Lebensmittelunverträglichkeit: Mit diesen 8 Tipps leben Sie leichter

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Mittlerweile sind Lebensmittelunverträglichkeiten wie Laktoseintoleranz (auch bekannt als „Milchzuckerunverträglichkeit“), Gluten- und Fruktoseunverträglichkeiten oder sonstige Lebensmittelallergien in aller Munde – dennoch stößt unsere Redakteurin Laya manchmal auf fragende und bemitleidende Gesichter, wenn sie sich als lakoseintolerant „outet“. Sie hat exklusiv für Sie 8 Tipps zusammengestellt, mit denen Sie Ihre Lebensmittelunverträglichkeit besser akzeptieren und dadurch ein unbeschwerteres Leben führen können.

  1. Sie ernten mehr Verständnis von anderen
    Sind wir mal ehrlich: Hätte ich schon früher kommunizieren können, dass ich eine Laktoseunverträglichkeit habe, wären mir wohl so einige qualvolle Stunden erspart geblieben. Ein trauriges „Ich darf dieses Gericht leider nicht essen“ kommt bei unserem Gegenüber einfach besser an als ein plumpes „Das schmeckt mir nicht.“ Die Tatsache, dass andere über Ihre Lebensmittelunverträglichkeit Bescheid wissen, baut Druck ab und erhöht wiederum die Akzeptanz anderer gegenüber Ihnen und Ihren Essgewohnheiten.
  2. Körperliche Beschwerden oder Unwohlsein sind passé
    Die Liste der Symptome einer Lebensmittelunverträglichkeit ist lang: Sie fängt bei Bauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen oder Übelkeit an und hört bei Fieber, Gliederschmerzen oder Atemnot auf. Versuchen Sie, Ihre Intoleranz oder Allergie positiv zu sehen, da Sie nun die Gründe und Auslöser der Beschwerden kennen, was diese kalkulierbar macht. Sagen Sie sich nicht „Leider bin ich laktoseintolerant“, sondern schätzen Sie sich glücklich, dass Sie wissen, woran Sie leiden und wie Sie die Symptome vermeiden können.
  3. Sie dürfen Neues und Gesundes ausprobieren
    Seitdem mein Arzt eine Laktoseintoleranz bei mir diagnostiziert hat, bin ich essentechnisch offener gegenüber Alternativ-Produkten, die meist sowieso gesünder sind. So verdanke ich beispielsweise meiner Milchzuckerunverträglichkeit, dass ich noch mehr Gefallen daran gefunden habe, vegan zu kochen. Milch, Sahne, Joghurt oder Schmand ersetze ich leidenschaftlich gerne durch Soja-, Hafer-, Mandel- oder Kokosprodukte. Freuen Sie sich darüber, neue Rezepte auszuprobieren, die auf Ihren Ernährungsplan abgestimmt sind und auf die Zubereitung von Speisen, die Sie beschwerdefrei vertragen.
  4. Sie können leichter Rücksicht auf Ihre Mitmenschen nehmen
    Vielleicht kennen Sie das: Ist man zu Besuch bei der Großtante und hat noch nicht mal den Fuß über die Küchenschwelle gesetzt, fliegen einem schon gefühlte 3 Kilogramm Sahnetorte entgegen. Sofort heißt es dann: „Schätzchen, jetzt iss‘ doch erst mal etwas.“ Trotz hilflosem Verneinen und zum Scheitern verurteilen Aufklärungsversuchen wie „Ich habe gerade erst zu Mittag gegessen“ lässt sich die Stimmung der Großtante nicht aufhellen. Um der Tante wieder ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, schaufelt man schlussendlich doch die reichhaltige Sahnecreme-Torte artig in sich hinein. „Aua“, schreit da das Laktose intolerante Herz! Hätten Sie sich damals schon mit dem Satz „Tantchen, ich bin laktoseintolerant und vertrage keine Sahne“ wehren können, wäre dies definitiv die schmerzfreiere Alternative für Sie gewesen und das Tantchen wäre dank Ihrer höflichen Erklärung und Ihres ärztlich bestätigten Leidens vermutlich nicht lange traurig gewesen. Unsere Mitmenschen reagieren also verständnisvoller, wenn Sie eine Lebensmittelunverträglichkeit als Grund angeben können.
  5. Sie sind gezwungen, sich bewusst und gesund zu ernähren
    Dadurch, dass ich mich täglich damit befasse, was ich trotz meiner Lebensmittelunverträglichkeit essen darf und was nicht, beschäftige ich mich intensiver mit den Inhaltsstoffen der Produkte, die ich zu mir nehme. Durch meine Laktoseintoleranz achte ich mehr darauf, was ich meinem Körper zumuten kann und habe stets eine gute „Ausrede“, die gesündere Variante zu wählen. Beispielsweise greife ich im italienischen Restaurant mittlerweile gerne zum Pizza-Brot statt zu der mit Käse überbackenen Pizza.
  6. Mit Ihrem Wissen können Sie Freunden oder Bekannten helfen
    Meine Laktose-Unverträglichkeit half mir dabei, anderen zu helfen. Wie? Ich habe sie dahingehend sensibilisiert, dass sie sich und ihre Körper bei Beschwerden bewusster wahrnehmen und darauf achten sollen, welche Nahrungsmittel sie vertragen. Es gibt mir ein gutes Gefühl, anderen aufgrund meiner persönlichen Erfahrung Rat geben zu können und sie beispielweise über „versteckte“ Laktose-Fallen aufklären zu können. Nicht nur einmal ist es vorgekommen, dass ein Freund auf meinen Rat hin zum Arzt gegangen ist und der Arzt bei ihm ebenfalls eine Milchzuckerunverträglichkeit diagnostizieren konnte.
  7. Sie können Geld sparen
    Wenn Sie sich Ihre Speisen selbst zubereiten, wissen Sie immer, welche Lebensmittel Sie gerade zu sich nehmen und ob Sie alle Zutaten vertragen. Zwar gibt es bereits Restaurants, die Allergikergerichte anbieten, eine Lebensmittelunverträglichkeit erschwert jedoch oftmals die Auswahl und grenzt uns in unseren Möglichkeiten ein. Aber sehen Sie auch diese Sache optimistisch: Wenn Sie seltener auswärts Essen gehen, freut sich nicht nur Ihr Körper – auch Ihr Geldbeutel wird es Ihnen langfristig danken.
  8. Ihre Selbstwahrnehmung wird verstärkt
    Durch eine Lebensmittelunverträglichkeit, nimmt man seinen Körper besser wahr und weiß, was einem gut tut und was nicht. Bestimmte Warnsignale können einfacher gedeutet werden als ohne Diagnose. Dies macht das Leben kalkulierbarer und damit auch leichter.

