Style Guide: Strala Yoga

In vielen Yogastilen achtet man besonders auf die korrekte Ausführung der einzelnen Asanas – nicht so im Strala Yoga. Hier werden anstelle von Haltungen Bewegungen angeleitet, die die individuelle Gefühlslage der Praktizierenden miteinbeziehen. YOGA JOURNAL sprach mit der Yogalehrerin, die Strala Yoga über den großen Teich nach Deutschland gebracht hat. Was Strala im Vergleich zu anderen Stilen auszeichnet und wie eine Strala-Yogastunde aufgebaut ist teilte Anna Kleb mit uns. 

Strala Yoga geht zurück auf Tara Stiles, eine New-Yorkerin mit Model-Vergangenheit, und ihren Ehemann, den Arzt Michael Taylor. Den Namen „Strala“  setzten die beiden aus den englischen Wörtern „Strength“, „Balance“ und „Awareness“ (Stärke, Gleichgewicht, Bewusstheit) zusammen. Erst später stellte sich heraus, dass das Wort „stråla“ im Schwedischen „strahlen“ bedeutet. Das passt ideal zur Intention des Yogastils – nämlich Menschen zum Strahlen zu bringen. Bei Strala geht es nicht um strenge Regeln oder eine perfekte Ausrichtung in der Haltung. Es ist vielmehr eine Bewegungsphilosophie. Die einzelnen Asanas sind lediglich ein Wegweiser von A nach B.

Anna Kleb und Tara Stiles – Strala Yogalehrerinnen

Die Verbindung von Atmung und Bewegung ist generell ein wichtiges Grundelement im Yoga. Strala nutzt Atemübungen zum einen als Treibstoff für die Bewegung und zum anderen, um den Fokus ganz auf die Gefühle zu lenken.

Beim Einatmen dehnt sich der Brustkorb weit aus, beim Ausatmen verkleinert sich der Körperraum wieder, ähnlich wie eine Welle im Meer: Sie bäumt sich auf, und sinkt dann in sich zusammen, bevor sie langsam ausläuft. So schenkt man auf der Matte dem Atem mehr Beachtung, wie wenn man Wasser beobachtet. Deswegen wird der Atem zur Kraftquelle und ermöglicht fließende Bewegungen, die in einen Flow übergehen. Gleichzeitig praktiziert man mit Intuition und Gefühl, was zur Entspannung beiträgt und hilft, den Körper zu regenerieren.

„Mach dein eigenes Yoga“ –  so lautet der Grundsatz im Strala.

Der Stil bedient sich einiger Aspekte von der Kampfkunst Tai Chi bei der Verspannungen, Blockaden und Stress durch den Bewegungsfluss gelöst werden. In Kombination mit den Asanas entsteht ein Flow, der natürlich, individuell und tagesabhängig ist und auf die eigenen Bedürfnisse eingeht.

Das Streben nach einer perfekten Ausrichtung bringt einen nicht aus dem Kopf in den Körper. Welcher Muskel wird rotiert, wohin geht der Blick, ist meine Ausführung richtig oder falsch? Da fällt es schwerer, auf die eigene Intuition zu vertrauen und darauf zu hören, was dem Körper gut tut. Strala zieht das Bauchgefühl der wertenden Stimme im Kopf vor und möchte den individuellen Bewegungen größere Freiheit schenken. Das bringt mehr Gefühl, Leichtigkeit und Freude in die Praxis. Die Erfahrung stärkt die Verbindung nach innen und zeigt dem ein oder anderen vielleicht sogar eine neue Seite von sich selbst.

2 KOMMENTARE

  1. Besteht dann aber nicht die Gefahr, eine Übung „anatomisch falsch“ auszuführen und so – gerade als Laie – z. B. bereits vorgeschädigte Sehnen oder Bänder weiter zu schädigen?

    • Hallo liebe Maggi,

      danke für deine Frage. Als Laie oder Yoga Anfänger sollte man immer unter der Aufsicht und Anleitung eines Lehrers/einer Lehrerin mit der eigenen Yogapraxis beginnen. Denn auch bei vermeintlich „einfachen“ Asanas ist es sehr wichtig, sie von Grund auf richtig zu erlernen.
      Geübte Yogi/nis kennen ihren Körper und auch die damit einhergehenden Grenzen, sollten trotzdem bei neuen Yogastilen mit einem erfahrenen Lehrer/Lehrerin beginnen.

      Alles Liebe,
      dein Yogaworld-Team

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