hat dich zum Yoga gebracht?

Ich habe lange Jahre Kampfsport gemacht, Brazilian Jiu-Jitsu, Capoeira, Kickboxen. Dabei geht es meist ums gewinnen, besser zu sein, darum sich zu vergleichen und die Signale des Körpers über seine Grenzen zu drücken – genauso wie es sich in unserer schnellen und erfolgsorientierten Gesellschaft widerspiegelt. Als ich dann plötzlich beim Yoga auf der Matte stand, erfuhr ich zum ersten Mal wie es war, einfach nur zu sein und zu atmen. Ganz ohne groß etwas erreichen zu wollen. Ganz ohne mich zu messen oder zu vergleichen und ohne das mich jemand bewertete. Das war für mich eine neue Art das Leben zu sehen und es ist bis heute meine Einstellung auf der Matte und als Lehrer – und das Schönste an meiner eigenen Praxis. Die Entdeckungsreise nach innen und das Erleben des eigenen Seins, einfach so wie es ist.

Diese Entdeckungsreise hat dich gemeinsam mit deiner Partnerin Athina bis nach Corfu geführt.

Ja, das war wirklich eine Reise! Athina und ich haben uns bilderbuchmäßig auf unserer ersten Yogaausbildung in Indien kennengelernt. Nach einer längeren Meditation in der Ausbildung, stand Athina auf und, da ihr Fuß eingeschlafen war, hat sie sich diesen verstaucht und musste erstmal 2 Wochen Asana-Praxis pausieren. Da ich neben ihr saß, war ich dann die physische und mentale „Stütze“ und dadurch haben wir viele schöne Gespräche gehabt und uns kennengelernt. Ein Jahr später sind wir dann ein Yoga-Pärchen geworden und wiederum ein Jahr später nach Corfu gezogen. 

Und warum die Yoga-Schule auf Corfu gegründet? Hat der Ort eine besondere Bedeutung für euch?

Athina ist Griechin und kommt aus Corfu, ihre Eltern haben hier vor 30 Jahren ein Apartmenthaus mit 15 Räumen selbst aufgebaut. Von unseren Schüler*innen hören wir oft, dass hier eine ruhige, dennoch kraftvolle Energie in der Luft liegt. Viele Gäste erzählen uns, dass sie bei uns so sehr zu sich kommen und nutzen Worte wie „Heilung“, „Balance“ oder „Oase“.

  • Athina von INEA Yoga Corfu
  • INEA Yoga Corfu

Woran denkst du liegt das?

Genau kann ich das auch nicht sagen. Vielleicht an der salzigen Luft, dem Meer, den immer grünen Olivenbäumen oder am Yoga, wer weiß? Ist aber auch nicht wichtig. Wir haben das Apartmenthaus zu unserer Yoga-Schule umgebaut und in Handarbeit Jahr für Jahr den einstigen Parkplatz und die Garage in Yoga-Shalas und einen blühenden Garten verwandelt.

Klingt nach viel Arbeit aber auch nach einem wahr gewordenen Traum … 

Hier zu leben und Yoga zu unterrichten …Das fühlst sich für mich so an, als wäre ich endlich Zuhause angekommen, obwohl ich fern meiner Heimat bin! Abgesehen davon scheint von Mai bis Oktober fast durchgehend die Sonne bei 20 bis 30 Grad – das lässt sich auch ganz gut aushalten.

INEA bedeutet auf griechisch „Das Neue“. Wie spiegelt sich das in eurer Yoga-Schule wider?

Yoga wurde seit jeher im Kontext der aktuellen Zeit der Praktizierenden interpretiert. Je nachdem welche Umstände in der Gesellschaft herrschten oder welche philosophischen Themen präsent waren, haben die Yogi*nis diese aufgenommen und ihre Praxis weiter entwickelt. Yoga war nie starr. Tradition ist ein sehr wichtiger Part, sie zeigt uns was bisher am Besten funktionierte und lehrt das Erfahrungswissen der Ahnen. Nun gilt es diese alten, bewährten Techniken im heutigen Umfeld zu erfahren und selbst ins Jetzt zu finden. Denn das ist immer neu und einzigartig. Das wollen wir mit INEA YOGA School Corfu auch weitergeben: sich selbst täglich „neu“ zu erfahren und sich durch die Techniken des Yoga im Jetzt wahrzunehmen.