Falls Sie ebenfalls eine Lebensmittelunverträglichkeit haben, und sich zu diesem Thema austauschen möchten, nutzen Sie die unten eingebaute Kommentar-Box. Wir freuen uns auf Ihr Feedback. Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, könnten Sie möglicherweise auch folgende Beiträge interessieren: Warum vegan, Reine Nahrung für den Geist, Rohe Köstlichkeiten, Worauf müssen Veganer achten?

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Buch-Tipp: Mit Yoga leben. Im Hier und Jetzt.

Jäger des verlorenen Schatzes: Aber halt! Dieser Schatz ist gar nicht verloren. Es braucht „nur“ Momente der Konzentration, um wahrzunehmen, dass wir nichts mühevoll vergolden müssen, sondern selbst die Schatztruhe sind. „Der Traum von einem perfekten Leben verhindert, dass wir direkt am Leben teilhaben“, schrei­ben die Autoren im Vorwort, und tatsächlich wollen wir auch die Yogapraxis oftmals „beherrschen“, anstatt sie zu erleben. Dazu haben sich Berthold Henseler und Patrick Broome nicht vorgenommen, etwas strapazierte Begriffe wie „Achtsamkeit“, „Energie“ und „Hingabe“ erneut durch die Definitionsschleife zu schicken. Vielmehr haben sie pragmatische Vorschläge und Übungsreihen zusammengestellt, die sich nicht auf bestimmte Stile, Systeme und Situationen beschränken, sondern uns mit humorvollen „Achtung Yogi!“-Aufrufen aus Routinen wecken und ins innere Erleben schicken. Eben ganz ins viel beschworene „Hier und Jetzt“ – denn da wollen wir alle ja endlich hin.

Mit Yoga leben. Im Hier und Jetzt.Fazit: Was die von Co-Autor Patrick Broome unterrichtete Fußballnationalmannschaft stark gemacht hat: Ab 30. September beim Buchhändler Ihres Vertrauens!

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MIT YOGA LEBEN. IM HIER UND JETZT von Berthold Henseler und Patrick Broome, Allegria Verlag , ca. 15 Euro

Mantra des Buddhismus: N°13

Om mani padme hum

Als ich in Nepal war, fand ich „Om mani padme hum“ überall: In großen Buchstaben in die Felsen gemeißelt und farbig angemalt, in Gebetsmühlen in den Händen gedreht, in aufgestellten Granittafeln entlang des Weges. Es ist das zentrale Mantra des Buddhismus, die essenzielle Verbindung von Weisheit und Mitgefühl, die Balance vom männlichen und weiblichen Pol. Ein Weiser ohne Anteilnahme ist leer. Mitgefühl ist in dieser Welt ohne das Wissen um das Gesetz von Karma, von Ursache und Wirkung, nicht möglich.

Die Lotusblüte Padma erhebt sich vom schlammigen Boden, um in voller Blüte ihre Weisheit über der Wasseroberfläche zu verströmen. Der Juwel Mani, unsere Anteilnahme und unser Mitgefühl, ist der Weg und das Ziel, die Klarheit und die Weisheit, die uns führt. Om, der Urlaut, erschafft unser derzeitiges Universum; Hum, das Gegenstück dazu, lässt das sichtbare Universum in sich zusammenstürzen.

Es ist mir ein Anliegen, dieses Mantra so oft wie möglich zu singen – besonders auch, da es in diesen Tagen vielen Buddhisten in Tibet nicht mehr möglich ist, ihre Spiritualität frei zu leben.


Philipp Stegmüller ist Leiter von Kirtan- und Bhajan-Veranstaltungen. Mehr Infos unter www.mantra-singing-circle.de. 03 – 2012


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Pro & Contra: Brauchen Männer ein spezielles Yogakonzept?

Wir haben drei bekannte, männliche Yogis gefragt, was über Männeryoga denken und ob sie sich für ein auf den Mann abgestimmtes Yogakonzept aussprechen oder eher gegen eine geschlechterspezifische Praxis sind. Patrick Broome und Dirk Bennewitz meinen „Ja, Männer benötigen ein spezielles Yogakonzept“, wohingegen Michi Kern anderer Meinung ist: „Männeryoga – muss das sein?“ Die Kommentare lesen Sie hier:

Patrick, du hast das vielleicht bekannteste Buch zum Thema „Yoga für den Mann“ geschrieben. Weshalb beschäftigst du dich damit und was spricht aus deiner Sicht für Männeryoga?
Yoga spricht die „wilden Kerle“ unter uns an: eine bunte Mischung von (er)wach(t)en, neugierigen und bewussten, das heißt reflektierenden Männern. Yoga ist eine wunderbare Hilfestellung für all die Männer, die ihre Prioritäten neu definieren wollen, denen es nicht mehr ausschließlich um Status und Karriere geht. Erfolgreich ist heute, wer eine stabile Gesundheit hat, wer zufriedenstellende Beziehungen zu anderen unterhält, wer Kinder zu glücklichen und selbstbewussten Persönlichkeiten erzieht, wer trotz Verantwortung in Beruf und Familie seine eigene Entwicklung nicht vernachlässigt. Es geht für uns Männer immer mehr darum, die selbst auferlegten mentalen Beschränkungen abzulegen und uns zu öffnen für die eigene Größe, den eigenen Mut, die eigene Wahrheit. Die alten Schriften nennen das Erleuchtung. Wir müssen den Männern daher nur vermitteln, dass sie sich im Yoga nicht blamieren, sondern sich etwas Gutes tun. Und dafür brauchen wir starke Rollenvorbilder! Also mehr Männer, die über Yoga und dessen positive Effekte sprechen. Zum Glück hat sich da in den letzten Jahren enorm viel getan!

Dirk, du hast ebenfalls ein Buch zum Thema geschrieben. Worin siehst du den Nutzen von Yoga speziell für den Mann?
Männeryoga ist keine Neuerfindung oder ein neuer Stil. Ich habe die Männeryoga-Übungsfolge so zusammengestellt, dass sie den körperlichen Voraussetzungen der meisten Männer in unserem Kulturkreis besser entspricht. Die Yogapraxis macht einen stark, flexibel, mental ausgeglichen und gesund. Und das tut eben auch Männern gut. Mir ist es ein Anliegen, den Männern nicht nur Sport zu vermitteln, sondern auch die Faktoren, die die Lebensqualität spürbar erhöhen.

