Mark Stephens: Werkzeuge für die Yogapraxis

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Yogalehrer haben viele Möglichkeiten, in ihren Stunden einen inneren Raum zu öffnen. Hier sind einige Techniken, die – auch beim persönlichen Üben – eine bedeutungsvollere Erfahrung fördern.

Stille

Lassen Sie Ihren Schülern mehr Raum für ihre eigenen Erfahrungen, anstatt ihnen mit vielen Worten Ihre eigenen Interpretationen und Vorstellungen überzustülpen. Jeder Yogi sollte lernen, möglichst genau in sich selbst hineinzuhören und die Effekte der eigenen Praxis wahrzunehmen.

Yama und Niyama

Diese beiden Kernpunkte des Yoga Sutra mit ihren zehn Geboten bieten ein weites Feld für Reflektionen, die die Praxis bereichern können

  • Ahimsa (Gewaltlosigkeit)

Schmerz wird im Yoga manchmal als Freund bezeichnet. Das stimmt aber nur dann, wenn er als Wegweiser für eine sichere und nachhaltige Praxis genutzt wird.

  • Satya (Wahrhaftigkeit)

Als Lehrer sollten Sie nur das unterrichten, was Sie wirklich kennen und schätzen. Für die Lehre gilt ebenso wie für die Praxis:
„Sei dir selber treu.“

  • Brahmacharya (heilige Lebensweise, Keuschheit)

Nutzen Sie Ihre Energien auf ehren-
volle Weise – würdigen Sie Ihre eigene Integrität ebenso wie das Wohlergehen und die Sicherheit Ihrer Schüler.

  • Asteya (Nicht-Stehlen)

Nehmen Sie sich nicht ohne Erlaubnis, was Ihnen nicht gehört. Dazu gehören auch Ideen, Zeit und Kraft anderer Menschen.

  • Aparigraha (Nicht-Gier)

Öffnen Sie sich dafür, dass die Dinge zu Ihnen kommen und sich Ihnen als Möglichkeit erschließen, anstatt etwas zu erzwingen.

  • Saucha (Reinheit)

Stellen Sie sich die Frage, wie das Streben nach Reinheit Ihr Leben beeinflusst: Was (und wer) hat darin Platz und welche Stoffe möchte ich in meinem Organismus haben?

  • Santosha (Zufriedenheit)

Seien Sie bereit, in diesem Moment zufrieden zu sein, auch während die Praxis Sie auf immer wieder neue Weise fordert.

  • Tapas (Eifer)

Auch während Sie Zufriedenheit und Genügsamkeit üben, verdient Ihre Praxis den größtmöglichen persönlichen Einsatz. Die Balance aus Stabilität und Mühelosigkeit ist dabei ein guter Wegweiser.

  • Svadyaya (Selbsterforschung)

Wer bin ich? Reflektieren Sie während der Praxis fortwährend die Gesamtheit Ihrer Erfahrungen. Lernen Sie sich selbst in Ihren Reaktionen kennen, ganz besonders in den emotionalen und geistigen.

  • Ishvara Pranidhana (Hingabe an Gott)

Was ist der größere Zusammenhang? Denken Sie nach über diejenigen Kräfte des Universums, die allem, was ist, Form und Bedeutung verleihen.

Spiritualität

Hier geht es nicht darum, bestimmte Gottheiten anzurufen oder mit Sanskrit-Begriffen und philosophischen Schlagworten um sich zu werfen, sondern um ganz einfache Dinge: Vor allem darum, mehr Selbstgewahrsein zu fördern, zum Beispiel indem man sich selbst in jedem Atemzug spüren lernt. Oder indem man versucht, das ganze Leben mehr vom Herzen her zu betrachten, geduldig und freundlich zu sein und offen gegenüber Fehlern.

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