War diese Ausrichtung von Anfang an klar für euch?

Athina und ich haben sehr intuitiv und aus dem Herzen unsere Ideen niedergeschrieben und kleine Zeichnungen von dem gemacht, was wir im Leben wirklich wollen und was uns erfüllt. Die Worte und Zeichnungen fügten sich zusammen und eine Yoga-Schule auf Corfu war der gemeinsame Nenner. Das ursprüngliche Leben hier auf Corfu birgt natürlich auch täglich Herausforderungen, doch bisher fühlt es richtig an.

Dann scheint es euer Dharma zu sein.

Ja sieht so aus. Ich persönlich glaube es ist Zeit, das wir mutig werden und die Dinge einfach machen, die wir tief im Inneren fühlen. Im Yoga würden wir sagen, dass wir unser Sankalpa, unseren Herzenswunsch leben, auch wenn rationale Argumente manchmal dagegen sprechen. Aber mit allen Höhen und Tiefen: Es lohnt sich!

Ihr unterrichtet beide Yoga: Was wollt ihr euren Schüler*innen mit auf den Weg geben?

Wir legen großen Wert darauf, einen sicheren Raum zu schaffen, in dem unsere Schüler sich öffnen und hingeben können. Das ist die Grundbedingung sich auf die fantastische Reise nach Innen zu begeben und tief ins Yoga einzutauchen. Wir glauben, dass jeder Mensch in seiner Einzigartigkeit wundervoll und schön ist. Das bedeutet auch, sich in Yoga Posen zu fühlen, den Atem groß werden zu lassen und dieser eigenen Schönheit Ausdruck zu verleihen. Yoga gibt uns viele Übungen, Techniken und Ideen an die Hand, die wir aus tiefstem Herzen weitergeben, um viel Raum für Selbsterfahrung zu schenken. Gleichzeitig wollen wir die Leichtigkeit beibehalten und nicht alles zu ernst nehmen – das gelingt natürlich mit Sonne, Sandstrand und guten Unterhaltungen mit Gleichgesinnten leichter. Gemeinsam, manchmal mit bis zu 25 Leuten, essen wir täglich zusammen an einer langen Tafel zu Abend. Das fühlt sich dann fast wie eine große Familie an. 

Was erwartet mich, wenn ich euer Retreat besuche? Wie sind die Tage aufgebaut?

Wir bieten ein vielfältiges Angebot an, dass jedoch vollkommen auf freiwilliger Basis beruht. Wir unterstützen es sogar, wenn unsere Gäste auf ihre Bedürfnisse und den Körper hören, und wenn sie beispielsweise sagen: „Heute ist mal Pause“. Ein typischer Tag fängt mit einer geführten Meditation an, manchmal auch stilles Sitzen am Strand, und einer Morgen-Yoga-Klasse. Wir bieten aktivere Klassen wie Vinyasa oder Anusara, aber auch etwas ruhigere, energetisierende Klassen im Tantric Hatha Yoga mit Pranayama und Kryias an. Abends gibt es dann eine Yin Yoga-Klasse um zu entspannen und das was ist und war zu integrieren. Dazwischen können unsere Schüler an kleinen Yoga-Workshops teilnehmen, die unterschiedliche Themen umfassen. Beispielsweise „durch Mindfulness die Sinne Erkunden“, „DIY kreiere deine eigene Mala Kette“, „Sublte Bodies im Yoga“ (über Chakren, Nadis und Prana) oder „Einführung in Meditation & Pranayama“ und andere. An besonderen Abenden treffen wir uns für ein Kirtan, das ist gemeinsames Mantra Chanten, das heilt und belebt die Seele. Meist machen wir dann noch Gruppenausflüge wie eine Wandertour oder ein Bootsausflug. Und es bleibt auch genug Zeit fürs Sonnenbaden und im Meer plantschen.

Das klingt umfangreich und gleichzeitig sehr erholsam.