Michi, wie stehst du zum Thema Männeryoga?
Wie muss man sich Yoga für Männer eigentlich vorstellen? Ungefähr so wie eine Vatertagsfeier oder einen Junggesellenabschied? Oder eher wie einen gemeinsamen Sauna-besuch unter Männern? Werden da derbe Zoten ausgetauscht, frauenfeindliche Witze erzählt, wird danach getrunken und gegrillt? Jedenfalls wird man das Gefühl nicht los: Männer unter sich, das könnte gruselig werden.
Bisher war es eigentlich schön im Studio: Die Männer im Yoga mussten sich gut benehmen und sich der großen Zahl von Frauen anpassen. Also mal leise sein, nicht den Ton angeben, sich nicht nach vorne drängeln, nicht alles besser können und wissen. Das hat den Männern ganz gut getan, glaube ich. Und vielleicht hatte das Miteinander eine größere therapeutische Wirkung auf das ganze Ding Mann als die Körperübungen an sich.
Bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts war Yoga heiligen Männern vorbehalten. Frauen waren – wie immer – verboten. Dann kamen Sri T. Krishnamacharya und seine Schülerin Indra Devi und Yoga wurde vor allem im Westen eine Frauendomäne. Die Männer zogen nicht mehr so recht. Yoga ist weiblich.
Nun sind Männer trotzdem nicht gerade eine bedrohte Spezies. Das neuerliche Männeryoga will ihnen aber wieder einmal erklären: Ihr seid etwas Besonderes! So ein Mann hat besondere Probleme, spezielle Anforderungen, einen anderen Körper, andere Bedürfnisse. Und vor allem: Der Mann an sich leistet mehr als die andere Hälfte der Menschheit – er braucht dringend ein „Entmüdungsbecken“ für Körper und Geist. Schade eigentlich, denn ganz im Gegenteil könnte man(n) hier im Yoga lernen: Alles ist normal, mach einfach mit. Doch Scham und Eitelkeit stehen dem im Wege – die Frauen sind nämlich längst viel beweglicher.
Wirklich hilft als Promotion-Trick letztlich nur eines – und darauf laufen fast alle modernen Männeryoga-Ansätze hinaus: Yoga ist gut für die Potenz. Vornehmer ausgedrückt: Yoga steigert die Virilität, ist gut für die Beweglichkeit der Spermien, schafft Ausdauer im Bett. „Bei vorzeitigem Orgasmus yogamäßig durch die Nase atmen, mein Freund.“ Na endlich ein Grund für den Mann, den er versteht. Bisher geht der Wert von Extra-Männer-Würsten für den Planeten leider gegen Null. Aber ein wenig Hoffnung bleibt: Vielleicht jubelt Yoga den Neuen doch ein paar Erkenntnisse unter. Weniger Fleisch essen, weniger Alkohol, weniger Lautstärke, weniger Gewalt in alle Richtungen und ein bisschen mehr über andere nachdenken – das bringt’s wirklich. Ach nein, das ist ja Frauensache.


Fotoquelle: Stefanie Kissner

Yoga als Performance (?)

Seit 1978 kombiniert Edward Clark Yoga und Performing Arts. Mit seinen Tripsichore-Shows schafft er eine Zuschauerverbindung der besonderen Art. „Dabei sitzen wir nicht nur herum und singen Om“, erklärte er YOGA JOURNAL anlässlich eines Workshops im Yogaloft Köln.

YOGA JOURNAL: In deinen Workshops beschreibst duYoga als„Technik“,die es vermag, das Schöne und Göttliche in allen Dingen zu sehen. Wie ist das gemeint?
Edward Clark: Brahman (kosmische Kraft) ist der Schlüssel. Gemeint ist die Schönheit, die erst zum Tragen kommt, wenn man sie erlebt. Brahman ist nicht wie ein Gemälde, dass du anschauen kannst. Nehmen wir den Sonnenuntergang als Beispiel: Du stehst auf der Spitze eines Berges, auf der du dieses überwältigende Erlebnis hast, auf ein von der Natur geschaffenes Kunstwerk zu blicken. Du kannst diese Schönheit in Tanz, Theater, in der Musik oder der Malerei wiederfinden. Yoga hilft, Schönheit wahrzunehmen, ohne sie explizit zu erleben. Yoga ist eine Technik, um bestimmte Dinge erlebbar zu machen. Je mehr wir unsere Yogatechnik diesbezüglich verfeinern, desto mehr kommen wir in Einklang mit dem, was wir erleben. Asanas helfen dabei.

Du hast eine Verbindung aus Yoga und Performing Arts entwickelt, die du „Tripsichore“ nennst. Was genau steckt dahinter?
Tripsichore ist eine griechische Muse des Tanzes. Unser Ziel ist es, das Schöne zu erleben und anhand eines yogisch-choreografischen Vokabulars zu transportieren. Wir nennen es zwar Theater, aber wir beschränken es nicht auf eine Sparte wie beispielsweise Tanz. Wir betrachten es ganzheitlich. Wir drücken uns durch Yoga, Vinyasa und die Verbindung der Haltungen aus. Wobei all das ständig im Fluss bleibt und Raum für Entwicklung lässt.

Wie läuft eine Performance normalerweise ab?
Wenn du ein trauriges Stück spielst, wird das Publikum traurig werden. Die Zuschauer nehmen Anteil und leiden mit. Wenn wir jedoch eine gute Vorstellung bieten, dann schaffen wir es, das Publikum in den selben meditativen Zustand zu befördern, in dem wir uns befinden. Die Zuschauer atmen mit uns und tauchen in eine gemeinsame Erfahrung ein. Wobei ich betonen möchte, dass wir extrem anstrengende Körperübungen machen. Wir sitzen nicht bloß herum und singen Om. Tripsichore besteht aus zahlreichen Partnerübungen und komplexen Asana-Konstellationen, mit denen wir versuchen, den yogischen Gedanken zu transportieren. Diese Kombination benötigen wir für unsere Ausdrucksfähigkeit und packen sie in eine Show. (lacht)

In den ersten Jahren war Yoga nur eine Ergänzung des Tripsichore-Trainings. Was war der Auslöser, es fest zu integrieren?
Das war eigentlich ein pragmatischer Grund. Damals hatten wir große Probleme, öffentliche Fördermittel zu bekommen. Wir hatten zwar eine Bühne, aber gefördert wurde nur langweiliger Kram wie Modern oder Contempory Dance. Also dachten wir uns, wir müssten auch etwas Langweiliges bieten. Wir nahmen an, dass die Kulturförderer Yoga-Theater lieben würden. Es war eigentlich ein Witz – aber es funktionierte.

Ihr habt dann experimentiert…
Genau, wir wollten eine Mischung aus Yoga und Style entwickeln. Und während wir experimentierten, bemerkten wir, wie außergewöhnlich diese Verbindung ist. Die Formen, die Gestaltung, die Ausdruckskraft – es war so viel besser als alles, was wir bisher gemacht hatten. Es stellte alles Bisherige in den Schatten.

Was ist der Unterschied zu den Ausdrucksmöglichkeiten im Contemporary Dance?
Das ist eine interessante Frage, weil Asanas noch nie Bestandteil einer Choreografie waren, abgesehen vom traditionellen indischen Tanzformen. Es war einfach ein Experiment, für das die Zeit reif war. Diese Kombination konnte wahrscheinlich nicht ohne den Modernen Tanz entstehen. Möglicherweise brauchte es auch den Einfluss Krishnamarcharyas und seiner innovativen Neuerungen bezüglich der Verbindung von Atem und den Haltungen. Die Atemkontrolle hat gleichzeitig eine Kontrolle über Körper und Geist zur Folge – was den Tänzer zu einer Einheit verschmelzen lässt. Im modernen Tanz steht diese Verbundenheit nicht im Vordergrund.

