Fluss der Lebensenergie – Die 5 Bandhas

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Energetische Verschlüsse, die sogenannten Bandhas, regeln nach yogischer Vorstellung den Energiefluss im Körper. Ein für viele Yogis ungewohnt sanfter, achtsamer Zugang zu den Bandhas kann helfen, mehr Freiheit im eigenen Körper und mehr Leichtigkeit im Leben zu finden.

AUS DEM TRADITIONELLEN Yoga sind die Bandhas nicht wegzudenken, denn sie erschließen uns die energetische Dimension der Praxis. Klassischerweise geht das so: Man aktiviert beim Prana­yama (Atemarbeit) bestimmte Muskeln und hält sie intensiv und ausdauernd. Dadurch sollen energetische Verschlüs­se (Bandhas) erzeugt werden, die die Lebensenergie (Prana) in den zentralen Energiekanal (Sushumna Nadi) entlang der Wirbelsäule lenken und dort halten. Im Prinzip stellt man sich ein Bandha also so vor wie das Ventil an einem Fahrrad­ schlauch: Es leitet Luft ins Innere und ver­hindert, dass sie wieder entweicht. Kann Prana gut fließen, dann verleiht das dem physischen Körper nach yogischer Vor­stellung Stabilität und Leichtigkeit. Gleichzeitig sollen auch emotionale Blockaden in den Chakras gelöst werden. Die Folge: Körper, Geist und Seele kom­men besser ins Gleichgewicht.

Im modernen Yoga hat sich seit eini­ger Zeit ein sanfterer Zugang zu den Bandhas durchgesetzt: Man unterrichtet sie eher im Zusammenhang mit Asana als im Pranayama und vor allem mit deut­lich geringerer Intensität. Meine eigene Praxis hat sich immer mehr von einem zwanghaften, verkrampften Halten zu einem sanften, achtsamen Erforschen entwickelt. Wenn ich früher etwa den Be­ckenboden für Mula Bandha angespannt habe, dann fühlten sich mein Körper und Atem oft ganz starr und unbeweglich an. Irgendwann wurde mir klar, dass die energetische Arbeit mit den Bandhas ja eigentlich zu den gleichen Bewusstseins­ zuständen führen soll wie die Medita­tion – und zu dieser Erfahrung führt für mich nur Weichheit und nie Kraft oder gar Gewalt: Nur indem ich Spannung in der Umgebung der Bandhas löse, anstatt Spannung zu erzeugen, kann ich das sanf­ te, spontane Aufsteigen von Prana spüren. Auch bei meinen Schülern kann ich es deutlich wahrnehmen: Wenn sie die Bandhas auf diese Weise einsetzen, dann werden ihre Bewegungen fließender und jede einzelne Haltung wirkt weiter und of­ ferner. Außerdem ist mir aufgefallen, dass diese Art von Arbeit auch einen Schutz gegen schlechte Ausrichtung und Verlet­zung bietet: Sobald ich es mit einer Asa­na übertreibe und zum Beispiel versuche, zu schnell zu tief in die Taube zu sinken, verliere ich das Gefühl für die Energie im zentralen Kanal – ein deutliches Signal, dass ich anders üben sollte. Versuchen Sie es selbst: Mit den folgenden Übungen lernen Sie, die Bandhas wahrzunehmen und sanft zu aktivieren. Das lehrt Sie, aus­geglichener zu üben – und diese Balance werden Sie vielleicht auch mehr und mehr in Ihrem Leben spüren.

Die 5 Bandhas

Die drei Haupt-Bandhas (1-3) sind entlang der Wirbelsäule angesiedelt. Hände und Füße stellen weitere Ventile für die Energie dar: energetisch weniger stark, aber dennoch sehr nützlich.

8 passende Übungen für die Bandha-Praxis finden Sie hier.


ESTHER EKHART unterrichtet seit über 25 Jahren Yoga und Meditation. Als Gründerin der Online-Plattformekhartyoga.com ist sie international bekannt. Für diesen Artikel hat sie nicht nur als Autorin, sondern auch als Model fungiert.

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