Du bist als Schüler*in bei uns richtig, wenn du nach einem Retreat suchst, um dich mit dir, deinem Körper, deinem Inneren und deiner Mitte zu verbinden, aber auch um deine Yogapraxis zu verfeinern, Neues zu lernen und andere Yogi*nis zu treffen. Du bist bei uns auch richtig, wenn du tiefer ins Yoga eintauchen und eine Yogalehrer*rinnen Ausbildung machen willst. Wir bieten 200 Stunden Vinyasa & Yin Yoga Lehrer Ausbildungen (YTTC) an. Falls du schon Lehrer*in bist, kannst du auch eine reine 100- oder 200-Stunden Yin Yoga Zusatzausbildung mit uns machen. Dabei legen wir großen Wert darauf, dass du deine eigene Persönlichkeit als Lehrer*in findest und authentisch weitergeben kannst – mit den Tools des Yoga. Egal was du bei uns buchst, wir sind darauf bedacht, dich als Mensch kennen zu lernen und so anzunehmen, wie du bist. 

Dann steht der Mensch im Zentrum bei INEA Yoga? 

Wir wollen selbst ein Leben führen, das auf einem menschlichen Miteinander beruht, das ehrlich und offen ist. Wir wollen Leichtigkeit und Freude kultivieren und das was ist annehmen. Dabei wollen wir Yoga, die Schule und diesen Ort als Fundament nutzen, um uns auszutauschen und miteinander zu verbinden. Die Welt scheint in gerade in einem Aufwachen zu sein – wir wollen diesen spannenden Weg zusammen und mit offenen Augen gehen.


Cedric Stein unterrichtet Anusara® Yoga, Tantric Hatha Yoga, Vinyasa Flow, Yin Yoga und Meditation und gibt Workshops in Meditation, Mindfulness, Asana Alignment und Tibetan Bowl Sound Treatment

Athina Tamaresi unterrichet Traditional Tantric Hatha Yoga, Ashtanga Yoga, Vinyasa Flow, Yin Yoga, Meditation, Mantra & Kirtan und Tibetan Sound Healing

Mehr Info: ineayoga.com und auf @inea.yoga

Mit Yoga und Ernährung den Körper im Winter wärmen

Yoga und Ernährung im Winter
Yoga und Ernährung im Winter

Bei den eisigen Temperaturen würden wir uns am liebsten mit einem warmen Tee unter der Decke verkriechen. Aber es gibt noch bessere Wege dem Frösteln entgegenzuwirken. Wir verraten, wie du mit Yoga und der richtigen Ernährung deinen Körper im Winter warm hältst.

Körperprozesse während der Winterzeit

So sehr sie uns auch bibbern lässt – die Kälte birgt positive Wirkungen in sich: Sie bringt Hormone und Kreislauf in Schwung und belebt Körper und Geist. Trotzdem bedeutet Kälte aber Stress für uns. Unser Immunsystem fährt herunter. Wir sind anfälliger für Krankheiten durch Viren und Bakterien. Die Kälte verlangt dem Körper einiges ab, sodass dieser in Alarmbereitschaft versetzt wird.

Sogar unsere Durchblutung verändert sich im Winter. Die Blutgefäße ziehen sich zusammen. Das Herz muss also deutlich mehr arbeiten und pumpen. Unser Körper will vor allem die inneren Organe warmhalten und schützen. Darunter leiden Gelenke und Muskeln, sie werden nicht mehr so gut versorgt. Deswegen brauchen deine Gelenke jetzt eine schonende Behandlung. Auch die Muskeln ziehen sich zusammen und können schneller verkrampfen. Ein Glück, dass du jetzt mit Yoga und Ernährung den Körper im Winter wärmen kannst.

Diese Asanas schenken dir ein Gefühl von Wärme

Mit Yoga und Ernährung zu mehr Wärme im Winter
Autorin Kerstin Ambrosius beim Yoga – Foto: Patrick Ambrosius

Die Atmung ist zu jeder Jahreszeit ein wichtiges Element im Aufwärmprozess. Die Muskelkontraktion während einer tiefen und bewussten Atmung stimuliert die Durchblutung und stellt neuen Sauerstoff in den Muskeln zur Verfügung. In der Asana-Praxis spielt neben vielen Dehnungen das Stärken der Muskeln eine wichtige Rolle. Denn es ist die Muskelkontraktion, welche die Herzfrequenz und die Durchblutung steigen lässt. Auch der Energieumsatz steigt in Abhängigkeit von der körperlichen Betätigung an. Ein Großteil der dabei umgesetzten Energie wird in Wärme umgewandelt. Mit einer dynamischen Praxis fühlst du dich im Winter wesentlich lebendiger.