Hast du eigentlich schon vor der Tripsichore-Gruppe Yoga praktiziert?
Nein, es entwickelte sich parallel: Als ich anfing zu schauspielern und die idiotische Entscheidung traf, Tanz zu studieren, kam ich auch das erste Mal mit Yoga in Kontakt. 1978 – es war das Ende der Punk-Ära – gab es einen Jungen in der Klasse, der Yoga praktizierte. Und es stellte sich heraus, dass ich es mochte. Yoga war tatsächlich eine tolle Ergänzung zum Tanzen. Meine damalige Freundin und ich behielten es bei. Mit der Tripsichore-Gruppe nutzten wir Yoga zur Aufwärmung. Es war einfach da – auf ganz natürliche Art und Weise. Dann kam der Trick für die Fördermaßnahmen, und ab da es wurde fester Bestandteil von Tripsichore. Es dauerte 14 Jahre, bevor wir Yoga schließlich choreografisch einbanden.

In welcher Art und Weise beeinflusst dein Job beim Tripsichore-Yoga-Theater deine persönliche Yogapraxis?
Ich denke, der Job eröffnet mir eine interessante Perspektive für mein eigenes Üben. Yoga, Tanz und Theater haben gemeinsame – schamanische – Ursprünge. Viele Konzentrationstechniken sind denen aus dem Yoga sehr ähnlich. Die Art, wie man den Raum und den Geist nutzt oder wie der Geist Raum für Bewusstsein schafft, ist im Theater ähnlich. Die Schauspieler loten aus, wie sie den Raum nutzen können, der ihnen für die Performance zur Verfügung steht. Ähnlich ist es bei den Yogis, die ihre Konzentration auf ihr drittes Auge richten, einen sehr kleinen Raum. Oder sie konzentrieren sich auf etwas Externes, wie eine Blume oder den Himmel. Es ist in jedem Fall ein Moment der Konzentrationssteigerung.

Wie funktioniert das auf der Bühne?
Im Theater – vor 800 Menschen – kommt das Tanzen an einen Punkt, an dem du etwas geben musst. Beim Yoga hört man ständig: „Es ist okay, wenn etwas nicht klappt. Übe ohne Druck. Du bist gut so, wie du bist.“ Klar stimme ich damit überein, aber es muss doch möglich sein, darüber hinaus zu gehen. Hör auf dich zu entschuldigen, geh raus und tu, was du kannst! Theaterbühnen eignen sich ausgezeichnet dafür. Wenn du einen Handstand machst und dabei umkippst, werden das die Anwesenden mitbekommen. Damit muss man in diesem speziellen Moment umgehen. Während einer Vorstellung ist es wichtig, glaubhaft an die Choreografie anzuknüpfen. Wenn das gelingt, ist das großartig, denn dann arbeitest du tatsächlich im Moment.

Du sagst , Tripsichore habe sehr viel mit der energetischen Intention des Tänzers zu tun.
Damit ist das Vermögen zur Steigerung gemeint. Sobald du an etwas glaubst, wird eine gewisse Entwicklung seinen Lauf nehmen. Die positive Energie wirkt sich auf das Handeln aus. Es wird sich manifestieren. Genauso funktioniert es natürlich, wenn du denkst: „Das wird niemals klappen.“ Das ist eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Das beste Beispiel sind Schüler, die sich immer in die hintersten Reihen verdrücken und meinen, sie könnten bestimmte Asanas nicht. Mit dieser Einstellung werden sie tatsächlich keinen Erfolg haben.

Wie änderst du ihre Einstellung?
Ich versuche sie energetisch an einen Punkt zu bringen, an dem sie Lust bekommen, daran zu arbeiten. Was du denkst, beinflusst dein Bewusstsein und damit auch deine Transformation. Das ist etwas, was wir bewusst kontrollieren können. Wenn du dich auf den Moment konzentrierst, ist das ähnlich wie Mantren zu singen. Sie können sehr lang sein, und möglicherweise ergibt sich ein Moment, der eine Stunde andauert. Und jeder Atemzug sollte mit dieser Konzentration und diesem Bewusstsein geschehen. Einige Atemzüge werden vielleicht nicht im Rhythmus sein, aber das ist kein Drama. Sie werden sich entwickeln. Du kennst zwar nicht den genauen Weg, aber du weißt, es wird funktionieren.

Du hast nie eine Yogalehrer-Ausbildung gemacht, weshalb nicht?
(lacht) Ich glaube es ist nicht möglich, Menschen das Unterrichten zu lehren. Viele Menschen meinen, dass sie Yogalehrer sein könnten. Oftmals wissen sie aber nicht, was für ein harter Job das ist. Es ist ein Prozess des Lernens. Wobei du erst etwas lernst, wenn du deine eigene Praxis beleuchtest. Die Fähigkeit zu unterrichten erlangst du nicht in 200 oder 500 Stunden. Im Gegenteil, ich denke, Teacher-Training-Zertifizierungen mindern den Unterrichtsstandard beträchtlich. Entweder man kann unterrichten oder man kann es nicht. Ich lache darüber, dass jemand meint, mit einem 200h-Teacher-Training könne er nichts mehr falsch machen. Viele Senior Teacher wissen nicht einmal, wie man Adjustments korrekt gibt.


Edwark Clark Tripsichore YogaWeitere Infos, Termine, Workshops und Retreats finden Sie unter www.tripsichore.com. Copyright: Edward Clark

Tara-Mantra: N°12

Om Tare Tutare Ture Soha

Das kurze Tara-Mantra klingt wie ein Notruf nach der schnellen Retterin: „Tatü Tata“, rufst du Tara – und sie ist gleich da! Die buddhistische Göttin des Mitgefühls wird in den meisten Abbildungen und Statuen in einem aufgelösten Lotussitz dargestellt, ein Fuß auf dem Boden, jederzeit bereit aufzuspringen und zu Hilfe zu eilen. Sie ist eine Kämpfernatur, die Jeanne d’Arc der Göttinnen. Der Sage nach lebte Tara einst in einem kleinen Dorf im Himalaya, in dem schnell die Runde machte, dass sie eine erleuchtete Meisterin sei. Eines Tages kamen hohe Lamas eines benachbarten Klosters ins Dorf und in Taras bescheidene Hütte. Bei ihrem Anblick warfen sie sich ehrfürchtig zu Boden. Einer der Mönche bat sie: „Jetzt, wo du vollständig erleuchtet bist, bitte ich dich, in deinem nächsten Leben wieder bewusst als Mann zu inkarnieren.“ Tara legte daraufhin einen Eid ab, immer in einem weiblichen Körper zu erscheinen.

