So bringst du deine Chakras in Erfahrung – mit Daniela Mühlbauer

Chakra-Arbeit bedeutet zu spüren, statt zu analysieren. Zu lauschen, statt zu kontrollieren. Je individueller und offener du die Erkundung deines feinstofflichen Körpers gestaltest, desto besser. Die folgenden Tipps und Erfahrungen der Münchner Yogalehrerin Daniela Mühlbauer können dir als Ausgangspunkt und Orientierung dienen.

Text: Daniela Mühlbauer / Fotos: Carolin Krüger

Schon gelesen? Im ersten Teil dieses Artikels gibt dir Stephanie Schauenburg einen Überblick über traditionelle Überlieferungen und moderne Ansätze der Chakras:

Zum ersten Mal begegnet bin ich dem Chakrasystem vor über 12 Jahren beim Yoga Teacher Training in Indien. Damals war es für mich eher ein abstraktes Konzept. Ich fand die Chakras faszinierend mit ihren Farben, Klängen und Eigenschaften, aber sie blieben theoretisch. Erst über die Jahre, durch meine eigene Praxis, begann ich zu spüren, dass da etwas war, das mir lebendige Hinweise auf persönliche Prozesse geben konnte. Dazu musste ich vor allem lernen, meine eigenen Erfahrungen ernst zu nehmen: Was spüre ich tatsächlich in meinem Körper? Welche inneren Bilder tauchen auf? Was sagt meine Intuition?

Chakra-Arbeit bedeutet für mich heute: Spüren, statt analysieren. Lauschen, statt kontrollieren. Dabei geht es nicht darum, etwas zu „öffnen“ oder zu „heilen“, sondern viel mehr darum, aufmerksam neugierig und offen zu werden, für das, was da ist. Und auch für das, was vielleicht (noch) nicht spürbar ist. Eine Einladung, mit dir selbst in liebevollen und ehrlichen Kontakt zu treten.

Daniela Mühlbauer, eine Frau tanzt draußen im im hohen Gras, Chakra Journey, Yoga
CHAKRA:Wurzel-Chakra
Muladhara
Sakral-Chakra
Svadhisthana
Solarplexus-Chakra
Manipura
Herz-Chakra
Anahata
Hals-Chakra
Vishuddha
Stirn-Chakra
Ajna
Kronen-Chakra
Sahasrara
Element / Mantra / SymbolErde / Lam / QuadratWasser / Vam / HalbmondFeuer / Ram / DreieckLuft oder Wind / Yam / HexagrammLuft oder Wind / Ham / Hexagramm(Geist) / Om / Dreieck im Kreis(Kosmos) / Stille / 1000-blättriger Lotus
zugeordnete Farberotorangegelbgrün / rosahellblaudunkelblau / violettweiß / gold / spektral
psychologische ThemenUrvertrauen, Lebenskraft, ErdungBedürfnisse, Gefühle, Genuss, SexIdentität, Wille, SelbstbewusstseinLiebe, Freude, EmpathieKommunikation, Ausdruck, IdentitätIntuition, Intellekt, WeisheitSpiritualität, Verbundenheit, Transzendenz
Sitzam unteren Ende der Wirbelsäule oder am Dammim unteren Bauchzwischen Nabel und Brustbeinhinter dem Brustbeinmittig im Hals oder Kehlkopfmittig etwas oberhalb der Augenbrauenam Schädeldach oder etwas darüber

Nach meiner Erfahrung ist das gängige Modell der 7 Chakras mitsamt ihren psychologischen Zuordnungen ein guter Ausgangspunkt. Ich sehe die Beschäftigung damit wie einen Kompass, der mich darauf aufmerksam macht, welche Themen gerade gesehen, gespürt und transformiert werden möchten. Zum Einstieg empfehle ich dir, dich jeweils eine bestimmte Zeit lang intensiv mit einem einzelnen Chakra zu befassen: Das kann eine Woche sein, vielleicht auch nur ein Tag. Wichtig ist, dass du achtsam und in deinem Tempo übst und dir nicht nur Raum für deine Erfahrungen lässt, sondern auch für Pausen. Die folgenden Anregungen können dir vielleicht dabei helfen, deine Aufmerksamkeit auszurichten.

Asana und Pranayama

Bestimmte Yogapraktiken lenken den Fokus in die jeweilige Körperregion und helfen dir, dich auf sie einzustimmen, sei es nun durch Kraft, Mobilisierung, Druck oder schlicht durch die Aufmerksamkeit.