Einfache aber effektiv aufwärmende Asanas sind dabei vor allem das Boot, der Blitz, die seitliche Planke oder der Krieger III. Und auch wenn du den Drang hast, der Asana zu entfliehen, versuch noch einen Moment länger zu bleiben. Wenn es brennt, arbeitet der Körper. So kommt das Gefühl von Wärme und Lebendigkeit auf. Vielleicht willst du die Wärme-Sequenz für inneres Feuer ausprobieren? Achte trotzdem auf deine Grenzen. Du willst deinem Körper etwas Gutes tun und nicht zu ehrgeizig sein.

Ernährung, die den Körper im Winter wärmt

Mit Yoga und Ernährung zu mehr Wärme im Winter
Foto: Patrick Ambrosius

Greife im Winter vermehrt zu Suppen und Tees, die unmittelbar wärmen. Gewürze wie Chili, Ingwer, Pfeffer, Zimt, Kreuzkümmel oder Muskat regen Durchblutung und Stoffwechsel an und machen uns so unempfindlicher gegenüber Kälte. Achte jetzt auf viele Vitamine. Sie schützen und stärken dein Immunsystem. Besonders vitaminreiche Südfrüchte wie Mandarinen, Clementinen, Kiwis und Orangen sollten jetzt regelmäßig in deinem Einkaufswagen landen. Äpfel, Birnen und Trockenfrüchte runden das Angebot ab. Kohlgemüse und Rote Beete sind voller Vitalstoffe und decken den Großteil unseres Vitamin C -Tagesbedarfs. In Verbindung mit pflanzlichen Ölen versorgen sie und mit viel Vitamin E und entfalten damit ihre antioxidative und entzündungshemmende Wirkung.

Kohlenhydrate halten dich warm

Schließlich bedienen wir uns noch der wohlbekanntesten Energiequelle: den Kohlenhydraten. Sie sind der wichtigste Treibstoff für Muskulatur und Gehirn und gelangen über das Blut in sämtliche Zellen. In Zeiten mit körperlicher Aktivität, wie einer Mini-Praxis, sicher eine flexible Energieversorgung.

Achte aber darauf, welche Kohlenhydrate du zu dir nimmst. Kohlenhydrate bestehen aus Zuckermolekülen, die wiederum mittels Insulin in die Zellen transportiert werden. Bei einfachen und schnellen Kohlenhydraten wie etwa in Weißbrot oder Nudeln steigt der Insulinspiegel extrem schnell an, nur um dann wieder in den Keller zu fallen. Die Folge: Nach kurzer Zeit hast du wieder Hunger. Komplexe Kohlenhydrate machen viel länger satt. Sie werden bei der Verdauung erst aufgespalten, bevor sie langsam und gleichmäßig ins Blut übergehen. Nimmst du einen ausgewogenen Mix aus Kohlenhydraten und Eiweißen zu dir, wird dein Körper konstant mit Energie versorgt. Komplexe und langsam wirkende Kohlenhydrate sind in vielen Nahrungsmitteln auf vollwertiger Getreidebasis zu finden. Dazu zählen wasserarme Kohlenhydrate wie Vollkornprodukte, Hafer, Reis, Hülsenfrüchte und außerdem Kartoffeln und Gemüse. Also lieber mal zum Porridge greifen, als zu den Cornflakes aus dem Supermarkt.

Auch wenn die Kälte uns manchmal erstarren lässt und wir uns nur noch verkriechen möchten, können wir mit mit Yoga und Ernährung den Körper im Winter wärmen und uns dadurch energiereicher fühlen. Vom Winterblues verabschieden wir uns dann mal, bis der Frühling wieder einkehrt.


Unsere Autorin Kerstin ist Yogalehrerin und Anwältin. Im Yogaunterricht liegt ihr Fokus nicht nur auf einer gesunden Ausrichtung, sondern auch auf dem Fluss der Bewegungen. Ihr zweites Herzens-Thema: Ernährung. Als zertifizierter Ernährungscoach weiß Kerstin, welchen Effekt eine gesunde und bewusste Ernährung auf Gesundheit und Wohlbefinden hat.

Titelbild: Photo by Genessa Panainte on Unsplash