Das Tara-Mantra soll uns vor den acht Arten der Angst schützen: Stolz, Verblendung, Zorn, Neid, falsche Ansichten, Geiz, Begierde und Zweifel. Tara kann Wünsche erfüllen, wobei es ihr neben weltlichen Dingen eigentlich darum geht, uns durch die Überwindung unserer inneren Blockaden zur Erleuchtung zu führen. Und zwar schnell!


Philipp Stegmüller ist Leiter von Kirtan- und Bhajan- Veranstaltungen. Mehr Infos unter www.mantra-singing-circle.de 01- 2012


Foto von Lucas Pezeta von Pexels

Selbstloses Geben: 9 Tipps für sinnvolle Geschenke

Zugegeben, etwas früh ist es schon sich über Weihnachtsgeschenke Gedanken zu machen, aber nimmt man sich nicht jedes Jahr aufs Neue vor, richtig früh mit der Geschenke-Planung anzufangen? Wir möchten Ihnen mit unseren 9 Tipps verraten, wie Sie Ihre Mitmenschen sinnvoll beschenken. Hierbei gilt der Grundsatz: Gib mehr, als du erwartest, denn die schönsten Geschenke sind die, die von Herzen kommen. Zur Inspiration erzählen Patricia Thielemann, Tom Beyer, Swami Durgananda und andere bekannte Yoga-Größen, was für sie ein besonderes Geschenk ausmacht und was sie selbst gerne verschenken – nicht nur zur Weihnachtszeit. Nachmachen erlaubt!

Als ich in der fünften Klasse war, fertigte ich ein Bild von den Heiligen Drei Königen an – es bestand aus getrockneten Makkaroni, Goldspray, Kleber und grünem Filz. Auch wenn es auf materieller Ebene nichts wert war, war es doch kostbar: Ich hatte es mit meinen eigenen Händen geschaffen. Zudem gefiel es meiner katholischen Mutter besonders gut.

Jemandem das perfekte Geschenk zu überreichen, ist vergleichbar mit einem herzlichen Namasté: „All das Beste und Höchste in mir würdigt das Beste und Höchste in dir.“ In diesem Moment des Schenkens haben der Gebende und der Empfangende die Möglichkeit, tief in den anderen hinein zu blicken und sein wahres Selbst zu feiern. Auf diese Art zu geben bedeutet, Yoga gemeinsam zu leben. Dabei kommt es nicht unbedingt darauf an, ob es sich bei dem Geschenk um einen selbstgemachten oder gekauften Gegenstand handelt. Am Ende sind die besten Geschenke die, die von Herzen kommen.

Was aus meinen Heiligen Drei Königen wurde? Bis heute gehören sie zu meinen besten Geschenken. Zur Weihnachtszeit hängen sie immer noch bei Mama an der Wand – auch wenn inzwischen ein paar Makkaroni fehlen. 