Hier ein paar Ideen:

Muladhara:
Stehhaltungen mit Betonung auf Erdung und Kraft (Tadasana, Squat, Krieger, Baum), Beckenkreisen im Sitzen mit Spüren des Bodenkontakts, Muladhara Mudra und Muladhara Bandha

Svadhisthana:
Sitzhaltungen mit Aufmerksamkeit im Becken (Baddha Konasana, Nadelöhr im Sitzen, Kompass), außerdem Tanz in fließenden, sinnlichen, intuitiven Bewegungen

Manipura:
Übungen, die die Körpermitte kräftigen oder drehen (Seitstütz, Drehsitz, gedrehte Krähe, Sprinter), Feueratmung

Anahata:
Rückbeugen (Kamel, aufschauender Hund, Rad, passive Rückbeuge über ein Bolster, Schulterbrücke), Tänzer, Herzatmung

Vishuddha:
Haltungen, die die Halswirbelsäule mobisieren (Nadelöhr-Twist aus dem Vierfüßler, Fisch, Ashtanga Namaskara, eventuell auch Pflug und Schulterstand), Ujjayi Pranayama

Ajna:
Kindhaltung mit aufgelegter Stirn, Wechselatmung mit Daumen am dritten Auge

Sahasrara:
Haltungen mit Druck auf die Schädeldecke (Hase, Kopfstand, Prasarita Padottanasana mit Scheitel auf einem Block), Shavasana, Lotos-Mudra

Daniela Mühlbauer, eine Frau tanzt in Yogakleidung draußen im hohen Gras, Chakra Journey, Yoga

Meditatives Visualisieren

Konzentriere dich im Sitzen oder Liegen auf die Region, in der das jeweilige Chakra angenommen wird. Lenke deinen Atem freundlich hin, stell dir vor, wie er dort eine Weile zirkuliert, bevor du wieder ausatmest, und spüre liebevoll und aufmerksam, was du dabei wahrnimmst. Lass dir Zeit. Vielleicht gibt es Empfindungen wie Spannung, Weite, Enge, Schmerz oder Unruhe. Vielleicht sind es eher Farben oder Formen, Assoziationen … es kann alles Mögliche sein. Wenn du magst, nimmst du nach einer Weile die in der Tabelle (siehe oben) jeweils vorgeschlagene Farbe dazu. Du kannst auch mit dem Mantra oder inneren Bildern der Symbole oder Elemente experimentieren. Beobachte freundlich und unvoreingenommen, was sich dabei verändert. Gehe dabei immer mit dem, was du spontan und deutlich wahrnimmst, und lass Konzepte wieder los, wenn sie keine innere Resonanz erzeugen.

Journaling und Affirmationen

Um deine Erfahrungen beim Üben und Visualisieren festzuhalten und zu ordnen, empfehle ich dir, alles für dich Bedeutsame aufzuschreiben. Journaling ist auch eine super Methode, um dich von dort ausgehend mit den psychischen Themen zu beschäftigen, die dabei hochkommen. Vielleicht hilft es dir, dabei zu überlegen, wie das zu den Themen passt, die den jeweiligen Chakras zugeordnet werden (siehe Tabelle). Spezifische Leitfragen können dich vielleicht in eine fruchtbare Richtung lenken. Affirmationen unterstützen dich dabei, dich positiv auszurichten.

Auch hierzu ein paar Vorschläge:

Muladhara: Was in meinem Leben schenkt mir das Gefühl von Sicherheit oder Vertrauen? Affirmation: „Ich bin sicher und geerdet.“

Svadhisthana: Wo darf ich meinen Bedürfnissen mehr Raum geben?
Worin liegt meine schöpferische Kraft?
Affirmationen: „Ich vertraue dem Fluss des Lebens.“ „Ich fühle alle meine Gefühle.“

Manipura: Was sind meine Stärken und Talente? Wofür brenne ich?
Wie kann ich mich behaupten?
Affirmationen: „Ich bin stark und voller Mut.“ „Ich lasse mein Licht strahlen.“

Anahata: Wie kann ich mehr Liebe und Mitgefühl in mein Dasein bringen?
Affirmation: „Ich gehe mit offenem Herzen durchs Leben.“

Vishuddha: Welche Wahrheiten habe ich noch nicht ausgedrückt?
Affirmation: „Ich spreche aus meinem Herzen, klar und frei.“

Ajna: Welche Ziele und Visionen habe ich für die Zukunft?
Affirmation: „Ich vertraue meiner inneren Weisheit.“

Sahasrara: Wie lebe ich meine Spiritualität?
Affirmation: „Ich bin eins mit dem Universum.“

Dieser Artikel stammt aus dem YOGAWORLD JOURNAL 05/2025.


Daniela Mühlbauer hat mit den Fotos, die ihr auf diesen Seiten seht, das „Rad“ für diesen Artikel ins Rollen gebracht: „Wollt ihr nicht mal wieder was über die Chakras machen und wie wir sie in die Erfahrung bringen können?“, fragte uns die Münchner Yogalehrerin und Tänzerin. Wir wollten! Mehr Info auf danielamuehlbauer.de


Du möchtest die Chakras in deine Praxis integrieren? Hier findest du eine Chakra-Meditation, sowie eine kurze Chakra-Yoga-Sequenz:

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