  1. Auf das Wesentliche konzentrieren
    Patricia Thielemann freut sich noch immer über eine besondere Kette, die sie vor Jahren von ihrem Mann geschenkt bekam. „Mein Mann Brian ist einen ganzen Kopf kleiner als ich. Damit hatte ich nie ein Problem. Dass ich aber gut 15 Kilo schwerer bin als er, fand ich anfangs äußerst bedenklich. Als ich ihn vor zehn Jahren in Los Angeles kennen lernte, war ich zwar erfolgreich, aber keineswegs glücklich“, erzählt die Besitzerin des Spirit Yoga-Studios in Berlin. Wie viele Frauen hoffte sie, irgendwann einen Mann zu treffen, an dessen starker Schulter sie sich für immer anlehnen kann. Brian entsprach nicht ihrer Wunschvorstellung, also übte sie wie besessen Yoga. Die Praxis war hart und laut genug, um ihre Sehnsucht zu betäuben. „Lass uns in Deutschland ein ganz tolles Yoga-Studio aufmachen und viele Kinder kriegen“, schlug Brian enthusiastisch vor. „Träum’ weiter, kleiner Liebling“, spottete Thielemann damals. „Als fünf Jahre später bei mir die Wehen tobten, zitterten zwar seine Beine, aber er hielt mich, physisch und psychisch – mit meinem Kampfgewicht und meinen Launen.“ Nachdem ihr erster Sohn geboren war, legte Brian ihr liebevoll eine Kette mit einem gläsernen Herz um den Hals. Der Anhänger sollte ein Symbol dafür sein, wie kostbar und fragil das Leben ist. „Immer wenn ich das filigrane Schmuckstück trage, fühle ich mich zart und weiblich. Endlich bin ich angekommen bei mir, als Frau.“ So habe sie viel von Brian gelernt. Ein Kernsatz bleibt Thielemann besonders in Erinnerung: „Frage dich, ob das, was du tust, einfach nur beeindruckend ist oder wirklich wesentlich.“ Mit dieser Aussage habe sich nicht nur ihre Art zu unterrichten verändert, merkt sie schmunzelnd an. 
  2. Do It Yourself
    Cyndi Lee liebt das Stricken – und so machen ihre Stricknadeln auch vor Geschenken nicht Halt. „Während ich etwas stricke, das ich verschenken möchte, denke ich an denjenigen, der es bekommen soll,“ erklärt die Gründerin von OM Yoga in New York. Einer ihrer ersten Strickversuche war zugleich eines ihrer besten Geschenke: eine Wolldecke für ihren krebskranken Vater.
    Lee fand heraus, dass ein Geschenk nicht unbedingt schön sein muss, um geschätzt zu werden. „Für dieses Anfängerstück benutzte ich grobes Garn in grellem Rot, Grün und Gelb. Die farbenfrohe Decke stahl am Weihnachtsmorgen allen anderen Geschenken die Show“, erinnert sie sich. Ihr Vater liebte diese Decke – so schlampig zusammengenäht und uneben, wie sie war. „Cyndi, du bist so talentiert, das kannst du richtig gut!“, freute er sich. Obwohl diese Decke kaum groß genug war, um seinen Schoß zu bedecken, wärmte sie ihn bis zu seinem Tod nicht nur körperlich, davon ist Lee überzeugt. 
  3. Eins sein
    „Ein Geschenk von Herzen ist für mich die Beziehung zu meiner Frau“, erzählt Yoga Vidya-Gründer Sukadev Bretz. „Wir arbeiten schon sehr lange zusammen. Zuerst hat sie mich im Frankfurter Yoga Vidya Center unterstützt, danach im ersten Seminarhaus im Westerwald und jetzt hilft sie mir bei der Leitung des Ashrams in Bad Meinberg.“ Wichtig ist ihm, regelmäßig Zeit für gemeinsame Meditationen, aber auch für private Ausflüge und Urlaube zu finden. Einmal hatte Bretz in einer Mitarbeiterversammlung kurz vor Weihnachten vergessen, ihr besonders zu danken. „Ich denke, das geschah deshalb, weil wir uns so sehr eins fühlen. Ich habe das natürlich nachgeholt, und bin sehr froh, dass wir hier in Bad Meinberg gemeinsam Yoga leben“, so Bretz. 
  4. Mach Musik
    Im Laufe der Jahre ist es für den amerikanischen Kirtan-Sänger Jai Uttal und seine Frau Nubia Teixeira zur Tradition geworden, sich zu Weihnachten gegenseitig selbst zusammengestellte CDs zu schenken. Für die beiden ist es eine gute Möglichkeit, ihr Eheversprechen aufzufrischen, gemeinsam Pläne zu schmieden und ihre Liebe zum Ausdruck zu bringen: „Es macht so viel Freude, einen Liebesbrief auf diese Art zu verfassen“ erklärt Teixeira lachend. Es ist ganz einfach: Mit Hilfe von Instrumenten wie Shaker, Synthesizer, Trommel und Gitarre entstehen fröhliche Loblieder auf den anderen. Sie sollen an Momente erinnern, die für das Paar ganz besonders wichtig waren. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Erinnerungen ernst oder albern sind. Auf einer CD von Teixeira war einmal ihr gemeinsamer fünfjähriger Sohn zu hören. „Das war das beste Geschenk, das ich je bekommen habe“, freut sich Uttal bis heute. 
  5. Gib mehr, als du erwartest
    Für Tom Beyer, Yogalehrer bei Home Yoga in Berlin, ist selbstloses Geben eines der wertvollsten Geschenke. „Das passiert ständig, überall und im Kleinen. Etwa wenn jemand auf der Straße ein Lächeln verschenkt , oder verständnisvoll ausweicht, wenn man noch schnell in die U-Bahn springen möchte“, erklärt er. Er schätzt Menschen, die ihr Gegenüber bedingungslos annehmen – ohne Bewertung, Kritik oder die Absicht, zu beeinflussen. „Es ist toll, wenn jemand wahrhaftig ist und seine Masken fallen lässt, ohne Angst zu haben, verletzt oder ausgenutzt zu werden. Die Kraft, Unabhängigkeit und Sicherheit dafür kann aus Yoga, aber auch aus anderen Quellen kommen“, findet Beyer. Selbstloses Geben besteht für ihn auch da- rin, Wissen und Weisheit mit anderen zu teilen, ohne einen unmittelbaren Gegenwert zu erwarten. „Das habe ich so bei einigen meiner Lehrer erfahren, denen ich sehr dankbar bin. Nun versuche ich in meinem Unterricht dieses Wissen an Schüler und zukünftige Lehrer weiterzugeben.“ 
  6. Charity-Aktion
    Nachdem einer ihrer deutschen Fans einen Schlaganfall erlitten hatte und plötzlich auf einen Rollstuhl angewiesen war, starteten Deva Premal und Miten kurzerhand eine Charity-Aktion. Mit Hilfe ihrer Fans schenkte das spirituelle Gesangspaar der Frau einen Behindertenhund. Mit der festen Überzeugung, alle seien eine große Familie, in der man einander hilft, riefen sie zu Spenden auf. Das Duo stellte während seiner Konzerte Boxen auf und sammelte Geld für den kranken Fan. Auf der Bühne machten sie auf die Aktion aufmerksam und baten um Hilfe. Das Publikum reagierte enthusiastisch: Bei nur zwei Auftritten kam genügend Geld zusammen, damit sich die Frau den dringend benötigten Vierbeiner anschaffen konnte. „Seit der Hund sie im Alltag unterstützt, fällt ihr vieles leichter“, erzählt Deva Premal nach einem Besuch bei der Frau und ihrem Hund in Köln. 
  7. Das Geschenk des Gurus
    „In der Yoga-Tradition hat die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler eine große Bedeutung“, erzählt Swami Durgananda, seit über 30 Jahren Leiterin der europäischen Sivananda Yoga-Zentren. 1982 entschloss sich ihr Guru Swami Vishnudevananda, mit einem motorisierten Ultralight-Flugzeug über die Berliner Mauer von West nach Ost zu fliegen – als Aufforderung, „menschengemachte Grenzen mit Liebe und Blumen zu überwinden“. Diese öffentlich angekündigte Friedensmission war zu dieser Zeit extrem riskant. Er beauftragte Swami Durgananda mit den Vorbereitungen dieser Aktion. „Vieles musste streng geheim gehalten werden. Dennoch sollte parallel dazu Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden. Der illegale Flug musste in den Medien angekündigt werden und ich knüpfte Kontakte zur Weltpresse, um die Friedensbotschaft ‚der Mensch ist frei wie ein Vogel‘ publik zu machen“, erzählt sie. Swami Vishnudevananda vertraute in der Vorbereitungsphase auf die Kraft positiver Gedanken und in göttliche Führung. Es bestand das Risiko, von Grenzsoldaten beschossen oder nach dem Flug inhaftiert zu werden. Am 15. September 1983 hob Swamiji von den Gatower Rieselfeldern in Westberlin ab, überflog die Mauer beim Checkpoint Charlie und landete schließlich auf einem Acker in Weißensee, Ostberlin. Nach einem Verhör bei der Stasi ließ man ihn zurück nach Westberlin fahren. „Swamiji hatte buchstäblich sein Leben in meine Hände gelegt – dies ist das größte Geschenk, dass mir jemals gemacht wurde“, so Swami Durgananda. 
  8. Sei großzügig
    Der amerikanische Yogalehrer und Autor Baron Baptiste sieht in der Weihnachtszeit die ideale Möglichkeit, bei seinen Söhnen Güte und Großzügigkeit zu stärken. Deshalb schenkt er den neun, zwölf und 15 Jahre alten Jungs jeweils einen Umschlag mit 100 Dollar. Die Hälfte des Geldes dürfen sie behalten und über die restlichen 50 Dollar frei verfügen. Baptistes Intention: Seine Kinder sollen sich überlegen, ob sie die andere Hälfte für sich selbst ausgeben oder spenden. „Darüber wird dann viel diskutiert, vor allem aber entsteht dadurch ein großes Bewusstsein dem Thema gegenüber“, erklärt der Erfinder von Power Vinyasa Yoga. Entsprechend reagieren auch seine Söhne: Sie entscheiden sich jedes Mal dafür, das Geld weiterzugeben. Meistens suchen sie sich eine gemeinnützige Organisation für Kinder aus, wie etwa das „Africa Yoga Project“. „Es ist ein Geschenk, das weiterlebt und etwas bewegt. Es ist ein Geschenk, das Leben in sich trägt“, so Baptiste. 
  9. Verschenke, was du liebst
    1978 entdecke die Yogalehrerin Angela Farmer in einem Londoner Antiquitätengeschäft ein kleines indisches Medaillon. Es zeigt eine Yogini, die in Padmasana, im Lotussitz, sitzt: „Ich fand es wunderschön und es wurde mein wertvollster Besitz“, erzählt Farmer. Vier Jahre später schenkte sie diesen Anhänger dem Yogalehrer Victor van Kooten, um ihrer Liebe Ausdruck zu verleihen. Er war von diesem Geschenk derart gerührt, dass er dafür einen kunstvollen Reisealtar anfertigte. Bis heute begleitet dieser Altar die beiden auf ihren gemeinsamen Veranstaltungen. „Ich habe mein wunderschönes indisches Medaillon weggegeben, aber es kam zu mir zurück – geschmückt und verehrt! Es hat uns all die Jahre bei unseren Lehrveranstaltungen auf der ganzen Welt begleitet. Und jetzt steht die Yogini hier in unserer Yogahalle auf Lesbos, Griechenland. Sie repräsentiert unsere Herangehensweise an Yoga und das Geschenk unserer Liebe“, freut sich Farmer.

Text von Lisa Maria; Fotocredit: Pixabay

Verkaufte Erleuchtung: Yoga ist nicht die Lösung aller Probleme

Yoga Lösung

Ich fühle mich getäuscht. Meine Yogapraxis war keine Immunität für schwierige Situationen. Dabei hätte sich Yoga doch wie eine Bannmeile um mein Leben legen sollen. Schwierigen Situationen und unangenehmen Menschen bliebe der Zutritt untersagt. Wenn ich mich in meinem Leben umschaue, dann fällt mir auf. Same same – but different. Bietet Yoga Lösung aller Probleme?

Bezüglich schwieriger Lebensumstände muss ich leider feststellen: Bislang ist der Mose-Effekt ausgeblieben. Meine Yogapraxis gleicht nicht jenem Stab, der es Mose ermöglichte, trockenen Fußes durch das Rote Meer zu waten. Ich übe Nörgelei und Enttäuschung darüber, dass ich trotz komplexer Armbalancen immer wieder mit den Untiefen des Lebens konfrontiert werde. Darin gleiche ich eher Hiob, der vom gottesfürchtigen und ehrenwerten Mitbürger zum Lamentierer mutierte. Hiob und ich haben eigentlich nichts gemeinsam. Die Geschichte des Alten Testaments zeigt aber, dass selbst die stärkste Gottesfürchtigkeit oder Yogapraxis einknicken können. Mir geht es mit Letzterem ganz oft so. Warum ist das in der Yogaszene kein wirkliches Thema?

Mit einem strahlenden Lächeln…

Liest man die Biographien von Yogis, dann handelt es sich meist um Lebensläufe. Diese bewegen sich in einer kontinuierlichen Aufwärtsspirale. Ausgangspunkt war bei vielen die Krise. Diese scheint aber ein für alle Mal überwunden. Kein Blick mehr zurück. Ganz nach dem Motto: Vorwärts immer, rückwärts nimmer. Alle scheinen unentwegt glücklich.

Zugegeben: In einer vollen Umkleidekabine spart man das eine oder andere weniger erfreuliche Lebensdetails aus. Wenn man von einer schmerzhaften und unlösbaren Veränderung im Leben spricht, sind die wenigsten Yogis um einen schlauen Spruch verlegen. „Das zahlt sich irgendwann einmal aus. Es ist eine Phase, die Dich weiterbringt.“ Diese Sätze höre ich zu oft, zu schnell und zu häufig. Spätestens dann habe ich das Gefühl, als hätte ich etwas wichtiges nicht verstanden. Kommt das von aufgelöster Dualität? Dass wir jede Situation und jede Schwierigkeit in ihren schönsten Farben strahlen sehen? Wenn wir unser ganzes Bewusstsein, unsere Sprache und unsere Haltung auf harmonischen Konsens bürsten, ist dann nicht zu befürchten, dass wir gegenüber den wahren Hiobsbotschaften dieser Welt abstumpfen?

Gerade in der westlichen Yogawelt herrscht die Tendenz, sich auf die freundlichen, guten und schönen Seiten des Lebens zu konzentrieren und diese zu stärken. Das kommt besonders in der Betonung der Körperlichkeit zum Ausdruck. Sicher haben die Lifestyle-Magazine ihren Teil dazu beigetragen, dass Yoga viel zu oft als reines Körperstyling vermarktet wird. Aber auch dort, wo keine Paparazzi vor den Yogastudios warten, um Stars nach ihrer Yogastunde Wasserflasche tragend abzufotografieren, fehlt mir oft die kritische Auseinandersetzung und Konfrontation mit dem Leben. Und dem Teil von Yoga, der sich nicht auf die Körperlichkeit konzentriert. Warum geben wir uns konstant dem Kraftakt hin, mit jedem und allem um uns herum im Einklang sein zu müssen und dabei noch gut aussehen zu wollen? Das hat beinahe schon „Klum“esque Züge.

Ich kann nichts dafür, es ist mein Gehirn!

Ich weiß, dass es ein Wiederspruch ist, aber wenn ich tatsächlich einmal einen meiner Yogalehrer jammern höre, bin ich verunsichert. Mein geschätzter Lehrer, meine geliebte Lehrerin schienen immer über allem zu stehen. Aber sind sie auch nur ein Mensch mit den üblichen weltlichen Problemen? Also: Ärger mit dem Finanzamt, mit dem Arbeitgeber. Probleme in der Partnerschaft oder verhaftet in einem lähmenden Verhaltensmuster mit einer eingebauten Rewind-Taste. Bietet dabei Yoga Lösung? Warum scheint der Graben zwischen yogischer Erkenntnis und richtigem Handeln so unüberwindbar groß?

Auf der Suche nach einer Erklärung gibt die Neurodidaktik aufschlussreiche Hinweise. Eines wird dabei sofort klar. Wir haben es mit einem starken Gegner zu tun. Nämlich unserem Gehirn. Die Neurodidaktik führt verschiedene Ansätze didaktischer und pädagogischer Konzepte mit Erkenntnissen der Neurowissenschaften zusammen. Insbesondere aus der Hirnforschung. Ob wir eine Erkenntnis in die Tat umsetzen und uns dafür auf den steinigen Weg des Umdenkens begeben, hängt davon ab, wie attraktiv uns ein Lernprozess erscheint. Was wir lernen oder nicht, ist multifaktoriell bedingt. Manche Faktoren können wir nicht beeinflussen. Etwa die Motivation und Glaubhaftigkeit unserer Lehrer, den kognitiven und emotionalen Lernvorraussetzung und dem Umfeld, in dem wir aufwachsen und leben.

Am Ende untersteht der Lernprozess aber dem Profanen, und weniger den höheren Werten. Ob wir wirklich bereit sind, etwas Neues zu lernen, hängt davon ab, ob das Gelernte auch belohnt wird. Folgendes Beispiel soll diesen Mechanismus erklären. Ich habe einmal von der folgenden Antwort des Musikers Billy Joel in einem Interview gehört. Warum wollte er unbedingt Klavier spielen lernen wollte? „Um die Mädchen zu beeindrucken.“ Zu Highschool-Zeiten konnte Joel nämlich mit den sportlichen Football- und Basketballspielern nicht mithalten. Er hatte aber festgestellt, dass Frauen ganz hingerissen waren, wenn man für sie Klavier spielte. Auf jeder Party, die ein Klavier zur Verfügung hatte, stand er fortan im Mittelpunkt. Das Piano war umringt von den Schönheiten seiner Schule, die schmachtend sein Spiel verfolgten.

Eine Lernsituation muss dem Lernenden attraktiv vorkommen. Das Gehirn reagiert auf extrinsische Belohnungen. Setzen wir uns aber mit Yogaphilosophie auseinander. Man stellt fest, dass Yoga von einer Tugend getragen wird, die auf Innerlichkeit setzt. Und wer applaudiert mir denn, wenn ich es schaffe, beim Anblick des Briefes vom Finanzamt ruhig und gelassen zu bleiben oder ich bei der Aufforderung zur Steuernachzahlung nicht in Panik gerate? Wer klopft mir auf die Schulter, wenn ich in der heißen Phase einer Diskussion gelassen abwarte und nicht darauf abziele, am Ende die besseren Argumente vorzuweisen? Habe ich die Kraft, mir ständig meine eigene Schulterklopferin zu sein? Ein schrecklicher Gedanke!

Die westliche Yogawelt geht widersprüchlich mit den yogischen Erkenntnissen um. Das ist nicht zu übersehen. Einerseits werden auf jedem Yogaflyer innere Qualitäten wie Ruhe und Gelassenheit hervorgehoben. Zusätzlich setzt die Yogakultur genau wie alle anderen auf schicke Yogaklamotten, einen schlanken Körper und eine gewisse Ästhetik bei der Einrichtung der Studios. Diese erinnern vielerorts eher an hippe Lounges. Werden uns die yogischen Tugenden also Anreiz genug sein, dass wir uns mit aller Wucht gegen alte Handlungsmuster stemmen? Auch, wenn uns eine Belohnung im konventionellen Rahmen eventuell verwehrt bleibt? Unser Gehirn entscheidet.

Yoga Lösung nur bei Erwerbstätigkeit?

Im Herbst 2008 auf der Brooklyn Bridge geriet ich in den berühmten Avon Walk gegen Brustkrebs. Tausende Frauen mit glühenden Gesichtern und entschlossenem Marschschritt brachten die Brücke beinahe zum Erbeben. Sie trugen T-Shirts mit Aufschriften wie „We will win the war against breast cancer“. Oder „Fight breast cancer“. Am Ende auf der Manhattan-Seite angekommen, war der Strom der Aktivistinnen noch nicht schwächer geworden. Unter diesen gefühlten zehntausend Frauen befanden sich exakt zwei Frauen of Color Herkunft. Ich war in eine Veranstaltung geraten, die vorgab, sich mit allen Frauen in den USA zu solidarisieren. Aber sie hatte es nicht geschafft, die nicht-weiße Bevölkerung mit ins Boot zu holen.

Genau das gleiche Bild liefert mir die urbane Yogaszene, zumindest in Deutschland. Von außen betrachtet suggeriert dieser Zirkel, dass jeder willkommen ist. Dass in Yogastudios Gegensätze  – auch soziale – überwunden werden. Für Gleichheit im Yoga gibt es aber weit und breit noch keinen Beweis. Die Eintrittspreise zur Yogastunde können sich nur wenige leisten. 10er-Karten, Halbjahres-Abos, Workshops oder gar Retreats. Alles ist kostspielig und setzt einen monetären Spielraum voraus. Der durchschnittliche Yogi ist weitgereist, mehrsprachig, gesundheitsbewusst und verfügt über ein regelmäßiges Einkommen. Also muss sich die Yoga-Community Fragen stellen. Setzt das Erlernen von Spiritualität eine Erwerbstätigkeit über dem Hartz IV-Niveau voraus? Dringt Yoga zu den Außenrändern der Gesellschaft vor? Oder hören wir sein Echo nur in bessergestellten Vierteln?

Momentan muss ich feststellen: Wir Yogis bleiben unter uns. Yoga verbindet Gleichgesinnte mit unterschiedlichen Persönlichkeiten. Das große Ziel ist jedoch, die Auflösung des Dualismus. Das beschränkt sich bislang bei viel zu vielen Yogis auf das Private. Denn immer noch hält sich hartnäckig eine Vorstellung. Yoga wird eben noch nicht gesellschaftsübergreifend praktiziert. Diese „guten Vibes“ täuschen über die Realität hinweg. Für die Weiterentwicklung des Yoga brauchen wir LehrerInnen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten. Natürlich sind Lebensläufe immer hochindividuell. Allerdings sind sich die Eckdaten der yogischen Hauptklientel bisher bezüglich Herkunft und Bildung zu ähnlich.

Feige, dreckig und gemein. Auch ein Teil von mir, trotz der scheibaren Yoga Lösung.

Die Öffnung hin zur Außenwelt geht neuerdings zum Glück voran. Viele Yogastudios bieten Yogaklassen auf Spendenbasis an. Organisationen wie „Off the Matt into the World“ möchten die Qualitäten, die Yoga in uns weckt, in Aktivismus umsetzen. Ein großer Schritt ist getan, Yoga allen zugänglich zu machen. Auch denen, die nicht zum üblichen Klientel gehören.

Es gibt aber immer wieder Tage, an der Yoga Lösung zweifeln werde. Natürlich ist mir bewusst, dass alles in meiner Hand liegt und Yoga nur das Werkzeug ist. Doch beim Lesen der verheißungsvollen Botschaften der Yogaszene vergesse ich das manchmal. Für mich persönlich bedarf eines regelmäßigen Abgleichs meiner Vorstellung von Yoga und der Wirklichkeit. Denn wie ein Schaf hinter einer Lehre her zu trotten ist gefährlich. Wir können viel mehr sein als nur Schafe, um es mit einem Gary-Larson-Comic auszudrücken.

Mehr zum Thema spiritueller Aktivismus als Yoga Lösung gibt’s hier.

Mit Yoga akzeptierte ich meinen Skeptizismus als eine nötige Triebkraft in meinem Leben. Die Liebe zum Hinterfragen und Anzweifeln schleift Pranayama nicht ab. Zweifellos hilft mir Yoga dabei, das Unangenehme besser zu ertragen. Oder die richtigen Fragen zu stellen. Am Ende des Tages rolle ich auch während persönlicher Krisenzeiten immer meine Yogamatte aus. Machen wir uns nichts vor. Außer dem Duft meines Kindes, einem regelmäßigem Einkommen, Antibiotika zum richtigen Zeitpunkt und den Simpsons, ist ein Satz Sonnengrüße für mein Wohlbefinden unschlagbar.


Über die Autorin! Diana Krebs arbeitet als freie Texterin in Berlin. Das Foto von Yan Krukov von Pexels.